Seit 1970 war Tamara Trampe Dramaturgin bei der Defa. Nach der Wiedervereinigung drehte sie ihre eigenen Filme. | Foto © privat

Über ein halbes Jahrhundert gehörte Tamara Trampe zu den einflussreichsten Filmemacherinnen Deutschlands. Bei rund 90 Projekten hatte sie als Dramaturgin gewirkt, ihre Dokumentarfilme wurden ausgezeichnet. Am vorigen Freitag ist sie mit 78 Jahren gestorben.

„Tamara Trampe war eine Erzählerin, die in Geschichten gelebt hat. Sie hat die Menschen zum Reden gebracht, indem sie von sich sprach,“ schreibt Matthias Dell in seinem Nachruf in der „Zeit“. „Wer wissen will, wie man Dokumentarfilme macht, wenn es Zeit ist, aus der Beobachtung herauszutreten, muss sich ,Der schwarze Kasten‘ von Tamara Trampe aus dem Jahr 1992 anschauen. Der Film ist einer der besten unter denen, die über die DDR-Staatssicherheit gedreht worden sind, denn er will etwas herausfinden: Wie der Einzelne seinen Beitrag zum System leistet.“

Weiterlesen

„Jeder, egal in welcher Abteilung, ist überarbeitet.“ Cathy Scorsese (links, mit ihrem Vater Martin) fordert schon seit Jahren eine bessere Art, Filme zu machen. | Foto © Cathy Scorsese

Der „Hollywood Reporter“ nimmt sich einen Budgetentwurf für den Western „Rust“ vor. Und die Requisiteurin Cathy Scorsese prangert Sparzwang und Arbeitszeiten in der US-Filmbranche an. 

„Die Produzenten des Films ,Rust‘ kalkulierten 650.000 US-Dollar für sich selbst, 7.913 Dollar für ihre Waffenmeisterin und 350.000 Dollar als Notkasse für den Fall, dass etwas schiefgeht.“ Ziemlich heftig packt der „Hollywood Reporter“ [auf Englisch] zusammen, was er in einem Entwurf des Produktionsbudgets gelesen hat: Das Gesamtbudget für „Rust“ betrug 7.279.305 US-Dollar, mit 75 Crew-Mitgliedern, 22 Schauspieler*innen und 230 Kompars*innen aus der Region. Alec Baldwin sollte als Hauptdarsteller 150.000 Dollar und als Produzent weitere 100.000 Dollar erhalten. Vier der fünf anderen Produzenten sollten alle 150.000 Dollar erhalten. „Ich würde sagen, dass dieser Film ein Kampf wird, aber ich würde nicht sagen, dass er abgestürzt und verbrannt wäre‘, sagt eine Quelle mit Kenntnissen ähnlicher Produktionen, die das Budget überprüft hat. ,Ich frage mich, warum sie sechs Produzenten brauchen, die bezahlt werden. Sie würden übereinander herfallen, wenn sie wirklich am Set wären. Aber sowas ist nicht unbekannt.‘“

Weiterlesen

 

Die Kamerafrau Halyna Hutchins starb am 21. Oktober bei Dreharbeiten. Zwischen 6 und 7 Millionen US-Dollar soll das Budget von „Rust“ betragen. Hierzulande eine stattliche Summe, in den USA die niedrigste Kategorie – darunter gibt es nur noch „Ultra-Low“-Budget-Filme, erklärt „Variety“. | Foto © Change

Die Ermittlungen zum tödlichen Zwischenfall beim Dreh in den USA laufen weiter – ebenso die Berichte zu Zwischenfällen bei früheren Produktionen. Das Branchenmagazin „Variety“ hat sich eingehender mit einigen der Produzent*innen des Low-Budget-Western befasst. 

Bei den Dreharbeiten zum Film „Rust“ wurde am 21. Oktober die Kamerafrau Halyna Hutchins mit einer Requisitenwaffe erschossen. Bandar Albuliwi, der vor ihr am American Film Institute (AFI) studierte, hat nun eine Petition gestartet, in der er das Verbot von echten Waffen an Filmsets fordert: „Wie jeder in der ,AFI-Familie’ kannten wir uns alle untereinander. AFI ist eine sehr kleine Gemeinschaft von Filmemacher*innen, die alles daran setzen, nach dem Abschluss des Programms ihren ,großen Durchbruch’ in der Filmindustrie zu schaffen. Diese aufstrebende Kamerafrau wurde 2019 zum ,Rising Star Cinematographer’ ernannt und schaffte endlich den Durchbruch in der Hollywood-Filmindustrie, nachdem sie sich ein halbes Jahrzehnt lang abgemüht und tolle Inhalte gedreht hatte. Vor ,Rust’ hat sie drei Spielfilme gedreht, aber dies wäre der Film gewesen, der sie in Hollywood als talentierte Kamerafrau bekannt gemacht hätte, die mit einem A-Promi zusammenarbeitet. Wir müssen dafür sorgen, dass sich diese vermeidbare Tragödie nie wieder ereignet!  Im 21. Jahrhundert gibt es keine Entschuldigung dafür, dass so etwas passieren kann. Echte Waffen werden an den Drehorten von Filmproduktionen nicht mehr benötigt. Wir befinden uns nicht mehr in den frühen 90er Jahren, als Brandon Lee auf die gleiche Weise getötet wurde.“

Weiterlesen

Der Oberbeleuchter Serge Svetnoy teilte auf Facebook das letzte Foto vor dem Unglück und erhob schwere Vorwürfe. Halyna Hutchins ist bereits die vierte Kamerafrau, die in den vergangenen zehn Jahren in den USA bei Dreharbeiten getötet wurde, rechnet das Magazin „Jacobin“ vor. | Foto © Serge Svetnoy

Bei den Untersuchungen zum Todesfall beim Dreh des US-Westerns „Rust“ vermuten die Ermittler scharfe Munition am Set. Unterdessen hatten mehrere Filmschaffende ihre Erfahrungen geteilt: Sie werfen der Produktion vor, auf Kosten der Sicherheit gespart zu haben. 

Nach dem tödlichen Schuss am Filmset des Western „Rust“ gehen die Ermittler davon aus, dass die von dem Schauspieler Alec Baldwin benutzte Waffe mit einer echten Kugel geladen war, berichtet die „Tagesschau“. Dies gaben die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico bekannt. „Nach Angaben des Sheriffs gibt es Hinweise, dass sich noch mehr scharfe Munition am Set befand. Dazu seien weitere Untersuchungen in einem Waffenlabor nötig. Demnach stellte die Polizei am Filmset 500 Kugeln sicher – eine ,Mischung’ aus Platzpatronen, Patronenattrappen und vermutlich auch echten Kugeln. ,Wir werden feststellen, wie sie (die echten Kugeln) dort hingekommen sind, warum sie da waren, denn sie hätten nicht dort sein sollen’, so [Sheriff] Mendoza. Die Ermittler ließen auch durchblicken, dass ihnen Berichte bekannt seien, wonach Crewmitglieder einige Stunden vor dem tödlichen Vorfall Waffen mit scharfer Munition für Schießübungen benutzt hätten. Auch diesen Berichten gehe man nach.“ 

Weiterlesen

 

Benedict Hoermann (2. von rechts) beim Dreh von „Euphoria“. Hoermann hat als 1st AD an an internationalen Koproduktionen wie „Resistance“ oder „Trautmann“ gearbeitet. Mit Inken Janssen ist er Erster Vorstand der Assistant Directors Union mit rund 100 Mitgliedern. | Foto © Jürgen Olcyk/Tatfilm

Bei Dreharbeiten in den USA kam die Kamerafrau Halyna Hutchins ums Leben, weil eine Requisiten-Waffe geladen war. Ein solcher Unfall lasse sich nur vermeiden, wenn die Sicherheit an erster Stelle steht, meint Benedict Hoermann, 1st AD und Vorstand der Assistant Directors Union. Dafür brauche es aber gute Planung, mehr Schulungen und klarere Hierarchien. 

Herr Hoermann, Platzpatronen kenne ich nur vom Fasching. Wie kann es, technisch gesehen, überhaupt zu solch einem tödlichen Unfall kommen?
Das ist schwierig zu sagen, bevor die Untersuchungen abgeschlossen sind. Was ich bisher gelesen habe: Dass bei einer Probe oder beim Dreh sich ein oder mehrere Schüsse aus einem Revolver gelöst haben, der zuvor von dem 1st AD als „Cold Weapon“, also ungeladene Waffe bezeichnet wurde. Es ist nicht unüblich, dass der 1st AD diese Ansage laut macht. Dies ist sogar sehr sinnvoll, weil dann alle Umstehenden genau wissen, dass diese Waffe ungefährlich ist.
Im gegenteiligen Fall, also wenn etwa eine Waffe mit einer oder mehreren Platzpatronen geladen ist, macht man direkt vor der Übergabe die Ansage „Hot Weapon“ und weist noch einmal Crew und Cast klar und deutlich darauf hin, dass die Waffe mit Platzpatronen geladen ist, äusserst gefährlich ist und niemals auf Personen gerichtet werden darf, es sei denn sie sind extra durch schussfeste Scheiben oder ähnliches geschützt.
Platzpatronen kommen in der Regel nur zum Einsatz, wenn es zu teuer und aufwendig wäre, das Mündungsfeuer einer Pistole und die Bewegung der Mechanik einer Waffe beim Schuss erst im Nachhinein mit VFX zu generieren. Das ist meist der Fall, wenn sich grössere Teile an einer Waffe beim Auslösen bewegen; oder wenn die Waffe im Dunklen abgefeuert wird und der Lichteffekt sehr deutlich zu sehen ist; oder wenn die Waffe sich recht nah vor der Kamera befindet.
Was natürlich niemals passieren darf: Dass ein*e 1st AD eine Waffe übergibt – das muss stets über eine*n Waffenmeister*in, die Fachkraft am Set, geschehen. Und natürlich darf ein*e 1st AD die Ansage „Cold Weapon“ auch erst machen, nachdem der*die Waffenmeister*in den leeren Lauf der Waffe und die leere Kammer gezeigt hat und gesagt hat, dass die Waffe leer ist.

Muss denn der 1. AD nochmals kontrollieren?
Ja. auf jeden Fall. Ich fühle mich in der Regel für alles verantwortlich, und jedes Problem ist auch mein Problem. Demnach ist vor allem wichtig, bei allen Dingen die Kontrolle zu haben. Und das geht nur, indem man, gerade bei sicherheitsrelevanten Dingen, jeden Schritt und jedes Department noch einmal selbst hinterfragt und kontrolliert. Das heißt natürlich nicht das ich alles selbst tue. Aber an einem Set sollte nichts passieren und geschehen, dass nicht genau so läuft, wie es von AD und Production Assistant angesagt wurde. Das bedeutet eine große Verantwortung, aber dafür hat man als AD bei Sicherheitsentscheidungen auch das letzte Wort: Wenn ein AD in Großbritannien sagt, „Nein, das ist nicht sicher“ oder „So wird es nicht gedreht“ dann gilt das und kann auch nicht von Regie oder DoP übergangen werden. Weiterlesen

Beim Dreh zum Western „Rust“ erschoss der Hauptdarsteller versehentlich die Kamerafrau. Im Fokus von Ermittlungen und Berichten stehen zurzeit die Waffenmeisterin und der 1st AD. | Screenshot

Beim Dreh zum Western „Rust“ erschoss der Schauspieler Alec Baldwin versehentlich die Kamerafrau und verletzte den Regisseur. Anscheinend wurden Sicherheitsprotokolle nicht eingehalten. Filmschaffende hatten sich zuvor über Arbeitsbedingungen und mangelnde Sicherheit beschwert. 

Ein tödlicher Unfall ereignete sich vorigen Donnerstag bei Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ im US-Bundesstaat New Mexico. Der Schauspieler Alec Baldwin hatte eine Requisitenpistole abgefeuert, die laut Polizeibericht versehentlich geladen war. Die Kamerafrau Halyna Hutchins starb im Krankenhaus an ihren Verletzungen, der Regisseur Joel Souza wurde ebenfalls getroffen und verletzt. 

Die Ermittlungen fokussieren sich auf eine Waffenmeisterin und den Regieassistenten, berichtet „Der Spiegel“. Mit „Regieassistent“ meint das Nachrichtenmagazin den 1st AD, Dave Halls (den Unterschied erklärt die Assistant Directors Union). Für die Waffen war Hannah Gutierrez-Reed verantwortlich: Sie „ist die Tochter des langjährigen Hollywood-Waffenmeisters Thell Reed. Die 24-Jährige hatte sich in einem Podcast im September über ihren ersten Filmauftrag für den Western ,The Old Way’ mit Nicolas Cage geäußert. ,Ich war anfangs wirklich nervös und hätte den Job beinahe nicht angenommen, weil ich nicht sicher war, ob ich bereit bin. Aber als ich ihn machte, lief alles glatt’, sagte sie.“

Wenigstens zwei Kolleg*innen hätten das anderes gesehen, zitiert die Nachrichtenseite „Daily Beast“ [auf Englisch] ihre Quellen: Im Vergleich zu anderen Sets sei bei „The Old Way“ erheblich weniger auf Schusswaffensicherheit geachtet worden. Gutierrez-Reed habe einer elfjährigen Schauspielerin eine Waffe gegeben, ohne sie vorher ordnungsgemäß zu prüfen. Erst als Crew-Mitglieder eingriffen und den Dreh abbrechen wollten, habe sie das nachgeholt. 

Weiterlesen

Kunst fragt Wissenschaft. Die Aktion #allesaufdentisch ließ Expert*innen zu Wort kommen, die die Corona-Politik kritisch sehen. Youtube sah das ebenfalls kritisch. | Screenshot

In Videos befragten Künstler*innen Wissenschaftler*innen zu ihrer Sicht auf die Corona-Politik. Youtube sah seine Richtlinien verletzt und löschte mehrere Beiträge. Das Landgericht Köln pfiff die Internet-Plattform zurück.

Unter dem Hashtag #allesaufdentisch hatten zahlreiche Künstler*innen Experten zu ihrer Sicht auf die Corona-Politik befragt. Die Aktion stieß auf ein ähnliches Echo wie vor einem halben Jahr die angeblich satirisch gemeinte Video-Reihe #allesdichtmachen, auch eine der damaligen Mitwirkenden waren wieder dabei. Youtube reagierte und löschte „mehrere Videos der regierungskritischen Künstler-Aktion“, berichtete die „Bild“-Zeitung am Montag hinter der Bezahlschranke und zitierte den Anwalt der Aktion: Dies sei eine „neue Dimension des Rechtsbruchs“. 

Noch am Montag hatte das Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung erlassen, dass die Löschung von zwei Interviewclips zurückzunehmen sei: Youtube habe den Kanal-Betreibern nicht konkret genug mitgeteilt, welche Passagen ihrer Meinung nach gegen welche Vorschrift ihrer Richtlinie verstießen, berichtet die „Berliner Zeitung“ gleich zweimal und gibt wieder, was die „Bild“ aus der Gerichtsentscheidung zitierte: „Youtube dürfe nur bei ,einer offensichtlichen, auf den ersten Blick erkennbaren medizinischen Fehlinformation‘ Videos löschen, ohne konkrete problematische Passagen zu benennen. Bei den gelöschten Interviews handele es sich aber um ,längere Videos‘, die ,auch eine Vielzahl von eindeutig zulässigen Äußerungen enthalten‘. Youtube dürfe nur bei ,einer offensichtlichen, auf den ersten Blick erkennbaren medizinischen Fehlinformation‘ Videos löschen, ohne konkrete problematische Passagen zu benennen. Bei den gelöschten Interviews handele es sich aber um ,längere Videos‘, die ,auch eine Vielzahl von eindeutig zulässigen Äußerungen enthalten‘.“

Weiterlesen

„cinearte“ ist 18. Zum Geburtstag machen wir uns selbst ein Geschenk und erinnern an ein vergessenes Interview. | Foto © cinearte

„cinearte“ ist volljährig! Heute vor 18 Jahren erschienen die ersten „Nachrichten für Filmschaffende“. Eine Zeitschrift für alle Gewerke – wir fanden das ein weltweit einzigartiges Konzept. Ausführlicher hatte ich es vor elf Jahren dem Schauspiel-Blog „tolle-rolle.info“ im Interview erklärt. Den Blog gibt es leider nicht mehr, das Interview veröffentlichen darum zu unserem Jubiläum nochmal.

[Achtung: Dieses Interview wurde 2010 geführt. Die Angaben zu Verbreitung und Erscheinungsweise sind nicht mehr aktuell, die Druckausgabe „cinearte XL“ gibt es nicht mehr. Alles andere gilt auch heute noch.]   

Herr Hartig, der Blog „tolle-rolle.info“ ist ja so ganz auf Schauspieler*innen ausgelegt. Ist „cinearte“, ein Magazin für Filmschaffende, auch für Schauspieler interessant?
Das will ich doch hoffen – und liege damit offenbar gar nicht so falsch. Unter anderem haben 14 Berufsverbände der Branche unsere „Nachrichten für Filmschaffende“ abonniert, darunter auch die beiden Schauspielerverbände BFFS und IDS. Ich gebe allerdings zu, daß die Schauspieler, als ich das Konzept für „cinearte“ entwickelt habe, nicht ganz im Mittelpunkt meiner Überlegungen standen.

Sondern?
Meine Beobachtung vor sieben Jahren war: Es wird zwar immer wieder über Filme geschrieben und berichtet, aber kaum übers Filmemachen. Und ich habe mich gefragt: Was lesen eigentlich Filmschaffende, wo finden Sie sich und ihre Arbeit dargestellt? Regisseure, Szenenbildner, Kameraleute, Cutter … 

… und Schauspieler?
Das ist der Moment, wo ich mich wahrscheinlich entschuldigen muß. Ich hielt anfangs Schauspieler gegenüber anderen Filmberufen für zu beneiden – wann immer es ums Kino geht, werden sie zuerst genannt, eigentlich sogar als einzige. Ich habe schnell dazugelernt. Weiterlesen

Die Antworten sind ausführlicher, eine Tabelle fasst sie zusammen: So stellen sich die Parteien die Zukunft des Films vor. | Screenshot

Sechsmal werden wir noch wach – dann wird gewählt. Ein schneller Überblick, was die Parteien mit der Filmkultur vorhaben.

Dass ohne Kultur gar nichts geht, hatte im in den vergangenen anderthalb Jahren fast jede Partei im Bundestag gepredigt. Indes gingen Hilfsprogramme an vielen Kulturschaffenden vorbei, andere mußten monatelang auf die Nothilfen warten oder wurden gleich in die „Grundsicherung“ verwiesen. Und als wieder geöffnet wurde, galten für Kulturstätten strengere Regeln – auch sie mussten länger warten. 

Wer Schlimmes vermutet, wird im Wahlkampf bestätigt: Die Kultur spielt in den Diskussionen keine Rolle. Der „Wahl-O-Mat“ findet in seinen 38 Fragen keinen Platz für die Kulturpolitik – die Alternativen ebensowenig.

Auch für den Film ist die Zukunft ungewiss. Die dringend erwartete Neufassung des Filmförderungsgesetzes (FFG) wurde wegen Corona vertagt – eine Behelfsnovelle gilt für die nächsten zwei Jahre. Welche Vorstellungen die Parteien von der Zukunft des Kinos und der Filmkultur haben, wollte die Initiative Zukunft+Film wissen und stellte  für ihre Wahlprüfsteine „acht grundlegende Fragen“ zur Filmpolitik. Auf „Outtakes“ hatten wir die Antworten von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Linke, FDP und Freien Wählern veröffentlicht. Zum Abschluss und schnellen Überblick fasst eine Tabelle die Positionen zusammen.

Das älteste Filmfestival der Welt ging gestern in Venedig zu Ende. Am Anfang hatte sich der Festival-Chef Alberto Barbera noch entschuldigt, dass von den 21 Wettbewerbsbeiträgen um den „Goldenen Löwen“ nur fünf von Regisseurinnen stammen. Umso besser das Ergebnis: Der Hauptpreis ging an das Abtreibungsdrama „Happening“, der zweite Film der Französin Audrey Diwan. | Foto © Filmfest Venedig

Im Wettbewerb von Venedig waren Regisseurinnen dieses Jahr schwächer vertreten. Umso stärker das Ergebnis: Sie gewannen die Preise für Regie, Drehbuch – und den „Goldenen Löwen“.

Das älteste Filmfestival der Welt ging gestern in Venedig zu Ende. Am Anfang hatte sich der Festival-Chef Alberto Barbera noch entschuldigt, dass von den 21 Wettbewerbsbeiträgen um den „Goldenen Löwen“ nur fünf von Regisseurinnen stammen. Das machte aber nichts: Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion erhielt den Regiepreis, die US-amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal für ihr Regie die Auszeichnung für das beste Drehbuch, und der „Goldene Löwe“ ging an das Abtreibungsdrama „Happening“, der zweite Film der Französin Audrey Diwan.   

Weiterlesen

Im Lockdown sind die Kinoumsätze zusammengebrochen. Die Zahl der Kinos ist von der Pandemie aber noch kaum betroffen. Das zeige, dass die Hilfsprogramme gewirkt haben, meint die Filmförderungsanstalt. | Foto © Jana Cerno

Horrorzahlen und Hoffnungsschimmer: Die FFA hat ihre Kinobilanz für das erste Halbjahr vorgelegt.

Schön sind die Zahlen nicht, die die Filmförderungsanstalt (FFA) am Montag in ihrer  Kinobilanz für das erste Halbjahr vorlegte. Wegen des Corona-Lockdowns, der für die meisten Kinos erst Anfang Juli endete, wurden seit Januar nur etwa 840.000 Eintrittskarten verkauft. 2020 waren es im ersten Halbjahr trotz des Lockdowns im Frühjahr noch fast 26 Millionen gewesen, im Jahr 2019 knapp 54 Millionen. Darum lässt die FFA diese Zahlen in der Anküdingung beiseite und konzentriert sich lieber auf eine frohe Botschaft: „Das vielbefürchtete Kinosterben hat bisher nicht stattgefunden.“

Weiterlesen

„Das Boot“ war ein internationaler Kinoerfolg mit sechs „Oscar“-Nominierungen. Jost Vacano (an der Kamera) trug dazu nicht nur durch seine Bildgestaltung bei, sondern entwickelte auch ein Stabilisierungssystem, dass die Bild im engsten Raum erst möglich machte. Seit anderthalb Jahrzehnten streitet er um eine angemessene Vergütung. | Foto © Bavaria

Seit 13 Jahren klagt der DoP Jost Vacano um eine angemessene Beteiligung am Erfolg des Filmklassikers „Das Boot“. Jetzt hat er sich mit den ARD-Anstalten geeinigt. ein wirklicher Lichtblick sei das aber nicht.

Im Rechtsstreit über eine angemessene Vergütung hat sich der Chefkameramann des international erfolgreichen Filmklassikers „Das Boot“, Jost Vacano, mit den ARD-Anstalten geeinigt, berichtete auch „Der Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Beide greifen auf Texte von Deutscher Presse-Agentur und Evangelischem Pressedienst (EPD) zurück, die den jahrelangen Rechtsstreit nochmals aufrollen. „Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR), gegen den Vacano in einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht München klagt, ist dem Vergleich vorbehaltlich der Klärung von Formalitäten beigetreten. Die Einigung sieht eine Abfindung für Vacano in Höhe von insgesamt 160 000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer vor. […] Der SWR teilte auf EPD-Nachfrage mit, Vacano werde das Verfahren gegen den WDR in München nun für erledigt erklären. Die Abfindungssumme schließe ,alle Sendungen in allen Programmen der ARD einschließlich 3sat und Arte ein, die in der Vergangenheit erfolgt sind, außerdem Zinsen und einen Betrag für künftige Sendungen‘. Der ,Wert‘ der künftigen Ausstrahlungen werde dabei nicht nach dem Wiederholungsvergütungsmodell berechnet, sondern nach dem neuen Punktemodell einer Gemeinsamen Vergütungsregelung (ARD-GVR Drehbuch), das seit dem 1. Januar 2019 für Auftragsproduktionen der ARD gilt.“

Weiterlesen

Sorry, das Bild muss so sein. Schließlich war „Titane“ der gewagteste Film des Festivals und umstritten wie kein anderer, schwärmen vor allem die Kritiker. | Foto © Carole Bethuel

Wie war’s in Cannes? Die Feuilletons begeistern sich an der „Goldenen Palme“. Am Festival selbst gibt’s manches zu mäkeln.

Die Filmfestspiele von Cannes gingen am Samstag zu Ende, und Jurypräsident Spike Lee machte 48 Sekunden Filmgeschichte, als er gleich zu Beginn der Gala den Hauptgewinn ausplauderte. Zum zweiten Mal in 74 Ausgaben hat eine Frau die „Goldene Palme“ erhalten. Die erste hatte 1993 Jane Champion mit „Das Piano“ gewonnen, aber die musste sich den Preis damals noch teilen. Julia Ducournau hat ihn alleine gewonnen: Mit „Titane“, ihrem zweiten Langfilm, war die 37-jährige Französin eine von vier Regisseur*innen im Wettbewerb mit 24 Filmen.

Weiterlesen

Vorletztes Jahr in Lünen. Das Kinofest gilt jetzt offiziell als fairstes Festival im Lande. | Foto © Kinofest Lünen

Verdi hat gefragt, Festivalmitarbeiter*innen haben geantwortet: Das Kinofest Lünen ist das fairste Filmfestival Deutschlands.

Die AG Festivalarbeit in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat erstmals ihren „Fair Festival Award“ verliehen (die Veranstaltung im Rahmen des Dresdner Filmfests ist hier im Stream zu sehen). Auf den folgenden Rängen erhielten das Pornfilmfestival Berlin, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, das Kurzfilm Festival Hamburg, das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund/Köln und das Filmfestival Max-Ophüls-Preis das Prädikat „Faires Festival“.

Für die erste Ausgabe wurden in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg ausführlich die Arbeitsbedingungen bei 49 deutschen Filmfestivals abgefragt; auf einer vierstufigen Skala wurden Kriterien wie Vertrag, Arbeitsbedingungen, Kommunikation, Führung, Arbeitsklima, Mitbestimmung, Chancengleichheit, Gleichbehandlung und Entlohnung bewertet. 14 Festivals, für die mindestens drei Bewertungen vorlagen, wurden in einer zweiten Runde eingehender betrachtet. 

Ziel der Umfrage war nicht nur, das fairste Filmfestival zu küren, „sondern auch das nur spärlich dokumentierte Feld der Arbeitsbedingungen bei Filmfestivals zu untersuchen, das bisher wissenschaftlich kaum erschlossen ist. Das entstandene Branchenbild vermittelt eine erste anschauliche Skizze über die Arbeitsverhältnisse in der deutschen Filmfestival-Landschaft und gibt einen Einblick in die Strukturen, auch wenn es nicht repräsentativ für die gesamte Branche ist und so den Bedarf für weitere Forschung verdeutlicht.“ Deutlich sei, dass die Filmfestivalbranche zu prekären und geschlechterungerechten Arbeitsverhältnissen beiträgt: 39 Prozent der befragten Festivalarbeiter*innen können nicht allein von dieser Arbeit leben – die Karriereverläufe von Frauen und Männern weichen stark voneinander ab. 

Mit knapp 200 vollständigen Antworten war der Rücklauf „überschaubar“, heißt es in der Dokumentation zur Umfrage. Dies sei zwei Faktoren geschuldet: „Zum einen hat der Beginn der Corona-Pandemie, kurz nach Start der Erhebungsphase, die Pläne vieler Festivals durchkreuzt. Zum anderen ist der ,Fair Festival Award‘ als neue Auszeichnung noch unbekannt.“ Das nächste Mal soll der Preis zur Berlinale 2022 vergeben werden.

Für den Nachwuchs müsste viel mehr getan werden! Auf dem Filmfest München stellte der Produzentenverband die Zahlen zur These vor. Von links: Moderator Urs Spörri und die Leiterinnen der Nachwuchssektion im Produzentenverband, Alexandra Krampe und Saralisa Volm. | Foto © Kurt Krieger

Die erste Studie zur Situation und Förderung der Nachwuchsfilmschaffenden hat der Produzentenverband vorgestellt. Sie „zeigt nun faktenbasiert systemische Schwachstellen auf.“ 

Eigentlich und insgesamt scheint für den Filmnachwuchs doch alles zu laufen. Zahlreiche Filmhochschulen bilden in Deutschland aus, Sender reservieren Programmplätze für die Debüts, Förderer einen Teil ihrer Budgets … Ein anderes Bild zeigt der Produzentenverband, nach eigenen Angaben „die maßgebliche Vertretung der unabhängigen Kino-, Streaming- und Fernsehproduzent*innen in Deutschland“. Auf dem Filmfest München stellte der Verband vorigen Mittwoch seine „Nachwuchsstudie“ vor – die erste Studie zur Situation und Förderung der Nachwuchsfilmschaffenden in Deutschland.

Zwischen August und November 2020 wurde eine „Stichprobe“ von 488 Nachwuchs-Filmschaffende und Absolvent:innen der Bereiche Regie, Drehbuch und Produktion befragt. Ebenso die Förderer, Sender (private und öffentlich-rechtliche), Streamer, Verleiher und Filmhochschulen. Die Zahlen sollen die Grundlage für einen „breit angelegten Branchendialog“ bieten, der in den kommenden Monaten unter dem Banner „Zukunft Nachwuchs“ stattfinden werde, so der Produzentenverband. „In kollaborativen Formaten und einem ergebnisoffenen aber ergebnisorientierten Prozess“ gemeinsam an bessere Bedingungen gearbeitet werden – „für mehr Kreativität, Innovation und Diversität“, und um „dem filmischen Nachwuchs zu ermöglichen, nachhaltig in der Branche Fuß zu fassen.“ Denn die Hindernisse seien seit seit Jahren dieselben, meinen die Leiterinnen  der Nachwuchssektion des Produzentenverbands.
Weiterlesen