
Alan Wolk erklärt, weshalb Streaming wieder mehr Raum für Zufallsentdeckungen schaffen sollte und warum zugleich Geschäftsmodelle des klassischen Fernsehens zurückkehren. | Foto © Lars Hübner
Streaming hat die Medienwelt verändert. Doch mit Algorithmen, Plattformökosystemen und einer neuen Konsolidierungswelle entstehen auch neue Abhängigkeiten und Medienblasen. Der US-Medienanalyst Alan Wolk beschreibt diese Entwicklung in seinem neuen Buch mit dem Begriff „Feudal Media“. Dazu befragte ihn Peter Effenberg, Leiter der MediaTech Hub Conference.
Die Medienbranche erlebt zurzeit eine neue Welle der Konsolidierung. Große Player kaufen zu, bündeln Angebote und suchen nach Größe. Was steckt dahinter?
Vor allem der Druck durch die großen Technologiekonzerne. Google, Amazon, Apple und Microsoft können Entertainment als Nebengeschäft betreiben und ihre eigentlichen Geschäfte damit unterstützen. Für klassische Medienunternehmen ist Unterhaltung dagegen das Kerngeschäft. Deshalb müssen sie größer werden: durch Fusionen, Übernahmen und Bündelungen. Zugleich besitzen sie etwas, das für Tech-Unternehmen wertvoll ist – die Fähigkeit, Inhalte zu produzieren, die Menschen tatsächlich sehen wollen.
Du beschreibst diese Entwicklung in deinem neuen Buch mit dem Begriff „Feudal Media“. Was bedeutet das?
Über Jahrzehnte gab es eine mediale Monokultur. Zeitungen, Radio und später Fernsehen schufen gemeinsame Bezugspunkte. In den 1960er- und 1970er-Jahren wussten große Teile der Bevölkerung, was am Abend im Fernsehen lief. Diese gemeinsame Welt zerfällt. Heute leben Menschen zunehmend in kleinen medialen Königreichen: auf Netflix, Instagram, TikTok, Spotify oder Substack. Algorithmen verstärken diesen Effekt, indem sie uns immer mehr von dem zeigen, von dem sie glauben, dass es uns interessiert. Das muss nicht einmal politisch sein. Wer sich für Restaurants interessiert, bekommt Restaurants. Wer sich für eine bestimmte Sportmannschaft interessiert, bekommt fast nur noch diese Mannschaft. Andere Perspektiven verschwinden aus dem Blickfeld. Weiterlesen






