Mit seinem „Filmbooster“ hatte der BKM viel Geld und noch mehr Planungssicherheit versprochen. Doch kaum gestartet, kommt der schon ins Stottern. Im nächsten Jahr fehlen der Filmförderung 36 Millionen Euro. Mindestens.
Die Bundesregierung hat diese Woche ihren Haushaltsentwurf für 2027 vorgelegt, und die Befürchtungen haben sich bestätigt: Gespart wird auch an der wirtschaftlichen Filmförderung des Bundes – 36 Millionen Euro werden im nächsten Jahr fehlen. „Noch schneller hätten vermutlich nur wenige – zunächst eingelöst scheinende – Förderversprechen des Bundes Risse bekommen“, meint Marc Mensch bei „The Spot“[Bezahlschranke]. Und klar sei nun „dass jegliche Zweifel an der verlässlichen ,Überjährigkeit’ eines 250-Millionen-Euro-Topfes berechtigt waren.“
Zur Erinnerung: 250 Millionen Euro mehr hatten die neue Bundesregierung und ihr Beauftragter für Kultur und Medien ((BKM) der Filmbranche versprochen. Und zwar jedes Jahr. „Damit kann die gesamte Filmwirtschaft nun erstmals wirklich verlässlich über Jahre hinaus planen“, erklärte BKM Wolfram Weimer noch Ende Mai und sah die große Reform der Filmförderung vor dem Abschluss.
Beim „Deutschen Filmpreis“ wurde Wim Wenders für sein Lebenswerk geehrt. Und hat mal wieder eine große Frage angestoßen: Was wiegt schwerer – die Freiheit der Kunst oder die Würde des Menschen?
Vorigen Freitag wurde übrigens der „Deutsche Filmpreis“ verliehen. Eine Aufzeichnung der Gala gibt’s in der ARD-Mediathek. Die „Lola“ in Bronze ging an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Regisseur Simon Verhoeven, in Silber an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“. Mit Gold als bester Film aber wurde „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski gekürt.
Zehn „Lolas“ hat das Historiendrama über mehrere Frauengenerationen gewonnen. Diesen Rekord hielten bislang nur „Nachts, wenn der Teufel kam“ und „Das weiße Band“, erklärt Marius Nobach im „Filmdienst“. In den Dankesreden wurde immer wieder betont, „wie entscheidend das Zusammendenken und -wirken aller Gewerke für die besondere Gestalt des Films gewesen sei. […] Allerdings lässt sich dieser Preisregen nachvollziehen. Die außergewöhnliche formale Geschlossenheit von ,In die Sonne schauen’ machte es schwer, einem der Gewerke die Würdigung nicht zu gönnen. […] Bei aller Feierstimmung vergaßen die Geehrten zudem nicht, an die schwere Geburt des Films zu erinnern, die von einem durchaus symptomatischen Dilemma des heutigen deutschen Kinos kündet. Die Kombination aus wenig Geld, geringer Zeit, aber hohem künstlerischem Anspruch und einem beharrlich verfolgten ungewöhnlichen Ansatz mag – auch international – sehr geschätzte Filme hervorbringen; eine Regelmäßigkeit lassen so ungünstige Rahmenbedingungen aber kaum zu. Davon zeugt auch, dass ,In die Sonne schauen’ erst der zweite Spielfilm von Schilinski ist; zwischen ihm und ihrem Debüt ,Die Tochter’ lag eine siebenjährige Pause. Unter den ,Lola’-Preisträgern der letzten Jahre steht Schilinski mit der langen Vorlaufzeit für ihr Wunschprojekt alles andere als allein da“.
Im Mai blickt das Dokfest München wieder auf die großen Themen unserer Zeit. Seit vorigem Jahr mit einem neuen Konzept, ab diesem Jahr unter neuer Leitung.
Frau Kohout, Sie sind schon seit fast 20 Jahren beim Dokfest München. Jetzt kommt das erste unter ihrer Leitung. Das Festival haben Sie allerdings schon voriges Jahr zum 40. Jubiläum umgebaut. Statt der bisherigen Sektionen gibt es nun 15 Themenfelder. Wie ist das angekommen? Sehr gut. Die meisten Zuschauer*innen orientieren sich bei ihrer Filmauswahl an Themen. Wir haben das Programm so sortiert, dass sie schnell die Filme finden, die sie interessieren. Das hat sich bewährt. Wir haben das in diesem Jahr weiterentwickelt und um einen Aspekt erweitert: Jede Reihe hat nun einen „Signature-Film“, der das Thema nochmal stärker in den Fokus rückt, und mit dem wir auch noch anders arbeiten: Zu jedem Signature-Film gibt es einen „Fokus Talk“, sprich eine Erweiterung und Vertiefung des Themas. Überhaupt haben wir in diesem Jahr mehr thematische Gespräche und Events und dadurch auch mehr Inhalte.
So wie diese Signature-Filme sind dann auch die anderen Filme in der Reihe? Alle Filme der Reihen drehen sich um ähnliche Themen oder beleuchten ein Oberthema aus verschiedenen Perspektiven.
Was ist bei den Fokus Talks anders als bei den üblichen Filmgesprächen? Die anderen Gespräche gibt es auch. Bei den Fokus Talks haben wir nicht nur ein Q&A mit der Regie, sondern auch Expert*innen, die das Thema eben in den Fokus stellen und vertiefen.Bei der Reihe „Visions of the Future“ zum Beispiel haben wir den Signature-Film „Finding Connection“. Es geht um Beziehungen zwischen Mensch und Chatbot, also eine App, mit der Menschen eine Beziehung eingehen. Im Fokus Talk werden wir zum einen den Protagonisten zu Gast haben. Dann gibt es aber auch den Psychologen, der erklärt, was solche Beziehungsmodelle zwischen Mensch und KI bedeuten. Und wir haben noch den CEO einer Firma da, die solche „Companion Apps“ entwickelt, der das von der technischen Seite beleuchtet. Das soll ein Rundumschlag sein, und man kann somit tief ins Thema gehen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2026-04-23 21:00:562026-04-23 21:00:56Die Welt aus hundert Perspektiven
Am Sonntag wurden die „Oscars“ verliehen. In der Auswahl zeigt sich Hollywood kämpferisch, die Preisgala war dagegen eher vorsichtig.
Sonntagnacht wurden in Hollywood die „Oscars“ verliehen. Der „Perlentaucher“ hat die Berichte und Einschätzungen am Montag und Dienstag gesammelt. Und die besten Witze aus der Moderation von Conan O’Brian gibt’s bei „GQ“. „Als ich letztes Jahr die Moderation übernommen habe, stand Los Angeles in Flammen“, sagte der in seinem Eröffnungsmonolog. „Aber dieses Jahr läuft alles super!“
Was die Preisverleihung über unsere Zeit aussagt, überlegt Dietmar Dath in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. „Die alljährliche ,Oscar’-Verleihungszeremonie findet nicht in der Wirklichkeit statt, sondern in einer Glamour-Parallelgesellschaft. […] Die Wirklichkeit 2026: Trump, Inflation, Krieg, Naturverwüstung, Unrecht. Die ,Oscar’-Zeremonie 2026: Witzbolde, Schauspiel- und Regietalente, die ein paar Stunden lang so tun dürfen, als könnten sie auf heiter-feierliche Distanz zu besagter Wirklichkeit gehen, mit kleinen Spitzen gegen sie. […] Zwei Filme, um die es in der Zeremonie vor allem ging, handeln exakt von solchen verschärften Kontrasten zwischen gesellschaftlichen Übeln und parallelgesellschaftlichen Ausweichräumen: ,Blood and Sinners‘ von Ryan Coogler und ,One Battle After Another’ von Paul Thomas Anderson.“
Die Meinungsfreiheit ist wichtig, sagt der Kulturstaatsminister. Deshalb muss man genau darauf aufpassen. Und streichen, was einem nicht gefällt …
#1
Kaum ist die Sache mit der Meinungsfreiheit auf der Berlinale gelaufen, hat der BKM schon wieder mit der Kultur zu kämpfen: Der „Deutsche Buchhandlungspreis“ ist vergleichbar mit dem Kinoprogrammpreis (heute „Liebling Kino“) und soll inhabergeführte Bücherläden mit vorbildlichem Angebot unterstützen – 115 werden dieses Jahr ausgezeichnet, 483 hatten sich beworben. Eine Million Euro stellt der BKM jährlich an Prämien zur Verfügung. Denn, erklärt Wolfgang Weimer in seinem Grußwort: „Der Buchdruck schuf erstmals für viele Menschen einen Zugang zu Wissen und legte so den Grundstein für die Demokratisierung der Bildung und die Freiheit des Wortes.“
Trotzdem hat er für dieses Jahr drei „linke“ Buchhandlungen von der Liste gestrichen – nachträglich, heimlich, wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“. Denn auch in einer Demokratie wird die Freiheit des Wortes überwacht.
Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Berlinale. Das freut auch den Kulturstaatsminister. Der will allerdings neue Regeln für die Meinungsfreiheit beim Festival.
Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Berlinale! So hat es der Aufsichtsrat gestern entschieden, und so teilte es Kulturstaatsminister (BKM) Wolfram Weimer gleich darauf auch im Kulturausschuss des Bundestags [Aufzeichnung] mit (um 14:35 Uhr).
In der vorigen Woche war reichlich über eine angebliche Entlassung Tuttle spekuliert worden, mehrere Aufrufe mit Tausenden von Unterschriften machten sich für das Festival, seine Leiterin und die Meinungsfreiheit stark (wir berichteten). Der Schuldige war auch ausgemacht: Tuttles Chef, der Kulturstaatsminister!
Wie war denn nun der Berlinale-Wettbewerb? Unsere Autorin hat sich mit einer Kollegin beraten. Vier Filme haben sie beide gleichermaßen überzeugt.
Wieder einmal endet die Berlinale mit einem erheblichen Aufreger. Diesmal könnte es aber für die Festivalchefin Tricia Tuttle fatale Konsequenzen haben: Ginge es nach Teilen der Politik und der Öffentlichkeit, soll die Festivalleitung der Internationalen Filmfestspiele Berlin zurücktreten. Was ist passiert, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine Sondersitzung für den 26. Februar anberaumt, um über das „Weiter“ (ein „Weiter so“ kann es seit heute nicht mehr geben, der Schaden ist jetzt schon immens) zu entscheiden?
Auf der Berlinale-Preisverleihung am 21. Februar 2026 bedankte sich der Preisträger des GWFF-Preises für das beste Spielfilmdebüt, Abdallah Alkhatib, nicht für die 50.000 Euro Preisgeld oder die Auszeichnung seines Films „Chronicles from The Siege“. Stattdessen verlas er eine Anklageschrift gegen die Bundesregierung und würzte diese noch mit einer Drohung: „Wir (Palästinenser) erinnern uns an alle, die an unserer Seite standen. Wir werden uns an alle erinnern, die gegen uns standen. Gegen unser Recht in Würde zu leben. Oder auch diejenigen, die wählen, still zu sein.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Sabine Felberhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgSabine Felber2026-02-26 21:52:402026-02-26 21:52:40Berlinale 2026: So facettenreich wie das Leben
Nach 20 Jahren hat ein deutscher Film den Wettbewerb der Berlinale gewonnen! Gesprochen wird aber mal wieder über völlig anderes.
Die Berlinale ist zu Ende und lief doch eigentlich ganz gut für den Deutschen Film. Der „Goldene Bär“ ging an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“, den Silberbär als beste Schauspielerin gewinnt Sandra Hüller. „Die Kritiker sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dieser Juryentscheidung“, schreibt der „Perlentaucher“ und ergänzt damit seine erste Übersicht der Festivalbewertung im Feuilleton.
„Denkwürdig“ fand Daniel Kothenschulte in der „Frankfurter Rundschau“ [Bezahlschranke] die Berlinale, andere ließ sie eher ratlos, für Jörg Gerle im „Filmdienst“ ließ sie zu wünschen übrig: „Auch filmkünstlerisch brachten es viele Wettbewerbsfilme oft nur auf Durchschnittsniveau.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2026-02-26 15:55:552026-03-24 16:16:04Solidarität mit der Berlinale
Fehlzündung beim Filmbooster
out takes, Peter HartigDreharbeiten für „Natürlich die Autofahrer“ 1959. Die Rückprojektion täuscht – ganz so flott geht’s nun doch nicht voran beim Deutschen Film, wie neulich noch posaunt wurde. | Foto © Karl-May-Archiv Göttingen
Mit seinem „Filmbooster“ hatte der BKM viel Geld und noch mehr Planungssicherheit versprochen. Doch kaum gestartet, kommt der schon ins Stottern. Im nächsten Jahr fehlen der Filmförderung 36 Millionen Euro. Mindestens.
Die Bundesregierung hat diese Woche ihren Haushaltsentwurf für 2027 vorgelegt, und die Befürchtungen haben sich bestätigt: Gespart wird auch an der wirtschaftlichen Filmförderung des Bundes – 36 Millionen Euro werden im nächsten Jahr fehlen. „Noch schneller hätten vermutlich nur wenige – zunächst eingelöst scheinende – Förderversprechen des Bundes Risse bekommen“, meint Marc Mensch bei „The Spot“ [Bezahlschranke]. Und klar sei nun „dass jegliche Zweifel an der verlässlichen ,Überjährigkeit’ eines 250-Millionen-Euro-Topfes berechtigt waren.“
Zur Erinnerung: 250 Millionen Euro mehr hatten die neue Bundesregierung und ihr Beauftragter für Kultur und Medien ((BKM) der Filmbranche versprochen. Und zwar jedes Jahr. „Damit kann die gesamte Filmwirtschaft nun erstmals wirklich verlässlich über Jahre hinaus planen“, erklärte BKM Wolfram Weimer noch Ende Mai und sah die große Reform der Filmförderung vor dem Abschluss.
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Filmerbe
out takes, Peter HartigFürs Wimmelbild mit den Preisträger*innen strahlt der BKM wieder. Geärgert hat er sich aber doch über die Kritik an ihm beim „Deutschen Filmpreis 2026“. | Foto © DFP/Clemens Porikys
Beim „Deutschen Filmpreis“ wurde Wim Wenders für sein Lebenswerk geehrt. Und hat mal wieder eine große Frage angestoßen: Was wiegt schwerer – die Freiheit der Kunst oder die Würde des Menschen?
Vorigen Freitag wurde übrigens der „Deutsche Filmpreis“ verliehen. Eine Aufzeichnung der Gala gibt’s in der ARD-Mediathek. Die „Lola“ in Bronze ging an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Regisseur Simon Verhoeven, in Silber an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“. Mit Gold als bester Film aber wurde „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski gekürt.
Zehn „Lolas“ hat das Historiendrama über mehrere Frauengenerationen gewonnen. Diesen Rekord hielten bislang nur „Nachts, wenn der Teufel kam“ und „Das weiße Band“, erklärt Marius Nobach im „Filmdienst“. In den Dankesreden wurde immer wieder betont, „wie entscheidend das Zusammendenken und -wirken aller Gewerke für die besondere Gestalt des Films gewesen sei. […] Allerdings lässt sich dieser Preisregen nachvollziehen. Die außergewöhnliche formale Geschlossenheit von ,In die Sonne schauen’ machte es schwer, einem der Gewerke die Würdigung nicht zu gönnen. […] Bei aller Feierstimmung vergaßen die Geehrten zudem nicht, an die schwere Geburt des Films zu erinnern, die von einem durchaus symptomatischen Dilemma des heutigen deutschen Kinos kündet. Die Kombination aus wenig Geld, geringer Zeit, aber hohem künstlerischem Anspruch und einem beharrlich verfolgten ungewöhnlichen Ansatz mag – auch international – sehr geschätzte Filme hervorbringen; eine Regelmäßigkeit lassen so ungünstige Rahmenbedingungen aber kaum zu. Davon zeugt auch, dass ,In die Sonne schauen’ erst der zweite Spielfilm von Schilinski ist; zwischen ihm und ihrem Debüt ,Die Tochter’ lag eine siebenjährige Pause. Unter den ,Lola’-Preisträgern der letzten Jahre steht Schilinski mit der langen Vorlaufzeit für ihr Wunschprojekt alles andere als allein da“.
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Die Welt aus hundert Perspektiven
out takes, Peter HartigAm neuen Konzept hatte Adele Kohout noch als Koleiterin gearbeitet. In diesem Jahr soll noch mehr über die Filme und Themen gesprochen werden. | Foto © Ronny Heine
Im Mai blickt das Dokfest München wieder auf die großen Themen unserer Zeit. Seit vorigem Jahr mit einem neuen Konzept, ab diesem Jahr unter neuer Leitung.
Frau Kohout, Sie sind schon seit fast 20 Jahren beim Dokfest München. Jetzt kommt das erste unter ihrer Leitung. Das Festival haben Sie allerdings schon voriges Jahr zum 40. Jubiläum umgebaut. Statt der bisherigen Sektionen gibt es nun 15 Themenfelder. Wie ist das angekommen?
Sehr gut. Die meisten Zuschauer*innen orientieren sich bei ihrer Filmauswahl an Themen. Wir haben das Programm so sortiert, dass sie schnell die Filme finden, die sie interessieren. Das hat sich bewährt. Wir haben das in diesem Jahr weiterentwickelt und um einen Aspekt erweitert: Jede Reihe hat nun einen „Signature-Film“, der das Thema nochmal stärker in den Fokus rückt, und mit dem wir auch noch anders arbeiten: Zu jedem Signature-Film gibt es einen „Fokus Talk“, sprich eine Erweiterung und Vertiefung des Themas. Überhaupt haben wir in diesem Jahr mehr thematische Gespräche und Events und dadurch auch mehr Inhalte.
So wie diese Signature-Filme sind dann auch die anderen Filme in der Reihe?
Alle Filme der Reihen drehen sich um ähnliche Themen oder beleuchten ein Oberthema aus verschiedenen Perspektiven.
Was ist bei den Fokus Talks anders als bei den üblichen Filmgesprächen?
Die anderen Gespräche gibt es auch. Bei den Fokus Talks haben wir nicht nur ein Q&A mit der Regie, sondern auch Expert*innen, die das Thema eben in den Fokus stellen und vertiefen. Bei der Reihe „Visions of the Future“ zum Beispiel haben wir den Signature-Film „Finding Connection“. Es geht um Beziehungen zwischen Mensch und Chatbot, also eine App, mit der Menschen eine Beziehung eingehen. Im Fokus Talk werden wir zum einen den Protagonisten zu Gast haben. Dann gibt es aber auch den Psychologen, der erklärt, was solche Beziehungsmodelle zwischen Mensch und KI bedeuten. Und wir haben noch den CEO einer Firma da, die solche „Companion Apps“ entwickelt, der das von der technischen Seite beleuchtet. Das soll ein Rundumschlag sein, und man kann somit tief ins Thema gehen.
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Politische Filme
out takes, Peter HartigKurzer Triumph in der „Glamour-Parallelgesellschaft“: Ryan Coogler (links) und Paul Thomas Anderson mit „Oscars“. | Foto © Ampas/Al Seib
Am Sonntag wurden die „Oscars“ verliehen. In der Auswahl zeigt sich Hollywood kämpferisch, die Preisgala war dagegen eher vorsichtig.
Sonntagnacht wurden in Hollywood die „Oscars“ verliehen. Der „Perlentaucher“ hat die Berichte und Einschätzungen am Montag und Dienstag gesammelt. Und die besten Witze aus der Moderation von Conan O’Brian gibt’s bei „GQ“. „Als ich letztes Jahr die Moderation übernommen habe, stand Los Angeles in Flammen“, sagte der in seinem Eröffnungsmonolog. „Aber dieses Jahr läuft alles super!“
Was die Preisverleihung über unsere Zeit aussagt, überlegt Dietmar Dath in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. „Die alljährliche ,Oscar’-Verleihungszeremonie findet nicht in der Wirklichkeit statt, sondern in einer Glamour-Parallelgesellschaft. […] Die Wirklichkeit 2026: Trump, Inflation, Krieg, Naturverwüstung, Unrecht. Die ,Oscar’-Zeremonie 2026: Witzbolde, Schauspiel- und Regietalente, die ein paar Stunden lang so tun dürfen, als könnten sie auf heiter-feierliche Distanz zu besagter Wirklichkeit gehen, mit kleinen Spitzen gegen sie. […] Zwei Filme, um die es in der Zeremonie vor allem ging, handeln exakt von solchen verschärften Kontrasten zwischen gesellschaftlichen Übeln und parallelgesellschaftlichen Ausweichräumen: ,Blood and Sinners‘ von Ryan Coogler und ,One Battle After Another’ von Paul Thomas Anderson.“
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Kulturkämpfe
out takes, Peter HartigIst das noch Kunst oder soll das weg? Der BKM hat heimlich drei Buchhandlungen von seiner Preisliste gestrichen – wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“. Welche das sein sollen, verrät er nicht. Szenenbild aus „E-Mail für Dich“ (1998). | Foto © Warner Bros.
Die Meinungsfreiheit ist wichtig, sagt der Kulturstaatsminister. Deshalb muss man genau darauf aufpassen. Und streichen, was einem nicht gefällt …
#1
Kaum ist die Sache mit der Meinungsfreiheit auf der Berlinale gelaufen, hat der BKM schon wieder mit der Kultur zu kämpfen: Der „Deutsche Buchhandlungspreis“ ist vergleichbar mit dem Kinoprogrammpreis (heute „Liebling Kino“) und soll inhabergeführte Bücherläden mit vorbildlichem Angebot unterstützen – 115 werden dieses Jahr ausgezeichnet, 483 hatten sich beworben. Eine Million Euro stellt der BKM jährlich an Prämien zur Verfügung. Denn, erklärt Wolfgang Weimer in seinem Grußwort: „Der Buchdruck schuf erstmals für viele Menschen einen Zugang zu Wissen und legte so den Grundstein für die Demokratisierung der Bildung und die Freiheit des Wortes.“
Trotzdem hat er für dieses Jahr drei „linke“ Buchhandlungen von der Liste gestrichen – nachträglich, heimlich, wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“. Denn auch in einer Demokratie wird die Freiheit des Wortes überwacht.
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Berlinale: Tuttle macht weiter
out takes, Peter HartigAuf der Klassenfeier war’s mal wieder zu laut. Die Schulleitung will sich deshalb neue Regeln ausdenken. Tricia Tuttle (hier bei der diesjährigen Preisverleihung) hat trotzdem Grund zur Freude. Die Berlinale ebenfalls. | Foto © Berlinale
Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Berlinale. Das freut auch den Kulturstaatsminister. Der will allerdings neue Regeln für die Meinungsfreiheit beim Festival.
Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Berlinale! So hat es der Aufsichtsrat gestern entschieden, und so teilte es Kulturstaatsminister (BKM) Wolfram Weimer gleich darauf auch im Kulturausschuss des Bundestags [Aufzeichnung] mit (um 14:35 Uhr).
In der vorigen Woche war reichlich über eine angebliche Entlassung Tuttle spekuliert worden, mehrere Aufrufe mit Tausenden von Unterschriften machten sich für das Festival, seine Leiterin und die Meinungsfreiheit stark (wir berichteten). Der Schuldige war auch ausgemacht: Tuttles Chef, der Kulturstaatsminister!
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Berlinale 2026: So facettenreich wie das Leben
Sabine Felber, Unsere GästeWas macht eigentlich einen guten Film aus? Die Inszenierung vielleicht, Form und Schauspiel … vier Beispiele aus dem Berlinale-Wettbewerb. Einen „Silbernen Bären“ gewann da die Schauspielerin Sandra Hüller – schon ihr zweiter nach ihrem Festivaldebüt vor 20 Jahren. | Foto © Sandra Weller/Berlinale
Wie war denn nun der Berlinale-Wettbewerb? Unsere Autorin hat sich mit einer Kollegin beraten. Vier Filme haben sie beide gleichermaßen überzeugt.
Wieder einmal endet die Berlinale mit einem erheblichen Aufreger. Diesmal könnte es aber für die Festivalchefin Tricia Tuttle fatale Konsequenzen haben: Ginge es nach Teilen der Politik und der Öffentlichkeit, soll die Festivalleitung der Internationalen Filmfestspiele Berlin zurücktreten.
Was ist passiert, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine Sondersitzung für den 26. Februar anberaumt, um über das „Weiter“ (ein „Weiter so“ kann es seit heute nicht mehr geben, der Schaden ist jetzt schon immens) zu entscheiden?
Auf der Berlinale-Preisverleihung am 21. Februar 2026 bedankte sich der Preisträger des GWFF-Preises für das beste Spielfilmdebüt, Abdallah Alkhatib, nicht für die 50.000 Euro Preisgeld oder die Auszeichnung seines Films „Chronicles from The Siege“. Stattdessen verlas er eine Anklageschrift gegen die Bundesregierung und würzte diese noch mit einer Drohung: „Wir (Palästinenser) erinnern uns an alle, die an unserer Seite standen. Wir werden uns an alle erinnern, die gegen uns standen. Gegen unser Recht in Würde zu leben. Oder auch diejenigen, die wählen, still zu sein.“
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Solidarität mit der Berlinale
out takes, Peter HartigDa sag’ noch mal jemand, die Berlinale sei nicht politisch! BKM Wolfram Weimer und Intendantin Tricia Tuttle auf dem roten Festivalteppich. | Foto © BKM/Henning Schacht
Nach 20 Jahren hat ein deutscher Film den Wettbewerb der Berlinale gewonnen! Gesprochen wird aber mal wieder über völlig anderes.
Die Berlinale ist zu Ende und lief doch eigentlich ganz gut für den Deutschen Film. Der „Goldene Bär“ ging an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“, den Silberbär als beste Schauspielerin gewinnt Sandra Hüller. „Die Kritiker sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dieser Juryentscheidung“, schreibt der „Perlentaucher“ und ergänzt damit seine erste Übersicht der Festivalbewertung im Feuilleton.
„Denkwürdig“ fand Daniel Kothenschulte in der „Frankfurter Rundschau“ [Bezahlschranke] die Berlinale, andere ließ sie eher ratlos, für Jörg Gerle im „Filmdienst“ ließ sie zu wünschen übrig: „Auch filmkünstlerisch brachten es viele Wettbewerbsfilme oft nur auf Durchschnittsniveau.“
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