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Jan Josef Liefers im „Tatort: Rhythm and Love“. Es gibt tatsächlich Menschen, die zum Boykott der Sendung aufriefen, weil ihnen die Meinung des Hauptdarstellers nicht gefällt. Doch im wahren Leben läuft’s anders als im Netz: Die Folge erreichte eine Rekord-Einschaltquote. | © WDR/Martin Valentin Menke

Noch immer gibt’s viel zu sagen über die Kunst- oder Protestaktion #allesdichtmachen. Damit wäre die Debatte doch angestoßen. Nur dreht die sich nicht um die vergessenen Kulturschaffenden während der Pandemie. Unser Überblick.

Heftig wurde gestritten um die Aktion #allesdichtmachen. Und weil die meisten Diskussionen in Kommentarspalten und Sozialen Medien stattfinden, gab’s auf beiden Seiten auch die bekannten Reaktionen, die zur Wahrheitsfindung wenig beitragen. Da wollen doch tatsächlich Menschen den „Tatort“ boykottieren, weil ihnen die Meinung des Hauptdarstellers nicht gefällt. Sie bleiben aber in der Minderheit, berichtet „Der Tagesspiegel“ aus der Twitter-Welt. „Daneben gab es den Boykott des Boykotts. ,Ich erlaube mir, diesem #TatortBoykott-Blödsinn nicht zu folgen. Und ich behalte mir vor, den #Tatort aus Langeweile abzuschalten.‘ […] Die große Mehrheit der Twitter-Nutzer kehrte unter dem Hashtag #tatort sehr schnell zum üblichen Meinungsaustausch zurück. […] Um die Zukunft des Münster-„Tatort“ muss sich ohnehin niemand sorgen: Der WDR hat sechs weitere Folgen mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl bestellt.“
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Zuschläge nun auch am Samstag, alle zwei Wochen ein freies Wochenende, aber nicht unbedingt am Wochenende. Der neue Tarifvertrag ist da. Szenenfoto aus „We Want Sex“. | Foto © Tobis

Der Fortschritt kommt in ganz, ganz kleinen Schritten. Bei den Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag standen die Arbeitszeiten im Mittelpunkt. Mehr Geld gibt’s erst im nächsten Jahr. Vielleicht. 

Fünf Monate hatten sie verhandelt, diese Woche haben sich die Produzentenallianz und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) auf einen neuen Tarifvertrag für „auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende“ (TV-FFS) geeinigt. Am 1. September soll er in Kraft treten. „Blickpunkt Film“ hat die Ergebnisse zusammengefasst.

Von einem „Kompromisspaket“ und „gutem Abschluss“ spricht die Produzentenallianz, Verdi von „Fortschritten“. Auch wenn gleich darauf „bessere Arbeitszeitregelungen, längere Ruhezeiten sowie neue und höhere Zuschläge bei Wochenendarbeit“ aufgezählt werden – so richtig freudig klingt das nicht. 

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Kulturstaatsministerin Monika Grütters fand die Aktion von mehr als 50 Schauspieler*innen nicht so toll. So witterte sie vorige Woche zurück. | Foto © BKM/Elke Jung-Wolff

Die Debatte um die Aktion #allesdichtmachen geht weiter und wird immer vielfältiger. „Der Tagesspiegel“ präsentiert eine eigene Verschwörungstheorie. Jan Josef Liefers steht zu seiner Medienkritik,  und Medienkritik übt auch die Wissenschaft. Und aus dem „Maschinenraum der Kulturarbeit“ erklärt ein Kollege, warum die Aktion nur geschadet hat. Wir führen durch die neuen Beiträge.

Verschwörungstheorie ist zurzeit ein schwieriger Begriff, den wir darum nicht leichtfertig verwenden. Doch „Der Tagesspiegel“ hat tatsächlich eine und sieht ein „antidemokratisches Netzwerk hinter #allesdichtmachen.“ Schon vorige Woche hatte die Zeitung nach den Hintergründen der Aktion recherchiert und, wie etliche andere auch, den Regisseur Dietrich Brüggemann als kreativen Kopf hinter der Aktion vermutet. Mit dem Recherchenetzwerk Antischwurbler hat die Zeitung weitergesucht und korrigierte sich gestern: Allmählich entstehe nämlich ein „viel komplexeres Bild der Entstehungsgeschichte“ – „#allesdichtmachen kam nicht aus heiterem Himmel“.
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Der „Fair Film Award Fiction“ wurde dieses Jahr online vergeben. Lisa Jopt vom Ensemble-Netzwerk moderierte die Preisverleihung und die anschließende Diskussion um faire Produktionsbedingungen. | Screenshot

Die fairsten Fiction-Produktionen des vergangenen Jahres wurden heute ausgezeichnet. Spätestens die anschließende Diskussion zum „Fair Film Award“ machte klar: Es ist eine Frage der Einstellung, nicht des Budgets.

Mehr als 1.400 Filmschaffende haben wieder ihre Stimmen zum „Fair Film Award Fiction“ abgegeben und die Produktionsbedingungen bei den Spielfilm- und Serienprojekten bewertet, an denen sie übers Jahr mitgewirkt hatten. Die Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF) übertrug die heutige Preisverleihung und die anschließende Diskussionsrunde live, die Aufzeichnung ist auf dem Youtube-Kanal der DAfF zu sehen.  

Die jeweiligen drei Klassenbesten waren in den beiden Kategorien nominiert: Beim „Spielfilm“ Amusement Park mit „Nebenan“, Bantry Bay mit „Meine Mutter ist verknallt“ und Seven Dogs mit „Frühling – Mit Regenschirmen fliegen“. Bei den Serien auf der Liste: Claussen+Putz mit der 2. Staffel von „Biohackers“, X Filme Creative Pool mit der Miniserie „Tina mobil“ und Bantry Bay mit „Tonis Welt“. Beurteilt wurden Kriterien wie Gagen und Arbeitszeiten, Chancengerechtigkeit und Arbeitsschutz, Professionalität und Arbeitsklima, Umweltverhalten, Umgang mit Drehorten und Motivgebern. In diesem Jahr stand aber auch das Verhalten in der Corona-Krise auf dem Fragebogen (die detaillierten Bewertungen finden Sie auf „Out-takes“). Claussen+Putz und Bantry Bay waren schon mehrmals nominiert worden, vor zwei Jahren hatten beide den „Fair Film Award Fiction“ gewonnen. In diesem Jahr war Bantry Bay sogar in beiden Kategorien nominiert, und Claussen+Putz konnte sich über eine erneute Auszeichnung freuen.

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„Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen“, sagt Christoph Palmer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen. | Foto © Produzentenallianz

Die Branche verhandelt zurzeit über einen neuen Tarifvertrag. Bislang noch ohne Ergebnis. Wir nutzen den Stillstand, um die Positionen, Probleme und Folgen zu klären. Den Standpunktder Produzentenallianz erklärt Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Herr Palmer, Die Verhandlungen zum TV FFS stehen still. Die Produzentenallianz habe die Forderungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) abgelehnt und will den alten Tarifvertrag um ein Jahr verlängern. Das erfahren wir von Verdi. Die Produzentenallianz hat sich noch nicht dazu geäußert. Warum?
Die Verhandlungen stehen mitnichten still. Wir hatten erst vor Ostern wieder eine gute, substanzielle Verhandlungsrunde und werden diese zeitnah fortsetzen. Wir sind In der Regel zurückhaltend, was die Verlautbarung von Zwischenergebnissen von Verhandlungen betrifft, weil das häufig nichts erleichtert.

Verdi ist mit relativ zahmen Forderungen angetreten: Die Frage nach höheren Gagen stellte die Gewerkschaft bis zum Sommer zurück. „Top-Priorität“ sollten erträgliche Arbeitszeiten haben. Da ist Ihnen doch Verdi sehr entgegengekommen.
Hier sollte man differenzieren. Die Forderungen im Kontext des Gagentarifvertrags halte ich für „verantwortungsvoll“, da sie die finanziell durch Corona sehr belasteten Produktionsunternehmen mit einem Gagenmoratorium etwas entlasten. Es gab in den vergangenen Jahren zudem eine Art Konsens im deutschen Filmgeschäft: Flexibilität der Arbeitszeiten werden durch insgesamt gute Verdienste für die Gewerke am Film kompensiert. Wenn nach einem ausgesprochenen Corona-Krisenjahr 2020, wo insbesondere im zweiten Quartal die Produktionen massiv beeinträchtigt waren, jetzt beim Gagentarifvertrag eine gewisse Zurückhaltung geübt wird, ist das auch der Marktsituation geschuldet. Vergleichbare corona-bedingte Zurückhaltung haben andere Gewerkschaften 2020 auch in anderen Branchen geübt. Demgegenüber sind allerdings die Forderungen im Bereich des Manteltarifvertrags sehr ambitioniert und würden, wenn man sie realisieren würde, zu Mehrkosten führen, die einer Tariferhöhung von mehr als 10 Prozent gleichkämen.

Über die Arbeitszeiten an manchen Sets wurde ja schon vor Corona diskutiert. Nun wird unter den Hygienevorschriften gedreht, die vieles langsamer und umständlicher machen. Ausreichende Ruhezeiten und die Obergrenze von zwölf Arbeitsstunden pro Tag seien da umso wichtiger, sagt Verdi.
Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen. Die Hygienevorschriften verlangen den Filmschaffenden, aber auch den Produzentinnen und Produzenten viel ab. Der bisherige Tarifvertrag regelt natürlich auch Ruhezeiten, im Übrigen auch die gesetzlichen Vorschriften. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass die Produktionen unter erheblichem Kostendruck stehen. Die Auftraggeber haben sich zwar zur Übernahme der Hygienekosten verpflichtet, in der Praxis tauchen aber Abgrenzungsthemen auf.
Zusätzliche Drehtage sind in der Kalkulation schwer vermittelbar. Die erfreulicherweise erreichten Schutzschirme der Sender und die Ausfallfonds für Kino und Fernsehproduktionen sehen erhebliche Eigenbeteiligungen der Produzentinnen und Produzenten vor. Die Eigenkapitaldecke Ist jedoch traditionell sehr dünn. Wie gesagt: Produzieren in Corona-Zeiten findet unter sehr erschwerten Bedingungen statt. Weiterlesen

Wahrheit oder Wirklichkeit? „Lovemobil“ wurde für seine Einblicke in die Straßenprostitution gefeiert. Dass die Szenen nachgestellt sind, wurde dem Publikum nicht gesagt. | Foto © NDR

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ sollte die Wirklichkeit der Prostitution zeigen. Dass die Bilder nicht echt sind, will keine*r gemerkt haben. Die Debatte um den Doku-Skandal fragt aber weiter: Welche Wirklichkeit wollen wir sehen? Und warum machen wir es Dokumentarfilme*innen so schwer?

Der Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“ beschäftigt die Feuilletons. Die Regisseurin Elke Lehrenkrauss schildert den Alltag zweier migrantischer Sexarbeiterinnen, die ihre Dienste in einem Wohnmobil anbieten. Der Film erhielt gute Kritiken, den „Deutschen Dokumentarfilmpreis“ und wurde zuletzt für den „Grimme-Preis“ nominiert. Vorige Woche distanzierte sich der NDR von dem Film, den er Sender mitproduziert hatte: Er zeige in weiten Strecken Szenen, „die nicht authentisch sind“. Das hätten Recherchen der NDR-Redaktion „STRG_F“ ergeben. „,Lovemobil‘ soll zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, aber zentrale Protagonist*innen des Films schildern nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert.“ Der Film sei zwar von der NDR-Dokumentarfilmredaktion redaktionell begleitet und abgenommen worden. „Grundlagen waren ein Exposé und eine Kalkulation über einen Dokumentarfilm. Die Redaktion war während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden.“ Der Film entspreche nicht den Standards, die der Sender „an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat.“

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Mehr als 6.000 Filmschaffende nahmen an der Online-Umfrage des Bündnis’ „Vielfalt im Film“ teil. Damit liegen erstmals umfassende Daten zu ihren Erfahrungen mit Vielfalt und Diskriminierung vor. | Grafik © Marcus Mazzoni

Diversität ist das große Thema – auch in der Film- und Fernsehbranche. Doch wie steht’s tatsächlich darum, auf dem Bildschirm und in der Produktion? Die Initiative„Vielfalt im Film“ befragte Filmschaffende vor und hinter der Kamera. Die Antworten erschrecken: Mehr als die Hälfte sah sich von Diskriminierung betroffen, 8 von 10 Frauen wurden sexuell belästigt.

Wer mitliest und zuhört, wird es schon wissen: Es liegt einiges schief in der Film-Fernsehbranche. Im Zuge der Me-Too-Bewegung kamen in den vergangenen drei Jahren immer neue Berichte von sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung in die Öffentlichkeit. Dass die Chancen zwischen den Geschlechtern ungerecht verteilt sind, melden Verbände und Initiativen schon seit Jahren, belegt durch regelmäßige Studien. Im Februar hatten 185 Schauspieler*innen ihr öffentliches Coming-out – und schilderten die Erfahrungen, die sie wegen ihrer sexuelle Identität, Orientierung, Geschlechtsidentität oder Gender machen mussten: dass sie nicht offen mit ihrem Privatleben umgehen konnten, ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Und immer häufiger wird die Frage diskutiert, ob vor allem das Massenmedium Fernsehen überhaupt noch die Welt abbildet, an die es sendet: Welche Rolle spielen Menschen mit Beeinträchtigung? Warum sind Türken meistens Gemüsehändler, aber selten Pharmaforscher? Wieso sind kaum lesbische Paare zu sehen, obwohl die doch auch einen Anteil der Bevölkerung stellen? 

So divers die Probleme scheinen, sie laufen aufs gleiche hinaus: Wer nicht der Norm entspricht, hat’s ungleich schwerer. Und diese Norm ist noch die alte: überwiegend männlich, weiß. Auch das ließ sich schon lange ahnen, erschreckend war dennoch, was Filmschaffende bei einer Umfrage vor vier Jahren berichteten. 

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Die Ankündigung zum WDR-Themenabend. Zwei der Abgebildeten sagten ab. | Foto © WDR

Nach dem Eklat um seinen Talk „Die letzte Distanz“ übte der WDR Besserung: Ein Themenabend widmete sich dem alltäglichen Rassismus im Land. Der Ansatz war gut, sind sich die Besprechungen einig – nur an der Umsetzung haperte es für viele noch.

Im November hatte der WDR in seinem Meinungstalk „Die letzte Instanz“ über „Das Ende der Zigeunersauce“ diskutieren lassen. Der Shitstorm kam erst nach der Wiederholung der unbedarften Äußerungen Ende Januar, dann aber gewaltig. Der Sender gelobte Besserung und versprach einen Themenabend. Die Reparatur sei nur halbwegs gelungen, meint „Der Tagesspiegel“: „Den stärksten Eindruck machte die Reportage, in der unter anderem ein Schauspieler, eine Altenpflegerin, ein WDR-Mitarbeiter schilderten, welche Diskriminierungen und Demütigungen sie in Deutschland erfahren. Das war eindrücklich, weil erkennbar vor Augen und Ohren gebracht wurde, dass Rassismus kein randständiges, sondern ein zentrales Thema für die Gesellschaft sein muss. Die Diskussion blieb dahinter zurück: Zu abgehoben, zu akademisch, zu sehr ins Definitorische verstrickt.“ Immerhin: „Der WDR hat sich seiner Verantwortung gestellt – was der frühere WDR nicht getan hätte. Da herrschte in den Funkhäusern (wie in den Verlagen) Selbstgewissheit bis zur Arroganz.“ 

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Jörg Langer hatte 2015 die erste umfassende Studie zur Situation der Filmschaffenden erstellt – Vorbild für die aktuelle Umfrage. | Foto © Privat

Auch die Branche sehnt sich zurück nach der Normalität. Aber wie sieht die aus? Zurzeit läuft die Umfrage zur sozialen Lage und den Arbeitsbedingungen der Film- und Fernsehschaffenden in Deutschland. Der Medienwissenschaftler Jörg Langer erklärt, worum es geht und warum die Zahlen wichtig sind. 

Herr Langer, wir weisen regelmäßig darauf hin: Zurzeit läuft die Umfrage zur sozialen Lage und den Arbeitsbedingungen der Film- und Fernsehschaffenden in Deutschland. Es ist nicht die erste.

Ja, den Anfang machten vor sechs Jahren Die Filmschaffenden, die Vereinigung zahlreicher Berufsverbände der Branche, mit einer Umfrage unter 3.800 Film- und Fernsehschaffenden. Damals gab es zwar schon einige Untersuchungen – die erste wohl 2003 vom Institut für Wirtschaftsforschung, und zwei von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) aus den Jahren 2001 und 2007. Und daneben noch kleinere Umfragen, etwa innerhalb der Berufsverbände. Aber das waren entweder Einzelinterviews oder Umfragen mit einer überschaubaren Zahl von Teilnehmer*innen – einmal 871, einmal 375 Personen. Also nicht unbedingt repräsentativ. 

Diese Untersuchungen zeigen aber auch: Das ist ein Thema in der Branche! Die Filmschaffenden wollten dafür nun endlich verlässliche, „belastbare“ Daten haben, mit denen sie argumentieren und arbeiten können.  

„Die Situation der Film- und Fernsehschaffenden 2015“ ermittelten sie da. Und fragten nach „sozialer Lage, Berufszufriedenheit und den Perspektiven“. Das Ergebnis bestätigt die vorherigen Untersuchungen: Ein erheblicher Teil lebt prekär, die Sozialsysteme passen nicht zu den Beschäftigungsverhältnissen der Branche, die Chancen sind ungleich zwischen den Geschlechtern, das Familienleben leidet …    Weiterlesen

Ohne einen geltenden Tarifvertrag könnte es wieder einen Rückschritt in alte Zeiten geben, fürchtet Matthias von Fintel, Tarifsekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. „Die Drehbedingungen in den letzten Monaten stimmen da nicht besonders optimistisch.“ | Foto © Verdi

Die Branche verhandelt zurzeit über einen neuen Tarifvertrag. Oder eher nicht, denn die ersten beiden Verhandlungsrunden blieben ohne Ergebnis. Wir nutzen den Stillstand, um die Positionen, Probleme und Folgen zu klären. Den Anfang macht Matthias von Fintel, Tarifsekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

Herr von Fintel, Verdi ist mit relativ zahmen Forderungen in die Tarifverhandlungen gegangen. „Top-Priorität“ sollten erträgliche Arbeitszeiten haben. Die Diskussion um höhere Gagen stellten sie bis zum Sommer zurück. Warum?

Über den Begriff „zahm“ muss ich mich etwas wundern, weil es uns bei Tarifforderungen nicht Wildheit geht. Wir schauen, auf unsere Wünsche und Einschätzungen vor einer Tarifrunde und befragen dazu Mitglieder und Nichtmitglieder. Dann beraten wir im Tarifausschuss und haben dann in diesem Jahr die Gagenerhöhung nicht als vorrangige Forderung ausgemacht. Wichtiger war den Befragten und dem Tarifausschuss bei der Arbeitszeit planbare Freizeiten am Wochenende, 5-Tage-Woche, Ruhezeiten und Zuschläge zu bestimmten Zeiten zu fordern.

Die Allianz deutscher Produzenten hat Ihren Vorschlag trotzdem abgelehnt. Gab es eine Begründung?

Es war eher eine typische und schwer nachvollziehbare Reaktion der Produzentenallianz, es sei nicht die richtige Zeit für die von uns geforderten Verbesserungen und überhaupt seien die auch materiell überzogen. Aber auch auf weitere Nachfragen hat sich wenig inhaltliche Befassung und Verständnis für die gewerkschaftlichen Forderungen erkennen lassen. Mit mangelnder Verhandlungsbereitschaft ist dieses Verhalten zu umschreiben.

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Eine halbe Stunde debattierte der Bundestag heute über Chancengleichheit in der Kultur. Angenommen wurde der Antrag der Regierungsfraktionen. Die Linke würde weiter gehen. | Screenshot

Auch in der Kultur verdienen Frauen schlechter als Männer. Die Unterschiede seien sogar „erschreckend groß“, sagt der Deutsche Kulturrat. Heute debattierte der Bundestag über Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien.

Anträge zur Geschlechtergerechtigkeit in der Kulturarbeit hat der Bundestag heute erstmals beraten. Angenommen wurde der Antrag von CDU/CSU und SPD mit dem Titel „Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien verwirklichen“. „Die Einkommensunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten bezeichnet der Deutsche Kulturrat als ,erschreckend groß’. Besonders gravierend sei, dass vielfach bereits die unter 30-Jährigen in der Künstlersozialversicherung versicherten Künstlerinnen ein geringeres Einkommen erzielen als die männlichen Künstler“, heißt es in dem Antrag. „Der Gender-Pay-Gap ist eine wesentliche Ursache für Altersarmut von Frauen. Eine Ursache für den Gender-Pay- Gap ist der ,Gender-Show-Gap‘. Werke von Frauen werden weniger gezeigt, aufgeführt, präsentiert oder besprochen. Daraus folgt eine geringere Marktpräsenz.“

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Am Freitag kommt die 11. Folge der UFM-Talks. Dann spricht Ludwig Sporrer (links unten, dann gegen den Uhrzeiger) mit der Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Die Grünen), dem Regisseur David Wnendt und Oliver Zenglein von Crew United. | Screenshot

Beim Unified Filmmakers Festival können Filmschaffende ihre „persönlichen Geschichten über diese außergewöhnliche Zeit“ erzählen. Die Festivalmacher*innen wollen vor allem eine Plattform zum Austausch bieten: Jede Woche laden sie Film- und Kulturschaffende unterschiedlichster Richtungen zum Online-Talk.

Unter dem Eindruck der Pandemie entstand das Unified Filmmakers Festival: „Kein anderes Ereignis hat uns in den vergangenen 70 Jahren die Schwäche unserer Gesellschaft so klar vor Augen geführt wie die Covid-19-Pandemie.“ Grund genug, ein Festival zu starten, das Filmschaffenden rund um die Welt Gelegenheit gibt, ihre „persönlichen Geschichten über diese außergewöhnliche Zeit“ zu erzählen.  Die Ausschreibung für Kurzfilme aller Genres bis 20 Minuten Länge läuft noch bis zum 31. März.

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Das passiert, wenn man den Louvre zu lange geschlossen lässt! | Grafik © Patrick Ruth

Das  wär doch was als Erkenntnis aus dem Corona-Jahr: Die Kultur soll ins Grundgesetz, fordert eine Petition mit prominenter Unterstützung. Mit einigen guten Meldungen verabschieden wir uns in die Winterpause.

Doch hier erstmal der Link zum Facebook-Post unseres Titelbilds.

Und zum zweiten etwas in eigener Sache: Dies ist die letzte Brancheninfo in diesem Jahr. Wir nutzen die Winterpause, unseren Newsletter fürs kommende Jahr herauszuputzen. Im Januar stellen wir uns in neuem Gewand und mit neuem Konzept vor, um Ihnen regelmäßig einen Überblick zu bieten, was die Branche bewegt. Auch über Corona hinaus. Weshalb das Virus zumindest aus dem Titel verschwinden wird, so viel können wir schon versprechen – und „cinearte“ klingt ja auch viel besser. Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und einen guten Start in ein besseres Jahr!

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„Das Neue Evangelium“. | Foto © Fruitmarket/Langfilm/IIPM/Armin Smailovic

„Sobald die Kinos wieder öffnen“ – Streaming-Angebote in den Wochen vom 17. und 24. Dezember 2020 – Teil 1.

Ein einschneidendes Jahr geht zu Ende. In genau einer Woche ist Weihnachten. Ich bin sicherlich nicht die Einzige, für die sich das nicht so anfühlt. Die Zeit ist für mich gefühlt stehengeblieben. Irgendwann am Anfang des Jahres. In zwei Wochen ist Silvester. Ein Einschnitt, der etwas Neues verspricht und sich doch so anfühlt, als würde ein Sog einen zurückziehen. Es ist die Zeit, Listen zu schreiben. Erstaunlich viele Kulturliebhandene pflegen Listen. Die besten Filme, die interessantesten Ausstellungen, ein Zählen, ob man in diesem Jahr mehr Bücher gelesen hat als im Jahr davor … Das Gleiche gilt für Filme. Nein, ich habe viel viel weniger Filme dieses Jahr gesehen als in den Jahren zuvor. Weil ich kaum im Kino war. Weil das alleine zu Hause auf dem kleinen Bildschirm gucken wirklich nicht vergleichbar ist. Und meine Top-Listen füllten sich nur sporadisch.

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So heftig ist der Corona-Filmriss: Die „Wirtschaftswoche“ zeigt’s mit einer einfachen Infografik. | Screenshot

In Deutschland kämpfen mehr als tausend deutsche Filmtheaterunternehmen um ihre Zukunft. Der zweite Lockdown bedroht die deutschen Kinos in ihrer Existenz. Wie schlimm es steht, zeigt die „Wirtschaftswoche“ mit einer simplen Infografik.

 

Filmemachen ist Teamarbeit. Trotzdem erhalten zumeist die Regisseur*innen die Lorbeeren, obwohl es ohne Drehbuch gar keinen Film gäbe. Spricht man mit Autor*innen, hört man fast immer Klagen, allerdings stets mit der Bitte verbunden, sie nicht namentlich zu zitieren, damit sie nicht auf einer Schwarzen Liste landen, berichtet „Menschen machen Medien“. Dieses Schicksal werde jetzt wohl auch Christoph Fromm blühen  – der Drehbuchautor rechnet in seinem satirischen Roman „Das Albtraumschiff“ mit der TV-Branche ab: Seine Hauptfigur ist ein einst gefeierter Autor, dessen Hauptarbeit nun darin besteht, seine Werke gegen ahnungslose Redakteure und überschätzte Schauspieler zu verteidigen. Das sei zwar teilweise auch ins Groteske verzerrt, erklärt Fromm im Vorwort, aber hinter der satirischen Überspitzung schimmere eine Wahrheit durch, die viele seiner Kollegen unterschreiben würden.
Die meisten Ereignisse, ergänzt der Artikel, stammten aus den Jahren 2015 bis 2017. „Seither hat sich in der Branche jedoch Einiges getan. Viele Autoren haben sich zu ,Kontrakt ’18’ zusammengeschlossen; die Initiative fordert unter anderem einen größeren Einfluss der Verfasser auf den fertigen Film.“ An dieser Situation habe sich nichts geändert, sagt Fromm: „Die allermeisten Unterzeichner der Petition können Forderungen wie die Kontrolle über das eigene Drehbuch oder ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Regisseurs in der Praxis niemals durchsetzen“ und „kritische, innovative Geister werden noch rigoroser aussortiert.“  Die „Quotengeilheit aller Sender“ habe ohnehin zur Folge gehabt, dass es „keinerlei Qualitätsunterschiede“ mehr zwischen den Angeboten von ARD, ZDF und den Privatsendern gebe. Sein Buch wirft den Sendern vor, jahrelang einen „Kult der Dummheit“ gepflegt zu haben, der letztlich dafür verantwortlich sei, dass „die Demokratie den Bach runtergeht“.

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