Neue Töne am neuen Standort: Die Uraufführung der Hymne zur Preisverleihung der Televisionale in Weimar. | Foto © Christine Prinzing

Vorige Woche tagte die Televisionale zum ersten Mal in Weimar. Der neue Standort wurde mit einer weiteren Premiere gefeiert: Der Komponist Fabian Kratzer hat für die Preisverleihung eine neue Hymne geschrieben.

Fabian Kratzer entführte die Zuschauer bei der ersten Televisionale in Weimar mit der Uraufführung seiner eigens dafür komponierten Hymne in eine magische Klangwelt. Diese Hymne soll als kraftvolles Symbol und Nachhall für die Gemeinschaft und den kreativen Austausch und Aufbruch der Talente einen wieder erkennbaren Resonanzraum verleihen. Sie hat noch keinen Namen, aber soll nun regelmäßig im Einsatz der Televisionale sein und die emotionale Tiefe der Veranstaltung unterstreichen. Urs Spörri, der künstlerische Leiter der Televisionale, betont, wie wichtig das Gewerk rund um die Musik auf dem Festival war und ist und spricht auch von der zentralen Rolle der Filmmusik, als den „Herzschlag“ eines jeden Films!

So kam das eine zum anderen, und ein Preis wurde für die Musik wieder neu etabliert. Angeregt von Alexander Thies, Vorstandsvorsitzender der IAMA (International Academy of Media & Arts) und des „Deutschen Filmmusikpreises“, der seit 2014 alljährlich in Halle an der Saale verliehen wird. Thies überreichte denn auch in Weimar in Kooperation mit dem BDF (Bundesverband der Deutschen Film- und Fernsehmusik) den „VFF Fernsehfilmmusikpreis“. Der Preis ging an die Komponisten Lorenz Daangel und Fabian Zeidler und den Produzenten Ingo Fliess für die Musik zum ZDF-Film „Rosenthal“.  Weiterlesen

Andrew Bird hat den „Schnitt-Preis“ schon zum dritten Mal gewonnen. Dieses Mal war die Arbeit aber ganz besonders: „Dies ist der erste Film, bei dem ich ganz allein im Schneideraum war“, sagt er. Und außerdem verstand er kein Wort von dem, was im Film gesprochen wurde. | Foto © Edimotion/Werner Busch

Ende Oktober feierte Edimotion wieder Filmschnitt und Montagekunst. Beim Festival werden auch die „Schnitt-Preise“ in drei Kategorien vergeben. Für seine Arbeit am Spielfilm „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ wurde der Editor Andrew Bird ausgezeichnet. Über die ungewöhnliche Arbeit sprach er mit Dietmar Kraus, Kurator bei Edimotion.

Zum Film: „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ handelt von einer iranischen Familie, in der die Konflikte des Landes auf engstem Raum ausgefochten werden: Der Unterdrückungsstaat findet im Familienoberhaupt Iman einen zunächst zögerlichen, später willfährigeren Umsetzer seiner Schnelljustiz. Seine Ehefrau Najmeh unterstützt anfangs das Regime, doch im Laufe des Films nähert sie sich immer mehr der Position ihrer Töchter Rezvan und Sana an. Diese solidarisieren sich mit den Protesten auf der Straße und lehnen sich gegen das Patriarchat drinnen und draußen auf.

Lieber Andrew, bevor Du bei Edimotion für Deine Montageleistung an „Die Saat des heiligen Feigenbaums” ausgezeichnet wurdest, war der Film bereits für über 100 internationale Preise nominiert worden, und konnte mehr als 30 gewinnen. Dazu zählen der „Sonderpreis der Jury“ in Cannes 2024, die silberne „Lola“ beim „Deutschen Filmpreis“ 2025, sowie eine „Oscar“-Nominierung. Aber bevor es zu diesen Erfolgen kommen konnte, standen sowohl die Dreharbeiten als auch der Schnittprozess unter großem Druck. Wie kam es dazu, dass Du einen so brisanten Film, der heimlich gedreht werden musste, geschnitten hast?
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Hauen oder schlagen? Bei der Kampfsportart Schachboxen sind beide Disziplinen gefragt. Für ihre Kurzdoku „Tough Moves“ begleiteten Jakob Michal (links) und Kaspar Ferdinand Haußig einen Nachwuchssportler und seine Familie. Dabei mussten sie aufassen, dass diese sich vor lauter Begeisterung nicht selbst inszenieren. | Foto © Edimotion/Juliane Guder

Beim Festival  „Edimotion“ wurden in Köln die besten Montage-Arbeiten des Jahres ausgezeichnet. Die „Schnittpreise“ werden in drei Kategorien ausgelobt.  Der „Förderpreis Schnitt“ ging an Jakob Michal und Kaspar Ferdinand Haußig für die Montage ihres dokumentarischen Kurzfilms „Tough Moves“, bei dem Michal auch Regie führte. Der Film führt in die Welt eines besonderen Sports: des  Schachboxens – und erzählt von der Berliner Familie Rolle, in der Vater Robert, ein bekannter Boxer, seinen jungen Sohn Arminius auf den ersten großen Kampf vorbereitet. Werner Busch, Kurator beim Festival, sprach mit den Preisträgern.

Die Dynamik zwischen Vater und Sohn ist ja ganz zentral und damit auch die Gewalt, die der Vater physisch, aber auch psychisch gegen Arminius ausübt. Wie habt ihr diese beiden Figuren und ihre Beziehung zueinander im Schnitt entwickelt?
Boxen ist ein gewaltvoller Sport und deswegen war von Anfang an klar, dass Gewalt ein Thema des Films sein würde. Als wir den Schachbox-Club zum allerersten Mal besuchten und dort auf Robert und Arminius trafen, kam uns das Trainingsprogramm der beiden extrem hart vor, besonders für einen 13-Jährigen. Robert stellte extrem hohe Ansprüche an seinen Sohn, aber Arminius schien auch selbst extrem ehrgeizig zu sein. Wir hatten nie den Eindruck, dass der Vater seinen Sohn zu irgendetwas drängte. Dennoch fragt man sich, wie bei allen Disziplinen, in denen man früh beginnen muss, um Profi zu werden, natürlich, ob das Kind das wirklich will.
In der Montage wurde uns klar, dass der Film diese Frage für Arminius nicht beantworten kann – unsere Aufgabe bestand vielmehr darin, sie überhaupt aufzuwerfen. Um das zu erreichen, haben wir in vielen Szenen Momente ausgewählt, in denen die Familie in Anwesenheit von Arminius über Arminius spricht. Dabei zeigen wir ihn als passiven Zuhörer: Was denkt er gerade? Stimmt er dem zu, was da über ihn gesagt wird? Das sind die Fragen, die wir hervorrufen wollten. Unser selbst erklärtes Ziel war darüber hinaus, Arminius und seine Familie so zu porträtieren, wie wir sie erlebt hatten. Nach dem Dreh hatten wir die ganze Familie sehr ins Herz geschlossen, gleichzeitig waren Situationen entstanden, die man kritisch sehen kann. Wenn das Publikum aus dem Film mit diesem Eindruck herausgeht, erfüllt er aus unserer Sicht seinen Zweck. Die Stärke des Films liegt aus unserer Sicht in seiner Ambivalenz.

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„The Landscape and the Fury“ schildert die Zustände an der EU-Außengrenze zwischen Kroatien und Bosnien. Der eigentliche Protagonist des Dokumentarfilms sei die Landschaft, erklärt der Editor Hannes Bruun: „Über sie ziehen die Jahreszeiten hinweg, ähnlich wie auch die Kriege und die Menschen, die heute versuchen, über sie in die EU zu gelangen.“ | Foto © Edimotion/Juliane Guder

Beim „Edimotion“ wurden im Oktober wieder die Filmkunst der Montage ausgezeichnet. Den „Schnitt-Preis“ für die beste Dokumentarfilmarbeit gewann der Editor Hannes Bruun für „The Landscape and the Fury“. Über seine Arbeit sprach mit Kyra Scheurer, der Künstlerischen Leiterin des Festivals.

„The Landscape and the Fury“ war Ihre dritte Zusammenarbeit mit Regisseurin Nicole Vögele, die auch als investigative Journalistin arbeitet, Sie hat unter anderem die Pushbacks an der bosnisch-kroatischen Grenze aufgedeckt, wo auch dieser Film seine Bilder einfängt. In ihren freien Filmarbeiten fürs Kino gibt es aber einen sehr besonderen Stil, weit weg von der klassischen Reportage. Welche Prämissen für Dreh, Kamera und Montage gibt es bei diesen freien Arbeiten?
Nicole arbeitet in ihren Filmen ohne vorab festgelegtes inhaltliches Konzept und folgt einer sehr eigenen, intuitiven Herangehensweise. Meist steht zu Beginn ein Ort, in den sie sich während des Drehs immer mehr hineinarbeitet, indem sie dort viel Zeit verbringt. Schicht für Schicht schaut sie, was dort für Verbindungen liegen, die vielleicht auf den ersten Blick so gar nicht sichtbar sind. Die Kamera ist dabei meist in einer beobachtenden Perspektive. Gedreht wird analog, auf Super-16-Millimeter—Film. Dies beschränkt die Materialmenge erheblich und schafft eine Konzentration am Drehort, die für Nicole von ganz besonderer Bedeutung ist. Man lässt nie einfach laufen, sondern entscheidet sich ganz bewusst für eine Einstellung, die dann einmal ausgelöst und nicht wiederholt wird.
Im Schnitt versuchen wir all diese beim Dreh gesammelten Momente in eine Struktur zu bringen, die sich für den Film richtig anfühlt. Dabei arbeiten wir bewusst ohne feste Rezepte und gehen bei jedem Film wieder ganz neu auf die Suche – lassen uns auch von Zufällen und intuitiven Arbeitsweisen leiten. Ich habe das Gefühl, dass darin oftmals eine Möglichkeit liegt, wirklich Neues zu entdecken. 

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Na also – geht doch! Fürs ZDF erzählt Rainer Matsutani die alte Sage vom Rattenfänger modern. „Es gibt keine existentiellere Form des Filmemachens als den Horrorfilm“, findet der Filmemacher. Mit der Quote von „Hameln“ ist er mehr als zufrieden: „Mit über 2 Millionen Klicks innerhalb von 30 Tagen und einer rekordverdächtigen Completion Rate von 70 Prozent hat sie sich zu einer Binge-Sensation entwickelt.“ | Foto © Roland Guido Marx/ZDF/Red Sun Films

Rund um die Welt werden Filme und TV-Serien in den Genres Horror, Science Fiction und Fantasy produziert. Nur in Deutschland tut man sich immer noch schwer – obwohl es an fantastischen Gruselthemen doch eigentlich nicht mangelt. Die Horror-Serie „Hameln“ auf ZDF Neo ist eine der wenigen Ausnahmen. Creator, Regisseur und Showrunner Rainer Matsutani blickt auf eine 30-jährige Karriere als Genre-Filmemacher zurück und gibt Tipps für Filmemacher*innen, die sich für Horror interessieren:

#1 – Du musst dein Genre kennen
Wenn du jemand bist, der/die im Kino ausschließlich deutsches Arthouse oder Komödien anschaut, bist du wahrscheinlich nicht der/die Richtige für das Genre. Es gibt ein etabliertes Horror-Universum, das reich ist an Codes, Mustern und Referenzen. Horror definiert sich über strenge Regeln und Stereotypen, die man kennen muss, um sie lustvoll zu zitieren, variieren und innovativ zu erweitern: wie gestalte ich einen Jump Scare oder wie kommt das Opfer zu Tode? Horror-Konsumenten haben viel gesehen und eine Erwartungshaltung, die du nicht enttäuschen darfst.
Vor einigen Jahren wurde ein deutscher Horrorfilm bei einem Streamer in Auftrag gegeben. Das Drehbuch war solide, aber der Produzent merkte schnell, dass die Regie sich eigentlich nicht im Genre auskannte. Er stellte ihr einige Wochen vor dem Dreh einen Karton voller DVD mit Horror-Klassikern zur Verfügung. Doch der Crash-Kurs hat nicht ausgereicht. Das filmische Ergebnis war von Ahnungslosigkeit und Langeweile geprägt, so dass der Streamer seither keinen deutschen Horror mehr in Auftrag gab.
Also: das Genre muss bereits in deinen Adern fließen, bevor du dich an ein Projekt machst.

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Arjun Talwar dokumentiert den Alltag vom Balkon. Für die Szene posiert er mit einer Schmalfilmkamera, tatsächlich drehte er digital mit einer „Bolex 16“. Die „sieht nicht wie eine Fernsehkamera aus, sondern wie ein freundliches altes Ding. Das macht sie weniger furchteinflößend“, erklärt Talwar. „Die Leute müssen sich wohlfühlen, wenn man sie filmt.“ | Foto © Arjun Talwar/Uni-Solo Studio

Der indische Filmemacher Arjun Talwar dokumentierte das Leben in seiner Straße: In der Wolfstraße in Warschau zeigt sich der gesellschaftliche Wandel. „Letters from Wolf Street“ lief im Panorama der Berlinale. Ein Gespräch mit dem Regisseur und der Editorin Bigna Tomschin.

„Listy z Wilczej“ („Letters from Wolf Street“) von Arjun Talwar (Regie und Drehbuch) lief in der Sektion Panorama der 75. Berlinale. Der Film ist als dokumentarisches Format angekündigt. Das stimmt auch. Was dem Filmemacher und seinen wichtigen Kooperationspartner*innen gelungen ist, geht aber weit über das Dokumentarische hinaus. „Letters from Wolf Street“ erzählt von polnischen Lebenswelten, vielleicht sogar europäischen Verhältnissen und persönlichen Erfahrungen – gebündelt in einer Warschauer Straße, der Ulica Wilcza. Der aus Delhi/Indien stammende Filmemacher Arjun Talwar und die Schweizer Filmeditorin Bigna Tomschin lebten zusammen in dieser Straße, in einer Wohnung mit Balkon. All das gehört zur Entstehungsgeschichte des schlauen, amüsanten, vielschichtigen Filmkunstwerks.

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So einige Filme wurden auf Festivals entdeckt. Aber wie entdecken Festivals eigentlich die Filme? Meenakshi Shedde kuratiert auf Festivals weltweit, seit 1998 ist sie Südasien-Delegierte der Berlinale. | Foto © Sabine Felber

243 Filme liefen dieses Jahr im Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin – eine Auswahl aus aller Welt. Um da den Überblick zu behalten, haben die Programmgestalter*innen Hilfe: Berater*innen wie die Filmkuratorin Meenakshi Shedde. Eine kurze Begegnung während der Berlinale.

Die Wahl ist getroffen. Manche mögen mit den Ergebnissen einverstanden sein, sich und ihre Wirklichkeit repräsentiert sehen. Anderen wird es nicht so gehen. Sie empören sich vielleicht sogar: „Der Wandel ist Schuld. Davor war wirklich alles besser.“

Es ist also der 23. Februar 2025, und die 75. Berlinale fand unter der neuen Intendantin Tricia Tuttle statt. Das ist eine Tatsache. In allen Wettbewerbsfilmen bis auf den ukrainischen Beitrag „Timestamp“ wurde geraucht. Auch das lässt sich beweisen. Der ganze Rest ist, wie erwähnt, Anschauungssache. Gefragt nach ihren Auswahlkriterien für die Filme, sagte Tuttle: „Es geht uns um schön gemachte, künstlerisch, ästhetisch, kulturell wichtige Filme – die unglaubliche Vielfalt der Kunstform Film.“

Bis auf die in Ghana lebende Festival- und Kulturberaterin Jacqueline Nsiah ist das diesjährige Auswahlkomitee neu besetzt: Die französische Programmgestalterin und Produzentin Mathilde Henrot, die irische Filmkritikerin Jessica Kiang und der ehemalige künstlerische Direktor des Jerusalem Film Festival, Elad Samorzik, bilden zusammen mit Nsiah das Team, das zusammen mit den Co-Direktor*innen Jacqueline Lyanga und Michael Stütz und natürlich Tuttle selbst die Filme für die Sektionen Wettbewerb, Perspectives und Berlinale Special auswählte. Ihnen standen Berater*innen und internationale Delegierte zur Seite, die bei der Programmgestaltung halfen. 

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Zum Glück wiederholt sich Geschichte nicht. Kurz vor der Wahl erinnert die Kultur nochmal an die Werte der Demokratie (Motiv zur Kampagne).

Vorige Woche verpuffte die Brandmauer, am Wochenende demonstrierten Hunderttausende für die Demokratie. Auch die Kultur redet Politik und Wahlvolk nochmal ins Gewissen.

Zweieinhalb Wochen noch bis zur Bundestagswahl; und die Vorgänge vorige Woche im Parlament lassen nichts Gutes ahnen. Am Mittwochabend verpuffte die Brandmauer, als die CDU einen Antrag durchbrachte. Der Antrag bleibt zwar wirkungslos und verstößt ohnehin gegen Grundgesetz und Europarecht, doch der Union ging es ums Prinzip: Eine Demontage des Asylrechts „für sichere Grenzen“  – wenn nötig auch mit Hilfe der AfD! Schon am nächsten Tag veröffentlichte die „Vogue“ einen Offenen Brief, den „Hunderte bekannte Namen aus Kunst, Kultur und Medien“ unterschrieben haben: 

„Dieser Pakt mit der AfD bedeutet einen historischen Tabubruch. Menschen Asyl zu gewähren, ist ein in der Verfassung verankertes Grundrecht und darin auch eine der zentralen Lehren aus den Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Union ist bereit, diese Rechte mit den ideologischen Erben der Täter zu beschließen und mit dem historischen Konsens des ,Nie wieder’ zu brechen. In der Woche des Holocaustgedenktages“, heißt es in dem Brief, den die Schauspieler*innen Luisa-Céline Gaffron und Jonathan Berlin verfasst haben.  

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Die US-Filmakademie gab heute die „Oscar“-Nominierungen bekannt. | Foto © AMPAS/Richard Harbaugh

Gute Nachrichten aus Hollywood: Auf einen „Oscar“ dürfen dieses Jahr so einige deutsche Filmschaffende hoffen.

Mit einer Woche Verspätung sind die „Oscar“-Nominierungen raus. Und die Kulturstaatsministerin freut sich über „die vielen deutschen Nominierten“: „Das ist nicht nur eine Auszeichnung für diese talentierten Filmschaffenden, sondern auch eine Auszeichnung für den deutschen Film, der mit seiner ganzen Bandbreite überzeugen konnte!“ 

Der ist mit Mohammad Rasoulofs „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ im Rennen um den besten internationalen Film. Für das beste Originaldrehbuch sind  Moritz Binder, Tim Fehlbaum, Alex David mit „September 5“ nominiert. 

Bereits zum zweiten Mal sind die Kostümbildnerin Lisy Christl und der Filmkomponist Volker Bertelmann für ihre Arbeit am Vatikan-Thriller „Konklave“ nominiert. Zum dritten Mal gar ist Gerd Nefzer bei den Visuellen Effekten mit dem Science-Fiction-Epos „Dune 2“ dabei – zweimal hat er den „Oscar“ schon gewonnen. 

Für Deutschland geht das Jahr gut los, findet Karin Ströbele in der „Zeit“ – nicht nur wegen der Zahl an Nominierungen: „Zum dritten Mal in Folge ist eine deutsche Produktion für den sogenannten Auslands-,Oscar’ im Rennen, auch das ist erst einmal bemerkenswert.“

caption=“Arcata Theatre Lounge, Kalifornen, USA 2009. | Foto CC Bob Doran“

Kurz vor Jahresschluss kam doch noch das neue Filmförderungsgesetz. Die große Reform bleibt aber weiterhin eine Baustelle.  Und auch im FFG sind von den einstigen Plänen nur Bruchstücke geblieben. 

Das war knapp! Zwei Tage vor Jahresschluss wurde das neue Filmförderungsgesetz 2025 (FFG) veröffentlicht. Damit können auch in diesem Jahr weiter Filme gefördert werden, und die FFA wird „modernisiert“. Sie verantwortet nun alle Filmförderungsprogramme auf Bundesebene, „schneller und transparenter“ als bisher: die Filmförderung nach dem novellierten FFG, die jurybasierte kulturelle Filmförderung des Bundes, den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) und den German Motion Picture Fund (GMPF).  „Das ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel“, sagte FFA-Vorstand Peter Dinges bei der ersten Pressekonferenz im neuen Jahr, von der  Susanne von Kessel-Doelle bei „Blickpunkt Film“ berichtet: „Einen zentralen Schwerpunkt des neuen Gesetzes bildet die Automatisierung der Förderung. ,Die selektive Förderung alter Prägung hat ausgedient’, erklärte Dinges. ,Das neue System basiert auf Referenzpunkten und macht die Förderung planbar und unbürokratisch.’ Produzenten könnten ihre Mittel nun selbstständig kalkulieren und verwenden, ohne auf Gremienentscheidungen angewiesen zu sein. Die Schwellen für kleinere Projekte – etwa Talentfilme, Kinderfilme oder Dokumentarfilme – wurden bewusst gesenkt. ,Schon ein Festivalpreis oder ein erfolgreicher Kinostart reichen aus, um Förderung zu erhalten’, so Dinges. Diese Maßnahmen sollen vor allem jungen Filmschaffenden zugutekommen und die Vielfalt des deutschen Films stärken.“ Und immerhin: Die erste Säule der großen Förderreform steht.

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Wim Wenders (oben) und Juliette Binoche (unten) bei der europäischen Filmpreisgala. Der Regisseur wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Ansonsten fehlte der Deutsche Film auf der Bühne. | Foto © EFA/Sebastian Gabsch

Beim „Europäischen Filmpreis“ war vom Deutschen Film wenig zu sehen. Aus Frankreich umso mehr. Dort werde die Siebte Kunst halt ganz anders unterstützt, meint der Chef der Europäischen Filmakademie. Zwei Neuerungen gibt es außerdem.

Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) macht sich via „Frankfurter Rundschau“ schon mal Gedanken zu den „Golden Globes“ und „Oscars“ im nächsten Jahr. Also wer da in Hollywood so mitmischen könnte aus Filmdeutschland. Das ist lustig, weil erst vorigen Samstag in Luzern die „Europäischen Filmpreise“[auf Englisch] verliehen wurden. Das ist sowas wie der „Oscar“ der Alten Welt, bloß interessierte sich dafür keiner. Außer der DPA, deren knappe Preisaufzählung wenigstens „Zeit“ und „Frankfurter Rundschau“ übernahmen.

Übrigens wurde der deutsche Regisseur Wim Wenders für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Ansonsten war Filmdeutschland nur in Koproduktionen zu finden – wie „Des Teufels Bad“, für den die österreichische Kostümbildnerin Tanja Hausner ausgezeichnet wurde.

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Leila Fatima Keita hat das Thema Abtreibung in einem Desktop-Film montiert. Ihr war wichtig, „dass der Film zwar eine emotionale Note hat, das Thema jedoch auch aus politischer, medizinischer und sozialer Perspektive beleuchtet wird.“ Raum für die Kunst fand sie dabei trotzdem. | Foto © Juliane Guder/Edimotion

Um Filmschnitt und Montagekunst dreht sich das Edimotion im Köln. Beim Festival werden die „Schnitt-Preise“ in mehreren Kategorien verliehen. Die Editorin Leila Fatima Keita wurde den Kurzfilm „The Silence of 600 Million Results“ ausgezeichnet. 

Die Protagonistin deines Films „The Silence of 600 Million Results“ erfährt, dass sie ungeplant schwanger geworden ist und wir erleben ihre Suche nach Antworten zu der Frage, wie sie damit umgehen soll, über die Bildschirme ihres Laptops und ihres Smartphones. Welche Herausforderungen gab es für dich bei diesem Desktop-Film?
Sophie Lahusen hat mir für den Schnitt zahlreiche Videos und Fotos zur Verfügung gestellt. Zusätzlich entstand auch einiges an Footage durch Bildschirmaufnahmen, die ich im Schnittraum erstellt habe. Im Laufe des Montageprozesses erhielten wir Erfahrungsberichte von Menschen, die eine Abtreibung erlebt haben – sowohl in Audio- als auch in Videoform. Diese Berichte haben wir versucht, organisch mit dem übrigen Material zu verweben.
Anfangs arbeiteten wir ausschließlich mit deutschsprachigem Material. Da wir jedoch wollten, dass der Film auch international gesehen werden kann, haben wir nach einer Pause nochmals neu begonnen und eine englische Version produziert. Bei Desktop-Filmen ist es immer eine Herausforderung, zusätzliche Untertitel zu integrieren, da oft bereits viel Schrift auf dem Bildschirm vorhanden ist.  Weiterlesen

Im Hambacher Forst kam vor sechs Jahren der Kunststudent Steffen Meyn ums Leben. Er hatte die Proteste gegen den Kohletagebau dokumentiert, bis er während der Räumung tödlich verunglückte. Aus seinen Aufnahmen entstand die Kinodokumentation „Vergiss Meyn nicht“. Auch technisch war die Montage eine besondere Aufgabe für Ulf Albert: Meyn hatte mit einer 360-Grad-Kamera gedreht. | Foto © Juliane Guder/Edimotion

Mitte Oktober feierte Edimotion wieder Filmschnitt und Montagekunst. Höhepunkt des Festivals ist die Vergabe der „Schnitt-Preise“ in mehreren Kategorien. Ulf Albert eröffnet unsere diesjährige Interview-Reihe mit den Preisträger*innen. Der Editor wurde für seine Arbeit an dem Dokumentarfilm „Vergiss Meyn nicht“ ausgezeichnet.

„Vergiss Meyn nicht“ ist ein besonderes Projekt: Drei ehemalige Kommilitonen von der Kunsthochschule für Medien in Köln haben auf Basis des Materials von Steffen Meyn diesen Film entwickelt – ihrem Freund, der im Hambacher Forst mit einer 360-Grad-Kamera über viele Monate die Proteste begleitend gefilmt hatte und dort bei einer Stürmung zu Tode kam. Du hast Steffen Meyn nicht gekannt und warst selbst auch nicht in der Community der Protestierenden präsent. Wie bist Du zu dem Projekt gekommen und wie wichtig war Dein frischer Blick?
Der Film wurde von Melanie Andernach und Made In Germany Film produziert. Ich kannte Melanie schon von einem anderen Projekt, und als sie diesen Film vorbereitete, hat sich an mich erinnert und mich angerufen.
Mein Blick auf das Material von Steffen und das Konzept der drei Regiesseur*innen war dann schon recht wichtig. Als ich einstieg, gab es als ersten Eindruck eine ungefähr zwei Stunden lange Szenensammlung von Steffens Material, wodurch ich dann ein bisschen wusste, was den Dreien wichtig war und was besonders spannend sein könnte. Sie mussten mir aber auch viel erzählen über Steffen und seine Mission im Wald – und durch diesen Dialog mit mir haben sie dann auch selbst noch einmal viel reflektiert. Weiterlesen

Gegensätzliche Perspektiven und markige Ansagen gab’s auch in Filmen und den anschließenden öffentlichen Pressekonferenzen. Sie mutierten aber mitunter zu inspirierenden Filmgesprächen. Szenenfoto aus „My Favorite Cake“. | Foto © Hamid Janipour

Auf der Berlinale wurden übrigens auch Filme gezeigt. Als vielfältig, unabhängig und risikobereit wurde das Programm angekündigt. Das sei auch gelungen, findet unsere Autorin. Dabei konnte sie nicht mal alles im Wettbewerb sehen. 

Die 74. Internationalen Filmfestspiele Berlin gehen mit einer heftigen Unstimmigkeit zu Ende. Die auf der Abschlussveranstaltung geäußerten Meinungen einzelner Preisträger*innen zum Nahostkonflikt und die Reaktion von Teilen des Publikums darauf werden von einigen als antisemitisch wahrgenommen. Eine kulturelle Großveranstaltung, die nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel, also dem 7. Oktober 2023, in Deutschland stattfindet, sollte mit einer solchen Herausforderung rechnen. Die Frankfurter Buchmesse hatte es im Oktober 2023 vorgemacht. Eine Rede des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek löste zum Auftakt der Buchmesse eine scharfe Diskussion aus. In Frankfurt gelang es den Verantwortlichen und dem Publikum, die mitunter als Zumutung empfundenen Einlassungen auszuhalten. Möge es auch in Berlin gelingen.

Denn wie jedes Jahr öffnete die Berlinale 2024 auch wieder weite Horizonte. Das Programm wurde als vielfältig, unabhängig und risikobereit angekündigt. Und so ist es schließlich auch. Die Vielfalt der gezeigten Filme beweist, dass es geht: Verschiedene Perspektiven dürfen nebeneinander stehen und auch in den Dialog treten. Monologe, bisweilen auch markige Ansagen gab es auf den Pressekonferenzen. Sie mutierten aber mitunter zu inspirierenden Filmgesprächen, die – ganz wichtig! – für alle öffentlich zugänglich sind auf Youtube. So erklärte der in Berlin lebende russische Dokumentarist Victor Kossakovsky die großen Zusammenhänge, die wichtig sind fürs Verständnis seines Wettbewerbsbeitrags über Baumaterialien (dazu mehr weiter unten im Text). Dann wurde er dringlich und rief seinen Appell ins Publikum: „Wacht auf! Zement und Zucker ruinieren euer Leben!“ Am Ende gratulierte er den Berliner*innen ausdrücklich zum Erhalt des unbebauten Tempelhofer Feldes. 

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Vom neuen Filmförderungsgesetz erhoffen sich viele einen gewaltigen Schubs für die Branche. Dann gehen die Probleme aber erst richtig los, mahnt Martin Blankemeyer. Es gibt ja jetzt schon nicht mehr genügend Leute für die Arbeit. | Foto © HFF München

Die Personalprobleme in der Branche beschäftigt auch die Münchner Filmwerkstatt seit langem. Was zu tun wäre, hat deren Vorstand Martin Blankemeyer für die Zeitschrift „Black Box“ aufgeschrieben. Sein Vorschlag kommt mit nur sechs Eckpunkten aus.

Es tut sich was beim deutschen Film: wenn man in diesen Tagen Produzent*innen und Lobbyist*innen der Produktionsfirmen trifft, blickt man allerorten in hoffnungsvoll strahlende Augen: zum 1. Januar 2025 könnte durch ein neues Filmförderungsgesetz (FFG) Deutschland das Schlaraffenland der Filmbranche werden, mit einem opulenten Anreizmodell (ähnlich dem neuerdings in Österreich) und einer Investitionsverpflichtung für Streamingdienste (ähnlich der in Frankreich) und damit – so wird gerechnet – mit bis zu 60 Prozent automatischer Finanzierung für deutsche Kinoproduktionen. Von der Einigkeit der Branchenakteur*innen Deutsche Filmakademie, Produzentenverband, Produzentenallianz und AG Dok beeindruckt scheint sich auch die Kulturstaatsministerin für deren gemeinsamen Vorschlag zu begeistern, wie sie unter der Überschrift „Acht Vorschläge für die Zukunft des deutschen Films“ in der Süddeutschen Zeitung vom 15. Februar 2023 und bei mehreren Auftritten rund um die Berlinale durchblicken ließ.

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