Corona ist nicht mehr das einzige Thema, die Talk-Shows kommen nicht mehr hinterher. „Maischberger. Die Woche“ riss vieles an, dachte aber nichts zuende. | Foto © ARD

Corona und das Aufmerksamkeitsdefizit: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 73.

„No man is an Island / entire of itself“
John Donne, 1621 

„Niemand ist eine Insel“
Johannes Mario Simmel, 1975

 

Corona, Corona, Corona – das war einmal. Die Pandemie schafft es zurzeit einfach nicht zum Alleinstellungsmerkmal in den öffentlichen Diskursen der deutschen Republik. In anderen Ländern mag sich das anders verhalten, aber uns geht es dafür einfach zu gut. Zwar sind Covid-19, die neuesten Infektionstatistiken, der Stand der Impfstoff-Forschung schon zur Nachrichtenroutine geworden, so wie irgendein Anschlag im Nahen Osten, oder ein neuer SPD-Vorsitzender. 

Aber die zweite Welle ist einfach nicht da, so sehr Markus Söder das auch behauptet, so einschüchternd der jeweilige Hotspot der Woche auch wirken mag. Selbst im Partysündenpfuhl Berlin gehen die Infiziertenzahlen auch seit Ferienbeginn Ende Juni und über das Ferienende Anfang August mit seinen Rückkehrerwellen hinaus beständig zurück. Wir kaufen und tragen Masken, weil uns 0,02 Prozent der Berliner Bevölkerung gerade anstecken könnten (800 von 4 Millionen). De facto viel weniger. 

Bestimmt ist das auch in Deutschland alles sehr verhältnismäßig und vorausschauend gedacht von selbstlosen Entscheidern. 

Und in anderen Ländern ist es vermutlich anders und die Gefahr viel höher. Aber wir reden von Deutschland, heute zumindest. 

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„Jean Seberg – Against all Enemies“. | Foto © Prokino/Studiocanal

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 17. September 2020 – Teil 1.

Am Dienstag dieser Woche hat die Filmförderungsanstalt (FFA) ihre Halbjahresstatistik veröffentlicht. FFA-Vorstand Peter Dinges erklärt in der Meldung allerdings: „Viele Kinobetreiberinnen und -betreiber kämpfen derzeit um ihre Existenz. Die wirklichen Auswirkungen der Pandemie auf die Kinolandschaft werden jedoch erst in den kommenden Monaten sichtbar werden.“

Die meisten Besucher hatte „Bad Boys for Life“ vom Verleih Sony Pictures, die für den Rest des Jahres derzeit nur noch einen weiteren Film im Startplaner haben. „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ von Walt Disney ist seit Mitte Dezember im Kino. Auf dem dritten Platz befindet sich „Nightlife“ von der Warner Bros. Letzterer immerhin eine deutsche Produktion unter der Regie von Simon Verhoeven. Im Downloadbereich kann man sich die Statistik herunterladen. Für das zweite Halbjahr setzt man die Hoffnung auf „Drachenreiter“, eine deutsch-belgische Produktion von Tomer Eshed, derzeit für Mitte Oktober geplant, „Jim Knopf und die Wilde 13“ von Dennis Gansel startet sogar schon in zwei Wochen bei Warner Bros. und von Studiocanal kommt am 8. Oktober die Komödie „Es ist zu deinem Besten“, Regie Marc Rothemund.

Wie Berliner Arthouse-Kinos zurzeit die Corona-Maßnahmen und damit die Zuschauerströme händeln, fasste der „Tagesspiegel“ in einer lokalen Spalte für die Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf zusammen: „Wie die Kinos der Coronakrise trotzen“.

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„Lord & Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken“. | Foto © 24 Bilder

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 17. September 2020 – Teil 2.

Die „Wissenschaft der Malerei“, wie Leonardo da Vinci sein künstlerisches Schaffen nannte, ist heute Teil des kulturgeschichtlichen Kanons. Zu besichtigen waren seine Werke in einer zusammengetragenen Ausstellung im Musée de Louvre, wo sie eine Anziehungskraft auf Kunstbeflissene und Interessierte ausübten. Nicht jeder hatte die Chance, an dieser einmaligen Ausstellung teilzunehmen. Erstmals erscheint eine Dokumentation der Museumschau: „Eine Nacht im Louvre: Leonardo da Vinci“ macht die Werke „hautnah“ erlebbar, weil sie eigens für das Kino gefertigt wurde. Mit 5K Kameras und 3D Technikern wurde hier nächtelang – also in der besuchsfreien Zeit – gefilmt. Die Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank leiteten den Dokumentarfilmer Pierre-Hubert Martin darin an, die Erzählung über Leonardos Vorgehensweisen und malerische Technik zu schreiben.

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Venedig zeigt seine Wettberbsfilme im Kino und setzt auf Abstand und Maske. Das älteste Filmfestival der Welt ist somit das erste der ­großen A-Festivals, das der Pandemie trotzt. Was aber keine Hoffnung schüren soll soll, dass nun die anderen automatisch folgen. | Screenshot

Der Urlaub der Anderen und der Ast, auf dem wir alle sitzen: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 72.

„There are no second acts in american lives“
F. Scott Fitzgerald

 

Willkommen zurück, liebe Leserinnen und Leser! Ich hoffe, Ihr habt den Sommer gut überstanden. Es war ein kurzer Sommer, und es war ein wilder Sommer, und wenn wir nicht auch mal froh gewesen wären, ein bisschen Urlaub zu machen, dann hätte man sehr gut auch weiterhin täglich einen Pandemie-Blog machen können, und sei es nur über den Urlaub der Anderen. Das Urlaubsverhalten der Deutschen, aber auch des Urlaubs-Reaktionsverhalten der deutschen Politiker, ist ein Kapitel für sich, und Thema für mehr als einen Blog.

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Bevor ich aber wieder mitten hineinspringe in unser Thema, nochmal einen Schritt zurück: Wir sind wieder da – aber ich für meinen Teil bin in den nächsten vier Wochen noch ein bisschen eingeschränkt wieder da. Nämlich nur mit einem einzigen wöchentlichen Text mit meinen „Gedanken in der Pandemie“. Das hat einfache praktische Gründe. Zur Zeit befinde ich mich nämlich auf dem Lido in Venedig – ein sehr schöner Ort, an dem ich sehr gerne bin. Hier findet das erste halbwegs normale Filmfestival seit der Pandemie wieder statt – gleich eines der ganz Großen: Das älteste Filmfestival der Welt. Natürlich unter diversen Auflagen und Pandemie-Beschränkungs-Bedingungen, die auch im großen Ganzen alle sehr sinnvoll erscheinen. Wie das im Einzelnen und wie gut im Besonderen das funktioniert, habe ich anderenorts vorige Woche bereits beschrieben. Das übers Unmittelbare hinaus für uns alle Interessante daran ist natürlich, dass diese Großveranstaltung unter Pandemie-Bedingungen ein Modell abgibt für alle derartigen Veranstaltungen bis mindestens Ende kommenden Jahres.

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Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 10. September 2020. Teil 2.

Wie man Political Correctness korrekt umgeht, das weiß der Schauspieler Alexander Schubert durchaus. Werden ihm doch regelmäßig in der ZDF-„Heute Show“ von Satirikern diese Korrektheit einigermaßen sprengende Dialoge in den Mund gelegt, wenn er den CDU-treuen „Alexander von Humboldt“ gibt. In seinem Regiedebüt sucht er anlehnend an den komödiantischen Stoff von Josef Fares’ „Kops“ von 2003 ähnliches auf der Leinwand zu verwirklichen und lässt Polizisten mal eben die Seiten wechseln. Das jedenfalls unternehmen die Beamten Deniz (Erkan Acar) und Rocky (Adrian Topol) wie auch das Paar Netti (Sanne Schnapp) und Hagen (Alexander Hörbe). Denn in dem kleinen Nest mitten in Nordrhein-Westfalen gleicht ihre Polizeistation eher einer Einrichtung für entschleunigtes Beamtentum. Damit Tina (Sina Tkotsch) die Station nicht auflöst, muss die Wache 23 gehörig viele neue Akten öffnen. Dabei kommt den Rettungslosen auch der Zufall zu Hilfe. Leider jedoch bleibt der Zuschauer in „Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt“ etwas glücklos auf so mancher Pointe sitzen. Was vielleicht auch an den harmlosen Dialogen liegen könnte. Oder es ist einfach so ein westfälischer Humor.

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Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 10. September 2020.

Der Sommer ist vorbei. Auch in Bayern hat die Schule wieder begonnen. Mit dem neuen Jahr, mit dem Übergang in eine kühlere Jahreszeit, in der man traditionsgemäß noch lieber ins Kino geht, wird auch diese Kolumne einen Neuanfang machen. Gerade hat das Filmfestival in Venedig, das erste A-Festival seit der Berlinale, beweisen dass ein Festival auch physisch machbar ist. Aus der Ferne betrachtet kommt da ein bißchen Neid auf die Anwesenden auf. Man wünscht sich so gerne, dass alles wieder einer Normalität, gerne auch einer neuformulierten Normalität folgen möge, die man soweit verinnerlicht hat, dass man sich mit ihr wohl fühlt. Die Filmkunstmesse in Leipzig steht an. Sie feiert ihr 20. Jubiläum, und sicherlich werden hier neue Impulse gesetzt. „Screen Daily“, darauf weißt Programmkino.de hin, berichtet von einem Panel in Venedig über „Herausforderungen und Chancen für die Arthouse-Industrie nach der Pandemie“ [auf Englisch]. Kino muss Freude machen, Filme sollten, jeder für sich, gefeiert werden.

Die Arthouse-Charts feiern Jan Komasas „Corpus Christi“. Die Parabel über den jungen Straftäter, der sich als Priester ausgibt, liegt sowohl nach Gesamtbesucherzahlen als auch im Kopienschnitt vorne. Auch der Neuzugang „Drei Tage und ein Leben“ konnte sich unter die Top 5 positionieren. Die Zahlen von „Tenet“ sind erfreulich. Und auch „After Truth“ von Roger Kumble ist erfolgreich. „Blickpunkt Film“ meldet eine entsprechende „Zeitenwende“. Bei den Major-Veleihern blickt man nach Amerika, die Filmstarts in den USA beeinflussen auch unseren Kinokalender. „Variety“ evaluierte vorige Woche, wie der unterschiedliche Weg von Warner Bros. (mit Christopher Nolans „Tenet“) und Disney (mit Niki Caros „Mulan“) die Zukunft von Blockbustern beeinflussen könnten.

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Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 3. September 2020.

Endlich Erfolgszahlen für die Kinos in Deutschland. Christopher Nolan hat sich souverän an die Spitze gestellt. „Blickpunkt Film“ meldet einen Ticketumsatz von 380.000 Stück für das erste (um den Mittwoch verlängerte) Wochenende. In anderen Ländern sieht es ähnlich gut aus. Großbritannien verdankt „Tenet“ 74 Prozent des Umsatzes. Frankreich verkaufte etwa 700.000 Tickets. In Österreich spielen 92 Säle den Film und generieren 409.043 Euro Umsatz. Zahlen, alles Zahlen. Die Freude ist spürbar. Von den Neustarts der vorigen Woche (Programmkino.de meldet die Arthouse-Charts) konnte sich nur „Fragen sie Dr. Ruth“ neu in der Top 10 platzieren. An der Spitze gibt es wenig Bewegung. Die Schlingensief-Dokumentation „In das Schweigen hineinschreien“ liegt im Kopienschnitt vorne während nach Gesamtzahlen Mika Kaurismäkis „Master Cheng in Pohjanjoki“ in der fünften Woche fest auf Platz 1 steht. Ich möchte aber noch einmal meine Stimme für den „See der wilden Gänse“ von Diao Yinan erheben. Das ist Kino pur. Eine bessere Platzierung kann aber noch kommen.

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Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 27. August 2020.

Der Aufmacher der Woche sollte eigentlich Christopher Nolans „Tenet“ sein. Warner Bros. zieht es durch. Kino gehört ins Kino. Ich wünschte, sie würden die Rolle der Presse dabei nicht nur als Marketinginstrument sehen. Ich hatte es befürchtet, und so kam es auch: Der Verleih hat ordentlich gesiebt, und nur, vermutlich, die aus ihrer Sicht nützlichen, wichtigen und unumgänglichen Medien zu einer „kleinen Runde“ eingeladen. Sprich: es gab keine normale Pressevorführung. Darunter verstehe ich, dass Kolleg*innen, die über Film berichten, auch eingeladen werden, den Film in einem Kino zu sichten. Status- und auflagenunabhängig. Punkt. Es ist ja nicht so, dass die Agentur nicht weiß, wen sie im Verteiler haben. Die Agentur ist sogar die, die am häufigsten Verteilerüberprüfungen macht. Wie auch immer. „Cinearte“ und „Out-Takes“ scheinen nicht wichtig genug zu sein. Punkt. Muss man gar nicht drüber nachdenken. Ja, wahrscheinlich ist „Tenet“ ein sogenannter Selbstläufer. Geht eh jeder rein. Braucht keine Presse. Ich möchte nur vermerken, warum hier keine Besprechung in irgendeiner Form von dem wohl verleihtechnisch wichtigsten Film dieser Tage zu lesen ist. 

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Der Herr in der Mitte fehlt, ohne Zweifel. Die Editorin Bettina Böhler erinnert mit einer Montage-Biografie an den Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief, der vor zehn Jahren starb. | Foto © Filmgalerie 451

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 20. August 2020.

Zu schön um wahr zu sein? Zwei Institute der Charité, zum einen das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, zum anderen das für Hygiene und Umweltmedizin, haben eine Stellungnahme herausgegeben, laut der Klassikkonzerte und Opern bei voller Saalbelegung machbar wären, sofern man Masken auch während der Veranstaltung trägt. Zum Beispiel der RBB berichtete. Sogleich hofften alle, die es angeht, dass das auch für die Kinos gelten müsste. Der Vorstand der Charité distanzierte sich jedoch sogleich von der Stellungnahme. Unter anderem der RBB berichtete auch darüber.

Meine Erfahrung ist, viele MitbürgerInnen scheren sich nicht um irgendwelche Vorgaben. Jeder von uns muss selbst entscheiden, wieviel Risiko er oder sie eingeht. Nicht nur um sich selbst zu schützen, sondern um seine Angehörigen mitzuschützen. In der Berliner U-Bahn passiert es durchaus, dass bis zu, na sagen wir mal 40 Prozent, keine Maske tragen oder diese nur am Kinn hängt. Daraus folgere ich für mich, eine Maskenpflicht während einer Filmvorführung ist nicht kontrollierbar. So nicht und so nicht. Also nicht für das Kinopersonal und nicht für das anwesende Publikum, das in seiner Zusammsetzung eben keine Solidargemeinschaft bildet. Aber die Hoffnung und so weiter.

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Sally Potters „Wege des Lebens“ ist ein schwieriger Film, der fordert und vielleicht nicht sein Ziel erreicht. Also sehenswert. | Foto © Jeong Park, Bleecker Street

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 13. August 2020.

Erst war der Jubel groß. Auch in Berlin wird die Abstandsregelung bei der Kinositzbelegung auf einen freien Sitz rechts und links minimiert, da wird einem das wieder madig gemacht. Die neue Regelung gelte nur, wenn man eine Maske auch im Saal trägt, „Blickpunkt Film“ verwies am Dienstag darauf. Was denn nun? Sind die Kinos gerüstet mit Durchlüftung und so weiter? Oder nicht? Werden die Zuschauer da mitmachen? Wird man das überhaupt überprüfen können?

Die Vertreter von 68 Kinounternehmen haben an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters einen Offenen Brief geschrieben, in dem sie um einen „Kinogipfel“ beten. Es geht ihnen um das Gespräch, um Hygienevorgaben, um Auswertungsfenster und um finanzielle Hilfen. Monika Grütters reagierte sofort, Hilfen laufen bereits, weitere sind in Planung. Bereits zuvor hat „Blickpunkt Film“ ein Gespräch mit Christine Berg, der HDF-Vorstandsvorsitzenden geführt. „Wir stehen kurz vor dem Abgrund“, so die Titelzeile, ist sicherlich nicht übertrieben.

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Wie steht’s um die Vielfalt im deutschen Film? Und was sollte besser werden? Der Indiefilmtalk fragt in gleich zwei Folgen nach Antworten. | Szenenfoto aus „Rubbeldiekatz“ © Universal

Wo stehen wir, warum sind diverse Geschichten wichtig für eine moderne Gesellschaft, und was muss passieren, um mehr Vielfalt vor und hinter der Kamera zu bringen? Das wird in zwei Folgen diskutiert, Gedanken und Meinungen weiterer Filmschaffender sind als Bausteine in die Gespräche eingebaut.

In der ersten Folge sind die Filmemacherin Sheri Hagen, die Schauspielerin Benita Sarah Bailey und der Drehbuchautor Robert Hummel zu Gast. In der zweiten Folge sprechen die Produzentin Nataly Kudiabor, der Schauspieler Jerry Kwarteng, Jonas Karpa von Leidmedien und Joshua Kwesi Aikins und Juan Vivanco von der Menschenrechtsorganisation Citizen for Europe, die zurzeit die erste Studie zur Vielfalt im Film wissenschaftlich begleitet. 

Ein Film, den man lieber auf großer Leinwand erlebte: „Dreiviertelblut – Weltraumtouristen“. Sebastian Horn und Gerd Baumann gründeten 2012 Dreiviertelblut. Inzwischen ist das Duo zum Septet gewachsen. | Foto © 24 Bilder

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 6. August 2020.

Mit der Realverfilmung von „Mulan“ (Regie: Niki Caro, Kamera: Mandy Walker) hatte Disney im März diesen Jahres Präsenz zeigen wollen. Jetzt sieht alles anders aus. Der prominent angekündigte Disney-Titel wird wohl nicht in die Kinos kommen, zumindest nicht in den USA. Die eigene Plattform, Disney+, hat inzwischen 60,5 Millionen Abonnenten, hat somit sein 5-Jahres-Ziel erfüllt. Doch „Mulan“ wird über das Abo nicht verfügbar sein, sondern als Einzeltitel gehandelt werden, zu einem ziemlich saftigen Preis. „Blickpunkt Film“ berichtete und bezog sich auf die US-Branchenblätter. Länder, in denen Disney+ nicht verfügbar ist, könnten von der On-Demand-Only-Auswertung ausgenommen werden. Wie es in Deutschland gehandhabt wird, stand am Mittwochvormittag noch nicht fest, es gab noch keine entsprechende Pressemitteilung.

Die Kinobetreiber werden es verschmerzen müssen. Eine Erleichterung ist sicherlich, dass die Abstandsregel bei der Sitzbelegung jetzt angepasst wird. Nach und nach. AG Kino meldet, nach Nordrhein-Westfalen und Sachsen schrumpft auch in Berlin der Abstand von 1,5  auf 1 Meter. Sprich, ein Kino kann jetzt bis zu zwei Drittel ausgelastet werden. Mal sehen, wie sich das auf die deutschen Charts auswirkt. Im Arthouse-Segment ist der  „Master Cheng in Pohjanjoki“ von Mika Kaurismäki gleich auf den ersten Platz gestiegen. Die Arthouse-Charts gibt es hier.

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Cooles Plakat. Aber so richtig Lust aufs Kino macht es nicht. Schade. | Foto © Entertainment One

Und was machen die Franzosen anders? – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 223. Folge.

Gerade in Hamburg. Hier ein längeres Gespräch mit einem Kino-Vorführer. Wir kommen auf Plakate. Er mag Berlin Alex­an­der­platz. Dafür, warum der Film aber unter den Erwar­tungen mancher bleibt, hat er eine inter­es­sante Erklärung: Die Plakate in Deutsch­land seien oft sehr schlecht. So auch hier.

Das verstehe er nicht, »warum die vom Verleih so ein Plakat machen. Das ist gar kein Plakat. Das sieht ganz gut aus, ist aber nur stylisch. Es macht auf nichts Lust. Und ich verstehe nicht, warum da kein Schau­spieler drauf ist. Die Jella Haase ist doch so bekannt.«

Ähnliches bei Undine, der schon länger im Kino läuft: »Da ist kein Schau­spieler zu sehen. Die Gesichter sind abgewandt, die Farben trübe. Wer soll da reingehen und warum?« Das Plakat ist so Wannabe und um die Ecke gedacht, wie der ganze Film.

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Die Blockbuster zögern noch, „The King of Staten Island“ nutzt die Chance aufs Kino. In den USA hat es „der neue Judd Apatow“ in der Corona-Krisenzeit nur auf die On-Demand-Plattformen geschafft. | Foto © UIP

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 30. Juli 2020.

Die Brancheninfo macht Sommerpause. Hinweise auf die Filmstarts der Woche bringen wir trotzdem. Vielleicht nicht ganz so ausführlich.

Es tut sich einiges. Alles dreht sich um „Tenet“ von Christopher Nolan, und jetzt wurde diese Woche eine hoffentlich endgültige Entscheidung getroffen. „Tenet“ wird gestaffelt Ende August auch in die deutschen Kinos kommen. „Variety“ berichtete am 27. Juli 2020. „Blickpunkt Film“ konnte sogar schon konkreter werden: Am 26. August ist es in Deutschland soweit. Die Amerikaner werden den Film erst ab dem 3. September 2020 sehen können, das hängt von den Kinoöffnungen (ab August) ab. Die Lücke am 13. August 2020, an dem „Tenet“ zwischenzeitlich starten sollte, wird jetzt mit der Wiederaufführung von Christopher Nolans „Inception“ von 2010 gefüllt, der somit aus dem Startplan von dieser Woche herausfällt.

Damit fehlt in dieser Woche ein prominenter Zugang, auch wenn es sich um eine Wiederaufführung handelt. „Blickpunkt Film“ meldete bereits einen Neustartmangel. Zumindest für diese Woche können wir das bestätigen. Nächste Woche, wenn sich da nichts gravierend ändert, sieht das schon anders aus. Aber sicherlich, englischsprachige Filme haben eine bessere Zugkraft und sind begehrt.

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Auf Christopher Nolans „Tenet“ müssen wir noch wer-weiß-wie-lange warten. Aber sein „Inception“ läuft wieder. Mit einem Film- und vielen Lesetipps verabschiedet sich unser Kolumnist in die Sommerpause. | Foto © Warner Brothers

Todo cambia: Letzte Worte zur Sommerpause: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 71.

„Heute ist nicht alle Tage. Ich komm’ wieder, keine Frage.“
Paulchen Panther

„Hot summer streets/ And the pavements are burning/ I sit around/ Trying to smile but/
The air is so heavy and dry/
Strange voices are saying/ (What did they say?)/ Things I can’t understand/ It’s too close for comfort

This heat has got/ Right out of hand/
It’s a cruel, (cruel), cruel summer/ (Leaving me) leaving me here on my own

It’s a cruel, (it’s a cruel), cruel summer/ Now you’re gone“
Bananarama „Cruel Summer“

 

Wir erleben ein brutalen Sommer. Jetzt macht auch noch dieser Blog Sommerpause. Ob es wirklich gut ist, eine Sommerpause zu machen, wo doch das Virus alles andere als eine Pause macht, das weiß ich nicht. Aber allemal ist es klug, Kraft zu tanken für den Winter, der nicht nur kalt wird, sondern hart, für die zweite Welle, die auf die eine oder andere Weise kommen wird, und mancherorts schon da ist. Mit der Kraft meine ich (das weiß wohl jeder, der das hier in den letzten Monaten gelesen hat) nicht alleine körperliche Kraft, sondern vor allem geistige, ein geistiges Widerstands-Potenzial. Es mag einfacher sein, mit dem Strom zu schwimmen, aber es macht einen auf die Dauer stärker, wenn man versucht, resistent zu sein. 

Was auch wichtig ist, um diese nächsten Wochen zu überstehen, bis wir uns wieder hören und lesen, dazu habe ich hier noch ein paar Tipps: Geht ins Kino! Geht überhaupt raus! Bleibt nicht zuhause hocken, schmort nicht im eigenen Saft, streamt nicht soviel, verliert euch nicht in virtuellen Welten. Im Kino werdet ihr auf fremde Menschen stoßen und das macht Spaß. Man kann da auch alte Filme wiedersehen. Einen von denen, den ihr in jedem Fall wieder sehen solltet und das könnt ihr schon nächste Woche, ist „Inception“ von Christopher Nolan. 

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