In Indien waren Ende März schon 68 Millionen Menschen geimpft – das sind fast so viele, wie in Deutschland leben. Allerdings leben in Indien fast 1,4 Milliarden Menschen. Die Impfquote ist in beiden Ländern nahezu gleich. Szenenfoto aus „Slumdog Millionär“. | Foto: Pathé Distribution

Die Regelung der Regelung – Gedanken in der Pandemie 110.

„What do you think about South America? I’m going there soon.“
„Is that so! Where’re you going?“
„Uruguay.“
„Well, you go Uruguay and I’ll go mine.“
Marx Brothers, „Animal Crackers“.

„Libertad o Muerte.“
Staatlicher Wahlspruch von Uruguay

Vor genau zwei Jahren erschien das erste Album von Billie Eilish „When we all fall asleep where do we go“, mit den großartigsten Liedern dieses letzte Prä-Pandemie-Jahres: „Ilomilo“, „You should see me in a crown“ und „Bury a friend“. Es ist ein einziger Horror – also genaugenommen ein überaus unterhaltsames und musikalisch exzellentes Spiel mit akustischen und filmischen Horror-Effekten. 

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In Tübingen sind die Kinos wieder geöffnet. Die Branche hofft auf den Modellversuch. | Symbolfoto © Adobe Stock

Notizen während der Abschaffung des Denkens und Strategien der Konterrevolution – Gedanken in der Pandemie 109.

„Man braucht nur
genau
hinzusehen

dann weiß man bescheid.“
Rolf Dieter Brinkmann, („ … der Berliner Polizei gewidmet“)

„Leer setzen solche Abende ein und ruhig, sie hatten beide Zeit, beschäftigten sich, ohne wirklich etwas zu tun. Ihre Arbeit, die Geld brachte, hatten sie erledigt, er hatte nicht gemerkt, wann, es spielte keine Rolle, der Tag war weg, vorbei, von sich aus hätte er nicht sagen können, wie verbracht, und das war auch unwichtig.“
Rolf Dieter Brinkmann, „Keiner weiß mehr“

 

Frohe Ostern! Ostern, klar jetzt liegen die Metaphern so richtig auf der Straße. Osterspaziergang, Wiederauferstehung, und so weiter … Auf die Wiederauferstehung hoffen wir seit über einem Jahr. Zur Osterspaziergang fällt mir nur ein, dass ich heute zweimal auf Facebook mit Boris Palmer durch Tübingen spaziert bin.

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Angela Merkel bei „Anne Will“. Die Kanzlerin ist „nicht glücklich“ mit der Corona-Politik. Unser Kolumnist übrigens auch nicht. | Screenshot

Nach der Desaster-Woche: Es kann nicht sein was nicht sein darf – Palmström und das Stoppschild in unseren Köpfen. Gedanken in der Pandemie 108.

„Die Pandemie muss sofort bekämpft werden und nicht erst, wenn alles durchgeplant ist und man alle notwendigen Unterlagen bei allen zuständigen Behörden zusammengesammelt hat. Stattdessen verlieren wir an Tempo, weil niemand die Verantwortung übernehmen will.“
Lisa Federle, Ärztin in Tübingen

„All political lives, unless they are cut off in midstream at a happy juncture, end in failure, because that is the nature of politics and of human affairs.“
Enoch Powell

 

Fake News aus Deutschland! „20.000 Strahlentote“. Die Salonkommunisten berichten: Am 11. März vor 10 Jahren, einem Datum, das wir mit Fukushima gleichsetzen, starben 20.000 Menschen. Was geschah an diesem Tag? Eine Nuklearkatastrophe? Starben 20.000 Menschen in Strahlentod? Die Salonkommunisten zeigen, welche Folgen die deutsche Hysterie an genau diesen historischen Objekt hat. Zum 10-jährigen Jahrestag des Tohoku-Seebebens ist klar: dies war eine Katastrophe, aber keine Nuklearkatastrophe. Die deutschen Medien allerdings machen daraus ein Atomunglück, die Grünen twittern von Nuklearkatastrophe und zehntausenden Toten. Später korrigieren sie das, aber stillschweigend. Fukushima war nicht die größte menschengemachte Katastrophe, sondern das sind passenderweise Staudamm-Unglücke, bei denen manchmal 20, manchmal 80.000 Menschen sterben und viele mehr obdachlos werden.

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Im Kino klappt’s irgendwie besser mit dem Impfen. Szenenfoto aus „Outbreak – lautlose Killer“ von 1995. | Foto © Warner Bros.

Die Welt im Orientexpress: Wohlstand tötet; ein Jahr Ausnahmezustand und endlich wieder harter Lockdown – Rüdiger Suchslands „Gedanken in der Pandemie“ – Folge 107 auf „Out-takes“.

„Qui mori didicit servire dedidicit“ („Wer zu sterben gelernt hat, zu dienen verlernt hat.“)
Seneca 

„Der Rechtsstaat hat nicht zu siegen, er hat auch nicht zu verlieren, er hat zu existieren.“
Helmut Schmidt, Bundeskanzler 1974-1982

„Wir versuchen jetzt, die Brücken zu bauen, aber wir wissen auch nicht, wohin wir die genau bauen. Also, das Ufer sehen wir ja auch nicht.“
Angela Merkel, Bundeskanzlerin 2005-2021

„I look at the world and I see all absurdity all around me. People do strange things constantly to the point that for the most part we manage not to see it.“
David Lynch

„And here you start to get a sense of the challenges that our medical mathematicians must contend with.“
Siddhartha Mukherjee, Mediziner

 

Ein Jahr Corona. Seit Ausbruch des Virus hat es 124 Millionen 120.424 nachgewiesene weltweite Covid_19-Fälle gegeben. Nur 2.731.715 verliefen tödlich. (Quelle: Worldometer vom 22.03.2021; auch für alle folgenden Zahlen) Das sind gerade mal 2,2 Prozent aller Fälle. 

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Und irgendwo in diesem Artikel haben wir auch noch „Die Sendung mit der Maus“ versteckt … | Foto © WDR

Grün-Gelb ist der Fortschritt: Die „Brasilien-Koalition“, der Virologen-Check und de Selbstzerfleischung der Union – Gedanken in der Pandemie 106.

„Ein Leben ohne Kultur ist sinnlos, es wahrscheinlich gar nicht menschlich, wenn man von Barnett Newman ausgeht: Der erste Mensch war ein Künstler. Dann war der zweite ein Ökonom. Das bedeutet, dass der Mensch um Mensch zu werden, zuerst einen Traum brauchte, vorher konnte er gar nicht leben. So gesehen es die Kunst die Voraussetzung des Lebens, Bedingung der Ökonomie.“
Heiner Müller, 1991 

„Nichts funktioniert: die App nicht, dass Impfen nicht, das Testen nicht.“
Markus Söder, Minsterpräsident

„Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt.“
Rudi Assauer (1944-2019), Fußballmanager & Philosoph 

 

Was wäre wenn?

Stellen wir uns mal vor, dass es die Pandemie in den 80er-Jahren gegeben hätte. Ohne Internet. Nur mit drei Fernsehprogramm. Ohne Twitter und Facebook.

Was wäre geschehen? 

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Zu Gast bei „Lanz“: Wieder allerlei Leute, die über die Pandemie Bescheid wissen. | Foto © ZDF

Prävention und Repression: Wer interpretiert die Interpreten? Wer bezahlt Spahns Haus? Und was sind die  Schwächen im Mindset der Deutschen? Gedanken in der Pandemie – Folge 105.

„Es wird nicht ohne Bitternis abgehen.“
Helge Braun, Kanzleramtschef, am 22. März 2020 

„Die Leute haben die Schnauze voll.“
Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen

„Nicht immer nur Bedenken vortragen. Man kann auch Lösungen vortragen.“
Boris Palmer

Krise macht Freude. Wenigstens einer gibt es zu. Auf die Frage von Markus Lanz „Macht Krise eigentlich Spaß?“ antwortet der frühere Innenminister Thomas de Maiziere: „Spaß nicht, aber Freude schon.“ Seie Begründung: „In der Krise zeigt sich, wer was kann. Die Krise sucht sich die mächtigen, nicht die Zuständigkeiten. Die Krise stärkt die Seriösen und nicht die Lauten. Und in der Krise ist Schluss mit Firlefanz und Inszenierung, denn da kommt es auf die Substanz an. Und wer es gerne macht, dem macht auch Krise Freude – auch wenn es natürlich unangenehm ist und hart und es um Leben und Tod geht.“ 

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Eben erst gewählt, schon anderer Meinung: Der neue CDU-Chef Armin Laschet (Mitte) will wieder lockern. | Foto © BR

Schubumkehr: Kampfansagen an das Corona-Regime – Gedanken in der Pandemie 104.

„Den Lockdown macht man ja nur, weil man keine Kenntnis hat.“
Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates

„Ich glaube, dass es ist falsch ist, dass wir immer nur über Risikovermeidung sprechen. Wir müssen über Risikomanagement sprechen. Über das Leben mit dem Risiko, nicht über die komplette Vermeidung jedes möglichen Risikos.“
Carsten Linnemann, CDU-Bundestagsabgeordneter

 

Es ist ein politischer Paukenschlag, auch wenn er im Mehltau der dumpf-morbiden Lockdown-Hauptstadt  vorerst zu verhallen scheint. Die, für die er bestimmt war, werden ihn sehr genau vernehmen. 

„Immer neue erfundene Grenzwerte“; „alles verbieten“; „Bürger behandeln wie unmündige Kinder“; „Verhinderung des Lebens“; „das Leben nicht nur an Inzidenzwerten ausrichten“ – dies sind, sehr grob gesagt, die wichtigsten Stichworte aus Armin Laschet Rede vor dem baden-württembergischen Landesverband des CDU-Wirtschaftsrat. 

Dies ist, was hängenbleibt.

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Die Politisierung des Unterhaltungsfernsehen geht voran. Aktuelles Beispiel: Gleich zwei „Tatorte“ nacheinander drehen sich um die „Antifa“. | Foto © WDR/Bavaria Fiction/Martin Menke

Herden im Lockdown: SPD, „Taz“, „Tatort“ und der „identitär unterfütterte Postkolonialismus“: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 103.

„Nach allen Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, messe ich den Bund mittlerweile nur noch an seinen Taten und nicht an seinen Worten.“
Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein

„Der Instinkt der Heerde schätzt die Mitte und das Mittlere als das Höchste und Werthvollste ab: die Stelle, auf der die Mehrzahl sich befindet; die Art und Weise, in der sie sich daselbst befindet.  […] Die Heerde empfindet die Ausnahme, sowohl das Unter-ihr wie das Über-ihr, als Etwas, das zu ihr sich gegnerisch und schädlich verhält. Ihr Kunstgriff in Hinsicht auf die Ausnahmen nach Oben, die Stärkeren, Mächtigeren, Weiseren, Fruchtbareren ist, sie zur Rolle der Hüter, Hirten, Wächter zu überreden – zu ihren ersten Dienern: damit hat sie eine Gefahr in einen Nutzen umgewandelt. In der Mitte hört die Furcht auf: hier ist man mit Nichts allein; hier ist wenig Raum für das Mißverständniß; hier giebt es Gleichheit; hier wird das eigne Sein nicht als Vorwurf empfunden, sondern als das rechte Sein; hier herrscht die Zufriedenheit. Das Mißtrauen gilt den Ausnahmen; Ausnahme sein gilt als Schuld.“
Friedrich Nietzsche, Nachlass

 

„Ruuuucki-Zuuuucki!!“ – Anti-Yoga-Gymnastik zum Rosenmontag von Ernst Neger – ja er heißt wirklich so. 

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Kurz einfach mal durchatmen. Laut RKI sind Stand heute 2.342.191 (gut 2,3 Millionen) seit letztem Februar irgendwann infiziert/positiv getestet gewesen. Also 2,82 Prozent aller 83,9 Millionen Deutschen. Das heißt: Über 97 Prozent aller Deutschen sind mit Corona nie (oder zumindest nie nachweisbar) in Berührung gekommen. 

Nach Angaben des RKI und anderer Quellen nehmen mindestens 80 Prozent dieser Fälle einen „milden“ Verlauf. Die zur Zeit aktiven Fälle (also alle in den letzten 7 Tagen positiv getesteten, nicht etwa in jedem Fall schwerkranken) liegen bei 148.000. Das heißt: Aufgerundet sind 0,2 Prozent der Bevölkerung zur Zeit ansteckend. Das heißt, dass man unter 500 Menschen weniger als einen Infizierten trifft. Sie zu treffen heißt aber noch nicht, dass man sich auch ansteckt. 

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Systemsprenger im Wilden Westen: Helena Zengel spielt in „Neues aus der Welt“ an der Seite von Tom Hanks – und ist prompt für einen „Golden Globe“ nominiert. | Foto © Bruce W. Talamon/Universal

Fehlende Opposition und die Pandemie der Politik: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 102.

 

„Eine Pandemie bekämpft man mit Ehrlichkeit.“
Albert Camus

„Für immer nur drin in der Bude/
Forever alone/ forever at home/
Die Flasche Wein steht unterm Tisch/
Vorm Ofen hockt das Huhn/
Gardine zu und Musik an/
Um neun Uhr Augen zu.“
Helge Schneider

„Stichhaltig? – Wir bewegen uns ja in einem Bereich, wo Stichhaltigkeit gleich wissenschaftliche Erkenntnis nicht auf dem Tisch liegt, sondern wir erleben immer wieder neue Spekulationen, die auch mit Angst zu tun haben, mit Chancen zu tun haben, mit Sicherheit zu tun haben. Das ist so eine bunte Mischung, wo es anscheinend dazu gehört, den Politiker gegenüber am Tisch zu überraschen, um eigene Ziele zu erreichen. Dass wir in der Politik wie in der Bevölkerung Personengruppen haben, die sich mehr auf die Sicherheit konzentrieren, und andere Personengruppen haben, die sich auch auf die Öffnung konzentrieren, das steht ja fest.“
Christof Rasche, FDP-Politiker

 

Gehorsam ist die Tugend der Diener. Ungehorsam ist die Tugend des freien Menschen. „Niemanden zum Gehorsam verpflichtet.“ – das machte den Unterschied aus? 

Und heute? Freiwillige Unterwerfung und Selbstversklavung allerorten. Angefangen mit den Algorithmen der Konzerne.

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Das Virus ist immer noch da. Die „Gedanken in der Pandemie“ kreisen weiter. | Foto © BR

„Individuals have rights, and there are things, no person or group may do to them without violating their rights.“
Robert Nozick : „Anarchy State and Utopia“. 

„Was passiert, nicht etwa wenn die Dystopie stattfindet, sondern wenn sie nicht stattfindet?“
Don de Lillo

 

Hurra! Hurra, der Pumuckel ist wieder da, hurra, hurra … – auch der Blog ist wieder da, nicht ganz so wie sonst, sondern vorläufig erstmal wieder nur einmal pro Woche. Besser als nichts. Aber diese Texte werden eine andere Form haben. Denn die Gedanken in der Pandemie sind natürlich immer da, so wie die Pandemie selbst. 

Dieser Blog wird also noch eine etwas andere Form bekommen müssen, mehr Medienbeobachtung … 

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„Ist das Leben nicht schön?“ (USA 1946). | FOTO © RKO

Futter für den Winterschlaf: Meine ungeschriebenen Pandemie-Gedanken und endlich mal das Positive: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 100.

„Wenn nicht ich für mich bin, wer ist dann für mich?
Wenn ich nur für mich bin, was bin ich dann?
Wenn nicht jetzt – wann sonst?“
Talmud

„Gibt es vielleicht außer dem angeborenen Wunsch nach Freiheit auch eine instinktive Sehnsucht nach Unterwerfung?“
Erich Fromm, Die Furcht vor der Freiheit 

„Im Zweifel für den Zweifel/ Das Zaudern und den Zorn/ Im Zweifel fürs Zerreißen/ Der eigenen Uniform
Im Zweifel für den Zweifel/ Und für die Pubertät/ Im Zweifel gegen Zweisamkeit/ Und Normativität/
Im Zweifel für den Zweifel/ Und gegen allen Zwang/ Im Zweifel für den Teufel/ Und den zügellosen Drang/
Im Zweifel für die Bitterkeit/ Und meine heißen Tränen/ Bleiern wird mir meine Zeit/ Und doch muss ich erwähnen/
Im Zweifel für Ziellosigkeit/ Ihr Menschen, hört mich rufen/ Im Zweifel für Zerwürfnisse/ Und für die Zwischenstufen.“
Tocotronic/Dirk von Lowtzow 

 

„Die Freiheit die ich meine/ kommt nicht von alleine“ – der alte Spontispruch soll am Anfang der hundertsten Ausgabe unserer „Gedanken in der Pandemie“ stehen, die auch ein Ende sind. Denn mit der heutigen Ausgabe gehen wir in den Winterschlaf. 

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Wenn Drosten recht hat, sollte man sich nicht zu viele Hoffnungen fürs Neue Jahr machen.

Ich bin nicht tot, ich rieche nur komisch: Leben im Lockdown: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 99.

„Berauben wir den Tod seiner Unheimlichkeit, pflegen wir Umgang mit ihm, gewöhnen wir uns an ihn, bedenken wir nichts so oft wie ihn!
Philosophieren heißt sterben lernen.“ 
Montaigne 

„Das Schöne an der Intensivstation ist das Spannungsfeld zwischen Leben, Sterben und Tod.“
Hubert Messner

Wir müssen sterben lernen. Gerade wenn der Tod der Feind ist, den wir bekämpfen und nie akzeptieren wollen, müssen wir den Umgang mit ihm üben. Wir müssen ihn kennen wie jeden Gegner. 

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Einen Fehler möchte ich gern aber gleich zu Beginn korrigieren: Regen liegt am Rand des Bayrischen Waldes, nicht nahe dem Allgäu. An den hohen Infektionszahlen ändert das freilich nichts, auch wenn Regen inzwischen im Corona-Ticker des BR nicht mehr deutschlandweiter Spitzenreiter ist. Zwar ist der Inzidenzwert auch dort weiter gestiegen: Aber 617,5 reicht nur für Platz 2. Auf dem ersten Rang liegt jetzt der Landkreis Bautzen in Sachsen mit 631,2. Auf dem dritten Platz der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 600,2. 

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Gerührt, nicht geschüttelt: Mit seinen Romanen prägte John Le Carré den Spionagefilm wie kein anderer. Statt Martinis im Smoking beschrieb er moralische Grautöne wie in „Verräter wie wir“. Am Samstag ist er im Alter von 89 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. | Foto © Studiocanal

Verräter wie wir: Die nur dröge Verwaltung der Katastrophe: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 98.

„Die moderne Menschheit hat zwei Arten von Moral: eine, die sie predigt, aber nicht anwendet – und eine andere, die sie anwendet, aber nicht predigt.“
Bertrand Russel

 

John Le Carré ist gestorben. Desillusionierung und moralische Grautöne konnte man von ihm lernen. Neben vielen guten Büchern bleiben tolle Verfilmungen und wunderbare Interviews. 

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Sie ist die unbekannteste Schriftstellerin Brasiliens, aber eine der besten des 20. Jahrhunderts: Clarice Lispector. Allein dieser Name macht Lust, die Romane und Geschichten zu lesen, die gerade wieder in Neuübersetzungen erschienen sind. Bis zum Freitag kann man im Deutschlandfunk die „Lange Nacht“ über Lispector hören, die auch viel über Brasiliens Geschichte erzählt. 

Überhaupt Brasilien! „Gute Manieren“ heißt einer der interessantesten basilianischen Filme der letzten Jahre, der gerade in der Arte-Mediathek zu sehen ist. 

Tropische Gedanken können im Lockdown nur helfen. 

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Jetzt auf Netflix: „Mank“ von David Fincher erzählt seine Version der Vorgeschichte von „Citizen Kane“. Sie ist nicht schmeichelhaft für Orson Welles. | Foto © Netflix

Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten? Der Verdacht ist unter Verdacht und die chinesische Lösung rückt näher. Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 97.

„In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.“
Alexander Kluge

„Man kann sich auch darauf verständigen, dass man gewisse Risiken bewusst eingeht. Dieser Aspekt kommt mir gerade zu kurz.“
Svenja Flaßpöhler, Philosophin

„Nehmen Sie denn nichts ernst?“ – „Nur Lustiges“
aus: „Mank“ von David Fincher

 

Corona, Corona, Corona, Lockdown, Lockdown, Lockdown, härter, härter, härter – das Mantra des öffentlichen Diskurses wird zunehmend stupider. Vielleicht ist ja das bereits eine Folge des Lockdown. 

Und gar nicht so wenige Leute zeigen jetzt gerade ihre unsympatischen Seiten – andere würden vielleicht auch sagen, ihr wahres Gesicht. Oder der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat unter seiner Mund-Nasen-Maske zuletzt einfach nicht genug Luft bekommen, dass er sich zu Äußerungen hinreißen lässt, wie der, dass nun „ganz andere, ganz klare, autoritäre Maßnahmen des Staates“ nötig seien.

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Wie das Virus sich in Innenräumen verbreitet, zeigt eine Animation der spanischen Tageszeitung „El País“. | Screenshot

Morgen Kinder wird’s was geben: Mindeststandards der Kommunikation, aber die Pandemie kennt kein Weihnachten: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 96.

„Ich glaube an die Kraft der Aufklärung. Dass Europa heute da steht, wo es steht, hat es der Aufklärung zu verdanken und dem Glauben daran, dass es wissenschaftliche Ergebnisse gibt, die real sind und an die man sich besser halten soll.“
Angela Merkel im Bundestag, 9. Dezember 2020

„Es geht hier nicht um Weihnachten, es geht um langfristig niedrige Fallzahlen. Die Pandemie kennt kein Weihnachten.“
Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe 

 

Tolle Animationen zu Varianten der Virusverbreitung bei den Kollegen der spanischen „El País“. In der englischen Ausgabe können alle auch den Text dazu lesen. Der, der die Animation macht, heißt übrigens Luís Almodóvar. Ob er mit dem Regisseur verwandt ist?

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