Der eine kommt, die andere geht. Millionen schalteten zum Abschied der Kanzlerin den Fernseher ein, um zu hören wie ein Nina-Hagen-Hit mit Blasmusik klingt. Und Karl Lauterbach wird in Zukunft wohl weniger Zeit für Talkshows haben. | Foto © BR

Karl Lauterbach talkt sich auf einen Ministersessel. Und die Physikerin tritt ab – Gedanken in der Pandemie, Folge 140.

„Ich möchte Deutschland dienen.“
Angela Merkel, 2005 bei ihrem Amtsantritt

„Weg mit den Spaltern der Arbeiterfront/ den Verrätern am Proletariat!/
Uns hilft nur die Rote Einheitsfront/ von Arbeiter, Bauer und Soldat/
Heraus aus dem alten Wahne/ Die Einheitsfront marschiert/
Unter der roten Fahne/ von Marx und von Lenin geführt.“
Text: Erich Weinert; Komposition: Hanns Eisler; Gesang: Ernst Busch 

Deutschland ist gerettet! Der Messias ist da!! Das Volk hat seinen Retter!!! Den Pandemieversteher, der spätestens heute auch ein Pandemiegewinner ist: Karl Lauterbach. Er ist der beste Beweis dafür, wie man allein durch Talk-Show-Auftritte Macht gewinnen, und sich die Gunst des Volkes und damit der Parteien erringen und sich unentbehrlich machen kann. 

Das Beste an dieser Ernennung ist, dass das Bild des heiligen Lauterbach jetzt ziemlich schnell Risse bekommen wird. Denn alle Menschen machen Fehler. Und auch Karl Lauterbach ist, selbst wenn das manche nicht mehr wahrhaben möchten, ein Mensch. Er wird Fehler machen. Und das ist zumindest für ihn eine neue und gute Erfahrung.

Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios kommentierte heute treffend: „Lauterbach verdankt seine Berufung einer medialen Dauerpräsenz und seiner öffentlichen Position als Corona-Mahner. Jetzt aber muss Lauterbach beweisen, dass er nicht nur von der Pandemie warnen, sondern sie auch managen kann.“

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Es kriselte schon mächtig: Anfang 1969 trafen sich die Beatles sich in einem Filmstudio für die Aufnahmen zu ihrem Album „Let it be“. Peter Jackson hat das Material eindrucksvoll restauriert. Der Doku-Dreiteiler „Get Back“ erzählt das Ende der Kult-Band neu. | Foto © Disney Plus

Die Medien als Pandemie-Treiber. Das Versagen der Politik. Und die Verantwortungslosigkeit der Bürger – Gedanken in der Pandemie, Folge 139.

„Doesn’t have a point of view/Knows not where he’s going to/Isn’t he a bit like you and me?“
The Beatles, „Nowhere Man“

„If you are the dealer, I’m out of the game
If you are the healer, it means im broken and lame
If thine is the glory, then mine must be the shame
You want it darker
We kill the flame“
Leonard Cohen, „You Want It Darker“

„Vertrauen ist der Anfang von allem.“
Deutsche-Bank-Werbespot, 1990er-Jahre 

„Ich bin hingerissen!“ schrieb mir ein begeisterter Oliver Zenglein gleich ganz unmittelbar am gestrigen Sonntag seinen Eindruck von Peter Jacksons Doku-Miniserie über die Beatles: „Und ich war immer eher der John-Lennon- Typ. Aber jetzt bin ich ein Fan von Paul. „Peter Jackson kommentiert nichts. Er lässt es laufen. Wir sehen vier junge Männer (die sind ja erst zwischen 25 und 28, sehen aber älter aus) die eigentlich schon alles erreicht haben, aber die mit Epstein ihren Vater verloren haben. Sie sind so unglaubliche Musiker und trotz allem auch Kindsköpfe. Es ist magisch zu sehen, wie ,Get Back‘, ,Don‘t Let Me Down‘ und ,Let It Be‘ entstehen. Und Yoko? Und Paul? Hier muss Musikgeschichte umgeschrieben werden. Die beiden waren nicht der Grund der Trennung.“

Auch sonst erfährt man offenbar Neues: „Wusstest du, dass sie Billy Preston ins Studio geholt hatten und er eigentlich auf allen Songs der LP ,Let It Be‘ dabei ist? Er war quasi ein schwarzer fünfter Beatle.“ 

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Gleich vier Filme über Kühe waren vorige Woche auf dem Festival Mannheim-Heidelberg zu sehen. Zum Beispiel Andreas Arnolds „Cow“. Fürs Impfen (und die Angst davor) hat das Tier übrigens eine besondere Bedeutung. | Foto © IFF Mannheim-Heidelberg

Warum wir uns verkuhen müssen und man es nicht allen rechtmachen kann: Professorenpolitik, Fortschrittsfeindschaft und Schweden – Gedanken in der Pandemie, Folge 138.

„Schon jetzt sterben in unserem Land 700 Menschen pro Woche – Tendenz steigend. Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben. […] Verantwortung [bedeutet] eine aufrichtige, besonnene und vor allem kohärente Kommunikation, die den Bürgerinnen und Bürgern vertraut, ihnen aber auch unangenehme Wahrheiten zumutet sowie klare und konsistente Verhaltensrichtlinien vorgibt. Dass eine solche Kommunikation sowie einheitliche verbindliche Regelungen weiterhin fehlen, untergräbt das Vertrauensverhältnis zwischen Regierung und Bevölkerung, beschädigt somit auch das Vertrauen in die Maßnahmen – unter anderem in das Impfen – und trägt dadurch erheblich zur Verlängerung der Pandemie bei.“
Appell von 35 Wissenschaftlern. 

„Wenn nur soziale Gebilde beständen, denen die Gewaltsamkeit als Mittel unbekannt wäre, dann würde der Begriff ,Staat’ fortgefallen sein, dann wäre eingetreten, was man in diesem besonderen Sinne des Wortes als ,Anarchie’ bezeichnen würde. Gewaltsamkeit ist natürlich nicht etwa das normale oder einzige Mittel des Staates: – davon ist keine Rede –, wohl aber: das ihm spezifische. Gerade heute ist die Beziehung des Staates zur Gewaltsamkeit besonders intim. In der Vergangenheit haben die verschiedensten Verbände – von der Sippe angefangen – physische Gewaltsamkeit als ganz normales Mittel gekannt. Heute dagegen werden wir sagen müssen: Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht.“
Max Weber, „Politik als Beruf“; 1919.

„Vaccination“ – gleich vier Filme über Kühe waren in der letzten Woche auf dem „Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg“ bei seiner 70-Jahre-Jubiläumsausgabe zu sehen. In einem stand eine Kuh nicht nur im Mittelpunkt, sondern sie war Heldin und Hauptfigur des Films: Ausgerechnet von der britischen Sozialrealistin Andreas Arnold stammt er und heißt wie sein Gegenstand: „Cow“. 

Ein wunderbarer, schöner Film, auch für Nicht-Vegetarier wie mich. Er brachte mich auf etwas anderes. Woher kommt eigentlich der Ausdruck „vaccination“ und „vaccinare“? Hat das am Ende etwas mit Kuh zu tun? Tatsächlich! 

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Manche vertrauen lieber auf Hausrezepte als auf Impfstoffe als Schutz gegen das Virus. In Österreich ist das Anti-Wurmmittel Ivermectin ausverkauft.

Die Inszenierung der Unfähigkeit: In der Matrix; die Wahrheit da draußen. Und ein Plädoyer für Gelassenheit – Gedanken in der Pandemie, Folge 137.

„Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie bei’m Kragen hätte.“
Goethe, Faust I, Vers 2182

„Die Pandemie wird erst beendet sein, wenn sich jeder infiziert hat – entweder nachdem er auch geimpft worden ist oder davor.“
Christoph Specht, Medizinexperte

In Österreich ist neuerdings das Anti-Wurmmittel Ivermectin ausverkauft. Obwohl Experten und Wissenschaftler von der Einnahme abraten, ist das vor allem in der Tiermedizin eingesetzte und rezeptpflichtige Medikament in vielen Apotheken Österreichs ausverkauft. In impfskeptischen Kreisen wird das Medikament nämlich neuerdings als Wundermittel gegen Covid-19 gefeiert. In der Tiermedizin dient Ivermectin vor allem bei Pferden, Schafen, Schweinen oder Rindern zur Entwurmung. Beim Menschen sind die Ivermectin-Tabletten zur Behandlung von Krätzmilben, Zwergfadenwürmern, tropischen Fadenwürmern oder Kupferakne zugelassen.

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Die Inzidenzen steigen, die Diskussion schwillt an: Impfzwang oder nicht? (Szenenfoto aus „Beyond Re-Animator“). | Foto © Capelight Pictures

Stattdessen gibt es Dinge, die man nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine Mitmenschen tun muss, aber auch erhöhter Druck führt zum Impferfolg – und eine Erinnerung an Bettina Gaus. Gedanken in der Pandemie, Folge 136.

„Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen.“
Ludwig Wittgenstein, 6.43

„Ich weiß aber eines: ich würde wahrscheinlich noch drei Minuten vor dem sicheren Tode lachen.“ 
Hannah Arendt

Es sind sehr sehr traurige Nachrichten, die uns letzte Woche erreicht haben: Bettina Gaus ist gestorben. Nach „kurzer schwerer Krankheit“. Sie war erst 64 Jahre alt, und arbeitete 30 Jahre für die taz. Ein großer Verlust für den deutschen Journalismus und für die deutsche Öffentlichkeit in der sie eine einmalige, unverzichtbare Figur war.

Ich habe sie nicht wirklich gekannt, bin in nur ein paar Male in größeren Runden begegnet, bei öffentlichen Diskussionsveranstaltungen zum Beispiel und einmal, als sie vor etwa zehn Jahren im Auswärtigen Amt ihr Buch über Afrika vorstellte, über ihre Erfahrungen berichtete. Mit einem Afrikaner hat sie auch zusammen gelebt, und eine Tochter gehabt. 

Für ihr Buch ist Gaus, die sowieso gern reiste, mit Laptop und leichten Gepäck monatelang durch Afrika gereist. Ihre zentrale These ist für uns heute auch noch interessant: Mittelstand muss entwickelt werden. Je weniger groß die Unterschiede zwischen Arm und Reich in einem Land sind, umso glücklicher sind die Menschen, um so friedlicher die Gesellschaften. 

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Ab Donnerstag im Kino: Die Langzeitdokumentation „Aufschrei der Jugend – Fridays for Future inside“ begleitet die Bewegung über anderthalb Jahre. | Foto © W-Film

Frauen, Bücher, Fußballer in Coronazeiten – Gedanken in der Pandemie, Folge 135.

„Sensibilität ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Im Kampf um Anerkennung unterdrückter Gruppen spielt sie eine wichtige Rolle. Aber sie kann auch vom Progressiven ins Regressive kippen. Über diese Dialektik müssen wir nachdenken, um die gesellschaftliche Polarisierung zu überwinden.“
Svenja Flaßpöhler, Philosophin

„Wenn eine Frage an uns gestellt wird, müssen wir antworten. Die Frage ist immer nur: wie tun wir das, wann tun wir das und in welcher Form tun wir das. Die schnelle Antwort ist ja nicht immer die beste.“
Felicitas Hoppe, Schriftstellerin

„Bücher sind Empathie-Maschinen.“
Margaret Atwood

Ja, jetzt gehen die Zahlen wieder hoch. Und zwar rasant! Die Diskussionen kehren wieder, wie Inzidenzwerte zu bewerten sind, was im Sommer versäumt wurde, was man sich in Kulturstätten und an den Schulen trauen darf, ob Kinder besonders gefährlich, besonders zu schützen, oder beides sind. Und wie in den letzten bald zwei Jahren debattieren wir in Deutschland so, als ob wir allein auf der Welt wären, als ob wir von anderen Ländern nichts zu lernen hätten.

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„Eine wunderbare Hommage an den klassischen Journalismus in Zeiten seines Untergangs, und eine Erinnerung an Zeiten, als man die Welt dem Publikum noch entdeckte und beschrieb, nicht bewertete und zensierte“: Wes Andrsons „The French Dispatch“ – jetzt im Kino. | Foto © Disney

Schöne Aussichten: Eine Welt ohne Menschen, eine Buchmesse ohne Rechte, Springer ohne Döpfner und eine Union ohne Söder. Und wieviel wiegt eigentlich Bayern? Gedanken in der Pandemie, Folge 134.

„Ihr sorgt euch um die Natur? Baut weniger Straßen. Ihr sorgt euch um bedrohte Arten? Fahrt weniger Auto.“
Fraser Shilling, Biologe

„Was ich nach meinen ersten Besuchen im Iran zu schätzen gelernt habe, war die bedingungslose Herzenswärme. Die Leute sind vorsichtig, wenn sie die Regierung kritisieren. Zugleich ist für sie klar: Man darf einer Regierung nicht blind vertrauen.“
Sanam Afrashteh, deutsche Schauspielerin mit iranischen Eltern

 

Nein! Heute nichts zu Julian Reichelt. Nein!! Vielleicht am Montag.

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Über dreieinhalb Stunden, aber die lohnen sich: In einer sechsteiligen Langzeitdoku zeigt der NDR „Kevin Kühnert und die SPD“. | Foto © NDR

Öffentlich-rechtliche Sender über Kevin Kühnert und über die Brasilien-Koalition – Gedanken in der Pandemie, Folge 133. 

„Wer wie der Hamburger CDU-Vorsitzende Ploß nur 15 Prozent holt, der sollte sich mit Ratschlägen zur Ausrichtung der CDU zurückhalten.“
Karl-Josef Laumann, CDU

Wenn ich irgendwann mit einem Raumschiff diese Erde verlassen müsste, dann müsste es so aussehen wie das Berliner ICC. 

Eine wunderschöne Hymne auf diesen „Panzerkreuzer Charlottenburg“ hat Niklas Maak in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geschrieben. Das seit Jahren leerstehende Berliner ICC wird jetzt zehn Tage lang von Künstlern bespielt und belegt das immense Potenzial des Riesenbaus, eines „Labyrinthgarten voller Fiktionen“.

Hier, nur hier wäre zum Beispiel der Ort, wo man eine wirklich neue, also eine neu gedachte Berlinale veranstalten könnte. 

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Gestern im Ersten, hier schon gelobt: „Borowski und der gute Mensch“, letzter Teil einer ungewöhnlichen Trilogie innerhalb des Kieler „Tatorts“. | Foto © NDR/Thorsten Jander

Das ZDF protegiert Springer, Schnelltests sollten vielleicht kostenlos bleiben und die Vergangenheit der Gesundheitsämter – Gedanken in der Pandemie, Folge 132. 

„Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Briten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.“
Heinrich Heine

Zu der inzwischen überaus auffälligen Achse zwischen dem ZDF und dem Springer-Verlag, über die ich letzte Woche schrieb, hier ein Update: In der Woche nach der Wahl war Robin Alexander (stellvertretender Welt-Chefredakteur) nicht weniger als dreimal im ZDF-Talk zu sehen: Sonntags bei bei „Maybrit Illner Spezial“, dienstags bei Lanz, donnerstags wieder bei Maybrit Illner. In den letzten drei Maybrit-Illner-Runden war die „Welt“ damit jedes Mal mit dabei. Der Mann hat bestimmt eine Menge zu sagen, und ich schätze Maybrit Illner, aber das ist dann doch ein bisschen zu viel Springer (und Parteinahme für CDU/CSU und FDP). 

Robin Alexanders Chefin Dagmar Rosenfeld, Ex.Frau von Christian Lindner kommentierte dafür ausnahmsweise mal bei „Maischberger Die Woche“. Wollen wir wetten, dass sie innerhalb der nächsten 14 Tage wieder irgendwo im ZDF auftaucht?

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Gestern, am Wahlabend. | Foto © ARD

Die politische Daily Soap: Claus Klebers allerletzter Auftritt und noch einmal das Skelett, die Seenixe, der Scholzomat und die Schlussrunde vor dem Beginn des Corona-Herbstes – Gedanken in der Pandemie, Folge 131.

„Politische Kommunikation darf sich nicht davor drücken, Probleme zu benennen und Fehler anzusprechen […] Niemand hat von vornherein die richtige Antwort auf gesellschaftliche Fragen.“
Carsten Brosda, „Die Zerstörung“

„Passive aggression is rebellion of retaliation that is sugar-coated by nonaggressive behavior.“
B. T. Goodwin „Surrounded by Idiots. How Ineffective Communication Causes Chaos“

Jetzt ist sie vorbei, die Wahl, und wie nach Weihnachten, bleibt ein leichtes Katergefühl zurück. Über die politischen Folgen der Wahl und über die Chancen der wahrscheinlichen sozialliberalen Koalition werden wir nach bei vielen Gelegenheiten debattieren. Vielleicht wird irgendwann auch im Rückblick voller Überraschung darüber gesprochen werden, das Corona eigentlich gar keine Rolle spielte. Dass die Pandemie schlichtweg kein Thema war; auch nicht das Versagen der Regierung an bestimmten Stellen, auch nicht Maskenskandale und Beschaffungsprobleme, auch nicht die rechtsstaatliche Bedenken der Verfassungsjuristen, der FDP und von Minderheiten in anderen Parteien. Alles das kam im Wahlkampf so wenig zur Sprache, wie Außenpolitik – und beides ist ein schweres Versäumnis. Sowieso stellt der zurückliegende Wahlkampf unbequeme Fragen unsere politische Kultur betreffend. 

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Jamaika, Ampel oder doch lieber was anderes? Die Wahl fällt nicht leicht in diesem Jahr. | Foto © Seven One/Willi Weber

Außenpolitik Fehlanzeige, Warten aufs Laschet-Wunder und meine Wahlempfehlung(en) – Gedanken in der Pandemie, Folge 130.

„Politics is just showbusiness for ugly people.“
Jay Leno

„Das Leben ist voller Widersprüche: Wir müssen mehr Kapitalismuskritik und weniger erhobenen Zeigefinger wagen. […] Identität ist wichtig im Leben. Sie darf aber nicht dazu führen, dass nur noch Unterschiede statt Gemeinsamkeiten zwischen Menschen betont werden und sich nur noch ,woke‘ Akademiker in Innenstädten angesprochen fühlen. Eine Politik, die nur noch an das Ego und die individuelle Betroffenheit, aber nicht mehr an die Gemeinschaft appelliert, ist auch Donald Trump nicht fremd.“
Fabio die Masi; ausscheidender Abgeordneter der Linken

 

Die Politik ist eben doch noch für Überraschungen gut. Ab Nikolaus ist GroKo-Aus. Aber nicht nur, sondern vermutlich auch das Aus für die Union nach 16 Jahren ununterbrochener Regierung. 

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Noch eine Woche Wahlkampf. „Aufbruch statt Weiter so!“ – das sagen jetzt alle. Aber was heißt das eigentlich? 

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Vor genau 700 Jahren vollendete Dante Alighieri seine „Göttliche Komödie“. Als Filmvorlage dient sie immer noch – etwa 1998 für „Hinter dem Horizont“. | Foto © Universal

Was wäre, wenn … Planspiele vor der Wahl und der Versuch, Corona mit 9/11 kurzzuschließen – Gedanken in der Pandemie, Folge 129.

„Die Nacht steigt auf, s’ist Zeit, wir müssen fort, denn alles haben wir nun gesehen.“
Dante, „Die Göttliche Komödie“

„Auch hier sah ich ein Volk von verlorenen Seelen, weit mehr, als oben waren: sie drückten ihre Brüste gegen enorme Gewichte, und mit wahnsinnigem Gebrüll rollten sie aufeinander zu. Dann in Eile rollten sie sie zurück, und die einen schrien: ,Warum hortet ihr?‘, und die anderen: ,Warum verschwendet ihr?‘“
Dante, „Die Göttliche Komödie“

Die Spannung steigt: Wird der Scholzomat, also der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der neue Bundeskanzler? Und wenn ja: Warum wird er es? Und wenn nein: Warum wird er es doch nicht?

Beginnen wir einmal mit diesen im Prinzip schlichten Fragestellungen. Falls Olaf Scholz bis zum Ende des Wahlkampfes, also noch die nächsten zwei Wochen, durchhält und neuer Bundeskanzler wird, dann wird er dies vor allem aus zwei Gründen. 

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Auch eine Idee: ein Corona-Mat. Wer seine Meinung von „Alles Aufsperren“ bis „Harter Lockdown“ eingibt, erhält das Land angezeigt, dessen Maßnahmen am besten dazu passen. | Montage © cinearte

Wahlomaten, Postkolonialismus, Leningrad – Gedanken in der Pandemie, Folge 128.

„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.“
Jean-Jacques Rousseau

Mich wundert, dass es noch keinen Corona-Mat gibt. Ein Tool, bei dem man über die verschiedenen Optionen der Corona-Politik von „Impfzwang“ bis „Alles Aufsperren“, vom „Tübinger Modell“ bis „Harter Lockdown“, von Streeck bis Drosten seine Vorlieben benennen kann, und dann bei „Neuseeland“ oder „Schweden“ landet. 

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In wenigen Wochen werden die Sitze im Bundestag neu besetzt. Zeit, sich Gedanken zu machen. | Foto © Deutscher Bundestag

Allmählich müssen wir uns überlegen, welche Stimme bei der kommenden Wahl das kleinste Übel bedeutet – Gedanken in der Pandemie, Folge 127.

„Es ist wirklich schwer einzusehen, wie Menschen, die der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, imstande sein könnten, diejenigen gut auszuwählen, die sie regieren sollen.“
Alexis De Tocqueville, „Über die Demokratie in Amerika“; 1840

„Ich glaube, ich würde die Freiheit in allen Zeiten geliebt haben; in der Zeit aber, in der wir leben, fühle ich mich geneigt, sie anzubeten.“
Alexis De Tocqueville, „Über die Demokratie in Amerika“; 1840

Kaum zu glauben, aber wahr: Heute in vier Wochen, also nur drei weitere Pandemie-Gedanken später, wissen wir, wer die Bundestagswahl gewonnen hat, und vermutlich wissen wir dann auch, wer der neue Bundeskanzler wird. Oder die Kanzlerin, klar: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nicht nur, weil auch die Pandemie Politik voll und ganz im Schatten des Wahlkampfes steht und man ziemlich jede Maßnahme auch daraufhin abklopfen kann welcher Partei sie nutzt, wollen wir uns auch in diesem Pandemie-Blog ein bisschen mit dem deutschen Wahlkampf beschäftigen.

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Shahrbanoo Sadat ist eine der bekanntesten Filmemacherinnen Afghanistans. In Cannes gewann sie vor fünf Jahren den Hauptpreis in der Sektion „Quinzaine“. Heute ist ihr die Flucht aus Kabul geglückt. Das Berliner „Wolf Kino“ ruft jetzt zu einer Spendenaktion die Filmemacherin auf. | Foto © Persian Film Festival Australia

Deutsche Sicherheiten, Corona und Afghanistan – Gedanken in der Pandemie, Folge 126.

„Then the sickness really breaks out, and the less recording and reporting the better for the peace of the subscribers. But the Empires and the Kings continue to divert themselves as selfishly as before, and the foreman thinks that a daily paper really ought to come out once in twenty-four hours, and all the people at the Hill-stations in the middle of their amusements say:?„Good gracious! Why can’t the paper be sparkling? I’m sure there’s plenty going on up here.“
Rudyard Kipling, „The Man Who Would Be King“; 1888

„Der Krieg in Afghanistan ist verloren.“
Peter Scholl-Latour, 2014

„Es gibt keine guten Taliban.“
Hasnain Kazim in der „Zeit“, 2021

Fast 60 Prozent aller Deutschen, 48,9 Millionen sind vollständig gegen Corona geimpft. 64 Prozent mindestens einmal. 

Aber wie sieht es eigentlich im Rest der Welt aus? Besser als ich gedacht hätte: 32,5 Prozent der kompletten Weltbevölkerung, meldet „ourworldindata“, haben mindestens eine erste Impfdosis erhalten, und sind damit bereits weitgehend sicher vor schweren Erkrankungen. Ziemlich genau ein Viertel, 24.5 Prozent, ist vollständig geimpft. 4.97 Milliarden Impfdosen wurden bisher verabreicht, zurzeit 34.91 Millionen pro Tag. Dass es noch immer keine größere Zahl schwerer Erkrankungsfälle gibt, könnte den Impfverweigerern ja allmählich zu denken geben. 

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