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Zuschläge nun auch am Samstag, alle zwei Wochen ein freies Wochenende, aber nicht unbedingt am Wochenende. Der neue Tarifvertrag ist da. Szenenfoto aus „We Want Sex“. | Foto © Tobis

Der Fortschritt kommt in ganz, ganz kleinen Schritten. Bei den Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag standen die Arbeitszeiten im Mittelpunkt. Mehr Geld gibt’s erst im nächsten Jahr. Vielleicht. 

Fünf Monate hatten sie verhandelt, diese Woche haben sich die Produzentenallianz und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) auf einen neuen Tarifvertrag für „auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende“ (TV-FFS) geeinigt. Am 1. September soll er in Kraft treten. „Blickpunkt Film“ hat die Ergebnisse zusammengefasst.

Von einem „Kompromisspaket“ und „gutem Abschluss“ spricht die Produzentenallianz, Verdi von „Fortschritten“. Auch wenn gleich darauf „bessere Arbeitszeitregelungen, längere Ruhezeiten sowie neue und höhere Zuschläge bei Wochenendarbeit“ aufgezählt werden – so richtig freudig klingt das nicht. 

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„Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen“, sagt Christoph Palmer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen. | Foto © Produzentenallianz

Die Branche verhandelt zurzeit über einen neuen Tarifvertrag. Bislang noch ohne Ergebnis. Wir nutzen den Stillstand, um die Positionen, Probleme und Folgen zu klären. Den Standpunktder Produzentenallianz erklärt Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Herr Palmer, Die Verhandlungen zum TV FFS stehen still. Die Produzentenallianz habe die Forderungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) abgelehnt und will den alten Tarifvertrag um ein Jahr verlängern. Das erfahren wir von Verdi. Die Produzentenallianz hat sich noch nicht dazu geäußert. Warum?
Die Verhandlungen stehen mitnichten still. Wir hatten erst vor Ostern wieder eine gute, substanzielle Verhandlungsrunde und werden diese zeitnah fortsetzen. Wir sind In der Regel zurückhaltend, was die Verlautbarung von Zwischenergebnissen von Verhandlungen betrifft, weil das häufig nichts erleichtert.

Verdi ist mit relativ zahmen Forderungen angetreten: Die Frage nach höheren Gagen stellte die Gewerkschaft bis zum Sommer zurück. „Top-Priorität“ sollten erträgliche Arbeitszeiten haben. Da ist Ihnen doch Verdi sehr entgegengekommen.
Hier sollte man differenzieren. Die Forderungen im Kontext des Gagentarifvertrags halte ich für „verantwortungsvoll“, da sie die finanziell durch Corona sehr belasteten Produktionsunternehmen mit einem Gagenmoratorium etwas entlasten. Es gab in den vergangenen Jahren zudem eine Art Konsens im deutschen Filmgeschäft: Flexibilität der Arbeitszeiten werden durch insgesamt gute Verdienste für die Gewerke am Film kompensiert. Wenn nach einem ausgesprochenen Corona-Krisenjahr 2020, wo insbesondere im zweiten Quartal die Produktionen massiv beeinträchtigt waren, jetzt beim Gagentarifvertrag eine gewisse Zurückhaltung geübt wird, ist das auch der Marktsituation geschuldet. Vergleichbare corona-bedingte Zurückhaltung haben andere Gewerkschaften 2020 auch in anderen Branchen geübt. Demgegenüber sind allerdings die Forderungen im Bereich des Manteltarifvertrags sehr ambitioniert und würden, wenn man sie realisieren würde, zu Mehrkosten führen, die einer Tariferhöhung von mehr als 10 Prozent gleichkämen.

Über die Arbeitszeiten an manchen Sets wurde ja schon vor Corona diskutiert. Nun wird unter den Hygienevorschriften gedreht, die vieles langsamer und umständlicher machen. Ausreichende Ruhezeiten und die Obergrenze von zwölf Arbeitsstunden pro Tag seien da umso wichtiger, sagt Verdi.
Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen. Die Hygienevorschriften verlangen den Filmschaffenden, aber auch den Produzentinnen und Produzenten viel ab. Der bisherige Tarifvertrag regelt natürlich auch Ruhezeiten, im Übrigen auch die gesetzlichen Vorschriften. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass die Produktionen unter erheblichem Kostendruck stehen. Die Auftraggeber haben sich zwar zur Übernahme der Hygienekosten verpflichtet, in der Praxis tauchen aber Abgrenzungsthemen auf.
Zusätzliche Drehtage sind in der Kalkulation schwer vermittelbar. Die erfreulicherweise erreichten Schutzschirme der Sender und die Ausfallfonds für Kino und Fernsehproduktionen sehen erhebliche Eigenbeteiligungen der Produzentinnen und Produzenten vor. Die Eigenkapitaldecke Ist jedoch traditionell sehr dünn. Wie gesagt: Produzieren in Corona-Zeiten findet unter sehr erschwerten Bedingungen statt. Weiterlesen

Der Bundestag sprach vorige Woche erstmals übers neue Filmförderungsgesetz. Es soll nur eine Übergangslösung für die nächsten zwei Jahre werden. Corona habe die Planungen zur „Makulatur“ gemacht. | Screenshot

Der Bundestag hat über die Novelle zum Filmförderungsgesetz beraten. Auch drei der vier Oppositionsparteien haben eigene Anträge vorgelegt, wie sie sich die Zukunft des Deutschen Films vorstellen. 

Der Bundestag hat vorigen am Freitag in erster Lesung über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Filmförderungsgesetzes beraten. Erstmals standen außerdem fünf Anträge der Opposition auf der Tagesordnung: Die AfD will „den deutschen Film erfolgreicher machen“ und hierzu das Filmfördersystem neu ausrichten. Die Linke plädiert ebenfalls für eine Reform des Filmförderungsgesetzes und für die Unterstützung von Kinos, Filmverleihen und -produktionen in der Krise.  Ebenfalls zwei Anträge brachte die FDP ein. Sie will zum einen die „Deutsche Filmförderung im europäischen Kontext reformieren“ und sich zum anderen „für ein Überleben der deutschen Film- und Kinobranche“ stark machen. 

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Ohne einen geltenden Tarifvertrag könnte es wieder einen Rückschritt in alte Zeiten geben, fürchtet Matthias von Fintel, Tarifsekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. „Die Drehbedingungen in den letzten Monaten stimmen da nicht besonders optimistisch.“ | Foto © Verdi

Die Branche verhandelt zurzeit über einen neuen Tarifvertrag. Oder eher nicht, denn die ersten beiden Verhandlungsrunden blieben ohne Ergebnis. Wir nutzen den Stillstand, um die Positionen, Probleme und Folgen zu klären. Den Anfang macht Matthias von Fintel, Tarifsekretär der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

Herr von Fintel, Verdi ist mit relativ zahmen Forderungen in die Tarifverhandlungen gegangen. „Top-Priorität“ sollten erträgliche Arbeitszeiten haben. Die Diskussion um höhere Gagen stellten sie bis zum Sommer zurück. Warum?

Über den Begriff „zahm“ muss ich mich etwas wundern, weil es uns bei Tarifforderungen nicht Wildheit geht. Wir schauen, auf unsere Wünsche und Einschätzungen vor einer Tarifrunde und befragen dazu Mitglieder und Nichtmitglieder. Dann beraten wir im Tarifausschuss und haben dann in diesem Jahr die Gagenerhöhung nicht als vorrangige Forderung ausgemacht. Wichtiger war den Befragten und dem Tarifausschuss bei der Arbeitszeit planbare Freizeiten am Wochenende, 5-Tage-Woche, Ruhezeiten und Zuschläge zu bestimmten Zeiten zu fordern.

Die Allianz deutscher Produzenten hat Ihren Vorschlag trotzdem abgelehnt. Gab es eine Begründung?

Es war eher eine typische und schwer nachvollziehbare Reaktion der Produzentenallianz, es sei nicht die richtige Zeit für die von uns geforderten Verbesserungen und überhaupt seien die auch materiell überzogen. Aber auch auf weitere Nachfragen hat sich wenig inhaltliche Befassung und Verständnis für die gewerkschaftlichen Forderungen erkennen lassen. Mit mangelnder Verhandlungsbereitschaft ist dieses Verhalten zu umschreiben.

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2020 war „ein beschissenes Jahr“ für Europas Filmschaffende. An den Filmen lag’s nicht. Am Wochenende wurden in einer virtuellen Mini-Gala die „Europäischen Filmpreise“ verliehen. | Screenshot

Es kann ja immer noch schlimmer gekommen. Der verlängerte Lockdown wird weiter verlängert und noch strenger. Und in all der Sorge ums Weihnachtsfest ging die jährliche Glanzstunde des Europäischen Films etwas unter. Obwohl das ja auch vor Corona nicht so viel anders war. Wir gratulieren den Nominierten und Preisträger*innen umso mehr. 

Beim „Europäischen Filmpreis“ sahnte am Wochenende vor allem einer ab: Die Tragikomödie „Der Rausch“ erzählt von vier Männern, die sich konstant betrinken, um die Möglichkeiten des Alkohols auszutesten. Thomas Vinterberg aus Dänemark wurde für die beste Regie, den besten Film und das beste Drehbuch (zusammen mit Tobias Lindholm), Mads Mikkelsen für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet.
Die deutsche Schauspielerin Paula Beer wurde für ihre Rolle im Nixendrama „Undine“ als beste Darstellerin gekürt. Für Dascha Dauenhauers Musik zu „Berlin Alexanderplatz“ ging ein weiterer Preis an einen deutschen Film (die Preisträger*innen in den Einzelgewerken hat die Europäische Filmakademie hier versteckt).
Die diesjährige Gala war in Island geplant, wurde wegen der Pandemie aber abgesagt. Stattdessen wurden die Auszeichnungen an mehreren Abenden hintereinander online vergeben. „Moderator Steven Gätjen stellte gleich zu Beginn der Preisverleihung in Berlin unverblümt fest, dass 2020 ein ,shitty year’, ein ,beschissenes Jahr’ für alle gewesen sei. Und er musste keinem erklären, was er damit meinte“, berichtet die Deutsche Welle.
„Dieses Jahr hatte nur ein Thema. Seine Filme, die in den paar Monaten vor dem ersten und bis zum zweiten Lockdown europaweit liefen, hatten dagegen viele. So war eine traurige Diskrepanz zu fühlen bei der klitzekleinen Gala der 33. European Film Awards, welche die Woche über online verliehen und am Samstag mit den Hauptpreisen abgeschlossen wurden“, bedauert die „Taz“.
„Wie seltsam dieses Jahr zu Ende geht, zeigt sich schon daran, dass mit ,Der Rausch’ vom dänischen Dogma-Mitbegründer Thomas Vinterberg, der im Mai das Cannes-Siegel erhielt, ein Film zum Sieger des Abends wird, der in Deutschland dank geschlossener Kinos bislang noch gar nicht zu sehen war. Es ist ein Déjà-vu aus dem Frühjahrs-Lockdown, als mit Christian Petzolds ,Undine’ und ,Berlin Alexanderplatz’ von Burhan Qurbani zwei Filme aus dem engeren Favoritenkreis für den ,Deutschen Filmpreis’ gerade noch so ihre Berlinale-Premiere erlebt hatten“, meint „Der Tagesspiegel“.
Eine Neuerung lobten mehrere – wohl auch wegen des Themas, mit dem der schottische Regisseur Mark Cousins in der neuen Kategorie „Innovatives Storytelling“ ausgezeichnet wurde. Seine 14-stündige Dokumentation „Women Make Film“ beleuchtet die Geschichte von Frauen im Filmgeschäft. Der Dokumentarfilm werde viel zum Ausgleich des Ungleichgewichts zwischen den Geschlechtern in der Filmindustrie beitragen, sagte EFA-Präsident Wim Wenders bei der Preisverleihung.

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Ja, wen haben wir denn da? Michael „Bully“ Herbig gab zu Corona den Nikolaus. Mit klarer Ansage und vielen „Beeps“. | Screenshot

Kurz vor Corona hatten Sender, Produktionsfirmen, Filmförderungen und Verbände ihre „Nachhaltigkeitsinitiative“ gestartet, jetzt ist die Website dazu online. Wirklich nachhaltig ist die Initiative allerdings nicht. 

Am 6. Dezember machte Michael „Bully“ Herbig auf Instagram den Nikolaus – und las Corona-Leugnern die Leviten: „Du warst ja überhaupt nicht brav im letzten Jahr; hast keine Maske getragen; hast keinen Abstand gehalten; hast kleine Kinder angeschrien: ,Maske ab! Maske ab!’“ Lustiger ist allerdings, sich das selbst anzuschauen. 

 

Die Filmindustrie ist nicht klimafreundlich. Zumindest ein Teil von ihr will es aber werden. Vorreiter in Deutschland war die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), die (angeregt von ihren skandinavischen Nachbarn) 2012 den „Grünen Drehpass“ für Filme und Serien einführte, die auf umweltfreundliche Weise produziert wurden. Seit 2015 übernimmt sie auch die Kosten für den Einsatz eines „Green Runners“ bei geförderten Produktionen. Im April dieses Jahres wurde daraus der „Grüne Filmpass“. Der berücksichtigt nicht nur den Produktionsbereich, sondern die gesamte Wertschöpfungskette vom Drehbuch bis zum Verleih. Für Produktionen, die majoritär deutsch finanziert sind und in Deutschland gedreht werden, ist der „Grüne Filmpass“ seit April 2020 verpflichtend. FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers hatte das im Interview mit „Blickpunkt Film“ erklärt.
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Lockdown, die Zweite! | Foto © cinearte

Der erste Tag im zweiten Lockdown. Einen Monat lang ist das öffentliche Leben wieder stillgelegt, besonders, was die Kultur betrifft. Allerdings: Die Frage nach deren Stellenwert wird immer stärker diskutiert. 

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Und manchmal meldet sich auch die Kunst selbst zu Wort. In der Nähe von Rotterdam sorgte eine Skulptur dafür, dass ein Zugunfall glimpflich verlief. Das Foto im „Spiegel“ hat systemrelevante Symbolkraft.

 

„Eine Katastrophe“ ist der erneute Lockdown für die Kinos. So drängend formuliert es Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino. Bis zuletzt hatte der Interessenverband der Filmkunsttheater gegen eine neuerliche Schließung appelliert. In einem ersten kurzen Statement zum Lockdown stellt er auf „Blickpunkt Film“ fest: „Auch wenn wir die Notwendigkeit von zusätzlichen Maßnahmen verstehen, sind wir enttäuscht darüber, dass Kultur keine differenzierte Betrachtung gefunden hat.“ Entscheidend sei jetzt, „dass die angekündigten Kompensationen nun zeitnah und unbürokratisch erfolgen und den gesamten Mittelstand erfassen. Hier muss dringend nachgesteuert werden. Andernfalls besteht die große Gefahr, dass viele Betriebe durch den Rost fallen.“

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Zwei Dokumentarfilme beschäftigen zurzeit die Feuilletons. Eigentlich das Territorium von ARD und ZDF. Doch die haben damit nichts zu tun. | Foto © Netflix

Zurzeit machen vor allem zwei Dokumentationen von sich reden. Und die stammen nicht von den Öffentlich-Rechtlichen, sondern von Privatsender und Streamingdienst. Anlass auch, zu fragen, was die anders machen im Stammgebiet von ARD und ZDF. 

Die gute Nachricht: Schon mehr als 100 Millionen Euro haben Bund und Länder für die Rettung der Kinos in der Corona-Krise bereitgestellt. Die schlechte Nachricht: Diese Hilfen wurden nicht zu Ende gedacht. Das wird zwar seit langem und immer wieder angemerkt, hat aber offenbar bislang wenig gebracht. Jedenfalls machen 33 unabhängige deutsche Filmverleiher mit einem offenen Brief nochmals auf das Problem aufmerksam. Obwohl man für viele Bereiche pragmatische Lösungen gefunden habe, sei es für die Verleiher bislang bei völlig unzureichenden und ineffizienten Maßnahmen geblieben. Das sei ein Fehler, durch den strukturelle Schäden für die gesamte Branche drohten. Der Brief im Wortlaut.

Der vorige Freitag könnte in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen, meint die „Taz“. Am 25. September startete nämlich die erste eigene deutsche Netflix-Dokuserie, „Einigkeit und Mord und Freiheit“. In vier Folgen schildert die Gebrüder Beetz Filmproduktion den Mordfall an Treuhand-Chef Detlev Rohwedder 1991, die verschiedenen Theorien über die Hintergründe und zugleich die Wirtschafts-Geschichte der deutschen Wiedervereinigung. Schon vor dem Start gab’s viel Lob in den Feuilletons, doch die „Taz“ interessiert hier nicht der Inhalt, sondern der „Blick hinter die Kulissen der neuen ARD- und ZDF-Konkurrenz“. Kurz: Was der Streamer anders macht.
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Kinos im Stillstand 17: Der „Filmrauschpalast“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Die 50. Ausgabe! So richtig freuen wollen wir uns nicht über dieses Jubiläum. Weil wir   aber gefragt wurden, schildern wir am Ende dieser Ausgabe unsere Eindrücke von der Filmbranche in der Corona-Krise.

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Vor dem Virus sind nicht alle Erwerbstätigen gleich. Dies ist ein Ergebnis einer Studie zu den Folgen der Pandemie in Deutschland. Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) befragen seit Anfang April am Telefon eine Stichprobe von mehr als 12.000 Menschen, die Ergebnisse werden kontinuierlich veröffentlicht: „Mit den ungleichen ökonomischen und alltäglichen Lebenssituationen entstehen und wachsen auch die Sorgen in unterschiedlicher Weise. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass einzelne Bevölkerungsgruppen die Krise leichter bewältigen werden als andere“, heißt es im Kurzbericht.
Dennoch sorgten sich die Beschäftigten um die gesamtwirtschaftliche Situation, aber kaum um die eigene wirtschaftliche Lage: Die erste Sorge hat sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht, die zweite ist sogar gesunken – lediglich die Niedrigverdiener*innen blicken auch etwas weniger zuversichtlich in die eigene Zukunft.

 

Einen „Offenen Brief aus der Risikogruppe“ haben 80 Schauspieler*innen, Filmemacher*innen und andere am 17. Mau ans Bundeskanzleramt und die Staatskanzleien der Bundesländer geschickt. Anlass war der „vom RKI etwas pauschal definierte“ Begriff der „Risikogruppe“ und seine möglichen Auswirkungen auf Teile des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und auf Menschen in kreativen Berufen:

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Kinos im Stillstand 10: Das „Xenon“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Wir nähern uns dem Wochenende, begleitet von hoffnungsweckenden Nachrichten: Bayern macht ernst mit seinem dreimonatigen Grundeinkommen für die Kulturschaffenden – und hat nach Kritik sogar nachgebessert und die Zielgruppe sogar verdoppelt. Der Bundestag hat unterdessen das Sozialschutz-Paket II beschlossen, das Verbesserungen beim Kurzarbeiter- und beim Arbeitslosengeld bringt. Nun muss nur noch der Bundesrat zustimmen. Dem liegt morgen außerdem ein Antrag vor, ein bundesweites Grundeinkommen für die Kreativen in der Krise zu schaffen.

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„Negativ“ oder „sehr negativ“ wird sich die Corona-Pandemie auf das Einkommen von 92,5 Prozent der Film- und Fernsehschaffenden auswirken. Das ist das Ergebnis einer Kurzumfrage zu den Soforthilfe-Maßnahmen, die Jörg Langer im April mit Unterstützung von AG Dok, BFS, BVFK, Crew United und Fair TV führte. Die ersten Ergebnisse hatten wir vorgestellt. In in einem Artikel für die Rosa-Luxemburg-Stiftung über die Situation in der Filmwirtschaft ordnet Langer nun die Zahlen ein: „Die Angst führt Regie“.

 

Der Bundestag hat dem Sozialschutz-Paket II zugestimmt, dass die Folgen der Corona-Krise abfedern soll. Unter anderem werden das Kurzarbeitergeld erhöht und die Zahlung von Arbeitslosengeld verlängert.
„Eine herbe Enttäuschung“ nennt es der Sozialwissenschaftler Stefan Sell im Interview mit der „Taz“ und vermisst einen „Corona-Zuschlag“.
„Teuer, wenig zielgenau und ungerecht“ findet es die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände im „Handelsblatt“.

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Kinos im Stillstand 9: Das „Delphi“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Wir beginnen heute mit einem Fernsehtipp für morgen – heute schon in der Mediathek zu sehen. 

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Beim MDR bleibt „Unicato“ zuhause und zeigt „Die Filmszene in Quarantäne“. Nämlich mit „Kurzfilmen, die sich mit den verschiedenen Facetten der Ausgeh- und Kontaktbeschränkungen auseinandersetzen“ – etwa über die Tücken der neuartigen Heimarbeit in „Flaschen“ von Jannis Alexander Kiefer. Und mit Gesprächen mit Medienschaffenden wie Peter Zorn. Der Mitgründer der Werkleitz-Gesellschaft meint zur Rettung der Kunst: „Ich habe noch keinen besseren Vorschlag gehört, als den des bedingungslosen Grundeinkommens.“

 

Öffnungsperspektiven und konkrete Regelungen für die Kultur in Baden-Württemberg hatte Kunstministerin Theresia Bauer Ende voriger Woche angekündigt. Heute stellte ihr Ministerium den „Masterplan Kultur BW | Kunst trotz Abstand“ vor. Rund 45 Millionen Euro stehen zur Verfügung, es werde „weitere Aktualisierungen, Konkretisierungen und Ergänzungen abhängig von der jeweiligen Situation geben.“ Zurzeit werde „überlegt“, das Soforthilfeprogramm des Landes für Kreative verlängern.
„Kultur in kleinen Formaten“ soll ab 1. Juni wieder möglich werden – gemeint sind weniger als 100 Personen vorsehen. „Bei speziellen Formaten, wie beispielsweise Autokinos, sind auch mehr Personen zulässig“, sagte Bauer. Für notwendige Investitionen gibt es Unterstützung.

 

„Was uns nichts nutzt, ist ein Flickenteppich“: Christian Bräuer vom Verband AG Kino erklärt in der „Süddeutschen Zeitung“, warum sich der deutsche Föderalismus so schlecht mit teuren Hollywood-Filmen verträgt. Und wie sich Kinos trotz Corona wiedereröffnen lassen … Weiterlesen

Kinos im Stillstand 8: Das „Odeon“ in Bamberg. | Foto © Lichtspiel Bamberg

Zurück in die Zukunft! Sender und Produktionen planen den Neustart, Kinos sehen, je nach Bundesland, ein schwaches Glimmen … mal sehen, wie der Sommer wird. An den Hilfen für Filmschaffenden wird noch gearbeitet.  

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Ein Tiger ist aus dem Zoo ausgebrochen. Die Medien melden: „Die Zooleitung fordert die Bürgerinnen und Bürger auf – bitte retten Sie sich schnell nach Hause und schließen Sie sich ein!“ Weiter geht’s hier. 

 

Noch im Mai soll das „Sozialschutz-Paket II“ verabschiedet werden, das unter anderem ein höheres Kurzarbeitergeld und längere Bezugszeiten für Arbeitslosengeld 1 vorsieht. Gestern war die öffentliche Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestags. Neben Lob wurde auch Kritik an der konkreten Ausgestaltung laut.

„Die Anträge auf Arbeitslosengeld II sind seit Mitte März 2020 sprunghaft um das Fünffache angestiegen“, sagt ein Sprecher des Jobcenters Frankfurt am Main.

Corona-Soforthilfe wird nicht auf Hartz-IV angerechnet. Darauf weist das Bundesarbeitsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken hin.

 

Eine bundesweit einheitliche Regelung zur Wiedereröffnung der Filmtheater fordert die Cineplex-Gruppe in Abstimmung mit dem HDF Kino. In einem Schreiben an Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie die Ministerpräsident*innen und Kulturminister*innen der Länder wird das Vorpreschen Hessens als „gut gemeint, aber keineswegs hilfreich“ bezeichnet. Vor allem geht es aber um die Länder, die noch gar nicht entschieden haben.

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Kinos im Stillstand 6: Der „Zoo-Palast“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Schritt für Schritt tastet alles nach der Normalität. Berlin erteilt wieder Drehgenehmigungen, Nordrhein-Westfalen weiß schon, wann die Kinos wieder aufmachen, und bestimmt hat auch jemand einen Plan, wie das alles funktionieren soll, so unter den gewohnten normalen Bedingungen. Nur in Frankreich rufen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen auf, doch erstmal gründlich nachzudenken, was wir wirklich wollen sollten: Eine Rückkehr in die Normalität, wie wir sie kannten, sei für sie undenkbar.  

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So wäre Corona leichter zu ertragen: Seit 1995 zeichnet Til Mette exklusiv für den „Stern“, und die Leser lieben ihn. Hier ist eine Auswahl seiner Cartoons.

 

Das angekündigte „Sozialschutz-Paket II“, das unter anderem verlängerte Bezugszeiten für das ALG1 vorsieht, sollte heute Nachmittag im Bundestag in Erster Lesung beraten und an den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen werden. Wann abschließend darüber entschieden wird, ist zurzeit noch nicht bekannt, teilte die Pressestelle des Bundestags auf Anfrage mit.
Um das Prozedere zu beschleunigen, liegt der Entwurf auch bereits dem Bundesrat vor, der anschließend ebenfalls zustimmen muss. Auch dort konnte man deshalb noch keine Zeiten angeben. Sollte es im Bundestag schnell gehen und das Sozialschutzpaket II angenommen werden, könnte es schon Ende nächster Woche auf der Tagesordnung stehen; ansonsten voraussichtlich am 5. Juni. 

 

In Berlin werden wieder Drehgenehmigungen erteilt. Die Berlin Brandenburg Film Commission hält auf ihrer Website auch Informationen zu den Sars-CoV-2 Arbeitsschutzstandard bereit: Neben den Broschüren vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom European Film Commissions Network auch die gestern vorgestellten Richtlinien der Initiative der Berufsverbände „Wir wollen sicher drehen“. 

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Kinos im Stillstand 5: Das „Cinema Paris“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Die Kulturschaffenden haben’s in der Krise schwer, für die auf Projektdauer Angestellten sieht das Hilfsangebot noch etwas enttäuschender aus. Wie es ihnen geht, was sie bekommen und was sie bräuchten, versuchte eine Umfrage zu ermitteln. Die Ergebnisse stellen wir heute vor. 

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Der Schauspieler Thommi Baake hat seine Corona-Zuhause-Zeit in einen Song gepackt – die Musik stammt von The Knack: „Dieses Video kostete so viel, wie ich als Künstler gerade verdiene.“

 

In der Krise sind viele Filmschaffende in einer besonders prekären Situation: Wer auf Projektdauer angestellt ist, kann mitunter aufs Kurzarbeitsgeld setzen, doch all jenen, die zwischen zwei Projekten standen, bleibt lediglich das Arbeitslosengeld, oft in der „Grundsicherungs“-Version 2. Doch wie viele sind das überhaupt? Wie stark sind sie betroffen? Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen, welche versprechen Erfolg und was ist wünschenswert für eine Bewältigung der Krise? 1.145 Filmschaffende haben sich vom 23. bis 26. April an einer Umfrage beteiligt, initiiert von Alexander Spohn, Administrator der Interessengemeinschaft Licht und Bühne München. Die Ergebnisse in sieben Punkten:

1. Gegenwärtige Vertragssituation:
25,8% der auf Produktionsdauer beschäftigten Filmschaffenden steht zurzeit unter Vertrag.
22,1% haben einen Vertrag, der zwischenzeitlich ausgelaufen ist oder noch auslaufen wird (Spohn: „Erfreulicherweise wurden nur 7% aller Verträge gekündigt“).
30% hat eine mündliche Absprache oder ein so genanntes Dealmemo für ein geplantes Projekt.
11,9% haben im Zeitraum der Krise keinen Vertrag.

2. Unterbrochene Projekte (bei dieser Frage waren mehrere Antworten zur Auswahl möglich):
21,7% haben ein Vertragsverhältnis, das bis zur Wiederaufnahme des Drehs bestehen bleibt.
14,0% der Vertragsverhältnisse werden hingegen nicht aufrechterhalten.
34,4% sind zu einer Wiederaufnahme des Drehs (und somit dem Fortbestand des Vertragsverhältnisses) noch unklar.
31,1% wurde frühestens zur Wiederaufnahme des Projekts ein erneuter Vertrag angeboten.

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Kinos im Stillstand 3: Das „Adria“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Die Länder machen sich locker“, meldet heute „Der Spiegel“. Auf der Suche nach der verlorenen Normalität versucht sich die Bundesrepublik in neuer Unübersichtlichkeit.  Das ist auch in Meldungen aus der und über die Branche das vorherrschende Thema: Wann kann wieder gedreht werden – und wie? 

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Wer nochmal lachen mag: Sebastian Pufpaffs humoristische Corona-Sendung „Noch nicht Schicht“ geht leider schon zu Ende. Zum Abschied und zum ersten Mal im internationalen Fernsehen gab Covid-19 hier ein exklusives Interview, um seine Sicht der Dinge darzustellen: „Nicht ich bin hier das Arschloch!“

 

Es wird wieder gedreht. Wie wird dabei verfahren, welche Lösungen werden erfunden? Der Schauspiel-Coach Tim Garde spricht in seinem Podcast mit Schauspieler*innen über die Drehbedingungen in Dailys, Serien und Werbung im Mai 2020.

Nach sechswöchiger Unterbrechung rührt sich wieder was im Filmdorf Lansing. Die Dreharbeiten an der Serie „Dahoam is Dahoam“ gehen weiter – natürlich mit Hygienekonzept und Schutzvorkehrungen. Eine immense Herausforderung für alle, die an der Produktion beteiligt sind.

Trotz Corona sollen viele Dreharbeiten fortgeführt werden. Dafür müssen Skripts umgeschrieben und hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden. Produktionen werden zur teuren Wackelpartie. Doch die Projekte aufzugeben, wäre finanziell desaströs. Studio-Hamburg-Produktionschef Michael Lehmann im Gespräch im Deutschlandradio.

Schauspieler über 60 werden aus den Drehbüchern geschrieben: Die Schauspielerin Renan Demirkan berichtet von Absagen an Ältere, weil sie zur Risikogruppe gehörten. Sie wendet sich in einem Offenen Brief an Armin Laschet.

Regieanweisungen aus dem Smartphone: So erfinderisch macht Corona – was die TV-Projekte „4 Wände Berlin“  und „Liebe. Jetzt!“ verbindet, erklärt der „Tagesspiegel“.

Serien ohne Kampf- und Sexszenen, Filmdreh nur unter Auflagen – das Online-Magazin „Film plus Kritik“ wirft einen kurzen Blick auf die Sicherheitsvorkehrungen beim Dreh in den USA.

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