Bereit für neue Geschichten

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„Deutschland ist dank des neuen Produktionsanreizes zurück im internationalen Wettbewerb“, freut sich Jörg Bachmaier. Ein „automatisiertes, steuerbasiertes Modell“ wäre aber auch ihm lieber gewesen. | Foto © Studio Babelsberg

In Studio Babelsberg hat sich der allgemeine Produktionsrückgang besonders deutlich bemerkbar gemacht. CEO Jörg Bachmaier ist trotzdem zuversichtlich. Auf der MediaTech Hub Conference spricht er nächste Woche über die Technik für die Zukunft.

Herr Bachmaier, der Branche geht es bereits im dritten Jahr nicht gut. Wo sehen Sie zurzeit die größten Herausforderungen –  beziehungsweise entscheidenden Stellschrauben?
Zwei große Krisen in der Filmbranche der letzten Jahre – die Covid-Pandemie und der Doppelstreik der Gewerkschaften WGA und SAG-AFTRA in den USA – hatten weltweit Auswirkungen. Die Folgen spüren wir noch heute: Zahlreiche internationale Produktionen wurden verschoben, verkleinert oder ganz gestrichen. Parallel dazu erleben wir eine Marktkonsolidierung, das heißt weniger Projekte, weniger Aufträge, weniger Anbieter durch Zusammenschlüsse von Studios und Produktionsfirmen – und dazu immer engere Budgets. Das verschärft den internationalen Wettbewerb enorm.
Speziell in Deutschland hat die Regierungskrise Ende 2024 die Umsetzung der geplanten Filmförderreform verzögert und Produzenten verunsichert. Gerade für internationale Produktionen ist diese Unsicherheit ein erheblicher Standortnachteil, denn Verlässlichkeit und Planbarkeit sind für unsere Kunden entscheidend. Daher haben wir begrüßt, dass die Bundesregierung im Sommer die Verdoppelung der Fördermittel für Filme und Serien verkündet hat. Auch wenn wir uns ein automatisiertes, steuerbasiertes Modell gewünscht hätten, bietet die nun geplante Lösung die Chance auf eine schnelle und wirksame Entlastung der Branche. 

Sie konkurrieren insbesondere mit großen Filmstudios in Osteuropa. Dort lockt man mit Steueranreizen. Wie steht es da um die Wettbewerbsfähigkeit?
Deutschland ist dank des neuen Produktionsanreizes zurück im internationalen Wettbewerb: Mit 30 Prozent Förderung, höheren Kappungsgrenzen – vor allem für Serien – und verdoppelten Mitteln erreichen wir das Niveau vieler europäischer Nachbarn. Deutschland punktet mit qualifizierten Crews, modernster Studioinfrastruktur, erfahrenen Dienstleistern und vielfältigen Drehorten. Jetzt gilt es, die Fördermaßnahmen schnell umzusetzen und durch eine gemeinsame internationale Vermarktungsoffensive von Bundesregierung und Branche das Standortpotenzial voll auszuschöpfen.

Für internationale Großproduktionen ist Studio Babelsberg bekannt. Aber was hat die deutsche Branche davon?
Deutsche Crews und Filmschaffende haben von internationalen Crews, die hier sehr oft gedreht haben, enorm viel gelernt. Film ist ein globales Geschäft – es findet kontinuierlich ein Know-how-Transfer statt, von dem deutsche Produktionen, verschiedene Gewerke und Dienstleister profitieren.
Daher ist es uns und mir persönlich ein Anliegen, dass Studio Babelsberg in Deutschland nicht nur mit Hollywood assoziiert wird. Viele deutsche Produzenten glauben, es wäre einfacher und günstiger, on Location zu drehen. Dann kommen sie ins Studio und sind begeistert von der Flexibilität, den Services – sei es Förderadministration oder Dekorationsbau – und den vielen Möglichkeiten, die ein Studiodreh bietet.
Genau da wollen wir ansetzen und zeigen, dass Studio Babelsberg nicht nur für große, internationale Produktionen attraktiv ist, sondern für alle Größen und Formate ein passendes Angebot hat. Vor einiger Zeit haben wir unsere Akquisestrategie verändert und unsere Tore noch weiter geöffnet – als Resultat durften wir erfolgreiche deutsche Projekte wie „Die Zweiflers“, „Bosetti Late Night“ oder die aktuell veröffentlichte Disney-Plus-Serie „Call My Agent Berlin“ bei uns betreuen. In den nächsten Wochen freuen wir uns auf „Heimsuchung“ unter der Regie von Volker Schlöndorff und auf „Athos“ von David Wnendt, großes Science-Fiction-Kino aus Deutschland.

Seit drei Jahren hat Studio Babelsberg neue Eigentümer, Sie sind seit fast einem Jahr CEO. Welche Pläne haben Sie für die Studios? Was tut sich konkret?
Ich wünsche mir, dass Deutschland wirklich konkurrenzfähige wirtschaftliche Rahmenbedingungen bieten kann – also einen robusten Steueranreiz als Kernstück, der große internationale Produktionen ins Land holt und gleichzeitig lokale Filmschaffende in Deutschland unterstützt.
Studio Babelsberg überzeugt bereits mit idealen Bedingungen: mit hochmodernen Studios und Kulissen, einem talentierten Kulissen- und Dekorationsbau, einer langen Tradition und Erfolgsbilanz, hervorragend ausgebildeten Crews sowie ausgezeichneten Produktionsdienstleistungen – verstärkt durch unseren neuen Geschäftsführer Marcus Loges, der mit langjähriger Branchenerfahrung diesen Servicebereich erfolgreich ausbaut. Wir profitieren außerdem vom globalen Netzwerk der Cinespace Studios. Als Teil der Familie von Cinespace Studios nutzen wir die internationalen Akquisemöglichkeiten, den kontinuierlichen Erfahrungsaustausch und die Kontakte in Europa, Kanada und den USA. 

Wo sehen Sie die deutsche Filmbranche in fünf Jahren?
In fünf Jahren sehe ich verstärkt Zukunftstechnologien am Standort – Virtual Production wird eine Selbstverständlichkeit sein. Ebenso werden KI-unterstützte Produktionsmethoden und Workflows einen festen Platz im Alltag der Film- und Serienproduktion haben. Wir verfolgen sehr genau, wie sich Innovationen und Medientechnologien in der Filmindustrie entwickeln. Deshalb sind wir auch Partner der MediaTech Hub Conference in Babelsberg geworden.
In diesem Bereich möchten wir noch präsenter sein – mit dem Anspruch, Babelsberg als modernen Produktionsstandort nicht nur für Filme und Serien, sondern auch für neuartige Erzählformen zu positionieren. Besonders in der Verbindung von unserer langen Tradition mit zukunftsweisender Technologie sehen wir enormes Potenzial, die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig zu stärken.

Die MediaTech Hub Conference tagt am 24. und 25. September im Studio Babelsberg in Potsdam.