Dreharbeiten für „Natürlich die Autofahrer“ 1959. Die Rückprojektion täuscht – ganz so flott geht’s nun doch nicht voran beim Deutschen Film, wie neulich noch posaunt wurde. | Foto © Karl-May-Archiv Göttingen

Mit seinem „Filmbooster“ hatte der BKM viel Geld und noch mehr Planungssicherheit versprochen. Doch kaum gestartet, kommt der schon ins Stottern. Im nächsten Jahr fehlen der Filmförderung 36 Millionen Euro. Mindestens.

Die Bundesregierung hat diese Woche ihren Haushaltsentwurf für 2027 vorgelegt, und die Befürchtungen haben sich bestätigt: Gespart wird auch an der wirtschaftlichen Filmförderung des Bundes – 36 Millionen Euro werden im nächsten Jahr fehlen. „Noch schneller hätten vermutlich nur wenige – zunächst eingelöst scheinende – Förderversprechen des Bundes Risse bekommen“, meint Marc Mensch bei „The Spot“  [Bezahlschranke]. Und klar sei nun „dass jegliche Zweifel an der verlässlichen ,Überjährigkeit’ eines 250-Millionen-Euro-Topfes berechtigt waren.“ 

Zur Erinnerung: 250 Millionen Euro mehr hatten die neue Bundesregierung und ihr Beauftragter für Kultur und Medien ((BKM) der Filmbranche versprochen. Und zwar jedes Jahr. „Damit kann die gesamte Filmwirtschaft nun erstmals wirklich verlässlich über Jahre hinaus planen“, erklärte BKM Wolfram Weimer noch Ende Mai und sah die große Reform der Filmförderung vor dem Abschluss.  

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„Nachts, wenn der Teufel kam“ wurde 1958 mit zehn Bundesfilmpreisen gefeiert – bis heute der Rekord bei den „Lolas“. Doch für seine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus war der Regisseur Robert Siodmak selbst auf eine Nazi-Lüge reingefallen. Später distanzierte sich der Hauptdarsteller Mario Adorf von der Rolle, die ihm den Durchbruch bescherte. | Foto © DIF

Die Debatte ist eröffnet: Soll man, darf man, muss man das Filmerbe bearbeiten?

Übers Filmerbe hatten wir in der vorigen Ausgabe berichtet und konnten noch ein Happy End vermelden: Wim Wenders wird sein Frühwerk „Falsche Bewegung“ nicht mehr zeigen lassen, bis er sich mit Nastassja Kinski geeinigt hat. Der Film enthält eine Szene, die es eigentlich gar nicht geben sollte, meint die Schauspielerin. Sie war damals 13 und wurde nicht gefragt. Offen bleibt „die Frage nach dem Umgang mit heute problematischen Bildern des Filmerbes“, schreibt Kira Kramer in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. Damit hatte zuvor Wenders begründet, warum er seinen Film nicht korrigieren möchte. Und zugleich die Deutsche Filmakademie um eine Debatte gebeten.

Die soll wohl auch kommen, meldet die Deutsche Presse-Agentur. „Es benötige Zeit und Sorgfalt, sich inhaltlich auf einen fundierten Austausch vorzubereiten, daher sei im September eine Veranstaltung dazu geplant. Möglich ist, dass frühestens ab Herbst dann auch eine Entscheidung gefällt werden könnte, wie mit dem Film weiter umgegangen werden soll.“

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Fürs Wimmelbild mit den Preisträger*innen strahlt der BKM wieder. Geärgert hat er sich aber doch über die Kritik an ihm beim „Deutschen Filmpreis 2026“.  | Foto © DFP/Clemens Porikys

 

Beim „Deutschen Filmpreis“ wurde Wim Wenders für sein Lebenswerk geehrt. Und hat mal wieder eine große Frage angestoßen: Was wiegt schwerer – die Freiheit der Kunst oder die Würde des Menschen?

Vorigen Freitag wurde übrigens der „Deutsche Filmpreis“ verliehen. Eine Aufzeichnung der Gala gibt’s in der ARD-Mediathek. Die „Lola“ in Bronze ging an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Regisseur Simon Verhoeven, in Silber an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“. Mit Gold als bester Film aber wurde „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski gekürt. 

Zehn „Lolas“ hat das Historiendrama über mehrere Frauengenerationen gewonnen. Diesen Rekord hielten bislang nur „Nachts, wenn der Teufel kam“ und „Das weiße Band“, erklärt Marius Nobach im „Filmdienst“.  In den Dankesreden wurde immer wieder betont, „wie entscheidend das Zusammendenken und -wirken aller Gewerke für die besondere Gestalt des Films gewesen sei. […] Allerdings lässt sich dieser Preisregen nachvollziehen. Die außergewöhnliche formale Geschlossenheit von ,In die Sonne schauen’ machte es schwer, einem der Gewerke die Würdigung nicht zu gönnen. […] Bei aller Feierstimmung vergaßen die Geehrten zudem nicht, an die schwere Geburt des Films zu erinnern, die von einem durchaus symptomatischen Dilemma des heutigen deutschen Kinos kündet. Die Kombination aus wenig Geld, geringer Zeit, aber hohem künstlerischem Anspruch und einem beharrlich verfolgten ungewöhnlichen Ansatz mag – auch international – sehr geschätzte Filme hervorbringen; eine Regelmäßigkeit lassen so ungünstige Rahmenbedingungen aber kaum zu. Davon zeugt auch, dass ,In die Sonne schauen’ erst der zweite Spielfilm von Schilinski ist; zwischen ihm und ihrem Debüt ,Die Tochter’ lag eine siebenjährige Pause. Unter den ,Lola’-Preisträgern der letzten Jahre steht Schilinski mit der langen Vorlaufzeit für ihr Wunschprojekt alles andere als allein da“. 

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Am neuen Konzept hatte Adele Kohout noch als Koleiterin gearbeitet. In diesem Jahr soll noch mehr über die Filme und Themen gesprochen werden.  | Foto © Ronny Heine

Im Mai blickt das Dokfest München wieder auf die großen Themen unserer Zeit. Seit vorigem Jahr mit einem neuen Konzept, ab diesem Jahr unter neuer Leitung. 

Frau Kohout, Sie sind schon seit fast 20 Jahren beim Dokfest München. Jetzt kommt das erste unter ihrer Leitung. Das Festival haben Sie allerdings schon voriges Jahr zum 40. Jubiläum umgebaut. Statt der bisherigen Sektionen gibt es nun 15 Themenfelder. Wie ist das angekommen?
Sehr gut. Die meisten Zuschauer*innen orientieren sich bei ihrer Filmauswahl an Themen. Wir haben das Programm so sortiert, dass sie schnell die Filme finden, die sie interessieren. Das hat sich bewährt. Wir haben das in diesem Jahr weiterentwickelt und um einen Aspekt erweitert: Jede Reihe hat nun einen „Signature-Film“, der das Thema nochmal stärker in den Fokus rückt, und mit dem wir auch noch anders arbeiten: Zu jedem Signature-Film gibt es einen „Fokus Talk“, sprich eine Erweiterung und Vertiefung des Themas. Überhaupt haben wir in diesem Jahr mehr thematische Gespräche und Events und dadurch auch mehr Inhalte. 

So wie diese Signature-Filme sind dann auch die anderen Filme in der Reihe?
Alle Filme der Reihen drehen sich um ähnliche Themen oder beleuchten ein Oberthema aus verschiedenen Perspektiven.

Was ist bei den Fokus Talks anders als bei den üblichen Filmgesprächen?
Die anderen Gespräche gibt es auch. Bei den Fokus Talks haben wir nicht nur ein Q&A mit der Regie, sondern auch Expert*innen, die das Thema eben in den Fokus stellen und vertiefen. Bei der Reihe „Visions of the Future“ zum Beispiel haben wir den Signature-Film „Finding Connection“. Es geht um Beziehungen zwischen Mensch und Chatbot, also eine App, mit der Menschen eine Beziehung eingehen. Im Fokus Talk werden wir zum einen den Protagonisten zu Gast haben. Dann gibt es aber auch den Psychologen, der erklärt, was solche Beziehungsmodelle zwischen Mensch und KI bedeuten. Und wir haben noch den CEO einer Firma da, die solche „Companion Apps“ entwickelt, der das von der technischen Seite beleuchtet. Das soll ein Rundumschlag sein, und man kann somit tief ins Thema gehen.

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Kurzer Triumph in der „Glamour-Parallel­gesellschaft“: Ryan Coogler (links) und Paul Thomas Anderson mit „Oscars“. | Foto © Ampas/Al Seib

Am Sonntag wurden die „Oscars“ verliehen. In der Auswahl zeigt sich Hollywood kämpferisch, die Preisgala war dagegen eher vorsichtig.

Sonntagnacht wurden in Hollywood die „Oscars“ verliehen. Der „Perlentaucher“ hat die Berichte und Einschätzungen am Montag und Dienstag gesammelt. Und die besten Witze aus der Moderation von Conan O’Brian gibt’s bei „GQ“. „Als ich letztes Jahr die Moderation übernommen habe, stand Los Angeles in Flammen“, sagte der in seinem Eröffnungsmonolog. „Aber dieses Jahr läuft alles super!“ 

Was die Preisverleihung über unsere Zeit aussagt, überlegt Dietmar Dath in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. „Die alljährliche ,Oscar’-Verleihungszeremonie findet nicht in der Wirklichkeit statt, sondern in einer Glamour-Parallel­gesellschaft. […] Die Wirklichkeit 2026: Trump, Inflation, Krieg, Naturverwüstung, Unrecht. Die ,Oscar’-Zeremonie 2026: Witzbolde, Schauspiel- und Regietalente, die ein paar Stunden lang so tun dürfen, als könnten sie auf heiter-feierliche Distanz zu besagter Wirklichkeit gehen, mit kleinen Spitzen gegen sie. […] Zwei Filme, um die es in der Zeremonie vor ­allem ging, handeln exakt von solchen verschärften Kontrasten ­ zwischen gesellschaftlichen Übeln und parallelgesellschaftlichen Ausweichräumen: ,Blood and Sinners‘ von Ryan Coogler und ,One Battle After Another’ von Paul Thomas Anderson.“  

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Ist das noch Kunst oder soll das weg? Der BKM hat heimlich drei Buchhandlungen von seiner Preisliste gestrichen – wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“. Welche das sein sollen, verrät er nicht. Szenenbild aus „E-Mail für Dich“ (1998). | Foto © Warner Bros.

Die Meinungsfreiheit ist wichtig, sagt der Kulturstaatsminister. Deshalb muss man genau darauf aufpassen. Und streichen, was einem nicht gefällt …

 

#1

Kaum ist die Sache mit der Meinungsfreiheit auf der Berlinale gelaufen, hat der BKM schon wieder mit der Kultur zu kämpfen: Der „Deutsche Buchhandlungspreis“ ist vergleichbar mit dem Kinoprogrammpreis (heute „Liebling Kino“) und soll inhabergeführte Bücherläden mit vorbildlichem Angebot unterstützen – 115 werden dieses Jahr ausgezeichnet, 483 hatten sich beworben. Eine Million Euro stellt der BKM jährlich an Prämien zur Verfügung. Denn, erklärt Wolfgang Weimer in seinem Grußwort: „Der Buchdruck schuf erstmals für viele Menschen einen Zugang zu Wissen und legte so den Grundstein für die Demokratisierung der Bildung und die Freiheit des Wortes.“ 

Trotzdem hat er für dieses Jahr drei „linke“ Buchhandlungen von der Liste gestrichen – nachträglich, heimlich, wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“. Denn auch in einer Demokratie wird die Freiheit des Wortes überwacht.  

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Auf der Klassenfeier war’s mal wieder zu laut. Die Schulleitung will sich deshalb neue Regeln ausdenken. Tricia Tuttle (hier bei der diesjährigen Preisverleihung) hat trotzdem Grund zur Freude. Die Berlinale ebenfalls. | Foto © Berlinale

Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Berlinale. Das freut auch den Kulturstaatsminister. Der will allerdings neue Regeln für die Meinungsfreiheit beim Festival.

Tricia Tuttle bleibt Intendantin der Berlinale! So hat es der Aufsichtsrat gestern entschieden, und so teilte es Kulturstaatsminister (BKM) Wolfram Weimer gleich darauf auch im Kulturausschuss des Bundestags [Aufzeichnung] mit (um 14:35 Uhr).  

In der vorigen Woche war reichlich über eine angebliche Entlassung Tuttle spekuliert worden, mehrere Aufrufe mit Tausenden von Unterschriften machten sich für das Festival, seine Leiterin und die Meinungsfreiheit stark (wir berichteten). Der Schuldige war auch ausgemacht: Tuttles Chef, der Kulturstaatsminister! 

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Da sag’ noch mal jemand, die Berlinale sei nicht politisch! BKM Wolfram Weimer und Intendantin Tricia Tuttle auf dem roten Festivalteppich. | Foto © BKM/Henning Schacht

Nach 20 Jahren hat ein deutscher Film den Wettbewerb der Berlinale gewonnen! Gesprochen wird aber mal wieder über völlig anderes.

Die Berlinale ist zu Ende und lief doch eigentlich ganz gut für den Deutschen Film. Der „Goldene Bär“ ging an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“, den Silberbär als beste Schauspielerin gewinnt Sandra Hüller. „Die Kritiker sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dieser Juryentscheidung“, schreibt der „Perlentaucher“ und ergänzt damit seine erste Übersicht der Festivalbewertung im Feuilleton 

„Denkwürdig“ fand Daniel Kothenschulte in der „Frankfurter Rundschau“ [Bezahlschranke] die Berlinale, andere ließ sie eher ratlos, für Jörg Gerle im „Filmdienst“ ließ sie zu wünschen übrig: „Auch filmkünstlerisch brachten es viele Wettbewerbsfilme oft nur auf Durchschnittsniveau.“ 

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Die Wettbewerbsjury der diesjährigen Berlinale hält nichts von einer Inquisitionsverpflichtung in der Kunst. | Foto © Dirk Michael Deckbar/Berlinale

Eigentlich will die Berlinale ja nur Filme zeigen, die zeigen, was die Welt bewegt. Einigen ist das nicht genug: Festivals sollen Politik machen! Aber die richtige.

Die Berlinale hat ja schon mal gut angefangen. Die indische Autorin Arundhati Roy hat ihren Besuch abgesagt, das Palestine Film Institute fordert den internationalen Total-Boykott des Festivals. Anlass ist die Pressekonferenz [auf Youtube], auf der Festivalchefin Tricia Tuttle die Wettbewerbsjury vorstellte. Schon gleich die ersten Fragen [ab Minute 19:15] drehten sich um große Politik: Können Filme die Welt verändern? Und wie?  

Dazu hatten Tuttle und vor allem der Juryvorsitzende Wim Wenders drei Minuten so einiges zu sagen. Nur einer hatte nicht richtig hingehört und wollte doch noch ein Gesinnungsbekenntnis für den Einzelfall: Wie stehen Festival und Jury zum Nahostkonflikt?  

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Dilemma gelöst! Die Pflicht zur Investitition wird jetzt doch ein Gesetz, aber die Sender müssen nicht mehr investieren, als sie eh schon tun (Szenenfoto aus „Das Kanu des Manitu“). | Foto © HerbX Film/Constantin/Luis Zeno Kuhn

Die Förderreform steht möglicherweise kurz vor dem Abschluss. Die Meinungen sind gemischt. In einem aber scheinen sich die unterschiedlichen Interessengruppen einig: Damit der „Filmbooster“ auch zündet, brauche es ein Steueranreizmodell.

Nach langem Bangen soll nun doch ein Gesetz kommen, das Sender und Streamer zu Investitionen verpflichtet. Ein Abschluss der großen Förderreform ist, drei Jahre nach der Ankündigung endlich in Sicht. Übermäßig groß ist der Jubel aber nicht. Was der Kulturstaatsminister (BKM) selbst als „Investitionspakt samt Filmbooster“ bejubelt, ist für die Produktionsallianz wenigstens ein „belastbarer Kompromiss“.  Der BKM bevorzugte bekanntlich eine freiwillige Selbstverpflichtung, der Regierungspartner SPD bestanden auf einem Gesetz, wie es im Koalitionsvertrag vereinbart war. Der Kompromiss sieht nun eine gesetzliche Basisquote von 8 Prozent für Streamer und Sender vor – berechnet nach dem Netto-Umsatz im Vorjahr. Darüber wird’s freiwillig, dank einer „Öffnungsklausel“: „Sofern sie zu einer Investitionsquote von 12 Prozent oder mehr bereit sind, kann von den detaillierten gesetzlichen Vorgaben abgewichen werden“, so der BKM.  

Ein bisschen knifflig könnte die Berechnung schon werden, fürchtet Hanns-Georg Rodek in der „Welt“: Weiterlesen

Es gibt Grund zum Feiern, da vergisst man schnell mal die Zeit: In nur „100 Tagen“ sei der „Knoten in der deutschen Filmförderung“ gelöst, jubelt sich der Kulturstaatsminister. Zur Erinnerung: Er ist schon seit 276 Tagen im Amt (Szenenfoto aus „Fleisch ist mein Gemüse“, 2008). | Foto © Universal

Die große Förderreform ist endlich beinahe fertig! Statt Steueranreizen gibt es fast doppelt soviel Geld; Sender und Streamer sollen per Gesetz zu Investitionen verpflichtet werden. 

Kurz vor Redaktionsschluss kam doch noch eine gute Nachricht: Den „Durchbruch bei der Neuaufstellung der Filmförderung“ meldet Kulturstaatsminister (BKM) Wolfram Weimer. Ab dem kommenden Jahr wird das Förderbudget auf 250 Millionen Euro fast verdoppelt, der BKM will „zeitnah“ einen Entwurf für ein Investitionsverpflichtungsgesetz vorlegen „und eine breite Branchenanhörung in die Wege leiten.“

Das kommt überraschend. Ob’s ein Gesetz braucht, hatte nicht nur die Regierungsparteien SPD und CDU entzweit, sondern auch die Branche. Zuletzt hatten die Produktionsallianz, die auf ein Gesetz drängt, und der Verband Technischer Betriebe für Film & Fernsehen (VTFF), der auf eine freiwillige Lösung vertraut, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen Kompromiss vorgeschlagen, den die drei Verbände der Streamer und Sender umgehend ablehnten, berichtet Helmut Hartung in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. 

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Die deutsche Medienpolitik hat zurzeit viele Großbaustellen. Die Filmbranche gehört nicht dazu (Szenenfoto aus „Was nicht passt, wird passend gemacht“, 2002). | Foto © Leonine

Bei der Investitionsverpflichtung sind die Regierungsparteien uneins. Diese Woche stand das Thema auf der Tagesordnung im Koalitionsausschuss – wieder ohne Ergebnis.

So haben wir die Geschichte von der vergeigten Förderreform auch noch nicht gelesen. Die könnte nämlich längst fertig sein, legen Martin Greive und Jan Hildebrand im „Handelsblatt“ nahe. Denn Kulturstaatsminister (BKM) Wolfram „Weimer hat dazu mit den Branchengrößen eine Selbstverpflichtung ausgehandelt. Doch [Finanzminister] Klingbeil und die SPD-Bundestagsfraktion bestehen auf einem gesetzlichen Investitionszwang.“ 

Also auf dem, was im Koalitionsvertrag steht – das aber wird erst gegen Ende erwähnt. Dazwischen fehlt viel und gerät einiges durcheinander, und schließlich wird auch nochmal Björn Böhning erwähnt, Staatssekretär im Finanzministerium, davor drei Jahre lang Geschäftsführer der Produktionsallianz, also ein „Lobbyist für die Filmwirtschaft“ … Was das nun heißen soll, sagen die Autoren auch nicht. „In der Bundesregierung scheint man derzeit jedenfalls viel Aufwand zu betreiben für die Verhandlung über ein 120-Millionen-Förderprogramm – gemessen an einem Bundeshaushalt von 525 Milliarden Euro; und gemessen an der Bedeutung der Filmbranche für die deutsche Volkswirtschaft.“ 

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„Weihnachten bei Hoppenstedts“ (1978): Mit leichter Ungeduld wartet die Branche auf die Bescherung – die wird es aber wohl erst nach den Feiertagen geben. | Foto © WDR/Radio Bremen

Für die einen ist das „zukunftsweisend“, für sehr viele andere nur eine „Luftnummer“ und „Mogelpackung“: Der BKM wollte heute seine freiwillige Investitionsverpflichtung im Koalitionsausschuss vorstellen. Am Ende ist doch noch nichts daraus geworden.  

Über die Investitionsverpflichtung für Sender und Streamer wird seit Monaten intensiv diskutiert. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte im Juni eine „zeitnahe“ Lösung versprochen, und wenigstens die Maßeinheit ist jetzt geklärt. Am heutigen Donnerstag wollte er sein Konzept im Koalitionsausschuss präsentieren. Den Spoiler meldete „The Spot“ kurz vor Redaktionsschluss: der Termin wurde kurzfristig einen Tag vorverlegt, das Thema ist immer noch nicht abgeschlossen. 

Ein Gesetz zur Investitionsverpflichtung hatten sich CDU/CSU und SPD in ihren Koalitionsvertrag geschrieben, doch Weimer hat eigene Vorstellungen. Er strebt eine Selbstverpflichtung an, weil das schneller gehe. Ein Gesetz müsste nicht nur Bundestag und -rat durchlaufen, sondern auch von der EU abgesegnet werden – und könnte voraussichtlich erst in einem Jahr in Kraft treten.   

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„Oderbruch“. | Foto © ARD Degeto/Syrreal Dogs/CBS/Stefan Erhard

Die Degeto rief zum Ideenwettbewerb für Geschichten aus dem Osten. Gut gemeint, aber Thema verfehlt?  

Um „die Zusammenarbeit mit ost- und mitteldeutschen Produktionsfirmen zu stärken“ hatte die ARD Degeto zum Ideenwettbewerb für „Ostside-Stories“ aufgerufen. Ein Krimi oder Threiller sollte es sein. Rund 40 Produktionsfirmen reichten ihre Exposés für einen Stoff ein, „der regionale Perspektiven aufgreift und zugleich ein breites Publikum anspricht.“ Das trifft ein aktuelles Thema: Über das Leben im Osten wird bislang vor allem von Filmschaffenden aus dem Westen erzählt – und oft falsch, kritisieren Filmschaffende aus dem Osten. 

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„Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“: In seinem Spätwerk arbeitet sich Edgar Reitz nochmal an der Frage nach der Wahrheit ab. Die ist nicht absolut, findet er mit 92. „Es gibt eine Wahrheit, die gibt es nur in der Wissenschaft, und dann gibt es eine andere, nämlich eine künstlerische Wahrheit.“ | Foto © Weltkino/Ella Knorz

Leibniz ist der richtige Philosoph für unsere Zeit, findet Edgar Reitz. Zehn Jahre lang hat er an seinem Alterswerk gearbeitet: „Ich wollte nicht über Leibniz erzählen, sondern aus ihm heraus“.

Filme macht man für seinen Anteil an der Welt, meint Edgar Reitz. „Ich träume nachts von meinen Figuren, ich wache mit Bildern auf. Die Frage, ob mein Film sich am Markt bewährt, ist mir in solchen Momenten völlig egal. Ich will Filme machen, die berühren, die herausfordern.“  

Zum Beispiel mit Gottfried Wilhelm Leibniz. Der Vordenker der Aufklärung ist für ihn der richtige Philosoph für unsere Zeit. „Ich habe über zehn Jahre an dem Thema gearbeitet. Anfangs wollte ich ein großes Biopic machen, ein Zeitbild einer nach 30 Jahren Krieg verwüsteten Welt. Aber ich merkte, dass ich damit in Hollywood-Dimensionen komme“. erzählt Reitz im Interview mit Chris Schinke in der „Taz“. 

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