Keine Angst vor KI

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Jedes Jahr lädt die IDM Film Commission Südtirol Produzent*innen aus ganz Europa zum Austausch über die Grenzen hinweg. In diesem Jahr erklärte unter anderem Sylvia Rothe, was die Künstliche Intelligenz für die Branche bedeutet. | Foto © IDM/Asia De Lorenzi

Sylvia Rothe ist Professorin für Künstliche Intelligenz in der Medienproduktion an der HFF München. Beim Produktionstreffen „Incontri“ gab sie Einblicke in die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz in der audiovisuellen Industrie.

Frau Rothe, in den letzten Jahren wurden KI-Tools bereits vor allem in der Postproduktionsphase eingesetzt. Erst in jüngster Zeit hat dieser technische Fortschritt einigen Leuten Angst eingejagt. Gibt es einen guten Grund, sich vor KI zu fürchten? Oder geht es nur darum, den Einsatz klug zu regeln?
Es werden sich Jobs ändern. Aber es entstehen auch viele neue Möglichkeiten. Wir müssen uns überlegen, an welchen Stellen wir KI sinnvoll einsetzen können, vor allem bei gleichförmigen, zeitintensiven Arbeiten. Kreative Arbeiten möchten wir in der Regel nicht abgeben, aber wir können uns dabei von der KI unterstützen lassen. 

Wäre es nützlich zu wissen, welchen Beitrag KI zu einer Produktion geleistet hat? Zum Beispiel, indem man in den Endtiteln auflistet, wo KI-Technik eingesetzt wurde?
Ich finde, man sollte den Einsatz von KI transparent machen, wenn KI einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Möglicherweise ist es schwierig zu beurteilen, wann dies der Fall ist. KI wird in vielen Fällen genutzt, manchmal weiß man möglicherweise nicht einmal, dass eine KI dahintersteckt. Eine KI-Farbkorrektur würde man wahrscheinlich nicht erwähnen – einen Styletransfer in bestimmten Fällen schon.
Ich glaube, es ist nicht einfach, diese Grenze zu finden, finde aber, dass es wichtig ist, sich darüber Gedanken zu machen. Auf jeden Fall sollte man erwähnen, wenn ganze Sequenzen KI-generiert sind oder man Deepfake-Techniken einsetzt.

Können Sie vorhersehen, welche neuen Berufe in naher Zukunft benötigt werden, da sich die KI weiter verbessern wird?
Möglicherweise KI-Supervisors.  Leute, die sich darüber Gedanken machen, an welchen Stellen einer Produktion der Einsatz von KI sinnvoll ist und das dann auch begleiten – ähnlich einem VFX Supervisor. Und natürlich Leute, die dies umsetzen. Vielleicht übernehmen dies aber auch die VFXler. Sie können dann von Fall zu Fall entscheiden, welche Methode am besten passt. 

Wie reagieren junge Menschen, junge Studierende auf die zurzeit verfügbaren KI-Programme?
Es gibt Studenten, die total begeistert sind und auch viel herumexperimentieren. Aber es gibt auch die, die noch sehr zurückhaltend beim Umgang mit KI sind. Einige holen plötzlich Projektideen hervor, die sie schon sehr lange mit sich herumtragen, die ihnen aber bisher nicht umsetzbar schienen, vor allem Themen im Fantasie- und Science-Fiction-Bereich. Da ist jetzt durch KI vieles möglich.

Gibt es etwas, von dem Sie sich wünschten, dass die Filmindustrie es jetzt schon tut, um für die Zukunft der KI gerüstet zu sein?
Wir sollten überlegen, welche Aufgaben wir der KI übergeben möchte. Für einiges sollten wir die Kontrolle nicht aus der Hand geben. Und dann gibt es auch noch die Dinge, die wir einfach gerne machen, die oft ein Teil unseres Lebensinhaltes sind. Warum sollten wir diese abgeben? Nur weil es in Zukunft vielleicht preiswerter ist? Möchte ich einen Film allein am Computer produzieren oder ist es nicht die gemeinsame Arbeit an einem Projekt, die den besonderen Film hervorbringt. Ich finde, darüber sollte man rechtzeitig nachdenken.

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