Meister des Klangs

Seit 2001 werden in Gent die „World Soundtrack Awards“ vergeben. Höhepunkt ist das Livekonzert der ausgezeichneten Kompositionen. | Foto © Jeroen Willems/World Soundtrack Awards

Der Herbst hat auch seine schönen Saiten: Im belgischen Gent wird alljährlich die Filmmusik gefeiert. Wer sich dann noch nicht genug gehört hat, kann gleich nach Halle an der Saale weiterreisen.  

Seit mehr als 20 Jahren, immer in der Herbstzeit, wenn die Blätter sich bunt färben und die Tage dunkler werden, trifft sich die Welt der Filmmusik aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf einem Filmfestival der klangvollen Art, in einem kleinen pittoresken Ort in Belgien: der Stadt Gent. Komponisten wie Craig Armstrong, Elmer Bernstein, Carter Burwell, Michael Danna, Georges Delerue, Patrick Doyle, Alexander Desplat, Harry Gregson-Williams, Maurice Jarre, Michael Kamen, Cliff Martinez, Ennio Morricone,  Gustavo Santaolalla, Howard Shore, Gabriel Yared, Hans Zimmer und viele mehr hatten auf dem Event schon ihre glanzvollen Auftritte. 

Gent ist nicht nur für seine mittelalterliche Altstadt berühmt, sondern auch als „Unesco Creative City of Music“. Als musikalischer Hot Spot bietet sie für knapp zwei Wochen der Filmmusikszene eine großartige Kulisse zum kreativen Austausch, feiern, musizieren und chillen. Die bezeichnet das Event als „Juwel“ und „Familientreff“, mit einem Fokus: der Leidenschaft  für den Sound im bewegten Bild!

Musik gibt Filmen einen signifikanten Rhythmus und sind der Herzschlag jeder Handlung. Filmkomponisten besitzen die Gabe, mit kreativem Spürsinn, unausgesprochenen Emotionen in Klang umzuwandeln. Sie übersetzen diese Bildwelten in eine universelle Sprache, die alle verstehen: die Sprache der Musik! Sei es im Langfilm, Kurzfilm, Kino, TV, Spot oder neuerdings vermehrt in der Welt der Computerspiele. 

Das Festival bietet dafür ein breitgefächertes Programm:  Workshops als Ideenschmiede für Suchende und neue Talente von Morgen. Panelgespräche mit erfahrenen Filmkomponisten jedes Genre, ob Horror, Thriller, Sciences Fiction oder Liebesfilm. Hier plaudern die Erfinder der Scores von Ihrer Arbeit hinter den Instrumenten, Mischpults und Aufnahmestudios. Es ist eine harmonische Schwingung der Macher und Interessierten. Das macht die Stimmung so feinsinnig und spannend. 

In den Podiumsdiskussionen erzählen die geladenen  Filmmusiker*innen wie Volker Bertelmann oder  Gutsavo Santaolalla über Ihre Art des „Suchens und Findens“, eines Sounds für eine Filmhandlung. Dabei verlieren und vertiefen sie sich in Fachgespräche über „Baselines“ und neue Soundexperimente, Instrumente mit originärem Klang der Marke „Eigenbau.“ Auch über die Notwendigkeit mit Strategie und psychologischem Geschick, Regisseure von neuen Sounds zu überzeugen. Viele Scores werden entwickelt, und wieder verworfen. Manche Kompositionen landen in einer Art Wiedervorlage, und kommen erst Jahre später, als letztes Puzzleteil in einem neuen Filmprojekt plötzlich noch groß raus. Jede*r der Filmmusikkünstler*innen hat eine eigene Methode, den richtigen Score für das Filmprojekt zu finden. Für das Publikum ist das ein spannender Blick hinter die Kulissen der Entstehungswelt von Filmmusik, den Wegen der Komponisten aus musikalischen Assoziationsverkettung zu folgen. 

Das Festival bietet eine moderne Vielfalt an Möglichkeiten, wie  Podcasts mit den Gästen, sowie die Nutzung der interaktive Medien. Am letzten Tag, findet das berühmte „Meet and Greet,“ statt, es dient dem direkten Austausch mit Zuschauern, Studenten und Filmmusikfans, bei dem nicht nur Autogramme, sondern auch Gespräche mit den nominierten Preisträgern stattfinden, in vereinbarten Zeitslots.

Höhepunkt der Festivalzeit sind die Auszeichnungen der ausgewählten Filmmusik und Ehrenpreise für das Lebenswerk. Abgerundet wird der Abend mit einem Galakonzert, das die Scores der Preisträger*innen nochmals in Erinnerung ruft. Besonders emotional wird es bei den Ehrenpreisträgern, da kommen Erinnerungen und die Vergangenheit wieder ins Jetzt! Die Musiklegenden der Filmmusik wie der Score aus Filmen wie „Das Leben ist schön“ oder „Indiana Jones“ leben auf und berühren die Seele: „Die Musik kenn ich doch!“

Die Meditation ins Land es Unterbewussten ist gestartet. Fazit: Die Veranstaltung ist einzigartig und schafft es Jahr für Jahr, hervorragend, stetig wachsend und modern, „die internationale Vielfalt in der Einheit des Klangs zu verbinden.“ Oder wie es die Filmkomponisten Chris Bacon und Danny Elfman sagten, spontan und synchron wie aus einem Munde: „Wer einmal da war, kommt immer wieder … egal wie weit und voll der Terminkalender auch sein mag.“

 

Eine ähnlich imposante Kulisse bietet Halle an der Saale der Filmkunst. In der Geburtsstadt von Georg Friedrich Händel liefen Ende November wieder die Filmmusiktage Sachsen-Anhalt mit Workshops und Podiumsdiskussionen, veranstaltet von der International Academy of Media and Arts (IAMA) und der Deutschen Filmkomponistenunion (DEFKOM). Mit Gala und Konzert wurde da der „Deutsche Filmmusikpreis“ vergeben. In mehreren Kategorien werden Komponist*innen mit Hauptwohnsitz in Deutschland ausgezeichnet, dazu gibt es zwei Ehrenpreise.

Die internationale Ehrung traf Anne Dudley. Als Musikerin wurde sie mit der Band The Art of Noise bekannt. Filmmusikalisch kann die Britin schon jetzt auf ein herausragendes Werk blicken. 1998 wurde sie mit dem „Oscar“ für ihre Musik zu „Ganz oder gar nicht“ (1997) ausgezeichnet. Daneben schrieb und arrangierte sie die Musiken zu Filmen wie „Mamma Mia! Here We Go Again” (2018), „American History X“ (1998) und „Tristan und Isolde“ (2006).  

In diesem Jahr ging der „Ehrenpreis National“ an Reinhold Heil. Gemeinsam mit Tom Tykwer und Johnny Klimek hat er die Filmmusiken zu Filmen wie „Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders“ (2006), „The International“ (2009) und „Lola rennt” (1998) komponiert. Seine musikalische Karriere begann nicht in der Welt der Filmmusik: In den 1970ern und 80ern wurde er Bekanntheit etwa mit der Nina Hagen Band, Spliff, Nena und den Rainbirds bekannt. 

Fun Fact am Rande: Der „Ehrenpreis National“ wird traditionell vom Vorjahressieger überreicht. Also Volker Bertelmann. Der  Komponist hatte kurz nach seiner Ehrung den „Oscar“ für die Filmmusik zu „Im Westen nichts Neues“ gewonnen. In Gent wurde er jetzt als „Filmcomposer of the Year“ ausgezeichnet.

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