Der beste Film des Jahres ist ein Remake: „Coda“ ist ein anrührender Film, aber gewiss nicht die ganz große Filmkunst. Ohnehin waren die Filmkünste in diesem Jahr aus der Gala verbannt, weil sowas eh niemanden interessiere. | Foto © Apple

Zum ersten Mal gewann ein Streamer den „Oscar“ für den besten Film. Wichtiger als das Medium sind aber die Preisträgerinnen: Die Hauptpreise für Film und Regie gingen an Frauen. Die diesjährige „Oscar“-Gala war eine Feier der Diversität und ein Absage an Kino. 

Am Sonntag war „Oscar“-Nacht, und alle Gewinner und Nominierten sehen Sie hier [auf Englisch].

Am Freitag sah in der „Frankfurter Rundschau“ Daniel Kothenschulte „Hollywood am Scheideweg“, gar „das Ende einer Ära“: „Während die Academy of Motion Picture Arts and Sciences endlich über ein prächtiges Filmmuseum in Los Angeles verfügt, dürfte es seine begehrten ,Oscars‘ im großen Stil an die möglichen Totengräber des Kinos, die Streamingdienste, verteilen. Die Frage ist nur, ob Netflix oder Apple am Ende mit dem Hauptpreis nach Hause gehen.“

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Vor sieben Jahren erfuhren junge Schauspieler*innen ein Casting als Alptraum. In „The Case You“ erinnern fünf von ihnen das Erlebte. | Foto © Lenn Lamster/Mindjazz Pictures

Im Film „The Case You“ erinnern sich fünf junge Schauspielerinnen an ein Casting, bei dem sie gedemütigt, bedroht und sexuell belästigt wurden. Und vor Gericht klagen sie gegen die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte.

Seit vor fünf Jahren die „MeToo-Bewegung“ loslegte, ist klar: Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe sind auch in der Filmbranche kein Einzelfall. In dem Dokumentarfilm „The Case You“, der zurzeit im Kino läuft, erinnert sich eine Gruppe junger Schauspielerinnen an ein Casting, bei dem sie gedemütigt, bedroht und sexuell belästigt wurden. Der Film war voriges Jahr mit dem „Deutschen Dokumentarfilmpreis“ (in der Kategorie Kultur) und beim Dokfest München mit dem „Student Award“ ausgezeichnet worden. 

Was damals geschah, beschreibt Gabi Sikorski im „Filmdienst“: „Am Anfang stand eine seriös wirkende Casting-Einladung, das Drehbuch war beigefügt. Für die jungen Schauspielerinnen bot sich 2015 die Chance auf eine kleine oder größere Rolle. Mehr als 300 Mädchen und junge Frauen stellten sich vor; viele von ihnen waren noch keine 18 Jahre alt, manche unter 16. Die meisten waren naiv; der Traum von der Filmkarriere wischte alle Bedenken weg. Was dann allerdings auf die Frauen zukam, war ebenso überraschend wie schrecklich. Im Rahmen des Vorsprechens mussten sie sich entkleiden oder wurden dazu genötigt. Männer und Frauen aus dem Team begrapschten sie am ganzen Körper. Sie wurden angebrüllt, bedroht und geschlagen, alles ohne Vorbereitung oder Begründung. Viele weinten, doch niemand kam ihnen zu Hilfe. Ihre offenkundige Hilflosigkeit war Teil des Kalküls.“ 

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Seit einem Jahr ist Crew United auch auf Polnisch online. Die Nutzung ist rasant gestiegen. | Screenshot

Anfang Februar 2021 ging die Website von Crew United Polska online. Irena Gruca-Rozbicka und Anna Rembowska betreuen die polnische Version der Plattform – und ziehen eine kleine Zwischenbilanz.

Seit einem Jahr gibt es Crew United auch in Polen. Wie läuft es nach dem ersten Jahr?
Irena Gruca-Rozbicka: Wir haben heute einen Blick auf die Website-Statistiken geworfen. Es schaut gut aus! Der Verkehr von polnischen Nutzer*innen ist um 445 Prozent gestiegen! Mehrere hundert polnische Filmemacher*innen und Schauspieler*innen haben uns bereits ihr Vertrauen geschenkt. Auf Crew United befinden sich schon fast zweitausend polnische Projekte aller Genres, die von registrierten Nutzern und unserem Redaktionsteam eingetragen wurden. Darunter auch Produktionen, die sich in der Vorbereitungs- und Finanzierungsphase befinden – das ist eine wertvolle Informationsquelle für viele registrierte Nutzer und Unternehmen. 

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Warum sind Filmmütter eigentlich viel zu jung für ihre Söhne? Die ernüchternde Antwort: Es hat etwas mit „Knackigkeit“ zu tun. Darum wird das Spielalter für Schauspieler*innen so weit wie möglich nach oben ausgedehnt. Für diejenigen, die tatsächlich über 30 sind, werden die Rollen knapp. | Grafik © Malisa-Stiftung

Die Sichtbarkeit von Frauen im Deutschen Kino hat zugenommen. Das ist aber auch schon die gute Nachricht. Zur Berlinale präsentierte Pro Quote Film „die gesammelte Gleichstellungs-Schieflage“. Es sei allerhöchste Zeit für eine „feministische Filmpolitik“, meint die neue Kulturstaatsministerin. 

Zum Start der Berlinale prangerte die Initiative Pro Quote Film die Missstände bei der Gleichstellung von Frauen in der Branche an. Im Kanzleramt überreichte die Initiative der neuen Kulturstaatsministerin Claudia Roth „die gesammelte Gleichstellungs-Schieflage“. „Es seien zwar schon messbare Erfolge in den vergangenen Jahren erzielt worden, aber die Liste der Forderungen sei noch lang“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur 

„Die Präsenz von Frauen in den kreativen Schlüsselpositionen der Film- und Fernsehbranche muss zunehmen“, forderte die Regisseurin Esther Gronenborn. Das gilt demnach „insbesondere dort, wo öffentliche Gelder eingesetzt werden“. „SWR Kultur“ sprach mit ihr.  

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Boulevard mit Maske: Die Schauspielerinnen Charlotte Gainsbourg und Emmanuelle Béart geben fleißig Autogramme. Die Berlinale ist nun mal ein Publikumsfest und will das Kino feiern. | Foto © Berlinale

Die Berlinale läuft – ganz in echt und unter Pandemiebedingungen.

In Berlin laufen die 72. Filmfestspiele. Über Filme wird zunächst kaum diskutiert – umso mehr über Sinn und Unsinn eines Festivals in der Pandemie, schreibt Tim Caspar Boehme in der „Taz“. „Der Ton ist mittlerweile ähnlich schrill, wie man ihn längst andernorts in Teilen der sozialen Medien beklagt. […] Darüber geraten zwei normative Appelle auf Kolli­sionskurs: Die Frage nach der Verantwortung für die Gesundheit anderer steht plötzlich gegen die Rettung des Kinos. Zweierlei Dinge mithin, die man besser separat betrachten sollte. […] Durch eine Onlinelösung wie im vergangenen Jahr hätte die Berlinale womöglich riskiert, mit einem weit weniger namhaften Programm dazustehen. Das sind für ein Filmfestival ernsthafte Schwierigkeiten, erst recht für eines der drei wichtigsten, zu denen die Berlinale mit Cannes und Venedig zählt. In übergeordneter Perspektive geht es zudem um die Zukunft des Kinos, für die die Berlinale ein Zeichen setzen soll. Eine Absage des Festivals oder eine Streaminglösung, so die Befürchtung, könnten sich verheerend auf die Bereitschaft auswirken, grundsätzlich wieder und öfter ins Kino zu gehen.“ 

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Einige der Figuren hat es wirklich gegeben, die Handlung ist erfunden: Mit Texttafeln weist die Serie „Eldorado KaDeWe“ drauf hin, dass die Kunst hier Fiktion und Fakten vermischt. Doch die Hertie-Stiftung stört sich an einer Tatsachenbehauptung: Ihr Stifter habe sich unter den Nazis bereichert. | Foto © ARD Degeto/Dávid Lukács

Ist die Serie „Eldorado KaDeWe“ rufschädigend? Das fand zumindest John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, und bescherte sich bei der ARD-Programmdirektorin Christine Strobl. Anlass für eine Podiumsdiskussion zur Aufarbeitung der Geschichte.

An Weihnachten hatte sich die ARD etwas getraut. Die Miniserie „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit“ erzählt eine lesbische Liebesgeschichte in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Die Charaktere sind teils erfunden, teils echt – das berühmte Kaufhaus gibt die Kulisse, hinter der immer wieder auch Stadtansichten von heute auftauchen. 

Ärger gab’s aber nicht wegen der künstlerischen Freiheit, mit der Julia von Heinz hier inszenierte. Das Gegenteil ist der Fall, schildert der Historiker Moritz Hoffmann bei „Übermedien“: Eine der vier Hauptfiguren ist der Kaufhausmanager Georg Karg, und den gab es wirklich. „Karg war der materielle Gewinner der ganzen Geschichte: Als die jüdischen Eigentümer der auch das KaDeWe umfassenden Kaufhausgruppe in den 1930er Jahren aus der eigenen Firma gedrängt wurden, übernahm Karg nach und nach die Anteile an dieser Hertie GmbH und wurde so zum Kaufhausmagnaten der Bonner Republik. Dass Karg aus dem Nationalsozialismus persönlichen und bis in die Bundesrepublik fortwährenden wirtschaftlichen Vorteil gezogen hat, wird aus der Serienhandlung nicht eindeutig klar, kann aber auch nicht einfach ignoriert werden. Vermutlich deshalb ließ Regisseurin Julia von Heinz ganz am Ende der Serie, vor dem Abspann, mehrere Texttafeln einblenden, die das weitere Leben der vier Hauptpersonen skizzieren. Zwei davon sind insgesamt 16 Sekunden lang zu sehen: ,Georg Karg übernimmt das ganze Tietz-Imperium und entschädigt die Familie nach 1945 mit einer geringen Summe.‘ – ,Sein Vermögen fließt in die Hertie-Stiftung. Diese behinderte lange die Offenlegung ihrer Profite aus der Enteignung und Arisierung. Eine weitere Studie zur Aufarbeitung wurde 2020 in Auftrag gegeben.‘“

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Analog, hybrid oder digital? Dahinter steckt auch die Frage, was eigentlich ein kollektives Filmerlebnis ausmacht: Wenn möglichst viele Menschen im Kino beieinander sitzen oder wenn sehr viel mehr Menschen den selben Film sehen können – überall auf der Welt? Szene aus dem Forum-Film „Nuclear Family“. | Foto © Creative Agitation

Am Donnerstag beginnt die Berlinale. Und zwar als reine Präsenzveranstaltung. Das hatte für kontroverse Reaktionen gesorgt. 

Die läuft Berlinale läuft wieder – als reine Präsenz-Veranstaltung. Ein Online-Angebot wird es nicht geben. Das ist Realitätsverweigerung, findet die Filmkritikerin Anna Wollner in ihrem Kommentar beim RBB und fordert: „Sagt die Berlinale ab!“ Man habe versäumt, auf ein Hybrid- oder Online-Festival umzusteigen. „Auf dem von Wissenschaftlern prognostizierten Peak der Welle wird der Potsdamer Platz zum Ort eines Präsenz-Filmfestivals. Ein Ort der Begegnung. Bei einem Filmfestival geht es nicht nur um das kollektive Erleben von Filmen auf der großen Leinwand, es geht um den Austausch miteinander. Ein Austausch, der in diesem Jahr nur einer sehr privilegierten Gruppe zustehen wird. […] Als Journalist*in auf die Berlinale zu gehen, ist wie Russisch Roulette spielen. Die Kolleg*innen, die am letzten Tag noch einen negativen Test vorweisen können, sollten mit einem Ehrenbären ausgezeichnet werden. Ja, das Kino und die Kultur brauchen starke Zeichen. Aber kein Film, vor allem kein Filmfestival der Welt ist es wert, die eigene Gesundheit und die der anderen leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Sollte die Berlinale zum Superspreader-Event werden, ist ihr Ruf – auch international – wohl endgültig ruiniert.“

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Alle reden von der Filmkunst. Doch deren Verleiher wurden in der Pandemie vom Fördersystem im Stich gelassen. Björn Koll, Geschäftsführer von Salzgeber, hat einen sehr Offenen Brief geschrieben. | Foto © Salzgeber

In zwei Jahren Pandemie haben sich die Filmförderungen für das Kino stark gemacht. Doch die Filmverleiher werden im Regen stehen gelassen – zumindest jene, die auch „etwas schwierigere Filme und Themen“ im Kino möglich machen wollen. In einem Offenen Brief  erklärt Björn Koll, Geschäftsführer von Salzgeber, die Unsinnigkeiten des Fördersystems. Hier der Text in ganzer Länge:

Liebe Filmemacherinnen und Filmemacher, liebe Produzentinnen und Produzenten,

seit fast 40 Jahren sind wir bei Salzgeber ein hoffentlich guter, verlässlicher und treuer Partner für Eure Filme und gemeinsam haben wir gerade auch für den deutschen Nachwuchs, die Dokumentarfilme und die etwas schwierigeren Filme und Themen vieles im Kino möglich gemacht und schöne Erfolge feiern können. Nun landen hier immer mehr Projekte auf meinem Schreibtisch: Ihr wollt einen neuen Film drehen, habt vielleicht schon eine erste Förderung bekommen und benötigt nun einen Verleihvertrag, um es mit den nächsten Bausteinen der Finanzierung einfacher zu haben oder gar DFFF-Mittel zu erhalten. Ich sage Euch immer häufiger ab und ganz zurecht verdienen diese nicht-inhaltlichen Absagen eine Begründung:

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Pyjama-Party mit Prinzessinnen in „Ralph reicht’s 2“. Disney hat bald für jeden Herkunftshintergrund die passende Identifikationsfigur – und retten können die sich inzwischen schon selber. Doch Diversität sieht anders aus, wenn man’s ernst meint. | Foto © Disney

So geht’s, wenn man’s mit der Diversität nicht richtig ernst meint: Disney will „Schneewittchen“ neu verfilmen und feierte seine erste „Latino-Prinzessin“. Doch die sieben Zwerge hatte man irgendwie übersehen. Der kleinwüchsige Schauspieler Peter Dinklage zeigte sich öffentlich „ein bisschen sprachlos“, warum man „diese verdammt noch mal rückwärtsgewandte Geschichte über sieben Zwerge“ überhaupt nochmal erzählt. 

An seinen Prinzessinnen hat Disney über die Jahre schwer gearbeitet. Seit den 1990er-Jahren kamen welche aus nahen und dem fernen Osten und aus dem Pazifik  hinzu, sogar eine amerikanische Ureinwohnerin wurde zur Titelheldin, und vor zwölf Jahren durfte erstmals eine Schwarze Prinzessin den Frosch küssen. Selbstbewusster und unabhängiger wurden die Prinzessinnen – der Unterhaltungskonzern ging mit der Zeit: „Die Eiskönigin“ von 2013 hatte locker den „Bechdel-Test“ bestanden. 

Nur am Aussehen hat man kaum gearbeitet. Die Prinzessinnen-Riege sieht immer noch aus wie frisch von der Barbie-Akademie, ein Pummelchen wie in „Lilo und Stitch“ ist die Ausnahme. Und wird auch nicht zur Pyjama-Party eingeladen, wenn man sich etwa in „Ralph reicht’s 2“ über die eigenen Klischees lustig macht. Mehr aber auch nicht, und darum endet hier der märchenhafte Teil der Geschichte. Denn die Prinzessinnen sind zwar inzwischen so international wie ihre Zielgruppe – doch so richtig scheint man das doch nicht ernst zu nehmen, und „bessert“ lieber plastisch am Erscheinungsbild nach, wie die Reaktionen auf die Pyjama-Party vor drei Jahren zeigten.    

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Fünf Jahre lang war Rainer Weiland in der Geschäftsführung der Internationalen Filmschule Köln. Seit einem Jahr leitet er das Mediengründerzentrum NRW – und hat noch einiges vor: Im September startete mit „Sheroes“ ein „Empowerment-Programm“. Bislang hatten sich nämlich wesentlich weniger Frauen als Männer um ein Starthilfe-Stipendium beworben. | Foto © Mediengründerzentrum NRW/Hojabr Riahi

Seit 15 Jahren hilft das Mediengründerzentrum NRW dem Nachwuchsproduzent*innen beim Start in die Praxis. Und dabei geht’s nicht so sehr ums Geld – viel wichtiger seien das Know-how und das Netzwerk, erklärt Geschäftsführer Rainer Weiland die Erfolgsgeschichte.

Herr Weiland, das Mediengründerzentrum NRW wurde im vorigen Jahr 15. Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnen Sie es selbst: Fast 200 junge Unternehmen haben Sie bislang mit Stipendien gefördert, 90 Prozent Ihrer Stipendiat*innen hätten sich langfristig am Markt etabliert und mehr als 300 Auszeichnungen erhalten – bis hin zum „Europäischen Filmpreis“. Wie hat das Mediengründerzentrum dazu beigetragen?
Das beginnt sicherlich bei der richtigen Auswahl. Das MGZ beruft dazu jedes Jahr eine hochkarätige Jury. In unserer aktuellen Jury sitzen neben Claudia Steffen, Geschäftsführerin von Pandora Film, Julia Pfiffer, Geschäftsführerin von Astragon Entertainment, Tobias Schiwek, CEO von We Are Era, sieben weitere erfahrene Vertreter*innen der Medienbranche.  Unsere Jury nimmt sich viel Zeit, um aus den vielen guten Bewerbungen die allerbesten auszuwählen. Wer also zum Kreis unserer Stipendiat*innen zählt, hat schon vor Beginn des Programms  ein anspruchsvolles Verfahren durchlaufen.
Die generelle Erfolgsformel des Mediengründerzentrums NRW ist vermutlich der Mix aus finanziellem Anreiz, einem passgenauen Seminarangebot zu betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und branchenbezogenen Themen, einem individuellen Coaching und aus einem sehr starken Netzwerk, in dem insbesondere erfahrene Mentor*innen aus der Medienbranche den Gründer*innen zur Seite stehen. Viele unserer Alumni sagen uns, der Gründungszuschuss sei zwar ganz schön, aber viel wichtiger sei das Know-how und das Netzwerk für sie gewesen.

Ihre Stipendien gehen an Produzent*innen, die in der Regel bereits eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen haben. Sie waren fünf Jahre selbst Geschäftsführer der Internationalen Filmschule Köln (IFS). Was bringen Sie den Stipendiat*innen bei, das an den Filmhochschulen nicht gelehrt wird?
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In „Servus Bayern“ flüchtete Herbert Achternbusch 1978 nach Grönland, weil es dort nicht so kalt ist wie dahoam. | Screenshot.

Mit seinen Filmen hat sich Herbert Achternbusch an Bayern abgearbeitet. Fürs breite Publikum waren sie nichts, für Aufsehen sorgte seine Hassliebe zur Heimat dennoch. Vorige Woche ist der Künstler mit 83 Jahren gestorben. Am 10. Januar ist er mit 83 Jahren gestorben. 

Mehr als 30 Filme hat Herbert Achternbusch gedreht, an die 50 Bücher und 20 Theaterstücke geschrieben. Fürs breite Publikum waren sie nichts, obwohl der Künstler gerne mit Karl Valentin verglichen wurde. Für Aufsehen sorgte seine  Hassliebe zur Heimat dennoch. „In Bayern mag ich nicht mal gestorben sein“, ließ Achternbusch 1978 einen seiner Filmhelden in „Servus Bayern“ sagen. Prompt verweigerte die Landesregierung ihm die Förderung. Nicht zum letzten Mal, schildert die „Taz“: „Seine oft mit geringem Aufwand gedrehten Filme nahmen regelmäßig die so unangepasst-subversive wie obrigkeitshörige und bigotte bayerische Volksseele aufs Korn. In ,Der Depp‘ (1983) ließ er seinen Lieblingsfeind Franz Josef Strauß vergiften, im halbdokumentarischen ,Bierkampf‘ rechnet er mit einem bayerischen Heiligtum ab: dem Oktoberfest.“ Als er in ,Das Gespenst‘ Jesus Christus vom Kreuz herabsteigen lässt, um mit Maria eine Kneipe zu eröffnen, war für dem gerade neu ernannten Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann die Maß voll: Der CSU-Politiker verweigerte dem Regisseur das Preisgeld für seinen Film „Das letzte Loch“, der ein „Filmband in Silber“ (den heutigen „Deutschen Filmpreis“) gewonnen hatte. Im Jahr darauf lehnte Zimmermann auch die Förderung des Films „Der Wanderkrebs“ ab. 

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Roland Dressel beim Dreh von „Wengler & Söhne – Eine Legende“. | Foto © Defa-Stiftung/Wolfgang Ebert

Roland Dressel war einer der bedeutendsten Filmkameramänner der Defa. Rund 30 Filme hatte er bis zum Ende der DDR gedreht, im wiedervereinigten Land gewann er den „Deutschen Filmpreis“. Am 5. Dezember ist er mit 90 Jahren gestorben.

Geduldig, engagiert und leise – so würdigt der Berufsverband Kinematografie (BVK) „einen der bedeutendsten Filmkameramänner der Defa“: Am 5. Dezember ist Roland Dressel mit 90 Jahren gestorben. „Ein hellwacher Beobachter seiner Umgebung und ein künstlerisch Wagemutiger, der nach der ,Wende‘ – wie so viele Filmschaffende aus der Defa – im westdeutsch geprägten Medienbetrieb des neu-vereinten Landes völlig zu Unrecht keine angemessene öffentliche Wahrnehmung mehr erfuhr. Wir alle müssen uns zurechnen lassen, daß ein bedeutender Teil des deutschen Filmschaffens weitgehend vergessen ist.“ Filmgeschichte machte er trotzdem. Und so ganz kam auch das vereinte Deutschland nicht an Dressel vorbei. Für „Abschied von Agnes“ (Regie: Michael Gwisdek) erhielt er 1994 den „Deutschen Filmpreis“.

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Auf Instagram gratulierte der Pianist Igor Levit der kommenden Kulturstaatsministerin Claudia Roth. „Weil Du für Menschen, Kunst und Kultur brennst. Und für sie da bist. Immer.“ Er sei froh und glücklich, dass sie „diese so wichtige Rolle in dieser Zeit“ übernimmt. Die Kommentare zeigen: Nicht nur er setzt Hoffnungen in die Neue. | Screenshot

Für viele war es eine Überraschung: Beim Ministerien-Bingo der kommenden Regierung fiel die Kultur an die Grünen. Claudia Roth soll die nächste BKM werden.  

Es ist eine Ampel! Vorigen Mittwoch haben sich SPD, Grüne und FDP auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Eine Überraschung gab’s bei der Nachfolge der BKM, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, kurz Kulturstaatsministerin: Claudia Roth von den Grünen wird das Amt übernehmen. Auf Instagram gratulierte der Pianist Igor Levit: „Weil Du für Menschen, Kunst und Kultur brennst. Und für sie da bist. Immer.“ Er sei froh und glücklich, dass sie „diese so wichtige Rolle in dieser Zeit“ übernimmt. Die Kommentare zeigen: Nicht nur er setzt Hoffnungen in die Neue. 

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Sonja Hofmann ist in der Filmszene des Bundeslands gut vernetzt: Sie ist Geschäftsführerin des Filmbüros NW und wirkt als Kuratorin und Mitveranstalterin seit anderthalb Jahrzehnten in der Kölner Filmfestivalwelt. | Foto © Guido Schiefer

Am Dienstag startet das Kinofest Lünen – mit neuen Veranstaltern und einer neuen künstlerischen Leitung: Sonja Hofmann erklärt, was mit dem Neustart anders werden soll – oder auch nicht.

Frau Hoffmann, Sie haben in diesem Jahr die künstlerische Leitung beim Kinofest Lünen übernommen. Was wird sich ändern?
Wir legen insgesamt einen stärkeren Fokus auf Kinoproduktionen. Zudem haben wir die Preise, die das Kinofest vergibt, auf die Wettbewerbe fokussiert, höher dotiert und damit aufgewertet. Die bewährte Tradition als Festival des Deutschen Films führen wir fort.
Im Wettbewerb präsentieren wir aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme vor dem Kinostart, teils als NRW-Premiere wie bei den Filmen „Monday um Zehn“ und „Trübe Wolken“; zudem zeigen wir einige tolle Highlights aus dem diesjährigen Kinojahr, die noch nicht in Lünen zu sehen gewesen sind, wie die Spielfilme „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“, „Nö“ oder „Schachnovelle“ und die Dokumentarfilme „Hinter den Schlagzeilen“ oder „Das neue Evangelium“. 

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Quoten helfen, meint das Österreichische Filminstitut. Sein neuer „Film Gender Report“ zeigt zwar nur leichte Verbesserungen. Wo aber ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis gefördert wurde, wann die Fortschritte erheblich größer. | Screenshot

„Je mehr Geld, desto weniger Frauen“ – das Österreichische Filminstitut hat seinen zweiten „Film Gender Report“ vorgestellt. Nur ein Viertel aller Fördermittel in Regie, Drehbuch und Produktion gingen an Frauen. Das sei zwar besser als vor vier Jahren, aber noch viel zu wenig. Das ÖFI sieht das als Bestätigung für eine 50/50-Quote bei seiner Förderung.

Frauen werden in Österreichs Filmbranche nach wie vor benachteiligt. Das ist das Ergebnis des zweiten „Film Gender Report“, den das Österreichische Filminstitut (ÖFI) am Donnerstag vorgestellt hat. Das ÖFI hatte das heimische Filmschaffen auf die Geschlechtergerechtigkeit hin untersuchen lassen. Der Bericht, der mit der Universität Innsbruck umgesetzt wurde, befasst sich mit den Daten von elf Förderinstitutionen (darunter auch das ÖFI) von 2017 bis 2019 – insgesamt rund 1.400 Projekte. Bei den österreichischen Kinofilmen wurden sogar alle 159 Titel, die zwischen 2012 und 2019 in den Kinos starteten, quantitativ analysiert, darüber hinaus wurde der Filminhalt von zwölf Filmen aus diesem Sample qualitativ untersucht.

Der Bericht zeige „ein ambivalentes Bild“: Nur ein Viertel aller Fördermittel in Regie, Drehbuch und Produktion ging an Frauen. Für den Bereich der Herstellungsförderung sei dies zwar ein Anstieg von vier Prozentpunkten im Vergleich zum Berichtszeitraum des ersten „Film Gender Reports“ für die Jahre 2012 bis 2016.  „Trotzdem gingen große Förderbeträge vor allem an männlich verantwortete Projekte. Nach wie vor gilt also: Je mehr Geld, desto weniger Frauen.“ 

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