Creator, Headwriter, Showrunner …

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Im Writers’ Room von „Breaking Bad“. „Wer Serien kreiert, tut dies schreibend“, sagt der Deutsche Drehbuchverband. | Foto © AMC

Bei deutschen Serien werden die Credits oft noch unscharf benutzt. Der Drehbuchverband hat jetzt einen „Branchenstandard“ für die Berufsbezeichnungen vorgelegt. 

Der Deutsche Drehbuchverband (DDV) will den Wildwuchs an Funktionen in der Serienproduktion lichten. Dazu legte er heute einen Praxisleitfaden vor, der nichts weniger als „Branchenstandard in Deutschland für Credits und Berufsbezeichnungen“ sein soll. Der Leitfaden wurde im Austausch mit der Writers Guild of America (WGA) und der FSE (Federation of Screenwriters in Europe) erarbeitet, „um deutsche Gepflogenheiten den internationalen Standards anzugleichen und zukunftsfähig zu machen“, erklärt der DDV. Das vorangestellte 10-Punkte-Papier fasst das wesentliche Prinzip zusammen: „Im Zentrum der Serienentwicklung steht der/die schreibende Autor*in, der/die unterschiedliche Funktionen und Aufgaben übernehmen kann. Showrunner, Creator und Headwriter sind dabei Funktionen, die Drehbuchautor*innen vorbehalten bleiben. Wer Serien kreiert, tut dies schreibend.“
Laut DDV-Leitfaden umfasst das Creating „die Grundidee, die Vision und das Konzept der Serie, das Zusammenspiel von Thema, Erzählbögen, Figuren und emotionalen Bögen, Setting und Tonalität, entweder im Serienkonzept, im Pilotbuch oder beidem“. Headwriter seien die „Schnittstelle zu Verwerter und Produktion in Bezug auf die Bucherstellung im Writers’ Room. Sie leiten auf Basis der wesentlichen Ursprungsdokumente die Entwicklung der Drehbücher, überarbeiten sie und verantworten die Bücher bis zum Dreh.“ Showrunner werden definiert als „Autor*innen – in der Regel erfahrene Headwriter – die in Vor- und Postproduktion sowie während des Drehs die kreative Vision der Serie verantworten, indem sie auch die dafür relevanten produzentischen Aufgaben übernehmen“. Dafür sollten sie einen „angemessenen produzentischen Credit“ erhalten, international üblich sei „Executive Producer”.
Das könnte Ärger geben, ahnt Torsten Zarges bei „DWDL“. „Im Kern geht es darum, die Titel, die so enorme Begehrlichkeiten auslösen, für Autorinnen und Autoren zu reservieren. […] Damit will der DDV andere Gewerke in die Schranken weisen, insbesondere Produzenten und Regisseure, die sich gelegentlich gern mit den genannten Titeln schmücken. Zwar stehen hinter dem Gros der deutschen Serien, die überhaupt Creator oder Showrunner ausweisen, ganz offiziell Autoren, die auch mindestens eines der Drehbücher schreiben. Doch der Gebrauch der Begriffe erfolgt mitunter unscharf. […] ,Wir haben den Anspruch, unser Berufsbild selbst zu definieren. Wir haben es nicht so gern, wenn andere meinen, das für uns tun zu müssen’, sagt Johannes Betz, stellvertretender DDV-Vorstand“.
Eine präzise Definition der Tätigkeiten führe auch zu einem viel reibungsloseren Entwicklungs- und Herstellungsprozess, sagt Marianne Wendt. Die „Drehbuch-Professorin an der Filmuni Babelsberg hat zuletzt zwei Serien im vollen Dreiklang als Creator, Headwriter und Showrunner verantwortet […]. ,Weil die Serie bei uns lange Zeit so stiefmütterlich behandelt wurde, gibt es kein eingeübtes System, auf das wir zurückgreifen können’, glaubt Wendt. ,Deshalb haben wir unsere Erfahrungen der letzten Jahre und etablierte internationale Modelle zusammengeführt, um eine Grundlage zur branchenweiten Verständigung über wesentliche Funktionen und Aufgaben zu schaffen. Nachdem deutsche Serien erfreulicherweise international anschlussfähig geworden sind, sollten wir das auch für unsere Begrifflichkeiten anstreben. Mit einer rein deutschen Erfindung wie ,Creative Producer’ kann im Ausland niemand etwas anfangen.“

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