Drehbuchstreik: Gig-Economy in Hollywood

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Erster Streiktag bei Netflix. Die anderen Gewerkschaften zeigen sich solidarisch mit den Drehbuchautor*innen. | Foto © Eric Kelly/WGA

Hollywood liegt lahm. Seit einem Monat streiken die Drehbuchautor*innen. Denn schon längst ist ein Umbruch im Gange, der an ihre Existenz geht. 

Seit Anfang Mai streiken die Drehbuchautor*innen in Hollywood. Worum es geht, hatte Deutschlandfunk Kultur schon damals detailliert beschrieben. 

„Die Gewerkschaft verlangt, dass sogenannte generative KI, etwa ChatGPT, nicht zur Umschreibung bestehender Werke oder zur Neuerschaffung genutzt werden darf. Doch die Hollywoodbosse haben klargestellt, dass sie nicht bereit sind, über diesen Punkt auch nur zu reden“, schreibt Axel Postinett im „Handelsblatt“. Doch die KI ist auch nur Teil eines Umbruchs, der schon längst im Gange ist und das gesamte Gewerk bedroht:

„Der Streamingdienst ,Max’ von Warner Brothers (früher HBO) verzichtete plötzlich auf die bislang branchenweit übliche Nennung von Künstlern und Mitwirkenden inklusive deren Funktion. Stattdessen gab es nur noch eine unkommentierte Liste von Namen unter dem Titel ,Creatives’. Die Gewerkschaft der Regisseure in Hollywood sprach von einer ,unfassbaren Missachtung’ und ,Beleidigung’. […] Nicht alle Äußerungen aus der Branche zu diesem Vorgang sind zitierbar. Max lenkte schließlich ein […]. Die Schreiber glauben nicht an einen Zufallsfehler. Die Unternehmen hätten eine ,Gig-Economy’ innerhalb einer gewerkschaftlich organisierten Industrie geschaffen, lautet der Vorwurf der Gewerkschaft WGA. Der Begriff ,Gig Economy’ entstand im Silicon Valley und bezeichnet dort das System schlecht bezahlter Subunternehmer mit einem niedrigen Niveau an sozialer Absicherung, wie es bei den Unternehmen Uber, Lyft oder Doordash der Fall ist. Die Verhältnisse in Hollywood nähern sich dem an. Im linearen TV hatte eine Serie im Schnitt 20 oder mehr Folgen pro Staffel. Entsprechend langfristig waren die Verträge der Autoren. Die Serien bei den Streaminganbietern haben dagegen eher acht Folgen. Die Texter bekommen oft nur einen Vertrag für eine einzelne Folge. Die Honorare sind gesunken. Hinzu kommt, dass erfolgreiche TV-Serien exportiert und wiederholt wurden, wodurch auch die Autoren zusätzliche Tantiemen einnehmen konnten. Bei den Streamingdiensten gibt es das nicht. […] In den Kreativteams von TV-Shows sitzen bis zu 14 Profis, die Dialoge und Gags ausarbeiten. Die Teams bei den Streaminganbietern bestehen meist nur aus vier oder fünf Personen.“ 

Nach einem Monat zeigt der Streik seine Wirkung, schreiben Regine Pfaff und Uwe Mantel bei „DWDL“. Mit Ausnahme von Reality-Produktionen stehe Hollywood weitgehend still – und eine Lösung scheint nicht in Sicht. Die großen Produktionsstudios sehen sich „einer Front an Gewerkschaften gegenüber, die so geeint zu sein scheinen wie lange nicht. Zumindest versichern sich alle in Solidaritätsadressen derzeit gegenseitig ihre Unterstützung. Tatsächlich streiken bislang nur die Autorinnen und Autoren (Gewerkschaft WGA), doch auch mit der Regie-Gewerkschaft DGA wie auch der SAG-AFTRA als Vertretung der Schauspielerinnen und Schauspieler müssen in den nächsten Wochen neue Verträge abgeschlossen werden. […] Ein Problem für die Hollywood-Studios ist dabei auch, dass die öffentliche Meinung derzeit wohl ziemlich klar auf Seiten der Gewerkschaften ist. In dieser Woche stimmten die Netflix-Aktionäre gegen die Genehmigung der Vergütungs-Pakete für die Netflix-Führungskräfte. Die Gewerkschaft der Autorinnen und Autoren hatte dazu im Vorfeld aufgefordert, solange Netflix nicht einer aus ihrer Sicht fairen Bezahlung der Autorinnen und Autoren zustimmt, ein ähnlicher Appell erging an die Aktionäre von NBC-Mutter Comcast. Es ist ein gleichwohl nur symbolischer Schritt […].“

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