Mit Abstand und unvollständig präsentiert sich die Wettbewerbs-Jury der Berlinale im leeren Kinosaal. | © Alexander Janetzko/Berlinale

… erwarten die Filmkritiker im Land. Denn heute beginnt die 71. Berlinale. Aber irgendwie nicht so richtig. Ein Überblick des Bedauerns.

„Ohne Kinos, Publikum, roten Teppich oder Stars. Kritiker dürfen online schauen“ – die „Taz“ hat wenig Freude an der diesjährigen Berlinale: „Derweil fehlt all das, was die Berlinale sonst ausmacht: das Treiben am Potsdamer Platz, die Hysterie, die sich beim gemeinsamen geballten Dauergucken einstellt, die Begegnungen am Rande, selbst die üblichen Bären und großflächig verteilten Plakate in der Stadt. Auch der spontane Austausch untereinander fehlt …“ Das Fazit schon vor dem Start: „Es wird ein Durchhaltefestival gewesen sein. Auf einer Reise ins Ungewisse.“

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Eine halbe Stunde debattierte der Bundestag heute über Chancengleichheit in der Kultur. Angenommen wurde der Antrag der Regierungsfraktionen. Die Linke würde weiter gehen. | Screenshot

Auch in der Kultur verdienen Frauen schlechter als Männer. Die Unterschiede seien sogar „erschreckend groß“, sagt der Deutsche Kulturrat. Heute debattierte der Bundestag über Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien.

Anträge zur Geschlechtergerechtigkeit in der Kulturarbeit hat der Bundestag heute erstmals beraten. Angenommen wurde der Antrag von CDU/CSU und SPD mit dem Titel „Geschlechtergerechtigkeit in Kultur und Medien verwirklichen“. „Die Einkommensunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten bezeichnet der Deutsche Kulturrat als ,erschreckend groß’. Besonders gravierend sei, dass vielfach bereits die unter 30-Jährigen in der Künstlersozialversicherung versicherten Künstlerinnen ein geringeres Einkommen erzielen als die männlichen Künstler“, heißt es in dem Antrag. „Der Gender-Pay-Gap ist eine wesentliche Ursache für Altersarmut von Frauen. Eine Ursache für den Gender-Pay- Gap ist der ,Gender-Show-Gap‘. Werke von Frauen werden weniger gezeigt, aufgeführt, präsentiert oder besprochen. Daraus folgt eine geringere Marktpräsenz.“

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Am Freitag kommt die 11. Folge der UFM-Talks. Dann spricht Ludwig Sporrer (links unten, dann gegen den Uhrzeiger) mit der Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Die Grünen), dem Regisseur David Wnendt und Oliver Zenglein von Crew United. | Screenshot

Beim Unified Filmmakers Festival können Filmschaffende ihre „persönlichen Geschichten über diese außergewöhnliche Zeit“ erzählen. Die Festivalmacher*innen wollen vor allem eine Plattform zum Austausch bieten: Jede Woche laden sie Film- und Kulturschaffende unterschiedlichster Richtungen zum Online-Talk.

Unter dem Eindruck der Pandemie entstand das Unified Filmmakers Festival: „Kein anderes Ereignis hat uns in den vergangenen 70 Jahren die Schwäche unserer Gesellschaft so klar vor Augen geführt wie die Covid-19-Pandemie.“ Grund genug, ein Festival zu starten, das Filmschaffenden rund um die Welt Gelegenheit gibt, ihre „persönlichen Geschichten über diese außergewöhnliche Zeit“ zu erzählen.  Die Ausschreibung für Kurzfilme aller Genres bis 20 Minuten Länge läuft noch bis zum 31. März.

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Traditionell startet das neue Jahr mit der Bekanntgabe der Nominierten für den Fair Film Award. Herzlichen Glückwunsch an die fünf Produktionsfirmen: Amusement Park Film GmbH, Seven Dogs Filmproduktion GmbH , Claussen+Putz Filmproduktion GmbH (Siegerin 2019) und die X Filme Creative Pool GmbH.

Die schon oft nominierte und im Jahr 2019 siegreiche Bantry Bay Productions GmbH , ist sogar wie schon im letzten Jahr in beiden Rubriken mit einem Projekt nominiert. Wow!

Alle Mitarbeiter*innen und Firmen, die an den nominierten Projekten mitgewirkt haben und diese noch nicht bewertet haben, können dies bis einschließlich 31.1.2021 in ihrem Crew United Profil nachholen.

NOMINIERT IN DER KATEGORIE SPIELFILM

Nebenan / The Next Door, Kinospielfilm, Durchschnitt: 1.27
Amusement Park Film GmbH
Transparenz, Verantwortung und Fürsorge in der Corona-Krise: 1.08, Vertrag, Gagen und Entgelte: 1.23, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz: 1.15, Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und berufliche Entwicklung: 1.33, Kommunikation und Arbeitsklima: 1.23, Professionalität und Qualifizierung: 1.23, Umgang mit Drehorten und Motivgebern: 1.36, Ökologie, Umwelt und Klima: 1.38, Diversität: 1.6

Meine Mutter ist verknallt, TV-Film aus Reihe, Durchschnitt: 1.39
Bantry Bay Productions GmbH
Transparenz, Verantwortung und Fürsorge in der Corona-Krise: 1.39, Vertrag, Gagen und Entgelte: 1.33, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz: 1.18, Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und berufliche Entwicklung: 1.29, Kommunikation und Arbeitsklima: 1.28, Professionalität und Qualifizierung: 1.18, Umgang mit Drehorten und Motivgebern: 1.18, Ökologie, Umwelt und Klima: 1.87, Diversität: 1.6

Frühling – Mit Regenschirmen fliegen, TV-Film aus Reihe, Durchschnitt: 1.52
Seven Dogs Filmproduktion GmbH
Transparenz, Verantwortung und Fürsorge in der Corona-Krise: 2.08, Vertrag, Gagen und Entgelte: 1.17, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz: 1.42, Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und berufliche Entwicklung: 1.25, Kommunikation und Arbeitsklima: 1.5, Professionalität und Qualifizierung: 1.58, Umgang mit Drehorten und Motivgebern: 1.4, Ökologie, Umwelt und Klima: 1.7, Diversität: 1.33

NOMINIERT IN DER KATEGORIE SERIE

Biohackers, TV-Serie, Durchschnitt: 1.23
Claussen+Putz Filmproduktion GmbH
Transparenz, Verantwortung und Fürsorge in der Corona-Krise: 1.08, Vertrag, Gagen und Entgelte: 1.21, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz: 1.33, Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und berufliche Entwicklung: 1.08, Kommunikation und Arbeitsklima: 1.3, Professionalität und Qualifizierung: 1.14, Umgang mit Drehorten und Motivgebern: 1.1, Ökologie, Umwelt und Klima: 1.8, Diversität: 1.56

Tina mobil, Miniserie, Durchschnitt: 1.33
X Filme Creative Pool GmbH
Transparenz, Verantwortung und Fürsorge in der Corona-Krise: 1.09, Vertrag, Gagen und Entgelte: 1.27, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz: 1.09, Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und berufliche Entwicklung: 1.22, Kommunikation und Arbeitsklima: 1.18, Professionalität und Qualifizierung: 1.36, Umgang mit Drehorten und Motivgebern: 1.27, Ökologie, Umwelt und Klima: 1.9, Diversität: 1.6

Tonis Welt, Serie, Durchschnitt: 1.46
Bantry Bay Productions GmbH
Transparenz, Verantwortung und Fürsorge in der Corona-Krise: 1.41, Vertrag, Gagen und Entgelte: 1.47, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz: 1.44, Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und berufliche Entwicklung: 1.33, Kommunikation und Arbeitsklima: 1.41, Professionalität und Qualifizierung: 1.19, Umgang mit Drehorten und Motivgebern: 1.4, Ökologie, Umwelt und Klima: 2.0, Diversität: 1.36

Die Auswertung aller Projekte, die von mindestens 15 Mitwirkenden benotet wurden, ist hier zu finden: https://www.crew-united.com/downloads/fairness/2021_FairFilmAwardFiction_Auswertung.pdf

Wo, wie und wann wir die Preise überreichen werden, ist wegen der aktuellen Situation leider noch nicht absehbar.

Das passiert, wenn man den Louvre zu lange geschlossen lässt! | Grafik © Patrick Ruth

Das  wär doch was als Erkenntnis aus dem Corona-Jahr: Die Kultur soll ins Grundgesetz, fordert eine Petition mit prominenter Unterstützung. Mit einigen guten Meldungen verabschieden wir uns in die Winterpause.

Doch hier erstmal der Link zum Facebook-Post unseres Titelbilds.

Und zum zweiten etwas in eigener Sache: Dies ist die letzte Brancheninfo in diesem Jahr. Wir nutzen die Winterpause, unseren Newsletter fürs kommende Jahr herauszuputzen. Im Januar stellen wir uns in neuem Gewand und mit neuem Konzept vor, um Ihnen regelmäßig einen Überblick zu bieten, was die Branche bewegt. Auch über Corona hinaus. Weshalb das Virus zumindest aus dem Titel verschwinden wird, so viel können wir schon versprechen – und „cinearte“ klingt ja auch viel besser. Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und einen guten Start in ein besseres Jahr!

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So heftig ist der Corona-Filmriss: Die „Wirtschaftswoche“ zeigt’s mit einer einfachen Infografik. | Screenshot

In Deutschland kämpfen mehr als tausend deutsche Filmtheaterunternehmen um ihre Zukunft. Der zweite Lockdown bedroht die deutschen Kinos in ihrer Existenz. Wie schlimm es steht, zeigt die „Wirtschaftswoche“ mit einer simplen Infografik.

 

Filmemachen ist Teamarbeit. Trotzdem erhalten zumeist die Regisseur*innen die Lorbeeren, obwohl es ohne Drehbuch gar keinen Film gäbe. Spricht man mit Autor*innen, hört man fast immer Klagen, allerdings stets mit der Bitte verbunden, sie nicht namentlich zu zitieren, damit sie nicht auf einer Schwarzen Liste landen, berichtet „Menschen machen Medien“. Dieses Schicksal werde jetzt wohl auch Christoph Fromm blühen  – der Drehbuchautor rechnet in seinem satirischen Roman „Das Albtraumschiff“ mit der TV-Branche ab: Seine Hauptfigur ist ein einst gefeierter Autor, dessen Hauptarbeit nun darin besteht, seine Werke gegen ahnungslose Redakteure und überschätzte Schauspieler zu verteidigen. Das sei zwar teilweise auch ins Groteske verzerrt, erklärt Fromm im Vorwort, aber hinter der satirischen Überspitzung schimmere eine Wahrheit durch, die viele seiner Kollegen unterschreiben würden.
Die meisten Ereignisse, ergänzt der Artikel, stammten aus den Jahren 2015 bis 2017. „Seither hat sich in der Branche jedoch Einiges getan. Viele Autoren haben sich zu ,Kontrakt ’18’ zusammengeschlossen; die Initiative fordert unter anderem einen größeren Einfluss der Verfasser auf den fertigen Film.“ An dieser Situation habe sich nichts geändert, sagt Fromm: „Die allermeisten Unterzeichner der Petition können Forderungen wie die Kontrolle über das eigene Drehbuch oder ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Regisseurs in der Praxis niemals durchsetzen“ und „kritische, innovative Geister werden noch rigoroser aussortiert.“  Die „Quotengeilheit aller Sender“ habe ohnehin zur Folge gehabt, dass es „keinerlei Qualitätsunterschiede“ mehr zwischen den Angeboten von ARD, ZDF und den Privatsendern gebe. Sein Buch wirft den Sendern vor, jahrelang einen „Kult der Dummheit“ gepflegt zu haben, der letztlich dafür verantwortlich sei, dass „die Demokratie den Bach runtergeht“.

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2020 war „ein beschissenes Jahr“ für Europas Filmschaffende. An den Filmen lag’s nicht. Am Wochenende wurden in einer virtuellen Mini-Gala die „Europäischen Filmpreise“ verliehen. | Screenshot

Es kann ja immer noch schlimmer gekommen. Der verlängerte Lockdown wird weiter verlängert und noch strenger. Und in all der Sorge ums Weihnachtsfest ging die jährliche Glanzstunde des Europäischen Films etwas unter. Obwohl das ja auch vor Corona nicht so viel anders war. Wir gratulieren den Nominierten und Preisträger*innen umso mehr. 

Beim „Europäischen Filmpreis“ sahnte am Wochenende vor allem einer ab: Die Tragikomödie „Der Rausch“ erzählt von vier Männern, die sich konstant betrinken, um die Möglichkeiten des Alkohols auszutesten. Thomas Vinterberg aus Dänemark wurde für die beste Regie, den besten Film und das beste Drehbuch (zusammen mit Tobias Lindholm), Mads Mikkelsen für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet.
Die deutsche Schauspielerin Paula Beer wurde für ihre Rolle im Nixendrama „Undine“ als beste Darstellerin gekürt. Für Dascha Dauenhauers Musik zu „Berlin Alexanderplatz“ ging ein weiterer Preis an einen deutschen Film (die Preisträger*innen in den Einzelgewerken hat die Europäische Filmakademie hier versteckt).
Die diesjährige Gala war in Island geplant, wurde wegen der Pandemie aber abgesagt. Stattdessen wurden die Auszeichnungen an mehreren Abenden hintereinander online vergeben. „Moderator Steven Gätjen stellte gleich zu Beginn der Preisverleihung in Berlin unverblümt fest, dass 2020 ein ,shitty year’, ein ,beschissenes Jahr’ für alle gewesen sei. Und er musste keinem erklären, was er damit meinte“, berichtet die Deutsche Welle.
„Dieses Jahr hatte nur ein Thema. Seine Filme, die in den paar Monaten vor dem ersten und bis zum zweiten Lockdown europaweit liefen, hatten dagegen viele. So war eine traurige Diskrepanz zu fühlen bei der klitzekleinen Gala der 33. European Film Awards, welche die Woche über online verliehen und am Samstag mit den Hauptpreisen abgeschlossen wurden“, bedauert die „Taz“.
„Wie seltsam dieses Jahr zu Ende geht, zeigt sich schon daran, dass mit ,Der Rausch’ vom dänischen Dogma-Mitbegründer Thomas Vinterberg, der im Mai das Cannes-Siegel erhielt, ein Film zum Sieger des Abends wird, der in Deutschland dank geschlossener Kinos bislang noch gar nicht zu sehen war. Es ist ein Déjà-vu aus dem Frühjahrs-Lockdown, als mit Christian Petzolds ,Undine’ und ,Berlin Alexanderplatz’ von Burhan Qurbani zwei Filme aus dem engeren Favoritenkreis für den ,Deutschen Filmpreis’ gerade noch so ihre Berlinale-Premiere erlebt hatten“, meint „Der Tagesspiegel“.
Eine Neuerung lobten mehrere – wohl auch wegen des Themas, mit dem der schottische Regisseur Mark Cousins in der neuen Kategorie „Innovatives Storytelling“ ausgezeichnet wurde. Seine 14-stündige Dokumentation „Women Make Film“ beleuchtet die Geschichte von Frauen im Filmgeschäft. Der Dokumentarfilm werde viel zum Ausgleich des Ungleichgewichts zwischen den Geschlechtern in der Filmindustrie beitragen, sagte EFA-Präsident Wim Wenders bei der Preisverleihung.

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Mollig haut Chilly Gonzales in die Tasten: Weihnachtslieder sollen ja die eigene Stimmung wiedergeben, findet der Pianist. | Screenshot

Unser Nachrichtenüberblick zum Wochenende.

Weihnachten wird dieses Jahr irgendwie nicht dasselbe sein. Findet auch Chilly Gonzales: „Wenn du traurig bist, suchst du auch ein bisschen Mitleid. Du willst spüren, dass du nicht allein bist in deiner Traurigkeit,“ erklärt der Pianist und zeigt, wie einfach die passende Stimmung zu haben ist: Zum Beispiel „Jingle Bells“ in Moll statt Dur. Was er außerdem mit Weihnachtshits von Wham, Mariah Carey and Black Sabbath anstellen kann, zeigt er in kleinen Videos.

 

Schleswig-Holstein unterstützt seine Kinos kurzfristig mit insgesamt bis zu zwei Millionen Euro, um Liquiditätsengpässe abzumildern, meldet „Blickpunkt Film“. Die Maßnahme stehe allen Kinos unabhängig von Lage oder Größe offen. Die Hilfe hatte das Land bereits Ende September angekündigt, ursprünglich sie als Beitrag zum sogenannten „Zukunftsprogramm III“ gedacht. Weil daran aber immer noch gearbeitet werde,  stellt Schleswig-Holstein seine Unterstützung nun nun als separate Maßnahme zur Verfügung.

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Ja, wen haben wir denn da? Michael „Bully“ Herbig gab zu Corona den Nikolaus. Mit klarer Ansage und vielen „Beeps“. | Screenshot

Kurz vor Corona hatten Sender, Produktionsfirmen, Filmförderungen und Verbände ihre „Nachhaltigkeitsinitiative“ gestartet, jetzt ist die Website dazu online. Wirklich nachhaltig ist die Initiative allerdings nicht. 

Am 6. Dezember machte Michael „Bully“ Herbig auf Instagram den Nikolaus – und las Corona-Leugnern die Leviten: „Du warst ja überhaupt nicht brav im letzten Jahr; hast keine Maske getragen; hast keinen Abstand gehalten; hast kleine Kinder angeschrien: ,Maske ab! Maske ab!’“ Lustiger ist allerdings, sich das selbst anzuschauen. 

 

Die Filmindustrie ist nicht klimafreundlich. Zumindest ein Teil von ihr will es aber werden. Vorreiter in Deutschland war die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), die (angeregt von ihren skandinavischen Nachbarn) 2012 den „Grünen Drehpass“ für Filme und Serien einführte, die auf umweltfreundliche Weise produziert wurden. Seit 2015 übernimmt sie auch die Kosten für den Einsatz eines „Green Runners“ bei geförderten Produktionen. Im April dieses Jahres wurde daraus der „Grüne Filmpass“. Der berücksichtigt nicht nur den Produktionsbereich, sondern die gesamte Wertschöpfungskette vom Drehbuch bis zum Verleih. Für Produktionen, die majoritär deutsch finanziert sind und in Deutschland gedreht werden, ist der „Grüne Filmpass“ seit April 2020 verpflichtend. FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers hatte das im Interview mit „Blickpunkt Film“ erklärt.
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„Keinohrhasen“ war ein Bestseller im Kino. Für solche Überraschungserfolge sieht das Urheberrecht eine angemessene Beteiligung vor. Doch Verleih und Produktionsfirma sehen das anders. | Foto © Warner Bros.

Die Pandemie legt vieles offen, was schon lange schieflief. Und manches braucht nicht mal die Pandemie: Der Rechtstreit der Drehbuchautorin Anika Decker um angemessene Vergütung geht in die nächste Runde; ihre Kolleg*innen erklären ihre Solidarität: „Es bleibt ein Skandal, dass Transparenz zwischen Vertragspartnern im Filmbereich weiterhin kostspielig und mit hohem persönlichem Aufwand und Risiko vor Gericht erstritten werden muss.“ 

Im Rechtsstreit um angemessene Vergütung geht es für Anika Decker in die nächste Runde. Die Drehbuchautorin hatte gegen Barefoot Films und Warner Bros. geklagt, um auch finanziell am Erfolg der Komödien „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ beteiligt zu werden. Das Landgericht Berlin hatte ihr Recht gegeben: Produktionsfirma und Verleih müssen ihr die Einnahmen offen legen. Jetzt haben Produktionsfirma und Verleih gegen das Urteil Berufung eingelegt, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“  „das jedenfalls hat ein Pressesprecher beim Kammergericht Berlin gegenüber Anika Deckers Anwalt Nikolaus Reber bestätigt, nachdem die ,Bild’-Zeitung darüber berichtet hatte. Die Berufungsbegründungen liegen bislang noch nicht vor.“
Am Donnerstag hatten der Verband Deutscher Drehbuchautoren, die Autor*inneninitiative „Kontrakt 18“ und Mitglieder der Sektion Drehbuch der Deutschen Filmakademie ein Solidaritätsschreiben veröffentlicht: Decker sei nicht die erste Drehbuchautorin, die vor Gericht ihre Rechte auf angemessene Beteiligung erstreiten müsse, wie sie das Urheberrechtsgesetz vorsehe. „Aber eines macht den Fall Anika Decker so besonders: bislang haben sich nur Kolleginnen und Kollegen solche Klagen zugetraut, die am Ende ihrer Karriere standen – oder mit dem Rücken zur Wand. Zu einem Zeitpunkt also, an dem sie keine Angst vor Schwarzen Listen mehr zu haben brauchten. Autorinnen und Autoren, die sich dessen bewusst waren, fortan in der Branche als schwierig zu gelten, nur weil sie auf ihr gutes Recht bestanden. […] Unabhängig von der Rechtslage in diesem konkreten Fall: Es bleibt ein Skandal, dass Transparenz zwischen Vertragspartnern im Filmbereich weiterhin kostspielig und mit hohem persönlichem Aufwand und Risiko vor Gericht erstritten werden muss.“

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Kurz vor Corona stand es nicht schlecht um Österreichs Filmbranche, besagt der neue Filmwirtschaftsbericht. Doch auch für die Zeit danach versucht sich das Österreichische Filminstitut in Optimismus. | Foto © Filmarchiv Austria

Unser Nachrichtenüberblick zum Wochenende.

Österreichs Filmbranche konnte sich 2019 „behaupten“, steht im neuen Filmwirtschaftsbericht des Österreichischen Filminstituts (ÖFI). In Zahlen: Einerseits gingen Erlöse und Erträge leicht zurück, und der Marktanteil österreichischer Filme lag nur noch bei 3,3 Prozent (im Jahr zuvor waren es 6,2 Prozent). Andererseits konnte der allgemeine Rückgang des Vorjahres beim Kinopublikum gut zur Hälfte wieder aufgeholt werden, und die Zahl der Beschäftigten legte um insgesamt um 2,6 Prozent zu, bei den Produktionsfirmen sogar gut doppelt so stark.
Doch „Ende 2020 ein Vorwort zu einem Filmwirtschaftsbericht über das Berichtsjahr 2019 ohne einen Bezug zu dem zu verfassen, was nach dem 1. Lockdown am 16. 03. 2020 passiert ist, ist unmöglich“, schickt ÖFI-Chef Roland Teichmann voraus: „Wir leben nahezu in einer neuen Zeitrechnung: vor und nach Covid-19, wann auch immer das ,danach’ sein mag. Die in Folge der Pandemie erforderlichen behördlichen Maßnahmen haben die Filmwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette durcheinandergewirbelt; die Langzeitfolgen davon sind nicht absehbar. Die Produktion wurde dramatisch gebremst, der Verwertung des vorhandenen Contents verlagerte sich noch schneller als bisher in Richtung VoD. Und in Zeiten des verordneten Zuhause-Bleibens erlebte auch das lineare TV (nicht nur durch die gesteigerte Relevanz der aktuellen Berichterstattung) eine gewisse Renaissance. So hat jede Krise ihre Chancen, ihre Gewinner*innen und Verlierer*innen, auch wenn dies im gesamten Ausmaß (vor allem für das Kino) wohl noch länger nicht feststeht. Wir befinden uns mitten in einem spannenden Transformationsprozess, in dessen Zentrum jedoch klar der weiter ansteigende Bedarf an Content steht – und das sind jedenfalls gute Nachrichten!“

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„Die Wirklichkeit kann ja so fiktional sein!“ staunt „Die Zeit“ über den Bildband „Accidentally Wes Anderson“. | Foto © Dave Kulesza/DuMont

Krisengefühle gab’s nicht erst, seitdem das Virus über die Filmbranche kam. Und längst werden auch ihre grundsätzlicheren Probleme diskutiert. Den Eindruck erweckt zumindest unser heutiger Überblick. 

„Die Welt ist ja eine einzige Enttäuschung. Darum hat der Mensch wohl die Kunst erfunden“, sinniert „Die Zeit“ in ihrer Besprechung eines außergewöhnlichen Bildbands: „Accidentally Wes Anderson“ zeigt Instagram-Fotos, die aussehen, als seien sie Filmen des Regisseurs entnommen.

 

Eine Empfehlung für die Preisgestaltung bei Teameinsätzen will der Bundesverband der Fernsehkameraleute (BVFK) eben diesen an die Hand geben: „Teampreis 1000+“. „Der Claim ist die Botschaft. Es soll sich in den Köpfen festsetzen, dass ein Team nicht für unter 1.000 Euro zu haben ist, auch bei den Sendeanstalten, wenn sie ihre Budgets aufstellen“, erklärt der Verbandsvorsitzende Frank Trautmann im Interview mit „Film & TV Kamera“: Bei den Ausschreibungen der Sender stagnierten die Teampreise „seit Ende der 1990er Jahre, aber gleichzeitig werden die Ansprüche vor allem an die Technik immer höher“, so Trautmann. Der „griffige Claim ,Teampreis 1000+’“ soll klarmachen: „Unter 1.000 Euro ist es nicht möglich, einen rechtssicheren Auftrag zu übernehmen, der sich rechnet und der auch den Arbeitsschutzrichtlinien entspricht.“

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Noch immer fallen viele Kulturschaffende durchs Raster. Die #coronakünstlerhilfe will mit Spenden helfen. | Screenshot

Die BKM hat im nächsten Jahr 30 Millionen Euro mehr für den Film im Etat – das Geld ist für international koproduzierte Filme und High-End-Serien vorgesehen. Derweil helfen die Kulturschaffenden sich selbst mit einer Spendenkampagne für Kolleg*innen in Not.

 

Künstler*innen, die wegen Covid-19 unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten sind, soll geholfen werden. Dafür sammelt die Initiative #coronakünstlerhilfe Spenden. Gegründet wurde sie von dem Filmemacher und Singer/Songwriter Timm Markgraf und dem Unternehmer Benjamin Klein, die Spenden werden über den eigens zu diesem Zweck gegründeten Verein „1st class session-Artist Support e.V.“ treuhändisch verwaltet und verteilt werden. Weitere Informationen, Statements und natürlich die Möglichkeit, sich um die Unterstützung zu bewerben, bietet die Website.
Für die Corona-Künstlerhilfe wirbt auch die Initiative „Voices!2020 – Unsere Stimmen für Künstler in Not“. In ihrem Adventskalender auf Youtube lesen bekannte deutsche Stimmen und Sprecher als Ensemble ab 1. Dezember Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ für den guten Zweck. Jeden Tag gibt es ein Kapitel zu sehen, zu hören und zu erleben. 

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In einem Video-Appell erzählen Kulturschaffende von ihrer Lage im zweiten Lockdown. | Screenshot

Der Lockdown geht in die Verlängerung, am Mittwoch hatten sich Bund und Länder auch ohne Parlament geeinigt. Die Kurzfassung: Besser wird’s erstmal nicht, aber die Hilfen rollen endlich los.

Was Bund und Länder am Mittwoch beschlossen haben, fasst unter anderem der Deutschlandfunk im Überblick zusammen.
Immerhin: Die sogenannte „Novemberhilfe“ wird bis zum 20. Dezember verlängert, und Anträge für den November können schon seit Mittwoch endlich gestellt werden. Noch vor Ende des Monats (!) soll es erste (!) Abschlagszahlungen geben. Die Bundesregierung hat die Informationen zusammengefasst.
Mit den Novemberhilfen und wie sie berechnet werden, hatte sich noch am Dienstag „Der Tagesspiegel“ auseinandergesetzt.
Der BR erklärt mit einem FAQ, wie man an die Hilfe kommt.

In München bietet das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft ab  kommenden Montag eine telefonische Sprechstunde zu den aktuellen Hilfen: Sie bietet eine Orientierung zu den aktuellen und angekündigten Förderprogrammen von Bund und Land, „zum Beispiel zu aktuellen Fristen, Förderlogiken oder Verantwortlichkeiten.“ Individuelle Anträge können aber nicht betreut werden. Links und Erklärungen finden sich auch auf der Website.

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Eine „Liebeserklärung ans Kino“ nennt es der Deutschlandfunk: Das Projekt Heimatkino porträtiert in Kurzfilmen die Kinoszene und die dazugehörigen Menschen. | Screenshot

Zum Redaktionsschluss berieten sich Bund und Länder noch, wie es in den nächsten Wochen sicher durch die Krise gehen soll. Erste Meldungen lassen vermuten: Es wird nicht lockerer. Das „Handelsblatt“ berichtet aktuell im Live-Ticker.

„Verbohrt und arrogant“ nennt die Kolumnistin in der „Zeit“ die deutsche Corona-Politik: „Während sich Bund und Länder streiten, Maskenverweigerer demonstrieren und Firmen pleitegehen, funktioniert das Leben in Ostasien fast wie zuvor. Wir sind selbst schuld.“

 

Für die Lage der Schauspieler*innen nahm sich das ZDF-Morgenmagazin am Freitag zehn Minuten Zeit und sprach mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (BKM) und mit Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied im Bundesverband Schauspiel (BFFS). Der schilderte, dass auch die neuen Hilfen an seinen Kolleg*innen vorbeigehen, weil die befristet beschäftigt sind: „Wenn wir schon nicht spielen dürfen, dann müssen die Schauspieler und Schauspielerinnen wenigstens aufgefangen werden.“
Woran es hängt, erklärte die BKM. Es sei „juristisch und arbeitsrechtlich nicht ganz einfach, so ganz besondere Beschäftigungsformen, wie sie in der Kultur nun mal sind, auf ein sehr schematisches Muster in Deutschland anzuwenden.“ Bei den Solo-Selbständigen habe das nun geklappt, und auch zur Situation der Schauspieler*innen habe sie am Donnerstag „ein sehr positives Signal“ aus dem Bundeswirtschaftsministerium erhalten, dass Schauspieler*innen „wenigstens wie Solo-Selbständige behandelt“ werden.   Weiterlesen