Zeit für Klassiker: „Taxi zum Klo“ ging 1980 ungewohnt offen mit dem Thema Homosexualität um. Salzgeber hat die Tragikomödie digital restauriert und streamt sie jetzt zum 40. Jubiläum. | Foto © Salzgeber

Die Streams der Woche.

Es steht wohl fest, so schnell werden die Kinos nicht öffnen können. Die Kontaktbeschränkungen gelten zuerst einmal bis zum 3. Mai. Bald werden wohl die Startverschiebungen für die nächsten Wochen bekannt gegeben. Man schaut bei den Kolleg*innen in die Blogs, ob die schon mehr wissen. Eine Agentur hat gerade erst ein Rundschreiben an alle Kolleg*innen rausgeschickt, dass sie trotz fehlender Kinostarts den Kontakt halten möchten. Für Fragen stünden sie jederzeit zur Verfügung. Andere Verleiher vermelden gar nichts. Hat man da eine E-Mail verpasst? Setzt eine Art von FoMO ein, eine Angst, etwas an News zu verpassen? Den Einstieg wohlmöglich, wann es weitergehen wird?

Angst, etwas zu verpassen, hat man bei dem reichhaltigen Angebot, dass man per Streaming inzwischen erreichen kann. Was ist wo verfügbar? Wer macht welche Archive frei zugänglich? Und wann gucke ich das alles? Gucke ich es gleich oder morgen oder übermorgen oder überhaupt? Kommt man überhaupt noch zum Filme schauen? Die Vorzüge von Film im Kino sind immer klarer benennbar. Kino schaut man nicht nebenbei. Kino ist eine bewußte Entscheidung.

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Jippieh! Wir dürfen bald wieder raus. Aber nur ganz vorsichtig. Irgendwie. | Foto © Leo Dorian Stiebeling

Geld oder Leben? Bund und Länder haben heute beraten: Die Einschränkungen sollen gelockert werden. Aber ganz vorsichtig.  Unterdessen zeigt sich, wie mit Zahlen und Fakten aus den unterschiedlichsten Gründen gespielt wird. Wir bitten darum um Nachsicht, wenn der allgemeine Presseüberblick heute etwas umfangreicher ausfällt.

 

Die Brancheninfos erscheinen gleichzeitig auch auf unserem Blog out-takes zum Nachlesen.

Die Kurzumfrage zur Situation der befristet Angestellten in der Filmbranche ist überarbeitet, die Stolpersteine hoffentlich alle aus dem Weg geräumt. Wir drängen nochmals auf rege Teilnahme. Nur so wird es belastbare Daten geben, ob oder in wieweit die Hilfsprogramm die Filmschaffenden überhaupt erreichen. 

Gleiches gilt für die Petition zum ALG1.

 

Schulen und manche Geschäfte sollen wieder öffnen, Maskentragen wird empfohlen – und Großveranstaltungen bleiben noch auf Monate untersagt: So planen Bund und Länder den Weg aus dem Lockdown.

Schnelle Daten, pünktlich geliefert: Wie ein Wissenschaftler zum Kronzeugen für einen raschen Exit wurde. Eine Rekonstruktion der Wissenschaftsjournalisten Christian Schwägerl und Joachim Budde.

An der Präsentation der „Heinsberg-Studie“ war auch die PR-Agentur Storymachine beteiligt. Das wirft Fragen auf, auch für die ARD-„Sportschau“.

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Bund und Länder wollen die Corona-Einschränkungen etwas lockern. Unser Kolumnist hätte mehr erwartet. | Foto © BR

Schaffen wir das? Wir wollen raus! Wann, wenn nicht wie. Begriffsschwämme in der Pandemie: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 16. Von Rüdiger Suchsland.

„To reach a port we must set sail – Sail, not tie at anchor. Sail, not drift.“
Franklin D. Roosevelt, US-Präsident 1933-1945

 

Kamen Ihnen, liebe Leser, nicht schon die letzten Jahre vor wie ein etwas dick aufgetragener Film? Der Brexit, Trump, die Pegida und dann noch Rechtsextremisten im Bundestag – das konnte schon alles nicht wahr sein. Als Politthriller wäre einem so ein Drehbuch zurückgegeben worden mit dem Vermerk: Ganz schön originell, aber etwas mehr Realismus sollte es schon sein. 

Und jetzt noch Corona – ja, genau … geht’s noch? 

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Fast wie eine schöne Erinnerung an bessere Tage kommt einem da „Die Getriebenen“ vor, ein ARD-Film über die Höhepunkte der sogenannten „Flüchtlingskrise“ zwischen Juli und Oktober 2015 (am Mittwoch im linearen Programm und eine Weile in der Mediathek). Das waren noch friedliche Zeiten. Viereinhalb Jahre und drei SPD-Chefs früher war Angela Merkel unumstritten als Kanzlerin und CDU-Chefin. 

Aber was ist das für ein Film? Irgendwie eine Satire, eine mitunter sogar ziemlich schrille Parodie des Betriebs und seiner Akteure, und dann wieder, so scheint mir wenigstens, ernst gemeint als Dokufiktion über Sachverhalte. Das zugrundeliegende Buch des (überaus konservativen) „Welt“-Journalisten Robin Alexander ist ja auch kein Roman, sondern ein, wenn auch klar tendenziöses, Sachbuch. 

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Wenn sonst nichts geht, kommen Filmemacher auf komische Gedanken. Zum Beispiel die Sitcom mit „Andi Körper“ – angeblich jeden Tag eine neue Episode, „solange es Quarantäne gibt.“ | Screenshot

Die Stimmung hellt auf, in Deutschland wird über Lockerungen diskutiert, andere EU-Staaten fangen schon an. Derweil warnt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, von einer „Eindämmung“ könne man noch nicht sprechen. Und in der Branche mehrt sich Kritik an den Hilfsprogrammen.  Wir verweisen auch deshalb nochmals auf unsere aktuelle Umfrage und danken für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. 

 

Über die Feiertage ist die Kurzumfrage zur Situation der befristet Angestellten in der Filmbranche gestartet. Wie sich die aktuellen  Corona-Maßnahmen auswirken und wie effektiv die Hilfen sind, soll in fünf Minuten ermittelt werden. Mehr als 1.000 Filmschaffende haben bereits geantwortet, doch für belastbare Daten ist eine noch regere Beteiligung nötig. Die Umfrage von Jörg Langer in Zusammenarbeit mit AG Dok, BVFK und Crew United läuft noch bis zum Freitag dieser Woche.
Einzelne Filmschaffende hatten sich in den Antwortmöglichkeiten nicht wiedergefunden, weil sie bereits Arbeitslosengeld 1 (ALG1) beziehen – eine Situation, die uns in den vergangenen Wochen immer wieder geschildert wird. Tatsächlich ist diese Antwort doch möglich, aber offenkundig nicht ohne weiteres zu erkennen. Um den Fragebogen möglichst kurz und einfach zu halten, ging man von dem Gedanken aus: Wer bereits ALG1 bezieht, wählt „Ich habe nicht beantragt“ und wird zur Folgefrage weitergeleitet, die nach den Gründen fragt. Hier gibt es die Option: „Ich bekomme ALG und konnte deshalb die Hilfe nicht beantragen.“
Nun ja, wenn man das so liest, klingt es doch etwas kompliziert. Der Vorschlag zur Verbesserung wurde weitergegeben.
Zu diesem Anlass appellieren die Initiatoren an alle Filmschaffenden zur Teilnahme – bislang ist besonders die Problematik von ALG1 noch kein Thema im öffentlichen Kanon der Corona-Krise. 

Das Problem teilt auch die einzige Initiative, die es dazu in der Branche (wenn nicht sogar überhaupt) gibt. Eine Petition fordert, das ALG1 für die Dauer der Krise weiterlaufen zu lassen, diese Zeit aber nicht anzurechnen. Obwohl ein beträchtlicher Teil der auf Projektdauer angestellten  Filmschaffenden davon betroffen sein dürfte (Genaueres soll ja die obige Umfrage ermitteln), sind bisher erst 4.740 Unterschriften zusammengekommen! Die Petition läuft nur noch acht Tage.

Auch das Film- und Medienforum Rheinland-Pfalz bittet um rege Beteiligung einer ähnlichen Umfrage, um „als Schnittstelle zwischen Politik und Branche“ für eine bestmögliche Förderung und Hilfe einzutreten. Nur fünf Minuten dauert es, auf zehn Fragen zu antworten. 

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Zurück auf Normalbetrieb – aber wie genau? | Screenshot

Räte & Ratschläge: Obrigkeitsstaatliches Denken und gravierende Widersprüche vor dem Ende des Shutdown: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 15. 

„Und wenn er auch stürzte, so scheiterte er doch bei großem Versuch.“
Ovid, über Phaethon

„Wir haben wegen der Influenza ja auch keine Shutdowns gemacht.“
Alexander Kekulé, Virologe

„Ich habe immer noch den Eindruck, dass an vielen Stellen doch ein Verlautbarungsjournalismus stattfindet. Es wird das transportiert, was das Robert-Koch-Institut sagt oder was einzelne Wissenschaftler sagen. Es wird nicht genügend nachgefragt.“
Holger Wormer, Professor für Wissenschaftsjournalismus

 

Das Ende der Osterferien rückt näher. Heute in einer Woche ist der 21. April, zwei Tage nach jenem ominösen „19. April“, dem Sonntag nach Ostern und letzten Geltungstag der bisherigen Ausgangssperren und sonstigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland durch die Corona-Pandemie. Es nähern sich also die Tage der Entscheidung über die Frage: Wie soll es weitergehen? 

Von der Politik muss Klarheit und Transparenz verlangt werden. Ein Zeitplan, der zumindest in seinen Zielvorstellungen eindeutig ist, und insbesondere eine Richtung, wohin es gehen soll mit dem Programm zur Abschaffung aller Einschränkung unserer Rechte. Egal, wie das Danach aussieht – der Jetzt-Zustand darf nicht so bleiben, der Ausnahmezustand darf nicht zum Normalfall werden. 

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Na also, es gibt auch gute Nachrichten: Die Riesenpandas im Zoo von Hongkong haben „es“ endlich getan, und Arte hat auch mehr Zuschauer*innen. | Screenshot

Ganz versteckt gibt’s zu Ostern auch mal gute Nachrichten: Die Arte-Mediathek hat guten Zulauf – vielleicht stellt das ja mal manches Programmkonzept auf den Kopf – nachher, wenn die Krise vorbei, die Gesellschaft eine bessere geworden ist und eine neue Welt … Bis es soweit ist, wollen wir das schon ein wenig praxisnäher angehen und verweisen mit möglichst viel Nachdruck auf eine aktuelle Umfrage. Gleich am Anfang, nach den Riesenpandas. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. 

 

13 Jahre schon leben Ying Ying and Le Le zusammen im Zoo von Hongkong. Der ist nun geschlossen, und die beiden Riesenpandas nutzten die Gelegenheit, um endlich zu tun, worauf alle die ganze Zeit vergeblich gewartet hatten. Der „New York Times“ war der Vollzug eine Twitter-Meldung wert. Dann dürfen wir das auch, zum leichten Einstieg.

 

Welche Auswirkungen haben die Corona-Maßnahmen für die Menschen in der Film- und Fernsehproduktion? Das wird ja zurzeit oft gefragt, hier wird’s aber ernsthaft: Wie viele Filmschaffende haben überhaupt Anspruch auf Hilfsmaßnahmen und falls ja, wie ist der Stand? Einen Überblick soll eine Umfrage schaffen. Konzipiert hat sie Jörg Langer, der unter anderem in einer Studie „Die Situation der Film- und Fernsehschaffenden 2015“ untersucht hat, in Zusammenarbeit mit AG Dok, BVFK und Crew United.
Die Umfrage braucht nur fünf Minuten. Doch es muss nun schnell gehen, betont Langer: In der nächsten Woche soll schon ausgewertet werden. Die Ergebnisse werden im Anschluss allen Verbänden und Institutionen kostenlos zur Verfügung gestellt, „um eine substanzielle Verbesserung der Hilfemaßnahmen für die Branche zu erreichen.“

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„Coronoia“ – ein Mini-Noir-Filmchen von und mit Robert Sigl. Kamera: Rostislav Stepanek, Musik: Markus Urchs. Auf Youtube. | Screenshot

Lauter gute Nachrichten: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 14. 

 

„Gründonnerstag 29 März 2018. Der Frankfurter Hauptbahnhof wurde von milder Abendsonne geflutet, die wartenden Passagiere an Gleis 9 warfen lange Schatten. Auf die Minute pünktlich um 18 Uhr 30 fuhr Tanja Arnheim mit ICE 375 aus Berlin ein. Als Jerome Daimler, der eine Tüte mit frischen Backwaren in der Hand hielt, Tanja auf Höhe des Bistros aussteigen sah, überlegte er für einen Moment, ob er ihr entgegen laufen sollte, aber dann fand er es charmanter, einfach stehen zu bleiben.“
Leif Randt: „Allegro Pastell“, Anfangssätze

 

Ein Prozent aller Deutschen ist gerade infiziert. Auch wenn morgen Karfreitag ist und es da noch die ganze Zeit ums Opfer geht, bevor danach dann die Wiederauferstehung dran ist, möchten wir uns heute mal auf ein paar gute Nachrichten konzentrieren. 

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Wer kennt Robert Sigl? Vermutlich viel zu wenige von Euch, die jetzt lesen. Denn Sigl ist einer der großen Unbekannten des deutschen Kinos, und das selbstredend zu Unrecht. Jetzt hat der Münchner Regisseur einen schönen witzigen stillen Kurzfilm gemacht. Er heißt „Coronoia“, und steht auf YouTube.

Das ist eine gute Gelegenheit, um nachdrücklich auf Sigl Regiedebüt hinzuweisen. Es heißt „Laurin“ und hätte es damals die verdiente Aufmerksamkeit bekommen – die deutsche Filmgeschichte wäre anders und vermutlich besser verlaufen. 

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Zu Ostern sollte „Der Junge und die Wildgänse“ in die Kinos kommen. Das geht jetzt nicht. Weitere Filme weichen fürs erste aufs Streaming aus. | Foto © Capelight

Immer wieder erwische ich mich bei der unnützen Überlegung, was ich gerade tun würde oder zu tun hätte, wenn die Zeit nicht so wäre, wie sie gerade ist. Ostern steht an und ich hätte mich über ein paar freie Tage gefreut. Ein paar freie Tage, die die Zeit angehalten hätten. Aber die Zeit ist angehalten worden, das Hamsterrad ist stehen geblieben. Die Flut an Pressevorführungen verebbte auf einen Schlag. Heute ist der vierte Startdonnerstag ohne Kinostarts. Der neue James Bond würde in die zweite Woche gehen. Jetzt würden die Biografien von Marie Curie („Marie Curie – Elemente des Lebens“, Marjane Satrapi) und Harriet Tubman („Harriet – Der Weg in die Freiheit“, Kasi Lemmons) in die Kinos gekommen. Mit „Königin“ (May El-Toukhy, mit Trine Dyrholm) wäre der dänische und mit „Als wir tanzten“ (Levan Akin) der schwedische „Oscar“-Beitrag gestartet. Mit den Kindern wäre man in den Animationsfilm „Mina und die Traumzauberer“ (Kim Hagen Jensen, Tonni Zinck) oder in „Der Junge und die Wildgänse“ (Nicolas Vanier) gegangen. Bis auf den letzten Titel wird alles nur verschoben.

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Die Kamerafrau will eigentlich ganz großes Kino machen, aber mit Kurt wird es auch schon schräg genug? Beim Dreh im Brautmodengeschäft erklärt Ulla Geiger (vorne) die Szene, dann wird improvisiert. | Foto © Ulla Geiger

Der Titel täuscht – sie tat es doch. Mit Mitte 60 erfüllte sich Ulla Geiger den Traum, der sie einst in die Branche ­gebracht hatte: Sie drehte ihren Debütfilm. Und als alles gut schien, kam das Virus dazwischen: Der Kinostart musste abgesagt werden. Also gibt’s das Werk erstmal als Stream: „Wir drehen keinen Film“.  Ihr Erlebnisbericht:

Mit Mitte 60 habe ich meinen Debütfilm gedreht. Eigentlich hatte ich Filmemacherin werden wollen,  seit ich 30 Jahre alt war, aber mein Leben hat immer wieder Haken geschlagen und mich woandershin gespült. Nie hatte ich gesagt „Nein, das ist aber jetzt nicht zielführend!“, sondern ich bin mit dem Leben mitgegangen. Dabei habe ich dann so ganz unbemerkt alles gelernt, was ich nun für die Arbeit an diesem Film hatte brauchen können.

Das Ziel „Filmemacherin“: 1981, mit 30 Jahren, lag ich in letzten Zügen meines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in München, hatte aber keine Lust mehr auf die anvisierte Kunsterzieher-Laufbahn. Das Studium war aber nicht umsonst gewesen. Ich hatte meine optische Wahrnehmung gesteigert und war durch fotografische Maltechniken zu einer Detailfieslerin geworden. 

Die verrückten Filme von Carlos Saura hatten es mir damals angetan – ein Faktor für meinen Entschluss, Filmemacherin zu werden. Ich überlegte, ob ich mit einem Studium an der HFF meinen Eltern weiter auf der Tasche liegen sollte – ich hatte ja schon zehn Jahre studiert. Also entschied mich, das Filmhandwerk von der Pike auf zu lernen. Ich machte ein Praktikum bei einer Kinderserie, und wurde dort noch für eine kleine Rolle engagiert, die ich eigentlich gar nicht wollte. Ich wollte beim Film alles machen nur nicht Schauspielerin, nicht zuletzt aus Trotz gegen meine Mutter, die, selbst ehemals Schauspielerin und Sängerin, immer sagte: „Kind, du gehörst vor die Kamera!“ Wie witzig, dass sie irgendwie recht behalten hat, ich bin ja auch Schauspielerin geworden! 

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caption=“Abwarten und Ruhe bewahren. Was macht das Virus aus der Gesellschaft? | Foto © Lucas Werkmeister, CC BY 4.0 (cropped)“

 

Mehr und mehr Gedanken drehen sich um die Welt nach der Krise. Die Soforthilfen werden in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Baden-Württemberg will jetzt Vorbild sein für eine einheitliche Regelung, die auch die Lebenshaltungskosten anerkennt. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Anregungen, Fragen und Kommentare. Und bitten um Verständnis, wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Gestern war Weltgesundheitstag – und der Geburtstag von Francis Ford Coppola. Darum hatte der Regisseur seine Stimme auch einem italienischen Automobilhersteller geliehen, für eine Hoffnungsbotschaft an seine „Landsleute“.

 

Über Nachhaltigkeit will kaum einer reden in der Krise. Dabei ist sie die Krisenwissenschaft par excellence. Sie verrät, warum wir mit alten Rezepten nicht weiterkommen, schreibt der Sozialwissenschaftler Davide Brocchi auf „Spektrum“.

Damit „alles anders“ wird, darf nichts mehr so bleiben, wie es ist, meint Christof Wackernagel und schreibt „über die Unmöglichkeit, Ungerechtigkeit gerecht zu verteilen“.

Wir sind eine Gesellschaft, die kein Bewusstsein für Krisen hat. Katastrophen fanden stets woanders statt. Bis jetzt. Meint die „Taz“.

Corona-Impfstoffe in Afrika testen? Die Überlegung zweier Ärzte regt Frankreich auf.

Die Münchner Uniklinik braucht dringend Plasmaspender*innen! Geheilte Covid-19-Patient*innen haben bereits Antikörper gegen das Corona-Virus gebildet, die möglicherweise bei lebensbedrohlichen Infektionen anderer Infizierter helfen kann.

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Endlich macht mal einer wieder klare Ansagen, was noch geht oder nicht. Die Münchner „Bild“ hat’s heute getitelt. | Screenshot

Die Schönen, die Reichen und die Mächtigen. Und Super-Söder: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 13. Von Rüdiger Suchsland

„Gerechtigkeit sei eine Folgeerscheinung von Erfolg. Immer sei die gerechte Sache identisch mit der erfolgreichen. … Recht und Ethik, behaupte ein gewisser norddeutscher Philosoph namens Immanuel Kant, stünden außer jeden Verhältnisses: Recht und Boden aber, Recht und Klima, Recht und Volk, das meine er, der Otto Klenk aus München, die seien zweieinig, nicht zu trennen.“
Lion Feuchtwanger, „Erfolg“

 

„Bald wieder Fans im Stadion?“ Das sind doch tröstliche Aussichten! Nun erreicht darbende Fußballfans die wohl wichtigste Nachricht der letzten Wochen. Wenn alles gut läuft wird es bald nicht nur wieder Bundesliga-Fußball in Form von Geisterspielen geben, sondern auch echte Fans im Stadion. Denn der Mediziner Fritz Sörgel will in einer, wie es heißt „noch nie dagewesenen Studie“ Dauerkartenbesitzer von Bundesligavereinen auf Corona-Antikörper testen. Damit soll überprüft werden, wie hoch die Infizierung der Fans mit dem Corona-Virus ist, und ob der Fußball wirklich als Verstärker des Virus fungiert. 

Sörgel ist Professor für Pharmakologie und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er könnte zum Retter der Fans werden. Denn er will eine Studie an Dauerkartenbesitzern durchführen, um bald wieder Konzerte, Theatervorführungen, Lesungen und eben auch Fußballspiele vor Publikum möglich zu machen. 

Sörgels Argument ist sachlich, aber auch psychologisch: Wenn man den Leuten ein Jahr lang verbietet, auf Konzerte zu gehen, sollte man das mit Daten belegen können“, sagt Sörgel in der „Zeit“: „Auch wir Mediziner sollten uns fragen: Wie kriegen wir es in den Griff, dass das Volk nicht durchdreht?“

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In der Netflix-Serie „Dark“ trat Peter Schneider weltweit auf. Doch die Nöte seines Berufsstands kennt er auch. | Foto © Julia Terjung, Netflix

Der Schauspieler Peter Schneider hat eine beeindruckende Filmografie. Doch wenn es um die soziale Absicherung geht, erlebt er das Gleiche wie viele seiner Kolleg*innen. In einem Brandbrief erklärt er verständlich, woran es hakt. 

Ich möchte diese für viele existentiell bedrohliche Situation zum Anlass nehmen und Sie gerne auf ein seit Jahren existierendes Grundproblem unseres Berufsstandes hinweisen. Vielleicht können wir ja in einen Austausch kommen.

Kurz zu mir: Ich bin 1975 in Leipzig geboren, absolvierte nach dem Abitur 1995 ein Musikstudium und von 1998-2002 ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig, welches ich mit Diplom abschloss. Seitdem bin ich vor allem als Schauspieler, aber auch als Musiker, Komponist und musikalischer Leiter an verschiedenen Theatern in Deutschland tätig. Unter anderem arbeitete ich an der Volksbühne Berlin, dem HAU Berlin, am Schauspiel Leipzig, Chemnitz, Zittau und Rudolstadt, dem TdjW Leipzig, den Staatstheatern Schwerin, Karlsruhe, den Theatern Heilbronn und Plauen-Zwickau und an den Bühnen der Städte Halle, Gera und Altenburg.

Seit einer intensiven Zusammenarbeit mit Edgar Reitz 2001 bis 2002 („Heimat 3″) arbeitete ich in über 80 Film- und Fernsehproduktionen mit. So spielte ich zum Beispiel die Hauptrollen in Philipp Kadelbachs Neuverfilmung von „Nackt unter Wölfen“ („Deutscher Fernsehpreis 2015“ als bester Fernsehfilm) oder aber auch in Hans Weingartners hochgelobtem Psychodrama „Die Summe meiner einzelnen Teile“. Für diese wurde ich 2012 für den „Deutschen Filmpreis“ in der Kategorie „beste darstellerische Leistung männliche Hauptrolle“ und 2013 für den „Preis der deutschen Filmkritik“ nominiert. Ebenfalls 2013 erhielt Mareille Kleins Film „Gruppenfoto“, in dem ich die Hauptrolle spiele den „Max-Ophüls-Preis“. Ich bin Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie.

Wie sie meiner Vita entnehmen können, bin ich beruflich sehr viel rumgekommen. Weil ich nie irgendwo fest engagiert war, habe ich so als „Solokämpfer“ in Hunderten verschiedenen Beschäftigungsverhältnissen gearbeitet. Da mich solche Dinge interessieren, habe ich mich aufgrund meiner individuellen beruflichen Entfaltung intensiv mit dem Sozialversicherungsrecht und meinem sozialversicherungsrechtlichen Status beschäftigt. Ich möchte Ihnen gerne erklären, wo seit Jahren ein Problem für uns sogenannte „freiberufliche Schauspieler*innen“ liegt, das nun in dieser Krise für viel mehr von uns als sonst existentielle Probleme mit sich bringt. Anmerken möchte ich, dass wir quantitativ im deutschen Künstlerkanon, aber auch im Schauspielbereich vom Status her eine Minderheit sind (geschätzt 10.000 Leute), weshalb wir aber auch keine große Lobby haben und es wenig Erfahrungen mit uns gibt.

Das möchte ich ändern. Und anhand meiner Situation erklären, worum es mir geht. Die Ausgangssituation ist komplex und kompliziert.

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Fernsehserien und der Beitrag ihrer Autoren. Der Infografiker Christian Laesser bringt Muster in die Daten. | Grafik © Christian Laesser

Mit der Arbeitslosenversicherung haben Filmschaffende ihre eigenen Erfahrungen – in der Krise ist es nicht besser. Die Babelsberger Kolleg*innen dürfen jetzt doch in Kurzarbeit, und zum Abschluss fragen wir etwas länger nach, wie die Synchronstudios wieder weiterarbeiten wollen. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Anregungen, Fragen und Kommentare. Und bitten um Verständnis, wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Zum leichten Einstieg mal was völlig anderes: Daten sichtbar machen ist für den Berliner Infografiker Christian Laesser Berufsalltag. Nebenbei erforscht er, ob oder wie die Muster in den Daten, die Welt erklären – und bringt Struktur ins Gewirr. Ernsthaft beim „German Media Universe“, unterhaltsamer bei anderen Projekten – etwa, wie unsere Lieblingsserien miteinander verknüpft sind. 

 

Was ist mit den vielen, die nicht soloselbständig sind oder Unternehmer – sondern „auf Produktionsdauer angestellt“? Und die bei Anbruch der Krise noch auf das nächste Projekt warteten? Sollen die jetzt stempeln gehen? Oder gar die „Grundsicherung“ beantragen, bekannter als „Hartz 4“? 

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Und was kommt dann? Im „After Corona Club“ des NDR debattieren Fachleute aus Psychologie und Wirtschaft, Soziologie und Politik, Wissenschaft und Medizin über unsere Zukunft. | Screenshot

Zuballern im tollen Netz: Bazooka halt. Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 12.

„Ich kann und will mein Gewissen nicht nach der diesjährigen Mode maßschneidern.“
Lillian Hellman

 

Was sich gerade ereignet, ist der Wunschtraum eines jeden Verschwörungstheoretikers: Voll-Überwachung, Ausgangsverbote, Bargeld gilt als schmutzig und könnte da kontaminiert auch bald verboten werden … 

Das Bemerkenswerte aber: Dies alles hat mit Verschwörung und Paranoia überhaupt nichts zu tun, denn die Lieblingsfrage des Verschwörungstheoretiker lautet: Cui Bono? Wem nützt es?

Aber auch wenn sich auf diese Frage keine Antworten ergeben, muss man auf der anderen Seite konstatieren, dass viele, die jetzt mit großem Vergnügen dem zustimmen, was die Wissenschaftler sagen und die Regierungen tun, doch ein bisschen in diesem Vergnügen zumindest an altkluge Kinder erinnern, an Heranwachsende, die stolz darauf sind, dass sie alles 150prozentig erfüllen, was die Erwachsenen ihnen vorgeben. Der Stolz, endlich dazu zu gehören, endlich erwachsen zu sein – den kann man in diesem Verhalten auch erkennen. 

Und wer widerspricht, der ist natürlich „kindisch“. 

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Kai Zwettler unterrichtete ein Jahr lang Deutsch an einer Schule im chinesischen Wuhan. Und drehte einen Kurzfilm wider antiasiatischen Rassismus. | Foto © Kai Zwettler

Noch ein Riesenhilfsprogramm soll nun den Mittelstand retten. Soloselbständige werden derweil von den Hilfen abgeschnitten. Die Kulturstaatsministerin findet, dass alles funktioniert, die Betroffenen sehen das zum Teil anders. Und Studio Babelsberg kann nun doch kurzarbeiten. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Anregungen, Fragen und Kommentare. Und bitten um Verständnis, wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Wuhan vor Corona: Von 2012 bis 2013 lebte Kai Zwettler ein Jahr lang im chinesischen Wuhan und unterrichtete Deutsch an einer Schule. Bis heute hat er viele Freunde in der Stadt. In der Corona-Krise richtet er sich nun mit einem Dokumentarfilm gegen antiasiatischen Rassismus.

Wer doch noch mal lachen will, mag sich beim „Postillon“ informieren. Danke für den Tipp.

 

Und was ist mit den vielen Tausend kurzzeitig befristeten Angestellten unter uns, die sich vergessen fühlen? Und denen die zwischen zwei Projekten Arbeitslosengeld 2 (auch „Grundsicherung“ oder „Hartz 4“ genannt) beziehen? Fragen wie diese erreichen uns jeden Tag … Am vorigen Donnerstag hatte die Arbeitsagentur die Bedingungen fürs Arbeitslosengeld 1 gelockert, vollständig beantwortet werden die Fragen durch die ersten Erklärungen aber nicht. Laut der Website der Arbeitsagentur wird der Bezug von Arbeitslosengeld 2 automatisch bis zum 30. August verlängert. Wir hatten die Behörde am Freitag um Klarstellung gebeten. Eine Antwort wurde uns für morgen zugesagt.

Die Situation für Filmschaffende ist schwer zu überschauen. Die Münchner Filmwerkstatt will morgen mit einem kostenlosen Online-Seminar etwas Licht ins Dunkel bringen. Zwei Stunden lang wird der Fachanwalt für Arbeitsrecht Steffen Schmid-Hug über Kündigungen, Kurzarbeit und mehr informieren. Das Seminar startet am morgigen Dienstag, 7. April, um 18 Uhr. Anmeldungen werden bis 12 Uhr an (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen) erbeten.

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