„Do the Right Thing“ drehte Spike Lee (Mitte) vor mehr als 30 Jahren. Der Film ist leider immer noch aktuell. | Foto © UIP

In den vergangenen Tagen bestimmte nicht mehr allein das Virus die Nachrichten – alle Aufmerksamkeit gilt den Demonstrationen in den USA, die zeigen, dass auch die alten Probleme noch nicht gelöst sind. Die Nachrichten aus der Filmwelt sind in diesen Tagen spärlich.  

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Er wuchs selbst in Brooklyn auf, und dort ist auch sein Film „Do The Right Thing“ verortet: Der US-amerikanische Schauspieler und Filmemacher Spike Lee hat 1989 ein aufwühlendes Drama über das explosive Potenzial von ganz alltäglichem Rassismus geschaffen. Der Filmtipp auf „Kino Zeit“.

„Wie mein Vater Zeit seines Lebens erklärt hat, ist Randale die Sprache der Ungehörten“, twitterte der Sohn des ermordeten Bürgerrechtlers Martin Luther King. „Natürlich dauerte es nicht lange, bis er von Massen weißer Männer erklärt bekam, dass sein Vater das ganz anders gemeint hatte und nur friedliche Proteste gute Proteste seien“. schreibt Michalis Pantelouris in „Übermedien“.

 

Die Branche regt sich und plant – es ist Zeit, das eigene Profil auf Crew United auf den aktuellen Stand zu bringen und die Verfügbarkeit einzutragen. Das heißt: Bitte das Feld „beschäftigt bis“ mit dem betreffenden Datum ausfüllen. Dann können Suchende danach filtern. „Gerade jetzt, wo viele Produktionen wieder beginnen, wäre das eine große Arbeitserleichterung und würde den Personalsuchenden viele unnötige Telefonate ersparen“, schreiben uns die Personalsuchenden selbst.
Und ein Tipp für die Produktionen: Einfach unter „Jobs“ Inserate schalten. Dann werden umgehend alle Premium Member per SMS informiert, die darauf passen. Dann rufen die an, die können, und auch so werden viele unnötige Telefonate erspart.

Wie war das mit der Solidarität? Mit Sicherheitskonzepten allein ist es nicht getan, wenn es an der richtigen Einstellung fehlt. Ein erster Erfahrungsbericht eines*r Filmschaffenden zeigt, wie ein Dreh unter Corona-Bedingungen nicht ablaufen sollte. Namen spielen dabei keine Rolle – es geht um Grundsätzlicheres.

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Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler glaubt nicht wirklich, dass durch die Krise plötzlich alles anders wird. Wirkliche Veränderungen brauchen über eine Generation. | Screenshot

In der Krise braucht man Zuversicht: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 49. 

Heute ist der Corona-Blog mal ein bisschen anders als gewohnt. Denn ausnahmsweise besteht er aus einem Interview, das ich bereits Anfang April mit Herfried Münkler geführt habe – einem der (aus meiner Sicht) interessantesten deutschen Intellektuellen, Wissenschaftler und Beobachter des Zeitgeschehens: 

Münkler, Jahrgang 1951, wuchs in Bad Nauheim bei Frankfurt auf, studierte in Frankfurt, wo er mit dem Buch „Machiavelli. Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz“ (Fischer, Frankfurt 1984) promovierte, das bis heute als Standardwerk gilt. Von 1992 bis 2018 lehrte er als Professor für Theorie der Politik an der Berliner Humboldt-Universität.
Neben zahlreichen wissenschaftlichen Werken entstanden in dieser Zeit auch bei Rowohlt Bücher für ein breiteres Publikum, unter anderem „Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten.“  (Berlin 2005); „Die Deutschen und ihre Mythen“ (Berlin 2008); „Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918“ (Berlin 2013); „Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618–1648“ (Berlin 2017) und zuletzt gemeinsam mit Marina Münkler: „Abschied vom Abstieg. Eine Agenda für Deutschland“ (Berlin 2019). 

 

Herr Münkler, zu Beginn eine Frage, die gar nichts mit Seuchen und Pandemien und der aktuellen Lage zu tun hat: Sie sind Politikwissenschafter, Literatur benutzen sie ja in Ihren Büchern oft als Quellen – aber wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zum Film?
Nein, die verwende ich gar nicht. Ich hatte in meinem aktiven Berufsleben nie die Zeit, viel in Filme zu gehen. In mancher Hinsicht konkurrieren Bücher und Filme auch miteinander, um Zeit nämlich. Insofern habe ich zwar manche Filme gesehen, aber um mich zu unterhalten, nicht unter dem Gesichtspunkt, um durch sie eine Vorstellung von der kulturellen Veränderung dieser Gesellschaft zu bekommen.

Das ist schade …
Ja, ich weiß. Aber es gibt so Dinge, die funktionieren eben nur so. Es liegt wohl auch meiner Generation. Meine Frau ist achteinhalb Jahre jünger und da schon anders aufgestellt. Sie hat in Dresden an der TU ein paar Kollegen, die auch in der Literaturwissenschaft sehr viel mehr mit Filmen arbeiten. Wenn ich in dieser Hinsicht irgendetwas mitbekommen will, dann zapfe ich diese Quellen an.  Weiterlesen

Trotz Abstand: 1999, bei „Eyes Wide Shut“, sah der Dreh mit Maske noch anders aus. | Foto © Warner Brothers

Mit Sicherheitskonzepten allein ist es nicht getan, wenn es an der richtigen Einstellung fehlt. Ein erster Erfahrungsbericht eines*r Filmschaffenden zeigt, wie ein Dreh unter Corona-Bedingungen nicht ablaufen sollte. Namen spielen dabei keine Rolle – es geht um Grundsätzlicheres.

Jetzt, da sich der Corona-bedingte Stillstand aufzulösen scheint, möchte ich das Forum nutzen, um Missstände anzusprechen, die durch den neuerlichen Aufbruch verursacht werden können. Einerseits dürfen wir froh sein, dass es vielen von uns wieder möglich ist, Geld zu verdienen. Andererseits sollten wir dabei aber auch nicht unsere Gesundheit und unsere Rechte aus den Augen verlieren: eben nicht arbeiten um jeden Preis. Deswegen möchte ich eine Begebenheit schildern, die mich zutiefst erschüttert hat und mir gezeigt hat, dass trotz der „Normalisierung“ Vorsicht geboten ist. Daraus ergibt sich dann auch die Frage, wie wir Filmschaffende uns vor ähnlichen Fällen schützen können.

Mein Filmprojekt, das aufgrund der Corona-Pandemie für sechs Wochen unterbrochen wurde, hatte die Dreharbeiten wieder aufgenommen, um das Projekt in zwei Wochen abzudrehen. Alle Mitarbeiter*innen mussten vor Beginn die „Arbeitsanweisung Covid-19“ unterschreiben, die für jede einzelne Abteilung die vorgeschriebenen Sicherheit- und Hygiene-Maßnahmen aufgelistet hat (Sicherheitsabstände, Mund-Nasen-Schutz, Handhygiene etc.). Mit der Unterschrift haben wir uns verpflichtet, unbedingt und in jedem Falle diese Regeln einzuhalten. Darüberhinaus wurden wir jedoch zu keinen weiteren Maßnahmen (Corona-Test etwa, vor Ort bleiben am Wochenende oder ähnliches) aufgefordert. Lediglich die Schauspieler wurden getestet (der Haupt-Cast vor Drehbeginn, Episodenrollen vor ihrem jeweiligen Drehtag).

Nachdem das Drehpensum weitgehend reibungslos bewältigt wurde, trat ein Vertreter der Produktionsfirma nach der letzten Klappe vor das Team und teilte uns mit, dass am Vortag ein Schauspieler am Set anwesend war, der am Folgetag positiv getestet wurde. Er forderte uns auf, „ruhig zu bleiben“ und uns „diskret zu verhalten“. Wir sollten den Wiederholungstest am folgenden Tag abwarten, denn wahrscheinlich würde es sich um einen „ja relativ häufig auftretenden Falsch-Positiv-Test“ handeln. Allerdings sollten sich alle Personen am Set in eine Liste eintragen, die den Mindestabstand zu diesem Kollegen nicht konsequent eingehalten hatten.

Mittlerweile weiss ich aus sicherer Quelle, dass die Produktionsfirma zirka sechs Stunden vor dem Ende des Drehtags und der Teamansprache von dem Positiv-Test des Schauspielers erfahren hat. Sie hat zugelassen, dass zwei Schauspieler, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Set waren, weil sie später disponiert waren, ans Set kamen und ihre Einstellungen drehten.

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Clint Eastwood ist am Sonntag 90 geworden! Wir gratulieren. | Foto © Warner Bros. Entertainment, Claire Folger

Emsig wird daran gearbeitet, zur Normalität zurückzukehren. Zeitungsberichte und Petitionen erinnern aber auch daran, dass noch einiges nachzuarbeiten ist – besonders bei den Hilfen für Branche und Beschäftigte. 

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„Der Hüne mit sanfter Stimme wird 90“. Die „Berliner Zeitung“ gratuliert Clint Eastwood zum Geburtstag.
Auch die „Frankfurter Rundschau“ feiert den Schauspieler und Regisseur, obwohl der doch keine Geburtstage mag.
Tipps vom Altstar gibt’s in Text und Videos hier [auf Englisch].
Seine fünf besten Filme empfiehlt der Deutschlandfunk.

 

Seit gestern ist wieder mehr Kultur in Baden-Württemberg möglich. Theatervorstellungen, Konzerte und Kinoaufführungen mit weniger als 100 Besuchern sind wieder erlaubt – wenn die inzwischen üblichen Abstands- und Hygienevorschriften eingehalten werden können.  Eben dafür stellt das Förderprogramm  „Kultur Sommer 2020“ 2,5 Millionen Euro für „kleinere analoge Veranstaltungen“ bereit. Weitere 7,5 Millionen Euro sind im Programm „Kunst trotz Abstandfür Angebote und Formate vorgesehen, die eine längere Planung benötigen. Die Rechtsverordnung und Fragen und Antworten dazu.

Berlin gibt den Kinobetrieb erst ab 30. Juni frei, meldete „Blickpunkt Film“. Der späte Termin entspreche aber auch den Planungen der Kinobetreiber. Nur Open-Air-Veranstaltungen bis 200 Personen sind seit heute wieder möglich, Autokinos waren eh schon erlaubt.

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Die erste Probe der Berliner Philharmoniker nach dem Zweiten Weltkrieg war am 25. Mai 1945. Bei Corona dauert es länger. | Foto © Stiftung Berliner Philharmoniker

Jeder ist ein Künstler; außer den Sklaven: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 48. 

„Good-morning, Revolution:
You’re the very best friend
I ever had.
We gonna pal around together from now on.“
Langston Hughes

 

Was es alles für Fragen gibt, über die man sich potenziell viele Gedanken machen muss. So zum Beispiel, ob man „jetzt“ mit dem Zug fahren darf? Oder ist der Zug zu voll, um dem Durchschnittsmenschen der wohlfahrtsstaatlichen Demokratie ausreichend Sicherheiten vor Infektion zu gewährleisten. Soll man besser erster Klasse fahren? Oder mit dem Auto? In der privaten PKW-Filterblase ist es vergleichsweise Corona-sicher, aber das Klima, das Klima … Zudem reden wir von einer Welt, in der die Wahrscheinlichkeit bei einem Autounfall, zu sterben, genauso hoch ist, wie die Covid-19 zu bekommen. Man muss mehrmals leben, damit einem das passiert – statistisch gesehen. 

Trotzdem wird über das eine viel geredet, werden Gedanken und Sorgen hin und her gewälzt, über das andere nicht. 

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Der Telexet wird 40. Wofür das Proto-Internet alles nützlich ist, wurde früh erkannt. Der Künstler Dragan Epenscheid hat auf einer Website noch explizitere Pixelseiten zusammengestellt. | Screenshot

In Frankreich läuft die Produktion langsam wieder an – anscheinend in ähnlichem Tempo wie in Deutschland. Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen bestimmen auch hier die Meldungen aus der Branche. Zu den Pfingststagen gibt es noch zwei gute Nachrichten: Vor 40 Jahren starteten CNN und der Teletext. Jedes für sich, aber die Pfeiler fürs globale Informationszeitalter waren eingeschlagen.

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Pixel-Nacktbilder und SMS-Chats: Der Teletext wird 40. Keine Ahnung, was das sein soll? Das Redaktionsnetzwerk Deutschland gibt einen Rückblick und eine Art Nachruf.
Auch damals hatte die neue Technik schon ihre Schmuddelseiten. Das Projekt „Teletext Babez“ zeigt die schönsten Seiten im Bauklotz-Design.

 

Den aktuellen Stand in Frankreich fasst unser Kollege Olivier Kluyskens von Crew United France zusammen:
# Die Kinos öffnen am 22. Juni wieder. Die genauen Massnahmen werden noch bekanntgegeben.
# Die staatliche Filmförderung CNC hat einen eigenen Hilfsfonds von 50 Millionen Euro für Kinoproduktionen bereitgestellt, der ausschließlich mit öffentlichem Geld finanziert wird. Dies soll fürs erste die Versicherungen ,ersetzten’, was das Corona-Risiko angeht: Falls eine Produktion jetzt dreht und wegen des Virus’ (erneut) abbrechen muss, deckt dieser Fonds einen Teil des Verlusts – es gibt eine Obergrenze.
# Die Produktion läuft langsam wieder an. Viele Daily Soaps drehen schon. Im Juni sollten zwei große Kino-Produktionen, deren Dreh im März unterbrochen wurde, weitergehen – auf eigenes Risiko, denn Corona wird von der Versicherung nicht gedeckt. Einige Kinofilme, die im März in Vorbereitung waren, planen einen Drehstart im Juli oder August.
# Cannes wird nächsten Mittwoch seine „Labels“ bekanntgeben. Das sind die Filme, die im Wettbewerb hätten laufen sollen.

Andere Veranstaltungen sind in Frankreich bereits ab kommenden Dienstag erlaubt, die Kinos öffnen landesweit erst drei Wochen später, meldet auch „Blickpunkt Film“. Diese Entscheidung sei in Abstimmung mit der Kinowirtschaft gefallen sei, habe Premierminister Edouard Philippe betont: Sie wolle den Neubeginn nach Corona auch mit nationalen Kampagnen begleiten.

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In der SWR-Serie „Labaule & Erben“ spielte Irm Herrmann (rechts) ihre letzte Rolle. Sie ist noch in der Mediathek zu sehen. | SWR, Violet Pictures, Maor Waisburd

Und? Fake-Fakten und Flurfunk, Freiheitsparadox, Film- und Lektüretips für Pfingsten: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 47. 

„Es kam ein Brausen, wie wenn ein Sturm daherfährt, und es erschienen Feuerflammen, auf jeden ließ sich eine nieder.“
Apostelgeschichte 2.2-3

„Ich glaube nicht an eine Kunst, die auf einer Kompositionsidee basiert oder einer Form. Im Grunde ist es meine Idee, allem entgegenzuwirken, was ich je gelernt habe oder was man mir beibrachte, um etwas anderes zu finden.“
Eva Hesse, Künstlerin (1936-1970)

„Erstens: Erkenne die Lage.
Zweitens: Rechne mit deinen Defekten, gehe von deinen Beständen aus, nicht von deinen Parolen.

Drittens: Vollende nicht deine Persönlichkeit, sondern die einzelnen deiner Werke.“
Gottfried Benn

 

„Der Flurfunk fällt weg.“ Ein Freund erzählt mir, wie er das nach wie vor andauernde Arbeiten im Home-Office empfindet: „Gerhard Polt kommt manchmal rein, und sagt einfach nur: ,Und?’ Das löst alles aus.“ Und jetzt falle dieses ganze Nebensächliche weg. Das Weiche, Unstrategische. Die strategische Verhalten infiltriere auch noch das Private. Zur Gesprächskultur gehöre ja gerade, was Falsches zu sagen, ja auch was, worauf das Gegenüber beleidigt reagiert. In der Zoom-Konferenz aber funktioniere das alles nicht mehr. 

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Tatsächlich sind der Überschuss und der Exzess vielleicht das Wichtigste menschlicher Kommunikation. Man könnte also sagen, dass Corona in diesem Sinn durch das genannte Stromlinienförmig-Werden alles noch weiter neoliberalisiert, als es sowieso schon war. Es gibt aber sofort dazu auch eine Antithese. 

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Kinos im Stillstand 17: Der „Filmrauschpalast“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Die 50. Ausgabe! So richtig freuen wollen wir uns nicht über dieses Jubiläum. Weil wir   aber gefragt wurden, schildern wir am Ende dieser Ausgabe unsere Eindrücke von der Filmbranche in der Corona-Krise.

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Vor dem Virus sind nicht alle Erwerbstätigen gleich. Dies ist ein Ergebnis einer Studie zu den Folgen der Pandemie in Deutschland. Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) befragen seit Anfang April am Telefon eine Stichprobe von mehr als 12.000 Menschen, die Ergebnisse werden kontinuierlich veröffentlicht: „Mit den ungleichen ökonomischen und alltäglichen Lebenssituationen entstehen und wachsen auch die Sorgen in unterschiedlicher Weise. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass einzelne Bevölkerungsgruppen die Krise leichter bewältigen werden als andere“, heißt es im Kurzbericht.
Dennoch sorgten sich die Beschäftigten um die gesamtwirtschaftliche Situation, aber kaum um die eigene wirtschaftliche Lage: Die erste Sorge hat sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht, die zweite ist sogar gesunken – lediglich die Niedrigverdiener*innen blicken auch etwas weniger zuversichtlich in die eigene Zukunft.

 

Einen „Offenen Brief aus der Risikogruppe“ haben 80 Schauspieler*innen, Filmemacher*innen und andere am 17. Mau ans Bundeskanzleramt und die Staatskanzleien der Bundesländer geschickt. Anlass war der „vom RKI etwas pauschal definierte“ Begriff der „Risikogruppe“ und seine möglichen Auswirkungen auf Teile des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und auf Menschen in kreativen Berufen:

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„We Are One“ – das Youtube-Film-Festival ist ein Betrug am Zuschauer und ein Verrat am Kino: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 46.

„Brandige Glieder können nicht mit Lavendelwasser geheilt werden.“
Georg Wilhelm Friedrich Hegel

 

Morgen am Freitag geht es los. Ein „globales Filmfestival“. Alle wichtigen Filmfestivals sind dabei. Insgesamt 21 tun sich zusammen. Alle zeigen Filme. Dazu Aufzeichnungen von Podiumsdiskussionen, Masterclasses und Präsentationen. Und alles gratis. 

Begleitet von einer Spendenaktion für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weitere lokale Charity-Organisationen. Die Berlinale ist natürlich auch dabei. 

Eine tolle Sache – oder? 

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Es klingt wahnsinnig menschlich: „We are one“ – „Wir sind eins“. So wie man sich die Welt eben wünscht, wenn man sie sich malen könnte, und wenn das Eine Einzige Übrigebleibende nicht gerade ein globaler Konzern, ein transnationaler Streamingdienst oder ein weltweites Online-Kaufhaus ist. 

„We are one“ das klingt fast so wie „We are the world. We are the children“ – sehr werbetauglich, sehr amerikanisch, sehr nach saccharingesüßter Humanität und aseptischen Gefühlen.

Machen wir uns bitte nichts vor: „We are one“ ist zuallererst einmal eine Marketingidee. Der Versuch einer Markenbildung. 

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Philipp Hartmann „66 Kinos“ sind zwar schon drei Jahre alt, aber der Film zur Stunde. Grandfilm bringt die Liebeserklärung jetzt ins Online-Kino. | Foto © Grandfilm

Die Streams der Woche. Von Elisabeth Nagy

Die Verwirrung war eine Weile lang komplett. Die Meldungen lauteten von Öffnungen mit Auflagen bis „jetzt noch nicht“. Was denn nun? Öffnen die Berliner Kinos nach dem 5. Juni oder steht es noch nicht fest? So oft ich den Rechner angeworfen hatte, sagten die Headlines etwas anderes. Die Tagespresse, die Fachpresse, die Brancheninfos. Puh. Bayern will ab dem 15. Juni den Kinobetrieb ermöglichen. Hamburg meldete am vergangenen Dienstag, dass am Mittwoch gespielt werden darf. Dazwischen reihen sich die Bundesländer fein säuberlich auf, jeden Tag ein bißchen mehr Kino. Oder doch nicht? Am Donnerstag, also heute, soll es eine weitere Sondersitzung geben, beziehungsweise wird es diese gegeben haben. Wie auch immer das Urteil für die Berliner Kinos ausfällt, unser Brancheninfo wird es dann wissen, zumindest eine Agentur hat hier bereits vor einigen Tagen Nägel mit Köpfen gemacht und zur ersten Post-Lockdown-Pressevorführung eingeladen. Hamburg – München – Berlin. Am 3. und am 4. Juni, also zumindest in Berlin und München vor den eigentlichen Öffnungen. Man muss sich anmelden. Nicht auszudenken, wenn sich jetzt 100 Kolleg*innen anmelden, und 50 müssen dann wieder ausgeladen werden. Auch hier soll gelten: Mund-Nasen-Schutz im Foyer, Abstand auf Anderthalb und Abgabe von Kontaktdaten, sprich E-Mail-Adresse und Telefonnummer. 

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Die süße Last des Schreibens zeigt Spike Jonze schon 2002 in „Adaptation“. | Foto © Columbus Tristar

Selbst wenn morgen die Welt unterginge: Selbstbestimmung und Anregungsunternehmen, und kein Verrat am Kino: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 45. 

„Lieber Rüdiger: Die 50. Gedanken in der Pandemie liegen noch vor uns, denn Du bist ja ein paar Tage später regelmäßiger und wichtiger Teil unserer Corona-Mail geworden: Deine Gedanken entspringen zumeist aus dem, was Du beobachtest, hörst, erlebst, wiederentdeckst, liest … Wie geht es denn eigentlich Dir selbst als ,Selbstständiger’, als Person und Mensch in dieser Pandemie? Hat sich Menge und Art der Aufträge geändert, haben sich Arbeitsweisen geändert, was vermisst Du besonders?“
Oliver Zenglein

 

Auf die oben zitiert Mail von Oliver Zenglein, einer der beiden Gründer von Crew United, habe ich es erst mit einer kurzen Antwort versucht. Aber ich wusste, dass er die Frage ernst meint. Daher wollte ich sie auch ernsthaft beantworten. 

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Lieber Oliver, zunächst mal: Mir geht es gut! Für mich persönlich ist die Krise auch eine sehr angenehme Erfahrung gewesen. Ich konnte länger schlafen, musste nicht zwangsläufig aus dem Haus, habe neue Techniken kennengelernt und viel telefoniert.

Wie relativ viele Journalisten gehöre ich, entgegen dem Trend, zu den Profiteuren der Krise. Denn so, wie so viele Leute wie seit Jahrzehnten gerade die „Tagesschau“ und die Spezial-Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender schauen, so wie extrem viele gerade auch die Talkshows zu Corona ansehen, Zeitungen lesen, ja sich sogar im Netz alle möglichen Corona-Blogs reinziehen oder die ersten Corona-Bücher kaufen, die ja auch zurzeit gerade schon auf den Markt geworfen werden (was das Publikum natürlich auch deswegen tut, weil im Augenblick viele Menschen sehr viel Zeit haben), so geht es mir dann so, dass ich dieses gestiegene Bedürfnis bedienen muss. und deswegen keineswegs zu wenig Aufträge bekomme. 

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Der heimliche CDU-Vorsitzende, der Stilpapst, und die Autorin mit dem siebten Sinn: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 44. 

„Derjenige aber wird weniger irren und das Glück für sich haben, der in seiner Handlungsweise mit der Zeit übereinstimmt, und jederzeit gemäß dem verfährt, wozu die Natur der Dinge ihn zwingt.“
Niccolò Machiavelli

„Wenn Europa überhaupt noch eine Chance haben will, muss es sich jetzt als solidarisch und handlungsfähig bewähren.“ 
Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident

 

Es sind hochspannende Zeiten, in denen wir leben. Dieser Blog aber sei zuletzt „ein bisschen langweilig geworden“, meinte ein Freund. Dem können wir abhelfen.

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Zum Beispiel mit alten weißen Männern. Der erste von ihnen ist Wolfram Siebeck, einer aus dem Dutzend, die für mich persönlich ein echtes, großes Vorbild sind. Ein Mann der Superlative: Siebeck, geboren 1928 und leider 2016 gestorben, war der berühmteste Essens- und Gastrokritiker der Deutschen nach dem Krieg. Von ihm konnten man lernen, dass Essen nicht zum Sattmachen da ist, was Stil bedeutete, wie man gut schreibt und warum Frankreich am Ende das liebenswerteste Land der Welt ist. Seinen Werdegang als Autor hatte Siebeck als Filmkritiker begonnen – keine schlechte Voraussetzung. Dann kam er zu „Twen“, der vermutlich stilprägendsten (Design: Willy Fleckhaus), allemal aber lässigsten Zeitschrift der alten Bundesrepublik. Es spricht nicht gegen Siebeck, dass er 1969 auch noch Will McBride, dem amerikanischen Hausphotografen von „Twen“ die Frau ausspannte – mit Barbara McBride blieb er bis zu seinem Tod verheiratet. 

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Leuchten und Leiter denken wir uns auch noch weg, dann haben wir einen Set ganz ohne Spuren von Filmschaffenden. Die SPIO hat sich überlegt, was die Branche sonst so braucht. | Foto © Digital Academy – The Film School

„98 Prozent der Unternehmen und Beschäftigten in der Filmwirtschaft sind stark von der Corona-­Krise betroffen“ stellt die SPIO fest und legt ein Gesamtkonzept vor, was die Branche jetzt braucht. An fast alles hat sie dabei gedacht, nur eines hat die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft … vergessen? 

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Am Freitag beginnt „We Are One“: Das „globale Filmfestival“ wird von Youtube und 21 Festivals veranstaltet und mit einer Spendenaktion für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und lokale Organisationen begleitet. Bis zum 7. Juni werden Filme, Aufzeichnungen von Podiumsdiskussionen, Masterclasses oder Präsentationen gratis gezeigt. Die Berlinale ist auch dabei.
Der „Tagesspiegel“ weiß mehr dazu. 

 

Was die Filmbranche jetzt braucht, haben die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und ihre Mitgliedsverbände aufgeschrieben und ein Gesamtkonzept vorgelegt, wie der deutschen Filmwirtschaft in der anstehenden Wiederanlaufphase unter die Arme gegriffen werden kann und soll. Ein Durchstarten dieser „10-Milliarden-Euro-Branche“ würde nämlich besonders hohe positive Effekte auch in anderen Wirtschaftszweigen auslösen, so die SPIO. Zur Bekräftigung zitiert sie den FFA-Präsidenten (und ehemaligen BKM) Bernd Neumann: „Es geht um den Erhalt unserer Produktions- und Kinostruktur!“
Wo überall Geld gebraucht wird, listet die SPIO auf und hat dabei auch die Zukunft im Blick: Produktionsfirmen, Dienstleister, Verleih, Kinos, Filmerbe und Investitionen – alles soll unterstützt und gefördert werden. Nur an die Filmschaffenden selbst (die gerade zwischen Kurzarbeit, Arbeitslosengeld, Grundsicherung oder gar nichts von alldem rätseln, wie es weitergeht) hat die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft nicht gedacht. Dabei schreibt sie doch selbst: 98 Prozent der Unternehmen und Beschäftigten in der Filmwirtschaft sind stark von der Corona-­Krise betroffen. Womit eigentlich auch die letzte Forderung der SPIO überflüssig wird: „Die Professionalisierung und Weiterbildung“ sollte gefördert werden.“

„Wir müssen jetzt solidarisch sein“: Die Filmproduzentin Regina Ziegler spricht mit der „Berliner Zeitung“ über die Lage ihrer Branche und was die jetzt an Hilfe braucht.

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Kicken geht, Kino noch nicht – macht nichts: Fußball ist ja auch Kultur. | Foto © Buena Vista

Freiheit, Identität und Kultur: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 43. 

„Oder wir nehmen uns alle ein Beispiel an Robert Bressons Filmen, wo die Leute immer nur einzeln an einer Wand entlanggehen …“
Dominik Graf

„Ich glaube schon, dass das Geschichtenerzählen, dass Kultur, dass unser Beruf systemrelevant ist. Es ist einfach so: Zum täglichen Überleben braucht man keine Kinofilme, zumal keine neu produzierten, es gibt ja wahnsinnig viele Filme, die man sich erst noch anschauen kann. Also, man kann es für eine Zeit lang ohne Filme aushalten, aber irgendwann dann nicht mehr. Denn was ist das dann noch für ein Leben?“
Hans Christian Schmid

„People in free societies don’t have to fear the pathology of the state. We create our own frenzy, our own mass convulsions. The frenzy is barely noticeable most of the time. It’s simply how we live.“
Don DeLillo

 

So ganz kann ich tatsächlich nicht verstehen, was einige daran stört, dass jetzt die Fußball-Bundesliga wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen hat. Die Affekte gegen Millionäre und Spitzenverdiener sind in dem Zusammenhang eh vor allem populistisch.

Ein Spiel mit Fans ist viel, viel besser, gar keine Frage. Schon alleine deshalb, weil die Fans eine Mannschaft aufbauen, aufpeitschen, also sie motivieren können, weil das Publikum einen Mehrwert ausmacht und sich das alles auf die Zuschauer überträgt. Gar keine Frage.

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Kinos im Stillstand 16: Das „Delphi Arthaus Kino“ in Stuttgart. | Foto © Stuttgarter Arthaus Kinos

Eigentlich sollte es eine tolle Sache werden. Doch Bayerns Kulturschaffende äußern sich begeisterungslos über die neue Hilfe, die ihnen versprochen wurde. Die Landesregierung griff die Kritik umgehend auf und besserte heute nach – zumindest an einer Stelle.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Kritik an Bayerns Künstlerhilfe: „Die Corona-Pandemie zeigt, wo im Kulturstaat Bayern die Künstler, die Kulturschaffenden stehen. Sie zeigt aber auch, für was sie dienen: Zur Steigerung der Popularitätswerte von politischen Eliten.“ Der Musiker Uli Zrenne hat in einem Offenen Brief die bayerische Künstlerhilfe auseinandergenommen und ist „sprachlos ob so viel Zynismus, falscher Versprechungen und dilettantischer Politik.“

Was weitere bayerische Künstler vom Hilfsprogramm halten, fragte die „Passauer Neue Presse“. Die unterschiedlichen Antworten sind gleich. Als Spoiler ein Zitat: „Ich fühle mich nicht allein gelassen. Ich fühle mich einfach nur komplett verarscht.“

Ein Haken am bayerischen Künstlerprogramm: Hilfe sollte es nur für diejenigen geben, die zuvor keine anderen Maßnahmen in Anspruch genommen hatten. Die Kritik wurde offenbar erhört, das Land bessert nach: Bereits gewährte Hilfe wird angerechnet und auf den Betrag des neuen Programms aufgestockt. Das erklärte Kunstminister Bernd Sibler heute bei einer Pressekonferenz (ab Minute 29:00).
Da kündigte Ministerpräsident Markus Söder auch an, wann wieder Theater, Konzerte und Kinovorführungen in geschlossenen Räumen stattfinden können: später als in anderen Bundesländern, am 15. Juni.

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