So heftig ist der Corona-Filmriss: Die „Wirtschaftswoche“ zeigt’s mit einer einfachen Infografik. | Screenshot

In Deutschland kämpfen mehr als tausend deutsche Filmtheaterunternehmen um ihre Zukunft. Der zweite Lockdown bedroht die deutschen Kinos in ihrer Existenz. Wie schlimm es steht, zeigt die „Wirtschaftswoche“ mit einer simplen Infografik.

 

Filmemachen ist Teamarbeit. Trotzdem erhalten zumeist die Regisseur*innen die Lorbeeren, obwohl es ohne Drehbuch gar keinen Film gäbe. Spricht man mit Autor*innen, hört man fast immer Klagen, allerdings stets mit der Bitte verbunden, sie nicht namentlich zu zitieren, damit sie nicht auf einer Schwarzen Liste landen, berichtet „Menschen machen Medien“. Dieses Schicksal werde jetzt wohl auch Christoph Fromm blühen  – der Drehbuchautor rechnet in seinem satirischen Roman „Das Albtraumschiff“ mit der TV-Branche ab: Seine Hauptfigur ist ein einst gefeierter Autor, dessen Hauptarbeit nun darin besteht, seine Werke gegen ahnungslose Redakteure und überschätzte Schauspieler zu verteidigen. Das sei zwar teilweise auch ins Groteske verzerrt, erklärt Fromm im Vorwort, aber hinter der satirischen Überspitzung schimmere eine Wahrheit durch, die viele seiner Kollegen unterschreiben würden.
Die meisten Ereignisse, ergänzt der Artikel, stammten aus den Jahren 2015 bis 2017. „Seither hat sich in der Branche jedoch Einiges getan. Viele Autoren haben sich zu ,Kontrakt ’18’ zusammengeschlossen; die Initiative fordert unter anderem einen größeren Einfluss der Verfasser auf den fertigen Film.“ An dieser Situation habe sich nichts geändert, sagt Fromm: „Die allermeisten Unterzeichner der Petition können Forderungen wie die Kontrolle über das eigene Drehbuch oder ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Regisseurs in der Praxis niemals durchsetzen“ und „kritische, innovative Geister werden noch rigoroser aussortiert.“  Die „Quotengeilheit aller Sender“ habe ohnehin zur Folge gehabt, dass es „keinerlei Qualitätsunterschiede“ mehr zwischen den Angeboten von ARD, ZDF und den Privatsendern gebe. Sein Buch wirft den Sendern vor, jahrelang einen „Kult der Dummheit“ gepflegt zu haben, der letztlich dafür verantwortlich sei, dass „die Demokratie den Bach runtergeht“.

Die Corona-Krise zeitigt ein weiteres prominentes Opfer: Für den ersten Post-Lockdown-„Tatort“ musste das Drehbuch kurzfristig umgeschrieben werden, berichtet der „Weserkurier“: „Augenfällig ist, dass mit extrem dünner Personaldecke gedreht wurde. Kommissariat und Kantine wirkten trotz geschickter Kameraführung seltsam ausgestorben. Und als das Drehbuch behauptete, Hunderte Gäste würden zu einer Theateraufführung in der Burg erscheinen, behalf sich die Regie mit dem Bild eines ausgelasteten Parkplatzbereichs und Applaus vom Band.“
Auch die „Gala“ interessierte, wie herausfordernd es war, einen Krimi unter Corona-Bedingungen zu drehen. Sie fragte gleich die Regisseurin Buket Alakus. Für sie sei es „Himmel und Hölle“ gewesen. „Als wir endlich nach dem Lockdown mit den Drehvorbereitungen beginnen durften, war das Drehen unter Corona-Bedingungen Neuland für uns alle“, so Alakus. Obwohl alle „theoretisch sehr gut auf den Dreh vorbereitet waren, mussten sich die Abläufe in der Praxis natürlich erst einspielen.“ Denn vieles, was beim Drehen eigentlich normal sei, sei plötzlich zum Problem geworden. Im Grunde genommen seien alle gezwungen gewesen, „anders kreativ“ zu sein, was manchmal zu „großartigen“ Ideen geführt habe, manchmal aber auch „frustrierend“ gewesen sei.

 

„Haben die Streaminganbieter Corona erfunden?“ Die schelmische Frage ist nur rhetorisch gemeint, die jährliche Marktforschungsstudie des Audience Project liefert die ernsten Daten dazu. „Insights 2020“ fragt unter anderem nach der Mediennutzung im Corona-Jahr.  „Digitalfernsehen“ fasst die Erkenntnisse zusammen: Für Deutschland wurde festgestellt, dass lineares Fernsehen auf 79 Prozent (von 80 Prozent im Vorjahr) gesunken sei. In den nächsten fünf Jahren sehen sich nur noch 52 Prozent der Deutschen als lineares Fernsehpublikum. Zugleich steige der Streaming-Konsum drastisch: 56 Prozent streamten wöchentlich, im Vorjahr waren es nur 43 Prozent. 21 Prozent der deutschen Konsument*innen streamten mehr, während sie weniger lineares TV schauten. 15 Prozent der Zuschauer seien sogar ausschließlich auf Streaming-Plattformen unterwegs. Dort bleibt Netflix die Nummer eins, doch Amazon Prime Video holt auf, gefolgt von Youtube, Disney+ und Joyn. Von Disneys Streamingangebot war ein Drittel der Abonnenten enttäuscht – das sei „mit Abstand der höchste Anteil unter allen untersuchten Märkten.“

Die Streaming-Giganten bestimmen immer mehr, welche Geschichten erzählt werden. Die „New York Times“ erzählt, wie Apple TV eine Serie über das Klatschportal „Gawker“ vorbereitete – bis Firmenchef Tim Cook dahinterkam. „Gawker“ hatte ihn einst als schwul geoutet, nun wurde die Serie von Cook persönlich abgeschossen.
Die Sache habe durchaus einen unheimlichen Hintergrund, bemerkt „Meedia“ dazu: „Hollywood ist jetzt fest in der Hand von riesigen Unternehmen mit Einzelpersonen als Anführern – Mr. Cook und Apple, Amazon und sein Chef Jeff Bezos, Netflix-CEO Reed Hastings und AT&Ts Top-Manager John Stankey – mit ihren großen Verbrauchermarken und anderen dringenden Prioritäten, wie ihre lukrativen Geschäfte in anderen Branchen und ihrem Zugang zu internationalen Märkten. Bislang ist Apple TV+ das einzige Streaming-Studio, das den Filmschaffenden unverblümt erklärt, wo die Grenzen des Unternehmens liegen – obwohl Disney mit seinem riesigen Themenpark-Business in China die gleiche Aversion wie Apple hat, sich mit Chinas Staatschef Xi Jinping anzulegen.“

Für das kommende Jahr rechnet die Allianz-Versicherung mit weniger Schäden und Verlusten  im Entertainment-Bereich, berichtet das „Handelsblatt“ und erklärt das Geschäft: Corona-bedingt hatten viele Studios ihre Dreharbeiten unterbrochen. Nach den Belastungen aus der Versicherung von Filmen und Konzerten in diesem Jahr rechnet die Versicherung für 2021 mit einer „deutlichen“ Besserung in diesem Bereich, könne weitere Verluste jedoch nicht ausschließen. Dennoch gibt sich Michael Furtschegger, Entertainment-Chef bei Allianz, optimistisch: „Im Moment wird zwar weniger gedreht, was sich auch im Versicherungsbedarf widerspiegelt. Wenn aber die Impfung in der Breite erfolgt sein wird, bin ich mir sicher, dass die Filmversicherung wieder an das frühere Wachstum anknüpfen wird.“ Das habe nicht zuletzt mit den vielen neuen Streaming-Anbietern zu tun, die jede Menge Inhalte produzieren würden.

 

Kunstschaffende berichten von ihren Lockdown-Erfahrungen. Teil vier in der Reihe bei „Profil“: Adrian Goiginger, Filmemacher. Der gibt sich zuversichtlich: „Ich hatte Glück: Als der Lockdown kam, habe ich geschrieben, danach konnte ich drehen, also zu jeder Zeit Geld verdienen. Aber klar, Konzertmusiker oder Bühnenschauspieler sind hart getroffen, finanziell und emotional. Im Film sind wir da privilegiert. Viele Filmschauspieler erzählen mir, dass sie seit Sommer mehr zu arbeiten haben denn je, es wird extrem viel produziert, denn die Nachfrage nach Content ist im Lockdown ja eher noch gestiegen.“

Mit dem selben Nachruf erinnern „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ an John le Carré, der am Samstag verstorben ist: In seinen Romanen, die zum Teil sogar mehrfach verfilmt wurden, habe der Autor „in Stil und Sujet Maßstäbe gesetzt“ und „ließ seine Leser nie vergessen, dass auch Spione bluten, wenn man sie sticht.“ Erfahrungen hatte le Carré selbst sieben Jahre beim britischen Geheimdienst gesammelt. Doch was er sich ausdachte „war spannender als das Leben, aber doch nicht jenseits aller Plausibilität. Und schon zitiert man ihn am besten wieder selbst, nämlich damit, wie er über einen berühmten fiktiven Landsmann dachte: ,Ich habe Bond nie wirklich als Spion gesehen. Ich halte ihn eher für ein Wirtschaftswunderkind des Westens, mit der Lizenz, sich im Interesse des Kapitals extrem schlecht zu benehmen.’“

 

Den Indiefilmtalk hatten wir in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Jetzt kommt die Zeit, das Versäumte nachzuholen, denn der Podcast für Filmschaffende geht in die Winterpause: Um die Drehbucharbeit an der Mystery-Serie „Hausen“, die Sichtbarkeit des Kurzfilms und die internationale Koproduktion osteuropäischer Filme ging es in den jüngsten Podcast-Folgen.
Vor der Pause dreht der Indiefilmtalk aber nochmal kräftig auf. Im letzten „Filmbreak“ des Jahres, der  Filmanalyse für Filmschaffende, werden am kommenden Freitag Lieblingsszenen genau unter die Lupe genommen.
Am 23. Dezember lädt das Team zum traditionellen „Glühweindialog“ und spricht mit dem Festivalmacher und Kurator Ludwig Sporrer über die Film-Glanzlichter des Jahres und die Zukunft des Kinos.
Und damit’s auch in der Stillen Zeit nicht allzu still bleibt, gibt man das Mikro kurz weiter und macht Platz für wahre Geschichten: „Du hast was richtig Blödes am Set erlebt? Etwas ist mal gehörig schief gelaufen im Schnitt? Oder dir ist was ganz Besonderes bei einem Filmfestival passiert, dass du gerne mit uns teilen möchtest? Nimm deine FuckUp-Story oder dein OutStanding-Moment auf (maximal drei bis fünf Minuten) und sende uns deine Sprachnachricht.“ Alle Beiträge werden nur der Winterpause vom 1. Januar bis 28. Februar zu hören sein.

Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und 3sat setzen ihre Kooperation neu auf, meldet das Festival: Der Sender stifte (wie bisher, aber unter neuem Namen) einen Nachwuchspreis über 2.500 Euro im Deutschen Wettbewerb und kaufe zwei weitere Preisträgerfilme aus dem Festivalprogramm an, die im Umfeld der kommenden Kurzfilmtage ausgestrahlt werden.
Im März hatte der Sender seine Partnerschaft mit dem Festival gekündigt und wollte seinen Förderpreis einstellen, berichteten unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“ und der Deutschlandfunk. Das hatte zu zahlreichen Protesten von Filmschaffenden geführt. 13 Filmverbände hatten in einem Offenen Brief gegen die „Abwicklung des Kurzfilms bei 3sat“ protestiert. 

 

Zum virtuellen Austausch und Netzwerken der Filmschaffenden lädt MFG Baden-Württemberg am morgigen Donnerstag, 17. Dezember, beim ersten „Jour Fixe Digital“ von 17 bis 19 Uhr. Zur Anmeldung geht es hier.

Wie steht der Nachwuchs in Hessen da, und was erwartet er sich von seiner Filmförderung? Die Antworten der 118 Teilnehmenden einer Umfrage haben die Hessen Film und Medien, die hessische Film- und Medienakademie und das Filmhaus Frankfurt jetzt vorgestellt. Sie sollen „dazu beitragen, die Angebote vom Filmhaus und seiner Partner noch zielgerichteter zu konzipieren, um den Nachwuchs in den nächsten Jahren noch effizienter zu unterstützen.“
Mit zwölf Seminaren, Workshops und Informationsveranstaltungen widmet sich das Filmhaus Frankfurt im kommenden Halbjahr unter anderem der sozialen Absicherung, Drehbedingungen unter Corona und der Kameraarbeit von Thomas Mauch. Eine neues „Ampelsystem“ gibt Empfehlungen für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten.

 

„Es wird begrapscht und Rollen auf dem Sofa vergeben: Die internationale Filmindustrie hat sich in den letzten Jahren von ihrer schäbigen Seite gezeigt“, schreibt die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. „Und wahrscheinlich sind die #MeeToo-Fälle nur die Spitze eines Eisberges. Darunter herrscht, so die Annahme, ein intransparentes Geflecht aus verdeckten Abhängigkeiten, unfairer Entlohnung und Kungelgruppen, die um Fördergelder konkurrieren. In der Filmindustrie geht es also ungerecht und unfair zu. Das ist in der Branche zwar ein offenes Geheimnis, doch Genaues weiß man nicht.“
Ein internationales Forschungsprojekt soll nun Licht in dieses Dunkel bringen. Fünf Medienforscher*innen der Universitäten Rostock, Glasgow (Großbritannien), Edmonton (Kanada) und Melbourne (Australien) werden in den kommenden drei Jahren „die bislang wenig beforschten (Arbeits-)Zustände in der Filmindustrie“ genauer untersuchen. Allerdings unter einem thematischen Schwerpunkt: die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.
Das fördert die „Open Research Area (ORA) for the Social Sciences“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft und weiterer Institutionen in Frankreich, Großbritannien, Kanada mit 1,47 Millionen Euro. Das Gesamtprojekt leitet Skadi Loist, Juniorprofessor*in an der Filmuniversität. Die Forschungsergebnisse sollen „zu mehr Transparenz und Fairness in der Branche sowie zu einer gerechteren Vergabe von Fördermitteln beitragen“.
Dafür würden nicht nur statistische Daten zusammengetragen, sondern auch persönliche Beziehungen der Filmschaffenden untereinander gemessen. „Erstmalig in der Medienforschung sollen dabei qualitative Expert*innen-Interviews und die sozialen Beziehungen der Branche mit Wirtschafts- und Finanzdaten kombiniert werden. Damit wird ein umfassendes Bild des Feldes ermöglicht. Methodisch ist dieses innovative Design von Big-Data- und Netzwerk-Methoden zukunftsträchtiges Neuland.“

 

Aus der Geschichte der Defa erzählt die „Berliner Zeitung“. Nämlich wie der ungarische Regisseur György Hintsch Ende der 1960er-Jahre eine Verwechslungsatire um zwei Zwillingsbrüder im auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gedreht hatte, der Film in der DDR aber sogleich gesperrt wurde. Wie der Defa-Regisseur Joachim Hasler Anfang der 1980er-Jahre etwas ähnliches um zwei Zwillingsschwestern in Ost- und West-Berlin drehen wollte, aber schon mit dem Vorschlag gestoppt wurde: „Es sei chancenlos, die Idee überhaupt weiterzureichen. So bleibt der Spatz im Käfig. Und der Kassenknüller ein unerreichbarer Traum.“
Was wahrscheinlich nicht mal übertrieben ist: Ende der 1980er-Jahre, kurz vor dem Mauerfall, inszenierte in der BRD Ilse Hofmann die Satire um zwei Zwillingsbrüder auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Vier weitere Filme um „Schulz & Schulz“ folgten.

Deutschlands Film-Stuntleute zahlen ihre Corona-Hilfe zurück, meldet die German Stunt Association (GSA). Bereits Ende März hätten die Corona-Maßnahmen zu einem Ausfall von 97 Prozent der Aufträge für Stuntleute geführt, „wodurch auch mit einem hohen Ausfall an Einnahmen für den Berufsverband zu rechnen war.“ Der Berufsverband der Stuntwomen und Stuntmen hatte darum Soforthilfe des Landes Berlin und des Bundes beantragt. „Schnelles, kreatives und unternehmerisches Handeln des Vorstands, der Geschäftsführerin aber vor allem der unglaublich aktiven und solidarischen Community haben dazu beigetragen, dass der Verband seine finanzielle Grundlage nicht verliert“, so der Verband. „Und wir sind sehr glücklich, aber auch stolz, die Förderung letztendlich nicht in Anspruch nehmen zu müssen und komplett zurückzahlen können.“

 

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