Na also, es gibt auch gute Nachrichten: Die Riesenpandas im Zoo von Hongkong haben „es“ endlich getan, und Arte hat auch mehr Zuschauer*innen. | Screenshot

Ganz versteckt gibt’s zu Ostern auch mal gute Nachrichten: Die Arte-Mediathek hat guten Zulauf – vielleicht stellt das ja mal manches Programmkonzept auf den Kopf – nachher, wenn die Krise vorbei, die Gesellschaft eine bessere geworden ist und eine neue Welt … Bis es soweit ist, wollen wir das schon ein wenig praxisnäher angehen und verweisen mit möglichst viel Nachdruck auf eine aktuelle Umfrage. Gleich am Anfang, nach den Riesenpandas. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. 

 

13 Jahre schon leben Ying Ying and Le Le zusammen im Zoo von Hongkong. Der ist nun geschlossen, und die beiden Riesenpandas nutzten die Gelegenheit, um endlich zu tun, worauf alle die ganze Zeit vergeblich gewartet hatten. Der „New York Times“ war der Vollzug eine Twitter-Meldung wert. Dann dürfen wir das auch, zum leichten Einstieg.

 

Welche Auswirkungen haben die Corona-Maßnahmen für die Menschen in der Film- und Fernsehproduktion? Das wird ja zurzeit oft gefragt, hier wird’s aber ernsthaft: Wie viele Filmschaffende haben überhaupt Anspruch auf Hilfsmaßnahmen und falls ja, wie ist der Stand? Einen Überblick soll eine Umfrage schaffen. Konzipiert hat sie Jörg Langer, der unter anderem in einer Studie „Die Situation der Film- und Fernsehschaffenden 2015“ untersucht hat, in Zusammenarbeit mit AG Dok, BVFK und Crew United.
Die Umfrage braucht nur fünf Minuten. Doch es muss nun schnell gehen, betont Langer: In der nächsten Woche soll schon ausgewertet werden. Die Ergebnisse werden im Anschluss allen Verbänden und Institutionen kostenlos zur Verfügung gestellt, „um eine substanzielle Verbesserung der Hilfemaßnahmen für die Branche zu erreichen.“

 

„Angst frisst Demokratie“, mahnt Jakob Augstein im „Spiegel“: „Das Corona-Erlebnis wird auch darum in die Geschichtsbücher eingehen, weil es sich hier um die erste Krankheit handelt, die auch über das Netz übertragen wird.“  

„Es wirkt!“ meldet hingegen „Der Spiegel“ selbst: Eine Simulation von Max-Planck-Forschern zeigt erstmals, welchen Effekt Kontaktsperren haben. Ohne sie wären die nachgewiesenen Corona-Zahlen wahrscheinlich doppelt so hoch. 

„Forscher bezweifeln Sinn von Schulschließungen“ verkürzte gestern der „Spiegel“ neue Erkenntnisse ins Falsche. Wissenschaftler aus Großbritannien und Australien hatten 16 internationale Forschungsarbeiten ausgewertet und selbst erklärt:

Die Datenlage sei noch schlecht, der Effekt von Schulschließungen bislang kaum berücksichtigt, die Aussagen widersprüchlich, Rechenmodelle besagten das Gegenteil, und ob sich Erkenntnisse aus der Sars-Pandemie von 2003 ohne weiteres übertragbar sind, fragen sie sich selbst. Dem „Spiegel“ ist es trotzdem eine Meldung wert. Die eigentliche Folgerung, die die Wissenschaftler aus ihrer Auswertung ziehen, zitiert das Magazin aber nicht: Die argumentieren nämlich nicht gegen Schulschließungen an sich, sondern halten eine selektive Anwendung für effektiver: „Sollten die strengen Einschränkungen noch über einen längeren Zeitraum weiter gelten, müsse man andere, weniger störende Maßnahmen zur sozialen Distanzierung in Schulen überlegen.“

Und darum diskutierte „Der Spiegel“ gestern vor allem mit sich selbst und nannte auch gleich noch „Vier Gründe, warum die Schulen nicht einfach wieder öffnen können“.

Amerika lässt seine Ärmsten sterben, kommentiert „Die Zeit“. In der Corona-Krise offenbart sich, wie segregiert die USA sind: Afroamerikaner sterben weit häufiger als Weiße. Aber Donald Trump hat sich für sie noch nie interessiert.

Warum sterben in Deutschland weniger Menschen als anderswo? Die „New York Times“ versucht eine Erklärung der deutsche Ausnahme, „Die Welt“ fasst sie zusammen.

 

Beate Bahner, Fachanwältin für Medizinrecht aus Heidelberg, kündigte eine Normenkontrollklage gegen die Corona-Verordnung Baden-Württemberg an: Die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung seien verfassungswidrig und verletzten in bisher nie gekanntem Ausmaß eine Vielzahl von Grundrechten. Dies gelte für alle Corona-Verordnungen der 16 Bundesländer. Dazu gibt’s auch eine Petition.
Ach ja, den ersten Link hätten wir uns sparen können: Heute teilte die Anwältin in einer Rundmail mit, dass ihre Website ab 11 Uhr gesperrt sei. Aber hier steht’s auch.
„Der Spiegel“ berichtet ebenfalls. 

 

„Jage die Ängste fort“: Kulturstaatsministerin Monika Grütters sieht für Kunst und Kultur in der Corona-Krise allerhand Chancen – wenn die Künstler nur genug Fantasie zeigen. Zugegeben, auch ein paar Probleme, aber irgendwie entsteht im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ der Eindruck, alle seien bestens versorgt. Der Frage nach den Projektarbeitern weicht sie ein weiters Mal aus. 

„Spontaneität mitnehmen, Produktionsbedingungen nicht.“ In der ZDF-Neo-Serie „Drinnen“ spielt Lavinia Wilson gerade werktäglich eine Werberin in der Corona-Quarantäne – und jede*r dreht bei sich zu Hause. Wie Corona die Branche auf Trab bringt und über die Angst, dass das Prinzip Selbstausbeutung bleiben könnte. 

Für Nicht-Serien-Junkies ist die „Drinnen“ übrigens auch geeignet: die Folgen sind nur zehn Minuten lang. 

Wie ist die Situation für Filmschaffende zurzeit in Schweden? Kerstin Neuhaus, die von Deutschland aus skandinavische Schauspieler*innen vertritt, und Talent Manager und Producer Maria Vascsak aus Stockholm berichten im #BeCreativeAtHome!-Interview auf Casting-Network. 

„Irgendwann geht’s nicht mehr besser“: Über Ostern ist Annette Frier wieder mit Christoph Maria Herbst in der ZDF-Serie „Merz gegen Merz“ zu sehen. Ein Interview über Comedy und schwierige Themen.

Die Abrufzahlen der Arte-Mediathek sind um die Hälfte höher als im Vorjahr, sagt Intendant Peter Boudgoust: „Über alle Zeitschienen erreichen wir deutlich mehr Zuschauer, die zudem durchschnittlich jünger sind als vor der Krise.“ 

 

Betrifft: Arbeitslosengeld. In der Brancheninfo am Dienstag hatten wir über Lockerungen beim Zugang zum Arbeitslosengeld (ALG) berichtet. Dabei haben wir nicht deutlich unterschieden: Die Erleichterungen gelten lediglich für Selbständige, die freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, wie wir vor einer Woche präziser geschrieben hatten. Für auf Produktionsdauer Angestellte, die nun vor ALG1 oder ALG2 stehen, ist bislang nichts vorgesehen. 

Abgesehen von dieser Petition.  

 

„Unterlassene Hilfeleistung“ nennt Jan-Ulrich Bittlinger den Umgang mit der Nothilfe in Bayern in seinem Blog, der auch weitere Informationen für Selbständige bietet. Bittlinger, Wirtschaftsförderer von Murnau in Oberbayern, bemängelt, das „nur Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeiter*innen“ eine Chance auf die versprochenen Kredite hätten. Um das transparent zu machen, hat er ein Register angelegt: Betroffene können dort ihre Erfahrungen mit Banken oder Sparkassen melden, die einen Corona-Sofort-Kredit von KfW, LfA oder einer anderen Landesbank verwehrt haben oder zusätzliche Auflagen machen.

Die Förderer hatten ihr gemeinsames Corona-Hilfsprogramm für die eigenen Förderprojekte schon vorgestellt. Heute war morgen um elf war Start für die Anträge. Bei der MFG Baden-Württemberg sieht das nach schnell und einfach aus, der FFF Bayern hat auf seiner Website detaillierte Erklärungen dazu und auch weitere Links zu Hilfsprogrammen.   

 

Kreativ in der Krise. Karsten Morschett ist Schauspieler und Regisseur und leitet das Theater „Krimimobil“. Und damit ist die Situation auch schon klar. „Mir geht es im Moment natürlich wie den meisten Kollegen hier“, schreibt Morschett. Zu seinem Glück hat er in seiner Freizeit noch eine andere Leidenschaft, sogar mit Diplom: Morschett ist Biersommelier. Darum nutzt er die Zwangspause und bietet „Betreutes Trinken gegen den Corona-Koller zu Hause“ an: „Das war meine kreative Idee, um den Leuten zu Hause ein wenig Abwechslung zu bringen. Home-Office, Homeschooling und wenig Abwechslung. Da fällt vielen die Decke auf den Kopf.“ 49,90 kostet die Online-Bierverkostung. Dafür werden sieben verschiedene Biere samt Verkostungsgläsern nach Hause geliefert, der Sommelier schaltet sich per Videochat zu – »und zwar 90 Minuten lang,  die Länge eines verpassten Fussballspieles.« Danach merkt jede*r den Unterschied zwischen Pils und Weizen, und weiß auch, wie die kleinen Biere gemacht werden.

 

Und noch ein paar Tipps zum Hinschauen: Im Filmuni-Festival auf Radioeins präsentiert Knut Elstermann an drei Samstagen insgesamt 16 Kurzfilme der Filmuniversität Babelsberg und ihre Macher*innen.  Premiere ist am Ostersamstag, die drei Programme sind jeweils für eine Woche exklusiv im Stream zu sehen. Zum Auftakt am 11. April spricht Elstermann im radioeins-Filmmagazin „Zwölf Uhr mittags“ mit dem Nachwuchsregisseur Michael Fetter Nathansky über seinen Film „Und Weinen Können“ (2019).

„Schlawiner“ gegen Lagerkoller: Im Quarantäne-Special der legendären Serie melden sich Michael Ostrowski & Co. zurück und trotzen der Einsamkeit in diesen Zeiten mit Humor.

Wer sagt’s denn … die Kreativen in der Werbung kommen immer noch auf die originellsten Ideen: Die Agentur Jung von Matt ruft zum „ersten Indoor-Filmfestival der Welt“. Aha. Eingereicht werden können alle Filme, die in den eigenen vier Wänden und nach den geltenden Corona-Vorgaben gedreht wurden. Und zwar ab sofort – bewertet wird, sobald in Deutschland der Lockdown gelockert wird. Alle Themen seien erlaubt.

Komisch oder lustig sein … dafür gibt es zurzeit wenig Anlass. Eine heitere Ablenkung in Corona-Zeiten ist dennoch in Ordnung, findet DW-Filmexperte Jochen Kürten. Er hat zehn legendäre Komödien aus zehn Jahrzehnten fürs Heimkino ausgewählt: „Lachen in Krisenzeiten.“ 

 

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