Wir wollen nicht angeben mit unserer Collage. Sondern uns damit einfach mal zurückbedanken für die vielen Dankeschöns auf unsere Brancheninfos. Das spornt uns an. | Collage © cinearte

Die überall angekündigten Hilfsprogramme sind da (oder zumindest fast), Unsicherheit herrscht weiterhin in Sachen Kurzarbeit. Und wir schildern ein Beispiel, wie man die Krise zum Guten nutzen kann. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. Und bitten um Verständnis, wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Der Bundespräsident hat heute das Gesetzespaket mit den Milliardenhilfen in der Corona-Krise unterzeichnet. Die Gesetze müssen jetzt nur noch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden, dann soll die Hilfe rollen. 

Doch wie funktionieren diese und ähnlich Hilfsmaßnahmen in der Praxis? Wir bitten alle, die bereits Erfahrungen mit den Soforthilfen aller Art gemacht haben, um eine Einschätzung beziehungsweise einen Erfahrungsbericht.

 

Seit dieser Woche gibt es einen Kurzarbeit-Tarifvertrag für die Branche. Und der schafft weitere Unsicherheit. Die Berufsverbände prüfen noch, Juristen auf beiden Seiten sehen Probleme und zu viele offene Fragen. Und wie viele Fragen tatsächlich noch offen sind, erfahren wir seitdem in ratlosen E-Mails von Betroffenen. Die Antworten wissen wir auch nicht. Zum Ende der Woche scheinen uns aber folgende Hinweise für Betroffene, also alle Filmschaffende, die einen laufenden Vertrag haben, hilfreich zu sein:

# Überstürzt nichts.
# Erstmal keine Kurzarbeitergeld-Vereinbarung unterschreiben, die sich auf diesen Tarifvertrag beziehen, denn die Gageneinbußen und die „Anordnung“ scheinen zu groß zu sein. Für Verdi-Mitglieder kann die Kurzarbeit natürlich angeordnet werden.
# Die Entwicklung der nächsten Tage und die Einschätzungen und Empfehlungen der Berufsverbände abwarten.
# Solange keine Kurzarbeitergeld-Vereinbarung vom Filmschaffenden unterschrieben wurde, läuft der Gagenanspruch in vereinbarter Höhe weiter. Erst durch eine Kurzarbeitergeld-Vereinbarung verliert man diesen.
# Lieber keine Kurzarbeitergeld-Vereinbarungen unterschreiben, die irgendeine Änderung oder Verkürzung der Vertragslaufzeit zur Folge haben könnten. Die Verträge laufen ja nicht etwa zu dem in den Verträgen meistens „voraussichtlich“ genannten Termin aus, sondern erst mit der tatsächlichen Fertigstellung des Films. Es handelt sich bei den Verträgen in der Regel nicht um zeitlich befristete Verträge, sondern um „zweckbefristete“. Erst mit der Fertigstellung der Produktion wird deren Zweck erreicht und das Arbeitsverhältnis beendet. Daher heißt der Tarifvertrag ja auch „für auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende“.
# Vor dem Unterschreiben die Vereinbarung möglichst von einem Rechtsanwalt oder einer Einrichtung, die rechtsberatend tätig sein darf, prüfen lassen.

 

Freie könnten ja Urlaub nehmen oder sich arbeitslos melden. Das rät man beim NDR den Arbeitnehmerähnlichen in Zeiten der Corona-Krise. Der Sender lasse die Freien im Regen stehen, klagt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi).

 

Hotlines für selbständige Kreative gibt es in vielen Bundesländern. Eine Übersicht mit Kontaktdaten hat PCI, das Netzwerk der öffentlichen Einrichtungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland, erstellt.

 

Einen rechtlichen Überblick in der Corona-Krise gibt die MFG im kostenlosen Webinar. Der Rechtsanwalt Nico Arfmann informiert Unternehmen und Freiberufler eine Stunde lang über Folgen und Möglichkeiten und hat auch Zeit für individuelle Fragen. Bis zu 15 können teilnehmen, deshalb sind die Webinars schnell ausgebucht. Das nächste findet am Dienstag, 31. März, um 10 Uhr statt. 

 

Ihr angekündigtes Hilfsprogramm für die Film- und Medienbranche haben die Bundes- und Länderförderer heute vorgestellt. 15 Millionen Euro haben die acht größten Regionalförderer, Filmförderungsanstalt und Kulturstaatsministerin zusammengelegt (im Durchschnitt also jede 1,5 Millionen Euro), um  die Filmbranche bei den „existenziellen Herausforderungen“ „bestmöglich zu unterstützen“. Die Maßnahmen sollen „schnell und unbürokratisch“ umgesetzt werden.
Das Hilfsprogramm bezieht sich allerdings nur auf Projekte, die von verschiedenen Fördereinrichtungen gemeinsam gefördert wurden, erklärt die Pressemitteilung. Es soll zudem „dort greifen, wo alle anderen im Kontext der Corona-Krise ergriffenen Hilfsmaßnahmen und Förderprogramme des Bundes und der Länder nicht in Anspruch genommen werden können.“ Weitere Einschränkungen finden sich in den näheren Bestimmungen zu den drei unterstützten Bereichen Produktion, Verleih und Kino.

Die MFG Baden-Württemberg stockt nachträglich ihre Kinoförderung auf: Jedes Kino, das im vorigen Jahr einen „Kinopreis“ der MFG erhielt, bekommt nochmal 5.000 Euro aufs Preisgeld drauf. Zudem verzichtet die MFG 2020 ersatzlos auf alle Rückzahlungen aus Kinoinnovationsdarlehen von heimischen Kinos. 

 

Auch die Stuntleute forderten gestern sichere Verhältnisse am Set. Die German Stunt Association (GSA) appellierte an die  Behörden der Länder, Städte und Landkreise, „im Sinne des Stopps der Verbreitung der Corona Viren sofort alle Genehmigungen für Dreharbeiten auszusetzen.“ Gemeint sind fiktionale Produktionen.
Das Weiterlaufen von Dreharbeiten widerspreche allen beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung, so die GSA. „Viele Stunts, zum Beispiel Kämpfe, sind ohne permanentem Körperkontakt, nicht denkbar.“ Allgemeinverfügungen, wie sie bereits in der vorigen Woche verschiedene öffentliche Stellen der Länder, Städte und Landkreise erließen, seien unzureichend, meint die GSA „so ist das Drehen in geschlossenen Räumen weiterhin erlaubt.“ (Anmerkung der Redaktion: Lediglich das Münchner Kreisverwaltungsreferat sieht das Drehverbot allgemein – siehe die Brancheninfo #9 von gestern). Der Berufsverband fordert deshalb einen „bundesweit einheitlichen und rechtsverbindlichen“ Stopp der Dreharbeiten. 

Am 24. April sollen die »Lolas« verliehen werden. Aber mit der Gala wird’s in diesem Jahr nichts. Die Deutsche Filmakademie arbeite an einem  Alternativkonzept für den „Deutschen Filmpreis“, ließ Filmakademie-Präsident Ulrich Matthes die Mitglieder in einem Brief wissen.

Die Hälfte der Mehrkosten bei Drehabbruch wollen die öffentlich-rechtlichen Sender bei ihren Auftragsproduktionen übernehmen. Der Präsident der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAFF), Gerhardt Schmidt, fordert von den Sendern die volle Unterstützung: „Denn wie sollen die mittleren und kleinen Produktionsunternehmen die restlichen 50 Prozent aufbringen? Wahrscheinlich, indem sie die vertraglichen Ansprüche freier und festangestellter Mitarbeiter*innen und Dienstleister mit Hinweis auf die Krise entsprechend beschneiden.“

 

Ein paar Tipps fürs Wochenende zum Lesen, Schauen und Hören: Die Deutsche Kinemathek ist zwar geschlossen, aber trotzdem da. In den vergangenen Jahren hat sie ihre digitalen Angebote ausgebaut. In der umfangreichen Sammlung finden sich Storyboards und Zeichnungen von Ken Adam, im Archiv der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin kann man Filme in voller Länge streamen und Interviews mit Zeitzeug*innen anschauen.
Ab kommenden Sonntag bietet die Kinemathek zudem Online-Führungen durch aktuelle Sonderausstellungen und durch die Ständige Ausstellung. 

Das Berliner Kino Arsenal betreibt seit kurzem ein Streamingangebot. Wegen geschlossener Säle ist das Programm jetzt frei zugänglich.

Nicht zufrieden mit dem, was die großen Streamingdienste bieten? Mit den Filmen vieler kleinerer Portale lässt sich jetzt ein individuelleres Programm kuratieren, erklärt „Die Zeit“.

Seit Jahrzehnten sind sie am Aussterben, jetzt wittert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ eine Renaissance der Autokinos.

Lisa Jopt und Johannes Lange sinnieren in ihrem Podcast „Wofür es sich zu looosen lohnt“ auf Spotify über alles Mögliche. Diese Woche hatten die Schauspieler*innen „Corona Gefühle“ und erzählen, wie sie ihre Zeit zwischen Menschheitsaufgabe, Existenzangst und  Frühlingsanfang verbracht haben. 

 

Was tun, wenn alles stillsteht? Kochen können die Mitarbeiter*innen einer Berliner Catering-Firma zurzeit nicht. „Wir möchten diese Zeit aber nutzen, anderen helfen, nicht untätig rumsitzen und unserer großen Leidenschaft dem Kochen nachkommen“, schreibt Küchenchef Alexander Niki Gutsche und sammelt Spenden für alte Menschen, Obdachlose und Behinderte: „Mit diesem Geld möchten wir dann für diese kochen und täglich mit einer warmen Mahlzeit beliefern.“ Krankenhäuser und Altersheime könnten solche Unterstützung gebrauchen. 

Die Nachrichten sind ernst genug und Netflix wird auch irgendwann langweilig. Wir wollen in unseren kommenden Brancheninfos regelmäßig Initiativen und Beispiele vorstellen, die auch inspirieren. Geschichten des Gelingens, eine Story des Umdenkens, der Kreativität, die Neues, Ausprobierenswertes und Energie in sich trägt.

Also schreiben Sie uns bitte: Was trägt mich durch diese besondere Zeit? Wie nutze ich die freie Zeit? Was ist mein Aha-Erlebnis? Welche Ideen entstehen?

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