Wenn sonst nichts geht, kommen Filmemacher auf komische Gedanken. Zum Beispiel die Sitcom mit „Andi Körper“ – angeblich jeden Tag eine neue Episode, „solange es Quarantäne gibt.“ | Screenshot

Die Stimmung hellt auf, in Deutschland wird über Lockerungen diskutiert, andere EU-Staaten fangen schon an. Derweil warnt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, von einer „Eindämmung“ könne man noch nicht sprechen. Und in der Branche mehrt sich Kritik an den Hilfsprogrammen.  Wir verweisen auch deshalb nochmals auf unsere aktuelle Umfrage und danken für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. 

 

Über die Feiertage ist die Kurzumfrage zur Situation der befristet Angestellten in der Filmbranche gestartet. Wie sich die aktuellen  Corona-Maßnahmen auswirken und wie effektiv die Hilfen sind, soll in fünf Minuten ermittelt werden. Mehr als 1.000 Filmschaffende haben bereits geantwortet, doch für belastbare Daten ist eine noch regere Beteiligung nötig. Die Umfrage von Jörg Langer in Zusammenarbeit mit AG Dok, BVFK und Crew United läuft noch bis zum Freitag dieser Woche.
Einzelne Filmschaffende hatten sich in den Antwortmöglichkeiten nicht wiedergefunden, weil sie bereits Arbeitslosengeld 1 (ALG1) beziehen – eine Situation, die uns in den vergangenen Wochen immer wieder geschildert wird. Tatsächlich ist diese Antwort doch möglich, aber offenkundig nicht ohne weiteres zu erkennen. Um den Fragebogen möglichst kurz und einfach zu halten, ging man von dem Gedanken aus: Wer bereits ALG1 bezieht, wählt „Ich habe nicht beantragt“ und wird zur Folgefrage weitergeleitet, die nach den Gründen fragt. Hier gibt es die Option: „Ich bekomme ALG und konnte deshalb die Hilfe nicht beantragen.“
Nun ja, wenn man das so liest, klingt es doch etwas kompliziert. Der Vorschlag zur Verbesserung wurde weitergegeben.
Zu diesem Anlass appellieren die Initiatoren an alle Filmschaffenden zur Teilnahme – bislang ist besonders die Problematik von ALG1 noch kein Thema im öffentlichen Kanon der Corona-Krise. 

Das Problem teilt auch die einzige Initiative, die es dazu in der Branche (wenn nicht sogar überhaupt) gibt. Eine Petition fordert, das ALG1 für die Dauer der Krise weiterlaufen zu lassen, diese Zeit aber nicht anzurechnen. Obwohl ein beträchtlicher Teil der auf Projektdauer angestellten  Filmschaffenden davon betroffen sein dürfte (Genaueres soll ja die obige Umfrage ermitteln), sind bisher erst 4.740 Unterschriften zusammengekommen! Die Petition läuft nur noch acht Tage.

Auch das Film- und Medienforum Rheinland-Pfalz bittet um rege Beteiligung einer ähnlichen Umfrage, um „als Schnittstelle zwischen Politik und Branche“ für eine bestmögliche Förderung und Hilfe einzutreten. Nur fünf Minuten dauert es, auf zehn Fragen zu antworten. 

 

Die Zahl der Corona-Infektionen hat sich auf „einem relativ hohen Niveau eingependelt“, sagt Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, der „Welt“. Von einer „Eindämmung“ könne man aber noch nicht sprechen: „Wir sehen eine Verlangsamung“ und „wir können noch nicht abschließend beurteilen, ob die Fallzahlen tatsächlich sinken.“

Eine virale Pneumonie ist ein medizinisches und kein politisches Problem. Weil Europa medizinische Fakten ignorierte, habe es sich  sich in kürzester Zeit selber zum weltweiten Pandemie-Zentrum gemacht – der Schweizer Medizinprofessor Paul R. Vogt zieht „eine schonungslose Zwischenbilanz“.

Vergangene Woche hatte eine Anwältin Verfassungsbeschwerde gegen die Corona-Schutzmaßnahmen der Länder und des Bundes eingelegt. Die Beschwerde wurde abgewiesen. Inzwischen sieht sie sich selbst politisch verfolgt, schildert die „Rhein-Neckar-Zeitung“.

Zur Wiederinbetriebnahme des öffentlichen Lebens gibt es keine Forschung. Kein Wunder, dass die „Ad-hoc-Stellungnahme“ der Leopoldina vor allem Allgemeinplätze und wohlfeile Forderungen versammelt, meint die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

In Deutschland wird darüber diskutiert, andernorts geht es langsam los: Mehrere EU-Länder haben damit begonnen, die verhängten Beschränkungen zu lockern. „Die Zeit“ gibt einen Überblick, was dort geplant ist.

Für eine Gesellschaft ohne Ausbeuter und neoliberale Profiteure, ohne Waffenhändler, autoritäre Populisten und ohne Faschisten, Rassisten, Sexisten, Nationalisten und Kriegstreiber … Konstantin Wecker im Interview halt.

Sicherheitsmängel: Google duldet die Verwendung des Videodienstes Zoom nicht mehr auf den Arbeitsrechnern seiner Mitarbeiter.

 

Kommunale Kinos und ihr Umgang mit der Corona-Situation ist Gesprächsthema im heutigen Indiefilmtalk. Manja Malz von den Kinos „Metropolis“ und „B-Movie“ in Hamburg und Andreas Heidenreich, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband kommunale Filmarbeit diskutieren, wie man in dieser Zeit noch Kino machen kann.

Am vorigen Donnerstag ist der belgische Tonmeister Marc Engels an den Folgen einer Covid-19-Erkranjung gestorben. Er wurde 54 Jahre alt. Engels hatte an mehr als 80 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. 2017 hatte er den „César“ für den besten Ton für „Jacques – Entdecker der Ozeane“ erhalten. Einen Nachruf (auf Französisch) veröffentlichte der französische Kameraverband. 

Wie ist die Situation für Filmschaffende zurzeit in New York? Ein Interview mit Casting Director Lina Todd im Rahmen der Initiative #BeCreativeAtHome! bei Casting-Network.

„Hört auf zu streamen!“ fordert die „Taz“: Digitale Parallelaktionen würden die Künste nicht retten. Im Gegenteil: „Bis auf ein paar Happy Few nimmt die überwiegende Zahl der Künstler*innen seit den 1990er Jahren an einem gigantischen Feldversuch über die Zukunft der Arbeit teil. Das Experiment mit flexibleren Formen des Wirtschaftens könnte inte­res­sant sein, wäre es nicht über weite Strecken mit den Zumutungen des Prekariats verbunden.“

 

Eine Zwischenbilanz zu den Hilfsprogrammen von Bund und Ländern hat der Bundesverband Locationscouts (BVL) gezogen. Respekt wird vor der „beeindruckenden Geschwindigkeit“ ausgedrückt, „trotzdem fällt ein erstes Fazit zu den Hilfsmaßnahmen und deren Umsetzung bedauerlicherweise ebenso enttäuschend wie alarmierend aus“, schreibt der Berufsverband an die Kulturstaatsministerin (BKM) Monika Grütters und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Es herrsche noch immer große Unsicherheit, für welche Kosten die Soforthilfe des Bundes verwendet werden darf. Einige Bundesländer (unter anderem Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden Württemberg) hatten neben notwendigen Betriebskosten auch einen eigenen „Unternehmerlohn“ zugelassen. „Diese Aussagen wurden inzwischen weitestgehend widerrufen“, so der BVL.
Auch der Interview-Äußerung der BKM, das Sofortprogramm sei gerade auf Kreative zugeschnitten, widerspricht der Verband: Die meisten freiberuflichen Kulturschaffenden hätten grundsätzlich sehr niedrige Betriebs-Fixkosten, der weitaus größere Teil der betrieblichen Kosten entstehe erst durch die Tätigkeit selbst, und die falle zurzeit ja größtenteils weg. „Unserer aktuellen Erfahrung nach können die meisten meisten Locationscouts und sonstigen freiberuflichen Kunst- und Kulturschaffenden dieses Sofortprogramm aufgrund der inzwischen konkretisierten Verfahrensvorschriften und Verwendungsdefinitionen gar nicht in bestmöglicher Weise nutzen. Die Hilfen bleiben in diesem Bereich sogar weitgehend wirkungslos.“
Mehr noch: „Die allermeisten Locationscouts und die weit überwiegende Zahl der übrigen freiberuflichen Kunst- und Kulturschaffenden werden nach Ablauf des Förderzeitraumes von drei Monaten erhebliche Teile der Bundes-Soforthilfe für Soloselbständige zurückzahlen müssen, um sich nicht des Subventionsbetrugs schuldig zu machen.“ Gleichzeitig müssten sie ihr wirtschaftliches und privates Überleben sichern.
Bislang sei bundesweit lediglich ein Antrag auf die vereinfachte Grundsicherung als Lösung angeboten worden. Und die gelte zunächst auch nur für sechs Monate.
Doch selbst reiche nicht „eine einfache Selbstauskunft“, wie die BKM im Interview behauptet hat. Nach Informationen des BVL würden die Jobcenter („vor allem, aber nicht nur in Köln“) vorab doch Vermögensprüfungen vornehmen und eine nachträgliche Bedarfsprüfung ankündigen. Das „offenbart vielen Kolleg*innen dann endgültig, dass sie – entgegen allen vorherigen Ankündigungen – doch von der Grundsicherung ausgeschlossen bleiben – oder sich sogar des Sozialbetruges schuldig machen, sollten sie dennoch beantragen“, so der BVL und fordern wirksame, nicht rückzahlbare Ersatzleistungen für entgangene Einnahmen, so vergleichbar mit den Ersatzleistungen des Infektionsschutzgesetzes „oder mindestens einer Anerkennung von Lebenshaltungskosten durch die Bundesförderung, soweit der Lebensunterhalt nicht durch andere Maßnahmen gesichert werden kann.“

 

Stuntleute ohne Action. Für 97 Prozent der Stuntwo*men sind durch die Corona-Pandemie zugesagte Aufträge weggebrochen. Das hat die German Stunt Association (GSA), in einer Schnellumfrage vom 31. März bis 3. April unter ihren Mitgliedern ermittelt. Nach eigenen Aussagen sind für die Mehrheit der Befragten 5 bis 15 Drehtage im März und April und weitere Tage für die darauffolgenden Monate, bis in den Monat Juli abgesagt worden. Ausfallgagen seien nur bei 2,1 Prozent der Befragten in vollem Umfang und bei 19,6 Prozent teilweise zugesagt worden. Laut Umfrage wollen 85 Prozent der Befragten Soforthilfe vom jeweiligen Bundesland oder vom Bund beantragen oder haben das schon getan.
Auf die Frage, ob die Maßnahmepakete für sie angemessen wäre, hat die Hälfte der Umfrageteilnehmer positive Punktzahlen vergeben.

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? „Blickpunkt:Film“ befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Tammo Buhren, Geschäftsführer des Kinotechnikdienstleisters Zwei B.

 

Kreativ in der Krise. David Aufdembrinke dreht normalerweise Werbefilme und Musikvideos:
„Ich habe den plötzlichen Dreh-Ausfall genutzt, um gemeinsam mit einem Musiker und Leidgenossen die wöchentägliche Cartoon-Serie ,Andi Körper – Der Antikörper‘ zu kreieren – natürlich ganz remote, ohne dass wir uns sehen (Gastauftritte wurden per Handy-Recordings eingesendet). Seit dem 22. März senden wir fast jeden Tag auf Instagram unter @andikoerper sowie zeitversetzt auf Youtube.

Die ist nur ein kleiner Gedankenanstoß, wie man trotz aller Einschränkungen weiter Filme machen kann – vom Ding her nur mit meiner Webcam und Adobe Character zur automatisieren Animation. Ich bin sicher, dass sich in kommender Zeit noch viele kreative Ideen und Lösungen finden werden.“

Während des „Lockdowns“ bietet die Münchner Filmwerkstatt immer wieder auch gratis Kurz-Seminare an. Am kommenden Donnerstag, 16. April, geht’s ab 17 Uhr um die „Farbkorrektur“ konzipiert. Im Gegensatz zu vielen Youtube-Tutorials wird Dozent Uwe Wrobel in 90 Minuten live auf Fragen eingehen, daran angepasste Tipps geben und kompakt wichtige Inhalte zur Farbkorrektur vermitteln. Anmeldungen werden bis Mittwoch, 15. April, 15 Uhr unter (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen) erbeten.

 

Das Kurzfilmfestival Dotdotdot in Wien zeigt täglich zwei neue Kurzfilme aus seinem Archiv.

Die Internationale Filmschule Köln wird 20 und zeigt darum jeden Dienstag einen „IFS-Film der Woche“ online. Der zweite Film der Reihe ist „Stillleben“ aus dem ersten Jahrgang des Bachelorstudiengangs Film. Gemeinsam mit Melanie Andernach (Produktion) und Drehbuchautorin Karin Kaçi hatte Regisseur Marcel Ahrenholz den 30-Minüter 2005 als Abschlussfilm an der IFS entwickelt – ausgehend von einer wahren Begebenheit.

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