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Die Kinos müssen wieder schließen, der „Neustart Kultur“ muss warten. Am Mittwoch verkündeten Bundeskanzlerin und Ministerpräsident*innen die neuen Corona-Einschränkungen. | Screenshot

Die Befürchtungen sind wahr geworden: Am Montag beginnt der „Lockdown Light“, auch Kinos müssen vier Wochen lang schließen. Kulturschaffende protestieren, Politiker verteidigen die Entscheidung. 

Auch wir reagieren auf die neuen Bedingungen und lassen „cinearte“ erneut pausieren. Ab sofort informieren wir Sie wieder mit unserem Newsletter dreimal wöchentlich über die aktuellen Entwicklungen.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Erstmal was Schönes: Deutschland hat seinen „Oscar“-Kandidaten! Julia von Heinz’ „Und morgen die ganze Welt“ bewirbt sich um das Goldmännchen für den besten fremdsprachigen Film. Digtalfernsehen würdigt kritisch den „hochbrisanten“ und „schwierigen Antifa-Film“. Und wir gratulieren.

 

Und jetzt stellen wir uns folgendes vor: In einem Waldsee sind wiederholt Menschen ertrunken – trotz Warnschildern und Badeverbot. Die Gemeinde schließt daraufhin das Freibad, die Bademeister*innen gehen in Kurzarbeit oder gleich zum Arbeitsamt.
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„Schwesterlein“ | Foto © Vega Film

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 29. Oktober 2020 – Teil 2.

Fürs kommende Jahr 2021 ist der (von der ukrainischen Filmagentur verkaufsgeförderte) Film „Mavka“ der Regisseurin Oleksadra Ruban angekündigt, der die slawische Folklore international bekannter machen soll. Und einen kleinen Vorgeschmack lässt schon mal die schlichter gehaltene Animation „Clara und der magische Drache“ von Oleksandr Klymenko zu: Nur einmal in tausend Jahren kommt ein magischer Drache auf die Welt. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten: der kleine Drache vermag die Welt heller und bunter zu machen. Zufällig landet das Drachenbaby bei einem gutgelauntem Waschbären und dem grummeligen Zwerg Alfred. Sie wollen dem Drachen ein neues Zuhause finden und suchen bei Clara Hilfe. Das Mädchen glaubt, es habe ebenfalls magische Fähigkeiten. Gemeinsam machen sie sich auf, den Drachen vor den dunklen Mächten zu beschützen. Der einfache Plot dieser Geschichte wird gut ergänzt durch den etwas hölzernen Humor, der kleine Kinder trotzdem zum Lachen bringen dürfte.

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In den 1980er-Jahren gehörte Karin Schöning zum Kernteam des Defa-Studios für Dokumentarfilme. Mehr als 50 Dokumentarfilme hat die Editoren bis heute montiert. | Foto © Edimotion, Werner Busch

Die Berliner Schnittmeisterin Karin Schöning wird beim Edimotion-Festival mit dem „Ehrenpreis Schnitt“ für ihr Lebenswerk geehrt.

„Filmplus“ heißt nun „Edimotion“. Das Kölner Filmfestival für Filmschnitt und Montagekunst feiert an diesem Wochenende seine 20. Ausgabe und nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für einen Namenswechsel. Wo im vergangenen Jahr noch aus über 20 Ländern Vertreter*innen von Editorenverbänden aus aller Welt zusammen kamen (von den USA über Argentinien, quer durch Europa bis nach Australien), steht dieses Jahr aufgrund der allgegenwärtigen Beschränkungen eine verkleinerte Neuauflage des physischen Festivals an. Viele Filmgespräche sowie die für die Schnitt Preise nominierten Filme aus Deutschland, Österreich und Schweiz werden auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt. Davon ­abgesehen, bietet das Festival erfreulich viel Kontinuität, darunter auch die Würdigung des Lebenswerks von herausragenden Film­­-editor*innen.

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15 Minuten Corona-Reflexion von Bertrand Bonello. „Où En Êtes-Vous? Numéro 2“ entstand diesen Sommer. | Foto © Rectangle Productions

Kein Grund zur Panik, wir sind ja Familie oder: Wenn Onkel Jupp und Tante Erna zum Hotspot werden – Apokalyptiker & Integrierte; Gedanken in der Pandemie 78.

Wenigstens zu Beginn etwas sehr Schönes: Eines der schönsten Kinogängererlebnisse des Jahres hatte ich diese Woche in der Retrospektive des Berliner Arsenal zum französischen Ausnahmeregisseur Bertrand Bonello, dessen wunderschöner antikolonialistischer Essayfilm „Zombi Child“ gerade in den Kinos läuft.

„Où En Êtes-Vous? Numéro 2“ entstand diesen Sommer, eine Selbstreflexion in Form eines 15-minütigen Briefs an seine 17-jährige Tochter. Dies ist eine Corona-Reflexion zu neu montierten klaustrophobischen Bildern seiner Filme über Stillstand, Verlust, das Ende der Dinge, die ungewisse Zukunft und geträumte Filmprojekte, aber vor allem eine Ode an die Schönheit. Fazit: Spring always returns. Und There’s always the music!

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„The Beach House“ | Foto © 24 Bilder

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 22. Oktober 2020 – Teil 2.

Passend in unsere Zeit ist die Referenz an John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“ und damit das Spielfilmdebüt von Jeffrey A. Brown, das mit dem wenig Greifbaren spielt: Randall (Noah Le Gros) lädt seine Freundin Emiliy (Liana Liberato) ein, das Wochenende im „Beach House“ seines Vaters zu verbringen. Dort treffen sie jedoch auf die Turners, ein mit der Familie von Randall befreundetes Ehepaar. Die Vier machen das Beste daraus und arrangieren sich. Als eines Abends viel Alkohol fließt, geraten die Dinge durcheinander. Am nächsten Morgen ist nichts so wie es war – die Turners verhalten sich anders, aber auch die Landschaft hat sich plötzlich verändert. Mit vielfältigem und gezielt eingesetztem Bewegtbildvokabular setzt DoP Owen Levelle das Unbehagen ins Bild.

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Mit einem Spot ruft #VielfaltImFilm https://vielfaltimfilm.de nochmal Filmschaffende zur großen Online-Befragung auf. | Screenshot

Mehr als ein halbes Jahr schon liegt die Pandemie über dem Land, Hilfspakete sollen retten, was zu retten ist. Doch an den rund 2,5 Millionen Solo-Selbständigen gehen die Hilfen vorbei, wird ebenso lange geklagt – bis hin zum Bundesrat. Jetzt denkt sogar das Bundeswirtschaftsministerium über eine Verbesserung nach, verrät aber noch keine konkreten Pläne.

 
Lost. Das ist das „Jugendwort des Jahres“, haben Jugendliche abgestimmt. Das klingt cool und bietet beträchtliche Interpretationstiefe. Zum Beispiel der „Berliner Zeitung“: „Direkt übersetzt aus dem Englischen bedeutet es ,verloren’, beschreibt aber in der Jugendsprache vor allem ahnungsloses oder unsicheres Verhalten. Das Jugendwort 2020 könnte also unser aller Empfinden im diesjährigen Corona-Jahr wohl nicht besser beschreiben.“

 

Nach mehr als einem halben Jahr scheint endlich auch Rettung für die vielen Solo-Selbstständigen und Freiberufler*innen in der Branche zu nahen. Die bisherigen Hilfsprogramme decken lediglich Betriebskosten und Ähnliches, nicht aber den Lebensunterhalt der Unternehmer*innen – sie werden letztlich auf die Grundsicherung („Hartz IV“) verwiesen. Das muss man eigentlich nicht mehr erklären, denn schon seit dem Start der sogenannten Soforthilfen im Frühling wird auf allen Kanälen immer wieder dargestellt, dass die Hilfen nicht ankommen, wo sie gebraucht werden. Im Sommer hatte der Bundesrat das bemängelt und einen „Unternehmerlohn“ als existenzsichernden Zuschuss für den Lebensunterhalt gefordert. Einen solchen zahlt Nordrhein-Westfalen mit monatlich 1000 Euro. Die „Überbrückungshilfe Plus“, ursprünglich auf drei Monate angelegt, wurde bereits bis zum Jahresende verlängert.
Nun ist es Herbst, und auf Bundesebene stellt Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte diese Woche nun auch solche Hilfsprogramme in Aussicht, berichtet nicht nur „Die Welt“.  Jedenfalls werde das im Ministerium diskutiert, heiße es aus dortigen Kreisen. Allerdings nur „intern“: Einen formalen Vorschlag oder gar eine Abstimmung mit anderen Ressorts habe es aber noch nicht gegeben.

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„Rojo“ | Foto © Cine Global

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 15. Oktober 2020 – Teil 1.

Marketing-Sprache. Manchmal wundere ich mich doch, mit welchen Floskeln man mir die Meldungen serviert. Da werden Premieren als „zauberhaft“, „saustark“ oder „umjubelt“ beworben. Wenn dann die nächste große Kinohoffnung zum Streaming getragen wird, dann ist im Kinogeschäft niemandem zum Jubeln zumute. Da wird etwa Bob Chapek, CEO der Walt Disney Company, zitiert mit: „Wir sind begeistert, Pixars spektakulären und berührenden Film ,Soul‘ den Zuschauern im Dezember direkt auf Disney+ zugänglich zu machen.“ Und weiter im Werbetext: „Ein neuer Pixar-Film ist immer etwas Besonderes, und diese wirklich warmherzige und witzige Geschichte über menschliche Beziehungen und wie wir unseren Platz in der Welt finden, ist ein filmisches Highlight, das Familien nun gemeinsam über die Weihnachtsfeiertage genießen können.“ Vielen Dank. Für nichts.

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„Making Montgomery Clift“ | Foto © Missing Films

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 15. Oktober 2020 – Teil 2.

Mit der „Reise der Pinguine“ von Luc Jaquet setzte vor 15 Jahren eine Abkehr von den eher sachlich-ethnografischen Tierdokumentationen, wie sie etwa Heinz Sielmann oder Bernhard Grzimek vertraten. Keine überhöhenden und fiktionalisierende Erzählebenenen nach Art von Jaquet flicht dagegen der Filmemacher Roman Droux in seinen Film ein, was erfrischend authentisch ist. Stattdessen kommentiert er seine Gefühle und Stimmungen angesichts seines Lieblingstiers. Denn er unterhält fast schon eine karmaeske Verbindung mit Bären, seitdem er als kleines Kind diesen tierischen Gefährten aus Plüsch immer bei sich trug. Mit „Der Bär in mir“ erfüllt er sich den Wunsch seiner Kindheit und folgt dem Bärenforscher David Bittner in die Wildnis, um die Welt der Grizzlys in Alaska zu erkunden. Bittner begleitet seit Jahren die Bären Balu und Luna, die er nach ihrem Winterschlaf nun erneut aufsucht.

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Oft Drama, auch Melo, aber kein Kitsch: Die dritte Staffel von „Babylon Berlin“ wirkt wie ein ferner Spiegel unserer Tage. | Foto © ARD Degeto, X-Filme, Beta Film, Sky Deutschland, Frédéric Batier

Gezielte Verunsicherung: „Das Virus ist zu politisch geworden, obwohl es eigentlich nicht politisch sein sollte“: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 76

„es
kommt eine neue zeit
überhitzung verwüstung steppenbildung
es kommt eine neue zeit
die toten kommen wieder
einer nach dem anderen und
die ersten
werden deine spuren tragen“

Thomas Köck, antigone. ein requiem

„Die sanfte Revolution der Elektronengehirne hat in der Bundesrepublik längst begonnen. (…) In diesem Stadium des Aufbruchs (…) müssen Gefahren auf die Wand unserer Zukunft projiziert werden, Tendenzen zur Totalisierung des Staates auf Umwegen, zur Schematisierung und zur Entblößung und Degradierung der menschlichen Person.“
Hanno Kühnert, Redakteur, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni 1969 

“Was ist das Beste an einer Staatskrise, einer Revolution? Ganz neue Möglichkeiten. Und neue Gewinner. Jetzt lass uns doch mal überlegen, wie wir das hier gewinnen können.“
aus: „Deutschland 89“

 

Corona ist da. Die Infektionen steigen. Beides steht nicht infrage. Infrage steht aber, was das heißt und wie man darauf reagiert. 

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Nachruf zu Lebzeiten. Und Nachleben im Tod. „Ich bin jetzt tot, und Sie, liebe Hörer, werden das eines Tages auch sein.“ Herbert Feuerstein lebt tatsächlich nicht mehr, aber in der Stunde seines Todes überrascht er das Publikum noch einmal – mit seinem Nachruf, den er vor fast sechs Jahren aufgezeichnet hat. Auf WDR 5 kann man ihn hören. Ein knapp zweistündiger Gang durch sein Leben, mit viel Musik, und vielen weiteren Sprechern. Und ein Lehrstück, wie man auch sterben kann: beiläufig, gelassen, unpathetisch. 

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Eine Liebererklärung ans Kino haben junge Filmemacher*innen aus Nordrhein-Westfalen NRW während der Pandemie gedreht. Ihren märchenhaften Spot wollen sie jedem Kino zur Eigenwerbung frei zur Verfügung stellen – „unser Beitrag zur Unterstützung der Kinolandschaft nach der Schließungen“. | Foto © Joscha Nivergall, Peter Wieler

Besonders die Kinos sind in Gefahr: Die Umsätze sind auf nahezu ein Viertel geschrumpft. Unter Pandemie-Bedingungen lässt sich nicht wirtschaftlich arbeiten – es fehlen Filme und Sitzplätze.

Und hier erstmal der Link zum heutigen Foto.

 

Wie geht Kino im Corona-Herbst? Der NDR betrachtet die Krise der Filmbranche: Die Kinos in Deutschland befinden sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Vereinzelte Erfolge können nicht über einen Mangel an Besuchern und Filmen hinwegtäuschen – und werden durch die Vorgaben eingeschränkt, berichtet ein Kinobetreiber: „Wir haben immer noch die Abstandsregelungen von 1,50 Meter und können eigentlich nur maximal ein Drittel der Plätze belegen. An den letzten Wochenenden waren wir tatsächlich schon ein paar Mal in der Situation, dass wir ein paar Leute wegschicken mussten, weil aufgrund der Abstandsregeln keine Plätze mehr da waren.“ Die ausverkaufte Vorstellung ist kein Trost – man sei weit davon entfernt, wirtschaftlich arbeiten zu können: „Denn die Bedingungen sind einfach so, wie sie sind. Da werden wir die nächsten Monate auch nicht unbedingt rauskommen. Es bleibt also schwierig.“ In Deutschland verzeichnen alle Kinos seit drei Monaten einen Umsatzeinbruch von 60 Prozent, während der kompletten Schließung zuvor waren es 100 Prozent, erklärt der NDR.

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„Eine Frau mit berauschenden Talenten“ | Foto © Neue Visionen, Guy Ferrandis

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 8. Oktober 2020 – Teil 1.

Die Karten wurden neu gemischt. Wie ein Fels in der Brandung stand James Bond im November auf dem Startplan, um Kinopublikum und Kinomacher sowas wie Erlösung aus einer langen Fastenzeit zu versprechen. Da hat man noch mal ordentlich was in das Marketing reingebuttert (wir berichteten vorige Woche), und dann krachte auch dieser Starttermin mit lautem Getöse und wurde zum ersten Dominostein, der eine Kettenreaktion auslöste, die noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Der 12. November 2020 war in so greifbarer Nähe … vergeblich. Die zweite Corona-Welle ebbt noch nicht ab. Wir machen uns was vor, wenn wir denken, dass sich daran so schnell etwas ändern wird. Jetzt soll Bond im April 2021 ins Kino kommen, ein Jahr nach dem ursprünglich anvisierten Starttermin.
Aber eine Verschiebung von einem Jahr ist gerade hoch im Trend. „F9“, sprich die 9. Episode der „Fast-&-Furious“-Reihe wird nun auch verschoben, vom April auf Ende Mai 2021, um 007 nicht ins Gehege zu kommen. „Jurassic World“ rutscht mit der Lawine vom Sommer 2021 in den Juni 2022, meldet das Branchenblatt „Variety“ [auf Englisch].
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„Es ist zu deinem Besten“ | Foto © Studiocanal, Frédéric Batier

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 8. Oktober 2020 – Teil 2.

Ach, was wären die Töchter doch ohne ihre Väter. Das ist so ein Gedanke, der schon in den 1950er-Jahren in „Vater der Braut“ Konjunktur hatte und anscheinend bis heute zum Sittengemälde der Gesellschaft gehört: Der wohlhabende Rechtsanwalt Arthur (Heiner Lauterbach) , der cholerische Bauarbeiter Kalle (Jürgen Vogel) und der sanftmütige Physiotherapeut Yus (Hilmi Sözer) haben eines gemeinsam: Sie sind Väter von Töchtern. Und sie wollen diese Töchter (Janina Uhse, Lisa-Marie Koroll, Lara Aylin Winkler) vor ihren künftigen Ehemännern bewahren. Sie hecken einen Plan aus, diese loszuwerden und gehen damit einen Pakt ein – „Es ist zu deinem Besten“.
Nach „Das perfekte Geheimnis“, für den der italienische Film „Perfetti Sconosciuti“ Pate stand, gibt es ein weiteres Komödien-Remake. Marc Rothemund („Sophie Scholl“, „Dieses bescheuerte Herz“) bringt hier die deutsche Version der spanischen Komödie „Es por tu bien“ aus dem Jahr 2017 in die Kinos.

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Zwei Dokumentarfilme beschäftigen zurzeit die Feuilletons. Eigentlich das Territorium von ARD und ZDF. Doch die haben damit nichts zu tun. | Foto © Netflix

Zurzeit machen vor allem zwei Dokumentationen von sich reden. Und die stammen nicht von den Öffentlich-Rechtlichen, sondern von Privatsender und Streamingdienst. Anlass auch, zu fragen, was die anders machen im Stammgebiet von ARD und ZDF. 

Die gute Nachricht: Schon mehr als 100 Millionen Euro haben Bund und Länder für die Rettung der Kinos in der Corona-Krise bereitgestellt. Die schlechte Nachricht: Diese Hilfen wurden nicht zu Ende gedacht. Das wird zwar seit langem und immer wieder angemerkt, hat aber offenbar bislang wenig gebracht. Jedenfalls machen 33 unabhängige deutsche Filmverleiher mit einem offenen Brief nochmals auf das Problem aufmerksam. Obwohl man für viele Bereiche pragmatische Lösungen gefunden habe, sei es für die Verleiher bislang bei völlig unzureichenden und ineffizienten Maßnahmen geblieben. Das sei ein Fehler, durch den strukturelle Schäden für die gesamte Branche drohten. Der Brief im Wortlaut.

Der vorige Freitag könnte in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen, meint die „Taz“. Am 25. September startete nämlich die erste eigene deutsche Netflix-Dokuserie, „Einigkeit und Mord und Freiheit“. In vier Folgen schildert die Gebrüder Beetz Filmproduktion den Mordfall an Treuhand-Chef Detlev Rohwedder 1991, die verschiedenen Theorien über die Hintergründe und zugleich die Wirtschafts-Geschichte der deutschen Wiedervereinigung. Schon vor dem Start gab’s viel Lob in den Feuilletons, doch die „Taz“ interessiert hier nicht der Inhalt, sondern der „Blick hinter die Kulissen der neuen ARD- und ZDF-Konkurrenz“. Kurz: Was der Streamer anders macht.
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„Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution“ | Foto © Entertainment One Germany

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 1. Oktober 2020 – Teil 2.

Nicht allein „Me Too“ oder die hiesige „#Aufschrei“-Debatte mögen ein Vehikel für das Thema Gleichberechtigung in der Filmerzählung sein. Denn aktuell war dieses Thema eigentlich schon immer: Das zeigt der „Miss-World“-Wettbewerb, der in den 1970er-Jahren auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit war. Doch für Sally (Keira Knightley) und ihre besten Freundin Jo (Jessie Buckley) bedeutet das Spektakel nichts anderes als die Veranschaulichung der gegenwärtigen Frauenverachtung. Für manche Teilnehmerin (Gugu Mbatha-Raw) wiederum  bedeutet der Wettbewerb nicht nur die Möglichkeit auf einen Preisgewinn, sondern auch die Chance zur Befreiung von Rassismus und Diskriminierung. Und so wurde der Wettbewerb eigentlich nie das, wozu er einst erdacht war (nämlich den gerade neu erfundenen Biniki zu bewerben). Er wurde zum Sprungbrett für weibliche Karrieren: Die Deutsche Petra Schürmann gewann 1956 neben Finninnen, Schwedinnen und anderen weißen Frauen – bis zum Jahr 1970, als erstmals Jennifer Hosten aus Grenada als Dunkelhäutige den Preis gewann. So wurde Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution: Die Regisseurin Philippa Lowthorpe („The Crown“) und die Drehbuchautorin Rebecca Frayn („The Lady“) hat die wahre Geschichte zu dieser auch amüsanten Filmgeschichte inspiriert.

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Michael Gwisdek war ein „Experte für gebrochen würdevolle Figuren“, meint die „Taz“. Zum Beispiel in „Oh Boy“. Am Dienstag ist der Schauspieler mit 78 Jahren gestorben. | Foto © Tobis, Julia Terjung

Der ARD-Programmdirektor lobt die Produzenten: Sie hätten „einen richtig guten Job gemacht.“ Auch die Ufa sieht sich fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Doch noch immer wird um einen echten Ausfallfonds, der die Branche in der Krise schützen soll. Wir beginnen mit drei Nachrufen. 

Michael Gwisdek ist tot. Der Schauspieler ist am Dienstag in Berlin mit 78 Jahren gestorben. Als erster deutscher männlicher Darsteller hatte er 1999 auf der Berlinale einen „Silbernen Bären“ erhalten. Seine Rolle in „Nachtgestalten“, war vergleichsweise klein, aber hatte den typischen Gwisdek-Touch.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ würdigt ihn mit einem kurzen Nachruf: Gwisdek „wurde nach der Wende zu einem der beliebtesten Schauspieler, mit seiner eleganten Präsenz überwand er alle Ossi-Wessi-Klischees, und mit seinem Air von Altersweisheit hielt er auch kitschige Figuren wie den Weizenfelder durchwandernden Großvater zuletzt in ,Traumfabrik‘ am Leben.“
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