Mit einem Spot ruft #VielfaltImFilm https://vielfaltimfilm.de nochmal Filmschaffende zur großen Online-Befragung auf. | Screenshot

Mehr als ein halbes Jahr schon liegt die Pandemie über dem Land, Hilfspakete sollen retten, was zu retten ist. Doch an den rund 2,5 Millionen Solo-Selbständigen gehen die Hilfen vorbei, wird ebenso lange geklagt – bis hin zum Bundesrat. Jetzt denkt sogar das Bundeswirtschaftsministerium über eine Verbesserung nach, verrät aber noch keine konkreten Pläne.

 
Lost. Das ist das „Jugendwort des Jahres“, haben Jugendliche abgestimmt. Das klingt cool und bietet beträchtliche Interpretationstiefe. Zum Beispiel der „Berliner Zeitung“: „Direkt übersetzt aus dem Englischen bedeutet es ,verloren’, beschreibt aber in der Jugendsprache vor allem ahnungsloses oder unsicheres Verhalten. Das Jugendwort 2020 könnte also unser aller Empfinden im diesjährigen Corona-Jahr wohl nicht besser beschreiben.“

 

Nach mehr als einem halben Jahr scheint endlich auch Rettung für die vielen Solo-Selbstständigen und Freiberufler*innen in der Branche zu nahen. Die bisherigen Hilfsprogramme decken lediglich Betriebskosten und Ähnliches, nicht aber den Lebensunterhalt der Unternehmer*innen – sie werden letztlich auf die Grundsicherung („Hartz IV“) verwiesen. Das muss man eigentlich nicht mehr erklären, denn schon seit dem Start der sogenannten Soforthilfen im Frühling wird auf allen Kanälen immer wieder dargestellt, dass die Hilfen nicht ankommen, wo sie gebraucht werden. Im Sommer hatte der Bundesrat das bemängelt und einen „Unternehmerlohn“ als existenzsichernden Zuschuss für den Lebensunterhalt gefordert. Einen solchen zahlt Nordrhein-Westfalen mit monatlich 1000 Euro. Die „Überbrückungshilfe Plus“, ursprünglich auf drei Monate angelegt, wurde bereits bis zum Jahresende verlängert.
Nun ist es Herbst, und auf Bundesebene stellt Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte diese Woche nun auch solche Hilfsprogramme in Aussicht, berichtet nicht nur „Die Welt“.  Jedenfalls werde das im Ministerium diskutiert, heiße es aus dortigen Kreisen. Allerdings nur „intern“: Einen formalen Vorschlag oder gar eine Abstimmung mit anderen Ressorts habe es aber noch nicht gegeben.

Wie wirklichkeitsfremd darf Kulturpolitik eigentlich noch sein? in einer vierteiligen Artikelreihe betrachtet „Telepolis“ die aktuelle Situation von Konzertveranstaltern, Kulturarbeitern, Clubs und Spielstätten und die staatlichen Hilfsprogramme für die „Kulturszene“. Doch bereits dieser Begriff wird in Frage gestellt: „In der Realität müssen wir eine massive Ungleichheit auch innerhalb des Konzertwesens konstatieren.“
Das beginne schon damit, „dass die Bundesregierung den Solo-Selbständigen zwar Soforthilfe-Zuschüsse für fixe Betriebskosten zubilligt, nicht aber für den Lebensunterhalt, obwohl das einhellig die Kultur- und Wirtschaftsminister aller Bundesländer sowie, auf Initiative Berlins und Bremens, auch der Bundesrat fordern. Also explizit kein ,Brot für alle’ von der Bundesregierung, jedenfalls nicht für die etwa 700.000 Selbständigen im Kulturbereich.“
Und auch ohne das würden die pandemiebedingt angepassten Projekte nur bis zu 80 Prozent der Gesamtausgaben gefördert – „eine fürwahr großzügige Unterstützung einer Branche, in der die Bruttorendite maximal acht Prozent beträgt und im Übrigen vergleichsweise geringe Betriebs-, dafür umso höhere Personalkosten die Regel sind.“

 

Noch läuft die Umfrage zur Vielfalt im Film. Filmschaffende aller Gewerke sind aufgerufen, ihre Erfahrungen und Ideen in der ersten großen Online-Befragung zum Thema einzubringen, und sowohl Diversität und Diskriminierung vor und hinter der Kamera sichtbar zu machen. Mehrer Tausend Filmschaffende haben die Chance bereits genutzt, doch es dürfen noch mehr werden. Was die Befragung bringt und warum sie nötig ist, stellt die gemeinsame Initiative von Institutionen und Organisationen auf ihrer Website vor. In einem neuen Spot tragen es die Kreativen selbst vor. 

 

Die Drehbuchautorin Anika Decker verklagt Warner Bros. und Barefoot Films, die Produktionsfirma von Til Schweiger. Decker hat unter anderem die Drehbücher zu „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ geschrieben. Es geht nicht nur um Geld, stellt die „FAZ“, sondern „vor allem um Transparenz, um angemessene Beteiligung, wie sie in anderen Branchen üblich ist.“
Hinter der Bezahlschranke schildert die Tageszeitung ausführlich Sachverhalt und Hintergründe – und verweist auf einen ähnlichen prominenten Fall: Der DoP hatte gegen Bavaria, WDR und andere ARD-Sender geklagt, die Einnahmen aus dem Kinoerfolg „Das Boot“ offenzulegen. Auch ihm ging es um eine angemessene Beteiligung an den späteren Gewinnen, die das Urheberrecht bei einem solchen „Bestseller“ nachträglich vorsieht.
Vertreten wird Decker durch den Anwalt für Urheberrecht Nikolaus Reber, der auch Vacano vertrat. Und wie der Kameramann muss auch die Drehbuchautorin erstmal auf Auskunft klagen, wie viel Umsatz im Kino, auf Video, im Fernsehen und auf den Internetplattformen mit den beiden Filmen gemacht wurde. In einem zweiten Schritt sollen Barefoot und Warner sie an den Erlösen nach der Kinoauswertung angemessen beteiligen.
Decker habe nach eigenen Angaben für das „Keinohrhasen“-Drehbuch samt zusätzlicher Zahlungen insgesamt 50.000 Euro erhalten, berichtet die „FAZ“. Das möge nicht wenig Geld sein. Doch der Film „war 2007 nach ,Harry Potter und der Orden des Phönix’ der erfolgreichste Film des Jahres und bleibt überhaupt eine der erfolgreichsten Filmproduktionen in der Geschichte des deutschen Kinos. Allein in der Kinoauswertung sollen der Klageschrift zufolge rund 70 Millionen Euro eingespielt worden sein. […] Es geht um das Missverhältnis.“
Ebenfalls hinter der Bezahlschranke kommentiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Prozess: „Die eigentliche Frage ist ja, ob man jedes Schlupfloch nutzen muss, das einem das Recht auftut. Man könnte Leute eigentlich auch dann fair behandeln, wenn man nicht muss; sogar dann, wenn man an dem Mangel an Fairness gar nicht selbst schuld ist.“

 

Wie dreht es sich in Zeiten von Corona? In der Schweiz dreht Stefan Jäger zurzeit „Monte Verità“, die „Berliner Zeitung“ schaute vorbei und beschreibt eingehend die Arbeit unter erschwerten Bedingungen. Die Kurzfassung: Es geht – „mit extrem viel Vorsicht und Umsicht, mit durchdachten Maßnahmen, nicht zuletzt mit Disziplin und auch Vertrauen.“ Allerdings: „Die Zusatzkosten, die das Corona-Virus verursacht, belaufen sich auf etwa 700.000 Euro, immerhin etwa zehn Prozent des Gesamtbudgets. Crew und Cast werden weiterhin einmal wöchentlich getestet, alle Externen nicht. Während der gesamten Drehzeit wohnen die Schauspieler in Privatwohnungen, oft mit ihren Familien, kochen auch zu Hause, um den Kontakt zur Außenwelt auf einem Minimum zu halten. Kompliziert ist das Handling der vielen Komparsen. Sie haben die meisten Kontakte ins wirkliche Leben, durch ihre Familien und ihren Alltag in den umliegenden Dörfern und Städtchen. Sie müssen ihre Masken durchgehend tragen.“
Der Drehort in den Schweizer Bergen hat weitere Vorteile. „Dass wir die meiste Zeit draußen stehen, gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Wir sind unter uns, daher fühlen wir uns sehr beschützt“, sagt der Regisseur. „Ich sehe seit 20 Tagen keine anderen Menschen, der Cast auch nicht. Die nehmen das alle sehr ernst.“

Die ARD-Produktionstochter Degeto dreht mehr denn je, rechnet Redaktionsleiter Christoph Pellander im Interview mit „Blickpunkt Film“ vor – „schließlich müssen die verlorenen Monate aufgeholt werden. Abgedreht sind Stand heute für uns 41 Filme. Zum Vergleich: In einem normalen Jahr wäre es mehr als die doppelte Menge gewesen. Das müssen wir in den nächsten Monaten aufholen. Aktuell werden über 35 Filme gedreht, so viele wie noch nie. Und weitere 25 sind für einen Dreh noch in diesem Jahr beauftragt und nochmal so viele sollen hinzukommen. Wir haben dieses Jahr also noch einen riesigen Ritt vor uns, der für alle Beteiligte – vor wie hinter der Kamera – auch einen gewaltigen Kraftakt bedeutet.“ Wie viel Geld Corona am Ende gekostet haben wird, könne er aber noch nicht sagen. 

„Wir können Krise und wir können Mobile Office“, erklärt Andreas Bartl, Geschäftsführer von RTL II. Die ganze Branche habe durch die Pandemie „einen Digitalisierungsschub erfahren, sowohl in der Arbeitsweise als auch im Sehverhalten des Publikums. Ich würde sagen, wir haben in diesem Jahr alle zusammen mal mindestens ein Jahr vorgespult“, sagt er im Interview mit DWDL. Auch der Werbemarkt lasse sich nach dem drastischen Einbruch „bisher recht gut an. Wenn es nicht zu einem zweiten nationalen Lockdown kommt, bin ich vorsichtig optimistisch.“  

 

Klaus Lemke ist am Dienstag 80 geworden, der WDR widmet dem ältesten deutschen Independent-Filmer eine kleine Werkschau, die auch in der Mediathek zu betrachten ist: „Seit über 50 Jahren wirbelt Klaus Lemke den deutschen Film durcheinander, holt Laiendarsteller vor die Kamera, verzichtet auf ausgearbeitete Drehbücher und hat sich den Ruf erworben, der eigensinnigste deutsche Filmemacher zu sein.“ Der lineare Start war gestern mit der TV-Premiere von „Ein Callgirl für Geister“, Lemkes jüngstem Film, der im August Kinopremiere hatte.

Iris Berben gratuliert in der „Süddeutschen Zeiung“ hinter der Bezahlschranke: „Er versteht es, beim Drehen die Magie des Lebens zuzulassen, er muss nichts verfälschen, verschönern, verkleinern oder vergrößern. Seine Filme stimmen immer aus sich heraus, und er traut sich was, er ist bis heute radikal und auch rücksichtslos, weil er sich das Recht nimmt, alles nur so zu machen, wie er will. Er nimmt sich das Leben, er hat immer draufgehalten, und er hat durchgehalten. […] Als Filmemacher verweigert sich Klaus dem ganzen System der Filmförderung, das wir haben, dem System der Formate und Gremien. Darin ist er unkorrumpierbar, und ich schau ihm bewundernd dabei zu – als jemand, der einen anderen Weg gegangen ist, der sich mit dem System arrangiert hat und dem es nicht schlecht darin geht. Als ich Präsidentin der Filmakademie war, habe ich drei Jahre hintereinander dafür gekämpft, dass Klaus unser Ehrenpreisträger wird. Er ist haarscharf dran vorbeigeschrammt, aber er wäre natürlich sowieso nicht gekommen.“

Lisa Maria Potthoff ist als die Sekretärin Susi in den Eberhofer-Heimatkrimis bekannt. Dem „SZ-Magazin“ stellte sich die Schauspielerin zum Interview ohne Worte „über Kampfsport, Nacktszenen, Eifersucht und den Unterschied zwischen guten und ausgezeichneten Regisseuren.“

Das ZDF zeigt die letzte Staffel der Krimireihe „Heldt“. Anlass für den „Tagesspiegel“, mit dem Titeldarsteller Kai Schumann zu sprechen. Der äußert sich in den sozialen Netzwerken häufig politisch, sei aber in politischen Filmen eher selten zu sehen, sondern werde meist als gut aussehender Liebhaber besetzt. Der Schauspieler sieht das nicht unbedingt als Widerspruch und entdeckt in der Unterhaltungsabteilung des Senders durchaus verkannte Qualitäten: „Dass sich dreieinhalb bis vier Millionen Menschen einen Polizisten anschauen, der mit Autoritäten überhaupt nicht klarkommt, der schlampig und impulsgesteuert ist und einen extremen Hang zur Gerechtigkeit hat, der aber auch nahbar und fehlbar ist – das ist für mich ein politischer Vorgang. Weil man damit den Horizont im humanistischen Sinne weitet.“ 

 

„Abtörnenden Überfluss und versteckte Perlen“ entdeckt die „Medienkorrespondenz“ in der ARD-Mediathek und stört sich an der Präsentation: Wer sich für Spielfilme interessiere, dürfte „schon weit vorm Seitenende jegliches Interesse verloren haben. Die Vorschaubilder sind einander so ähnlich wie die Fernsehkrimis und -schmonzetten im Programm auch.“ Wichtig wäre, „auch das auffindbar zu machen, was die Öffentlich-Rechtlichen linear gar nicht zeigen (oder an derart entlegenen Sendeplätzen, dass potenziell interessiertes Publikum es kaum bemerkt). Zum Beispiel Stummfilme oder alten ,Jungen Deutschen Film’. So etwas entschwand aus den linearen Programmen wegen der Fixierung auf Einschaltquoten.“

Wie das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen die nächste Zuschauergeneration gewinnen möchte, legten die Intendanten von ZDF, ORF und SRG auf den Medientagen in Wien dar. Dafür könnte es aber schon zu spät sein, hat „Menschen machen Medien“ dort herausgehört. Und längst seien die Streamingdienste nicht nur die schärfsten Konkurrenten, sondern auch auch Koproduktionspartner und zahlende Abnehmer für Inhalte der Sender. „Damit ist eine Finanzierung von Serien und Filmen möglich, für die die Budgets der Sender allein nicht mehr ausreichen würden“, erklärt die Zeitschrift der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, erwähnt allerdings nicht, dass die Sender ihre Budgets selbst auf ihre Programmsparten verteilen. 

Wegen Corona müssen etliche TV-Formate umplanen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sendungen wie „Das Dschungelcamp“, „Kitchen impossible“ oder „Adam sucht Eva“ finden für gewöhnlich im Ausland statt und sind mit weiten Reisen verbunden. Im Schnelldurchlauf listet der Artikel auf, wer und was sich alles ändert – oder pausieren muss. 

Beim Stichwort Streaming fürchten alle erstmal ums Kino. Die „Stuttgarter Zeitung“ sorgt sich um DVD und Blu-Ray: Die hier konservierte Filmgeschichte erschließe große Teile vom Rest der Welt, der im Stream oft nicht zu sehen ist. Doch auch auf der Silberscheibe sei längst sei nicht mehr alles verfügbar, manche Klassiker gibt es nur noch als Auslandsimport zu sehen – wenn überhaupt. „Vergessen wird dabei, dass Filme wie Zeitmaschinen und Schaufenster in andere Kulturen funktionieren.“ Kurz: Das kulturelles Gedächtnis sei in Gefahr: „Mit der DVD verschwinden Filmschätze.“

 

#MeToo-Fall beim SWR? Ausgeschlossen, hatte der ehemalige Intendant Peter Boudgoust zu seinem Abschied vor einem Jahr im Hörfunk und im Fernsehen erklärt: „Derlei Vorkommnisse sind nicht bekannt. Es gibt hier null Toleranz, und es wird hier nichts verborgen, verdeckt oder unter der Tischdecke gehalten.“
„Eine offensichtliche und öffentlich verbreitete Lüge“, meint ein Jahr später die Wochenzeitschrift „Kontext“ in Stuttgart. Dort kämpft vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht eine SWR-Redakteurin um ihre berufliche Existenz – es geht um sexuelle Belästigung und berufliche Benachteiligung. Vor alle aber darum, wie im Sender damit umgegangen wurde. Denn „die Notlage der Redakteurin wurde allen verantwortlichen Stellen eindringlich geschildert“, zitiert die Zeitschrift den SWR-Personalratsvorstand Stephan Newerla aus einer Richtigstellung in der „Stuttgarter Zeitung“.
„Die Senderspitze hat offenbar versucht, den Vorwurf mit Versprechungen und Vertragsklauseln unter dem Deckel zu halten“, schreibt die „Taz“ über das laufende Verfahren. Es gehe „nicht darum, ob und wie die Belästigung passiert ist. Es geht darum, wie die Verantwortlichen des Senders mit Sandra D. umgegangen sind, seit sie die Vorwürfe geäußert hat. Wie sie offenbar die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass der Intendant öffentlich behaupten kann, #MeToo-Fälle habe es in seiner Amtszeit nicht gegeben, obwohl er von mindestens einem Vorwurf gewusst hat.“

„Kinos sind Sehnsuchtsorte nicht allein, weil darin Filme handeln, sondern weil sie die Emotionen selbst verorten“, denn „die Erinnerung an Filme blickt immer wieder in jene Räume zurück, in denen wir den Filmen begegneten“, erklärt die „Süddeutsche Zeitung“. Aber eigentlich will sie erklären, was das Kino für die Stadt bedeutet: Na alles! „Wenn man ins Kino geht, geht man nicht nur in einen Film. Man geht in die Stadt und in einen Film. Also in die Welt. Und wenn für die Kinos die Lichter ausgehen, sieht es auch für die Städte dunkel aus.“ 

Warum die Kinos nicht sterben dürfen, verrät die „Süddeutsche Zeitung“ nochmal hinter der Bezahlschranke: „Ein Film, der für den freien Markt gemacht wurde, hat neben dem Streaming viele andere Chancen – im Kino, im traditionellen Fernsehen, auf DVD. Wenn Netflix und Co aber selbst produzieren, ist die App die erste und letzte Station. Nur die App entscheidet dann, ob ein Film oben, unten oder gar nicht in den Empfehlungen platziert wird. Wie gefiele uns das, wenn Amazon nur noch eigene Bücher, Socken und Lampen verkauft, aber zugleich als letzter Ort verbliebe, an dem man noch Bücher, Socken und Lampen bekommt? Die kapitalistische Zukunft sähe, so die Pointe, kaum anders als die sozialistische Vergangenheit von vor 30 Jahren: Das Angebot regelt die Nachfrage.“

 

Der „Europäische Filmpreis“ wird in dieses Jahr nur online mit Livestream verliehen – die geplante Gala in Island fällt aus, gab die „Europäische Filmakademie“ dieses Woche bekannt. Nächstes Jahr soll die Gala turnusgemäß wieder in Berlin stattfinden, Island soll im Dezember 2022 in Island zu schaffen, „eine noch schönere Feier des europäischen Kinos“ abhalten.

25. Jubiläum feiert das Kinderfilmfestival Schlingel noch bis Samstag. Der Gründer Michael Harbauer spricht mit „Blickpunkt Film“ über die Entwicklung – und auch eine virtuelle Erweiterung. Die nennt Harbauer allerdings „zweischneidig“: „Bisher haben das Filmfest München oder andere Festivals den einen oder anderen Film von uns nachgespielt. Denen würde ich die Möglichkeit einer örtlichen Verankerung nehmen, und den Filmen die Chance, ins Kino zu kommen. Das ist gerade für die junge Generation ein zentrales Element, um sich mit dem Medium Spielfilm auseinanderzusetzen. Die Konzentration auf eine Sache über einen längeren Zeitraum ist in unserer schnellen mobilen Handy-Welt etwas elementar Wichtiges. In einer Gruppe kommunizieren zu können, gemeinsam zu lernen, was Diskurs bedeutet, ist entscheidend.“

 

Die US-Filmbranche ist in einer tiefen Krise, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“: Kinos schließen, Blockbusters werden verschoben, viele Aufnahmen sind nicht mehr möglich. Alleine in Los Angeles habe rund ein Drittel der 650.000 Beschäftigten ihre Jobs verloren. Doch das sei „keinesfalls“ Grund für Untergangsszenarien: „Wenn die Filmbranche aber eines bewiesen hat in den letzten hundert Jahren, dann, dass sie dem immer wieder prognostizierten Niedergang mit Ideen begegnet ist, mit neuen Formaten wie Cinemascope oder mit dem Umbau von Kinos zu Wohlfühlpalästen mit Liegesesseln, Cocktailbars und Bedienung am Platz. Wer den Niedergang akzeptiert, der ist nur zu faul, eine Lösung zu finden. Die Kreativen werden überleben. Wie immer in Hollywood.“

Corona hat die Fernsehsendern in den USA zum ungünstigsten Zeitpunkt erwischt, berichtet die „Medienkorrespondenz“: „Selbst 9/11 und gelegentliche Autorenstreiks konnten den Produktions- und Sendebetrieb nicht so nachhaltig aus der Bahn werfen wie die Coronakrise.“ Eigentlich müssten die Sender mit allen Kräften gegen die Konkurrenz der Streamer ankämpfen. Und „eigentlich hätte die TV-Saison 2020/21 der Broadcast-Networks mit Pomp eingeläutet werden müssen. Stattdessen ist zu beobachten, dass das, was die neue Saison bringt, derzeit kaum irgendwo ein Thema ist, vor allem nicht in den für die Resonanz so wichtig gewordenen sozialen Medien. Nicht einmal Tageszeitungen wie die ,New York Times’ und die ,Los Angeles Times’ liefern mehr die sonst zu dieser Jahreszeit üblichen Elogen auf die Aktivitäten der Networks – mangels neuer Produktionen, vor allem im Serienbereich. Stattdessen sind in den Zeitungen eher Beiträge zu lesen, die Nachrufen ähneln.“ 

Vor 50 Jahren startete PBS. Okay, das braucht eine kurze Erklärung, bevor das Jubiläum wirklich vom Hocker reißt. Die „Medienkorrespondenz“ gibt sie: Der Public Broadcasting Service, der am 5. Oktober 1970 seinen Sendebetrieb aufnahm, wurde „so etwas wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen der USA“. 354 Mitgliedsstationen, überwiegend Bildungseinrichtungen, steuern das Programm bei. Bis dahin hatten drei große kommerzielle Networks das Fernsehen dominiert, „was fehlte, war ein Unternehmen, bei dem nicht die geschäftlichen Interessen im Vordergrund stehen, sondern dessen Ziel es ist, ,den Geist der Menschen zu bereichern’.“ So hatte es Präsident Lyndon B. Johnson 1967 ausgedrückt.
Bei Umfragen habe sich in den vergangenen zwölf Jahren „immer wieder ergeben, dass PBS unter sämtlichen großen Medienangeboten in den USA unverändert die Nummer 1 in puncto Vertrauenswürdigkeit geblieben ist“, schreibt die „Medienkorrespondenz“. Sie ist aber das einzige deutschsprachige Medium, das vom Jubiläum berichtet.

 

Die Zukunft gehört dem Bewegtbild, glaubt der Journalist Richard Gutjahr. „Wie oft hat Corona Entwicklungen beschleunigt, die auch so eingetreten wären? Wenn heute Podcasts das heiße Ding sind, werden morgen Video-Livestreaming-Formate die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.“ Darum hat er nicht nur seine Webkante aktualisiert, sondern auch sein Home Office ausgebauen. Für den Umbau zum eigenen Vodcast-Studio ließ er sich von „internationalen Youtube-Stars“ inspirieren. Was er dabei gelernt hat, teilt er für Nachahmer „In 5 Schritten zum eigenen Home-Studio“.

  

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