„The Beach House“ | Foto © 24 Bilder

Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 22. Oktober 2020 – Teil 2.

Passend in unsere Zeit ist die Referenz an John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“ und damit das Spielfilmdebüt von Jeffrey A. Brown, das mit dem wenig Greifbaren spielt: Randall (Noah Le Gros) lädt seine Freundin Emiliy (Liana Liberato) ein, das Wochenende im „Beach House“ seines Vaters zu verbringen. Dort treffen sie jedoch auf die Turners, ein mit der Familie von Randall befreundetes Ehepaar. Die Vier machen das Beste daraus und arrangieren sich. Als eines Abends viel Alkohol fließt, geraten die Dinge durcheinander. Am nächsten Morgen ist nichts so wie es war – die Turners verhalten sich anders, aber auch die Landschaft hat sich plötzlich verändert. Mit vielfältigem und gezielt eingesetztem Bewegtbildvokabular setzt DoP Owen Levelle das Unbehagen ins Bild.

Inspiriert durch das Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ der belarussischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch erzählt wiederum Kantemir Balagov über die Apokalypse des Einzelnen in der russischen Nachkriegszeit. Leningrad, 1945: Die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs versuchen ein normales Leben aufzunehmen, doch immer noch tragen sie die Kriegsverletzungen auch seelisch in sich. Auch Iya (Viktoria Miroshnichenko) hat der Krieg psychisch zugesetzt, sie kämpft mit Angstattacken, die sie in Schockstarren verfallen lässt. Dieser Zustand bewirkt auch ein schreckliches Unglück, bei dem der Sohn ihrer Freundin Masha (Vasilisa Perelygina) stirbt. Masha will sich ein neues Leben erkämpfen – dazu gehört auch ein Kind. Iya soll ihr helfen. „Bohnenstange“ feierte voriges Jahr seine Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes, es ist der zweite Spielfilm des Regisseurs, der hierfür eine eigene Perspektive schuf: Gesichter, Augen und andere Körperteile sollen anstatt zerstörter Gebäude die Kriegsversehrungen zeigen.

Um Verstörung und Sinnestäuschung in der ganz gewöhnlichen Gegenwart geht es in „Cortex“, mit dem der Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu auch sein Regiedebüt gibt: Der Supermarkt-Sicherheitsmann Hagen (Moritz Bleibtreu) wird von heftigen Albträumen heimgesucht, die ihn auch in die Wachphasen hinein verfolgen. So wirken sie sich auch auf sein Leben aus, darunter auf die ohnehin angeschlagene Beziehung zu seiner Frau Karoline (Nadja Uhl). Als sie auch noch einen Seitensprung mit dem Kleinkriminellen Niko (Jannis Niewöhner) wagt, stellt das plötzlich das Leben der beiden Männer auf den Kopf. Vielleicht hat Hagen das alles aber auch nur geträumt? Eine Schachtelerzählung im Stile von Christopher Nolans „Memento“, die visuell anspruchsvoll von Thomas W. Kiennast („3 Tage in Quiberon“, „Das finstere Tal“, „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“) umgesetzt wurde.

Wo Familiengeschichten mal unkonventionell sind und manchmal auch wenig Sittliches erzählen, da erreichen sie noch lange nicht die Höhen der virtuosen Absurdität, wie sie Regisseur Pablo Larrain in seinem Film „Ema“ beschreibt: Gastón (Gael Garcia Bernal) und Ema (Mariana Di Girolamo) sind Mitglieder einer Tanzkompanie, in der es nicht immer ruhig zugeht. Als Emas Adoptivsohn (Cristian Suarez) ihre Schwester schwer verletzt, trifft sie eine einsame Entscheidung: sie gibt den Jungen weg. Ihr Freund, das Jugendamt, ihr Umfeld – alle reagieren mit größtem Unverständnis. Doch sie beginnt dagegen zu rebellieren, und beginnt selbst, mit ihrer Mädchen-Gang Grenzen zu überschreiten. Das unerwartet unorthodoxe Familiensystem, das hier gezeigt wird, wird musikalische begleitet vom Score des chilenisch-amerikanischen Musikers Nicolas Jaar („Dheepan“), das selbst auf unerwartete Musikelemente aus dem äthiopischen Jazz, Walgesängen und Technoklängen zurück greift.

Einen ganz erwartbaren Weltuntergang durch Kometenhagel setzt Stuntman und Regisseur Ric Roman Waugh in Szene. Unerwartet ist dagegen der Zeitpunkt, an dem „Greenland“ in die Kinos kommt – nämlich früher als ursprünglich verlautbart. Noch vor Weihnachten, aber auch direkt als VoD und auf den deutschen Leinwänden: Der Film erzählt von John Garrity (Gerard Butler), der seine Familie (Morena Baccarin, Roger Dale Floyd) in Sicherheit vor den Planeten zerstörenden Kometenhagel bringen will. Diese Sicherheit versprechen die zivilen Bunker in Grönland. Doch bevor sie dort hingelangen, müssen sie wieder zueinander finden: Denn in den Wirren verliert sich die Familie.

Ein wenig von der Atmosphäre der „Geschichten aus der Gruft“ von Steven Dodd im Retro-Schick beschwört Ryan Spindell („The Babysitter Murders“, „Kirksdale“) mit dem Gruselfilm „The Mortuary – Jeder Tod hat eine Geschichte“: Montgomery Clark (Clancy Brown) ist Bestatter aus Leidenschaft. Er kennt die Toten besser, als manch Lebender sie kannte. Als Sam (Caitlin Fisher) als Aushilfe bei ihm anfängt, weiht er sie in die Prozesse mit ein. Und nicht nur das: Er vertraut ihr all die Geschichten an, die er über die Jahre erlebt hat.

 

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