Autsch! Wenn wir das nur gewusst hätten: „Die Simpsons“ stellen ihre Figuren klischeehaft dar. In Zukunft sollen sie wenigstens korrekte Synchronstimmen bekommen. | Foto © Fox Studios

Nach dem Drehstart gab’s auch schon eine Unterbrechung. Die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ zeigten vorige Woche, auf welch dünnem Eis die Branche weiterarbeiten muss.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Wegen eines positiven Corona-Tests mussten die Dreharbeiten zu Detlev Bucks Film „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ unterbrochen werden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Ein Komparse erhebt Vorwürfe gegen die Bavaria Filmproduktion.
Die „Abendzeitung“ berichtete ebenfalls und meldet heute, dass am Wochenende weitergedreht werden konnte.
Schon bei Ausbruch der Pandemie in Deutschland war eine Corona-Infektion am Set aufgetreten – die Dreharbeiten waren damals dennoch fortgesetzt worden. Die Bavaria Film hatte sich auf unsere Anfrage im März nicht geäußert.
Mehr erfuhr die Grünen-Landtagsabgeordneten Susanne Kurz auf eine Anfrage  zur Plenarsitzung am 11. Mai. Das  Bayerische Staatsministerium für Digitales bestätigte den Vorfall: „Es wurden unverzüglich sämtliche betroffenen Mitarbeiter informiert und gemeinsam mit dem Betriebsarzt alle notwendigen Maßnahmen ergriffen. Die Dreharbeiten wurden unter Einhaltung aller damals geltenden behördlicher Vorgaben mit entsprechenden Schutzmaßnahmen noch zwei Tage fortgesetzt.“
Über den Corona-Shutdown für Filmproduktionen an sich hatte Detlev Buck im April mit dem Zeitungsportal „Nordbuzz“ gesprochen.

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Statt eines Vorworts: Erinnern Sie sich noch an die Wochen, als wirklich so ziemlich alles abgeschaltet war? Was haben Sie am meisten vermisst?

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Es werden wieder Filme und Serien gedreht. Aber wie soll das funktionieren – mit Abstand und fachfremden Corona-Aufsichten? Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ fragte Schauspieler*innen, Produzent*innen und Regisseur*innen.

Die Kussszene ist wohl das beliebteste Beispiel, um das Dilemma für Drehbuchautor*innen, Produzent*innen und Fernsehsender zu beschreiben, schätzt die „Märkische Oderzeitung“. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass viele Drehbücher verändert werden, damit Filmprojekte mit Vorsichtsregeln doch umgesetzt werden können.

Auch German Films hat jetzt einen Podcast. Gestern startete die erste Folge von „Short Take“: „Die kurzen und knackigen Interviews mit deutschen Schauspieler*innen und Filmemacher*innen sind auf Englisch, die Fragen orientieren sich lose am Proust-Fragebogen“, erklärt die Außenhandelsvertretung des deutschen Films. Ziel sei, „bei internationalen Zuschauer*innen Interesse für deutsche Inhalte und die kreativen Köpfe darin und dahinter zu wecken.“ Neue Folgen sollen alle drei Wochen erscheinen. 

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„Das Grabmal einer großen Liebe“: Der Stummfilm findet nur noch in exklusiven Nischen statt oder irgendwo auf Youtube. Einzig der deutsch-französische Sender Arte pflegt die Vielfalt und Schönheit des Stummfilms im Programm. | Archivfoto

Pandemie-Konformismus, Journal des Verschwindens und Chiffren für das Dahinter: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 59. 

„Il faut savoir encore sourire/
Quand le meilleur s’est retiré/
Et qu’il ne reste que le pire/
Dans une vie bête à pleurer“
Charles Aznavour

„Sie haben es abgerissen. Ein aus der Mode gekommenes Restaurant mit riesigem Speisesaal. […] Die Durchreisenden bevorzugten den offenen Saal mit Blick auf die Bahnhofsuhr. […] Die Zeit ist um, meinten sie. Und eröffneten eine gläserne Theke für den Durchgangsverkehr. Du sollst dich nicht aufhalten. Iss, zahle und verschwinde hier.“
Raymond Dittrich

 

Corona-Zeiten waren Zeiten, in denen wir auch das Filme-sehen neue entdeckt haben. Wir sollten dies nicht verlernen über diesen Sommer unseres Leichtsinns, bevor die zweite Welle kommt und wir kulturelle Überlebenstechniken viel wichtiger brauchen, als Virologie.

Unser Umgang mit Filmgeschichte ist insgesamt ungemein schludrig. Kein Vergleich zu unserem Umgang mit alten Gemälden oder Klassikern der Literatur.

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Stummfilme, das wissen wir ja eigentlich auch, waren nicht stumm oder still. Sie waren begleitet von Musik, oft eigens komponierter, und oft von Soundeffekten. Wir nennen diese Filme so, weil man ab Ende der 20er Jahre mit „Tonfilm“ geworben hat. 

Heute kann man diese Filme in der Regel nur in Filmmuseen sehen und dies sehr selten, denn auch die Stummfilme, die überhaupt noch existieren, also zwischen 10 und 20 Prozent der Werke, die mal irgendwann gemacht wurden, sind in den allermeisten Fällen überhaupt nicht zugänglich. Denn die Rechteinhaber verlangen viel zu viel Geld dafür, dass sie im Kino gezeigt werden. Wer heute bedeutende Werke der Filmgeschichte spielen möchte, ist mit massiven finanziellen Forderungen konfrontiert. 

Hinzu kommt, dass die interessantesten Werke der alten Filmgeschichte nicht immer diejenigen sind, die wir heute am besten kennen. Auch nicht immer die großen, besonders berühmten Filme, nicht immer die repräsentativen sogenannten „Meisterwerke“. So ähnlich, wie die „Mona Lisa“ nicht unbedingt das beste oder auch nur wichtigste Gemälde der Renaissance ist (vielmehr hat sich diese Vorstellung von der „Mona Lisa“ als „dem“ Non-plus-ultra-Meisterwerk überhaupt erst im 19. Jahrhundert herausgebildet), so wenig ist „Metropolis“ von Fritz Lang (meiner persönlichen Ansicht nach ein ganz toller, unbedingt sehenswerter und sehr besonderer Film, und ohne Frage auch ein ungemein wichtiger) der beste oder der interessanteste Film seiner Epoche.

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Von Frank­reich lernen, heißt Kino lernen: Aber die deutsche Film­för­de­rung hat nur Til Schweiger im Kopf und treibt die eigene Selbst­ab­schaf­fung voran, anstatt sich etwas vom guten Handwerk der Franzosen abzu­schauen – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 220. Folge

»Neither you nor I can stop the march of time.«
Jean Renoir »La Grande Illusion«

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Das CNC, die fran­zö­si­sche Film­för­de­rung macht es vor: Auf die Corona-Ausfälle reagiert man in Frank­reich mit einem ausge­klü­gelten, intel­li­genten, wohl­ab­ge­wo­genen, aufein­ander abge­stimmten Programm, das den ganzen Bereich des Films und der Film­dis­tri­bu­tion berück­sich­tigt, das keine Erbhöfe vertei­digt und die Struk­turen von gestern nicht konser­viert, das nach vorne blickt und das überholte Grenzen und Grenz­zäune einebnet.
Bedau­er­lich, dass man so etwas in Deutsch­land nicht mal zur Kenntnis nimmt.

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»Ernstes, heiter verpackt« – so heißt der (unfrei­willig?) zynische Titel der neuesten Pres­se­mit­tei­lung der FFA, der beweist, dass die deutsche Film­för­der­an­stalt auch nach Ende der Kino­schließungs­zeit in jenem geistigen Lockdown verharrt, in den sie sich selbst lange vor Corona hinein­be­geben hat: Ideenlos, innerlich gelähmt, ohne Ehrgeiz, der Krise zu trotzen, ohne Phantasie, wie das geschehen könnte, wird halt Til Schweiger gefördert, der wird’s schon richten. Dessen neuer Film-Titel, Die Rettung der uns bekannten Welt, ist längst erklärtes FFA-Programm.
Aber die Welt, die der FFA bekannt ist, hat nie existiert.

»Ernstes, heiter verpackt« ist zynisch, weil keinem, der gerade mit Film zu tun hat, nach dieser Art von hein­zehr­hard­t­hafter Heiter­keit zumute ist, nach Schmun­zelei ange­sichts des Ernstes der Lage. Und weil die FFA-Funk­ti­onäre, die im Gegensatz zu allen anderen sehr fest auf ihren 5000-Euro-Stühlen sitzen, mit so einer Formu­lie­rung außer ihrer grund­sätz­li­chen Unsen­si­bi­lität nur beweisen, dass ihnen auch das charak­ter­liche Format fehlt, das in beson­deren Situa­tionen wie diesen nötig ist. Auch in Corona-Zeiten soll einfach weiter­ge­lacht und gekichert und geschmun­zelt werden – dass Film aber auch zu etwas anderem gut sein könnte, als uns in Lachsäcke zu verwan­deln und in die späten Fünziger, die Heinz-Ehrhardt-Kicher­jahre zurück­zu­ver­setzen, dass Film den Menschen etwas zum Nach­denken, zum Aufwühlen, zum Sein-Leben-ändern, etwas Rele­vantes, nicht Eska­pis­ti­sches geben könnte, kommt im FFA-Horizont gar nicht vor. Weiterlesen

Dicht an dicht drei Stunden im Flieger: Ein Mallorca-Urlaub ist offensichtlich systemrelevant, ein Knotenpunkt in der regionalen Kulturszene aber nicht, bemerkt ein aktueller Facebook-Post. | Screenshot

Heute reden wir vor allem über Hygiene.  Die „Handlungshilfen“ der Berufsgenossenschaft für die Branche sind da, Seminare dazu gibt es auch schon, sogar mit Zertifikat. Ein Überblick, was gilt und was nötig ist.

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Was beim Dreh unter Corona-Bedingungen zu beachten ist, hat vor einem Monat die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) in einer „Branchenspezifischen Handlungshilfe“ zusammengefasst: „Für Kontrollen der Maßnahmen vor Ort ist jeweils eine Aufsicht führende Person vom Unternehmer zu bestellen und diesbezüglich zu unterweisen“, heißt es gleich eingangs bei den  Grundsätzen: „Die Person sollte zur Kontrolle und Durchsetzung der Maßnahmen des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards mit Weisungsbefugnis ausgestattet werden.“
Online-Seminare zum*r „Hygienebeauftragten für Film-, Fernseh- und Fotoproduktionen“ bietet inzwischen die Dekra-Akademie an, acht Unterrichtsstunden samt Zertifikat für 279 Euro. Das private Unternehmen bietet schon seit Jahren Hygiene-Ausbildungen für andere Branchen an.
Der Begriff „Hygienebeauftragte*r“ selbst ist für die Filmbranche allerdings unverbindlich, denn sie betritt Neuland: Es gibt keine Vorgaben zu Qualifikation und Weiterbildung, bestätigt Claudia Zeder-Mannis von der BG ETEM. Eine Schulung sei zwar immer gut, aber keine Grundlage. Noch wichtiger sei, dass der*die Beauftragte in den Drehabläufen erfahren ist und sich durchsetzen kann.
Auch Crew United hat „Hygienebeauftragte*r“ als Beruf in der Datenbank eingeführt, auch wenn die Bezeichnung noch unklar sei. „Zurzeit  werden geeignete Leute dringend gesucht, wir wollen das erstmal erleichtern“, erklärt Geschäftsführer Oliver Zenglein. Später solle die Zusatz-Qualifikation in den Bereich „Lizenzen“ wandern (wo etwa die „Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik“ schon zu finden ist).  Als Kriterium dafür stützt sich Crew United auf das Zertifikat der Dekra-Akademie – „und auf ausgiebige Set-Erfahrung“.  

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Europas Kulturzeitschrift „Lettre International“ widmet sich zum neuen Quartal der Pandemie und der Politik | Cover (Ausschnitt) © Lettre International, Didier William

Corona-Idyllen und Utopien allerorten: Back in the USSR – Apokalyptiker & Integrierte; Gedanken in der Pandemie 58.

„Ich habe einen Sinn für das Romanhafte. Aber daraus ergibt sich eine Mischung aus Strenge der Narration und einer gewissen Freiheit der Schreibweise in den einzelnen Szenen. Wenn ich anfange zu schreiben, weiss ich sehr wohl, wohin es geht, aber nicht unbedingt im Sinne des Plots, sondern im Sinne der Emotionen, zu denen der Film tendiert. Alles hängt an einem einzigen Gefühl.“
Mia Hansen-Løve, im Gespräch mit „Revolver“, Heft 24/2012

 

Langsam lichtet sich der Nebel, und über der Corona-Morgenröte wird der Horizont der neuen alten Welt sichtbar. 

Wir beginnen, über den Tag hinaus zu denken, zu analysieren, was bleibt, was geht und was kommt. Utopien allerorten, zumindest im neuen „Lettre International“.

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„Lettre International“ gibt es seit 1988 auf Deutsch, in Frankreich bereits seit 1984. So sehr diese vierteljährlich erscheinende, ziemlich unvergleichliche Zeitschrift eine Institution ist, so sehr leidet auch sie unter den neuesten Formveränderungen unserer Kommunikations-, Informations- und Denkgewohnheiten. Krisenbedingt drohen mit den Zeitungen und Zeitschriften auf der Kippe, substantielle Elementarstrukturen einer kritischen und schöpferischen Öffentlichkeit beschädigt zu werden oder gar in ihrer Existenz gefährdet zu werden. Worin die unvergleichliche Funktion der unabhängigen Printmedien besteht, davon kann man sich im neuesten „Lettre“-Heft (#129) überzeugen, das jetzt erhältlich ist. 

Das Heft versucht eine Spektralanalyse der Corona-Krise. Nochmal zur Erinnerung: SarS-CoV-2 ist das Virus, Covid-19 ist die Krankheit, Corona ist der gesellschaftliche Zustand. 

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Gelbe Plakate werben für „Fortsetzung folgt“: Die Kampagne soll den Berliner Programmkinos durch die Krise helfen. Das Spendenziel ist noch nicht erreicht, bis Mitternacht kann heute noch geholfen werden. | Foto © Elisabeth Nagy

Kinostarts und Streams der Woche. Von Elisabeth Nagy

In einer Woche geht es auch in Berlin wieder los mit dem Kinoprogramm. Und nicht nur das. Nächste Woche wird in Berlin ein Kino eröffnet, neu eröffnet. Das Charlottenburger „Klick“ an der Windscheidstraße wurde 2004 geschlossen. Eine kurze Zeitspanne lang, vom März 2017 bis April 2018 wurde es neu belebt. Als der Hauptmieter der Immobilie aufgeben musste, wurde auch den Kinobetreibern gekündigt. Christos Acrivulis und sein Team (Martina Klier, Alessandro Borrelli und Sascha Grunow) haben jetzt renoviert und machen wieder Programm. „Die Geschichte des ,Klick’-Kinos zeigt seinen Charakter als Kiez-Kino. Mit Respekt für seine Geschichte werden wir das Kino wiedereröffnen. Wir möchten einen Ort etablieren, der die Menschen vor allem, aber nicht nur wegen interessanter Filme anzieht. Kunstausstellungen und Autorenlesungen, Liederabende und Poetry Slams – Kultur in all ihren Facetten soll einen einzigartigen Platz in der Winscheidstraße 19 finden“, schreibt Acrivulis in der Pressemitteilung. Im ersten Monat übernimmt Lars Eidinger die Patenschaft, die jeden Monat wechseln wird. Das heißt, man zeigt eine Auswahl seiner Filme, zum Beispiel „Alle anderen“ von Maren Ade und ein paar seiner Lieblingsfilme, darunter „Les mépris“ von Jean-Luc Godard und „Anticrist“ von Lars von Trier. Am ersten Wochenende wird es zwei Tage der offenen Tür geben. Mit Abstand eine gute Sache.

Die Berliner Kinos hatten sich zu einer Unterstützungskampagne zusammengeschlossen. Wenn man denn Augen dafür hatte, entdeckte man im Stadtbild und in den Kinoschaukästen die gelben Plakate für „Fortsetzung folgt“. Die Berliner Programmkinos, 33 an der Zahl mit insgesamt 73 Leinwänden, hat auf Startnext.com eine Kampagne aufgestellt. Man wollte zum einen Spenden sammeln, die das Fortbestehen der Häuser zumindest zum Teil sichern könnten. Zum anderen wollte man Eigeninitiative vorweisen, auch um die Politik, im Verbund, auf die Wichtigkeit filmkultureller Arbeit hinzuweisen. Am 27. März 2020 lief die Aktion an und sie läuft heute abend um 23.59 Uhr aus. Das Ziel war 730.000 Euro. Leider ist man von der Summe noch etwas entfernt. Jeder Euro zählt, darum hier der Hinweis, auch 5 vor 12 kann man noch spenden.

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Aus gegebenem Anlass und als Beispiel, was Film kann: Richard Linklater zeigt in „Fast Food Nation“ schon vor 13 Jahren die Zustände in der Fleischproduktionsindustrie. | Foto © Senator

Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben, Krawalle in Stuttgart, Korruptionsvorwürfe gegen den Politiknachwuchs … für Kultur und Film war wenig Zeit übers Wochenende. Die Meldungen zum Montag.

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Bilder der Zeit: Martin Schoeller ist mit seinen Fotografien berühmt geworden, die Menschen extrem nahekommen. Die „Süddeutsche Zeitung“ sprach mit ihm über das Porträt in Zeiten der Masken, darüber, was zählt in einem Gesicht und wie die Seuche die Stadt New York verändert.

 

Wie soll’s weitergehen in Zeiten von Corona? Filmschaffende aus allen Gewerken hatten sich zusammengetan, um ein Konzept für sichere Dreharbeiten zu erarbeiten. Doch dem Netzwerk WirSind1Team geht es um mehr. Im Interview stellt es sich vor. 

Fragen und Antworten zum Förderprogramm „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“ hat die Kulturstiftung Rheinland-Pfalz auf ihrer Website. 

Im Mai wurde für das traditionsreiche Berliner Kino „Colosseum“ Insolvenz angemeldet, danach gab es noch ein wenig Hoffnung auf einen Weiterbetrieb. Doch jetzt steht fest: Das Haus an der Schönhauser Allee wird die Corona-Krise nicht überleben, berichtet der RBB.

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Auf der Website sieht eigentlich alles bestens aus in den Schlachtbetrieben von Tönnies. In der Corona-Pandemie zeigt sich ein anderes Bild. | Screenshot

Schwein gehabt in NRW: Die Phantastilliarden unserer Sehnsucht: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 57. 

„Gouverner, c’est choisir.“
Paul Mendes-France, Politiker

„Vegetarismus und Veganismus sind Formen des Luxuskonsums, die die Umwelt belasten und den Menschen in ärmeren Ländern die Lebensgrundlage entziehen.“
Udo Pollmer, Ernährungsexperte

„Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre können nicht ausgeschlossen werden.“
Wirecard-Pressemitteilung

„Es gibt Ideen, die ihren Weg zwar langsam machen, die aber nicht einfach wieder weggehen, weil nicht jedermann sie sogleich aufnimmt. Dazu gehört der Gedanke, daß es für alle Bürger entwickelter, zivilisierter Gesellschaften ein garantiertes Mindesteinkommen geben sollte.“
Ralf Dahrendorf

 

Wenn einer Fleischfabrikant ist, ist er fast schon Verbrecher. In jedem Fall ein sehr dankbares Opfer. Das ist zurzeit erst recht Clemens Tönnies, Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück und für viele sowas wie der Gott des Gemetzgers. Zugegeben, Tönnies ist kein mir sehr sympathischer Typ, das sage ich schon mal deswegen, weil mein Lieblingsfußballclub der BVB ist und Tönnies Präsident von Schalke 04. Eigentlich sollte das zur Erklärung genügen. Darüber hinaus hatte Tönnies zuletzt auch nicht sehr elegante Formulierungen für schwarzafrikanische Lebensverhältnisse gewählt, in seinem Verein stimmt nichts, von oben angefangen bis runter zur Jugendabteilung, wo die Minijobber rausgeschmissen wurden, weil sie angeblich zu teuer sind.

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Zum Aufhängen im Büro oder am Set: Auf einem Plakat bringt WirSind1Team die 18 wichtigsten und grundlegenden Maßnahmen für den Dreh unter Corona-Bedingungen auf den Punkt. | Grafik © WirSind1Team

  

Wie soll’s weitergehen in Zeiten von Corona? Filmschaffende aus allen Gewerken hatten sich zusammengetan, um ein Konzept für sichere Dreharbeiten zu erarbeiten. Doch dem Netzwerk WirSind1Team geht es um mehr. Im Interview stellt es sich vor.

 

Was ist „WirSind1Team“? Was macht „WirSind1Team“?
WirSind1Team ist eine ehrenamtliche Initiative von Filmschaffenden und Filmdienstleistern, die sich während des corona-bedingten Lockdowns der Filmbranche organisiert haben. Wir sammeln das vorhandene Branchen-Know-how vor und hinter der Kamera zur Ausgestaltung des Corona-Arbeitsschutzstandards der Bundesregierung für die unterschiedlichsten filmtechnischen und kreativen Gewerke, die bei der Film-, Werbe- und Fernsehproduktion involviert sind.

Wann und wie ist „WirSind1Team“ gestartet?
WirSind1Team startete Mitte April 2020 auf Initiative des Filmdienstleisters Jo Langen, welcher auch eine digitale Meeting-Plattform für die Initiative beisteuerte. Er rief alle Filmschaffenden dazu auf, gemeinsam für die Branche eine Handlungsempfehlung für die Wiederaufnahme von Dreharbeiten zu erarbeiten. Über Mund-zu-Mund Propaganda und Soziale Medien fanden sich innerhalb von wenigen Tagen dutzende Interessierte, welche bereit waren, sich aktiv auszutauschen und mitzuwirken. Weiterlesen

Am Mittwoch wurde der „Deutsche Fernsehpreis“ verliehen. Den Umständen entsprechend ohne Gala, aber in vielen Kategorien. Das lassen wir zum Wochenausklang mal alleine im Vorspann stehen und gratulieren den Nominierten, Ausgezeichneten und allen anderen, die sich um ein gutes Programm  bemühen.

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Der „Deutsche Fernsehpreis“ wurde am Mittwoch verliehen. Ohne Gala – aber mit Überraschung, berichtet „Der Tagesspiegel“.
Ausgezeichnet werden – alle Sender, die in der Corona-Krise für eine breite Berichterstattung sorgten, erklärt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Das hervorzuheben, sei der Jury ein Anliegen. Sie lobe das Fernsehen an sich.
„Die senderübergreifende Selbstbeweihräucherung der Corona-Berichterstattung durch den Preis grenzt allerdings an Ignoranz“, meint Nora Frerichmann im „Altpapier“ des Senders MDR.
Pro Sieben und Sat.1 feiern fünf Auszeichnungen, das ZDF freut sich sogar über elf.
Allerdings: 30 Auszeichnungen wurden vergeben, nominiert waren wieder fast nur Produktionen aus den Senderfamilien der vier Preisstifter ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Bei den Serien setzten sich allerdings die Streamingdienste gegen das klassische Fernsehen durch: Da gewann Sky mit „Der Pass“ in der Kategorie Drama, Netflix mit „How to Sell Drugs Online (Fast)“ in der Kategorie Comedy. Und für Netflix holten auch Silke Fischer (Szenenbild) und Justine Seymour (Kostüm) den Preis für die beste Ausstattung in der Serie „Unorthodox“.
Der Preis beweise aber auch: Das Fernsehen wird stark von Frauen geprägt, merkt DWDL an: „In den Handwerks-Kategorien stellten sie die überwiegende Anzahl der Sieger. Es sind die Kategorien, die man in den Jahren zuvor oft unter den Tisch fallen ließ.“

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Frankreich wurde von der Pandemie wesentlich härter getroffen. Hatten die Deutschen vielleicht einfach nur Glück? | Screenshot

Typen der Antwort auf das Virus: Italien, Deutschland und Frankreich: Apokalyptiker & Integrierte –  Gedanken in der Pandemie 56.

 

„Erziehung“ – schon das Wort, das in deutschen Ohren so ganz anders klingt als „education“ auf Englisch oder das französische „éducation“, ist seit den Zeiten Rousseaus etwas in Verruf geraten, und gefällt heute vor allem den autoritären Charakteren aller politischen Lager. Ich finde allerdings auch, dass Erziehung sehr wichtig ist. Kinder müssen lernen, ab und zu mal die Zähne zu putzen; Indien-Besucher, dass man nicht mit der linken Hand in den Reis hineinfasst; und erwachsene Deutsche müssen dazu erzogen werden, die Freiheit der anderen zu achten. Ab und zu komme ich auch während meiner Tätigkeit als Filmkritiker auf den Gedanken, dass ein sommerliches Um-Erziehungscamp für deutsche Filmemacher nicht die schlechteste Idee wäre. Da müssten sie dann den ganzen Tag Filme aus der Filmgeschichte gucken und zwar im Original mit Untertiteln. Und am Morgen wäre zur Erfrischung eine halbe Stunde Selbstkritik angesagt. 

Bei anderen Erziehungsfragen wird es komplizierter.

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Das Editorial der französischen Kulturzeitschrift „Esprit“ unterscheidet vier Phasen der Pandemie bisher: Zunächst eine Betäubung und Schockstarre, gefolgt von vielen Selbst-Befragungen, die sehr schnell in die dritte Phase der Inflation von Kommentaren mündeten. Hier fanden sehr viele während der Krise eine Form von Selbstbestätigung und Selbstsicherheit, in dem sie über den eigenen Zustand nachdachten. Die vierte Phase ist das Jetzt: Das öffentliche Leben kommt langsam wieder auf Kurs und beginnt, Fahrt aufzunehmen; die Menschen bewegen sich wieder stärker in analogen Lebensverhältnissen mit Schmutz, mit Objekten, die im Weg stehen, mit Menschen, an denen sie sich stoßen. Manche reagieren darauf hysterisch – die Geschmeidigkeit, die Emotion, das Driften des Netzes und das Leben ganz und gar in den Bildschirmen hat nachgelassen.

Die Menschen fragen sich, was sich eigentlich geändert hat und welche Politik aus der Gegenwart ist.

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Analog dazu könnten man Typen der Desillusionierung und Reaktion unterscheiden: Für die Nationalisten hat die Krise die Illusion beseitigt, dass man die Grenzen schließen kann und dass Grenzschließungen alle Probleme lösen würden, dass es mit geschlossenen Grenzen keine Migration mehr geben würde – ganz im Gegenteil: Fremdarbeiter werden eingeschleust, um so etwas wie nationale Ernährungssouveränität (Spargel!) aufrechtzuerhalten. Die Nationalisten und die Fetischisten nationaler Souveränität schließen aus der Krise, dass man mehr oder weniger alle Produkte relokalisieren muss und dass es eine strategische Existenzfrage sei, ob sich alles und jedes im eigenen Land herstellen lässt, nicht nur Masken, nicht nur Medikamente. Und sie erfahren ihr Scheitern.

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„Die Liebe in den Zeiten der Cholera“: Die Seuche versetzte vor anderthalb Jahrhunderten die Menschen weit mehr in Furcht als heute Corona. | Foto © Tobis

Experimente mit offenem Ausgang: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 55.

„Auf einem dürren Kosackenklepper schien sie zu kommen, die sieben Plagen als siebensträhnige Knute in der Hand, die asiatische Giftmischerin, die in alle Brunnen, alle Ströme, in jede Nahrung den Keim des Todes warf.“
Karl Gutzkow über die Cholera 1831

„Es gibt Menschen, die bereit sind, ein gewisses Risiko einzugehen, und es gibt andere, die jedes Risiko ausschließen wollen. Beides haben wir zu akzeptieren. Das ist die Vielfalt des Menschen.“
Dabrock im Deutschlandfunk

 

„Hegel starb am Montag, dem 14. November 1831, in seiner Wohnung am Berliner Kupfergraben. Der Tod kam überraschend. Am Freitag zuvor hatte er mit den Vorlesungen des Wintersemesters über Rechtsphilosophie und Geschichte der Philosophie begonnen, am Samstag Prüfungen abgehalten. Am Sonntag zeigten sich die ersten Symptome der Krankheit, der er nach einer unruhigen Nacht am nächsten Tag gegen 17 Uhr erliegen sollte. Am 16. November wurde er seinem Wunsch entsprechend auf dem evangelischen Dorotheenstädtisch-Friedrichswerderschen Friedhof neben seinen Vorgängern Solger und Fichte begraben. Zahlreiche Equipagen und ein unabsehbar langer Zug der Studenten gaben ihm das letzte Geleit.“

So beginnt ein schöner Text über den bedeutendsten Philosophen deutscher Sprache, dessen 250. Geburtstag im August gefeiert wird. Er erschien in der Juni-Ausgabe des „Merkur“, nicht zu verwechseln mit dem „Münchner Merkur“ oder dem „Rheinischen Merkur“. Die in Stuttgart erscheinende, immer noch sehr schön klassisch „deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ genannte Monatszeitschrift ist zwar in den letzten Jahren um einiges uninteressanter geworden als unter ihrem sagenhaften Herausgeber Karl Heinz Bohrer, aber immer noch interessant genug. 

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Auch das deutsche Fernsehen hat noch einiges aufzuarbeiten. Zum Brüllen, was „TV Total“ so an Scherzen zu gleichgeschlechtlichen Fußballmannschaften einfiel. | Screenshot

Vor zwei Wochen war es angekündigt, das Wumms-Paket für die Kultur. Eine Milliarde Euro soll der „Neustart Kultur“ kosten, alle haben zugestimmt, heute hat die Regierung bschlossen: Es kann losgehen! So etwa in zwei Wochen, wenn Bundestag und Bundesrat auch den Haushaltsnachtrag verabschiedet haben, mit dem das finanziert werden soll.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Bevor wir anfangen, erstmal etwas völlig Anderes: Neuseelands Regierung sorgt sich um die Sicherheit junger Menschen im Internet. Ein außergewöhnlicher TV-Clip ist Teil einer Kampagne, damit Eltern mit ihren Kindern über heikle Themen im digitalen Zeitalter sprechen: Zwei unbekleidete „Pornostars“ erscheinen an der Haustür einer Mutter und erzählen dieser, dass ihr Sohn sich das Paar gerade online anschaue [auf Englisch]. 

 

Eine Milliarde Euro sollen den „Neustart Kultur“ anschieben. Das Paket und die ersten Reaktionen hatten wir vor zwei Wochen vorgestellt. Heute wurden „Eckpunkte für ein Programm zur Milderung der Auswirkungen der Corona-Pandemie im Kulturbereich“ vom Bundeskabinett beschlossen. Das Programm von Kulturstaatsministerin (BKM) Monika Grütters bestehe „im Wesentlichen aus fünf Teilen“, so die Mitteilung ihres Ministeriums: Weiterlesen

Kinos im Stillstand 20 – aber nicht mehr lange: Das „Adria“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Kinostarts und Streams der Woche. 

„Wir sind zurück!“ steht auf der Anzeigetafel des „Adria“ in Berlin-Steglitz. Klein darunter steht allerdings „ab 02.07.“. Die Kinobetreiber haben sich auf den 2. Juli als Öffnungsdatum geeignet. In den verschiedenen Bundesländern sieht es unterschiedlich aus. Daran hat sich nichts geändert. Bei den Blockbustern muss sich das Publikum gedulden. Zum Beispiel hat Warner Bros. in den USA gerade eine Anzahl von Filmen verschoben und die anderen Länder, so auch Deutschland, müssen entsprechend mitumplanen. So wird „Tenet“ von Christopher Nolan nun doch nicht am 16. Juli starten, sondern am 30. Juli. Woraufhin der Verleih Entertainment One sein Zugpferd „Berlin Alexanderplatz“ vom 30. Juli auf den 16. Juli vorzieht. Das Kinoprogramm der Stunde ist noch überschaubar. Aber auch diese Woche gibt es neue Filme, Wiederaufführungen und On-Demand-Veröffentlichungen.

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