Zum Aufhängen im Büro oder am Set: Auf einem Plakat bringt WirSind1Team die 18 wichtigsten und grundlegenden Maßnahmen für den Dreh unter Corona-Bedingungen auf den Punkt. | Grafik © WirSind1Team

  

Wie soll’s weitergehen in Zeiten von Corona? Filmschaffende aus allen Gewerken hatten sich zusammengetan, um ein Konzept für sichere Dreharbeiten zu erarbeiten. Doch dem Netzwerk WirSind1Team geht es um mehr. Im Interview stellt es sich vor.

 

Was ist „WirSind1Team“? Was macht „WirSind1Team“?
WirSind1Team ist eine ehrenamtliche Initiative von Filmschaffenden und Filmdienstleistern, die sich während des corona-bedingten Lockdowns der Filmbranche organisiert haben. Wir sammeln das vorhandene Branchen-Know-how vor und hinter der Kamera zur Ausgestaltung des Corona-Arbeitsschutzstandards der Bundesregierung für die unterschiedlichsten filmtechnischen und kreativen Gewerke, die bei der Film-, Werbe- und Fernsehproduktion involviert sind.

Wann und wie ist „WirSind1Team“ gestartet?
WirSind1Team startete Mitte April 2020 auf Initiative des Filmdienstleisters Jo Langen, welcher auch eine digitale Meeting-Plattform für die Initiative beisteuerte. Er rief alle Filmschaffenden dazu auf, gemeinsam für die Branche eine Handlungsempfehlung für die Wiederaufnahme von Dreharbeiten zu erarbeiten. Über Mund-zu-Mund Propaganda und Soziale Medien fanden sich innerhalb von wenigen Tagen dutzende Interessierte, welche bereit waren, sich aktiv auszutauschen und mitzuwirken.

Wer steckt dahinter? Wer macht mit – welche Gewerke, Personen, Firmen?
WirSind1Team wird ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement von Filmschaffenden, Filmdienstleistern und Fachkräften für Arbeitssicherheit getragen! Die gesamte Infrastruktur sowie der IT-Support werden durch JOLA-Rent zur Verfügung gestellt. Jo Langen als Geschäftsführer zeichnet stellvertretend für die Inhalte unserer Website als presserechtlich Verantwortlicher.
Bei der Verfeinerung und Verbreitung unserer Arbeitsergebnisse werden wir zunehmend auch von den Berufs-, Branchen- und den beiden großen Produzentenverbänden Deutschlands unterstützt.
Die Agentur BDA Creative hat für uns ein Logo und einen Aushang mit den 18 wichtigsten Maßnahmen gestaltet und in Pressefragen können wir auf die Hilfe von der Agentur planpunkt:PR zurück greifen.

Was ist das Ziel der Initiative?
Wir sind damals angetreten, um ein Konzept zu erarbeiten für die Wiederaufnahme von Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen.
Dieses erste Ziel haben wir bereits erreicht! Außerdem ist unsere Arbeit bereits in einen Branchenstandard zum Hygiene- und Gesundheitsschutz eingeflossen, welchen die für uns zuständige Berufsgenossenschaft BG ETEM unter Hochdruck Mitte Mai vorgelegt hat. Alle Filmproduzenten, welche die Pflichten und Möglichkeiten dieses Standards umsetzen, können sich sicher sein, dass sie der gesetzlich geforderten Sorgfalts- und Fürsorgepflicht als Unternehmer genügen.
Momentan suchen wir nach Wegen, die Arbeit vor der Kamera wieder unbeschwerter möglich zu machen, also den Schauspielern zu ermöglichen, Nähe zu zeigen, ohne sie dafür in den nächsten Monaten isolieren zu müssen.

An wen richtet sich „WirSind1Team“?
An alle, die für die Entstehung von fiktionalen Film- und Fernsehprojekten nötig sind: Filmschaffende, Produzenten und Dienstleister.
Weil kaum ein Projekt oder Format in seinen Herausforderungen einem anderen gleicht, stellen wir den Filmschaffenden und ihren Verbänden neben dem Maßnahmenkatalog auch die Ergebnisse unserer einzelnen Arbeitsgruppen zur Verfügung, die wesentlich detaillierter auf die einzelnen Tätigkeiten in der Produktion eingehen, als es eine allgemeine Vorschrift jemals könnte.
Unser Ziel ist, mit dieser Arbeitshilfe möglichst viele Filmschaffende vor und hinter der Kamera zu erreichen, und jeden dort abzuholen, wo er oder sie auch immer gerade steht. Man darf nicht vergessen, dass neben der Gesundheit aller Filmschaffenden, auch die Existenz von Produktionsfirmen auf dem Spiel stehen kann, wenn es zu erneuten Ausbrüchen an den Sets und damit verbundenen Abbrüchen von Dreharbeiten käme. Deshalb helfen uns neben den diversen Berufsverbänden auch die Filmcommissions der Länder bei der Verteilung der Informationen.
Auch den genehmigungserteilenden Behörden möchten wir signalisieren: Wir haben einen Plan, mit dem wir in dieser dynamischen Epidemie-Situation sicher drehen können!

Was wurde bisher erarbeitet?
WirSind1Team hat ein Maßnahmenkonzept und dazugehörige Arbeitspapiere erarbeitet. Diese Dokumente verstehen sich als detaillierte Ergänzung zur Handlungshilfe der BG ETEM und dem Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
Außerdem stellen wir ein Plakat zur Verfügung mit den 18 wichtigsten und grundlegenden Maßnahmen zum Aufhängen im Büro oder am Set. Alternativ dazu eine A4-Variante für die Nutzung als Dispoanhang oder für die Verarbeitung im Booklet. Alle Dokumente liegen sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß vor.
Auf unserer Webseite www.WirSind1Team.de finden sich diese Dokumente, sowie im Bereich Service nützliche Links zur Einholung von weiteren Informationen.
Inzwischen sind wir auch bei Facebook uns Instagram mit einer eigenen Seite vertreten.

Wie ist die Resonanz bisher in der Film-/Medienbranche? Stoßt ihr eher auf Widerstände oder auf offene Türen?
Da wir uns am Anfang bewusst von den Verbänden und Organisationen unserer Branche ferngehalten hatten, hat man uns zunächst sicherlich skeptisch beäugt.
Schnell wurde jedoch deutlich, dass alle im Grunde genommen froh um unsere Arbeit waren, denn alle Organisationen waren zunächst mit der wirtschaftlichen Schadensbegrenzung des Lockdowns und der damit einhergehenden politischen Arbeit nahezu komplett absorbiert. Wir konnten uns auf unser Maßnahmenkonzept konzentrieren, da wir eben kein Vertretungsmandat zu erfüllen hatten.
Inzwischen konnten wir, gemeinsam mit der Produzentenallianz, einen virtuellen Runden Tisch initiieren, an dem diverse Produzenten- und Berufsverbände unserer Branche zu einem ersten gemeinsamen Austausch zusammenkamen. Dort haben wir unsere Arbeit vorgestellt und gemeinsam offene Fragestellungen gesammelt.

Warum braucht es die Corona-Krise, dass solch eine Initiative, quasi eine „Graswurzel-Bewegung“ der Medienschaffenden/Film- und Fernsehbranche, entsteht?
Ganz einfach: Viele Filmschaffende, auch die meistbeschäftigten, hatten plötzlich Zeit. Aber im Ernst: In der Arbeit der unterschiedlichen Berufsverbände, Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Organisationen spiegeln sich auch die diversen Zielkonflikte innerhalb unserer vielschichtigen Branche wider. Gleichzeitig ist der Organisationsgrad von Film- und Kreativschaffenden vergleichsweise gering.
Als branchenpolitisch unbelastete Initiative fanden wir dadurch schnell den nötigen Zulauf und auch Zuspruch. Auch der Wunsch, bald wieder unter sicheren Umständen arbeiten zu können, war ein großer Antrieb.
Gleichzeitig konnten wir vorleben, wie weit man allein mit bedachtem und konstruktivem Vorgehen und sorgfältiger und transparenter Kommunikation kommen kann.
In dieser für unsere Branche existenzbedrohenden Situation ist dies aus unserer Sicht ein großes Ziel für die Zukunft: Wir müssen mehr miteinander sprechen und zuhören. Deshalb würden wir gerne den Spirit von WirSind1Team in die Branche tragen!

Ist es denkbar, dass „WirSind1Team“ auch über „Covid-19“ hinaus aktiv bleibt?
Unser Thema ist ja notgedrungen die existenzielle Zukunft unserer Branche. Wir hoffen sehr, dass unser Netzwerk erhalten bleibt, sodass wir vielleicht bald auch zur Lösung weiterer existenzieller Themen unserer Branche etwas beitragen können. In der Vergangenheit ließ sich oft beobachten, dass viele Einzelkämpfer versucht haben, ein Thema anzugehen. Das kann dann dazu führen, dass oftmals Themen immer wieder von vorne angegangen werden, obwohl vielleicht woanders schon eine Lösung für das Problem da war. Vernetzung kann also auch neben dem starken Gemeinschaftsgefühl sehr effizient sein!
Außerdem haben wir es auch als äußerst effektiv erlebt, auf das Fachwissen aus allen Gewerken zurückzugreifen, denn oft werden Pläne nur in der Produktionsabteilung geschmiedet ohne die Einbeziehung der Fachkompetenz aus den jeweiligen Abteilungen, was dann in vielen Fällen zu Unzufriedenheit führen kann.
Das Thema Nachhaltigkeit ist dafür ein gutes Beispiel. Das Thema liegt vielen am Herzen und ist auch in unserer Branche ein großes Thema. Trotzdem ist es in den letzten Jahren nicht gelungen, eine Vernetzung aller Akteure zu schaffen, vorhandene Ideen für Maßnahmen zusammenzutragen, beziehungsweise gemeinsam neue zu erarbeiten und am Ende dann leicht zugänglich zu machen. Am Beispiel von WirSind1Team kann man sehen, was (sogar in kürzester Zeit) möglich ist und vielleicht können wir hier ja in Zukunft einen sinnvollen Beitrag leisten.

Stichwort Transparenz: Die Initiative antwortet mit einer Stimme – warum?
Wir möchten kein Geheimnis aus den Namen der einzelnen Beteiligten an unserer Arbeit machen, möchten aber auch niemanden besonders herausheben. Denn egal, ob jemand nur mitdiskutiert oder wichtige Fragen aufgebracht hat, Lösungsansätze beigesteuert oder Teile eines Konzepts ersonnen hat, redaktionell oder organisatorisch eingebunden war. Jeder hat nach den eigenen Möglichkeiten zweifellos im richtigen Moment seinen Teil beigetragen oder tut es immer noch.

 

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