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Totensonntag in den USA: Die „New York Times“ räumte gestern ihre Titelseite und den Innenteil für die Namen der Corona-Opfer: Fast 100.000 Menschen sind in den USA bereits gestorben. | Screenshot

Wann wie wo demnächst wieder gedreht wird, bestimmte auch übers Wochenende die wenigen Berichte aus der Branche. Doch nach dem Neustart warten noch andere Themen – alte und neue.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Fast 100.000 Menschen sind in den USA durch Corona gestorben. Die „New York Times“ räumte gestern ihre Titelseite für ihre Namen frei. Es gehe um einen unfassbaren Verlust, berichtet die „Taz“.

 

Der neue Arbeitsschutzstandard „bringt erhebliche Herausforderungen mit sich“, sagt die Produzentenallianz. Der „Tagesspiegel“ hatte sich die Dreharbeiten in Corona-Zeiten angesehen.

Wie Filmdrehs in Coronazeiten aussehen könnten, fragten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ Carl Woebcken vom Studio Babelsberg.

Erst fünf Tage Quarantäne, dann der Kuss: Intimität darzustellen, wird, wie in der Corona-Krise nicht anders zu erwarten, sehr viel schwieriger. Auch die „FAZ“ berichtet über die Corona-Leitlinien für Dreharbeiten der BG ETEM.

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Vom Neuanfang ist immer wieder mal die Rede. Warum eigentlich? Vorher war’s doch gar nicht so schlecht. | Foto © Warner Brothers, Jürgen Olczyk

Neuanfang wozu? Freiheit, Gleichheit, Eitelkeit: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 42. 

„Der Zweck des Staates ist die Freiheit.“
Spinoza

„Folglich sagen die, welche bloß zugeben, dass Alles gut sei, eine Dummheit: sie mussten sagen, dass nichts in der Welt besser sein kann, als es dermalen ist.“
Voltaire, „Candide – oder: Die beste aller Welten“

 

Baruch de Spinoza (1632-1677) war der Lieblingsphilosoph Goethes. Sein Werk lohnt die Beschäftigung, denn es ist eine Philosophie des Glücks, der Vernunft und der Selbstbestimmung. Und das Werk eines echten Europäers, der aus einer jüdischen, von der Inquisition aus Portugal vertriebenen Familie stammte, die in den Niederlanden – seinerzeit eine einsame republikanische Insel im Meer des Absolutismus, Zuflucht fand. Es ist nicht leicht sein Werk zu verstehen – aber im „Philosophie Magazin“ gibt es eine sehr schöne Einführung und vor Jahren hat Daniel Barenboim einmal in der „Welt“ erklärt, warum er Spinoza so mag.

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Kinos im Stillstand 15: Die „Eva Lichtspiele“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Zwischen Feiertag und Wochenende gibt’s nur wenig Neues zu melden – bis auf eine erste Erfahrung mit der Hilfe die Kulturschaffenden. Anscheinend gibt es noch einiges zu tun …

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Was bedeutet „R“ gleich nochmal? Die Pandemie als Simulation erklärt [auf Englisch].

Reproduktionszahl, Neuinfektionen, Verdopplungszeit … die Daten zur Corona-Pandemie verwirren mehr, als dass sie aufklärten. „Telepolis“ versucht, „Das Kommunikationsdilemma der Reproduktionszahl R“ zu erklären.

 

In Bayern wird Künstler*innen geholfen – verspricht Ministerpräsidenten Markus Söder. Zwei Schauspieler*innen beantragten am Dienstag die neue Künstlerhilfe. Die Erfahrung schilderten sie in einem Brief. 

Die Hilfe des Bundes sei an den tatsächlichen Bedürfnissen von Soloselbständigen vorbeigegangen, kritisiert Verdi heute in einer Pressemitteilung. Die Gewerkschaft fordert daher ein neues Programm, dass sich passgenauer an der Lebensrealität ausrichten müsse.

 

Wie wäre es, wenn keine neuen Filme kämen? fragt die „FAZ“. Also wenn die Kinos zu blieben und wir mit dem Vorhandenen auskommen müssten? Nur ein Gedankenspiel …

Was muss sich nach der Krise verändern? Und wie überstehen Rentals die Krise? Nur zwei der Fragen im „Covid-19-Spezial“ der Fachzeitschrift „Film TV Kamera“. Die aktuelle Ausgabe mit den Antworten gibt es kostenlos als PDF.

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Ein Filmtipp fürs Wochenende: Michelangelos Antonionis „L’Avventura“ von 1960 ist Italiens Antwort auf die Nouvelle Vogue. | Foto © Archiv

Luxusprobleme, Risiken, und andere Sensibilitäten: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 41.

„Ein Leben mit absoluter Sicherheit – ohne jedes Risiko – ist eine Fantasie  […], lebendig zu sein bedeutet Risiko.“
Anne Dufourmantelle

 

Erstmal etwas Wunderschönes: Mit diesem Film begann die Moderne im Kino. Solche Sätze sind immer falsch. Und doch … Wie wunderbar Michelangelos Antonionis „L’Avventura“ von 1960 ist, ahnt man bei diesem historische Trailer. Und auch wer kein Italienisch versteht, spürt Energie und Verve dieses Films und seiner Ära, und begreift ein paar Schlüsselsätze: Italiens Antwort auf die Nouvelle Vague! 

Es war auch eine Zeit, in der „pervers“ noch ein lobendes Adjektiv war, oder zumindest eines, das neugierig macht. 

Und sieht Monica Vitti nicht großartig aus! Sie spielt eine Frau, deren beste Freundin plötzlich verschwindet. Einfach so, ohne Grund. Wie in einem Lynch-Film. Und die dann fast etwas mit dem Geliebten ihrer Freundin anfängt. 

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Die Frauen sind die Verlierer der Corona-Krise – darüber sind sich jetzt alle einig. Ist das wirklich so? wäre die erste Frage. Die zweite interessantere, wenn wir es mal als gegeben ansehen, dass die erste mit ja beantwortet werden muss, lautet: warum? 

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„Bayern ist ein Kulturstaat und wir wollen die Künstler nicht alleine lassen“, sagt Ministerpräsident Markus Söder (Mitte) mit Sicherheitsabstand. Ein erster Praxisbericht alleine gelassener Künstler. | Foto © BR

In Bayern wird Künstlern geholfen, verspricht Markus Söder. Zwei Schauspieler*innen beantragten am Dienstag die neue Künstlerhilfe. Die Erfahrung schilderten sie dem Ministerpräsidenten in einem Brief: 

Auf das von Herrn Ministerpräsident Söder angekündigte bayerische Hilfsprogramm für Künstler haben wir seit dessen Ankündigung am 21. April 2020 große Hoffnungen gesetzt, nachdem wir bei sämtlichen Soforthilfe-Programmen abgelehnt wurden. Das neue Programm ist nun da – und wir sind fassungslos ob der Umsetzung der so groß angekündigten Künstlerhilfe. 

Da wir als freischaffende Schauspieler, beide in der KSK, aufgrund der nicht greifenden Soforthilfen im März und April notgedrungen Grundsicherung beantragen mussten, werden wir nun von der Künstlerhilfe ausgeschlossen. 

Corona-bedingt habe ich den Verlust von 60 Theatervorstellungen zu beklagen, da unser Theater schließen musste. Ebenso waren die Synchronstudios vier Wochen geschlossen, was einen zusätzlichen Nicht-Verdienst zur Folge hatte. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass auch Akquise aktuell schwierig ist und der Ausblick für die kommenden Monate düster. 

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„Zatoichi, der blinde Samurai“ trifft „Léon, den Profi“: Neo-noir kämpft sich der „Man from Beirut“ durch Berlin. Diese Woche lief der deutsche Thriller in den Autokinos an. Nicht in Berlin – dort gibt es noch keins. | Foto © Filmwelt

Die Streams der Woche – und ein Start im Autokino. Von Elisabeth Nagy

Nichts Genaues weiß man nicht. Wann öffnen die Kinos? Wo öffnen die Kinos? In Hessen gibt es schon Spielbetrieb, berichteten wir in der Brancheninfo am Mittwoch. In Italien soll ab 15. Juni und in Österreich am 1. Juli die Kinos öffnen, habe ich im Newsticker von programmkino.de gelesen. Während eine Flut an Startmeldungen per E-Mail auf mich einprasselt, lese ich zumindest für die Autokinos nur Positives. Davon gibt es immer mehr und mehr und – und was macht man ohne Auto und ohne Autokino? Da gäbe es doch Freiluftkinos, die doch in der Regel, in normalen Zeiten, im Mai an den Start gehen. In Berlin gibt es drei davon. Die Betreiber, die Piffl Medien, haben ein Konzept vorgelegt und warten auf ein Go. Nur ein Viertel an Publikum könnte kommen, aber was in Kaufhäusern und Geschäften funktioniert, sollte doch an einem Ort, an dem man sich wahrlich nur zielgerichtet von A nach B bewegt, ohne weiteres machen lassen. 

Aber noch mal zu den Autokinos. Der Verleih Filmwelt bringt jetzt sogar einen Titel exklusiv für die Autokinos raus. Wobei „exklusiv“ nicht ausschließt, dass Kinos, die in manchen Bundesländern schon wieder dürfen, den Film nicht auch mieten könnten.

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Frappierend aktuell: Das „Deutsche Historische Museum“ hat jetzt der Philosophin Hannah Arendt eine große Einzelausstellung gewidmet. | Foto © Art Resource, New York, Hannah Arendt Bluecher Literary Trust

Eine Erklärung zur Arbeit, eine Erinnerung an Hannah Arendt und andere kluge Frauen: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 40.

„Was wird aus einer Zivilisation, die hinter der Bereitschaft zum Risiko nur noch Heroismus, hellen Wahnsinn oder ein abstruses Verhalten zu sehen vermag?“
Anne Dufourmantelle, Eloge du Risque

„Jeden Morgen stehen Männer und Frauen – besonders auch die Angehörige von Minderheiten, Migrantinnen und Migranten und diejenigen in der informellen Ökonomie – auf, um denjenigen unter uns Dienste zu leisten, die in Quarantäne bleiben können. […] Ohne diejenigen, die ihre Arbeitskraft investieren, gäbe es keine Produktion und keine Dienstleistungen. […] Die Rentabilitätslogik kann nicht alles entscheiden, und bestimmte Bereiche müssen vor unregulierten Marktkräften geschützt werden, während gleichzeitig jedes Individuum Zugang zu einer Arbeit, die mit der eigenen Würde vereinbar ist, haben sollte.“
democratizingwork.org

 

Sie ist eine der interessantesten Denkerinnen ihrer Generation: Lisa Herzog. Philosophin, Sozialwissenschaftlerin, Ökomomieexpertin, hat die erst 36-jährige bereits eine beachtliche Karriere gemacht, und ein paar sehr interessante Bücher geschrieben: Zum Beispiel eine Verteidigung der Freiheit und eine Rettung des Liberalismus vor manchen selbsternannten Liberalen. Ihr letztes Buch heißt „Rettung der Arbeit“ und ist nach Corona eine noch interessantere Lektüre. Denn Herzog wirft eine ambivalenten Blick auf die Digitalisierung, die für sie Chancen wie Gefahren birgt. In der Konzentration von Kapital und Macht liege die Hauptgefahr der Digital-Ökonomie, in einer Monopolbildung, für die Amazon das beste aktuelle Beispiel bildet. An all das kann man in den nächsten Monaten, in denen wir unser Leben neu erfinden müssen, anknüpfen. 

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Herzog ist auch eine der Unterzeichnerinnen eines Offenen Briefs von mittlerweile über 3000 Wissenschaftlern aus aller Welt. Der Brief fordert eine grundsätzliche Demokratisierung der Arbeit. 

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Kinos im Stillstand 14: Das „Neue Kammerspiele“ in Kleinmachnow. | Foto © Elisabeth Nagy

Mit dem Vorspann sind wir heute vorsichtig, weil wir erstmal den von gestern korrigieren müssen. Zum Besseren.

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Die globale Verbreitung des Virus zeigt der „Tagesspiegel“ interaktiv im Zeitverlauf.

 

Jeder werkelt vor sich hin“, schrieben wir gestern im Vorspann, anlässlich des vierten Arbeitsschutzkonzepts, über das inzwischen berichtet wird. Den großen Runden Tisch, an dem Berufsverbände, Produzenten, Sender und politische Vertreter miteinander überlegen, wie das Drehen unter Corona-Bedingungen möglich ist, hatten wir bislang vermisst.
Dabei ist das längst im Werden, Gewerke und Produzentenverbände arbeiten zusammen, ein Runder Tisch ist bereits in Planung. Vorigen Freitag hatten wir über das Maßnahmenkonzept für szenische Dreharbeiten in der Sars-CoV-2 Pandemie der Initiative „WirSind1Team“ berichtet: Nach einem Aufruf Mitte April von Joachim Langen, Geschäftsführer des Film-Dienstleisters Jola-Rent, hatten sich (inzwischen mehr als 250) Filmschaffende aus nahezu allen Gewerken und Dienstleister vernetzt und überlegt, wie sich der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 16. April 2020 in den einzelnen Gewerken umsetzen lässt. Denn dieser Arbeitsschutzstandard ist allgemein gefasst, und muss auf die jeweilige Branche angepasst werden. Diese Arbeit wurde begleitet von Fachkräften für Arbeitssicherheit.
Anfang Mai verschickte die Initiative ein erstes Arbeitsergebnis in Form eines Maßnahmenkonzepts an die Produzenten- und Berufsverbände sowie die BG ETEM  für einen weitergehenden Austausch. Die Produzentenallianz und eine Gruppe aus sechs Berufsverbänden arbeiteten zur selben Zeit an eigenen Konzepten.
Als zuständige Berufsgenossenschaft hat die BG ETEM am Montag eine branchenspezifische Handlungshilfe für Filmproduktionen veröffentlicht, wie die allgemeinen Vorgaben in der Branche umgesetzt werden können. Hierbei wurde auf die Maßnahmenkonzepte der Initiative „WirSind1Team“ und der Produzentenallianz zurückgegriffen.
Was letztlich von Anfang an das Ziel der Initiative „WirSind1Team“ gewesen sei – „die Kompetenz aller Gewerke zu nutzen und offen und transparent mit allen Vertretern der Branche sowie der BG ETEM ins Gespräch zu gehen, um einen Schulterschluss in der Branche zu erreichen.“ Es werd „sehr viel Disziplin erfordern, die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus kontinuierlich umzusetzen.“ Dabei soll auch ein eingängiger Best-Practice-Guide mit Piktogrammen helfen, der zurzeit noch in Arbeit ist.

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Der „Kindergarten Cop“ hat es schon vor 30 Jahren vorgemacht: Das mit dem Abstand ist kinderleicht. Die Kitas können wieder öffnen! | Foto © UIP

Wortmeldungen und günstige Zahlen: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 39.

„Jeden Abend ein bisschen Nichts ist eine ausgezeichnete Medizin.“
Michel Piccoli (1925-2020)

„Frauen und Kinder zuerst!“
Klassischer Grundsatz des Seerechts, inzwischen politisch unkorrekt wegen Diskriminierung

 

Osnabrück ist eine sehr besondere Stadt. Die Stadt des Westfälischen Friedens hat nicht nur die niedrigste Selbstmordrate von allen deutschen Städten. Sie ist auch Sitz einer der ganz Großen unter den deutschen Regionalzeitungen. Ist Euch schon einmal aufgefallen, wie oft die „Neue Osnabrücker Zeitung“ in Pressespiegeln in einem Atemzug mit der „Neuen Zürcher“, der „New York Times“, „Le Monde“ und ähnlichen Hochkalibern zitiert wird? Das liegt daran, dass die politische Redaktion der Zeitung extrem gut vernetzt ist, und deshalb früher als selbst mancher verschnarchte Großverlag an gute Geschichten, Top-Interviews und exklusive Stellungnahmen kommt. 

So auch an diesem Dienstag. Da berichtet die „NOZ“ exklusiv von einem gemeinsamen Aufruf von vier medizinischen Fachgesellschaften, drei davon auf Kinder- und Jugendmedizin spezialisiert. Darin wird gefordert, Kindergärten und Schulen sofort, umgehend und vollständig ohne Einschränkungen zu öffnen. 

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Kinos im Stillstand 13: Das „Kant-Kino“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Auch die Berufsgenossenschaft hat jetzt Arbeitsschutzstandards für die Branche definiert. Das ist nach Berufsverbänden, Produzentenallianz und der Eigeninitiative von Filmschaffenden nun die vierte Gebrauchsanweisung. Das zeigt, wie in der Branche der Neustart vorbereitet wird. Das zeigt aber auch die alten Muster: Jeder werkelt vor sich hin – gelebte Vielfalt in der Branche. 

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Deutschsprachige Leser könnten das leicht falsch verstehen, aber tussenfilmenquarantaine ist Niederländisch und bedeutet etwas völlig anderes. Nämlich „zwischen Film und Quarantäne“ und soll Filmfans einfach nur mit Witz die Zeit vertreiben: Sie stellen ihr liebstes Filmstill nach, und das ist oft tatsächlich ziemlich lustig. 240 Beiträge sind auf der Instagram-Seite schon zusammenkommen. 

 

Das Formular zum Antrag aufs Künstlerhilfsprogramm Bayern ist jetzt online – wir danken für den Hinweis eines Lesers, der dazu etwas anzumerken hat: 

„Nur wer bislang keine Subventionen von Land und Bund erhalten ist, ist antragsberechtigt. Daher würde ich eher zum Soforthilfeprogramm für Soloselbstständige des Bundes in Höhe von 9.000 Euro raten, die innerhalb weniger Tage ohne Rückfragen überwiesen wurden. Vorbildlich, nachdem mein Antrag auf Grundversorgung beim Jobcenter Solingen gescheitert ist, da genauso viele Unterlagen wie sonst auch angefordert und restriktiv jegliches Entgegenkommen in vielfacher Hinsicht von der paragraphenverliebten Sachbearbeiterin kategorisch ausgeräumt wurde. Vollstes Verständnis für diejenigen, die sich das nicht antun wollen.
Ich muss dazu sagen, dass ich einen regulären und nicht vereinfachten ALG-2-Antrag gestellt hatte, wobei ich fest davon ausgehe, dass es dasselbe gewesen wäre, denn das Jobcenter hätte von sich aus auf Forderungen wie Kontoauszüge verzichten können, da ja aktuell Vermögen nicht angerechnet werden soll.
Übrigens: um Webseiten auf Änderungen zu tracken (so wie das soeben freigeschaltete Formular), eignet sich wunderbar die kostenlose Android-App „Web Alert“. 

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caption“Zombieserien wie „The Walking Dead“ spielen mit der „Angst vor der Leere“. Die klassischen Helden werden ersetzt durch Figuren, die nicht handeln, sondern meditieren und schweigen – „postheroische Helden.“ | Foto © Gene Page, AMC“

Anstrengungsverzicht kann sehr anstrengend sein: Fantasien des Shutdown im Kino und der weiße Clown in uns allen: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 38.  

„Moral, Herr Schenk ist kein juristisch belastbares Kriterium.“
Aus dem „Tatort“ vom Sonntag

 

Fast hätte man Karl Lauterbach in eine Medien-Entzugsklinik einliefern müssen. Eine ganze Woche lang war er nicht auf dem Bildschirm gewesen, zum ersten Mal seit Mitte März hat ihn „Markus Lanz“ nicht in eine seiner drei wöchentlichen Sendungen eingeladen. Gott sei Dank aber erbarmte sich „Anne Will“ des Sozialdemokraten und lies ihn am Sonntag auftreten. 

Dort führte Lauterbach seine hübschesten Kunststückchen vor: „Wahrscheinlich wird eine zweite Welle kommen …“ Yeah! Szenenapplaus auf der Fernsehcouch. „Es könnte sein, dass …, wenn wir nicht …“ Bravo! So lieben wir ihn. Wenn das deutsche Fernsehen wie die Commedia dell’Arte ist, dann ist Lauterbach dort der „Weiße Clown“, der Pierrot, dem eine Träne fest unter das Auge gemalt ist, der versucht immer alles zu berechnen, und dessen Strategien immer unter dem Chaos des Lebens („der Lockerungen“) zugrunde gehen. 

Zur Freude des Publikums. Applaus! 

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Kinos im Stillstand 11: „Neues Off“ in Berlin. | Foto © David Baltzer

Das „Sozialschutz-Paket II“ hat nun auch den Bundesrat passiert, es fehlt nun nur noch eine Unterschrift, dann können zumindest manche aufatmen, die Arbeitslosengeld 1 beziehen. Klingt komisch, ist aber so. Dass die vielen Einzelkämpfer der Branche sich sehr wohl organisieren können, zeigt die Initiative „WirSind1Team“. Filmschaffende aus den verschiedenen Gewerken haben ein Sicherheitskonzept für den Dreh unter Corona-Bedingungen erarbeitet.

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„Keiner traut mehr dem anderen, und wir sind alle sehr müde.“ Kurt Russell sagt das, als „MacReady“ in „Das Ding aus einer anderen Welt“. Schon 1982. Das Kino, wie überhaupt die Kunst, sucht schon immer die Antwort auf wichtigen Fragen der Menschheit, auch wenn die die Frage noch gar nicht gestellt hat. Der Regisseur und Autor Michael Dougherty („Krampus“) und der Editor und Autor Evan Gorski wissen das. Darum haben sie sich für eine Kompilation zusammengetan, berichtet das Webmagazin „Bloody Disgusting“ [auf Englisch]. Der Soundtrack ist charmant, der Titel ist die Botschaft: „Alles, was ich wissen muss, um Covid-19 zu überleben, weiß ich aus Science-Fiction- und Horrorfilmen.“

 

Ein „Maßnahmenkonzept für szenische Dreharbeiten in der Sars-CoV-2 Pandemie“ hat die Initiative „WirSind1Team“ veröffentlicht, ebenso eine dazugehörige „Sammlung von Arbeitsgruppen-Papieren zur Praxishilfe“. Auf Initiative von Joachim Langen, Geschäftsführer des Film-Dienstleisters Jola-Rent, hatten sich Filmschaffende vernetzt. Am 13. April startete eine Online-Plattform – und damit die Initiative, die inzwischen 200 Filmschaffende zählt.
Innerhalb weniger Tage organisierte sich eine zunehmende Zahl Filmschaffender der unterschiedlichen Gewerke, flankiert von Fachkräften für Arbeitssicherheit und Film-Dienstleistern in unterschiedlichen Arbeitsgruppen. Die grundlegende Frage war, wo die Tätigkeiten der jeweiligen Gewerke unter den nun gültigen Arbeitsschutzstandards angepasst oder gar und neu gedacht werden müssen [wir berichteten].
Erstes Ziel: Das grundlegende Konzept zum Hygiene- und Gesundheitsschutz auf die Bedingungen der szenischen Produktion zu übertragen und ergänzen, um der Branche eine Basis zu bieten. Mit einem vorläufigen Arbeitsergebnis wandte sich „WirSind1Team“ daher bereits am 1. Mai an Produzenten-, Berufs- und Regionalverbände für einen weitergehenden Austausch. Acht Verbände und zwei Interessengemeinschaften hätten bereits ihre Unterstützung erklärt, weitere seien an einer engeren Zusammenarbeit „interessiert“, auch die Berufsgenossenschaft BG ETEM habe das Konzept „deutlich begrüßt“, meldet die Initiative.

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Der Fussball darf wieder spielen, die Kinos aber nicht? Man sollte die Daumen drücken, denn wenn’s klappt, ist das Eis gebrochen: Der Sport als Kultur-Bazooka | Foto © ARD

Bei der nächsten Pandemie wird alles besser: Coronafunk und Kopfbälle, Brot & Spiele und die Rückkehr zum Normalfall: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 37.

„Leute von der Parkbank zu scheuchen, ist halt irre. Das ist mindestens so irre, wie da vorne zu stehen und zu sagen: Das war Bill Gates.“
Nikolaus Blome

„In der Demokratie gelingt Integration durch Streit.“
Ralf Dahrendorf

„Irgendwann holt uns der Sensenmann.“
Hermann Gerland, Fußballtrainer

 

Der Normalfall kehrt zurück. Ob das eine gute Nachricht ist? 

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Sie bekommen schon von allen Seiten viel zu viel und sehr unverdiente Aufmerksamkeit. Trotzdem muss ich mich noch einmal den sogenannten „Hygienedemos“ widmen, die uns vermutlich auch an diesem Wochenende wieder in den Großstädten der Republik beglücken dürften. 

Sie sind nicht nur Rattenfänger, Brunnenvergifter und Brandstifter, sie lügen und betrügen auch. Bereits gestern hatten wir beschrieben, dass sie einen nie genehmigten Text von Yanis Varoufakis in Druck und Internet für sich vereinnahmt und verbreitet haben. 

Das Gleiche gilt, in noch ärgerer Form, für den Venezianer Philosophen Giorgio Agamben. Wie sich heute über seine deutschen Verlage (Suhrkamp, Fischer, Matthes&Seitz) leicht ermitteln ließ, dementiert Giorgio Agamben jede Herausgeberschaft und anderweitige Mitarbeit beim sogenannten „Magazin Demokratischer Widerstand“. Im Gespräch mit dem linken Pop-Magazin „Melodie & Rhythmus“ betont Agamben zugleich, er sehe es als gefährlich an, dass „im gegenwärtigen Ausnahmezustand eine Art Monopol auf die Wahrheit“ zu bestehen scheine. „Jeder hat das Recht, seine Meinung zur Epidemie zu äußern.“ Der Italiener vertritt schon seit langem die These, der Ausnahmezustand werde zum „neuen Paradigma des Regierens“. 

Wenn die Kämpfer für den Normalzustand diesen allerdings nicht ohne Fake-News und falsche Herausgeber herbeiführen können, ist dieser noch die schlechtere Alternative. 

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Wenn alles wieder wie früher wird, haben’s die Künste auch nicht besser. „Asterix“ zeigt es jedesmal aufs Neue, was wirklich zählt. | Foto © Egmont Ehapa Media

Die Kunst steht ganz hinten in der Schlange stellt Tanja Frehse fest. Sie ist Schauspielerin, Agentin, Zweifach-Mutter, Hausfrau, zurzeit unbezahlter Lehrerersatz – und nicht systemrelevant.

„Eine alte Tradition – griechische und römische Armeen setzten immer schon Musiker und Militärinstrumente ein, um in allen Bereichen des Militärlebens zu spielen. Zu dieser Zeit hatte militärische Musik zwei Zwecke. Erstens war es eine einfache Möglichkeit, Befehle zu übermitteln und mit den Truppen zu kommunizieren. Zweitens konnte es eine motivierende Rolle für die Soldaten spielen, die auf dem Schlachtfeld kämpften. Griechische Armeen rezitierten Geschichten vergangener Helden zu Musik, um die Soldaten an ihre Stärke und ihren Mut zu erinnern.“ (Quelle: BBICO)

So in etwa fühle ich mich und fühle ich für alle Künstler da draußen im Kampf gegen den unsichtbaren Feind, das mutierte Virus Sars-CoV-2, im Volksmund auch Corona genannt.

Der Soldat Mensch zieht in den Krieg gegen das heimtückische Virus – der Künstler steht ungeschützt auf dem Schlachtfeld und motiviert, unterhält und stärkt das Volk via Social Media oder am Balkon – größtenteils untentgeltlich und freiwillig, dankbar angenommen von den Gebeutelten, nach dem Motto: „Die Kunst ist zwar nicht das Brot. Wohl aber der Wein des Lebens.“ (Jean Paul)

Das Schicksal unserer Zunft scheint nebensächlich. Dass die Kunst unser täglich Brot ist, wir davon leben, jaaaa: leben – essen, trinken, wohnen, schlafen, laufende Kosten bezahlen, zum Arzt gehen, Kinder versorgen, Eltern und Großeltern haben, Konsumenten sein und und und, wie jeder andere Mensch auch …

Wird vergessen.

Nicht sonderlich wichtig.

Nach hinten angestellt.

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Kinos im Stillstand 10: Das „Xenon“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Wir nähern uns dem Wochenende, begleitet von hoffnungsweckenden Nachrichten: Bayern macht ernst mit seinem dreimonatigen Grundeinkommen für die Kulturschaffenden – und hat nach Kritik sogar nachgebessert und die Zielgruppe sogar verdoppelt. Der Bundestag hat unterdessen das Sozialschutz-Paket II beschlossen, das Verbesserungen beim Kurzarbeiter- und beim Arbeitslosengeld bringt. Nun muss nur noch der Bundesrat zustimmen. Dem liegt morgen außerdem ein Antrag vor, ein bundesweites Grundeinkommen für die Kreativen in der Krise zu schaffen.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

„Negativ“ oder „sehr negativ“ wird sich die Corona-Pandemie auf das Einkommen von 92,5 Prozent der Film- und Fernsehschaffenden auswirken. Das ist das Ergebnis einer Kurzumfrage zu den Soforthilfe-Maßnahmen, die Jörg Langer im April mit Unterstützung von AG Dok, BFS, BVFK, Crew United und Fair TV führte. Die ersten Ergebnisse hatten wir vorgestellt. In in einem Artikel für die Rosa-Luxemburg-Stiftung über die Situation in der Filmwirtschaft ordnet Langer nun die Zahlen ein: „Die Angst führt Regie“.

 

Der Bundestag hat dem Sozialschutz-Paket II zugestimmt, dass die Folgen der Corona-Krise abfedern soll. Unter anderem werden das Kurzarbeitergeld erhöht und die Zahlung von Arbeitslosengeld verlängert.
„Eine herbe Enttäuschung“ nennt es der Sozialwissenschaftler Stefan Sell im Interview mit der „Taz“ und vermisst einen „Corona-Zuschlag“.
„Teuer, wenig zielgenau und ungerecht“ findet es die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände im „Handelsblatt“.

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