Kinos im Stillstand 14: Das „Neue Kammerspiele“ in Kleinmachnow. | Foto © Elisabeth Nagy

Mit dem Vorspann sind wir heute vorsichtig, weil wir erstmal den von gestern korrigieren müssen. Zum Besseren.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.

 

Die globale Verbreitung des Virus zeigt der „Tagesspiegel“ interaktiv im Zeitverlauf.

 

Jeder werkelt vor sich hin“, schrieben wir gestern im Vorspann, anlässlich des vierten Arbeitsschutzkonzepts, über das inzwischen berichtet wird. Den großen Runden Tisch, an dem Berufsverbände, Produzenten, Sender und politische Vertreter miteinander überlegen, wie das Drehen unter Corona-Bedingungen möglich ist, hatten wir bislang vermisst.
Dabei ist das längst im Werden, Gewerke und Produzentenverbände arbeiten zusammen, ein Runder Tisch ist bereits in Planung. Vorigen Freitag hatten wir über das Maßnahmenkonzept für szenische Dreharbeiten in der Sars-CoV-2 Pandemie der Initiative „WirSind1Team“ berichtet: Nach einem Aufruf Mitte April von Joachim Langen, Geschäftsführer des Film-Dienstleisters Jola-Rent, hatten sich (inzwischen mehr als 250) Filmschaffende aus nahezu allen Gewerken und Dienstleister vernetzt und überlegt, wie sich der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vom 16. April 2020 in den einzelnen Gewerken umsetzen lässt. Denn dieser Arbeitsschutzstandard ist allgemein gefasst, und muss auf die jeweilige Branche angepasst werden. Diese Arbeit wurde begleitet von Fachkräften für Arbeitssicherheit.
Anfang Mai verschickte die Initiative ein erstes Arbeitsergebnis in Form eines Maßnahmenkonzepts an die Produzenten- und Berufsverbände sowie die BG ETEM  für einen weitergehenden Austausch. Die Produzentenallianz und eine Gruppe aus sechs Berufsverbänden arbeiteten zur selben Zeit an eigenen Konzepten.
Als zuständige Berufsgenossenschaft hat die BG ETEM am Montag eine branchenspezifische Handlungshilfe für Filmproduktionen veröffentlicht, wie die allgemeinen Vorgaben in der Branche umgesetzt werden können. Hierbei wurde auf die Maßnahmenkonzepte der Initiative „WirSind1Team“ und der Produzentenallianz zurückgegriffen.
Was letztlich von Anfang an das Ziel der Initiative „WirSind1Team“ gewesen sei – „die Kompetenz aller Gewerke zu nutzen und offen und transparent mit allen Vertretern der Branche sowie der BG ETEM ins Gespräch zu gehen, um einen Schulterschluss in der Branche zu erreichen.“ Es werd „sehr viel Disziplin erfordern, die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus kontinuierlich umzusetzen.“ Dabei soll auch ein eingängiger Best-Practice-Guide mit Piktogrammen helfen, der zurzeit noch in Arbeit ist.

 

„Wie drehbuchtauglich ist ein Virus?“ fragt „Die Zeit“: Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stocken die Fernsehproduktionen. Und die Drehbuchautorinnen und -autoren müssen sich fragen: Wie erzählen wir die Gegenwart neu?

Erhebliche Einschränkungen, mangelndes Filmangebot, unsichere Perspektive: Am vorigen Wochenende hat die „Astor Film Lounge“ in Frankfurt am Main den Betrieb wieder aufgenommen. In einem Leserbrief an „Blickpunkt Film“ schildert der Betreiber Hans-Joachim Flebbe die, aus seiner Sicht, enorm schwierigen Rahmenbedingungen, unter denen Kinos die kommenden Monate überstehen müssen.

Von Michael Kertész bis Christoph Waltz: Die Dokumentation „Cinema Austria“ beleuchtet das breite Spektrum des österreichischen Films, schreibt der „Tagesspiegel“.

Wer gehört denn eigentlich alles zur „Risikogruppe“? Die Schauspielerin und Autorin Nora Jensen kommentiert auf Youtube die Meldungen, dass ältere Schauspieler*innen aus Drehbüchern geschrieben würden.

 

In München darf wieder gedreht werden, meldet die Film Commission Bayern. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hatte mitgeteilt, dass „ab sofort im Zuge der derzeitigen Lockerungen im Rahmen der Corona-Pandemie Anträge für Film- und Fotoaufnahmen auf öffentlichem Verkehrsgrund und in städtischen Grünanlagen wieder im Servicebüro Film beantragt werden können.“ Die Bedingungen sind ebenfalls im Schreiben aufgelistet. Regelung finden Sie im angehängten Dokument.

Studio Babelsberg will bald wieder drehen – „hoffentlich ab Mitte Juni“. Im März war die Vorbereitung von zwei großen Filmprojekten wegen der Pandemie unterbrochen worden. …

Der NDR spart auch bei Studio Hamburg, die Filmschaffenden haben das Nachsehen, meldet Verdi. 

 

Eckpunkte für eine planvolle Öffnung weiterer kultureller Einrichtungen haben die Kultur-Ministerkonferenz und die Staatsministerin für Kultur und Medien (BKM), Monika Grütters, vereinbart. Sie dienen als Vorlage für Beratungen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten. Für die Kinos sollte in allen Bundesländern „möglichst nahe beieinanderliegende Wiedereröffnungstermine angestrebt werden“, heißt es in der Vorlage.
Kulturministerkonferenz und BKM sehen den „Schutz- und Hygiene-Plan in Kinobetrieben zur Wiedereröffnung“ der HDF Kino und der AG Kino „als sinnvolle Grundlage für Handlungsempfehlungen für die Kinobetreiber“. Entscheidend sei das Programmangebot: „ausreichend Planungsvorläufe für die bundesweite Herausbringung neuer Filme  tragen also zu einem erfolgreichen Neustart der Kinos bei.“ Und Open-Air- und Autokinos sollten (soweit noch nicht erfolgt) „baldmöglichst (wieder-) eröffnet werden“.

Bis Anfang Juni wird der größte Teil der europäischen Staaten die Wiedereröffnung von Kinos zulassen. Doch klaffen noch Lücken. Der Kino-Dachverband UNIC gibt eine Übersicht.

 

Nachfragen gab’s zu einem Link in den gestrigen „Gedanken in der Pandemie“ zur Stellungnahme von vier medizinischen Fachgesellschaften, die für die Öffnung von Schulen und Kindergärten plädierten. Über Nacht ist das Dokument umgezogen, auf Nachfrage nannte uns die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie den neuen Link zum Dokument.
„SWR Wissen“ erklärt, worum es geht. 

Fernsehen und Zeitschriften haben über die Stellungnahme berichtet und diskutiert, unter anderem „Der Spiegel“.
Das Medien-Echo ist allerdings überraschend. Die Mediziner halten zwar „die gegenwärtige Datenlage für ausreichend, folgende Konsequenzen zu ziehen“, erklären aber anschließend, dass nächste Woche schon wieder alles ganz anders könnte. Mit ihren Worten: „Die hier veröffentlichte Empfehlung beruht auf dem aktuellen Wissensstand und der Interpretation der beteiligten Fachgesellschaften zum 18. Mai 2020. Es gehört zum Grundverständnis, aber es sei noch einmal hervorgehoben, dass die Zunahme an Erkenntnissen in den kommenden Wochen und Monaten zu einer Neubewertung der Situation führen kann, was dann eine entsprechende Nachjustierung dieser Empfehlung nach sich ziehen wird.“
Für eine Wanderung im Wattenmeer wäre das eine riskante Ansage. 

Unter anderem stützt sich die Stellungnahme einen Fachartikel von Wissenschaftlern aus Großbritannien und Australien. Die hatten Daten der aktuellen und früherer Pandemien ausgewertet, und wir berichteten am 9. April: „Die Datenlage sei noch schlecht, der Effekt von Schulschließungen bislang kaum berücksichtigt, die Aussagen widersprüchlich, Rechenmodelle besagten das Gegenteil, und ob sich Erkenntnisse aus der Sars-Pandemie von 2003 ohne weiteres übertragbar sind, fragen sie sich selbst.“

Wer noch wenig zu Wort kommt in der Diskussion, sind die Kitas selbst.  Wo sie zu Wort kommen, klingt es nicht so zuversichtlich:
„Social Distancing in der Kita? Unmöglich.“ erklärt „Die Zeit“ nach einem genaueren Blick.
Sächsische Erzieher warnen vor Überlastung bei Kita-Öffnung, schreibt die „Freie Presse“.
Kita-Leitungen sind an der Grenze ihrer Belastungsfähigkeit“, lässt die GEW Baden-Württemberg eine Betroffene erzählen.
Was Erzieher seit Corona erleben, berichtet sogar das Internet-Boulevard.

Dabei tun sich doch sogar ausgewachsene Bundespräsidenten noch schwer mit den Corona-Regeln und der Maske.

 

Gedächtnis der Krise. Auch „cinearte“ macht zurzeit Pause für diese Brancheninfos. Darum schreibt Christoph Brandl seine Doku-Kolumne „Das wahre Leben“ solange hier: 

In den Mediatheken der Fernsehsender sind sie zu finden, auf den Internetseiten beinahe jeder großen Tages- und Wochenzeitung, viele Zeitschriften haben sie im online-Angebot, selbstverständlich auch die sozialen Netzwerke, Youtube und Vimeo. Dabei sind die Inhalte so vielseitig wie das Internet selbst. Sie reichen von sekundenlangen Schnipseln von Haustieren oder Babys und gehen hin zu stundenlangen Live-Aufnahmen von Anti-Corona-Maßnahmen-Demonstrationen in den USA oder Deutschland. Die Rede ist von Amateur- und Profi-Filmen zur Corona-Krise. Viele eigens geschaffene Initiativen, wie Filmfestivals und Kunstprojekte widmen sich ihnen mittlerweile ausschließlich. Eine der ersten Initiativen dieser Art ist der Verein Docfilmpool. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) initiierten ihn bereits im März, um dem Thema „Covid-19-/Corona-Pandemie“ filmisch zu begegnen. Doch wollen die Urheber*innen des Vereinprojekts, dem sie zeitgemäßig den Namen „Coronography“ gaben, ihre Filme nicht nur online verfügbar machen, vielmehr planen sie Kunst und Kultur dauerhaft zu unterstützen. So beabsichtigen sie, das gedrehte Film- und Videomaterial zu archivieren und damit die Möglichkeit zu schaffen, aus diesem Materialpool kollektive und individuelle Filmprojekte zu realisieren und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Bereits mit Beginn der Krise in Deutschland formte sich eine Initiative von AG-Dok-Mitgliedern, die sich über die Grenzen Deutschlands hinaus vernetzte. Auf Anregung des Filmemachers Benedikt Kuby dokumentieren Filmschaffende seitdem die Pandemie und ihre Auswirkungen aus ihrer persönlichen Perspektive. Seit der ersten Videokonferenz am 24. März mit 57 Teilnehmenden, fanden weitere wöchentliche Konferenzen statt. Als Folge dessen gründete sich eben dieser Verein und sind bisher über 100 Kurzfilme entstanden – vor allem deutschlandweit, aber auch darüber hinaus. „Wir sind der Ansicht, dass ein solcher Verein am besten den kollektiven Charakter des Projekts und der daran Beteiligten repräsentieren und ihm einen Rahmen geben kann“, sagt der Co-Vorsitzende des Vereins, der Hamburger Kameramann und Filmemacher Oliver Eckert.
Die interaktive Karte von Coronography zeigt die erste Welle von Filmen, die in den ersten Wochen der Pandemie trotz aller Einschränkungen erstellt wurden. Es werden viele weitere folgen, denn jede*r Filmemacher*in, der*die mit seiner*ihrer Geschichte zum Coronography-Projekt beitragen möchte, kann dies unter diesem Link tun.

 

Die Branchenangebote von Dok Leipzig finden in diesem Jahr online statt. Die Entscheidung eine klare Reaktion auf die Pandemie und die damit verbundenen Reisebeschränkungen und Hygienemaßnahmen, teilt das Festival mit. „Gleichzeitig sollen diese veränderten Bedingungen den Anstoß dafür geben, die Organisation von Deutschlands zentraler Branchenplattform für den Dokumentarfilm zu überdenken und nachhaltig Raum für Innovationen zu schaffen.“

Hinter den Kulissen soll bereits darüber nachgedacht werden, die „Oscar“-Verleihung zu verschieben, meldet „Blickpunkt Film“, weiß aber auch nicht mehr.
„Variety“ geht’s genauso, das Branchenmagazin verliert aber noch mehr Worte über die Gerüchte, deren Quellen selbst sagen, dass es „noch bei weitem keine konkreten Pläne“ gebe.

 

Folge 22 von „Close-up“, dem Podcast der Deutschen Filmakademie: Das Corona Short Film Festival hat Filmschaffende aus aller Welt nach Filmen aus der Isolation gefragt – mehr als 1.200 Kurzfilme wurden eingereicht. Über die Idee, das Konzept und die Umsetzung eines Festivals während und über die Corona-Krise sprechen der Initiator Dejan Bu?in und Jury-Präsident Tom Wlaschiha mit Christian Schwochow. Am Publikums-Voting teilnehmen kann man noch bis Sonntag, 24. Mai.

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