Brot und Spiele und der Film zum Autogipfel: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 87
„0:6 ist zu hoch.“ Bastian Schweinsteiger
„Da Ihr, trotz Eurer jetzigen Romantik, geborene Klassiker seid, so kennt Ihr den Olymp. Unter den nackten Göttern und Göttinnen, die sich dort bei Nektar und Ambrosia erlustigen, seht Ihr eine Göttin, die, obgleich umgeben von lauter Fröhlichkeit und Kurzweil, dennoch immer einen Panzer trägt und den Helm auf dem Kopf und den Speer in der Hand behält. Es ist die Göttin der Weisheit.“ Heinrich Heine
„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Lew Tolstoi, „Anna Karenina“
Ein paar Folgen von „The Crown“ genügen, und man denkt: Die Leute hatten früher einfach schönere Probleme. Wahrscheinlich ist das auch der Sinn des Ganzen. Und selbst Margaret Thatcher, jedenfalls so, wie Gillian Anderson sie spielt, ist mir noch lieber als Angela Merkel mit dieser unangreifbare Unverbindlichkeit.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-11-18 20:17:082020-11-19 11:33:21Gedanken in der Pandemie 87: Die Idioten der Familie
Opa erzählt vom Viren-Krieg: Mit augenzwinkernden Clips appelliert die Bundesregierung an die Jüngeren im Lande. Einigen Älteren musste sie das mit dem Augenzwinkern nochmal erklären. | Screenshot
In Österreich beginnt morgen der schwere Lockdown, in Deutschland wird er erstmal vertagt – Bund und Länder wurden sich heute nicht einig und warten ab. Derweil wurde schon die Überbrückungshilfe III fürs kommende Halbjahr skizziert.
In 50 Jahren würdigt die Bundesregierung mit einem Augenzwinkern die besonderen Helden der Pandemie. Die erinnern sich in fiktiven Rückblicken, wie sie das Virus stoppten: „Wir taten nichts, absolut gar nichts, waren faul wie die Waschbären.“ berichtet einer. Und ein anderer Corona-Veteran schmunzelt: „Es war leicht, ein Held zu sein“, berichtet einer. Die Video-Kampagne, die ans jüngere Publikum appelliert, sorgt für geteilte Reaktionen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ im Video, ähnlich „Die Welt“ und der WDR. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte darum heute nochmal die Werbespots, und wie man „augenzwinkernd“ verstehen sollte. Fast elf Minuten brauchte er samt Nachfragen.
Die Bundeskanzlerin beriet sich heute mit den Ministerpräsidenten der Länder über neue Einschränkungen. Welche Verschärfungen der Bund will, fasste die „Tagesschau“ zusammen. Das Treffen zog sich hin, „Die Zeit“ vermutete mittags große Unstimmigkeiten: „Bund-Länder-Runde entzweit sich an Grundsatzfragen“. Am frühen Abend meldete das „Handelsblatt“, dass es wohl erstmal nicht zum Äußersten komme. Die Pressekonferenz am Abend bestätigt das. Das „Handelsblatt“ protokolliert im Live-Ticker. Bund und Länder wollen am 25. November erneut beraten und einen Ausblick geben, wie es bis zum Jahresende weitergeht. Bei den Kontaktbeschränkungen hätte sie gerne bereits Beschlüsse gefasst, erklärte die Kanzlerin. Die Mehrheit der Länder sei aber dagegen gewesen.
Die Pressekonferenz lief bei Redaktionsschluss noch – mehr wissen wir in der nächsten Brancheninfo am Mittwoch.
Hybridkinder, Hybridbürger: Die Tochter als Einfallstor, der Sohn als offene Flanke: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 86.
„,Und nun rate ich Ihnen‘, fügte [der Wächter] hinzu, ,in Ihr Zimmer zu gehen, sich ruhig zu verhalten und darauf zu warten, was über Sie verfügt werden wird. Wir raten Ihnen, zerstreuen Sie sich nicht durch nutzlose Gedanken, sondern sammeln Sie sich, es werden große Anforderungen an Sie gestellt werden. Sie haben uns nicht so behandelt, wie es unser Entgegenkommen verdient hätte‘“. Franz Kafka, „Der Prozess“
„Es gibt Dinge, die an nichts anderem als an sich selbst scheitern.“ Franz Kafka, „Das Schloss“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-11-16 21:03:522020-11-18 20:01:26Gedanken in der Pandemie 86: Lockdown Blei
Beim „Edimotion“ wurde Ende Oktober wieder die Kunst der Filmmontage gewürdigt. Die beste Spielfilmarbeit des Jahres entstand in einer ungewöhnlichen Konstellation: Weil Stephan Bechinger noch in einem anderen Projekt steckte, begleitete Julia Kovalenko den Dreh von „Systemsprenger“ im Schneideraum.
Julia und Stephan, ihr beide teilt euch bei dem Film „Systemsprenger“ den Montage-Credit. Wann, und mit welcher Aufgabenverteilung, seid ihr zum Projekt gestoßen?
Stephan Bechinger: Die Regisseurin Nora Fingscheidt wollte, dass ich den Film montiere, aber während des Drehs hatte ich ein anderes Projekt. Es war deshalb ursprünglich nicht geplant, dass jemand drehbegleitend schneidet. Doch mit dem ersten Drehtag tauchte das große Bedürfnis auf, dass jemand das macht. Dadurch wurde es etwas chaotisch: Ich bin die erste Woche eingesprungen, dann hat Linda Bosch weitergemacht und später Julia. Zwei Monate nach Drehschluss bin ich wieder dazugestoßen.
Julia Kovalenko: Es gab zwei Drehblöcke. Nora hatte mich schon für den ersten Drehblock angefragt, aber da war ich auch in einem anderen Projekt. Also bin ich mit dem zweiten Drehblock eingestiegen. Eigentlich war nur geplant, dass ich die täglichen Muster schneide, damit Nora sehen kann, ob die Szenen zusammenpassen. Und das lief dann ganz gut. Nora hat gefallen, was ich gemacht habe. Also hat sie mich gefragt, ob ich nicht einfach so lange weiterarbeiten mag, bis Stephan wieder Zeit hat. Ich hab dann von Januar bis Juni 2018 fast ein halbes Jahr am Film geschnitten. Stephan kam im Mai dazu, also lief es etwa einen Monat parallel: Während ich noch am Ende meiner Fassung geschnitten habe, hat er angefangen zu sichten und seine eigene Fassung aufzubauen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Dietmar Kraushttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgDietmar Kraus2020-11-16 10:41:032020-11-16 10:41:03Schnitt-Preis Spielfilm: Julia Kovalenko und Stephan Bechinger
„Schnell und unbürokratisch“ sollen die Novermberhilfen fließen, möglichst schon Ende des Monats. Verwirrung gab’s diese Woche wegen der Antragstellung, inzwischen wissen wir mehr: Das Verfahren ist noch in Planung – „in den kommenden Tagen“ soll es losgehen.
Viele Fragen erreichen uns weiterhin zur Novemberhilfe. Sie müsse „schnell und unbürokratisch“ ausgezahlt werden,sagt auch der Finanzminister. Darum dürften Soloselbständige, die weniger als 5.000 Euro beantragen, ihre Anträge selbst stellen, ohne Steuerberater*innen oder ähnliche „prüfende Dritte“. So steht es geschrieben, doch das Online-Portal scheint ihnen keinen Zugang zu gewähren. So erging es jedenfalls mehrere Leser*innen. Auch wir kamen hier nicht weiter.
Wir haben bei der Hotline für Überbrückungshilfen nachgefragt. Die Antwort: „Aktuell liegen noch keine Informationen dazu vor, wo und wie genau die Finanzhilfe beantragt werden kann und wie schnell sie ausbezahlt wird. Die Details werden derzeit noch abgestimmt. Das Antragsverfahren zur außerordentlichen Wirtschaftshilfe ist in der Planung. Sobald die Antragsstellung möglich ist informieren wir Sie auf der Seite. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz wollen das Programm in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit vorstellen.“
Bei den Infektionszahlen macht Deutschland nicht die beste Figur – zumindest im Vergleich zu Ländern in Südostasien, die hart in die Privatsphäre eingreifen. | Screenshot/Johns Hopkins University
Wartet, wartet, nur ein Weilchen … Aussitzen, Lockdown-Jo-Jo und hoffen auf den Impfstoff: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 85.
„Macht- und Herrschaftsverhältnissen ist in unterschiedlichem Ausmaß das Scheitern immanent. Es gibt immer etwas, das ihnen entgeht.“
Isabell Lorey, „Figuren des Immunen“
„Also erstmal von den Zahlen her: Das ist alles unter ein Prozent.“ Markus Söder am 12. November 2020 bei „Markus Lanz“, gefragt zu den Zahlen der nach Hause geschickten Schüler, wie zu denen der Corona-Toten.
„After 2 weeks of multiple health screens and asking everyone to quarantine, I surprised my closest inner circle with a trip to a private island where we could pretend things were normal just for a brief moment in time.“ Kim Kardashian
Am Morgen höre ich als erstes Jens Spahn im Radio. Er spricht von den Problemen im Bereich der Pflege, davon, dass die Honorare zu schlecht sind, und dass die Pandemie jetzt ein Verstärker des früheren Versagens im Bereich der Pflege sei. Da hat der Mann recht, denke ich. Vielleicht sollte er mal dem Gesundheitsminister einen Brief schreiben mit seinen Verbesserungsvorschlägen […].
+++
Man sagt immer, die Lage sei nicht mit dem Frühjahr vergleichbar. Das stimmt. Auch für die Bevölkerung.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-11-13 20:02:432020-11-13 20:02:43Gedanken in der Pandemie 85: Der Kontrollverlust
Im Januar 2018 öffnete in Hannover das „kleinste Kino der Welt“. Wiebke und Johannes Thomsen zeigen im „Lodderbast“ vor 20 Sitzen ein kuriertes Programm – und haben auch vor Streaming-Produktionen keine Angst. Diese Woche machte der Kinobetreiber seinem Unmut über die Branche auf Facebook Luft:
[Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die Links in diesem Beitrag haben wir eingefügt – sie sind im Originaltext nicht enthalten.]
Unüberhörbar peitschen gellende Wehklagen aus den einstmals so glanz-schwangeren und über jeden Zweifel erhabenen Lichtspielhäusern der Republik: Vergessen habe man sie. Systemrelevant seien sie – und sicher obendrein. Deshalb solle man tunlichst alle cineastischen Versammlungsstätten (denn genau das sind Kinos) wieder öffnen – komme, was wolle
Was aber motiviert das Gros dieser restlos überalterten Schar von Geschäftsleuten zu einem derart peinlichen, unausgegorenen und unreflektierten Gehabe? Was bringt Kinomacher*innen dazu, ihre ganz individuelle wirtschaftliche Unversehrtheit über das Gemeinwohl zu stellen?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Johannes Thomsenhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgJohannes Thomsen2020-11-12 15:52:212020-11-12 13:00:24Dekonstruktion der Faszination – oder: Wie Eitelkeit und Bequemlichkeit einer Branche das Kino zum Schafott führen
Streaming statt Kino … in der Woche vom 12. November 2020.
Februar 2020. Die Welt weiß zwar noch nicht, was alles in Sachen Corona auf sie zukommt, aber dass es ernst ist, das ist den Fans von James 007 Bond klar. Vorsorglich, der neue Film „Keine Zeit zu sterben“ soll am 2. April 2020 starten, bittet man um eine Verschiebung. Die Produktionsfirma sah das ganz ähnlich. Am 4. März, in Deutschland am 5. März, gut eine Woche vor dem ersten Lockdown, gab man bekannt, Daniel Craigs James Bond würde am 12. November 2020 ins Kino kommen. Der November wirkte weit, weit weg. Noch Ende September stand alles auf Los!, obwohl es auch schon früher Gerüchte gegeben hatte, dass es nicht bei dem November-Start bleibt. Am 2. Oktober 2020 zog man die Reißleine, am 8. Oktober gab man bekannt: Neuer Starttermin ist, in Deutschland, der 31. März 2021. Da noch niemand absehen kann, wie lange uns Corona tatsächlich im Griff haben wird, machten Streamingportale bereits ein Angebot. Vergeblich, man will, und das ist löblich, an einem Kinostart festhalten.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Elisabeth Nagyhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgElisabeth Nagy2020-11-12 15:11:492020-11-12 15:11:49Kino in Zeiten von Corona 34
Gedanken in der Pandemie 87: Die Idioten der Familie
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeDer Film zum Autogipfel: In Andres Veiels „Ökozid“ zieht die Umwelt vor Gericht. | Foto © ARD
Brot und Spiele und der Film zum Autogipfel: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 87
„0:6 ist zu hoch.“
Bastian Schweinsteiger
„Da Ihr, trotz Eurer jetzigen Romantik, geborene Klassiker seid, so kennt Ihr den Olymp. Unter den nackten Göttern und Göttinnen, die sich dort bei Nektar und Ambrosia erlustigen, seht Ihr eine Göttin, die, obgleich umgeben von lauter Fröhlichkeit und Kurzweil, dennoch immer einen Panzer trägt und den Helm auf dem Kopf und den Speer in der Hand behält. Es ist die Göttin der Weisheit.“
Heinrich Heine
„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“
Lew Tolstoi, „Anna Karenina“
Ein paar Folgen von „The Crown“ genügen, und man denkt: Die Leute hatten früher einfach schönere Probleme. Wahrscheinlich ist das auch der Sinn des Ganzen. Und selbst Margaret Thatcher, jedenfalls so, wie Gillian Anderson sie spielt, ist mir noch lieber als Angela Merkel mit dieser unangreifbare Unverbindlichkeit.
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Corona: Brancheninfo 89
out takes, Peter HartigOpa erzählt vom Viren-Krieg: Mit augenzwinkernden Clips appelliert die Bundesregierung an die Jüngeren im Lande. Einigen Älteren musste sie das mit dem Augenzwinkern nochmal erklären. | Screenshot
In Österreich beginnt morgen der schwere Lockdown, in Deutschland wird er erstmal vertagt – Bund und Länder wurden sich heute nicht einig und warten ab. Derweil wurde schon die Überbrückungshilfe III fürs kommende Halbjahr skizziert.
In 50 Jahren würdigt die Bundesregierung mit einem Augenzwinkern die besonderen Helden der Pandemie. Die erinnern sich in fiktiven Rückblicken, wie sie das Virus stoppten: „Wir taten nichts, absolut gar nichts, waren faul wie die Waschbären.“ berichtet einer. Und ein anderer Corona-Veteran schmunzelt: „Es war leicht, ein Held zu sein“, berichtet einer.
Die Video-Kampagne, die ans jüngere Publikum appelliert, sorgt für geteilte Reaktionen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ im Video, ähnlich „Die Welt“ und der WDR.
Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte darum heute nochmal die Werbespots, und wie man „augenzwinkernd“ verstehen sollte. Fast elf Minuten brauchte er samt Nachfragen.
Die Bundeskanzlerin beriet sich heute mit den Ministerpräsidenten der Länder über neue Einschränkungen. Welche Verschärfungen der Bund will, fasste die „Tagesschau“ zusammen.
Das Treffen zog sich hin, „Die Zeit“ vermutete mittags große Unstimmigkeiten: „Bund-Länder-Runde entzweit sich an Grundsatzfragen“. Am frühen Abend meldete das „Handelsblatt“, dass es wohl erstmal nicht zum Äußersten komme. Die Pressekonferenz am Abend bestätigt das. Das „Handelsblatt“ protokolliert im Live-Ticker.
Bund und Länder wollen am 25. November erneut beraten und einen Ausblick geben, wie es bis zum Jahresende weitergeht. Bei den Kontaktbeschränkungen hätte sie gerne bereits Beschlüsse gefasst, erklärte die Kanzlerin. Die Mehrheit der Länder sei aber dagegen gewesen.
Die Pressekonferenz lief bei Redaktionsschluss noch – mehr wissen wir in der nächsten Brancheninfo am Mittwoch.
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Gedanken in der Pandemie 86: Lockdown Blei
Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste…
Hybridkinder, Hybridbürger: Die Tochter als Einfallstor, der Sohn als offene Flanke: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 86.
„,Und nun rate ich Ihnen‘, fügte [der Wächter] hinzu, ,in Ihr Zimmer zu gehen, sich ruhig zu verhalten und darauf zu warten, was über Sie verfügt werden wird. Wir raten Ihnen, zerstreuen Sie sich nicht durch nutzlose Gedanken, sondern sammeln Sie sich, es werden große Anforderungen an Sie gestellt werden. Sie haben uns nicht so behandelt, wie es unser Entgegenkommen verdient hätte‘“.
Franz Kafka, „Der Prozess“
„Es gibt Dinge, die an nichts anderem als an sich selbst scheitern.“
Franz Kafka, „Das Schloss“
Warum finden sich die Beschlussvorlagen von Merkels „Abnickrunde“ (Dietmar Bartsch) jedes Mal vor der Sitzung in den Medien, aber nie im Parlament?
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Schnitt-Preis Spielfilm: Julia Kovalenko und Stephan Bechinger
Dietmar Kraus, Unsere GästeFür die Montage von „Systemsprenger“ nahm Julia Kovalenko Schnittpreis entgegen, ihr Kollege Stephan Bechinger war zeitgemäß übers Smartphone dabei. Er arbeitet zurzeit in den USA am neuen Filmprojekt von Nora Fingscheidt. | Foto © Jule Guder/Edimotion.
Beim „Edimotion“ wurde Ende Oktober wieder die Kunst der Filmmontage gewürdigt. Die beste Spielfilmarbeit des Jahres entstand in einer ungewöhnlichen Konstellation: Weil Stephan Bechinger noch in einem anderen Projekt steckte, begleitete Julia Kovalenko den Dreh von „Systemsprenger“ im Schneideraum.
Julia und Stephan, ihr beide teilt euch bei dem Film „Systemsprenger“ den Montage-Credit. Wann, und mit welcher Aufgabenverteilung, seid ihr zum Projekt gestoßen?
Stephan Bechinger: Die Regisseurin Nora Fingscheidt wollte, dass ich den Film montiere, aber während des Drehs hatte ich ein anderes Projekt. Es war deshalb ursprünglich nicht geplant, dass jemand drehbegleitend schneidet. Doch mit dem ersten Drehtag tauchte das große Bedürfnis auf, dass jemand das macht. Dadurch wurde es etwas chaotisch: Ich bin die erste Woche eingesprungen, dann hat Linda Bosch weitergemacht und später Julia. Zwei Monate nach Drehschluss bin ich wieder dazugestoßen.
Julia Kovalenko: Es gab zwei Drehblöcke. Nora hatte mich schon für den ersten Drehblock angefragt, aber da war ich auch in einem anderen Projekt. Also bin ich mit dem zweiten Drehblock eingestiegen. Eigentlich war nur geplant, dass ich die täglichen Muster schneide, damit Nora sehen kann, ob die Szenen zusammenpassen. Und das lief dann ganz gut. Nora hat gefallen, was ich gemacht habe. Also hat sie mich gefragt, ob ich nicht einfach so lange weiterarbeiten mag, bis Stephan wieder Zeit hat. Ich hab dann von Januar bis Juni 2018 fast ein halbes Jahr am Film geschnitten. Stephan kam im Mai dazu, also lief es etwa einen Monat parallel: Während ich noch am Ende meiner Fassung geschnitten habe, hat er angefangen zu sichten und seine eigene Fassung aufzubauen.
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Corona: Brancheninfo 88
out takes, Peter HartigGernot Roll (rechts) war „einer der namhaften Kameramänner der letzten Jahrzehnte“. Später interessierte ihn zunehmend die Regie, etwa beim „Räuber Hotzenplotz“. Am Donnerstag ist mit 81 Jahren gestorben. | Foto © Constantin
„Schnell und unbürokratisch“ sollen die Novermberhilfen fließen, möglichst schon Ende des Monats. Verwirrung gab’s diese Woche wegen der Antragstellung, inzwischen wissen wir mehr: Das Verfahren ist noch in Planung – „in den kommenden Tagen“ soll es losgehen.
Viele Fragen erreichen uns weiterhin zur Novemberhilfe. Sie müsse „schnell und unbürokratisch“ ausgezahlt werden, sagt auch der Finanzminister. Darum dürften Soloselbständige, die weniger als 5.000 Euro beantragen, ihre Anträge selbst stellen, ohne Steuerberater*innen oder ähnliche „prüfende Dritte“. So steht es geschrieben, doch das Online-Portal scheint ihnen keinen Zugang zu gewähren. So erging es jedenfalls mehrere Leser*innen. Auch wir kamen hier nicht weiter.
Wir haben bei der Hotline für Überbrückungshilfen nachgefragt. Die Antwort: „Aktuell liegen noch keine Informationen dazu vor, wo und wie genau die Finanzhilfe beantragt werden kann und wie schnell sie ausbezahlt wird. Die Details werden derzeit noch abgestimmt. Das Antragsverfahren zur außerordentlichen Wirtschaftshilfe ist in der Planung. Sobald die Antragsstellung möglich ist informieren wir Sie auf der Seite. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz wollen das Programm in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit vorstellen.“
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Gedanken in der Pandemie 85: Der Kontrollverlust
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeBei den Infektionszahlen macht Deutschland nicht die beste Figur – zumindest im Vergleich zu Ländern in Südostasien, die hart in die Privatsphäre eingreifen. | Screenshot/Johns Hopkins University
Wartet, wartet, nur ein Weilchen … Aussitzen, Lockdown-Jo-Jo und hoffen auf den Impfstoff: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 85.
„Macht- und Herrschaftsverhältnissen ist in unterschiedlichem Ausmaß das Scheitern immanent. Es gibt immer etwas, das ihnen entgeht.“
Isabell Lorey, „Figuren des Immunen“
„Also erstmal von den Zahlen her: Das ist alles unter ein Prozent.“
Markus Söder am 12. November 2020 bei „Markus Lanz“, gefragt zu den Zahlen der nach Hause geschickten Schüler, wie zu denen der Corona-Toten.
„After 2 weeks of multiple health screens and asking everyone to quarantine, I surprised my closest inner circle with a trip to a private island where we could pretend things were normal just for a brief moment in time.“
Kim Kardashian
Am Morgen höre ich als erstes Jens Spahn im Radio. Er spricht von den Problemen im Bereich der Pflege, davon, dass die Honorare zu schlecht sind, und dass die Pandemie jetzt ein Verstärker des früheren Versagens im Bereich der Pflege sei. Da hat der Mann recht, denke ich. Vielleicht sollte er mal dem Gesundheitsminister einen Brief schreiben mit seinen Verbesserungsvorschlägen […].
+++
Man sagt immer, die Lage sei nicht mit dem Frühjahr vergleichbar. Das stimmt. Auch für die Bevölkerung.
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Dekonstruktion der Faszination – oder: Wie Eitelkeit und Bequemlichkeit einer Branche das Kino zum Schafott führen
Johannes Thomsen, Unsere GästeDas „Lodderbast“ sieht sich nicht bloß als Programmkino, sondern als „Kulturkiosk“. Mit neuen Ideen trotzte es auch der Krise. | Foto © Jazz Club Hannover/Lodderbast
Im Januar 2018 öffnete in Hannover das „kleinste Kino der Welt“. Wiebke und Johannes Thomsen zeigen im „Lodderbast“ vor 20 Sitzen ein kuriertes Programm – und haben auch vor Streaming-Produktionen keine Angst. Diese Woche machte der Kinobetreiber seinem Unmut über die Branche auf Facebook Luft:
[Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die Links in diesem Beitrag haben wir eingefügt – sie sind im Originaltext nicht enthalten.]
Unüberhörbar peitschen gellende Wehklagen aus den einstmals so glanz-schwangeren und über jeden Zweifel erhabenen Lichtspielhäusern der Republik: Vergessen habe man sie. Systemrelevant seien sie – und sicher obendrein. Deshalb solle man tunlichst alle cineastischen Versammlungsstätten (denn genau das sind Kinos) wieder öffnen – komme, was wolle
Was aber motiviert das Gros dieser restlos überalterten Schar von Geschäftsleuten zu einem derart peinlichen, unausgegorenen und unreflektierten Gehabe? Was bringt Kinomacher*innen dazu, ihre ganz individuelle wirtschaftliche Unversehrtheit über das Gemeinwohl zu stellen?
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Kino in Zeiten von Corona 34
Elisabeth Nagy, Unsere GästeRobert Zemeckis „Hexen hexen“ startete am Wochenende vor dem neuen Lockdown ins Kino. Jetzt läuft er bei „Sky Cinema“ weiter. Auch Arthaus-Verleiher setzen im November wieder aufs Streamen. | Foto © Sky
Streaming statt Kino … in der Woche vom 12. November 2020.
Februar 2020. Die Welt weiß zwar noch nicht, was alles in Sachen Corona auf sie zukommt, aber dass es ernst ist, das ist den Fans von James 007 Bond klar. Vorsorglich, der neue Film „Keine Zeit zu sterben“ soll am 2. April 2020 starten, bittet man um eine Verschiebung. Die Produktionsfirma sah das ganz ähnlich. Am 4. März, in Deutschland am 5. März, gut eine Woche vor dem ersten Lockdown, gab man bekannt, Daniel Craigs James Bond würde am 12. November 2020 ins Kino kommen. Der November wirkte weit, weit weg. Noch Ende September stand alles auf Los!, obwohl es auch schon früher Gerüchte gegeben hatte, dass es nicht bei dem November-Start bleibt. Am 2. Oktober 2020 zog man die Reißleine, am 8. Oktober gab man bekannt: Neuer Starttermin ist, in Deutschland, der 31. März 2021. Da noch niemand absehen kann, wie lange uns Corona tatsächlich im Griff haben wird, machten Streamingportale bereits ein Angebot. Vergeblich, man will, und das ist löblich, an einem Kinostart festhalten.
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