Wieso sucht Arte eigentlich Regisseurinnen? Die sind doch schon da! In einem gemeinsamen Video-Brief erinnern sie den Sender daran. | Screenshot

Der neue Lockdown hat auch die Regierung kalt erwischt: „Voraussichtlich“ am 25. November soll die Antragstellung für die Novemberhilfen starten, ab Ende des Monats sollen dann erste Abschlagszahlungen erfolgen. Die regulären Auszahlung der schnellen Hilfen werde „parallel vorbereitet und finalisiert, damit es unmittelbar im Anschluss an die Abschlagszahlungen gestartet werden kann“ – voraussichtlich also im Dezember. 

 

Unbürokratische und schnelle Unterstützung für betroffene Unternehmen und Selbstständige wurden mit den akuten Maßnahmen zum „Wellenbrecher-Lockdown“ angekündigt, schreibt „Menschen machen Medien“, die Zeitschrift der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und nimmt sie unter die Lupe: „Die ,außerordentliche Wirtschaftshilfe des Bundes‘, die sogenannten Novemberhilfen, wurden mehrfach nachjustiert und sollen frühestens am 25. November beantragt werden können. Sie dürften nun mehr Solo-Selbständigen nützen. Doch alle an sie geknüpften Erwartungen erfüllen auch weiterführende ,Neustarthilfen‘ nicht.“ Maximal könne die Förderung rund 715 Euro pro Monat betragen. Wie viel man von dieser großzügigen Lösung” erhält, kann jede*r mit einem Neustart-Rechner selbst ermitteln.

 

„Viel Getöse um ein paar lustige Videos“: Die „Helden“-Clips der Bundesregierung sorgen für Diskussionen. Der Kommentar im Deutschlandfunk hält das für Zeitverschwendung: „Klar, natürlich, jede und jeder darf diese Videos total doof finden – darf wie die ,Bild’-Zeitung mit drei Über-50-jährigen Historikern darüber sprechen, warum man als über-50-jähriger Historiker ein Video für 20-Jährige ,peinlich’ finden kann. Jede und jeder darf bei Twitter bemängeln, dass es in den anderthalb Minuten nicht um Einsamkeit, finanzielle Nöte, häusliche Gewalt oder die Sorgen der Gastronomen und Theatermacherinnen geht. Oder dass die Leute im Gesundheitswesen aber auch Heldinnen und Helden sind. […] Aber wollen wir darüber wirklich groß diskutieren?“
Die Kampagne sei „eine Satire. Ein Witz. In Deutschland also eine ernste Sache“,  meint auch „Der Spiegel“: „Würde man alle vorgebrachten Bedenken in einem einzigen Video unterbringen, dann wäre es wohl der langweiligste Spot der Welt.“ Zur Überprüfung rät der Kommentar zum Selbsttest: „Angesichts einer globalen Pandemie müssten sich in den vergangenen Monaten sämtliche Streitigkeiten über Hausarbeit, Unpünktlichkeit oder Eifersucht erledigt haben. Aber natürlich haben Sie weitergelebt, gestritten und gelästert, einfach weil sich das eigene Leben immer unmittelbarer und größer anfühlt.“
Auch das „Altpapier“ beim MDR findet die Kampagne gelungen und verlinkt auf viele der Reaktionen. Sie zeigten, dass die Veröffentlichungsstrategie des Bundespresseamts sei „sogar sehr gut aufgegangen“ sei.
„Übermedien“ erklärt „Bild“, „Welt“ und den anderen Zeitschriften im Springer-Verlag den Witz an der Sache nochmal langsam: „Der Gedanke ist haargenau der: Was passiert, ist hart, aber wiederum nicht so sehr im Verhältnis zu dem, was unsere Großeltern durchmachen mussten. Diese Botschaft richtet sich vor allem an die Berufsgruppen, die es am härtesten trifft, und sie ist nicht witzig gemeint. Der Witz ist nur dafür da, die Botschaft zu transportieren. Das könnte man verstehen, wenn man wollte.“
Die „Bild“ hatte drei Historiker nach ihrer Meinung gefragt, die das alles nicht so lustig fanden. Wenigstens einer schreckte auch nicht vor Klischees zurück, die noch älter sind als alle drei zusammen: „Den Lockdown mit Nichtstun zu verwechseln, kann einem auch nur im Öffentlichen Dienst einfallen.“
Obwohl – er muss es wissen: Auch Hochschulprofessoren gehören zum Öffentlichen Dienst. Zwischen 14 und 17 Stunden dauert ein Arbeitstag der Bundeskanzlerin, weiß nicht nur die „Westdeutsche Zeitung“, bei ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert, der die Kampagne verantwortet, dürfte das sich nicht anders sein: „Im Normalfall“ habe sein Arbeitstag 16 bis 18 Stunden, berichtete dessen Vorgänger laut „Sächsischer Zeitung“.  

 

Für Diskussionen sorgt auch der Kultursender Arte. Allerdings anders, als beabsichtigt war. Im Oktober hatte er zum Wettbewerb „Regisseurin gesucht“ aufgerufen, weil „viel zu wenig Dokumentarfilme von Frauen auf Arte gezeigt werden.“ 625 Filmschaffende lasen dem Sender daraufhin die Leviten: Sexistisch und ausbeuterisch sei die Ausschreibung: Arte solle besser seine Sendeplätze angemessen verteilen, statt Nachwuchsfilmer*innen auf eigene Kosten einen 52-Minüter drehen zu lassen, von denen dann nur eine einen Entwicklungsvertrag für den Sendeplatz erhält.
Dem ersten Protest hat sich eine weitere Gruppe junger Filmemacher*innen angeschlossen. In einem Video-Brief [hier auch als PDF] fragen sie, wie dieser Wettbewerb das strukturelle Problem lösen soll. Und überhaupt: Wieso suche Arte eigentlich Regisseurinnen? „Sie müssen uns nicht suchen. Wir waren immer da.“ Nur wollen sie nicht „schaulaufen“ und „nicht gegeneinander antreten“, um einen Sendeplatz zu bekommen: „Sie sagen, Sie freuen sich auf ,viele neue Talente’. Würdigen Sie unser Talent mit Sendeplätzen und nicht mit einem 52-Minuten Sendeplatz. Im Jahr 2020 fordern wir außerdem einen konkreten Plan zur Integration von BIPoCs, Transfrauen* und nicht-binären Menschen.“
Die Kritik richtet sich auch gegen das Thema des Wettbewerbs: „Unbeschreiblich weiblich“. Das reimt sich zwar schön, wurde aber von Nina Hagen schon 1978 besungen und schmückte unter anderem auch Kunstausstellungen, Theaterstücke, Kabarett und wissenschaftliche Aufsätze – allesamt schon im vorigen Jahrhundert. Außer Arte ist der Reim zurzeit nur dem deutschen Schlager noch einen Titel wert: „Unbeschreiblich weiblich, umständlich männlich“ sangen Semino Rossi und Rosanna Rocci noch voriges Jahr, und spätestens das sollte den Kultursender nachdenklich stimmen. Den Filmemacher*innen reicht’s auch so: „Wir haben keine Lust, ständig unser Frau-Sein erklären zu müssen.“ Man stelle sich doch mal einen Wettbewerb für Regisseure unter solchem Motto vor.
Ihre Kritik meinen sie Filmemacher*innen „durchaus konstruktiv“: „Verstehen sie diesen Brief als Schritt auf sie zu.“ Ihr Rat: „Würdigen Sie unser Talent nicht mir einem 52-minütigen Sendeplatz. Nehmen sie kleinen Umweg über einen Kurzfilmwettbewerb. Gehen sie es direkt an.“

 

„Freie Sendezeit für freie Künstlerinnen und Künstler“ – der MDR hatte zum Ideenwettbewerb aufgerufen, mehr als 350 Vorschläge gingen innerhalb einer Woche ein. Jeweils drei wurden in fünf Kategorien ausgewählt: „Theater, Tanz und Co.“, „Pop, Rock und Co.“, „Klassik, Chor und Co.“, „Literatur, Malerei und Co.“, „Museen, Ausstellungen und Events“. Wer nun beim Fernsehsender den eine Kategorie „Film“ vermisst: „Filme“ sind letztlich alle der in Eigenregie gestalteten Beiträge. Und die werden vom 21. bis 27. November mit jeweils fünf Minuten freier Sendezeit im Abendprogramm des MDR-Fernsehens präsentiert. In der Woche will sich der Sender auf all seinen Ausspielwegen und Programmen mit der Situation mitteldeutscher Kulturschaffender beschäftigen, berichtet DWDL. 

 

Seit Monaten wird um einen Ausfallfonds II gerungen, der Fernsehproduktionen vor Drehabbrüchen durch die Corona-Pandemie abzusichern. Allmählich scheint sich etwas zu bewegen: Nordrhein-Westfalen will 16 Millionen Euro beisteuern. Das habe die Landesregierung gestern beschlossen, der Landtag muss noch zustimmen. Uneinigkeit herrscht bei der Beteiligung von Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime Video. Die traditionellen Sendergruppen sollen sich dagegen gesperrt haben, dass die US-basierten Dienste mit Steuergeld unterstützt würden. Damit wäre aber auch die Situation für deutsche Produzenten, die für diese Streamer produzieren, ungeklärt. Die Staatskanzlei in Nordrhein-Westfalen spricht hingegen von einem „länderübergreifenden Ausfallfonds für Fernseh- und Streamingproduktionen“.

Eine Milliarde Euro wurden für den „Neustart Kultur“ bereitgestellt, gut ein Drittel davon sei bereits belegt, teilt die Kulturstaatsministerin (BKM) mit. „Mehr als 500 Millionen Euro des Programms, das sich über die Jahre 2020/21 erstreckt, wurden mittlerweile den mit der Abwicklung betrauten Verbänden und Fonds zur Verfügung gestellt.“ Weiterhin rechnet sie den Ausfallfonds I dazu, der bereits geförderte Kinofilme absichert, sowie „pandemiebedingten Mehrbedarfe der regelmäßig vom Bund geförderten Einrichtungen“. Bis Mitte Oktober seien mehr als 20.000 einzelne Anträge gestellt worden, bis Mitte November schätzt die BKM bis zu 35.000 Anträge: „Die mit der Bewilligung betrauten Stellen melden fast durchgehend, dass die Neustart-Programme schon überbucht und weitere, zusätzliche Mittel hilfreich wären.“

Das Bundesverfassungsgericht hat einen Eilantrag einer Kemptener Kinobetreiberfamilie gegen die neuerlichen Zwangsschließungen zurückgewiesen, berichtet „Blickpunkt Film“. Inhaltlich musste sich das Gericht mit der Thematik dabei allerdings nicht auseinandersetzen – dafür hätte zunächst der Bayerische Verwaltungsgerichtshof angerufen werden müssen.
Auch die „Mindelheimer Zeitung“ und der BR hatten berichtet.
Unterdessen läuft eine noch Popularklage der Betreiber vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof, berichtet die „Allgäuer Zeitung“ hinter der Bezahlschranke.

 

Die Schweiz sorgt sich um die Zukunft ihrer Medien und fördert Verlage in der Krise. Der Medienwissenschaftler Matthias Zehnder schlägt im Interview mit „persönlich.com“ vor, sich dabei an der Landwirtschaft zu orientieren. Sein Vergleich zwischen Bauern und Verlegern lässt sich auch für andere Branchen denken: Eine kluge Medienförderung müsse einerseits die Arbeit von Kreativen fördern und ihnen andererseits abstrakte Leistungen wie mediale Diversität, Sprachenvielfalt oder Bildung abkaufen, weil diese Leistungen im Interesse der Bevölkerung sind. „Es geht nicht darum, Verleger oder Sender zu erhalten. Es geht darum, dass die Bevölkerung Leistungen beziehen kann, die sie ohne Medienförderung, nur am Markt, nicht kaufen kann.“

Die Akademie des Österreichischen Films bekommt eine neue Geschäftsführerin. Die Kulturmanagerin Katharina Albrecht-Stadler tritt ihre Stelle am 1. Januar 2021. Bei der Gelegenheit gab die Akademie auch bekannt, dass die Verleihung des „Österreichischen Filmpreises“ von Januar auf Juni 2021 verschoben wird.

 

Wie geht es unseren Mitmenschen? Kunst- und Kulturschaffende sind vom Lockdown besonders betroffen. Im Livestream tauschen am Freitag um 18:30 Uhr die  Autorin und Schauspielerin Bettina Kenter-Götte und die Friedens-Netzwerkerin Inge Ammon ihre Erfahrungen, Beobachtungen und Erlebnisse aus: „Darüber reden, wie wir den Corona-Alltag erleben, ist das Gebot der Stunde, aber mit wem und wie? Mit anderen streiten, kann gut und schlecht enden. Es geht ums Brücken bauen, Verbundenheit vermitteln und Mut machen, denn ein sicheres soziales Umfeld ist nachweisbar eine starke Heilkraft ohne Nebenwirkungen.“ Das Gespräch ist anschließend auch im Archiv zu sehen. 

Die Deutsche Akademie für Fernsehen vergibt am kommenden Samstag ihre Preise für herausragende kreative Einzelleistungen. Mit einem viertägigen Programm bereitet sie darauf online vor. Die „Tage der Akademie“ beginnen heute mit einer Masterclass zur „Vertragsgestaltung“. Die folgenden beiden Tage bestreitet ein Kongress zu „Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Fernsehbranche“ mit Expertengesprächen und Seminaren für die einzelnen Gewerke. Eine Podiumsdiskussion zum Thema zieht am Freitag eine vorläufige Bilanz. Weitere Informationen gibt es hier.

 

Der Kinosaal ist vorübergehend geschlossen, darum kommt das Münchner Filmmuseum nach Hause. Zwei Wochen lang präsentiert es online die frühen Werke von Werner Schroeter. Die wurden im Filmmuseum gesammelt und restauriert, „Unikate, die ersten auf Super 8 gedreht, spätere dann auf 16 Millimeter, aber auch Umkehr-, nicht auf Negativmaterial“, erklärt die „Süddeutsche Zeitung“. Die Filme stammen aus den Jahren 1968 und 1969, doch die folgende Beschreibung weckt Erinnerungen an die unmittelbare Gegenwart: „Es sind einfache, aber unglaublich reiche Filme, gedreht auf Kellerbühnen, in bürgerlichen Boudoirs oder in Kinosälen. Ab und zu gibt es eine weite leere Landschaft, in der ein einsamer junger Mann steht, sehnsuchtsvoll, in sich versunken. Ansonsten liegen die Jungs meistens auf den Betten, eine Art somnambuler Selbstbefriedigung, oder kriechen über den Boden.“

Das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) wurde in den Kinematheksverbund aufgenommen. Was der „Ritterschlag“ für das Trickfilmarchiv bedeutet und was die Zukunft bringen soll, fragte „MDR Kultur“ den wissenschaftlich-künstlerischen Leiter Till Grahl. Den Deutschen Kinematheksverbund gibt es 1978 und besteht aus dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF), dem Bundesarchiv-Filmarchiv sowie der Deutschen Kinemathek.

 

Nach neuen Talenten sucht das Branchenmagazin „Variety“ [auf Englisch] seit 1998 und wählt alljährlich zehn „Actors to Watch“. Damit sieht man sich als Vorreiter: „Dutzende von Nominierungen und Auszeichnungen“ bei den „Oscars“ belegten das, „Variety“ habe die Talente schon ausgemacht, ehe sie „Golden Globe“, „Emmys“ und Blockbuster-Erfolge vorweisen konnten. Auf der diesjährigen Hollywood-Nachwuchsliste steht auch eine deutsche Schauspielerin: Die inzwischen zwölfjährige Helena Zengel war als „Systemsprenger“ auch jenseits des Atlantiks bekannt geworden und hatte für ihre Rolle im April den „Deutschen Filmpreis“ gewonnen. 

Disney macht in der Corona-Krise weiter Verlust – aber das Streaming-Geschäft boomt, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“: Disneys Geschäftsjahr endete im September mit einem Nettoverlust von 2,8 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 10,4 Milliarden US-Dollar verdient. Seit mindestens 1980 habe Disney keinen Jahresverlust hinnehmen müssen. Der Streaming-Dienst Disney+, vor exakt einem Jahr gestartet, habe hingegen die Erwartungen übertroffen. Vorstandschef Bob Chapek bezeichnete dies als „Lichtblick“ der Bilanz und als „Schlüssel zur Zukunft unseres Unternehmens“. Doch „der Auf- und Ausbau der Video-Dienste verschlingt viel Geld. Die Sparte ist alles andere als profitabel, der Quartalsverlust belief sich auf 580 Millionen Dollar“, erklärt die Zeitung: „So waren es – trotz aller Euphorie um die wachstumsstarken Streaming-Services – die klassische Kabelsparte und die Filmstudios, die für Disney das Geld verdienten. Allerdings reichten die Gewinne hier bei Weitem nicht, um die Konzernbilanz insgesamt ins Plus zu hieven.“ 

Der französische Maler Bernard Buffet hatte in den 1950er-Jahren eine Superkarriere gestartet und wurde auch in Hollywood zur kurzen Sensation, erinnert die „Süddeutsche Zeitung“ – und welche Rolle ein geheimnisumwitterter Filmemacher dabei spielte.

 

Im Frühjahrs-Lockdown wirkten Online-Filmfestivals noch vielversprechend. Mittlerweile aber ist die Branche nach einem halben Jahr voller Unwägbarkeiten erschöpft, berichtet „Der Spiegel“, der sich unter den Festivals umhörte: „Dabei waren die technischen Erfahrungswerte mit Digitalausgaben aus dem Frühjahr für die folgenden Festivals durchaus hilfreich. Nur Planungssicherheit brachten sie nicht.“ Sascha Keilholz, neuer Leiter des Internationalen Filmfestival Mannheim, schildert die Probleme: „Wir mussten parallel Plan A, B und C entwickeln“ – einen Plan für ein physisches Festival, einen für ein hybrides und einen für ein rein digitales. „Auf welchen es hinauslaufen würde, war die längste Zeit nicht klar. Noch am 24. Oktober nahmen die Ämter von Mannheim und Heidelberg das Hygienekonzept für ein Offline-Festival ab.“ Vier Tage später kam der Lockdown light.

Die Französische Filmwoche Berlin findet dieses Jahr im Netz statt. Ab dem 26. November werden für eine Woche sieben Spielfilme, eine Serie und ein Kurzfilm über die im Stream gezeigt. Falls die Kinos am 1. Dezember wieder öffnen dürfen, sollen weitere Filme auch auf der Leinwand laufen.

 

Heute beginnt in Amsterdam das weltweit wichtigste Dokumentarfilmfestival. Wie der Großteil aller Filmfestivals will man der Corona-Krise trotzen. „Filme, Kino, Festivals sind und bleiben relevant. Und auch wenn das Geschichtenerzählen nicht satt macht, nicht gesund, und uns auch nicht physikalisch an einen anderen Ort bringt, so lässt es uns doch an andere Orte reisen und … kann uns Hoffnung geben. Es macht unser Leben lebenswert“, so die Macher*innen des aktuellen Kurzfilmfestivals Köln N°14.

Enormen Willen und ebenso große Innovationskraft beweisen auch viele deutsche Festivals wie das Kasseler Dokfest, das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg oder das Exground Filmfestival des Independent Films Wiesbaden mit ihren Online-Ausgaben und eröffnen damit dem (Kino)Publikum deutschlandweit den Zugang zu einer Kinokultur, die an Diversität kaum zu überbieten ist. Die Initiative Filmfestival-Studien.de gibt einen Überblick der zahlreichen Online-Aktivitäten:

05.11.–07./22.11. Seriencamp. Eine Selektion an neuen Serien zu streamen im Watchroom.
12.11.–22.11. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg. New Film Experience – das IFFMH ist als Filmfestival eine einzigartige Plattform des kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Dialogs durch Filmkunst.
12.11.–22.11. Griechische Filmwoche @home. Die älteste kontinuierlich stattfindende griechische Film-Kulturveranstaltung ihrer Art in Deutschland.
13.11.–22.11. 33. Exground online. Deutschlands wichtigstes Filmfestival für internationale, unabhängige Produktionen zu sehen auf der Streaming-Plattform.
13.11.–22.11. 17. Cinefest – Internationales Festival des Deutschen Filmerbes to go. Das „Supportpaket“ für 65 Euro bietet eine Akkreditierung  nebst Festivaltasche, den Katalog und weitere kleine Überraschungen.
17.11. – 22.11. Das Dokfest präsentiert 52 Lang- und 171 Kurzfilme aus 53 Ländern, darunter über 120 Premieren auf Dokfest Online.
17.11.–22.11. Afrikamera: „Urban Africa, Urban Movies: Politics & Revolution“.
18.11.– 20.11. Raumwelten: Format an der Schnittstelle innovativer, gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanter Themen rund um Architektur, Szenografie und digitale Medien.
18.11.–22.11. Köln N°14. Forum für den unabhängigen Kurzfilm.
19.11.–22.11. Ake Dikhea? Vol. 4. Schirmherr des Roma-Filmfestivals ist Klaus Lederer, Bürgermeister von Berlin und Senator für Kultur und Europa: „Gerade in Krisenzeiten braucht unsere Gesellschaft Zusammenhalt, das Aufeinanderzugehen, sich gegenseitig zuhören. Und es ist essenziell, dass gerade Erfahrungen von Roma*, LGBTIQ-Menschen und anderen oft angefeindeten Menschen sichtbar werden. Das Ake-Dikhea?-Filmfestival bietet dazu seit vier Jahren eine großartige Plattform.“
29.11.–13.12. Kino Asyl online und physisch: Filme aus der Heimat in München lebender Flüchtlinge. 14 Tage Festival: Filme, Talks und Q&A. Eine sensible Reise um die Welt. Dabei präsentieren Locals tiefe Einblicke in die Kulturen ihrer Heimat.
05.11.–22.11. Unerhört! Das Musikfilmfestival 2020 geht als Soundwatch online.

Dieser Überblick an aktuellen Online-Ausgaben deutscher Filmfestivals wurde von der Initiative Filmfestival-Studien.de erstellt. Im Team mit einigen Filmfestival-Experten beobachtet sie seit Beginn der Corona-Krise die zahlreichen innovativen Online-Aktivitäten auf dem nationalen und internationalen Filmfestivalmarkt.

Diagramme und Karten liefern einen schnelleren Überblick der Pandemie als Texte oder das gesprochene Wort. Das Problem ist nur, dass diese Daten immer wieder fröhlich missverstanden würden, schreibt Lorenz Matzat im „Freitag“. Der  Journalist ist Mitgründer und Forschungsleiter der NGO Algorithm Watch. So veröffentliche das Robert-Koch-Institut (RKI) täglich die Covid-19-Lageberichte, doch zur unsicheren Aussagekraft dieser Daten oder gar zum Stellenwert der Dunkelziffer bei den Infektionen erfahre man „wenig bis gar nichts. Angesichts dessen, dass diese Berichte offensichtlich zentral für politische Entscheider und Journalisten sind, dürfte das ein Fehler sein.“
Das zeige auch die Debatte um den jüngsten Teil-Lockdown, bei der eine Lagebericht-Grafik des RKI eine Rolle gespielt hatte: Sie zeigte, wo sich erfasste Infizierte angesteckt hätten. „Dass das Diagramm nur für ein Viertel der bekannten Infektionen galt, wurde gerne – wohl auch aufgrund der ungünstigen Präsentation durch das RKI – übersehen. Was aber völlig fehlte, war die Berücksichtigung der Dunkelziffer beim Infektionsgeschehen.“ Dabei bilde sie eine unsichtbare Welle, die deutlich höher sein dürfte als die sichtbare: „Symptomfrei Infizierte, die sich nicht im Klaren darüber sein können, dass sie ansteckend sind, verbreiten das Virus auf dem Weg zu Schule, Arbeit oder an diesen Orten selbst, beim Einkaufen, Spazieren oder Demonstrieren.“ Eine jüngst veröffentlichte Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München hatte seit dem Frühjahr fast 3.000 repräsentativ ausgewählte Haushalte wiederholt untersucht und festgestellt, dass gut viermal so viele der untersuchten Personen Covid-19-Antikörper hatten, als verhältnismäßig im gleichen Zeitraum bei den lokalen Gesundheitsämtern als infiziert gemeldet worden waren. Dies lasse sich zwar „nicht eins zu eins auf die Situation heute und überall übertragen“, schreibt Matzat, doch es liege „im Rahmen der gängigen Schätzungen, die die Höhe der Dunkelziffer bei dem Zwei- bis Sechsfachen der bekannten Infektionen vermuten.“

 

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