Gernot Roll (rechts) war „einer der namhaften Kameramänner der letzten Jahrzehnte“. Später interessierte ihn zunehmend die Regie, etwa beim „Räuber Hotzenplotz“. Am Donnerstag ist mit 81 Jahren gestorben. | Foto © Constantin

„Schnell und unbürokratisch“ sollen die Novermberhilfen fließen, möglichst schon Ende des Monats. Verwirrung gab’s diese Woche wegen der Antragstellung, inzwischen wissen wir mehr: Das Verfahren ist noch in Planung – „in den kommenden Tagen“ soll es losgehen. 

Viele Fragen erreichen uns weiterhin zur Novemberhilfe. Sie müsse „schnell und unbürokratisch“ ausgezahlt werden,  sagt auch der Finanzminister. Darum dürften Soloselbständige, die weniger als 5.000 Euro beantragen, ihre Anträge selbst stellen, ohne Steuerberater*innen oder ähnliche „prüfende Dritte“. So steht es geschrieben, doch das Online-Portal scheint ihnen keinen Zugang zu gewähren. So erging es jedenfalls mehrere Leser*innen. Auch wir kamen hier nicht weiter.
Wir haben bei der Hotline für Überbrückungshilfen nachgefragt. Die Antwort: „Aktuell liegen noch keine Informationen dazu vor, wo und wie genau die Finanzhilfe beantragt werden kann und wie schnell sie ausbezahlt wird. Die Details werden derzeit noch abgestimmt. Das Antragsverfahren zur außerordentlichen Wirtschaftshilfe ist in der Planung. Sobald die Antragsstellung möglich ist informieren wir Sie auf der Seite. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz wollen das Programm in den kommenden Tagen der Öffentlichkeit vorstellen.“ 

„Möglichst bis Ende November“ wollte allerdings Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier schon Abschlagszahlungen folgen lassen, ist zurzeit unter der angegeben Adresse zu lesen. Dort finden sich auch die Rahmenbedingungen, die die weiteren Fragen beantworten. Das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft (KUK) der Landeshauptstadt München hat sie nochmal zusammengefasst:
# Wer kann beantragen? Alle Unternehmen, Selbständige, Vereine, Betriebe, Einrichtungen, die von den aktuellen temporären Schließungen erfasst sind entsprechend der regional gültigen Schutzverordnung (hier Bayern) – zum Beispiel Theater, Kinos, Konzerthallen, Gastronomie etc.
Organisationsform und Trägerschaft des Unternehmens oder der Einrichtung sind nicht entscheidend – wichtig ist, dass die Einrichtung am Markt tätig ist und Umsätze erwirtschaftet. Ein subventioniertes Theater kann ebenso Hilfen erhalten wie ein kommerzieller Club oder gemeinnütziger Kulturverein.
# Ebenfalls antragsberechtigt: Selbständige und Unternehmen, die regelmäßig 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt von den Schließungsmaßnahmen betroffenen Unternehmen erzielen. Beispiele: freiberufliche Maskenbildner*innen, DJ oder Veranstaltungstechniker*innen, die direkt durch Kultur- und Freizeiteinrichtungen beauftragt werden.
# Was wird ersetzt? Zuschüsse pro Woche der Schließung in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019. Soloselbständige können alternativ den durchschnittlichen Wochenumsatz im Jahr 2019 zugrunde legen.
# Wie viel gibt es maximal? Die Obergrenze ist 1 Million Euro. Andere staatliche Leistungen wie Überbrückungshilfe oder Kurzarbeitergeld werden angerechnet. Liquiditätshilfen wie etwa KfW-Kredite werden nicht angerechnet.
# Wann? Aktuell noch nicht möglich – angekündigt für Ende November.
# Wo? Auf der Überbrückungshilfe-Plattform des Bundes.

Soforthilfen, Ausfallhonorare, Betriebskosten, fiktiver Unternehmerlohn –aktuell gibt es vor allem bei Künstler*innen und Soloselbständigen viele Fragen. Welche Förderprogramme gibt es, welche eignen sich? Auf was muss ich achten? Den aktuellen Stand der Corona-Hilfen und eine Orientierung zu den unterschiedlichen Förderstrukturen gibt ein Virtuelles Meeting am Freitag, 20. November, um 14 Uhr. Veranstalter ist das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft (KUK) der Landeshauptstadt München. Anmeldungen sind bis 19. November unter (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen) mit dem Betreff „Überblick Corona-Hilfen“ möglich.
Die Zahl der Teilnehmer*innen ist auf 20 begrenzt. 

 

Es schien ja gut gemeint: Arte hatte im Oktober zum Wettbewerb „Regisseurin gesucht“ aufgerufen, weil „viel zu wenig Dokumentarfilme von Frauen auf Arte gezeigt werden.“
Das führte nicht nur bei Regisseurinnen zu „großer Irritation“. 625 Filmschaffende haben einen Brief mitunterzeichnet, den die Filmemacherinnen Pary El-Qalqili und Biene Pilavci gestern an den Sender schrieben. Sie bezweifeln, dass sich dadurch etwas ändern werde. Ihre Kritikpunkte:
# Die Regisseurinnen sind aufgerufen, unentgeltlich einen Film herzustellen.
# Das Motto „Unbeschreiblich weiblich“ reduziert die Regisseurinnen werden in ihrem Schaffen von vornherein auf die Themen der vermeintlichen „Weiblichkeit“ und des „weiblichen Blicks“.
# Der Sender bietet der Gewinnerin des Wettbewerbs einen Entwicklungsvertrag für ein 52-minütiges Format an. Die Ausschreibung fördert somit keine tatsächlich gleichberechtigte Teilhabe von Regisseurinnen, vor allem nicht auf einem Prime-Time Sendeplatz.
# Die Ausschreibung richtet sich explizit an Nachwuchsregisseurinnen –der Sender ignoriert die Existenz mehrerer Generationen qualifizierter Regisseurinnen.
Die Unterzeichnerinnen fordern darum eine „sofortige Überarbeitung“ der Wettbewerbs-Ausschreibung, denn sie „fördert eine (selbst)ausbeuterische Arbeitsweise, von der erneut diejenigen ausgeschlossen sein werden, die sich ein selbstfinanziertes Filmprojekt nicht leisten können.“ Sie erwarten, „dass Arte als europäischer Kultursender mit Vorbildfunktion Verantwortung für die Produktionsbedingungen übernimmt. Regie ist nicht unser Hobby, sondern unser Beruf.“

Und darum gehen die Forderungen auch noch weiter:
# Strukturelle Gleichberechtigung und gerechte Teilhabe von Regisseurinnen bei Arte.
# Eine Gender-Quote für alle Arte-Sendeplätze und-Filmproduktionen.
# Transparente Maßnahmen aller Arte-Redaktionen, um die Gendergleichberechtigung von Autorinnen*, Regisseurinnen*, Cinematografinnen*, Editorinnen*, Tonfrauen*, Filmkomponistinnen* und Produzentinnen* umzusetzen.
# Gender-Monitoring von allen redaktionellen Entscheidungen.
# verpflichtende Fortbildungen zu Feminismus- und Gendergleichberechtigung für alle Redakteur*innen und Programmverantwortlichen.

 

„Kreativwettbewerb ist ein großes Wort, an dem die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in diesem konkreten Dokumentarfilm-Fall schnöde scheitert“, meint dazu die „Frankfurter Rundschau“: „Das klingt ein wenig so, als wollte man sich das Feigenblatt von den Benachteiligten gleich selbst, pardon, häkeln lassen.“

Im Jahr 2016 wurde nur ein Viertel aller Reportagen, Dokumentationen und Dokumentarfilme im deutschen Fernsehen von Regisseurinnen verantwortet, errechnete die Gender-Studie von AG Dok und Regieverband. Erfasst wurden die öffentlich-rechtlichen Kanäle und die der Sendergruppen RTL und Pro Sieben Sat.1 anhand der Fernsehausstrahlungen aus sechs Programmwochen des Jahres 2016. Die Ergebnisse geben einen Gesamtdurchschnitt an – es wird nicht zwischen den einzelnen Sendern unterschieden.
Von diesem Gesamtbild scheint sich Arte positiv abzuheben. Eine Abfrage in der Datenbank von Crew United ergibt 857 dokumentarische Filmprojekte) der Jahre 2015 bis 2020, an denen Arte als Sender oder/und Produzent oder Vertrieb beteiligt war. Grob jedes zehnte hatte ein gemischtes Regieduo (der Anteil variiert je Sparte). Beim übrigen großen Ganzen kommen Regisseurinnen auf rund 38 Prozent. 

Arte bekommt nächstes Jahr turnusgemäß einen neuen Präsidenten: Bruno Patino wird ab 1. Januar den deutsch-französischen Kulturkanal für vier Jahre leiten. Auch an anderen Stellen werden Stühle gerückt. Die „Medienkorrespondenz“ sah sich das genauer an und stellte fest: „Auffällig ist, dass nun dem vierköpfigen Vorstand von Arte wie auch der Arte-Mitgliederversammlung keine Frau angehört. Für die Beschlüsse zu grundlegenden Fragen des Senders sind somit aktuell 16 Männer zuständig, sie bestimmen die Geschicke von Arte.“

 

Das Fernsehen rechnet in Einschaltquoten. Und das Fernsehen baut seine Mediatheken aus. Doch je mehr gestreamt wird, desto weniger aussagekräftig ist die klassische Einschaltquote. Darum wird an neuen Erhebungsverfahren gearbeitet: Die „Taz“ beschreibt die Suche nach einer „Währung für zwei Welten“ und beschreibt auch, wie die Quote ermittelt wird: durch eine repräsentative Gruppe – „insgesamt 11.000 Menschen, die für 75 Millionen Deutsche ab drei Jahren stehen sollen.“ Die Unschärfen bei der Quote kritisiert darum der Medienwissenschaftler Christian Richter: „Wenn mal keine Person des Panels einen der Minisender einschaltet, dann liege die errechnete Sehbeteiligung bei null, auch wenn irgendwo in Deutschland tatsächlich Menschen zugesehen haben. Wenn hingegen eine Person zufällig einschalte, repräsentiere sie gleich mehr als 7.000 Menschen.“

Über Probleme mit der Quote berichtete vor zwei Jahren auch „Der Tagesspiegel“ – und hatte auch die passende Filmempfehlung, die in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken nicht zu finden ist. 

Eigene Handschriften und relevante Themen sieht die „Medienkorrespondenz“ in der achten Staffel von „Ab 18!“. Die 3sat-Reihe „steht für unformatiertes dokumentarisches Erzählen, und so erfreulich es ist, dass so etwas in einem Spartenprogramm einmal im Jahr in sechs Beiträgen von 30 bis 45 Minuten möglich ist, so ärgerlich ist es, dass solche Art des Filme­machens in den Sendern ansonsten keine Lobby hat.“

 

Betriebskostenzuschüsse und verbesserte Abstandsregeln: In einem Offenen Brief haben sich zahlreiche hessische Kinobetreiber an ihren Ministerpräsidenten Volker Bouffier gewandt. Mit Blick über den Lockdown hinaus fordern sie für das kommende Jahr eine staatliche Unterstützung in Form von Betriebskostenzuschüssen – als Vorbilder werden Bayern und Nordrhein-Westfalen angeführt. Ebenso verlangen sie verbesserte Abstandsregeln von einem Meter bei der Wiedereröffnung: „In diese Richtung ist zum Beispiel unser Nachbarland Rheinland-Pfalz vor der neuerlichen Schießung gegangen […] Sie hilft den Kinos, ihre Kapazitäten auf 50 Prozent auszuweiten und damit wirtschaftlich wieder stärker auf eigene Füße zu kommen.“  

Einen langfristigen „Rettungsschirm Kino“ fordern der Betreiberverband HDF Kino, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die Kinounternehmen Cinedom, Cinemaxx, Cinestar, Kinopolis und UCI,  um Umsatzeinbrüche und Fixkosten über den November hinaus zu decken.  „Insbesondere Kinoketten und Betreiber mehrerer Kinos“  würden im Gegensatz zu anderen von Betriebsschließungen betroffenen Branchen „so gut wie gar nicht von staatlichen Förderungen, Erstattung von Umsatzausfällen und dem Schutz vor Mietstreitigkeiten profitieren.“ Dies vornehmlich deshalb, weil bei der Gewährung staatlicher Hilfen nicht auf einzelne Kinobetriebe oder betreibende Gesellschaften abgestellt werde, sondern die Anzahl an Mitarbeitern oder die gesellschaftsrechtliche Struktur der Unternehmen als Förderungskriterien herangezogen würden. Die Mitarbeiter*innen in den Kinos seien zu einem Großteil studentische Kräfte und geringfügig Beschäftigte ohne gesetzlichen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Darüber hinaus hätten die Kinos in den vergangenen Monaten erhebliche in Hygiene-Konzepte investiert. Gemeinsam appellieren sie an die Bundesregierung, dass die zugesagte außerordentliche Wirtschaftshilfe „ausnahmslos alle Kinos erreichen müsse – unabhängig von ihrer Größe und Mitarbeiterzahl.“  

 

Die Angst in der Kino-Branche wächst, berichtet die „Allgemeine Zeitung“ aus Münster. „Wir haben alles getan, um aus eigener Kraft gegenzusteuern und Mitarbeiter halten zu können: Autokino, Sommernachtskino, Neueröffnung unter strengen Hygieneregeln. Jetzt sind die Möglichkeiten ausgereizt“, sagt dort ein Kinobetreiber, und ist sich nicht sicher, ob das, was als Novemberhilfe oder auch Überbrückung angekündigt war, auch wirklich in seinem Betrieb anlangt. „Das ist ein sehr komplexes Thema, an dem Steuerberater derzeit viel Geld verdienen.“

2021 werden uns die Filme ausgehen“, fürchtet Alexander Dumreicher-Ivanceanu. Der Filmproduzent ist seit diesem Monat  neuer Bundesobmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich. „Das ist der spannende Moment, in dem wir uns befinden: Die unmittelbare Krise ist bewältigt, weil wir wieder drehen können, aber die Zukunft in der Pandemie ist ungewiss, und da drängt sich die Frage auf, wie man eine Branche strukturell neu aufstellen kann“, sagt er der „Wiener Zeitung“. Das gehe nur miteinander.

 

Der Kameramann und Regisseur Gernot Roll ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Berufsverband Kinematografie (BVK) erinnert an „einen der namhaften Kameramänner der letzten Jahrzehnte“, der mehrere Jahre im Vorstand des BVK aktiv war, ehe er sich zunehmend als Regisseur engagierte [PDF]. Roll, 1939 in Dresden geboren, begann seine Filmkarriere Mitte der 50er-Jahre in Babelsberg bei der Defa, 1960 siedelte er in die Bundesrepublik über und arbeitete in den Studios der Bavaria in Geiselgasteig. Mehr als 120 Kinofilme, Fernsehfilme und Serien hat er fotografiert, darunter die vielfach ausgezeichnete „Heimat“-Reihe des Regisseurs Edgar Reitz und der deutsche „Oscar“-Gewinner „Nirgendwo in Afrika“ von Caroline Link, aber auch Populäres wie die Komödie „Der bewegte Mann“, „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ und zahlreiche „Tatorte“. 2014 wurde er für sein Lebenswerk mit dem „Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises“ ausgezeichnet. Dreimal erhielt er den „Deutschen Filmpreis“.

Wie erlebt ihr die Jetztzeit? Die Website persönlich.com fragt sich durch die Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche. Folge 137: Der Regisseur Stefan Haupt. Sein „Zürcher Tagebuch“ läuft dort zurzeit im Kino. Warum er ihn drehen musste, erzählt er im Interview: „Über die letzten Jahre nahm ich bei mir selbst, aber auch in meinem Umfeld ein zunehmendes Unwohlsein wahr. Einer der Ausgangspunkte dazu war sicher die Finanzkrise 2008. Ich war schockiert darüber, wie wenig ich von der Komplexität unserer Welt verstehe. Und später auch darüber, wie schwer fassbar sich die gesellschaftlichen und politischen Realitäten verschieben, wie sehr alles einer blutleeren Gewinnmaximierung untergeordnet wird. Reagieren wir mit Ohnmacht und Lethargie darauf, oder mit Wut und Engagement? Solchen Fragen wollte ich nachgehen.“

 

„Wieso müssen Theater schließen, während Friseursalons offen bleiben dürfen?“ fragte Dieter Hallervorden am Montag im Interview mit der „Berliner Zeitung“. Der Schauspieler ist der einzige Theaterleiter in Deutschland, der juristisch gegen die corona-bedingte Schließung seines Hauses vorgeht. Gestern meldet die Zeitung: Das Berliner Verwaltungsgericht hat seinen Eilantrag abgelehnt.

Die Betreiberin eines Kinos mit angebundenem Restaurant in Bayern zog sogar vors Bundesverfassungsgericht, berichtet „Der Spiegel“. Auch ihr Eilantrag wurde gestern abgelehnt. Zwar sei die erzwungene Schließung des Restaurants ein Eingriff in das Grundrecht auf Berufsfreiheit, erklärte das Gericht. Jedoch seien die Maßnahmen befristet und nicht offensichtlich unbegründet. Denn es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass auch Gastronomiebetriebe zum Infektionsgeschehen beitragen.“

 

Veranstaltungen sind nicht nur Partys: Seit März gibt es auch keine echten Kongresse oder Messen mehr. Doch dieser Teil der Veranstaltungsbranche wurde bei der Corona-Rettung vergessen, stellt die „Berliner Zeitung“ fest. „Wir reden hier von etwa einer Million Beschäftigten – 80 Prozent von ihnen wird mit den neuen Rettungspaketen nicht geholfen. Das schockt und macht uns wütend“, sagt Nico Ubenauf vom größten Veranstaltungsdienstleister in Europa, Satis&Fy.  Irritiert sei man bei Veranstaltern und Einzelhändlern vor allem über die Regelung, der Gastronomie 75 Prozent der Umsätze zu ersetzen, fasst die Zeitung zusammen. „Man hätte auf den Rohertrag abstellen müssen – dann hätte man auch anderen Branchen helfen können.“

Für viele steht im November das Camerimage fett im Kalender – schon allein wegen der vielen Workshops, Vorträge und Begegnungen mit Kameraleuten und anderen Filmschaffenden aus der ganzen Welt. Die Reise nach Polen entfällt in diesem Jahr; auch das Camerimage läuft ausschließlich online. Die Stärken des Festivals soll dabei niemand vermissen: Am Samstag startet das Programm mit virtuellen Seminaren und Gesprächsrunden. Dabei sind unter anderem die DoP Phedon Papamichael, Newton Thomas Sigel und Roger Deakins, aber auch Viggo Mortensen, George Clooney und Spike Lee. Der Lichtblick in der Einschränkung: Es gibt genügend Platz für alle. 

Gestern eröffnete das Filmfestival Mannheim-Heidelberg – natürlich virtuell. Die „Frankfurter Rundschau“ erinnert ein an große Zeiten: „Mannheim hatte einmal ein weltbekanntes Filmfestival, mit 69 Jahren ist es das siebtälteste überhaupt. Es war ein Treffpunkt für, wie man damals sagte, ,Jungfilmer’.“ Der Glanz sei zwar verblasst, doch dem Traditionsfestival gelinge auch im Lockdown ein Neuanfang – die Ausrichtung unter dem neuen Festivaldirektor Sascha Keilholz überzeuge inhaltlich wie strukturell. Das Online-Festival läuft noch bis zum 22. November. 

Die Duisburger Filmwoche ging am Sonntag zu Ende. Eine Auswahl des Wettbewerb-Programms soll den November ohne Kino überbrücken und kommt jetzt zum Publikum nach Hause. Mit dem Kino „Filmforum“ und der VHS der Stadt Duisburg präsentiert die Filmwoche die Filme auf ihrer Online-Plattform, zu jedem finden sich dort auch Gespräche mit den Filmemacher*innen, Texte und Podcasts. Das Online-Angebot ist abends jeweils ab 20.15 Uhr bis Mitternacht verfügbar. Tickets kosten fünf Euro.

Das Exground Filmfest 2020 ist vorerst nur online „on demand“ zu sehen, berichtet die „Frankfurter Rundschau“. Die Filme sollten eigentlich am 13. November im Kino „Caligari“ in Wiesbaden gezeigt werden.

 

Gestern hätte der neue Bond anlaufen sollen, wäre sein Kinostart nicht wieder verschoben worden. Und streamen wollen die Produzenten ihn nicht. Warum eigentlich nicht, fragt der Kommentator in der „Zeit“? „Dieser Text vertritt nämlich die Ansicht, dass ein Streaming-Abend mit James Bond heute Abend auf der Couch genauso gut (gewesen) wäre wie ein Kinoabend mit Bond in einer irgendwann, hoffentlich bald, sich materialisierenden Post-Corona-Welt. Nicht besser, aber doch: genauso gut. Wenn ein Film gut ist, dann ist es ganz egal, wie und wo man ihn sieht. Auch wenn Kinobetreiber das verständlicherweise nicht so gerne hören.“

 

Der Dokumentarfilm lebt. Auch „cinearte“ macht zurzeit Pause für diese Brancheninfos. Darum schreibt Christoph Brandl seine Doku-Kolumne „Das wahre Leben“ solange wieder hier:

Oft war er bereits totgesagt. Es bestehe kein Interesse am Dokumentarischen, die Welt sei trübe genug, da brauche es nicht noch jemanden, der einem im Kino oder vor dem Bildschirm zuhause genau dies vorführe, das Elend der Welt. Doch so ist es eben mit Totgesagten. Vier Jahre politischen Gagaismus in den USA, in denen die Lüge die Regel war, das rapide Anwachsen krudester Verschwörungstheorien und das Lautschreien der Weltverschwurbeler auch in unserem Land, schon leben sie wieder auf, die Fakten sammelnden Dokumentarfilmer: „Dokumentarfilm ist ein Spiegel der Gesellschaft“, sagte Regisseur und Produzent Constantin Wulff, der zuletzt den Kinofilm Brot (Deutschland/Österreich 2020) produzierte. „Und in der Gesellschaft geht es gerade rund, nicht erst seit Corona, sondern schon eine geraume Zeit davor.“ Die Welt werde schlicht unübersichtlicher, widersprüchlicher, konfliktreicher, der Bedarf nach Orientierung, Analyse, Einordnung ist höher denn je. Daher rühre das Interesse an Erklärstücken.
Auch einer der Größten der deutschsprachigen TV- und Kinolandschaft, der Geschäftsführer der Ufa, Nico Hofmann, ist mit der Verfilmung zahlreicher zeitgeschichtlicher Stoffe bekannt geworden. Kürzlich sagte er dem Dokumentarfilm eine große Zukunft voraus. Neuste Produktionen von Streamingdiensten bewiesen sogar internationales Interesse für deutsche dokumentarische Themen. Und Themen gebe es genug, so Hofman. Aktuell ist er mit dem Wirecard-Krimi beschäftigt. „Fast wirkt es für mich wie eine Geschichte von Faust und Mephisto“, sagte Hofman. „Mich fasziniert dabei vor allem die Figur des flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstands Jan Marsalek. Und je intensiver ich mich mit dieser Figur beschäftige, desto mehr gewinne ich den Eindruck, sie könnte eine Erfindung sein.“ Die Figur passe sehr gut in die Zeit. „Marsalek ist ein Mensch mit vielen Gesichtern. Aus ihm spricht ein immenser Machtanspruch. Er hat sich in hohem Maße selbst inszeniert.“
Dokfilme sind seit mehr als 25 Jahren auch ein fester Bestandteil des 3sat-Programms. Und so begleitete der öffentlich-rechtliche Sender die diesjährige Duisburger Filmwoche mit einem reichhaltigen, online jederzeit abrufbaren Angebot. Auch im Fernsehen setzt 3sat dokumentarische Schwerpunkte, kommenden Dienstag etwa mit „Geschmack der Hoffnung – Taste of Hope“ (Deutschland/Österreich/Schweiz 2020) von Laura Coppens, einem Film, in dem es um die Schließung eines profitablen Teeverarbeitungs- und Verpackungswerks in Südfrankreich und den Widerstand der Werksangehörigen dagegen geht.

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