Mediatheken und Streams statt Kino … in der Woche vom 26. November 2020 – Teil 2.
In Krisenzeiten scheinen Diktaturen und Autokratien die bessere Wahl zu sein. Wo die pluralistische Demokratie noch verhandelt, abwägt und diskutiert, werden in Autokratien Fakten geschaffen – über Köpfe hinweg. Ein bisschen Gott spielen ist, dieser These folgend, allzu menschlich. Und wenn die Entscheidung über Leben und Tod ansteht? Dann zeigt sich erst recht, wie schwierig es der Pluralismus hat: Der 78-jährige Architekt Richard Gärtner (Matthias Habich) verlangt von seiner Hausärztin (Anna Maria Mühe), ihm ein todbringendes Präparat zu besorgen. Die Ärztin weigert sich. Der Fall landet vor dem Deutschen Ethikrat. Die Experten, darunter ein Bischof (Ulrich Matthes) und der Ärztekammerchef (Götz Schubert), wägen die Argumente gegeneinander ab. Die Entscheidung fällt im ARD-Spielfilm „Gott“ jedoch jemand anderes: der Zuschauer, der hier im autokratischen Sinne ein wenig Gott spielen darf. Das ist eine Volte, bekanntermaßen von Ferdinand von Schirach erstmals im Theaterstück „Terror“ (2015) genutzt, bei dessen Aufführung das Publikum entscheiden durfte, ob ein von Terroristen gekapertes Flugzeug mit unschuldigen Passagieren abgeschossen werden darf. Oder nicht. Dieses „Mitmachformat“ mit dem Titel „Gott“, wie es die Süddeutsche Zeitung nennt, rückte Kameramann Frank Griebe ins kammerspielartige Licht. Regisseur Lars Kraume inszenierte die Protagonisten, die fein kalkuliert mal Empathien, mal Antipathien bei den Zuschauern weckten. Die entschieden übrigens mit 70,8 Prozent der abgegebenen Stimmen, dass Herr Gärtner das Medikament bekommen soll. Gottlob wird Herr Gärtner noch allein entscheiden können, ob er es sich verabreicht. Oder nicht.
Wenigstens Weihnachten scheint gerettet. Zwischen den Jahren soll es eine kurze Lockerung im Lockdown geben. | Screenshot
Künstliche Dreckseen, Schwermetalle, Legionen Krebskranker: Auch jenseits Corona ist die Welt nicht in Ordnung: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 90.
„People like to say, ’What do you mean exactly?’ I would answer, ’I mean, but not exactly.’“ Jean-Luc Godard, 1996
Skepsis und kritische Prüfung sind wichtige Elemente von Machtkontrolle. Seit den 50er Jahren sind deutsche Bürger dazu erzogen worden; bereits in Schule. Und man darf hoffen, dass sich dies in der Corona-Krise nicht dadurch ändert, das auch diese Mittel – wie alle anderen – von Vollidioten missbraucht werden.
+++
Der fehlende Weitblick klingt natürlich gleich besser, wenn man ihn als „Fahren auf Sicht“ bezeichnet.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-11-26 09:09:362020-11-26 09:09:36Gedanken in der Pandemie 90: Die wenig grüne Seite der grünen Zukunft
Eine „Liebeserklärung ans Kino“ nennt es der Deutschlandfunk: Das Projekt Heimatkino porträtiert in Kurzfilmen die Kinoszene und die dazugehörigen Menschen. | Screenshot
Zum Redaktionsschluss berieten sich Bund und Länder noch, wie es in den nächsten Wochen sicher durch die Krise gehen soll. Erste Meldungen lassen vermuten: Es wird nicht lockerer. Das „Handelsblatt“ berichtet aktuell im Live-Ticker.
„Verbohrt und arrogant“ nennt die Kolumnistin in der „Zeit“ die deutsche Corona-Politik: „Während sich Bund und Länder streiten, Maskenverweigerer demonstrieren und Firmen pleitegehen, funktioniert das Leben in Ostasien fast wie zuvor. Wir sind selbst schuld.“
Für die Lage der Schauspieler*innen nahm sich das ZDF-Morgenmagazin am Freitag zehn Minuten Zeit und sprach mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (BKM) und mitHans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied im Bundesverband Schauspiel (BFFS). Der schilderte, dass auch die neuen Hilfen an seinen Kolleg*innen vorbeigehen, weil die befristet beschäftigt sind: „Wenn wir schon nicht spielen dürfen, dann müssen die Schauspieler und Schauspielerinnen wenigstens aufgefangen werden.“
Woran es hängt, erklärte die BKM. Es sei „juristisch und arbeitsrechtlich nicht ganz einfach, so ganz besondere Beschäftigungsformen, wie sie in der Kultur nun mal sind, auf ein sehr schematisches Muster in Deutschland anzuwenden.“ Bei den Solo-Selbständigen habe das nun geklappt, und auch zur Situation der Schauspieler*innen habe sie am Donnerstag „ein sehr positives Signal“ aus dem Bundeswirtschaftsministerium erhalten, dass Schauspieler*innen „wenigstens wie Solo-Selbständige behandelt“ werden. Weiterlesen
Frau mit Kopftuch, Regenbogenflagge und das Symbol der Black-Power-Bewegung: So stellt sich die Hamburger AfD das Thema „Diversität“ vor. | Screenshot
Kunst muss auch mal weh tun, der AfD tut sie hierzulande regelmäßig weh. Das behaupten nicht wir, sondern die AfD selbst. Deren Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft stört sich an den (nicht mehr ganz so neuen) Regeln, mit denen die dortige Filmförderung mehr Diversität im Film schaffen will. Hätte sie doch bloß mal ins Grundgesetz geschaut. Oder ihren Bundesvorstand gefragt.
Der Ruf nach mehr Diversität wird in der Filmbranche immer lauter, berichtet das Filmmagazin von „MDR Kultur“: Doch seit jüngster Vergangenheit tue sich etwas in Sachen Diversität. Ein Beispiel: Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat im Juni mit Wissenschaftler*innen und Expert*innen eine obligatorische „Diversity Checklist“ erstellt. Damit will sie ihre „Antragsteller*innen dazu anregen, Filmstoffe kritisch zu hinterfragen. Sie zielt dabei auf die verschiedenen Phasen der Filmherstellung ab, von der Entwicklung über die Produktion bis zur Auswertung.“
Mit etwas Verspätung hat die AfD in Hamburg die Neuerung aufgegriffen, findet sie aber gar nicht gut. Auf Facebook postete sie am 8. November: 14,8 Millionen Euro erhalte die Filmförderung im Jahr „an Steuergeld“ (gemeint ist das Gesamtbudget der FFHSH, das zu gut einem Drittel von NDR, ZDF und Rundfunkgebühr stammt), um „politische Korrektheit zu fördern. Man wird gezwungen, sich anzupassen, um Förderung zu beantragen“. Das sei „regierungsnahe Filmzensur“ und „Irrsinn“.
Der „Irrsinn“, den die AfD da anprangert, ist allerdings Grundgesetz, Artikel 3 – und der gilt nicht nur für Institutionen, die Steuergeld verteilen: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Das findet die AfD auch – vielleicht nicht in Hamburg, aber auf Bundesebene. Da erklärt die Partei ihre aktuelle Kampagne: „Das Grundgesetz ist die beste Verfassung, die wir Deutschen je hatten. […] Es schützt jeden Deutschen – Linke und Rechte, Soziale und Liberale, Große und Kleine – vor Willkür, Totalitarismus und Extremismus. Das Grundgesetz zu schützen, ist deshalb jedem Deutschen eine Pflicht. Doch wir müssen wachsam sein, denn es wird immer öfter bedroht.“ Und darum noch eine letzte Korrektur: Der Schutz vor Willkür und Extremismus gilt nicht nur für Deutsche. Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Zu einer „geheimen Massenhochzeit“ versammelten sich neulich 7.000 orthodoxe Juden in Brooklyn – angeblich ohne Maske. Das Ganze kam raus, weil ein Film der Feier im Internet kursiert. | Screenshot
Was sinkt, ist die Laune und die Unterstützung der Bürger: Ödipus im Lockdown, Tischlein-deck-dich und die Pappenheimer von der SPD: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 89.
Wär’ das nicht toll: Ein Raum in der Lockdown-Wohnung, der einfach alle Wünsche erfüllt: Das passiert den Hauptfiguren von Christian Volckmanns „The Room“, den jetzt Weltkino als VoD zeigt und auf DVD/BD herausbringt.
Es ist nicht klar, warum das so ist, es ist einfach so gesetzt: Das alte Märchenmotiv der unendlichen Wunscherfüllung, des Tischlein-deck-Dich ereignet sich, und das etwas schmuddelige Zimmer spuckt echte Van-Goghs genauso aus, wie Top-Champagner. Gerade zu Beginn der Geschichte ist diese Wunscherfüllung auch ein bisschen eine Bebilderung des gegenwärtigen Unbewussten in seiner vulgärsten Form: Sie trägt sündteure Unterwäsche direkt aus dem Lingerie-Fetisch-Clip, er trägt dazu dann das knallrote Livree eines Hotel-Pagen. Rollenspielchen, Pornofantasien. Dazu dann Dekadenz: Man schüttet sich Champagner übers Gesicht, wälzt sich auf Kaviar …
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-11-23 21:25:102020-11-23 21:25:10Gedanken in der Pandemie 89: Das Dunkel am Ende des Tunnels
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Tina Thielehttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgTina Thiele2020-11-21 11:58:062020-11-21 16:18:50TAGE DER AKADEMIE 2020 – LIVESTREAM – Verleihung der Auszeichnungen der Deutschen Akademie für Fernsehen 2020
Schau an: Corona hebt die Einschaltquote! Die Popkultur-Fansite „Fancom“ hat ihre Nutzer*innen gefragt.| Screenshot
Wer hätte es gedacht? In den Lockdowns und dazwischen wird mehr in die Röhre geguckt, und auch das Fernsehen wird immer beliebter. Die Pandemie erzwingt einen anderen Umgang mit Zeit – sofern man sich das leisten kann.
Morgen ist Weltfernsehtag. Da wollte der Kabelnetzbetreiber Vodafone doch mal wissen, welche Rolle das Medium in Corona-Zeiten noch spielt. Wenig überraschend: Mehr als 40 Prozent der 2.000 repräsentativ Befragten halten es für glaubwürdiger als dasInternet. Am beliebtesten seine die Nachrichten, gefolgt von Tierdokus und Talkshows – und da wollten sie vor allem Wissenschaftler und Virologen zuhören. Zuschauer*innen unter 30 Jahren schauten vor allem Comedy und Unterhaltung.
In der Pandemie wachsen nicht nur die Infektionszahlen, sondern auch die Nutzung von Unterhaltungsmedien. Die Popkultur-Fansite „Fancom“ hat nach eigenen Angaben mehr als 300 Millionen Besucher*innen im Monat. In ihrer „State-of-Fandom“-Studie untersucht sie alljährlich das Verhalten ihrer Nutzer*innen in Großbritannien und den USA. 91 Prozent jener, die hier neue Interessen entwickelt hätten, wollten diese auch nach der Pandemie beibehalten, so die Untersuchung. Vier Trends machte sie im Corona-Jahr aus: # Gut drei Viertel verbrachten mehr Zeit mit Fernsehen, Filmen und Games als 2019.
# Trost und Ablenkung: Mit dem Fortschreiten der Pandemie wandelten sich in den vergangenen acht Monaten auch die Vorlieben – von Seuchen-Geschichten zu Komödien und schließlich zur Flucht in Fantasy-Welten.
# Nostalgie und Gemeinschaftserleben: Gut zwei Drittel der Fans sahen sich alte Lieblingsfilme nochmal an (bei Eltern mit kleinen Kindern sogar drei Viertel). Gut die Hälfte sahen Filme und Fernsehen öfter gemeinsam mit anderen als früher.
# Gaming hat den Mainstream erreicht. Der Anteil von Spielern über 35 Jahre habe um die Hälfte, der weiblicher Fans sogar um 80 Prozent zugelegt.
Corona und die Grundrechte war auch Thema für die „Kulturzeit“ auf 3sat. | Screenshot
Souverän ist nicht Angela Merkel, sondern das Parlament: Die Regeln von Demokratie und Rechtsstaat: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 88.
„Es ist wirklich widerlich und ekelhaft, wenn der berechtigte Protest gegen Grundrechtseinschränkungen auf diese Art und Weise braun kontaminiert wird.“ Heribert Prantl, in: „Kulturzeit“, 3sat vom 19.11.2020
„Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit.“ Montaigne
Unsere „Corona“-Situation ist eine Situation der totalen Verunsicherung. Vieles ist nicht mehr verbindlich. Aber dies bedeutet ja auch eine Situation der totalen Freiheit. Warum können wir es nicht so ansehen?
+++
Der Ton wird weiter schärfer: Wir gegen die. Die gegen uns. Zwischentöne sind nicht vernehmbar. „Wir müssen aufpassen dass diese Corona Krise die schon so viele Tote gefordert hat, nicht zu einer schleichenden Demokratiekrise wird.“ Dies sagte Jan Korte, der parlamentarische Geschäftsführer der Linken am Mittwoch im Bundestag.
Aus Diskussion wird Dauer-Empörung. So wie das in den USA schon lange stattfindet. Es ist die grundsätzliche Emotionalisierung des politischen Diskurses, die hier anzugreifen ist.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-11-20 19:27:222020-11-20 19:27:22Gedanken in der Pandemie 88: „Darum geht’s doch gar nicht, dass ein böser Wille da ist.“
Kino in Zeiten von Corona 36 – 2
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„Gott“. | Foto © ARD/Degeto
Mediatheken und Streams statt Kino … in der Woche vom 26. November 2020 – Teil 2.
In Krisenzeiten scheinen Diktaturen und Autokratien die bessere Wahl zu sein. Wo die pluralistische Demokratie noch verhandelt, abwägt und diskutiert, werden in Autokratien Fakten geschaffen – über Köpfe hinweg. Ein bisschen Gott spielen ist, dieser These folgend, allzu menschlich. Und wenn die Entscheidung über Leben und Tod ansteht? Dann zeigt sich erst recht, wie schwierig es der Pluralismus hat: Der 78-jährige Architekt Richard Gärtner (Matthias Habich) verlangt von seiner Hausärztin (Anna Maria Mühe), ihm ein todbringendes Präparat zu besorgen. Die Ärztin weigert sich. Der Fall landet vor dem Deutschen Ethikrat. Die Experten, darunter ein Bischof (Ulrich Matthes) und der Ärztekammerchef (Götz Schubert), wägen die Argumente gegeneinander ab. Die Entscheidung fällt im ARD-Spielfilm „Gott“ jedoch jemand anderes: der Zuschauer, der hier im autokratischen Sinne ein wenig Gott spielen darf. Das ist eine Volte, bekanntermaßen von Ferdinand von Schirach erstmals im Theaterstück „Terror“ (2015) genutzt, bei dessen Aufführung das Publikum entscheiden durfte, ob ein von Terroristen gekapertes Flugzeug mit unschuldigen Passagieren abgeschossen werden darf. Oder nicht. Dieses „Mitmachformat“ mit dem Titel „Gott“, wie es die Süddeutsche Zeitung nennt, rückte Kameramann Frank Griebe ins kammerspielartige Licht. Regisseur Lars Kraume inszenierte die Protagonisten, die fein kalkuliert mal Empathien, mal Antipathien bei den Zuschauern weckten. Die entschieden übrigens mit 70,8 Prozent der abgegebenen Stimmen, dass Herr Gärtner das Medikament bekommen soll. Gottlob wird Herr Gärtner noch allein entscheiden können, ob er es sich verabreicht. Oder nicht.
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Gedanken in der Pandemie 90: Die wenig grüne Seite der grünen Zukunft
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeWenigstens Weihnachten scheint gerettet. Zwischen den Jahren soll es eine kurze Lockerung im Lockdown geben. | Screenshot
Künstliche Dreckseen, Schwermetalle, Legionen Krebskranker: Auch jenseits Corona ist die Welt nicht in Ordnung: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 90.
„People like to say, ’What do you mean exactly?’ I would answer, ’I mean, but not exactly.’“
Jean-Luc Godard, 1996
„Um etwas Sauberes herzustellen, muss man immer irgendetwas verschmutzen.“
Pierre Bihouix, Institut Momentum
Skepsis und kritische Prüfung sind wichtige Elemente von Machtkontrolle. Seit den 50er Jahren sind deutsche Bürger dazu erzogen worden; bereits in Schule. Und man darf hoffen, dass sich dies in der Corona-Krise nicht dadurch ändert, das auch diese Mittel – wie alle anderen – von Vollidioten missbraucht werden.
+++
Der fehlende Weitblick klingt natürlich gleich besser, wenn man ihn als „Fahren auf Sicht“ bezeichnet.
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Corona: Brancheninfo 93
out takes, Peter HartigEine „Liebeserklärung ans Kino“ nennt es der Deutschlandfunk: Das Projekt Heimatkino porträtiert in Kurzfilmen die Kinoszene und die dazugehörigen Menschen. | Screenshot
Zum Redaktionsschluss berieten sich Bund und Länder noch, wie es in den nächsten Wochen sicher durch die Krise gehen soll. Erste Meldungen lassen vermuten: Es wird nicht lockerer. Das „Handelsblatt“ berichtet aktuell im Live-Ticker.
„Verbohrt und arrogant“ nennt die Kolumnistin in der „Zeit“ die deutsche Corona-Politik: „Während sich Bund und Länder streiten, Maskenverweigerer demonstrieren und Firmen pleitegehen, funktioniert das Leben in Ostasien fast wie zuvor. Wir sind selbst schuld.“
Für die Lage der Schauspieler*innen nahm sich das ZDF-Morgenmagazin am Freitag zehn Minuten Zeit und sprach mit der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (BKM) und mit Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied im Bundesverband Schauspiel (BFFS). Der schilderte, dass auch die neuen Hilfen an seinen Kolleg*innen vorbeigehen, weil die befristet beschäftigt sind: „Wenn wir schon nicht spielen dürfen, dann müssen die Schauspieler und Schauspielerinnen wenigstens aufgefangen werden.“
Woran es hängt, erklärte die BKM. Es sei „juristisch und arbeitsrechtlich nicht ganz einfach, so ganz besondere Beschäftigungsformen, wie sie in der Kultur nun mal sind, auf ein sehr schematisches Muster in Deutschland anzuwenden.“ Bei den Solo-Selbständigen habe das nun geklappt, und auch zur Situation der Schauspieler*innen habe sie am Donnerstag „ein sehr positives Signal“ aus dem Bundeswirtschaftsministerium erhalten, dass Schauspieler*innen „wenigstens wie Solo-Selbständige behandelt“ werden. Weiterlesen
Corona: Brancheninfo 92
out takes, Peter HartigFrau mit Kopftuch, Regenbogenflagge und das Symbol der Black-Power-Bewegung: So stellt sich die Hamburger AfD das Thema „Diversität“ vor. | Screenshot
Kunst muss auch mal weh tun, der AfD tut sie hierzulande regelmäßig weh. Das behaupten nicht wir, sondern die AfD selbst. Deren Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft stört sich an den (nicht mehr ganz so neuen) Regeln, mit denen die dortige Filmförderung mehr Diversität im Film schaffen will. Hätte sie doch bloß mal ins Grundgesetz geschaut. Oder ihren Bundesvorstand gefragt.
Der Ruf nach mehr Diversität wird in der Filmbranche immer lauter, berichtet das Filmmagazin von „MDR Kultur“: Doch seit jüngster Vergangenheit tue sich etwas in Sachen Diversität. Ein Beispiel: Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat im Juni mit Wissenschaftler*innen und Expert*innen eine obligatorische „Diversity Checklist“ erstellt. Damit will sie ihre „Antragsteller*innen dazu anregen, Filmstoffe kritisch zu hinterfragen. Sie zielt dabei auf die verschiedenen Phasen der Filmherstellung ab, von der Entwicklung über die Produktion bis zur Auswertung.“
Mit etwas Verspätung hat die AfD in Hamburg die Neuerung aufgegriffen, findet sie aber gar nicht gut. Auf Facebook postete sie am 8. November: 14,8 Millionen Euro erhalte die Filmförderung im Jahr „an Steuergeld“ (gemeint ist das Gesamtbudget der FFHSH, das zu gut einem Drittel von NDR, ZDF und Rundfunkgebühr stammt), um „politische Korrektheit zu fördern. Man wird gezwungen, sich anzupassen, um Förderung zu beantragen“. Das sei „regierungsnahe Filmzensur“ und „Irrsinn“.
Der „Irrsinn“, den die AfD da anprangert, ist allerdings Grundgesetz, Artikel 3 – und der gilt nicht nur für Institutionen, die Steuergeld verteilen: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Das findet die AfD auch – vielleicht nicht in Hamburg, aber auf Bundesebene. Da erklärt die Partei ihre aktuelle Kampagne: „Das Grundgesetz ist die beste Verfassung, die wir Deutschen je hatten. […] Es schützt jeden Deutschen – Linke und Rechte, Soziale und Liberale, Große und Kleine – vor Willkür, Totalitarismus und Extremismus. Das Grundgesetz zu schützen, ist deshalb jedem Deutschen eine Pflicht. Doch wir müssen wachsam sein, denn es wird immer öfter bedroht.“
Und darum noch eine letzte Korrektur: Der Schutz vor Willkür und Extremismus gilt nicht nur für Deutsche. Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
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Gedanken in der Pandemie 89: Das Dunkel am Ende des Tunnels
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeZu einer „geheimen Massenhochzeit“ versammelten sich neulich 7.000 orthodoxe Juden in Brooklyn – angeblich ohne Maske. Das Ganze kam raus, weil ein Film der Feier im Internet kursiert. | Screenshot
Was sinkt, ist die Laune und die Unterstützung der Bürger: Ödipus im Lockdown, Tischlein-deck-dich und die Pappenheimer von der SPD: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 89.
Wär’ das nicht toll: Ein Raum in der Lockdown-Wohnung, der einfach alle Wünsche erfüllt: Das passiert den Hauptfiguren von Christian Volckmanns „The Room“, den jetzt Weltkino als VoD zeigt und auf DVD/BD herausbringt.
Es ist nicht klar, warum das so ist, es ist einfach so gesetzt: Das alte Märchenmotiv der unendlichen Wunscherfüllung, des Tischlein-deck-Dich ereignet sich, und das etwas schmuddelige Zimmer spuckt echte Van-Goghs genauso aus, wie Top-Champagner. Gerade zu Beginn der Geschichte ist diese Wunscherfüllung auch ein bisschen eine Bebilderung des gegenwärtigen Unbewussten in seiner vulgärsten Form: Sie trägt sündteure Unterwäsche direkt aus dem Lingerie-Fetisch-Clip, er trägt dazu dann das knallrote Livree eines Hotel-Pagen. Rollenspielchen, Pornofantasien. Dazu dann Dekadenz: Man schüttet sich Champagner übers Gesicht, wälzt sich auf Kaviar …
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TAGE DER AKADEMIE 2020 – LIVESTREAM – Verleihung der Auszeichnungen der Deutschen Akademie für Fernsehen 2020
out takes, Tina ThieleTAGE DER AKADEMIE 2020 – LIVESTREAM – Verleihung der Auszeichnungen der Deutschen Akademie für Fernsehen 2020
21.11.2020, ab 19.00 Uhr
Alle Nominierungen findet Ihr hier:
https://daff.tv/tage-der-akademie/nominierungen-2020/
Corona: Brancheninfo 91
out takes, Peter HartigSchau an: Corona hebt die Einschaltquote! Die Popkultur-Fansite „Fancom“ hat ihre Nutzer*innen gefragt.| Screenshot
Wer hätte es gedacht? In den Lockdowns und dazwischen wird mehr in die Röhre geguckt, und auch das Fernsehen wird immer beliebter. Die Pandemie erzwingt einen anderen Umgang mit Zeit – sofern man sich das leisten kann.
Morgen ist Weltfernsehtag. Da wollte der Kabelnetzbetreiber Vodafone doch mal wissen, welche Rolle das Medium in Corona-Zeiten noch spielt. Wenig überraschend: Mehr als 40 Prozent der 2.000 repräsentativ Befragten halten es für glaubwürdiger als das Internet. Am beliebtesten seine die Nachrichten, gefolgt von Tierdokus und Talkshows – und da wollten sie vor allem Wissenschaftler und Virologen zuhören. Zuschauer*innen unter 30 Jahren schauten vor allem Comedy und Unterhaltung.
In der Pandemie wachsen nicht nur die Infektionszahlen, sondern auch die Nutzung von Unterhaltungsmedien. Die Popkultur-Fansite „Fancom“ hat nach eigenen Angaben mehr als 300 Millionen Besucher*innen im Monat. In ihrer „State-of-Fandom“-Studie untersucht sie alljährlich das Verhalten ihrer Nutzer*innen in Großbritannien und den USA. 91 Prozent jener, die hier neue Interessen entwickelt hätten, wollten diese auch nach der Pandemie beibehalten, so die Untersuchung. Vier Trends machte sie im Corona-Jahr aus:
# Gut drei Viertel verbrachten mehr Zeit mit Fernsehen, Filmen und Games als 2019.
# Trost und Ablenkung: Mit dem Fortschreiten der Pandemie wandelten sich in den vergangenen acht Monaten auch die Vorlieben – von Seuchen-Geschichten zu Komödien und schließlich zur Flucht in Fantasy-Welten.
# Nostalgie und Gemeinschaftserleben: Gut zwei Drittel der Fans sahen sich alte Lieblingsfilme nochmal an (bei Eltern mit kleinen Kindern sogar drei Viertel). Gut die Hälfte sahen Filme und Fernsehen öfter gemeinsam mit anderen als früher.
# Gaming hat den Mainstream erreicht. Der Anteil von Spielern über 35 Jahre habe um die Hälfte, der weiblicher Fans sogar um 80 Prozent zugelegt.
Weiterlesen
Gedanken in der Pandemie 88: „Darum geht’s doch gar nicht, dass ein böser Wille da ist.“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeCorona und die Grundrechte war auch Thema für die „Kulturzeit“ auf 3sat. | Screenshot
Souverän ist nicht Angela Merkel, sondern das Parlament: Die Regeln von Demokratie und Rechtsstaat: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 88.
„Es ist wirklich widerlich und ekelhaft, wenn der berechtigte Protest gegen Grundrechtseinschränkungen auf diese Art und Weise braun kontaminiert wird.“
Heribert Prantl, in: „Kulturzeit“, 3sat vom 19.11.2020
„Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit.“
Montaigne
Unsere „Corona“-Situation ist eine Situation der totalen Verunsicherung. Vieles ist nicht mehr verbindlich. Aber dies bedeutet ja auch eine Situation der totalen Freiheit. Warum können wir es nicht so ansehen?
+++
Der Ton wird weiter schärfer: Wir gegen die. Die gegen uns. Zwischentöne sind nicht vernehmbar. „Wir müssen aufpassen dass diese Corona Krise die schon so viele Tote gefordert hat, nicht zu einer schleichenden Demokratiekrise wird.“ Dies sagte Jan Korte, der parlamentarische Geschäftsführer der Linken am Mittwoch im Bundestag.
Aus Diskussion wird Dauer-Empörung. So wie das in den USA schon lange stattfindet. Es ist die grundsätzliche Emotionalisierung des politischen Diskurses, die hier anzugreifen ist.
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