Frau mit Kopftuch, Regenbogenflagge und das Symbol der Black-Power-Bewegung: So stellt sich die Hamburger AfD das Thema „Diversität“ vor. | Screenshot

Kunst muss auch mal weh tun, der AfD tut sie hierzulande regelmäßig weh. Das behaupten nicht wir, sondern die AfD selbst. Deren Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft stört sich an den (nicht mehr ganz so neuen) Regeln, mit denen die dortige Filmförderung mehr Diversität im Film schaffen will. Hätte sie doch bloß mal ins Grundgesetz geschaut. Oder ihren Bundesvorstand gefragt. 

Der Ruf nach mehr Diversität wird in der Filmbranche immer lauter, berichtet das Filmmagazin von „MDR Kultur“: Doch seit jüngster Vergangenheit tue sich etwas in Sachen Diversität. Ein Beispiel: Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat im Juni mit Wissenschaftler*innen und Expert*innen eine obligatorische „Diversity Checklist“ erstellt. Damit will sie ihre „Antragsteller*innen dazu anregen, Filmstoffe kritisch zu hinterfragen. Sie zielt dabei auf die verschiedenen Phasen der Filmherstellung ab, von der Entwicklung über die Produktion bis zur Auswertung.“
Mit etwas Verspätung hat die AfD in Hamburg die Neuerung aufgegriffen, findet sie aber gar nicht gut. Auf Facebook postete sie am 8. November: 14,8 Millionen Euro erhalte die Filmförderung im Jahr „an Steuergeld“ (gemeint ist das Gesamtbudget der FFHSH, das zu gut einem Drittel von NDR, ZDF und Rundfunkgebühr stammt), um „politische Korrektheit zu fördern. Man wird gezwungen, sich anzupassen, um Förderung zu beantragen“. Das sei „regierungsnahe Filmzensur“ und „Irrsinn“.
Der „Irrsinn“, den die AfD da anprangert, ist allerdings Grundgesetz, Artikel 3 – und der gilt nicht nur für Institutionen, die Steuergeld verteilen: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Das findet die AfD auch – vielleicht nicht in Hamburg, aber auf Bundesebene. Da erklärt die Partei ihre aktuelle Kampagne: „Das Grundgesetz ist die beste Verfassung, die wir Deutschen je hatten. […] Es schützt jeden Deutschen – Linke und Rechte, Soziale und Liberale, Große und Kleine – vor Willkür, Totalitarismus und Extremismus. Das Grundgesetz zu schützen, ist deshalb jedem Deutschen eine Pflicht. Doch wir müssen wachsam sein, denn es wird immer öfter bedroht.“
Und darum noch eine letzte Korrektur: Der Schutz vor Willkür und Extremismus gilt nicht nur für Deutsche. Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Mehr Gendergerechtigkeit und Vielfalt in der Filmbranche – europaweit: Pro Quote Film stellt mit der Podcast-Serie „Women’s Best for Europe“ die aktuell aufregendsten filmpolitischen Projekte vor, die zu einer besseren Filmwelt vor und hinter der Kamera verhelfen könnten. Expertinnen aus vielen europäischen Ländern sprechen mit deutschen Filmfrauen über ihre Initiativen. Moderiert wird die Serie von der Schauspielerin Jasmin Tabatabai, sowie Chun Mei Tan, Schauspielerin und Agentin von Goldbaum Management und der Pro-Quote-Film-Vorstandsfrau Barbara Rohm. Auf Spotify und auf Soundcloud.

 

Kino oder Stream? Für echte Cineasten ist das keine Frage. Warner Brothers wagt nun den Praxistest: An Heiligabend soll „Wonder Woman 1984“ parallel auf dem eigenen Streamingdienst HBO-Max starten – und zeitgleich in den Lichtspielhäusern, wo sie denn wieder geöffnet haben. Als „Corona-Präzedenzfall“ bezeichnet es die „Süddeutsche Zeitung“ oder gar als „eine Zeitenwende“. Die Zeitenwende versieht sie allerdings mit einem Fragezeichen, weil „das einmalige große Spektakel, auf dessen Sequel man zwei Jahre warten muss, bis auf Weiteres eine Domäne des Kinos bleibt. […] Am Ende könnte sich die Pandemie, die Katastrophenszenarien aller Art heraufbeschwört, sogar noch als eine Art Zukunft-Impfstoff für die Filmtheater erweisen: Wer danach wieder um den ganzen Häuserblock Schlange steht, für neue spektakuläre Bilder, tut das, weil er es eben will. Und nicht mehr, wie man immer dachte, weil er muss.“

Angst vor Pleiten und kaum Perspektiven: Die Pandemie hat die US-Filmbranche erschüttert, berichtet die „Tagesschau“:  Kinos leiden unter Auflagen, Filme werden verschoben, das Virus erschwert Dreharbeiten. Immer wieder kommt es zu Infektionen. Kinobetreiber hoffen auf Milliardenhilfen – sonst sehen sie keine Zukunft für sich. Nicht nur der Regisseur Dimitri Logothetis sieht das drohende Kinosterben mit Sorge: „Man ist überrascht, wie wenig Menschen auf der Welt dann doch keinen Zugang zu Downloads und Streaming haben – diese Leute gehen ins Kino.“

Ist der erneute Lockdown der Todesstoß für unsere Kinos? Die Deutsche Presse-Agentur sammelt Stimmen, die trotzdem hoffen. Etwa die von Wim Wenders, der sich eine Zukunft ohne Kinos und das gemeinschaftliche Erlebnis nicht vorstellen kann: „Sollte sich ‚das Kino‘ als Institution nicht halten können, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann wieder erfunden.“ Auch das britische Fernsehen verbreitet Gelassenheit: „Die BBC stellte sich ebenfalls bereits zu Beginn der Pandemie die Frage, welchen Einfluss die Spanische Grippe, die Weltkriege, die Verbreitung des Fernsehens und der Videokassetten auf die Kinobranche hatten. Immer wieder hätten Menschen das Ende der Kinos vorhergesagt. Die Geschichte aber deute darauf hin, ,dass sich das Kino anpassen’  werde.“

 

Netflix feiert das Kino mit einem besonderen Film: David Fincher schildert in „Mank“ die Entstehung des „besten Films der Welt“. Das Drehbuch hatte sein Vater geschrieben, 30 Jahre wartete es auf eine Verfilmung.  „Netflix produzierte die virtuose Tour de Force nicht ohne Hintergedanken“, erklärt die Schweizer Zeitung „Der Bund“. 

Kaum ein Fernsehformat ist bei jungen Menschen so beliebt wie Sitcoms. Dabei strotzen viele vor Sexismus und Rassismus, beschreibt die „Taz“ mit einer Liste von Beispielen, und „die sich ließe sich ohne Weiteres fortsetzen. Zwar gibt es bedeutende Unterschiede – manch populäre Sitcom, wie ,Scrubs’ oder ,Malcolm mittendrin’ sind weniger schlecht gealtert. Letztlich lassen sich aber in allen Haltungen, Figuren oder zumindest einzelne Gags finden, die heute für Entrüstung sorgen könnten.“ Nur eine Ausnahme macht die Zeitung aus … und die sei eine ziemliche Überraschung.

 

Alles nur geklaut? Die Arte-Dokumentation „Leni Riefenstahl – Das Ende eines Mythos“ stoße eine wichtige Diskussion an, so „Der Tagesspiegel“. Denn sie führe zweierlei vor Augen: „Leni Riefenstahl war weder – so ihre eigene Legendenbildung – unpolitisch. Noch war sie jene Ausnahmekünstlerin, zu der sie Nachrufe nach ihrem Tod im Jahr 2003 stilisierten.“

Der „Tatort“ ist 50. Zum Jubiläum holte „Walt Disneys Lustiges Taschenbuch“ der Deutschen liebste Krimi-Reihe nach Entenhausen, die bekannten Ermittler tragen nun Knubbelnasen. Für die „Süddeutsche Zeitung“ ist es „das gelungenste Crossover in der Popkultur seit der Playmobilwerdung des Martin Luther“.

Die baden-württembergische Landesregierung will mit einem Video jüngere Leute zum konstruktiven Umgang mit der Krise ermutigen. Aber der Ein-Minüter, von Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg gedreht, bewirke „ein hässliches Missverständnis“, berichten die „Stuttgarter Nachrichten“: „Dass der Film als generelle Aufforderung verstanden werden könnte, Kunst endlich sein zu lassen, fiel im Staatsministerium niemandem auf.“

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