Hybridkinder, Hybridbürger: Die Tochter als Einfallstor, der Sohn als offene Flanke: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 86.

„,Und nun rate ich Ihnen‘, fügte [der Wächter] hinzu, ,in Ihr Zimmer zu gehen, sich ruhig zu verhalten und darauf zu warten, was über Sie verfügt werden wird. Wir raten Ihnen, zerstreuen Sie sich nicht durch nutzlose Gedanken, sondern sammeln Sie sich, es werden große Anforderungen an Sie gestellt werden. Sie haben uns nicht so behandelt, wie es unser Entgegenkommen verdient hätte‘“.
Franz Kafka, „Der Prozess“

„Es gibt Dinge, die an nichts anderem als an sich selbst scheitern.“
Franz Kafka, „Das Schloss“

 

Warum finden sich die Beschlussvorlagen von Merkels „Abnickrunde“ (Dietmar Bartsch) jedes Mal vor der Sitzung in den Medien, aber nie im Parlament?

Es wird leider täglich absurder. Aber jedem Anzeichen irgendeiner Erkältung also auch bei einem leichten Herbst Schnupfen soll man sich in häusliche Quarantäne begeben. Kontakte sollen noch weiter eingeschränkt werden. Kinder sollen ihre Freunde nicht mehr sehen dürfen. Alles Verhalten wird moralisiert. Aber die Technik, über die wir verfügen, wird immer noch nicht eingesetzt. Wo bleiben die Neuerungen bei der Corona App?

Woche zu Woche für Woche wird der „Lockdown Light“ immer mehr zum „Lockdown Blei“. Von der „ruhigen Hand“ der Kanzlerin ist nichts zu merken. 

Dass sehr viele Bürger immer schon wussten, dass der Lockdown länger als den November dauern würde, ist kein gutes Zeichen: Denn man traut der Regierung nicht mehr. Man weiß, dass die Regierung nicht die volle Wahrheit sagt. Dass sie zuerst beschwichtigt, um dann langsam die Schrauben anzuziehen. Ich glaube, dass diese Taktik zu kommunizieren, falsch und kontraproduktiv ist.

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Wenn man wirklich etwas gegen die „Querdenker“ (muss man sie echt so nennen?) tun will, dann muss der Protest und die Kritik an den Maßnahmen ins demokratische Lager gelenkt werden. Denn diese Kritik wird man nicht los. Schon gar nicht, indem man sie diffamiert.

Die demokratische Opposition muss die Arbeit der Kritik der Regierenden übernehmen und zwar vernehmbar, genauso wie die Querdenker das tun. Bisher steht da die FDP allein auf weiter Flur, die Linken versagen und erst recht  die Grünen.

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Dass der Sommer nicht genutzt wurde, um Maßnahmen dafür zu entwickeln, wie man mit einer absehbaren Belastung umgehen könnte, das wissen wir jetzt alle. Man muss es nicht verschweigen, aber auch nicht dauernd wiederholen. Das hätte uns auch passieren können. 

Aber wie gehen wir jetzt mit dieser Lage, die wir nun mal haben, um?

Wie lautet die Strategie? Das setzt heute morgen Dieter Bartsch an, nicht sehr originell, nicht sehr zwingend, so recht er auch mit seiner Kritik hat und der Feststellung: „Es ist Vertrauen verspielt worden“.

Es ist aber alles was jetzt beschlossen wird, nicht eine Frage das Infektionsschutz ist. Es ist eine Frage der Prioritäten. Uns interessiert der Infektionsschutz in der S-Bahn überhaupt nicht. Der in einer Kneipe auf Abstand sehr wohl. Warum? Weil die S-Bahn die Leute zur Arbeit bringt, die Kneipe nicht. Und darum müssen auch die Schulen offen bleiben.

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Man weiß echt nicht mehr, wo man gerade anfangen soll. Vielleicht damit: Die ganze letzte Woche geisterte eine Zahl durch die Medien: 300.000 Schüler seien in Quarantäne. Und 30.000 Lehrer. So viel wäre das nicht. 300.000 sind gerade knapp 3 Prozent aller Schüler – Quarantäne ist ja nicht dasselbe wie Kontakt oder gar Infektion. Das Interessanteste daran ist das Verhältnis der in Quarantäne befindlichen Lehrer. 30.000 bedeutet auf 10 Schüler ein Lehrer. Das kommt mir viel vor.

Aber darüber muss man gar nicht lange nachdenken. Denn inzwischen hat sich herausgestellt dass diese Zahl einfach falsch war, und eklatant zu hoch gerechnet wurde. Die tatsächlichen Zahlen liegen nur bei gut der Hälfte, nämlich 180.000, also etwa 1,8 Prozent. Und die der Lehrer liegt noch nicht mal halb so hoch, sondern nur bei 13.000. 

Da die falschen Zahlen von einer Lobbygruppe stammen, nämlich den ängstlichen Lehrern der GEW, der auch ansonsten für bildungspolitische Feigheit bekannten „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“, ist eine bewusste Irreführung und Dramatisierung der Fakten gut möglich. 

Eine Schätzung – nicht gelassen und faktenorientiert, sondern dramatisierend und faktenverfälschend. 

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Oder damit? „Doktor“ Franziska Giffey wäre gerne die Oberkümmerin der SPD, aber mehr und mehr wird sie zum Sorgenkind. Egal was sie tut, Noch-Doktor und Noch-Familienministerin Giffey sackt immer tiefer aus der Affaire um ihre offenbar in großen Teilen kopierte Doktorarbeit. 

Über das Ausmaß der Unredlichkeit, die Menge der Seiten, die zu 50 Prozent oder zu 75 Prozent aus Plagiatstext bestehen, kann sich jeder hier auf der Seite Vroniplag, die einst auch Karl Theodor zu Guttenberg entlarvte, selbst ein Bild machen. 

Wie möchte Frau Giffey je über Urheberrecht sprechen? Aber davon abgesehen: Sie hätte eine einzige Chance gehabt, um aus der Affaire herauszukommen: Offenheit und Klarheit von Beginn an, kein Drumherumreden, keine Ausreden, sondern Geständnis, Rückgabe des Doktortitels, Buße, Rücktritt und dann nach Karenzzeit hätte sie in die Politik zurückkehren können. Jeder hätte gesagt: Toll, die macht das ja zehnmal besser und ehrlicher als Gutti und Schavan. 

Stattdessen Salamitaktik. Giffey macht immer nur das, was unbedingt nötig ist und das meistens eine Idee zu spät. Man kennt das: Die erste erste Salami-Scheibe, die heruntergeschnitten ist, ist immer ziemlich ölig, weil das Öl nach unten sackt. 

Jetzt sagt sie, sie will auf das Führen ihres Doktortitels verzichten. Was soll das? Verzicht ist keine Rückgabe. Noch nicht mal das macht sie! Und Plagiat bleibt sowieso Plagiat. 

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Was lernen wir daraus? Zum einen die Frage: Wer weiß, wie viele Leute mit unsauberem Doktortitel da noch herumlaufen?

Kann man sagen: Wir leben in einer Gesellschaft der Hochstapler, Blender und Heuchler. Oder ist das überreagiert? In jedem Fall ist der Ministerin einer ehemaligen Arbeiterpartei, die ihren Aufstieg in einem „Problembezirk“ begann, ein unehrlich erworbender Fake-Doktor wichtiger, als ein ehrlicher Verzicht darauf. Oder als ein am späten Abend ohne Prädikat, auf den sie wirklich stolz sei könnte. Aber womöglich hat sie den Unterschied vergessen?

Mitleid mit Giffey hat nur die „Süddeutsche“: „Diese Doktorarbeit hat der Politikerin Giffey schon einiges abverlangt. Sie hat sich wegen der ersten Prüfung nicht um den Parteivorsitz der Bundes-SPD beworben. Sie hat ihr Ministeramt zur Disposition gestellt. Zur Regierenden Bürgermeisterin hätte sie das Zeug, doch eigentlich darf sie ihre Kandidatur der Berliner SPD nicht zumuten. Das Ganze hat etwas Tragisches.“

Naja … Sollen wir jetzt Ohhhh sagen?

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Der Freistaat Sachsen entwickelt sich offenbar gerade zum Ersatz-Ballermann. Nicht allein, dass man dort vor zehn Tagen die tolle Corona-Nazi-Party auf dem Leipziger Augustus-Platz veranstaltet hat. Jetzt zeigt sich auch die CDU-Sachsen in Feierlaune: Bei einem Fünf-Haushaltetreffen mit Bier und ohne Abstand trafen sich unter anderem Ministerpräsident Michael Kretschmer mit den CDU-Vorsitzkandidatenbuddys Norbert Röttgen und Friedrich Merz, wahrscheinlich um zusammen über die zukünftige Polizei-Strategie in Sachsen zu sprechen. Einzig Armin Laschet war nur virtuell zugegen (wenn die drei anderen sich Merkel-Witze erzählen wollten, haben haben sie dann kurz das LAN-Kabel gezogen) – und weil man doof genug war, auch noch ein Photo von alldem ins Netz zu stellen (was alle drei eigentlich CDU-vorsitzuntauglich macht, und zwar aus Blödheit), müssen sie jetzt in Quarantäne. 

Ich kann die CDUler ja im Prinzip gut verstehen: Sie können dem Lockdown genauso viel abgewinnen, wie ich. Wäre halt nur schön, wenn sie das auch mal öffentlich sagen würden. 

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Wenn man den Lockdown nicht mehr aushält, und mal wieder abends ausgehen will, im Restaurant oder einer Bar sitzen, dann könnte man nach San Marino fahren. In der kleinen Republik bei Rimini mit ihren gut 32.000 Einwohnern sind die Zahlen noch immer recht niedrig, und die Lokale mit gewissen Abstandsregeln offen. So haben die Italiener der Umgebung hier ein abendliches Ausflugsziel.

Anders in Italien selbst. Die DLF-Sendung „Gesichter Europas“ widmete sich am Samstag dem deutschen Sehnsuchtsland im Zeichen von Corona, und hier wieder besonders dem Süden, das sich während der Pandemie vom Norden emanzipiert und ein eigenes Selbstbewusstsein tankt. Aufschlussreich sind dort die verschiedenen Anmerkungen zu Nord-Süd Verhältnissen und zu der Frage wer im Land eigentlich was erwirtschaftet? Die Beiträge der Sendung zeigen auch, dass die Debatten, die wir in Deutschland gerade führen darüber, was im Sommer alles versäumt wurde, nicht singulär sind, sondern sich auf ihre jeweilige eigene Art in allen Ländern wiederholen.

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Wieder anders sind die Zustände in Frankreich. Der im Elsaß arbeitende Intensivmediziner Christopher Schlier berichtet ebenfalls im DLF über das französische Gesundheitssystem, das offenbar keineswegs so schlecht da steht, wie es in manchen deutschen Medien oft dargestellt wird: „Wir merken eine Abflachung der Kurve. Nun kann ich Ihnen nicht sagen, ob es an dem Lockdown liegt oder einfach daran, dass die Kurve abflacht, so wie sie ja nun in ganz Europa momentan abflacht. Sicherlich hat der Lockdown eine Regelungsfunktion dabei erfüllt.“

Aktuell werde die Lage beherrscht, und sei beherrschbar: Alle 30 Intensiv-Betten seien zwar belegt, aber zwölf durch Corona-Patienten.“ Er habe auch keine Sorge, dass die Krankenhäuser die Zahl der Covid-Patienten in den kommenden Tagen nicht mehr beherrschen könnten. 

Eine interessante Beobachtung ist, dass offenbar die zweite Corona-Welle genau dort stärker sei, wo die erste Welle relativ schwach war, und umgekehrt.

Wo er mit jüngeren Patienten zu tun hat, aber auch bei den älteren, handelt es sich ausnahmslos um Patienten mit Vorerkrankungen bzw. „Begleiterkrankungen: Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, also keine schwerwiegenden Vorerkrankungen, aber eben Vorerkrankungen unserer Gesellschaft.

Dort wo eine Belastung des Gesundheitssystems auftrete, habe das seine Gründe vor allem in Rationalisierung und einem Abbau des Gesundheitswesens. Schlier: „Ich habe dazu keinerlei Zahlen, aber ich bin persönlich sicher: Das, was der Staat in den letzten 20 Jahren eingespart hat, hat er dreimal mehr jetzt wieder ausgegeben, um diese Krise, die immer noch nicht beherrscht wird, zu beherrschen.“

In die nähere Zukunft blickt Schlier mit bangen Gefühlen: „Ich bin sehr deprimiert, weil ich jetzt ein zweites Mal erlebe, dass ich nicht mehr frei leben kann, dass ich mich nicht mehr frei bewegen kann, dass ich in meinem 60-Quadratmeter-Apartment sitzen muss und nichts anderes machen kann als am Computer spielen, weil die Ausgangssperre hier in Frankreich viel strenger überwacht wird als in Deutschland. Ich bin sehr pessimistisch, was die zukünftige Lage betrifft, weil ich nicht glaube, dass es mit dieser zweiten Welle beendet ist, sondern wir werden nach Weihnachten eine dritte Welle bekommen und nach Ostern eine vierte, fünfte Welle erleben, weil einfach der Drang, sich sehen zu wollen, sehr groß ist und größer als der Wille, andere zu schützen.“

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Einen noch viel härteren Lockdown gibt es jetzt auch in Österreich. Ab Dienstag werden Schulen und wird der Handel geschlossen – das macht die kleinen Läden kaputt, und nutzt den großen Konzern und der Digitalwirtschaft. Zugegeben: Da sind die Zahlen auch viel schlechter, als in Deutschland. Manche Medizinstatistiker haben letzte Woche ausgerechnet, dass ab diesem Mittwoch nicht mehr alle, die es nötig haben, noch behandelt werden können. Ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen, aber die Lage ist schlimm genug. Nur: Helfen diese Maßnahmen dagegen? 

Die Meinungen sind geteilt. 

Am Freitag, kurz vor offizieller Bekanntgabe der Maßnahmen, interviewte „Zeit im Bild“ auf ORF 2 die Bildungs-Psychologin Christiane Spiel, die übrigens auch einen Doktor in Geschichte gemacht hat. Sie ist gegen mögliche Schulschließungen und Heimunterricht. Spiel betont dagegen das gerade bei Kindern und Jugendlichen ausgeprägte Bedürfnis nach Autonomie und das gleichzeitige „Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit“. Beide Bedürfnisse seien im Lockdown betroffen. „Das über eine lange Zeit auszuhalten, ist ganz ganz schwierig. Und dazu kommt, dass es ganz viele Kinder gibt, die die technische Ausstattung für Home-Schooling nicht zu Hause haben.“

Hier kann man ein Buch von Spiel kostenlos herunterladen, in dem sie ihre bildungspolitischen Vorstellungen zusammenfasst. 

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Die ZIB-Moderatorin benutzt in einer ihrer Fragen den Ausdruck „Ablativus absolutus“. Das verrät nicht nur, dass sie offenbar Latein hatte, sondern es löst in mir auch ein Wohlgefühl, die Erinnerung an eine bessere Zeit aus, in der öffentlich-rechtliches Fernsehen noch Niveau hatte, sich nicht mit „dem Volk“ in „einfacher Sprache“ gemein machte, und die Frage, ob es wohl denkbar wäre, dass irgendeine deutsche Nachrichtenmoderatorin, Marietta Slomka oder Pinar Atalay oder Jens Riewa „Ablativus absolutus“ sagen könnten?

Tu Felix Austria hast zwar schlechtere Zahlen, aber höheres Fernseh-Niveau. 

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Die Schulen sind mehr mehr wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. 

Unbestritten ist: Kinder haben Recht auf Bildung. Nicht nur Lehrer ein Recht auf Schutz. Die Lehrer aber haben in viel zu hoher Zahl Angst. 

Aber auch wenn manche Eltern den Mund aufmachen, wird mir angst und bange: Die eigenen Kinder werden nur noch als Bedrohung gesehen, Bedrohung der Großeltern, der Nachbar, der Eltern selbst: Die Tochter als Einfallstor, der Sohn als offene Flanke.

Schon seit Jahren sollen jetzt alle flexibilisiert werden, nun auch die Kinder. Aus ihnen werden in der Pandemie Hybridkinder, so wie aus den Eltern Hybridbürger. 

Wenn wir in zwei Wochen Turnhallen und leerstehende Flughäfen als Flüchtlingslager herrichten können, warum können wir dann nicht diese Orte auch dafür herrichten, Unterricht auf Abstand zu gewährleisten, falls das nötig sein sollte?

Auch hier, gerade hier gilt: Die Behörden machen alles unnötig kompliziert. Die Schule, die Lehrer, die Schuldirektoren – sie sorgen vor allem dafür, dass die Dinge nicht rund laufen. Einerseits und andererseits gibt es dann auch ganz tolle Schuldirektoren, wie man sie ebenfalls ziemlich oft im Deutschlandfunk hören und kennenlernen kann.

Kinder werden nicht mehr unterrichtet, sondern sie werden beschult.

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Die Kommentierungen des Deutschlandfunk nehmen in weiten Teilen gerade in den letzten drei, vier Wochen erkennbar Partei für den Lockdown. Hier hören wir vor allem Dinge, die für Abschotten, Abriegeln und Runterfahren sprechen, Argumente, die für das Regierungshandeln eintreten, wir hören auch Argumente der kalkulierten Sicherheit, der Vorsicht, der Angst, aber keine Argumente der Freiheit, des Mutes, gar des kalkulierten Risikos. Im Bereich der Schule sind dies dann vor allem Fakten und Interpretationen, die für das Runterfahren der Schulen, für „Hybrid-Unterricht“ oder komplette Schulschließungen sprechen. Immer wieder stellt da irgendwer die Frage, ob der Schulunterricht „noch“ zu verantworten ist, ob die Anwesenheit der Schüler „noch“ zu verantworten ist, nie aber gibt es umgekehrt die Frage, ob denn das Homeoffice noch zu verantworten ist, ob es noch zu verantworten ist, dass Eltern däumchendrehend zu Hause sitzen müssen, um zu kontrollieren, dass die lieben Kinder dem Unterricht folgen. 

Und sehr sehr selten kommt die Frage, ob all das in seinen ökonomischen Folgen noch zu verantworten ist. „Noch“. Das wird sich bald ändern. Und dann wird leider der öffentlich-rechtliche Rundfunk einer der ersten sein, die von den Sparmaßnahmen im Gefolge der Corona-Krise betroffen sein werden. Aber das ist in die Chefetagen der Sender scheinbar noch nicht vorgedrungen. Oder es ist denen egal, denn man selber ist dann in Rente. 

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Lasub – ein schönes Wort. Lasst es euch mal kurz auf der Zunge zergehen! So. Und jetzt: Was heißt Lasub? „Landesamt für Schule und Bildung“. Im Freistaat Sachen jedenfalls. In Bayern fehlt die Bildung,  also natürlich nur im Namen, und darum heißt es Las. 

Tauchen wir mal kurz ein in den Bildungs-Dschungel der föderalen Republik Deutschland, in das, was die Moderatorin der Bildung-Sendung im Deutschlandfunk, die ich neulich damit etwas keck zitiert habe „Flickenteppich“ nennt: Für die Bundesländer, die keine Freistaaten sind, jedenfalls die westdeutschen, genügt meistens ein einziges Amt nicht allein, sondern sie haben mehrere. Sehr oft heißen die dann irgendwie Orwell-haft „Institut für Qualitätsentwicklung“ wie in Meck-Pomm oder „Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung“ wie in Niedersachsen, oder wie in NRW, wo es die „Qualitäts und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule“ gibt und auch noch die „Qualitätsanalyse in NRW“ – offenbar soll es wenigstens im Namen viel Qualität geben. 

In Rheinland-Pfalz hat man ein „Pädagogisches Landesinstitut“ und ein „Institut für Lehrerfort- und weiterbildung“, im Saarland auch, und dazu noch ein „Landesinstitut für Pädagogik und Medien“.

In Hessen heißt das Ganze kompakter und Oldschool-mäßiger „Hessische Lehrkräfteakademie“, in Hamburg dafür umso moderner „Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung“, die übergeordnete Behörde hat dazu den schönen Namen BSB, das steht für „Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg“ .

In Berlin und Brandenburg ist beides interessanterweise ähnlich wie die Filmförderung, wie das Medienboard zusammengeführt zwischen den beiden Bundesländern, die eines fernen Tages dann natürlich doch fusioniert werden. Vielleicht machen das dann die Chinesen. Dort – in Berlin/Brandenburg, nicht in China – gibt es einerseits das Lisum, das ist das „Landesinstitut für Schule und Medien“ – wieso jetzt eigentlich Medien? Wegen dem Medienboard? Egal. Und es gibt das Isq-bb, das steht für „Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg“ und ist nun wirklich meine Liebingsabkürzung, zusammen mit dem Lasub. 

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Bis vor zehn Jahren riefen alle noch: Der Lehrerberuf hat keine Zukunft! Macht nach dem Studium bloß was anderes!! In den letzten Jahren, und erst recht 2020 im Zusammenhang mit dem Lockdown, hieß es dann plötzlich: Wir brauchen dringend Lehrer! Wir freuen uns auf Seiteneinsteiger!! Alle Bodybuilder, Kellner und Kosmetiker, die jetzt ohne Arbeit sind, und keinen Bock haben, als Aushilfspfleger in die Corona-Station der örtlichen Klinik zu gehen, sind in den Schulen herzlich willkommen. Für die Kinder langt’s noch. 

Alle möglichen Versprechen wurden darum gemacht: Festanstellung; Verbeamtung, wenn man unter 42 ist; kurze Wege auch in der Bürokratie. Es muss eine einzige Sommerfreude sein, als Lehrer zu arbeiten! Aber jetzt macht dieses schöne Lasub es in Seiteneinsteigern wieder schwer. Auch darüber berichtete Campus und Karriere im Deutschlandfunk. 

Es ist, wenn man es einmal genau betrachtet, auch hier einfach nur ein absolutes Desaster. Es genügt, sich diesen einen, in sich durchaus differenzierten Beitrag anzuhören, damit sich der Eindruck einstellt: Es läuft einfach nichts wirklich rund; es geht einfach alles schief, was schiefgehen kann; und es wird auf den Menschen ausgetragen. 

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Die Masken-Pflicht in den Schulen ist nicht etwa „durch die Zahlen geboten“, wie am heutige Montag behauptet wird. Sondern sie ist dadurch geboten, dass die Regierung die Eltern der Schüler um jeden Preis in Arbeit halten will und das ist nicht etwa im Interesse der Volksgesundheit, sondern im Interesse der Volkswirtschaft. 

Fine for me, aber man sollte es auch klar sagen.

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