Harriet Tubman hatte Hunderte von Sklaven zur Freiheit verholfen. Eigentlich sollte sie deshalb dieses Jahr auf einen Dollarschein kommen. Doch unter dem gegenwärtigen US-Präsidenten gehe das nicht, meint sein Finanzminister. So kommt „Harriet“ erstmal ins Kino. | Foto © Universal

Alles Kino und noch mehr in dieser Woche vom 9. Juli 2020.

Alles normal, oder? Das Kinopublikum kehrt zurück. S&L Research, das zu dem Unternehmen S&L Medienproduktion gehört und über Moviepanel Kinomarktforschung betreibt, legt die Ergebnisse eines dritten Umfragepakets vor. Dabei wurden die Antworten zwischen dem 25. Juni und dem 30. Juni unter 939 deutschen Kinogängern ab 16 Jahren ausgewertet. Demnach wollen 58 Prozent der Befragten erst einmal abwarten, „wie sich die Situation in den Kinos entwickelt“. 49 Prozent haben dabei überhaupt auf dem Schirm, dass die Kinos wieder öffnen dürfen. 53 Prozent wissen, „ob speziell ihr Lieblingskino bereits wieder geöffnet hat“. Jetzt wo die Kinos wieder geöffnet haben, sagen 87 Prozent der aktuellen KinobesucherInnen an, „während des Kinobesuchs ein gutes Gefühl gehabt zu haben.“ 81 Prozent haben sich im Vorfeld über „das Thema Hygiene im Kino informiert“. „7 Prozent empfinden die aktuellen Restriktionen als negativen Einfluss auf das Kinoerlebnis“. Programmkino.de gibt die Pressemitteilung im Granzen weiter. Die Ergebnisse der ersten und der zweiten Umfrage verlinken wir direkt.

Manche Kinos lassen sich aber auch was einfallen. Zum Beispiel das neu eröffnete „Klick“ in Berlin-Charlottenburg. Das Wochenende der offenen Tür war wohl ein voller Erfolg. Eine Kollegin, die es geschafft hatte, reinzukommen, erzählte, dass die Plätze, die aus Gründen freigehalten werden sollten, mit den Kuscheltier-Kreationen einer lokalen Künstlerin besetzt worden waren. Auf einem Instagram-Post des Kinos kann man das auch sehen.

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Kinos im Stillstand 21 – hoffentlich die Letzte: Das „Kant“ in Berlin freut sich schon auf heute. Die Fotos dieser Reihe gibt es jetzt auch in ausgewählten Kinos zu sehen. | Foto © Elisabeth Nagy

Alles Kino und noch mehr: Die Woche vom 2. Juli 2020.

 

Endlich. Das Känguru ist wieder da. Marc-Uwe Klings Roman über ein anarchisches Känguru im Biotop Berlin-Kreuzberg startete am 5. März 2020 in rund 700 Kinos und erreichte in knapp 10 Tagen 500.000 Zuschauer. Soweit die Pressemeldung. Dani Levy inszenierte das Drehbuch des Autors, dessen Vorlage wohl auch ein Publikum erreichte, das sonst nicht zum Buch griff. Das Alter-Ego des Autors lebt, nicht ganz freiwillig, mit ebenjenem Känguru in einer Art WG. Bei allem, was so passiert, ist ebenjenes immer klar in Aktion, währen Marc-Uwe irgendwie hinterherwurschtelt. Die Komödie machte sich dann auch ausgesprochen gut in den Autokinos, die überall auf den Parkplätzen hervorschossen. Bereits im März hatte aber der Verleih verkündet, man wäre sofort am Start, wenn die Kinos wieder öffnen. Und dann „Reloaded“. Jetzt ist es also soweit. Und ja, es gibt eine neue Fassung, leicht anders, mit einer zusätzlichen Szene, in 3D. Wie jetzt? Für eine Szene soll man jetzt auch noch an der Ausgabe von 3D-Brillen arbeiten?

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Gelbe Plakate werben für „Fortsetzung folgt“: Die Kampagne soll den Berliner Programmkinos durch die Krise helfen. Das Spendenziel ist noch nicht erreicht, bis Mitternacht kann heute noch geholfen werden. | Foto © Elisabeth Nagy

Kinostarts und Streams der Woche. Von Elisabeth Nagy

In einer Woche geht es auch in Berlin wieder los mit dem Kinoprogramm. Und nicht nur das. Nächste Woche wird in Berlin ein Kino eröffnet, neu eröffnet. Das Charlottenburger „Klick“ an der Windscheidstraße wurde 2004 geschlossen. Eine kurze Zeitspanne lang, vom März 2017 bis April 2018 wurde es neu belebt. Als der Hauptmieter der Immobilie aufgeben musste, wurde auch den Kinobetreibern gekündigt. Christos Acrivulis und sein Team (Martina Klier, Alessandro Borrelli und Sascha Grunow) haben jetzt renoviert und machen wieder Programm. „Die Geschichte des ,Klick’-Kinos zeigt seinen Charakter als Kiez-Kino. Mit Respekt für seine Geschichte werden wir das Kino wiedereröffnen. Wir möchten einen Ort etablieren, der die Menschen vor allem, aber nicht nur wegen interessanter Filme anzieht. Kunstausstellungen und Autorenlesungen, Liederabende und Poetry Slams – Kultur in all ihren Facetten soll einen einzigartigen Platz in der Winscheidstraße 19 finden“, schreibt Acrivulis in der Pressemitteilung. Im ersten Monat übernimmt Lars Eidinger die Patenschaft, die jeden Monat wechseln wird. Das heißt, man zeigt eine Auswahl seiner Filme, zum Beispiel „Alle anderen“ von Maren Ade und ein paar seiner Lieblingsfilme, darunter „Les mépris“ von Jean-Luc Godard und „Anticrist“ von Lars von Trier. Am ersten Wochenende wird es zwei Tage der offenen Tür geben. Mit Abstand eine gute Sache.

Die Berliner Kinos hatten sich zu einer Unterstützungskampagne zusammengeschlossen. Wenn man denn Augen dafür hatte, entdeckte man im Stadtbild und in den Kinoschaukästen die gelben Plakate für „Fortsetzung folgt“. Die Berliner Programmkinos, 33 an der Zahl mit insgesamt 73 Leinwänden, hat auf Startnext.com eine Kampagne aufgestellt. Man wollte zum einen Spenden sammeln, die das Fortbestehen der Häuser zumindest zum Teil sichern könnten. Zum anderen wollte man Eigeninitiative vorweisen, auch um die Politik, im Verbund, auf die Wichtigkeit filmkultureller Arbeit hinzuweisen. Am 27. März 2020 lief die Aktion an und sie läuft heute abend um 23.59 Uhr aus. Das Ziel war 730.000 Euro. Leider ist man von der Summe noch etwas entfernt. Jeder Euro zählt, darum hier der Hinweis, auch 5 vor 12 kann man noch spenden.

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Kinos im Stillstand 20 – aber nicht mehr lange: Das „Adria“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Kinostarts und Streams der Woche. 

„Wir sind zurück!“ steht auf der Anzeigetafel des „Adria“ in Berlin-Steglitz. Klein darunter steht allerdings „ab 02.07.“. Die Kinobetreiber haben sich auf den 2. Juli als Öffnungsdatum geeignet. In den verschiedenen Bundesländern sieht es unterschiedlich aus. Daran hat sich nichts geändert. Bei den Blockbustern muss sich das Publikum gedulden. Zum Beispiel hat Warner Bros. in den USA gerade eine Anzahl von Filmen verschoben und die anderen Länder, so auch Deutschland, müssen entsprechend mitumplanen. So wird „Tenet“ von Christopher Nolan nun doch nicht am 16. Juli starten, sondern am 30. Juli. Woraufhin der Verleih Entertainment One sein Zugpferd „Berlin Alexanderplatz“ vom 30. Juli auf den 16. Juli vorzieht. Das Kinoprogramm der Stunde ist noch überschaubar. Aber auch diese Woche gibt es neue Filme, Wiederaufführungen und On-Demand-Veröffentlichungen.

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Das Blog „Sleeping Screens“ sammelt Fotos von Kinos im Stillstand auf der ganzen Welt. Zum Beispiel Australien. | Foto © Sleeping Screens

Kinostarts und Streams der Woche. 

Kino, Kino, Kino. Man hört es von den Dächern. In Berlin öffnet am 12. Juni das „Rooftop Cinema“, ein Zusammenschluss der Astor Film Lounge und des Alice Rooftop & Garden auf dem Dach des Stilwerks. Die erste Vorführung, Freitag um 20 Uhr, von „Rocketman“ ist bereits ausverkauft. Der Eintrittspreis ist gesalzen, dafür gibt’s aber auch Getränke und einen Flammkuchen und natürlich Service. Bitte spätestens eine Stunde vor Filmstart kommen. Und! Berlin kann jetzt auch Autokino. Am Olympiastadion auf dem Parkplatz P05 hat am 6. Juni 2020 das „Carrona“ den Betrieb aufgenommen.

Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte bei einem öffentlichen Termin diese Woche: „Die Couch kann das Kino nicht ersetzen.“ Ich gebe ihm recht. Manch einer zählt die Tage bis zur Wiedereröffnung. Einige Kinos in Berlin nutzen die Zeit und renovieren noch einmal. Das „Kinokompendium“ sprach in seinem zweiten Teil einer Interviewreihe mit Kinobetreibern mit Iris Praefke, die in der Hauptstadt das „Moviemento“, das „Toni“ und das „Central“ leitet. Der kleinere Saal des „Centrals“ wird gerade mit neuen Stühlen versorgt. Und auch das „Bundesplatz-Kino“ meldet auf seiner Anzeigetafel: „Erst renovieren, dann projezieren“. Über ihre Webseite verlinken sie auch auf drei Episoden der Reihe „Berlin, Ecke Bundesplatz“ von den mit ihnen befreundeten Filmemachern Detlef Gumm und Georg Ullrich. Die Anzeigetafel des „Bundesplatz-Kinos“ wechselt anscheinend öfters, so bleibt man im Dialog mit dem Kiez, ich konnte bereits drei Varianten fotografieren – ein Klick auf die out-takes-eigenen Brancheninfos zeigen ein paar davon. Zwei Berliner, Simon Dickel und Martin Erlenmaier, sammeln sogar Bilder von Anzeigetafeln weltweit auf ihrem Blog „Sleeping Screens“.

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Aus aktuellem Anlass zeigt Salzgeber Raoul Pecks „I Am not Your Negro“ von 2016. Die „beißende Analyse der Repräsentation von Afro-Amerikanern in der US-Kulturgeschichte“ war für einen „Oscar“ nominiert. | Foto © Salzgeber

Die Kinostarts und Streams der Woche.

Vorige Woche hatte ich von der Einladung zur ersten Pressevorführung nach der Schließung der Kinos erzählt. In Berlin wäre der Termin heute gewesen. Die Vorführung wurde jedoch abgesagt. Präziser, sie musste abgesagt werden, wenn ich das richtig verstanden habe. Nur in Hamburg, wo bereits Kinos wieder geöffnet wurden, darf auch eine Pressevorführung stattfinden. In Berlin öffnen die Filmsäle erst ab dem 30. Juni. Ein Kino, das vor diesem Termin den Betrieb aufnimmt, kann mit einer saftigen Strafe, bis zu 10.000 Euro, rechnen. Zwar hätten sich die entsprechenden Kinos bemüht, herauszufinden, ob für journalistische Veranstaltungen der Betrieb erlaubt wäre, aber man habe keine gültige Antwort bekommen. Die Kinobetriebe und Verleiher haben bereits mehrfach kommuniziert, was sie brauchen, um zu spielen (Vorlauf, Planungssicherheit etc.), dazu gehört auch Marketing und Presse. Jetzt sitzen Filmkritiker und Filmkritikerinnen zwar zu Hause und streamen, was die Leitung hergibt, aber machen wir uns nichts vor: Filme gehören in der Regel auf die Leinwand und auch wenn einige von uns noch zögern (ich gebe zu, ich gehöre dazu) wollen wir irgendwann wieder zurück und die Filme wirklich so sehen, wie sie zu sehen sein sollten. Doch auch wir haben Vorlauf, einige mehr, andere weniger. 

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Philipp Hartmann „66 Kinos“ sind zwar schon drei Jahre alt, aber der Film zur Stunde. Grandfilm bringt die Liebeserklärung jetzt ins Online-Kino. | Foto © Grandfilm

Die Streams der Woche. Von Elisabeth Nagy

Die Verwirrung war eine Weile lang komplett. Die Meldungen lauteten von Öffnungen mit Auflagen bis „jetzt noch nicht“. Was denn nun? Öffnen die Berliner Kinos nach dem 5. Juni oder steht es noch nicht fest? So oft ich den Rechner angeworfen hatte, sagten die Headlines etwas anderes. Die Tagespresse, die Fachpresse, die Brancheninfos. Puh. Bayern will ab dem 15. Juni den Kinobetrieb ermöglichen. Hamburg meldete am vergangenen Dienstag, dass am Mittwoch gespielt werden darf. Dazwischen reihen sich die Bundesländer fein säuberlich auf, jeden Tag ein bißchen mehr Kino. Oder doch nicht? Am Donnerstag, also heute, soll es eine weitere Sondersitzung geben, beziehungsweise wird es diese gegeben haben. Wie auch immer das Urteil für die Berliner Kinos ausfällt, unser Brancheninfo wird es dann wissen, zumindest eine Agentur hat hier bereits vor einigen Tagen Nägel mit Köpfen gemacht und zur ersten Post-Lockdown-Pressevorführung eingeladen. Hamburg – München – Berlin. Am 3. und am 4. Juni, also zumindest in Berlin und München vor den eigentlichen Öffnungen. Man muss sich anmelden. Nicht auszudenken, wenn sich jetzt 100 Kolleg*innen anmelden, und 50 müssen dann wieder ausgeladen werden. Auch hier soll gelten: Mund-Nasen-Schutz im Foyer, Abstand auf Anderthalb und Abgabe von Kontaktdaten, sprich E-Mail-Adresse und Telefonnummer. 

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„Zatoichi, der blinde Samurai“ trifft „Léon, den Profi“: Neo-noir kämpft sich der „Man from Beirut“ durch Berlin. Diese Woche lief der deutsche Thriller in den Autokinos an. Nicht in Berlin – dort gibt es noch keins. | Foto © Filmwelt

Die Streams der Woche – und ein Start im Autokino. Von Elisabeth Nagy

Nichts Genaues weiß man nicht. Wann öffnen die Kinos? Wo öffnen die Kinos? In Hessen gibt es schon Spielbetrieb, berichteten wir in der Brancheninfo am Mittwoch. In Italien soll ab 15. Juni und in Österreich am 1. Juli die Kinos öffnen, habe ich im Newsticker von programmkino.de gelesen. Während eine Flut an Startmeldungen per E-Mail auf mich einprasselt, lese ich zumindest für die Autokinos nur Positives. Davon gibt es immer mehr und mehr und – und was macht man ohne Auto und ohne Autokino? Da gäbe es doch Freiluftkinos, die doch in der Regel, in normalen Zeiten, im Mai an den Start gehen. In Berlin gibt es drei davon. Die Betreiber, die Piffl Medien, haben ein Konzept vorgelegt und warten auf ein Go. Nur ein Viertel an Publikum könnte kommen, aber was in Kaufhäusern und Geschäften funktioniert, sollte doch an einem Ort, an dem man sich wahrlich nur zielgerichtet von A nach B bewegt, ohne weiteres machen lassen. 

Aber noch mal zu den Autokinos. Der Verleih Filmwelt bringt jetzt sogar einen Titel exklusiv für die Autokinos raus. Wobei „exklusiv“ nicht ausschließt, dass Kinos, die in manchen Bundesländern schon wieder dürfen, den Film nicht auch mieten könnten.

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Drop-out Cinema bietet ab heute „After Midnight“ im Kinostream an. Der Arthaus-Verleih ist auf den Geschmack gekommen: Künftig will man Kino und Virtual Cinema immer parallel starten. | Foto © Drop-out Cinema

Die Streams der Woche. Von Elisabeth Nagy

Einen Tipp möchte ich heute voranschicken. Arte stellt in seiner Mediathek Rainer Werner Fassbinders 14-teilige Serie „Berlin Alexanderplatz“ zur Sichtung bereit. Statt dem Fassbinder-Biopic oder der neuen Döblin-Verfilmung kann man auf dem Portal die Serie um Franz Biberkopf in der restaurierten Fassung anschauen.

Zwei Monate steht das Hamsterrad an Pressevorführungen schon still. Wöchentlich erdrückten sich bis zu 20 Filmtitel in den Startplänen. Das war mal anders. Um den Startplan für eine Besprechungsübersicht abzudecken gab es früher, in meinem Fall waren das die 90er, täglich zwei Pressevorführungen, vielleicht auch mal einen dritten Termin. Dann waren drei Termine durchaus die Regel und inzwischen sind die Presseplanungen auf Monate hin dicht mit vier, manchmal auch fünf Vorführungen am Tag und mitunter gibt es parallel Vorführungen. Da sind die ganzen Kleinverleiher gar nicht mitgerechnet, die sich gar nicht erst eine Pressevorführung leisten, sondern der Presse von vornherein Streams anbieten. Selbst wenn man keinen Wert auf Vollständigkeit legt, ist das nicht mehr zu bewältigen gewesen. Als diese Flut an Terminen ausblieb, ja, da atmete ich auch erst einmal auf. 

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Der DoP Roger Deakins ist 70. Vorigen Monat hat er mit seiner Partnerin James Ellis Deakins einen wochentäglichen Podcast gestartet. | Foto © Warner Brothers

Die Streams der Woche.

Getroffen hat es jetzt die „Königin“. Die Königin ist Trine Dyrholm in May El-Toukhys Drama, das Dänemark für diesen Jahrgang ins „Oscar“-Rennen geschickt hatte. In Deutschland wurde der Film auf dem Filmfest Hamburg im letzten Herbst erstmalig vorgestellt. Anne nimmt den Sohn ihres Mannes Peter (Magnus Krepper) aus erster Ehe mit in die Familie auf. Gustav (Gustav Lindh) ist 16 Jahre alt und soll in der abgeschiedenen Idylle, die Anne aufgebaut hat, wieder auf die richtige Spur kommen. Die allerdings führt in den Wald hinter dem Haus. Stiefmutter und Stiefsohn kommen sich näher, als sittlich ist. Es ist ein herausfordernder Film, das Publikum sieht, was die Titelfigur macht, und weiß, dass es falsch ist, und weiß, dass sie weiß, dass es nicht richtig ist. Dyrholms Figur legt eine Grausamkeit zu Tage, die ihre heile Welt mit aller Macht und koste es, was es kostet, erhalten will. „Königin“ sollte ursprünglich am 9. April 2020 ins Kino kommen und wird seit dem 5. Mai auf den digitalen Portalen angeboten.

Auch „Berlin, Berlin – Der Kinofilm“ von der Constantin, ursprünglich auf den 19. März terminiert, wandert gleich in die digitale Verwertung. Die Produktionsfirma hat sich für einen exklusiven Deal mit dem Anbieter Netflix entschieden, die die Komödie ab dem 8. Mai zusammen mit der ARD-Fernsehserie „Berlin, Berlin“ auswerten wird. Zwischen 2002 und 2005 entwickelte sich die Serie um Lolle (Felicitas Woll), die aus einem kleinen Nest der Liebe wegen in die Großstadt kommt und dort, weil die Liebe erstmal futsch ist, in einer WG landet, zum Publikumsliebling. Die Serie hatte damals Spaß gemacht. 

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Unsere Autorin schaut immer wieder bei „ihren“ Kinos vorbei – zur Versicherung, dass es sie noch gibt: „Sie warten auf uns!“ Das „Bundesplatz Studio“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

An die Tür zum Berliner Kino „Delphi Lux am Zoo“ hat ein Kino-Freund ein Gedicht angeklebt. Eine Liebeserklärung an das Kino als Ort der Erfahrung. Ich war vor sechs Wochen das letzte Mal im Kino, an einem Freitag. Das war zur Pressevorführung zu Oskar Roehlers „Enfant terrible“. Für den nächsten Montag jetzt im Mai wäre eine zweite Vorführung geplant gewesen. Die Fassbinder-Biografie ist auf unbekannt verschoben, wie so viele Filmstarts. Bei der Vorführung Mitte März unkten einige Kolleg*innen noch, das würde vielleicht unsere letzte PV (kurz für Pressevorführung) gewesen sein. Am Wochenende stellte sich heraus: genauso ist es. 

Weltkino ist jetzt einer der ersten Verleiher, der neue Starttermine bekannt gibt. Noch nicht für den Roehler-Film, aber für die Schlingensief-Dokumentation „Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien“ von Bettina Böhler, der doch auf der Berlinale so gut ankam. Den 20. August visiert man an und hält sich offen, entweder, wenn man darf, Sondervorführungen anzusetzen, oder halt, wenn man Ende August immer noch nicht zurück in die Kinosäle darf, noch einmal zu verschieben. In der Pressemitteilung erklärt Weltkino-CEO Michael Kölmel: „Wir hoffen sehr, dass die Kinos spätestens im August wieder öffnen können. Sollte sich herausstellen, dass der Spielbetrieb doch erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen kann, werden wir entsprechend umplanen, Sicherheit geht natürlich vor. Es ist uns aber wichtig, sowohl für die Kinobetreiber als auch für das Publikum ein Zeichen der Hoffnung zu setzen und die Vorfreude auf neue Filmkunst im Kino zu schüren.“

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„Der Himmel über Berlin“ im Hinterhof: Die Initiative Windowflicks hilft mit Freiluft-Kino-on-Demand den Programmkinos in der Hauptstadt. | Foto © Windowflicks

„Das Autokino erlebt eine Renaissance“ titelt „Der Tagesspiegel“ in Berlin. Die Bundesnetzagentur, die dafür die Frequenzen zuteilt, erhält immer mehr entsprechende Anträge. Frische Blockbuster aus dem Startplaner darf man natürlich dort nicht erwarten. Was mir fehlt, und was es durchaus schon gab, wären Kurzfilme im U-Bahn-TV, zumindest für die, die zur Arbeit fahren müssen. 

Als neue Abspielmöglichkeit entdeckt man nun Hinterhofwände, um sogenanntes Fassadenkino zu ermöglichen. Berlin machte den Anfang und streamte den „Himmel über Berlin“ in einem Hinterhof im Prenzlauer Berg. Die Initiative hinter Windowflicks möchte gleichzeitig die Berliner Programmkinos der Initiative „Fortsetzung folgt“ unterstützen. Für eine Fassadenvorführung kann man sich bewerben, zur Verfügung steht neben dem Wim Wenders-Klassiker im Verleih von Studiocanal auch „Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm“ ebenfalls von Studiocanal oder „Loving Vincent“ und der Berlin-Film „Cleo“ von Weltkino und „The Artist“ von DCM. Bewerben können sich Hausgemeinschaften ab 20 Parteien mit entsprechender Sicht auf eine ausreichend große Feuerwand. Das sollte dann auch dem Schwarzen Brett in Hausfluren Auftrieb geben. Vorführungen finden Donnerstags und Samstags statt.

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Zeit für Klassiker: „Taxi zum Klo“ ging 1980 ungewohnt offen mit dem Thema Homosexualität um. Salzgeber hat die Tragikomödie digital restauriert und streamt sie jetzt zum 40. Jubiläum. | Foto © Salzgeber

Die Streams der Woche.

Es steht wohl fest, so schnell werden die Kinos nicht öffnen können. Die Kontaktbeschränkungen gelten zuerst einmal bis zum 3. Mai. Bald werden wohl die Startverschiebungen für die nächsten Wochen bekannt gegeben. Man schaut bei den Kolleg*innen in die Blogs, ob die schon mehr wissen. Eine Agentur hat gerade erst ein Rundschreiben an alle Kolleg*innen rausgeschickt, dass sie trotz fehlender Kinostarts den Kontakt halten möchten. Für Fragen stünden sie jederzeit zur Verfügung. Andere Verleiher vermelden gar nichts. Hat man da eine E-Mail verpasst? Setzt eine Art von FoMO ein, eine Angst, etwas an News zu verpassen? Den Einstieg wohlmöglich, wann es weitergehen wird?

Angst, etwas zu verpassen, hat man bei dem reichhaltigen Angebot, dass man per Streaming inzwischen erreichen kann. Was ist wo verfügbar? Wer macht welche Archive frei zugänglich? Und wann gucke ich das alles? Gucke ich es gleich oder morgen oder übermorgen oder überhaupt? Kommt man überhaupt noch zum Filme schauen? Die Vorzüge von Film im Kino sind immer klarer benennbar. Kino schaut man nicht nebenbei. Kino ist eine bewußte Entscheidung.

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Zu Ostern sollte „Der Junge und die Wildgänse“ in die Kinos kommen. Das geht jetzt nicht. Weitere Filme weichen fürs erste aufs Streaming aus. | Foto © Capelight

Immer wieder erwische ich mich bei der unnützen Überlegung, was ich gerade tun würde oder zu tun hätte, wenn die Zeit nicht so wäre, wie sie gerade ist. Ostern steht an und ich hätte mich über ein paar freie Tage gefreut. Ein paar freie Tage, die die Zeit angehalten hätten. Aber die Zeit ist angehalten worden, das Hamsterrad ist stehen geblieben. Die Flut an Pressevorführungen verebbte auf einen Schlag. Heute ist der vierte Startdonnerstag ohne Kinostarts. Der neue James Bond würde in die zweite Woche gehen. Jetzt würden die Biografien von Marie Curie („Marie Curie – Elemente des Lebens“, Marjane Satrapi) und Harriet Tubman („Harriet – Der Weg in die Freiheit“, Kasi Lemmons) in die Kinos gekommen. Mit „Königin“ (May El-Toukhy, mit Trine Dyrholm) wäre der dänische und mit „Als wir tanzten“ (Levan Akin) der schwedische „Oscar“-Beitrag gestartet. Mit den Kindern wäre man in den Animationsfilm „Mina und die Traumzauberer“ (Kim Hagen Jensen, Tonni Zinck) oder in „Der Junge und die Wildgänse“ (Nicolas Vanier) gegangen. Bis auf den letzten Titel wird alles nur verschoben.

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Filme wollte sie schon machen, als sie 30 war. Dann kamen nochmal 30 Jahre und einige Umwege, bis Ulla Geiger (links) sich an ihren ­Debütfilm wagte. Ihr Hauptdarsteller Michael Ransburg (rechts) bekräftigte sie in ihrem Entschluss. Die Premiere sollte im März sein. Nun startet „Wir drehen keinen Film“ erstmal online. | Foto © Ulla Geiger

 

Voraussichtlich bleiben die Kinos länger geschlossen. Das Erlebnis, gemeinsam mit Fremden etwas zu erleben, wird weiterhin nicht möglich sein. Ideen, wie man Filme trotzdem zum Publikum bringt, gibt es immer mehr; viele unterschiedliche Konzepte tauchen auf. Ich fürchte, das verzettelt sich. Im Zweifel wird man nicht erstmal auf die Suche gehen, wie man an einen Film rankommt, sondern doch bei den großen Anbietern Netflix, Amazon Prime und seit kurzem Disney+ bleiben. Es fehlt sicherlich eine gemeinsame Plattform, von der aus das Publikum auswählen könnte. Bis dahin stelle ich die verschiedenen Ansätze vor.

Die Idee eine Plattform zu schaffen, von der aus man die verschiedenen Aktionen aus dem Kulturbereich (Kino ebenso wie Konzerte und Museumsauftritte) sehen kann, hatte ein Team auf dem Hackathon #WirVsVirus der Bundesregierung vom 20. bis 22. März 2020. Bei Culturestreams kann man nun die unzähligen Kultur-Streams gebündelt oder gefiltert auffinden. Die Seite ist noch in der Beta-Version. Von dieser Seite aus kommt man zum Beispiel auf Kinoflimmern: 

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