Alles Kino und noch mehr… in der Woche vom 24. September 2020 – Teil 1.
Gleich zwei Neuzugänge haben sich in den Arthouse-Charts platziert. Das Bio-Pic über die Schauspielerin Jean Seberg, „Jean Seberg – Against all Enemies“, ist sowohl nach Gesamtbesucherzahlen, als auch im Kopienschnitt auf Platz 1. Auf den zweiten Platz rückte Roy Aderssons lakonische Betrachtung „Über die Unendlichkeit“. Die Zahlen für „Tenet“ (immer noch Top), „After Truth“ und Co liefert „Blickpunkt Film“. Bester Neueinsteiger ist demnach die Komödie „Hello Again“, ein Film der Warner Bros., zu dem es übrigens auch keine umfassende Pressebetreuung gab.
Gute Nachrichten, wenn man denn so will, ist die Platzierung von „Wonder Woman 1984“ auf den 23. Dezember 2020, während „Soul“ von Walt Disney Studios fest auf dem 26. November 2020 stehen bleibt. Auch an dem neuen James Bond, „Keine Zeit zu sterben“, hat noch niemand gerüttelt, der 12. November 2020 bleibt. Andererseits: Sony Pictures hatte letzte Woche immerhin noch einen Film für dieses Jahr im Programm. Jetzt verabschiedet man sich aufs nächste. „Connected – Familie verbindet“ steht derzeit ohne Starttermin da. Universal wiederum hebt den Filmstart von „Candyman“ auf, ursprünglich sollte der am 15. Oktober starten. Der letzte Joseph Vilsmaier-Film, „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ mit Michael Herbig, wird von Leonine ebenfalls in den Dezember verschoben.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Elisabeth Nagyhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgElisabeth Nagy2020-09-25 17:30:592020-09-25 17:30:59Kino in Zeiten von Corona 27
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 24. September 2020 – Teil 2.
Eine nervenaufreibende Familiengeschichte, die seit einem Urteil des Verfassungsgerichtes in Sachen Sterbehilfe auch hierzulande an Wichtigkeit gewonnen hat, ist die des dänischen Drehbuchautors Christopher Torpe und des Regisseurs Bille August aus dem Jahr 2014, die Roger Michell („Notting Hill“) für das Hollywood-Kino neu auf die Leinwand setzt: In „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ laden Lily (Susan Sarandon) und ihr Mann Paul (Sam Neill) die erwachsenen Töchter Jennifer (Kate Winslet) und Anna (Mia Wasikowska) in jenes Landhaus am Meer ein, mit dem die Familie so viele Erinnerungen verbindet. Susan, unheilbar erkrankt, möchte ihrem Leben ein Ende setzen. Doch bevor sie das tut, verlangt sie von ihren Töchter, dass sie wieder zueinander finden. Wer hier zueinanderfindet ist ein Hochglanz-Cast, das dem Zuschauer nahezu einen theaterhaftes Erleben eines Kammerspiels beschert – und dass noch am Schluss durch einen narrativen Makel getrübt wird.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Karolina Wrobelhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgKarolina Wrobel2020-09-25 17:30:522020-09-25 17:30:52Kino in Zeiten von Corona 27
Der Bund hat seinen Ausfallfonds für Dreharbeiten gestartet, doch der schützt nur, was eh schon gefördert und irgendwie „High-End“ ist. Alle Anderen warten weiter auf die versprochene Hilfe. Und auch die Kinos fordern endlich einheitliche und praxisgerechte Regelungen.
Einen Ausfallfonds für Filme und High-End-Serien hatte die Bundesregierung schon vor Wochenangekündigt. Jetzt ist er gestartet, meldet DWDL. Der ersehnte große Wurf ist das aber noch nicht, wie auch der Artikel klarstellt: Die Hilfe ist ausschließlich für Projekte gedacht, die bereits Fördermittel des Bundes erhalten haben. Die Produzentenallianz zeigte sich in einer Stellungnahme am Freitag zufrieden mit dem Ausfallfonds des Bundes. Der reiche zwar nicht aus, doch man hoffe, dass damit „eine Signalwirkung einhergeht“ und Länder und Sender nachziehen, um auch Fernsehproduktionen abzusichern.
Entsprechendes hatten einige Länder wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen schon im Juli angekündigt, vorige Woche waren Berlin und Brandenburg nachgezogen. Noch sind das aber nur Planungen.
Auf die Lücken im Programm und die Schwierigkeiten einer umfassenden Lösung weist auch „Medienpolitik“ hin: Die TV-Sendergruppen hätten in der ersten Phase der Pandemie zwar den Produzent*innen mit der Übernahme eines Teils der zusätzlichen Kosten geholfen, doch bisher gebe es kaum Bereitschaft, mehr zu tun. Dabei gehe es doch „bei dem Ausfallfonds nicht um einen ,staatlichen Fonds‘, wie aus den Sendern immer wieder abwehrend zu hören ist, sondern um ein Hilfsangebot, dass von der Branche, die es verwertet, und den Ländern, die von Filmproduktionen wirtschaftlichen profitieren, mitgetragen wird.“
Corona und das Aufmerksamkeitsdefizit: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 73.
„No man is an Island / entire of itself“ John Donne, 1621
„Niemand ist eine Insel“ Johannes Mario Simmel, 1975
Corona, Corona, Corona – das war einmal. Die Pandemie schafft es zurzeit einfach nicht zum Alleinstellungsmerkmal in den öffentlichen Diskursen der deutschen Republik. In anderen Ländern mag sich das anders verhalten, aber uns geht es dafür einfach zu gut. Zwar sind Covid-19, die neuesten Infektionstatistiken, der Stand der Impfstoff-Forschung schon zur Nachrichtenroutine geworden, so wie irgendein Anschlag im Nahen Osten, oder ein neuer SPD-Vorsitzender.
Aber die zweite Welle ist einfach nicht da, so sehr Markus Söder das auch behauptet, so einschüchternd der jeweilige Hotspot der Woche auch wirken mag. Selbst im Partysündenpfuhl Berlin gehen die Infiziertenzahlen auch seit Ferienbeginn Ende Juni und über das Ferienende Anfang August mit seinen Rückkehrerwellen hinaus beständig zurück. Wir kaufen und tragen Masken, weil uns 0,02 Prozent der Berliner Bevölkerung gerade anstecken könnten (800 von 4 Millionen). De facto viel weniger.
Bestimmt ist das auch in Deutschland alles sehr verhältnismäßig und vorausschauend gedacht von selbstlosen Entscheidern.
Und in anderen Ländern ist es vermutlich anders und die Gefahr viel höher. Aber wir reden von Deutschland, heute zumindest.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-09-18 19:31:512020-09-18 19:31:51Gedanken in der Pandemie 73: „Die deutsche Seele muss schauen, dass sie etwas flexibler wird“
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 17. September 2020 – Teil 1.
Am Dienstag dieser Woche hat die Filmförderungsanstalt (FFA) ihre Halbjahresstatistik veröffentlicht. FFA-Vorstand Peter Dinges erklärt in der Meldung allerdings: „Viele Kinobetreiberinnen und -betreiber kämpfen derzeit um ihre Existenz. Die wirklichen Auswirkungen der Pandemie auf die Kinolandschaft werden jedoch erst in den kommenden Monaten sichtbar werden.“
Die meisten Besucher hatte „Bad Boys for Life“ vom Verleih Sony Pictures, die für den Rest des Jahres derzeit nur noch einen weiteren Film im Startplaner haben. „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ von Walt Disney ist seit Mitte Dezember im Kino. Auf dem dritten Platz befindet sich „Nightlife“ von der Warner Bros. Letzterer immerhin eine deutsche Produktion unter der Regie von Simon Verhoeven. Im Downloadbereich kann man sich die Statistik herunterladen. Für das zweite Halbjahr setzt man die Hoffnung auf „Drachenreiter“, eine deutsch-belgische Produktion von Tomer Eshed, derzeit für Mitte Oktober geplant, „Jim Knopf und die Wilde 13“ von Dennis Gansel startet sogar schon in zwei Wochen bei Warner Bros. und von Studiocanal kommt am 8. Oktober die Komödie „Es ist zu deinem Besten“, Regie Marc Rothemund.
Wie Berliner Arthouse-Kinos zurzeit die Corona-Maßnahmen und damit die Zuschauerströme händeln, fasste der „Tagesspiegel“ in einer lokalen Spalte für die Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf zusammen: „Wie die Kinos der Coronakrise trotzen“.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Elisabeth Nagyhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgElisabeth Nagy2020-09-17 11:36:252020-09-17 12:32:15Kino in Zeiten von Corona 26
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 17. September 2020 – Teil 2.
Die „Wissenschaft der Malerei“, wie Leonardo da Vinci sein künstlerisches Schaffen nannte, ist heute Teil des kulturgeschichtlichen Kanons. Zu besichtigen waren seine Werke in einer zusammengetragenen Ausstellung im Musée de Louvre, wo sie eine Anziehungskraft auf Kunstbeflissene und Interessierte ausübten. Nicht jeder hatte die Chance, an dieser einmaligen Ausstellung teilzunehmen. Erstmals erscheint eine Dokumentation der Museumschau: „Eine Nacht im Louvre: Leonardo da Vinci“ macht die Werke „hautnah“ erlebbar, weil sie eigens für das Kino gefertigt wurde. Mit 5K Kameras und 3D Technikern wurde hier nächtelang – also in der besuchsfreien Zeit – gefilmt. Die Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank leiteten den Dokumentarfilmer Pierre-Hubert Martin darin an, die Erzählung über Leonardos Vorgehensweisen und malerische Technik zu schreiben.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Karolina Wrobelhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgKarolina Wrobel2020-09-17 11:36:172020-09-17 11:36:17Kino in Zeiten von Corona 26
Venedig feiert das Kino, die Kinos spielen wieder, und gedreht wird auch wieder … die Filmwelt hat sich mit der neuen Normalität arrangiert. Die Probleme bleiben die alten, zeigt unser Streifzug durch die Medien.
„Genug vom cineastischen Magerquark!“ In der „Zeit“ rechnete Georg Seeßlen mit der deutschen Filmförderung ab und fasst die Stimmung in der drei Sätze zusammen: So kann es nicht weitergehen. Aber so geht es weiter. Und es wird noch schlimmer.
Mit fünf Monaten Verspätung startete am Dienstag das Filmfest Dresden. Im zweiten Anlauf aber richtig, mit 340 Kurzfilmen und elf Kinos. „An Regisseurinnen kommt man bei der diesjährigen Ausgabe nicht vorbei: Filme von Frauen sind so stark wie nie vertreten“, betont der MDR: „Im internationalen Wettbewerb kommt sogar die Hälfte der Filme von Regisseurinnen, und eine Retrospektive widmet sich DDR-Filmemacherinnen.“
Venedig zeigt seine Wettberbsfilme im Kino und setzt auf Abstand und Maske. Das älteste Filmfestival der Welt ist somit das erste der großen A-Festivals, das der Pandemie trotzt. Was aber keine Hoffnung schüren soll soll, dass nun die anderen automatisch folgen. | Screenshot
Der Urlaub der Anderen und der Ast, auf dem wir alle sitzen: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 72.
„There are no second acts in american lives“
F. Scott Fitzgerald
Willkommen zurück, liebe Leserinnen und Leser! Ich hoffe, Ihr habt den Sommer gut überstanden. Es war ein kurzer Sommer, und es war ein wilder Sommer, und wenn wir nicht auch mal froh gewesen wären, ein bisschen Urlaub zu machen, dann hätte man sehr gut auch weiterhin täglich einen Pandemie-Blog machen können, und sei es nur über den Urlaub der Anderen. Das Urlaubsverhalten der Deutschen, aber auch des Urlaubs-Reaktionsverhalten der deutschen Politiker, ist ein Kapitel für sich, und Thema für mehr als einen Blog.
+++
Bevor ich aber wieder mitten hineinspringe in unser Thema, nochmal einen Schritt zurück: Wir sind wieder da – aber ich für meinen Teil bin in den nächsten vier Wochen noch ein bisschen eingeschränkt wieder da. Nämlich nur mit einem einzigen wöchentlichen Text mit meinen „Gedanken in der Pandemie“. Das hat einfache praktische Gründe. Zur Zeit befinde ich mich nämlich auf dem Lido in Venedig – ein sehr schöner Ort, an dem ich sehr gerne bin. Hier findet das erste halbwegs normale Filmfestival seit der Pandemie wieder statt – gleich eines der ganz Großen: Das älteste Filmfestival der Welt. Natürlich unter diversen Auflagen und Pandemie-Beschränkungs-Bedingungen, die auch im großen Ganzen alle sehr sinnvoll erscheinen. Wie das im Einzelnen und wie gut im Besonderen das funktioniert, habe ich anderenorts vorige Woche bereits beschrieben. Das übers Unmittelbare hinaus für uns alle Interessante daran ist natürlich, dass diese Großveranstaltung unter Pandemie-Bedingungen ein Modell abgibt für alle derartigen Veranstaltungen bis mindestens Ende kommenden Jahres.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-09-14 08:44:472020-09-14 08:47:25Gedanken in der Pandemie 72: Der kurze Sommer der Pandemie
Kino in Zeiten von Corona 27
Elisabeth Nagy, Unsere Gäste„Persischstunden“ | Foto © Alamode
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 24. September 2020 – Teil 1.
Gleich zwei Neuzugänge haben sich in den Arthouse-Charts platziert. Das Bio-Pic über die Schauspielerin Jean Seberg, „Jean Seberg – Against all Enemies“, ist sowohl nach Gesamtbesucherzahlen, als auch im Kopienschnitt auf Platz 1. Auf den zweiten Platz rückte Roy Aderssons lakonische Betrachtung „Über die Unendlichkeit“. Die Zahlen für „Tenet“ (immer noch Top), „After Truth“ und Co liefert „Blickpunkt Film“. Bester Neueinsteiger ist demnach die Komödie „Hello Again“, ein Film der Warner Bros., zu dem es übrigens auch keine umfassende Pressebetreuung gab.
Gute Nachrichten, wenn man denn so will, ist die Platzierung von „Wonder Woman 1984“ auf den 23. Dezember 2020, während „Soul“ von Walt Disney Studios fest auf dem 26. November 2020 stehen bleibt. Auch an dem neuen James Bond, „Keine Zeit zu sterben“, hat noch niemand gerüttelt, der 12. November 2020 bleibt. Andererseits: Sony Pictures hatte letzte Woche immerhin noch einen Film für dieses Jahr im Programm. Jetzt verabschiedet man sich aufs nächste. „Connected – Familie verbindet“ steht derzeit ohne Starttermin da. Universal wiederum hebt den Filmstart von „Candyman“ auf, ursprünglich sollte der am 15. Oktober starten. Der letzte Joseph Vilsmaier-Film, „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ mit Michael Herbig, wird von Leonine ebenfalls in den Dezember verschoben.
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Kino in Zeiten von Corona 27
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„Blackbird – Eine Familiengeschichte“ | Foto © Leonine
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 24. September 2020 – Teil 2.
Eine nervenaufreibende Familiengeschichte, die seit einem Urteil des Verfassungsgerichtes in Sachen Sterbehilfe auch hierzulande an Wichtigkeit gewonnen hat, ist die des dänischen Drehbuchautors Christopher Torpe und des Regisseurs Bille August aus dem Jahr 2014, die Roger Michell („Notting Hill“) für das Hollywood-Kino neu auf die Leinwand setzt: In „Blackbird – Eine Familiengeschichte“ laden Lily (Susan Sarandon) und ihr Mann Paul (Sam Neill) die erwachsenen Töchter Jennifer (Kate Winslet) und Anna (Mia Wasikowska) in jenes Landhaus am Meer ein, mit dem die Familie so viele Erinnerungen verbindet. Susan, unheilbar erkrankt, möchte ihrem Leben ein Ende setzen. Doch bevor sie das tut, verlangt sie von ihren Töchter, dass sie wieder zueinander finden. Wer hier zueinanderfindet ist ein Hochglanz-Cast, das dem Zuschauer nahezu einen theaterhaftes Erleben eines Kammerspiels beschert – und dass noch am Schluss durch einen narrativen Makel getrübt wird.
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Corona: Brancheninfo 76
out takes, Peter HartigEin „Trauerspiel“ seien die Abstandsregeln in den Kinos, meint Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino. Auf der Filmkunstmesse Leipzig forderte sein Verband diese Woche einheitliche Regelungen, mit denen sich vernünftig arbeiten läßt. | Foto © AG Kino, Rainer Justen
Der Bund hat seinen Ausfallfonds für Dreharbeiten gestartet, doch der schützt nur, was eh schon gefördert und irgendwie „High-End“ ist. Alle Anderen warten weiter auf die versprochene Hilfe. Und auch die Kinos fordern endlich einheitliche und praxisgerechte Regelungen.
Einen Ausfallfonds für Filme und High-End-Serien hatte die Bundesregierung schon vor Wochen angekündigt. Jetzt ist er gestartet, meldet DWDL. Der ersehnte große Wurf ist das aber noch nicht, wie auch der Artikel klarstellt: Die Hilfe ist ausschließlich für Projekte gedacht, die bereits Fördermittel des Bundes erhalten haben.
Die Produzentenallianz zeigte sich in einer Stellungnahme am Freitag zufrieden mit dem Ausfallfonds des Bundes. Der reiche zwar nicht aus, doch man hoffe, dass damit „eine Signalwirkung einhergeht“ und Länder und Sender nachziehen, um auch Fernsehproduktionen abzusichern.
Entsprechendes hatten einige Länder wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen schon im Juli angekündigt, vorige Woche waren Berlin und Brandenburg nachgezogen. Noch sind das aber nur Planungen.
Auf die Lücken im Programm und die Schwierigkeiten einer umfassenden Lösung weist auch „Medienpolitik“ hin: Die TV-Sendergruppen hätten in der ersten Phase der Pandemie zwar den Produzent*innen mit der Übernahme eines Teils der zusätzlichen Kosten geholfen, doch bisher gebe es kaum Bereitschaft, mehr zu tun. Dabei gehe es doch „bei dem Ausfallfonds nicht um einen ,staatlichen Fonds‘, wie aus den Sendern immer wieder abwehrend zu hören ist, sondern um ein Hilfsangebot, dass von der Branche, die es verwertet, und den Ländern, die von Filmproduktionen wirtschaftlichen profitieren, mitgetragen wird.“
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Gedanken in der Pandemie 73: „Die deutsche Seele muss schauen, dass sie etwas flexibler wird“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeCorona ist nicht mehr das einzige Thema, die Talk-Shows kommen nicht mehr hinterher. „Maischberger. Die Woche“ riss vieles an, dachte aber nichts zuende. | Foto © ARD
Corona und das Aufmerksamkeitsdefizit: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 73.
„No man is an Island / entire of itself“
John Donne, 1621
„Niemand ist eine Insel“
Johannes Mario Simmel, 1975
Corona, Corona, Corona – das war einmal. Die Pandemie schafft es zurzeit einfach nicht zum Alleinstellungsmerkmal in den öffentlichen Diskursen der deutschen Republik. In anderen Ländern mag sich das anders verhalten, aber uns geht es dafür einfach zu gut. Zwar sind Covid-19, die neuesten Infektionstatistiken, der Stand der Impfstoff-Forschung schon zur Nachrichtenroutine geworden, so wie irgendein Anschlag im Nahen Osten, oder ein neuer SPD-Vorsitzender.
Aber die zweite Welle ist einfach nicht da, so sehr Markus Söder das auch behauptet, so einschüchternd der jeweilige Hotspot der Woche auch wirken mag. Selbst im Partysündenpfuhl Berlin gehen die Infiziertenzahlen auch seit Ferienbeginn Ende Juni und über das Ferienende Anfang August mit seinen Rückkehrerwellen hinaus beständig zurück. Wir kaufen und tragen Masken, weil uns 0,02 Prozent der Berliner Bevölkerung gerade anstecken könnten (800 von 4 Millionen). De facto viel weniger.
Bestimmt ist das auch in Deutschland alles sehr verhältnismäßig und vorausschauend gedacht von selbstlosen Entscheidern.
Und in anderen Ländern ist es vermutlich anders und die Gefahr viel höher. Aber wir reden von Deutschland, heute zumindest.
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Kino in Zeiten von Corona 26
Elisabeth Nagy, Unsere Gäste„Jean Seberg – Against all Enemies“. | Foto © Prokino/Studiocanal
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 17. September 2020 – Teil 1.
Am Dienstag dieser Woche hat die Filmförderungsanstalt (FFA) ihre Halbjahresstatistik veröffentlicht. FFA-Vorstand Peter Dinges erklärt in der Meldung allerdings: „Viele Kinobetreiberinnen und -betreiber kämpfen derzeit um ihre Existenz. Die wirklichen Auswirkungen der Pandemie auf die Kinolandschaft werden jedoch erst in den kommenden Monaten sichtbar werden.“
Die meisten Besucher hatte „Bad Boys for Life“ vom Verleih Sony Pictures, die für den Rest des Jahres derzeit nur noch einen weiteren Film im Startplaner haben. „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ von Walt Disney ist seit Mitte Dezember im Kino. Auf dem dritten Platz befindet sich „Nightlife“ von der Warner Bros. Letzterer immerhin eine deutsche Produktion unter der Regie von Simon Verhoeven. Im Downloadbereich kann man sich die Statistik herunterladen. Für das zweite Halbjahr setzt man die Hoffnung auf „Drachenreiter“, eine deutsch-belgische Produktion von Tomer Eshed, derzeit für Mitte Oktober geplant, „Jim Knopf und die Wilde 13“ von Dennis Gansel startet sogar schon in zwei Wochen bei Warner Bros. und von Studiocanal kommt am 8. Oktober die Komödie „Es ist zu deinem Besten“, Regie Marc Rothemund.
Wie Berliner Arthouse-Kinos zurzeit die Corona-Maßnahmen und damit die Zuschauerströme händeln, fasste der „Tagesspiegel“ in einer lokalen Spalte für die Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf zusammen: „Wie die Kinos der Coronakrise trotzen“.
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Kino in Zeiten von Corona 26
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„Lord & Schlumpfi – Der lange Weg nach Wacken“. | Foto © 24 Bilder
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 17. September 2020 – Teil 2.
Die „Wissenschaft der Malerei“, wie Leonardo da Vinci sein künstlerisches Schaffen nannte, ist heute Teil des kulturgeschichtlichen Kanons. Zu besichtigen waren seine Werke in einer zusammengetragenen Ausstellung im Musée de Louvre, wo sie eine Anziehungskraft auf Kunstbeflissene und Interessierte ausübten. Nicht jeder hatte die Chance, an dieser einmaligen Ausstellung teilzunehmen. Erstmals erscheint eine Dokumentation der Museumschau: „Eine Nacht im Louvre: Leonardo da Vinci“ macht die Werke „hautnah“ erlebbar, weil sie eigens für das Kino gefertigt wurde. Mit 5K Kameras und 3D Technikern wurde hier nächtelang – also in der besuchsfreien Zeit – gefilmt. Die Kuratoren Vincent Delieuvin und Louis Frank leiteten den Dokumentarfilmer Pierre-Hubert Martin darin an, die Erzählung über Leonardos Vorgehensweisen und malerische Technik zu schreiben.
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Corona: Brancheninfo 75
out takes, Peter HartigIm Frühjahr wurde das Filmfest Dresden wegen Corona abgesagt. Vorige Woche wagte es den zweiten Anlauf. Mit Maske und mehr Abstand als im Vorjahr, als dieses Foto entstand. | Foto © Filmfest Dresden
Venedig feiert das Kino, die Kinos spielen wieder, und gedreht wird auch wieder … die Filmwelt hat sich mit der neuen Normalität arrangiert. Die Probleme bleiben die alten, zeigt unser Streifzug durch die Medien.
„Genug vom cineastischen Magerquark!“ In der „Zeit“ rechnete Georg Seeßlen mit der deutschen Filmförderung ab und fasst die Stimmung in der drei Sätze zusammen: So kann es nicht weitergehen. Aber so geht es weiter. Und es wird noch schlimmer.
Als erstes großes Filmfestival in der Corona-Pandemie startete Anfang September Venedig – mit Abstand und Maske im Kino. Ohne Blockbuster aus den USA, aber mit dem bislang höchsten Frauenanteil und vielen neuen Filmemacher*innen im Wettbewerb, bemerkte die „Frankfurter Rundschau“ und findet Beiträge, „die zum Schwebezustand im Post-Lockdown gut passen“.
Auch die „Berliner Zeitung“ berichtet und sieht vor allem „Politik von gestern und heute in den Filmen von Venedig“.
Die „Süddeutsche Zeitung“ fand das Festival ziemlich geschrumpft, und die Filme bisher düsterer als sonst. Dafür widmete sie der Jury-Vorsitzenden Cate Blanchett umso lieber ein Porträt.
Mit fünf Monaten Verspätung startete am Dienstag das Filmfest Dresden. Im zweiten Anlauf aber richtig, mit 340 Kurzfilmen und elf Kinos. „An Regisseurinnen kommt man bei der diesjährigen Ausgabe nicht vorbei: Filme von Frauen sind so stark wie nie vertreten“, betont der MDR: „Im internationalen Wettbewerb kommt sogar die Hälfte der Filme von Regisseurinnen, und eine Retrospektive widmet sich DDR-Filmemacherinnen.“
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Gedanken in der Pandemie 72: Der kurze Sommer der Pandemie
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeVenedig zeigt seine Wettberbsfilme im Kino und setzt auf Abstand und Maske. Das älteste Filmfestival der Welt ist somit das erste der großen A-Festivals, das der Pandemie trotzt. Was aber keine Hoffnung schüren soll soll, dass nun die anderen automatisch folgen. | Screenshot
Der Urlaub der Anderen und der Ast, auf dem wir alle sitzen: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 72.
„There are no second acts in american lives“
F. Scott Fitzgerald
Willkommen zurück, liebe Leserinnen und Leser! Ich hoffe, Ihr habt den Sommer gut überstanden. Es war ein kurzer Sommer, und es war ein wilder Sommer, und wenn wir nicht auch mal froh gewesen wären, ein bisschen Urlaub zu machen, dann hätte man sehr gut auch weiterhin täglich einen Pandemie-Blog machen können, und sei es nur über den Urlaub der Anderen. Das Urlaubsverhalten der Deutschen, aber auch des Urlaubs-Reaktionsverhalten der deutschen Politiker, ist ein Kapitel für sich, und Thema für mehr als einen Blog.
+++
Bevor ich aber wieder mitten hineinspringe in unser Thema, nochmal einen Schritt zurück: Wir sind wieder da – aber ich für meinen Teil bin in den nächsten vier Wochen noch ein bisschen eingeschränkt wieder da. Nämlich nur mit einem einzigen wöchentlichen Text mit meinen „Gedanken in der Pandemie“. Das hat einfache praktische Gründe. Zur Zeit befinde ich mich nämlich auf dem Lido in Venedig – ein sehr schöner Ort, an dem ich sehr gerne bin. Hier findet das erste halbwegs normale Filmfestival seit der Pandemie wieder statt – gleich eines der ganz Großen: Das älteste Filmfestival der Welt. Natürlich unter diversen Auflagen und Pandemie-Beschränkungs-Bedingungen, die auch im großen Ganzen alle sehr sinnvoll erscheinen. Wie das im Einzelnen und wie gut im Besonderen das funktioniert, habe ich anderenorts vorige Woche bereits beschrieben. Das übers Unmittelbare hinaus für uns alle Interessante daran ist natürlich, dass diese Großveranstaltung unter Pandemie-Bedingungen ein Modell abgibt für alle derartigen Veranstaltungen bis mindestens Ende kommenden Jahres.
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