Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 22. Oktober 2020 – Teil 1.
Der erste deutsche Kreis, der Landkreis Berchtesgadener Land ist wieder im Lockdown. „Nur Gottesdienste bleiben erlaubt.“ Wales darf seine Kinos nicht öffnen und so weiter. Rein rechnerisch ist die Chance, sich mit Corona anzustecken immer wahrscheinlicher. Nur eine besonnene und verantwortungsvolle Haltung kann einen durch diese Lawine von Meldungen lavieren. Ehrlich gesagt, habe ich in den öffentlichen Räumen Bedenken, zumal wenn überfüllt und wenn man sieht, wie die Leute ihre Masken tragen, wenn sie sie denn tragen, dann ist es eigentlich auch egal.
Im Kino fühle ich mich bisher sicher. Zumindest stimmen da die Rahmenbedingungen. Immer wieder wird darauf hingewiesen, was die Kinos alles tun, damit es sicher ist. Auf Celluloid Junkie gibt es jetzt eine Analyse: „The Number of COVID-19 Outbreaks Traced to Cinemas is Zero“ [auf Englisch]. Programmkino.de bringt eine deutsche Übersetzung: Darin heißt es: „trotz der über hundert Millionen Kinobesuche in der ganzen Welt seit Beginn der Covid-19-Pandemie (konnte) kein einziger Ausbruch auf irgendeine Art von Kino zurückgeführt werden“. Ganz anders sieht das in den Kirchen aus. Der Verband AG Kino fordert folgerichtig, die Kinos zu unterstützen, statt sie abzustrafen.
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 22. Oktober 2020 – Teil 2.
Passend in unsere Zeit ist die Referenz an John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“ und damit das Spielfilmdebüt von Jeffrey A. Brown, das mit dem wenig Greifbaren spielt: Randall (Noah Le Gros) lädt seine Freundin Emiliy (Liana Liberato) ein, das Wochenende im „Beach House“ seines Vaters zu verbringen. Dort treffen sie jedoch auf die Turners, ein mit der Familie von Randall befreundetes Ehepaar. Die Vier machen das Beste daraus und arrangieren sich. Als eines Abends viel Alkohol fließt, geraten die Dinge durcheinander. Am nächsten Morgen ist nichts so wie es war – die Turners verhalten sich anders, aber auch die Landschaft hat sich plötzlich verändert. Mit vielfältigem und gezielt eingesetztem Bewegtbildvokabular setzt DoP Owen Levelle das Unbehagen ins Bild.
35 ist das neue 50 und Weiteres aus dem ganz normalen Wahnsinn der Pandemiebekämpfung: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 77.
„Auf den Notfall rekurriert man, um schnellstmöglich zur Normalität zurückzukehren, auf den Ausnahmefall rekurriert man hingegen, um die Regel zu brechen und eine neue Ordnung durchzusetzen.“
Carl Schmitt (1888-1985), Staatsrechtler und politischer Philosoph
Eigentlich wäre hier unbedingt der Blick ins Ausland nötig und auch das statistische Untersuchen der verschiedenen Wellen und Bögen und Kurven, ob sie nun exponenziell sind oder nicht. Dafür ist in diesem Blog leider im Augenblick keine Zeit und auch kein Raum. Das wird sich ändern, aber erst in ein ein paar Wochen.
Genauso, wie es hier mehr Vielstimmigkeit geben müsste. Im Augenblick fährt auch dieser Blog nur „auf Sicht“. Ich versuche, wichtiger Kritik und differenzierten Stimmen Raum zu geben; es bleibt aber kein Raum, um Themen zu vertiefen oder deutlicher auf Kunst und Kultur einzugehen, auf den Medienbetrieb, oder auch deutlich zu machen, dass in Deutschland immer noch „das Glas halbvoll“ ist, oder dreiviertelvoll, wenn es um Corona-Bekämpfung geht.
Es ist wichtig das zu sagen, denn ich selbst bin mit diesem Zustand unzufrieden. Die „Gedanken in de Pandemie“ sollen kein Corona-Meckerblog sein, ein Raum für Vielfalt sehr wohl. In diesen Wochen heißt das trotzdem: Keine Kür, nur Pflicht.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-10-19 10:52:412020-10-19 10:52:41Gedanken in der Pandemie 77: „My Name is Angela Merkel, and I want you to panic!“
Mit einem Spot ruft #VielfaltImFilm https://vielfaltimfilm.de nochmal Filmschaffende zur großen Online-Befragung auf. | Screenshot
Mehr als ein halbes Jahr schon liegt die Pandemie über dem Land, Hilfspakete sollen retten, was zu retten ist. Doch an den rund 2,5 Millionen Solo-Selbständigen gehen die Hilfen vorbei, wird ebenso lange geklagt – bis hin zum Bundesrat. Jetzt denkt sogar das Bundeswirtschaftsministerium über eine Verbesserung nach, verrät aber noch keine konkreten Pläne.
Lost. Das ist das „Jugendwort des Jahres“, haben Jugendliche abgestimmt. Das klingt cool und bietet beträchtliche Interpretationstiefe. Zum Beispiel der „Berliner Zeitung“: „Direkt übersetzt aus dem Englischen bedeutet es ,verloren’, beschreibt aber in der Jugendsprache vor allem ahnungsloses oder unsicheres Verhalten. Das Jugendwort 2020 könnte also unser aller Empfinden im diesjährigen Corona-Jahr wohl nicht besser beschreiben.“
Nach mehr als einem halben Jahr scheint endlich auch Rettung für die vielen Solo-Selbstständigen und Freiberufler*innen in der Branche zu nahen. Die bisherigen Hilfsprogramme decken lediglich Betriebskosten und Ähnliches, nicht aber den Lebensunterhalt der Unternehmer*innen – sie werden letztlich auf die Grundsicherung („Hartz IV“) verwiesen. Das muss man eigentlich nicht mehr erklären, denn schon seit dem Start der sogenannten Soforthilfen im Frühling wird auf allen Kanälen immer wieder dargestellt, dass die Hilfen nicht ankommen, wo sie gebraucht werden. Im Sommer hatte der Bundesrat das bemängelt und einen „Unternehmerlohn“ als existenzsichernden Zuschuss für den Lebensunterhalt gefordert. Einen solchen zahlt Nordrhein-Westfalen mit monatlich 1000 Euro. Die „Überbrückungshilfe Plus“, ursprünglich auf drei Monate angelegt, wurde bereits bis zum Jahresende verlängert.
Nun ist es Herbst, und auf Bundesebene stellt Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte diese Woche nun auch solche Hilfsprogramme in Aussicht, berichtet nicht nur „Die Welt“. Jedenfalls werde das im Ministerium diskutiert, heiße es aus dortigen Kreisen. Allerdings nur „intern“: Einen formalen Vorschlag oder gar eine Abstimmung mit anderen Ressorts habe es aber noch nicht gegeben.
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 15. Oktober 2020 – Teil 1.
Marketing-Sprache. Manchmal wundere ich mich doch, mit welchen Floskeln man mir die Meldungen serviert. Da werden Premieren als „zauberhaft“, „saustark“ oder „umjubelt“ beworben. Wenn dann die nächste große Kinohoffnung zum Streaming getragen wird, dann ist im Kinogeschäft niemandem zum Jubeln zumute. Da wird etwa Bob Chapek, CEO der Walt Disney Company, zitiert mit: „Wir sind begeistert, Pixars spektakulären und berührenden Film ,Soul‘ den Zuschauern im Dezember direkt auf Disney+ zugänglich zu machen.“ Und weiter im Werbetext: „Ein neuer Pixar-Film ist immer etwas Besonderes, und diese wirklich warmherzige und witzige Geschichte über menschliche Beziehungen und wie wir unseren Platz in der Welt finden, ist ein filmisches Highlight, das Familien nun gemeinsam über die Weihnachtsfeiertage genießen können.“ Vielen Dank. Für nichts.
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 15. Oktober 2020 – Teil 2.
Mit der „Reise der Pinguine“ von Luc Jaquet setzte vor 15 Jahren eine Abkehr von den eher sachlich-ethnografischen Tierdokumentationen, wie sie etwa Heinz Sielmann oder Bernhard Grzimek vertraten. Keine überhöhenden und fiktionalisierende Erzählebenenen nach Art von Jaquet flicht dagegen der Filmemacher Roman Droux in seinen Film ein, was erfrischend authentisch ist. Stattdessen kommentiert er seine Gefühle und Stimmungen angesichts seines Lieblingstiers. Denn er unterhält fast schon eine karmaeske Verbindung mit Bären, seitdem er als kleines Kind diesen tierischen Gefährten aus Plüsch immer bei sich trug. Mit „Der Bär in mir“ erfüllt er sich den Wunsch seiner Kindheit und folgt dem Bärenforscher David Bittner in die Wildnis, um die Welt der Grizzlys in Alaska zu erkunden. Bittner begleitet seit Jahren die Bären Balu und Luna, die er nach ihrem Winterschlaf nun erneut aufsucht.
Die aktuellen und anhaltenden Diskussionen um das Thema Diversität war Anlass, dass sich vier Filmschaffende zu diesem Online-Talk zusammengetan haben, um sich untereinander und mit anderen Kolleg*innen auszutauschen. Wir veröffentlichen das informative, authentische und tiefblickende Gespräch in leicht gekürzter Fassung. Denkt bitte an die Umfrage „Vielfalt im Film“ und nehmt teil!
Es diskutierten:
Thelma Buabeng (Schauspielerin, Aktivistin & Moderatorin)
Iris Baumüller (Casting Director | BVC)
Nataly Kudiabor (Produzentin | Ufa Fiction)
Michel Birbæk (Drehbuchautor)
Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel (Achtung in der Ecke rechts oben anklickbar!):
Intro Kapitel 1: Wie divers ist die deutsche Film- und Fernsehlandschaft? Kapitel 2: Beispiele aus Theorie & Praxis Kapitel 3: Fehlende Zahlen & Fakten zur Diversität Kapitel 4: Wie macht es das Ausland? Kapitel 5: Stellschraube: Entscheider*innen & Zielgruppe Kapitel 6: Selbstverpflichtung als Druckmittel Kapitel 7: Cultural Background Abspann & Dankeschön
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Tina Thielehttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgTina Thiele2020-10-13 17:59:142020-10-13 17:59:14Diversity is a Fact – Inclusion is an Act!?
Gezielte Verunsicherung: „Das Virus ist zu politisch geworden, obwohl es eigentlich nicht politisch sein sollte“: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 76
„es kommt eine neue zeit überhitzung verwüstung steppenbildung es kommt eine neue zeit die toten kommen wieder einer nach dem anderen und die ersten werden deine spuren tragen“
Thomas Köck, antigone. ein requiem
„Die sanfte Revolution der Elektronengehirne hat in der Bundesrepublik längst begonnen. (…) In diesem Stadium des Aufbruchs (…) müssen Gefahren auf die Wand unserer Zukunft projiziert werden, Tendenzen zur Totalisierung des Staates auf Umwegen, zur Schematisierung und zur Entblößung und Degradierung der menschlichen Person.“ Hanno Kühnert, Redakteur, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni 1969
“Was ist das Beste an einer Staatskrise, einer Revolution? Ganz neue Möglichkeiten. Und neue Gewinner. Jetzt lass uns doch mal überlegen, wie wir das hier gewinnen können.“ aus: „Deutschland 89“
Corona ist da. Die Infektionen steigen. Beides steht nicht infrage. Infrage steht aber, was das heißt und wie man darauf reagiert.
+++
Nachruf zu Lebzeiten. Und Nachleben im Tod. „Ich bin jetzt tot, und Sie, liebe Hörer, werden das eines Tages auch sein.“ Herbert Feuerstein lebt tatsächlich nicht mehr, aber in der Stunde seines Todes überrascht er das Publikum noch einmal – mit seinem Nachruf, den er vor fast sechs Jahren aufgezeichnet hat. Auf WDR 5 kann man ihn hören. Ein knapp zweistündiger Gang durch sein Leben, mit viel Musik, und vielen weiteren Sprechern. Und ein Lehrstück, wie man auch sterben kann: beiläufig, gelassen, unpathetisch.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-10-12 17:45:282020-10-12 17:45:28Gedanken in der Pandemie 76: Die zweite Panik-Welle
Kino in Zeiten von Corona 31 – 1
Elisabeth Nagy, Unsere Gäste„Kajillionaire“ | Foto © Universal
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 22. Oktober 2020 – Teil 1.
Der erste deutsche Kreis, der Landkreis Berchtesgadener Land ist wieder im Lockdown. „Nur Gottesdienste bleiben erlaubt.“ Wales darf seine Kinos nicht öffnen und so weiter. Rein rechnerisch ist die Chance, sich mit Corona anzustecken immer wahrscheinlicher. Nur eine besonnene und verantwortungsvolle Haltung kann einen durch diese Lawine von Meldungen lavieren. Ehrlich gesagt, habe ich in den öffentlichen Räumen Bedenken, zumal wenn überfüllt und wenn man sieht, wie die Leute ihre Masken tragen, wenn sie sie denn tragen, dann ist es eigentlich auch egal.
Im Kino fühle ich mich bisher sicher. Zumindest stimmen da die Rahmenbedingungen. Immer wieder wird darauf hingewiesen, was die Kinos alles tun, damit es sicher ist. Auf Celluloid Junkie gibt es jetzt eine Analyse: „The Number of COVID-19 Outbreaks Traced to Cinemas is Zero“ [auf Englisch]. Programmkino.de bringt eine deutsche Übersetzung: Darin heißt es: „trotz der über hundert Millionen Kinobesuche in der ganzen Welt seit Beginn der Covid-19-Pandemie (konnte) kein einziger Ausbruch auf irgendeine Art von Kino zurückgeführt werden“. Ganz anders sieht das in den Kirchen aus. Der Verband AG Kino fordert folgerichtig, die Kinos zu unterstützen, statt sie abzustrafen.
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Kino in Zeiten von Corona 31 – 2
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„The Beach House“ | Foto © 24 Bilder
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 22. Oktober 2020 – Teil 2.
Passend in unsere Zeit ist die Referenz an John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“ und damit das Spielfilmdebüt von Jeffrey A. Brown, das mit dem wenig Greifbaren spielt: Randall (Noah Le Gros) lädt seine Freundin Emiliy (Liana Liberato) ein, das Wochenende im „Beach House“ seines Vaters zu verbringen. Dort treffen sie jedoch auf die Turners, ein mit der Familie von Randall befreundetes Ehepaar. Die Vier machen das Beste daraus und arrangieren sich. Als eines Abends viel Alkohol fließt, geraten die Dinge durcheinander. Am nächsten Morgen ist nichts so wie es war – die Turners verhalten sich anders, aber auch die Landschaft hat sich plötzlich verändert. Mit vielfältigem und gezielt eingesetztem Bewegtbildvokabular setzt DoP Owen Levelle das Unbehagen ins Bild.
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Gedanken in der Pandemie 77: „My Name is Angela Merkel, and I want you to panic!“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeDie Politik wirkt wirr in diesen Tagen. Das kann niemanden glücklich machen. | Foto © Just Watch
35 ist das neue 50 und Weiteres aus dem ganz normalen Wahnsinn der Pandemiebekämpfung: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 77.
„Auf den Notfall rekurriert man, um schnellstmöglich zur Normalität zurückzukehren, auf den Ausnahmefall rekurriert man hingegen, um die Regel zu brechen und eine neue Ordnung durchzusetzen.“
Carl Schmitt (1888-1985), Staatsrechtler und politischer Philosoph
Eigentlich wäre hier unbedingt der Blick ins Ausland nötig und auch das statistische Untersuchen der verschiedenen Wellen und Bögen und Kurven, ob sie nun exponenziell sind oder nicht. Dafür ist in diesem Blog leider im Augenblick keine Zeit und auch kein Raum. Das wird sich ändern, aber erst in ein ein paar Wochen.
Genauso, wie es hier mehr Vielstimmigkeit geben müsste. Im Augenblick fährt auch dieser Blog nur „auf Sicht“. Ich versuche, wichtiger Kritik und differenzierten Stimmen Raum zu geben; es bleibt aber kein Raum, um Themen zu vertiefen oder deutlicher auf Kunst und Kultur einzugehen, auf den Medienbetrieb, oder auch deutlich zu machen, dass in Deutschland immer noch „das Glas halbvoll“ ist, oder dreiviertelvoll, wenn es um Corona-Bekämpfung geht.
Es ist wichtig das zu sagen, denn ich selbst bin mit diesem Zustand unzufrieden. Die „Gedanken in de Pandemie“ sollen kein Corona-Meckerblog sein, ein Raum für Vielfalt sehr wohl. In diesen Wochen heißt das trotzdem: Keine Kür, nur Pflicht.
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Corona: Brancheninfo 80
out takes, Peter HartigMit einem Spot ruft #VielfaltImFilm https://vielfaltimfilm.de nochmal Filmschaffende zur großen Online-Befragung auf. | Screenshot
Mehr als ein halbes Jahr schon liegt die Pandemie über dem Land, Hilfspakete sollen retten, was zu retten ist. Doch an den rund 2,5 Millionen Solo-Selbständigen gehen die Hilfen vorbei, wird ebenso lange geklagt – bis hin zum Bundesrat. Jetzt denkt sogar das Bundeswirtschaftsministerium über eine Verbesserung nach, verrät aber noch keine konkreten Pläne.
Lost. Das ist das „Jugendwort des Jahres“, haben Jugendliche abgestimmt. Das klingt cool und bietet beträchtliche Interpretationstiefe. Zum Beispiel der „Berliner Zeitung“: „Direkt übersetzt aus dem Englischen bedeutet es ,verloren’, beschreibt aber in der Jugendsprache vor allem ahnungsloses oder unsicheres Verhalten. Das Jugendwort 2020 könnte also unser aller Empfinden im diesjährigen Corona-Jahr wohl nicht besser beschreiben.“
Nach mehr als einem halben Jahr scheint endlich auch Rettung für die vielen Solo-Selbstständigen und Freiberufler*innen in der Branche zu nahen. Die bisherigen Hilfsprogramme decken lediglich Betriebskosten und Ähnliches, nicht aber den Lebensunterhalt der Unternehmer*innen – sie werden letztlich auf die Grundsicherung („Hartz IV“) verwiesen. Das muss man eigentlich nicht mehr erklären, denn schon seit dem Start der sogenannten Soforthilfen im Frühling wird auf allen Kanälen immer wieder dargestellt, dass die Hilfen nicht ankommen, wo sie gebraucht werden. Im Sommer hatte der Bundesrat das bemängelt und einen „Unternehmerlohn“ als existenzsichernden Zuschuss für den Lebensunterhalt gefordert. Einen solchen zahlt Nordrhein-Westfalen mit monatlich 1000 Euro. Die „Überbrückungshilfe Plus“, ursprünglich auf drei Monate angelegt, wurde bereits bis zum Jahresende verlängert.
Nun ist es Herbst, und auf Bundesebene stellt Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte diese Woche nun auch solche Hilfsprogramme in Aussicht, berichtet nicht nur „Die Welt“. Jedenfalls werde das im Ministerium diskutiert, heiße es aus dortigen Kreisen. Allerdings nur „intern“: Einen formalen Vorschlag oder gar eine Abstimmung mit anderen Ressorts habe es aber noch nicht gegeben.
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Kino in Zeiten von Corona 30 – 1
Elisabeth Nagy, Unsere Gäste„Rojo“ | Foto © Cine Global
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 15. Oktober 2020 – Teil 1.
Marketing-Sprache. Manchmal wundere ich mich doch, mit welchen Floskeln man mir die Meldungen serviert. Da werden Premieren als „zauberhaft“, „saustark“ oder „umjubelt“ beworben. Wenn dann die nächste große Kinohoffnung zum Streaming getragen wird, dann ist im Kinogeschäft niemandem zum Jubeln zumute. Da wird etwa Bob Chapek, CEO der Walt Disney Company, zitiert mit: „Wir sind begeistert, Pixars spektakulären und berührenden Film ,Soul‘ den Zuschauern im Dezember direkt auf Disney+ zugänglich zu machen.“ Und weiter im Werbetext: „Ein neuer Pixar-Film ist immer etwas Besonderes, und diese wirklich warmherzige und witzige Geschichte über menschliche Beziehungen und wie wir unseren Platz in der Welt finden, ist ein filmisches Highlight, das Familien nun gemeinsam über die Weihnachtsfeiertage genießen können.“ Vielen Dank. Für nichts.
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Kino in Zeiten von Corona 30 – 2
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„Making Montgomery Clift“ | Foto © Missing Films
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 15. Oktober 2020 – Teil 2.
Mit der „Reise der Pinguine“ von Luc Jaquet setzte vor 15 Jahren eine Abkehr von den eher sachlich-ethnografischen Tierdokumentationen, wie sie etwa Heinz Sielmann oder Bernhard Grzimek vertraten. Keine überhöhenden und fiktionalisierende Erzählebenenen nach Art von Jaquet flicht dagegen der Filmemacher Roman Droux in seinen Film ein, was erfrischend authentisch ist. Stattdessen kommentiert er seine Gefühle und Stimmungen angesichts seines Lieblingstiers. Denn er unterhält fast schon eine karmaeske Verbindung mit Bären, seitdem er als kleines Kind diesen tierischen Gefährten aus Plüsch immer bei sich trug. Mit „Der Bär in mir“ erfüllt er sich den Wunsch seiner Kindheit und folgt dem Bärenforscher David Bittner in die Wildnis, um die Welt der Grizzlys in Alaska zu erkunden. Bittner begleitet seit Jahren die Bären Balu und Luna, die er nach ihrem Winterschlaf nun erneut aufsucht.
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Diversity is a Fact – Inclusion is an Act!?
out takes, Tina ThieleDie aktuellen und anhaltenden Diskussionen um das Thema Diversität war Anlass, dass sich vier Filmschaffende zu diesem Online-Talk zusammengetan haben, um sich untereinander und mit anderen Kolleg*innen auszutauschen. Wir veröffentlichen das informative, authentische und tiefblickende Gespräch in leicht gekürzter Fassung. Denkt bitte an die Umfrage „Vielfalt im Film“ und nehmt teil!
Es diskutierten:
Thelma Buabeng (Schauspielerin, Aktivistin & Moderatorin)
Iris Baumüller (Casting Director | BVC)
Nataly Kudiabor (Produzentin | Ufa Fiction)
Michel Birbæk (Drehbuchautor)
Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel (Achtung in der Ecke rechts oben anklickbar!):
Intro
Kapitel 1: Wie divers ist die deutsche Film- und Fernsehlandschaft?
Kapitel 2: Beispiele aus Theorie & Praxis
Kapitel 3: Fehlende Zahlen & Fakten zur Diversität
Kapitel 4: Wie macht es das Ausland?
Kapitel 5: Stellschraube: Entscheider*innen & Zielgruppe
Kapitel 6: Selbstverpflichtung als Druckmittel
Kapitel 7: Cultural Background
Abspann & Dankeschön
Offizielle Website Vielfalt im Film: www.vielfaltimfilm.de
Viel Spaß beim Anschauen.
Gedanken in der Pandemie 76: Die zweite Panik-Welle
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeOft Drama, auch Melo, aber kein Kitsch: Die dritte Staffel von „Babylon Berlin“ wirkt wie ein ferner Spiegel unserer Tage. | Foto © ARD Degeto, X-Filme, Beta Film, Sky Deutschland, Frédéric Batier
Gezielte Verunsicherung: „Das Virus ist zu politisch geworden, obwohl es eigentlich nicht politisch sein sollte“: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 76
„es
kommt eine neue zeit
überhitzung verwüstung steppenbildung
es kommt eine neue zeit
die toten kommen wieder
einer nach dem anderen und
die ersten
werden deine spuren tragen“
Thomas Köck, antigone. ein requiem
„Die sanfte Revolution der Elektronengehirne hat in der Bundesrepublik längst begonnen. (…) In diesem Stadium des Aufbruchs (…) müssen Gefahren auf die Wand unserer Zukunft projiziert werden, Tendenzen zur Totalisierung des Staates auf Umwegen, zur Schematisierung und zur Entblößung und Degradierung der menschlichen Person.“
Hanno Kühnert, Redakteur, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni 1969
“Was ist das Beste an einer Staatskrise, einer Revolution? Ganz neue Möglichkeiten. Und neue Gewinner. Jetzt lass uns doch mal überlegen, wie wir das hier gewinnen können.“
aus: „Deutschland 89“
Corona ist da. Die Infektionen steigen. Beides steht nicht infrage. Infrage steht aber, was das heißt und wie man darauf reagiert.
+++
Nachruf zu Lebzeiten. Und Nachleben im Tod. „Ich bin jetzt tot, und Sie, liebe Hörer, werden das eines Tages auch sein.“ Herbert Feuerstein lebt tatsächlich nicht mehr, aber in der Stunde seines Todes überrascht er das Publikum noch einmal – mit seinem Nachruf, den er vor fast sechs Jahren aufgezeichnet hat. Auf WDR 5 kann man ihn hören. Ein knapp zweistündiger Gang durch sein Leben, mit viel Musik, und vielen weiteren Sprechern. Und ein Lehrstück, wie man auch sterben kann: beiläufig, gelassen, unpathetisch.
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