Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 8. Oktober 2020 – Teil 1.
Die Karten wurden neu gemischt. Wie ein Fels in der Brandung stand James Bond im November auf dem Startplan, um Kinopublikum und Kinomacher sowas wie Erlösung aus einer langen Fastenzeit zu versprechen. Da hat man noch mal ordentlich was in das Marketing reingebuttert (wir berichteten vorige Woche), und dann krachte auch dieser Starttermin mit lautem Getöse und wurde zum ersten Dominostein, der eine Kettenreaktion auslöste, die noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Der 12. November 2020 war in so greifbarer Nähe … vergeblich. Die zweite Corona-Welle ebbt noch nicht ab. Wir machen uns was vor, wenn wir denken, dass sich daran so schnell etwas ändern wird. Jetzt soll Bond im April 2021 ins Kino kommen, ein Jahr nach dem ursprünglich anvisierten Starttermin.
Aber eine Verschiebung von einem Jahr ist gerade hoch im Trend. „F9“, sprich die 9. Episode der „Fast-&-Furious“-Reihe wird nun auch verschoben, vom April auf Ende Mai 2021, um 007 nicht ins Gehege zu kommen. „Jurassic World“ rutscht mit der Lawine vom Sommer 2021 in den Juni 2022, meldet das Branchenblatt „Variety“ [auf Englisch]. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Elisabeth Nagyhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgElisabeth Nagy2020-10-09 15:32:252020-10-09 15:32:25Kino in Zeiten von Corona 29 – 1
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 8. Oktober 2020 – Teil 2.
Ach, was wären die Töchter doch ohne ihre Väter. Das ist so ein Gedanke, der schon in den 1950er-Jahren in „Vater der Braut“ Konjunktur hatte und anscheinend bis heute zum Sittengemälde der Gesellschaft gehört: Der wohlhabende Rechtsanwalt Arthur (Heiner Lauterbach) , der cholerische Bauarbeiter Kalle (Jürgen Vogel) und der sanftmütige Physiotherapeut Yus (Hilmi Sözer) haben eines gemeinsam: Sie sind Väter von Töchtern. Und sie wollen diese Töchter (Janina Uhse, Lisa-Marie Koroll, Lara Aylin Winkler) vor ihren künftigen Ehemännern bewahren. Sie hecken einen Plan aus, diese loszuwerden und gehen damit einen Pakt ein – „Es ist zu deinem Besten“.
Nach „Das perfekte Geheimnis“, für den der italienische Film „Perfetti Sconosciuti“ Pate stand, gibt es ein weiteres Komödien-Remake. Marc Rothemund („Sophie Scholl“, „Dieses bescheuerte Herz“) bringt hier die deutsche Version der spanischen Komödie „Es por tu bien“ aus dem Jahr 2017 in die Kinos.
Zurzeit machen vor allem zwei Dokumentationen von sich reden. Und die stammen nicht von den Öffentlich-Rechtlichen, sondern von Privatsender und Streamingdienst. Anlass auch, zu fragen, was die anders machen im Stammgebiet von ARD und ZDF.
Die gute Nachricht: Schon mehr als 100 Millionen Euro haben Bund und Länder für die Rettung der Kinos in der Corona-Krise bereitgestellt. Die schlechte Nachricht: Diese Hilfen wurden nicht zu Ende gedacht. Das wird zwar seit langem und immer wieder angemerkt, hat aber offenbar bislang wenig gebracht. Jedenfalls machen 33 unabhängige deutsche Filmverleiher mit einem offenen Brief nochmals auf das Problem aufmerksam. Obwohl man für viele Bereiche pragmatische Lösungen gefunden habe, sei es für die Verleiher bislang bei völlig unzureichenden und ineffizienten Maßnahmen geblieben. Das sei ein Fehler, durch den strukturelle Schäden für die gesamte Branche drohten. Der Brief im Wortlaut.
Der vorige Freitag könnte in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen, meint die „Taz“. Am 25. September startete nämlich die erste eigene deutsche Netflix-Dokuserie, „Einigkeit und Mord und Freiheit“. In vier Folgen schildert die Gebrüder Beetz Filmproduktion den Mordfall an Treuhand-Chef Detlev Rohwedder 1991, die verschiedenen Theorien über die Hintergründe und zugleich die Wirtschafts-Geschichte der deutschen Wiedervereinigung. Schon vor dem Start gab’s viel Lob in den Feuilletons, doch die „Taz“ interessiert hier nicht der Inhalt, sondern der „Blick hinter die Kulissen der neuen ARD- und ZDF-Konkurrenz“. Kurz: Was der Streamer anders macht. Weiterlesen
In der Dauerwelle: Widersprüchliche Statistiken und gute Fragen bei Markus Lanz: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 75.
„Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der ,Ausnahmezustand‘, in dem wir leben, die Regel ist. […] Das Staunen darüber, daß die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten Jahrhundert ,noch‘ möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, daß die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.“
Walter Benjamin: „Über den Begriff der Geschichte“
Vor 80 Jahren, am 25.09.1940 brachte sich Walter Benjamin auf der Flucht vor der Nazi-Mordmaschine in den Pyrenäen um. Noch zwei Tage lang kann man im „Deutschlandfunk“ die Wiederholung jener „Langen Nacht“ hören und herunterladen, die Martin Opitz vor zehn Jahren über Benjamin produzierte.
+++
Winter is coming. Eines muss man Markus Söder ja lassen: Die popkulturellen Referenzen sitzen bei ihm weit besser, als bei den allermeisten anderen Politikerkollegen. Und Söder ist einer der wenigen, der in der Popkultur sich zumindest so weit selber auskennt, dass er dafür sorgen kann, im richtigen Moment ein paar Zeichen zu setzen. So zum Beispiel diese Tasse bei seiner Parteitagsrede.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-10-02 19:54:102020-10-02 09:57:46Gedanken in der Pandemie 75: Corona als Religion
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 1. Oktober 2020 – Teil 1.
Kaum hatte ich vorige Woche meine Kolumne an die Redaktion gegeben, in der ich von zahlreichen Startterminverschiebungen weg aus dem Oktober berichtete, da trudelten erste Meldungen zur umgeworfenen Startstaffel von Walt Disney Studios ein. Am Donnerstag kam die offizielle Pressemeldung. „Blickpunkt Film“ brachte seine Meldung entsprechend auf den neuesten Stand. „Black Widow“ wurde um gut ein halbes Jahr in den Mai 2021 verschoben. „The King’s Man – The Beginning“, im Gegenzug, wanderte zwei Wochen, na allerhand, auf Mitte Februar 2021 vor.
Unverrückbar bleibt der neue James Bond auf dem 12. November 2020. Universal zeigt seine Unterstützung, indem sie mit einem exklusiven Podcast an ihr Publikum herantritt, der ab sofort auf allen gängigen Plattformen erreichbar ist, um so die Zeit bis zur Startwoche zu überbrücken. Über sechs Folgen (allerdings in Englisch), will man einen „exklusiven Einblick hinter die Kulissen der 25. Bond-Mission“ gewähren und „vom Casting Director bis hin zum Special Effects Supervisor“ werden alle dabei sein. Die erste Episode verspricht „Bond in Context“, die letzte nennt sich dann „Being 007“. Aber mit anderen Worten, nur noch sechs Wochen und wir sind schon mitten im November. Geht es nur mir so? Die jährlich zum Ende der Sommerferien terminierte Platzierung von Weihnachtsgebäck in den Supermärkten wirkt für mich noch surrealer als in den vorigen Jahren.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Elisabeth Nagyhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgElisabeth Nagy2020-10-01 22:11:072020-10-01 22:11:07Kino in Zeiten von Corona 28
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 1. Oktober 2020 – Teil 2.
Nicht allein „Me Too“ oder die hiesige „#Aufschrei“-Debatte mögen ein Vehikel für das Thema Gleichberechtigung in der Filmerzählung sein. Denn aktuell war dieses Thema eigentlich schon immer: Das zeigt der „Miss-World“-Wettbewerb, der in den 1970er-Jahren auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit war. Doch für Sally (Keira Knightley) und ihre besten Freundin Jo (Jessie Buckley) bedeutet das Spektakel nichts anderes als die Veranschaulichung der gegenwärtigen Frauenverachtung. Für manche Teilnehmerin (Gugu Mbatha-Raw) wiederum bedeutet der Wettbewerb nicht nur die Möglichkeit auf einen Preisgewinn, sondern auch die Chance zur Befreiung von Rassismus und Diskriminierung. Und so wurde der Wettbewerb eigentlich nie das, wozu er einst erdacht war (nämlich den gerade neu erfundenen Biniki zu bewerben). Er wurde zum Sprungbrett für weibliche Karrieren: Die Deutsche Petra Schürmann gewann 1956 neben Finninnen, Schwedinnen und anderen weißen Frauen – bis zum Jahr 1970, als erstmals Jennifer Hosten aus Grenada als Dunkelhäutige den Preis gewann. So wurde „Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution“: Die Regisseurin Philippa Lowthorpe („The Crown“) und die Drehbuchautorin Rebecca Frayn („The Lady“) hat die wahre Geschichte zu dieser auch amüsanten Filmgeschichte inspiriert.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Karolina Wrobelhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgKarolina Wrobel2020-10-01 22:09:572020-10-01 22:09:57Kino in Zeiten von Corona 28
Der ARD-Programmdirektor lobt die Produzenten: Sie hätten „einen richtig guten Job gemacht.“ Auch die Ufa sieht sich fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Doch noch immer wird um einen echten Ausfallfonds, der die Branche in der Krise schützen soll. Wir beginnen mit drei Nachrufen.
Michael Gwisdek ist tot. Der Schauspieler ist am Dienstag in Berlin mit 78 Jahren gestorben. Als erster deutscher männlicher Darsteller hatte er 1999 auf der Berlinale einen „Silbernen Bären“ erhalten. Seine Rolle in „Nachtgestalten“, war vergleichsweise klein, aber hatte den typischen Gwisdek-Touch.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ würdigt ihn mit einem kurzen Nachruf: Gwisdek „wurde nach der Wende zu einem der beliebtesten Schauspieler, mit seiner eleganten Präsenz überwand er alle Ossi-Wessi-Klischees, und mit seinem Air von Altersweisheit hielt er auch kitschige Figuren wie den Weizenfelder durchwandernden Großvater zuletzt in ,Traumfabrik‘ am Leben.“ Weiterlesen
Neues aus der „Man-weiß-ja-nie“-Gesellschaft: Maskenzwang, Bayern-Malus, Verbotslust und Lustverbot- Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 74.
„Das große Problem wird zunehmend in der Verfügung über die Informationen liegen, die von Automaten zu speichern sein werden, damit die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Die Verfügung über die Information fällt immer mehr in die Zuständigkeit von Experten aller Art. … Es zeichnet sich eine Politik ab, in der der Wunsch nach Gerechtigkeit und der nach Unbekannten gleichermaßen respektiert sein werden.“
Jean-Francois Lyotard, „Das postmoderne Wissen“
Geht es euch, liebe Leser, eigentlich auch so: Dass man durch Corona wieder ein bisschen zur Zeichensprache zurückkehrt? Genau gesagt durch die Masken. Man verliert durch sie nämlich einen großen Teil seiner Ausdrucksfähigkeit; man muss in Gesprächen stärker mit den Händen sprechen, muss Emotionen, die man allein mit Augen nicht transportieren kann, sondern wozu man seinen Mund und die Grimassen und das Lachen braucht, genauso wie das Zusammenspiel zwischen Augen und Mund, man muss alles dies ersetzen durch Gesten. Es sind die Gesten der Präraffaeliten, Gesten der Kunst des Mittelalters: Zusammengefaltete Hände, oder die Hände zur Faust geballt, oder eine Hand auf dem Herzen, zusammen mit einer Verbeugung, wie sonst nur bei Japanern. Oder die offen gezeigte Hand. Eben vor allem die Hand.
Ob wir durch Corona auch zum Stummfilm zurückkehren? Das wäre mal was.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-09-25 18:09:092020-09-25 17:09:38Gedanken in der Pandemie 74: Das Ziel ist Verunsicherung
Kino in Zeiten von Corona 29 – 1
Elisabeth Nagy, Unsere Gäste„Eine Frau mit berauschenden Talenten“ | Foto © Neue Visionen, Guy Ferrandis
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 8. Oktober 2020 – Teil 1.
Die Karten wurden neu gemischt. Wie ein Fels in der Brandung stand James Bond im November auf dem Startplan, um Kinopublikum und Kinomacher sowas wie Erlösung aus einer langen Fastenzeit zu versprechen. Da hat man noch mal ordentlich was in das Marketing reingebuttert (wir berichteten vorige Woche), und dann krachte auch dieser Starttermin mit lautem Getöse und wurde zum ersten Dominostein, der eine Kettenreaktion auslöste, die noch nicht zum Stillstand gekommen ist. Der 12. November 2020 war in so greifbarer Nähe … vergeblich. Die zweite Corona-Welle ebbt noch nicht ab. Wir machen uns was vor, wenn wir denken, dass sich daran so schnell etwas ändern wird. Jetzt soll Bond im April 2021 ins Kino kommen, ein Jahr nach dem ursprünglich anvisierten Starttermin.
Aber eine Verschiebung von einem Jahr ist gerade hoch im Trend. „F9“, sprich die 9. Episode der „Fast-&-Furious“-Reihe wird nun auch verschoben, vom April auf Ende Mai 2021, um 007 nicht ins Gehege zu kommen. „Jurassic World“ rutscht mit der Lawine vom Sommer 2021 in den Juni 2022, meldet das Branchenblatt „Variety“ [auf Englisch].
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Kino in Zeiten von Corona 29 – 2
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„Es ist zu deinem Besten“ | Foto © Studiocanal, Frédéric Batier
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 8. Oktober 2020 – Teil 2.
Ach, was wären die Töchter doch ohne ihre Väter. Das ist so ein Gedanke, der schon in den 1950er-Jahren in „Vater der Braut“ Konjunktur hatte und anscheinend bis heute zum Sittengemälde der Gesellschaft gehört: Der wohlhabende Rechtsanwalt Arthur (Heiner Lauterbach) , der cholerische Bauarbeiter Kalle (Jürgen Vogel) und der sanftmütige Physiotherapeut Yus (Hilmi Sözer) haben eines gemeinsam: Sie sind Väter von Töchtern. Und sie wollen diese Töchter (Janina Uhse, Lisa-Marie Koroll, Lara Aylin Winkler) vor ihren künftigen Ehemännern bewahren. Sie hecken einen Plan aus, diese loszuwerden und gehen damit einen Pakt ein – „Es ist zu deinem Besten“.
Nach „Das perfekte Geheimnis“, für den der italienische Film „Perfetti Sconosciuti“ Pate stand, gibt es ein weiteres Komödien-Remake. Marc Rothemund („Sophie Scholl“, „Dieses bescheuerte Herz“) bringt hier die deutsche Version der spanischen Komödie „Es por tu bien“ aus dem Jahr 2017 in die Kinos.
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Corona: Brancheninfo 78
Arne Birkenstock, out takes, Peter HartigZwei Dokumentarfilme beschäftigen zurzeit die Feuilletons. Eigentlich das Territorium von ARD und ZDF. Doch die haben damit nichts zu tun. | Foto © Netflix
Zurzeit machen vor allem zwei Dokumentationen von sich reden. Und die stammen nicht von den Öffentlich-Rechtlichen, sondern von Privatsender und Streamingdienst. Anlass auch, zu fragen, was die anders machen im Stammgebiet von ARD und ZDF.
Die gute Nachricht: Schon mehr als 100 Millionen Euro haben Bund und Länder für die Rettung der Kinos in der Corona-Krise bereitgestellt. Die schlechte Nachricht: Diese Hilfen wurden nicht zu Ende gedacht. Das wird zwar seit langem und immer wieder angemerkt, hat aber offenbar bislang wenig gebracht. Jedenfalls machen 33 unabhängige deutsche Filmverleiher mit einem offenen Brief nochmals auf das Problem aufmerksam. Obwohl man für viele Bereiche pragmatische Lösungen gefunden habe, sei es für die Verleiher bislang bei völlig unzureichenden und ineffizienten Maßnahmen geblieben. Das sei ein Fehler, durch den strukturelle Schäden für die gesamte Branche drohten. Der Brief im Wortlaut.
Der vorige Freitag könnte in die deutsche Fernsehgeschichte eingehen, meint die „Taz“. Am 25. September startete nämlich die erste eigene deutsche Netflix-Dokuserie, „Einigkeit und Mord und Freiheit“. In vier Folgen schildert die Gebrüder Beetz Filmproduktion den Mordfall an Treuhand-Chef Detlev Rohwedder 1991, die verschiedenen Theorien über die Hintergründe und zugleich die Wirtschafts-Geschichte der deutschen Wiedervereinigung. Schon vor dem Start gab’s viel Lob in den Feuilletons, doch die „Taz“ interessiert hier nicht der Inhalt, sondern der „Blick hinter die Kulissen der neuen ARD- und ZDF-Konkurrenz“. Kurz: Was der Streamer anders macht.
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Gedanken in der Pandemie 75: Corona als Religion
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeWie Religion der Herrschaft nutzt, hatte Roland Emmerich schon vor einem Vierteljahrhundert in „Stargate“ offenbart. | Foto © Studiocanal
In der Dauerwelle: Widersprüchliche Statistiken und gute Fragen bei Markus Lanz: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 75.
„Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der ,Ausnahmezustand‘, in dem wir leben, die Regel ist. […] Das Staunen darüber, daß die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten Jahrhundert ,noch‘ möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, daß die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.“
Walter Benjamin: „Über den Begriff der Geschichte“
Vor 80 Jahren, am 25.09.1940 brachte sich Walter Benjamin auf der Flucht vor der Nazi-Mordmaschine in den Pyrenäen um. Noch zwei Tage lang kann man im „Deutschlandfunk“ die Wiederholung jener „Langen Nacht“ hören und herunterladen, die Martin Opitz vor zehn Jahren über Benjamin produzierte.
+++
Winter is coming. Eines muss man Markus Söder ja lassen: Die popkulturellen Referenzen sitzen bei ihm weit besser, als bei den allermeisten anderen Politikerkollegen. Und Söder ist einer der wenigen, der in der Popkultur sich zumindest so weit selber auskennt, dass er dafür sorgen kann, im richtigen Moment ein paar Zeichen zu setzen. So zum Beispiel diese Tasse bei seiner Parteitagsrede.
+++
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Kino in Zeiten von Corona 28
Elisabeth Nagy, Unsere Gäste„Niemals Selten Manchmal Immer“| Foto © Focus Features
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 1. Oktober 2020 – Teil 1.
Kaum hatte ich vorige Woche meine Kolumne an die Redaktion gegeben, in der ich von zahlreichen Startterminverschiebungen weg aus dem Oktober berichtete, da trudelten erste Meldungen zur umgeworfenen Startstaffel von Walt Disney Studios ein. Am Donnerstag kam die offizielle Pressemeldung. „Blickpunkt Film“ brachte seine Meldung entsprechend auf den neuesten Stand. „Black Widow“ wurde um gut ein halbes Jahr in den Mai 2021 verschoben. „The King’s Man – The Beginning“, im Gegenzug, wanderte zwei Wochen, na allerhand, auf Mitte Februar 2021 vor.
Unverrückbar bleibt der neue James Bond auf dem 12. November 2020. Universal zeigt seine Unterstützung, indem sie mit einem exklusiven Podcast an ihr Publikum herantritt, der ab sofort auf allen gängigen Plattformen erreichbar ist, um so die Zeit bis zur Startwoche zu überbrücken. Über sechs Folgen (allerdings in Englisch), will man einen „exklusiven Einblick hinter die Kulissen der 25. Bond-Mission“ gewähren und „vom Casting Director bis hin zum Special Effects Supervisor“ werden alle dabei sein. Die erste Episode verspricht „Bond in Context“, die letzte nennt sich dann „Being 007“. Aber mit anderen Worten, nur noch sechs Wochen und wir sind schon mitten im November. Geht es nur mir so? Die jährlich zum Ende der Sommerferien terminierte Platzierung von Weihnachtsgebäck in den Supermärkten wirkt für mich noch surrealer als in den vorigen Jahren.
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Kino in Zeiten von Corona 28
Karolina Wrobel, Unsere Gäste„Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution“ | Foto © Entertainment One Germany
Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 1. Oktober 2020 – Teil 2.
Nicht allein „Me Too“ oder die hiesige „#Aufschrei“-Debatte mögen ein Vehikel für das Thema Gleichberechtigung in der Filmerzählung sein. Denn aktuell war dieses Thema eigentlich schon immer: Das zeigt der „Miss-World“-Wettbewerb, der in den 1970er-Jahren auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit war. Doch für Sally (Keira Knightley) und ihre besten Freundin Jo (Jessie Buckley) bedeutet das Spektakel nichts anderes als die Veranschaulichung der gegenwärtigen Frauenverachtung. Für manche Teilnehmerin (Gugu Mbatha-Raw) wiederum bedeutet der Wettbewerb nicht nur die Möglichkeit auf einen Preisgewinn, sondern auch die Chance zur Befreiung von Rassismus und Diskriminierung. Und so wurde der Wettbewerb eigentlich nie das, wozu er einst erdacht war (nämlich den gerade neu erfundenen Biniki zu bewerben). Er wurde zum Sprungbrett für weibliche Karrieren: Die Deutsche Petra Schürmann gewann 1956 neben Finninnen, Schwedinnen und anderen weißen Frauen – bis zum Jahr 1970, als erstmals Jennifer Hosten aus Grenada als Dunkelhäutige den Preis gewann. So wurde „Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution“: Die Regisseurin Philippa Lowthorpe („The Crown“) und die Drehbuchautorin Rebecca Frayn („The Lady“) hat die wahre Geschichte zu dieser auch amüsanten Filmgeschichte inspiriert.
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Corona: Brancheninfo 77
out takes, Peter HartigMichael Gwisdek war ein „Experte für gebrochen würdevolle Figuren“, meint die „Taz“. Zum Beispiel in „Oh Boy“. Am Dienstag ist der Schauspieler mit 78 Jahren gestorben. | Foto © Tobis, Julia Terjung
Der ARD-Programmdirektor lobt die Produzenten: Sie hätten „einen richtig guten Job gemacht.“ Auch die Ufa sieht sich fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Doch noch immer wird um einen echten Ausfallfonds, der die Branche in der Krise schützen soll. Wir beginnen mit drei Nachrufen.
Michael Gwisdek ist tot. Der Schauspieler ist am Dienstag in Berlin mit 78 Jahren gestorben. Als erster deutscher männlicher Darsteller hatte er 1999 auf der Berlinale einen „Silbernen Bären“ erhalten. Seine Rolle in „Nachtgestalten“, war vergleichsweise klein, aber hatte den typischen Gwisdek-Touch.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ würdigt ihn mit einem kurzen Nachruf: Gwisdek „wurde nach der Wende zu einem der beliebtesten Schauspieler, mit seiner eleganten Präsenz überwand er alle Ossi-Wessi-Klischees, und mit seinem Air von Altersweisheit hielt er auch kitschige Figuren wie den Weizenfelder durchwandernden Großvater zuletzt in ,Traumfabrik‘ am Leben.“
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Gedanken in der Pandemie 74: Das Ziel ist Verunsicherung
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeManche denken bei den Maßnahmen gegen die Pandemie gleich an „1984“. | Foto © Archiv
Neues aus der „Man-weiß-ja-nie“-Gesellschaft: Maskenzwang, Bayern-Malus, Verbotslust und Lustverbot- Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 74.
„Das große Problem wird zunehmend in der Verfügung über die Informationen liegen, die von Automaten zu speichern sein werden, damit die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Die Verfügung über die Information fällt immer mehr in die Zuständigkeit von Experten aller Art. … Es zeichnet sich eine Politik ab, in der der Wunsch nach Gerechtigkeit und der nach Unbekannten gleichermaßen respektiert sein werden.“
Jean-Francois Lyotard, „Das postmoderne Wissen“
Geht es euch, liebe Leser, eigentlich auch so: Dass man durch Corona wieder ein bisschen zur Zeichensprache zurückkehrt? Genau gesagt durch die Masken. Man verliert durch sie nämlich einen großen Teil seiner Ausdrucksfähigkeit; man muss in Gesprächen stärker mit den Händen sprechen, muss Emotionen, die man allein mit Augen nicht transportieren kann, sondern wozu man seinen Mund und die Grimassen und das Lachen braucht, genauso wie das Zusammenspiel zwischen Augen und Mund, man muss alles dies ersetzen durch Gesten. Es sind die Gesten der Präraffaeliten, Gesten der Kunst des Mittelalters: Zusammengefaltete Hände, oder die Hände zur Faust geballt, oder eine Hand auf dem Herzen, zusammen mit einer Verbeugung, wie sonst nur bei Japanern. Oder die offen gezeigte Hand. Eben vor allem die Hand.
Ob wir durch Corona auch zum Stummfilm zurückkehren? Das wäre mal was.
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