Nicht satisfaktionsfähig für die Bonzen: Sophie Kluges Golden Twenties
Die Relativitätstheorie der Kinokrise: Das bestehende deutsche Filmsystem ist auf ganzer Linie gescheitert, aber die Großkopferten machen weiter. Doch das Ende des deutschen Kinos könnte sein Anfang werden.
Von Rüdiger Suchsland (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)
Es war alles wie immer beim Filmfest München: Genauso viel Fest wie Film – viel Feiern bei Weißwurst, Schweinsbraten und einem zünftigen Hellen schon am Morgen beim Empfang des FilmFernsehFonds Bayern, Ministerinnenreden und Ministerpräsidentenversprechen unter leuchtend blauem Sonnenhimmel, bis zum nächtlichen Absacker im Schumanns oder bei einer der vielen Premierenpartys.
Dazwischen viele Filme, auch viele gute, ein Best-Of der internationalen Werke der letzten Monate, dazu rund 20 deutsche Kinopremieren in der wichtigsten Reihe, dem Wettbewerb um den »Förderpreis Neues deutsches Kino«, wo tatsächlich ein paar außerordentlich gelungene deutsche Filme liefen. Alles genauso wie schon vor 37 Jahren war, beim ersten Filmfest.
Es war aber auch nichts wie immer. Denn im deutschen Kino herrscht Krise. Krise so hart wie noch nie. Krise, die sich nicht mehr übertünchen lässt. Die Zuschauer bleiben weg, Produzenten und Verleiher leben aus den Beständen, Kinos machen im Dutzend dicht, sogar große Kinoketten wie gerade das Cinestar im Herzen Berlins, am Potsdamer Platz, so wie ein paar hundert Meter weiter der große X-Verleih gerade taumelt.
Viele gute Filmemacher bekommen ihre Filme nicht gefördert oder gerade genug Geld, um nicht gleich bankrott zu sein.
Diese Krise geht so weit, dass man feststellen muss: Das bestehende deutsche Filmsystem ist auf ganzer Linie gescheitert. Es kann und wird so nicht weitergehen.
+ + +
Aber über allem hängt von der Krise scheinbar unberührt eine fette Glocke aus Funktionären, Förderern, Redakteuren und Gremien. Sie lächeln, machen „Business as usual“, und wollen sich nicht einmal rhetorisch infrage stellen. Sie sind eine Clique des bleiernen Weiter-so. Manche von ihnen bekommen mehr Geld, als die meisten Filmemacher, denen sie eigentlich zu dienen hätten, und ohne die es sie nicht gäbe.
Diese Funktionäre geben schon seit Jahren unter der Hand zu, was ihre Entscheidungen jeden Tag beweisen: Dass sie Kunst im Kino eigentlich nicht wollen, allen Experimenten die Luft abschnüren. Über die Jahre haben sie eine engmaschige Günstlingswirtschaft entwickelt, Verhältnisse, die manche einfach korrupt finden, von denen allenfalls zwei Handvoll Adabeis profitieren, während die meisten anderen außen vor bleiben und unterm Tisch an den Resten nagen dürfen.
+ + +
Sehr typisch für diese Verhältnisse war beim Filmfest die Vergabe des neugeschaffenen, mit 100.000 Euro dotierten Preises für internationale Co-Produktionen. Schon vorher hatten viele Gäste gewettet, dass die üblichen Verdächtigen die Preise absahnen würden. Und gehofft, dass es doch anders kommen könnte: »Bitte nicht schon wieder Michael Weber!«, »Nur nicht Match Factory« – genau diese Sätze hatte ich von mehr als einem halben Dutzend Menschen beim Filmfest gehört. Aber
wer gegen solche Befürchtungen noch an das Gute in der Welt glaubte, wurde am Freitag eines Schlechteren belehrt. Die Jury aus Verleihern und Produzenten, zeichnete mit dem Köln ansässigen Weltvertrieb und Co-Produktions-Händler »The Match Factory« genau die aus, die solche Preise am wenigsten nötig haben: die reichste, etablierteste, bestvernetzte Firma, einen Big Player, den schon lange auf dem hohen Ross sitzt und seine Macht genüsslich auskostet.
+ + +
Zugleich hat das Filmfest viel vor: Der Freistaat hat mehr Geld versprochen, und inmitten des Kinosterbens und der Krise spricht man in München über den Bau neuer Abspielstätten mit Kapazitäten von 1500 Zuschauern und Freilichtkinos. Der Krise setzt man Visionen entgegen, die gar nicht unrealistisch sind in Zeiten der Krise etablierter Verwertungsformen und Festivals.
Man tut beim Filmfest auch viel für die Independents, bemüht sich um die Pflege des echten Autorenfilms, darum, dem Neuen, Ungewöhnlichen, Ungesehenen einen Platz zu geben und es sichtbar zu machen.
Zum Beispiel den beiden Beiträgen im Wettbewerb um den Förderpreis: Golden Twenties von Sophie Kluge und Mein Ende. Dein Anfang von Mariko Minoguchi – für viele die beiden besten Filme des Filmfests. Aber Outsider: Ohne Besuch einer Filmhochschule. Ohne deren Geld produziert.
Ohne Fernsehsender. Mit vergleichsweise geringen Fördermitteln ausgestattet. Nicht satisfaktionsfähig für die Bonzen.
Man zeigt beim Filmfest viele solche Filme von Regisseurinnen, die kaum gefördert wurden und die oft keine Filmhochschule besucht haben. Gut so! Hoffentlich macht das Filmfest damit weiter und etabliert sich so als Entdecker der Trends der Zukunft.
Aber in den wichtigen Jury sitzen dann wieder die Repräsentanten der Vergangenheit, die Etablierten, die Großkopferten, die Funktionäre, die gar kein Interesse daran haben, das Neue, Ungefügte, Widerständige auch noch zu prämieren. Das wurde am Abend der Preisverleihung belegt: Zwei Frauen und ein Mann in der Jury gaben drei Männern vier Preise. Jan-Ole Gersters Film Lara ist aus meiner Sicht zwar einer der besten Filme des Wettbewerbs gewesen, und ein verdienter Preisträger. Aber im Konzert der anderen Preiskandidaten dieser als Nachwuchspreises adressierten Auszeichnung, sind dieser Film und seine Macher – ungewöhnlich schnell und gut mit Förder- und Sendergeldern ausgestattet – eine Liga für sich.
Das Gesamtgefüge der Preisvergabe stimmte nicht. Denn alle echten Independents im Wettbewerb blieben unprämiert, die gut finanzierten Filme bekamen auch noch das Geld und die Zusatzaufmerksamkeit. Und um das Geld, um die Aufmerksamkeit geht es am Ende. Beides auszubalancieren, Verzerrungen nicht noch zu verstärken, sondern abzudämpfen ist Aufgabe einer Jury.
+ + +
Das Filmfest München befindet sich mit alldem in einer schizophrenen Situation. Man steht derzeit auf allen Seiten gleichzeitig. Man will es allen recht machen. Das wird nicht mehr lange so weitergehen. Schmusekurs und Harmoniesoße mögen vielen sympathisch sein, und manche Konflikte abdämpfen. Der deutsche Film und sein Nachwuchs aber brauchen Ecken und Kanten, und müssen das gerade auch von einem Festival erwarten können, das den Nachwuchs fördern will. Der nur allererste, aber
unvermeidliche Schritt dafür: Die Juryzusammensetzung muss im kommenden Jahr korrigiert werden. Es muss jüngere, mutigere Preisjurys geben, deren Mitglieder selbst für das Widerständige und Nicht-Etablierte stehen, statt seit Jahren und Jahrzehnten über diverse Pöstchen mit dem Bestehenden, dem auf ganzer Linie gescheiterten deutschen Filmsystem verbandelt zu sein.
Das Filmfest München muss sich entscheiden, auf welcher Seite es steht. Es darf sich nicht kaufen lassen von den Millionen des Freistaats, es darf seine Seele nicht verkaufen und nicht das Kino.
Wir brauchen eine Revolution im deutschen Film! Eine Revolution der Filme gegen die Funktionäre, der Filmemacher gegen die Amigo-Klüngel, der Filmproduzenten gegen die Allianzen der Verhinderung und des Weiter-So, des Kinos gegen die Streaming-Dienste, der neuen Ideen gegen die Krise.
Dann, nur dann könnte das Ende des deutschen Kinos sein Anfang werden.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2019-07-09 10:10:302019-07-09 10:10:30Die zwei Welten des Filmfest München
Wenn Yugen Yah nicht selbst Filme dreht, redet er darüber – übers Filmemachen. Ganz ohne Bilder und mit Gleichgesinnten: Regiekollegen, Produzenten, Schauspielern, Filmwissenschaftlern, möglichst allen in der Filmszene. Seit zwei Jahren betreibt er den Podcast Indiefilmtalk.de mit seinem Co-Host, der Theaterwissenschaftlerin und Moderatorin Susanne Braun, über die eigene Website wie über Spotify und I-Tunes.
„Alle reden gerne über Filme. Selten über das Filme machen. Und noch seltener über das, was zwischendrin passiert“, erklärt Braun auf der Website. Fast 50 Mal haben die beiden inzwischen zum lockeren Gespräch geladen, dazwischen immer mal Sondersendungen mit Paneldiskussionen von größeren Festivals oder Filmhochschulen – fast jede Woche erscheint ein neuer Beitrag. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2019-07-05 13:25:212019-08-02 15:08:47Indiefilmtalk: Filmemachen ohne Bilder
Auf der ursprünglichen Liste, wen die Staatsministerin für Kultur und Medien um Anregungen für die Gesetzesnovelle bittet, hatte die Münchner Filmwerkstatt nicht gestanden. Weil aber „der Fachkräftemangel derzeit zu den brennendsten Themen unserer Branche gehört, die Einrichtungen und Institutionen der Aus- und Weiterbildung aber keinen Verband und damit keine gemeinsame Stimme haben“, erlaube man sich dennoch einige Vorschläge.
Ganz oben: Die Weiterbildungsförderung für Filmschaffende, vor sieben Jahren gestrichen, solle wieder eingeführt werden. Das alleine werde zwar den Fachkräftemangel nicht überwinden, „aber es wird dauern, bis es zum Beispiel genügend grundständige Studiengänge an den Fachhochschulen gibt, die den Bedarf unserer Branche an qualifizierten Mitarbeitern in ,Mannschaftsdienstgraden‘ decken.“
Zudem befinde sich die Branche in einem stetigen Wandel, von der Aufnahmetechnik bis zu den Verwertungsformen – „das verlangt von allen Beteiligten laufende Aktualisierung ihres Wissens“. Gleichwohl „kann und sollte“ der berühmte Quereinstieg langfristig eine Option bleiben, auch als Bereicherung für die Teams.
Nicht die Weiterbildungsanbieter und -veranstaltungen sollen gefördert werden, sondern die Teilnahme selbst: So „entsteht Wettbewerb zwischen den Veranstaltern, der der Qualität der Weiterbildungsangebote und damit der Absolventen nur gut tun kann.“ Weiterlesen
Es dauert zwar noch fast drei Jahre, bis sich der Vorhang öffnet, doch es wird bereits um die Neugestaltung der Filmförderung diskutiert. Foto:?Sabine Felber
Ein düsteres Bild schickt der Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) seiner Stellungnahme voraus: Das Kino ist in der Krise! Die Kinobesuche gehen gehen zurück, vor allem beim jüngeren Publikum. Mehr Leinwände und höhere Eintrittspreise könnten den Niedergang kaum kaschieren. In vielen Städten sind Kinos gänzlich verschwunden. Es gehe daher „auch um die Kinoerfahrung selbst, die sich nicht mehr auf dem Markt behaupten kann.“ Das neue FFG müsse „im Kern die Frage beantworten, wie das Kino als Auswertungsort von Filmen aufgewertet werden kann und welchen Stellenwert das Kino im Spektrum der Auswertungszusammenhänge künftig noch einnehmen soll.“
Von Ausgrenzung und Sperrfristen hält der BkF wenig: „Die Zukunft des Kinos kann nicht prohibitiv gestaltet werden. Bestandteil eines Zukunftsszenarios könnte überdies die Frage sein, ob und wie sich die Auswertung von Filmen in Kino und Internet gegenseitig befruchten könnte.“
Dazu könnten die Kinematheken und Kommunalen Kinos einen besonderen Beitrag leisten. Der nicht-gewinnorientierte Bereich der Filmauswertung sei in Europa „durch seine erhebliche Zielgruppenbindung entweder weniger oder gar nicht von Rückgängen betroffen.“ Soll heißen: Nur das kommerzielle Kino ist in der Krise. Weiterlesen
Das Filmförderungsgesetz (FFG) prägt die deutsche Filmkultur und Filmwirtschaft, der Gesetzgeber schafft damit den gesetzlichen Rahmen und beauftragt die Filmförderungsanstalt (FFA) mit der Umsetzung. Eine Novellierung des FFG muss mit den kultur-, gesellschafts- und umweltpolitischen Zielen der Bundesregierung übereinstimmen.
Eines der wichtigsten Zielsysteme, denen sich die Bundesregierung verpflichtet hat, sind die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die „Sustainable Development Goals“. Sie richten sich an Regierung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.
Die deutsche Filmbranche ist bei sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit leider nicht Vorreiter, sie hinkt vielmehr weit hinterher: Studien weisen auf die drohende Altersarmut vieler Filmschaffender hin; Projektarbeiter*innen (insbesondere Solo-Selbstständige) fallen durch das soziale Netz; Diesel-Generatoren sind der Standard an Filmsets; der Gender Pay Gap ist bittere Realität vieler weiblicher Filmschaffender.
Am 9. Mai 2019 wurde Kooperation mit dem DOK.fest München, mit Unterstützung der Pensionskasse Rundfunk und im Namen zahlreicher Branchenverbände zum zweiten Mal der FairFilmAward Non-Fiction verliehen. Er zeichnet die Produktionsfirma aus, welche die fairsten Produktions- und Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Dokumentarfilmen in den letzten zwölf Monaten ermöglichte.
Der Fair Film Award Non Fiction 2019 geht an die Ifage Filmproduktion! Herzlichen Glückwunsch!
Die Jury waren die Filmschaffenden selbst, die mit diesen Produktionsfirmen gearbeitet haben. Eine Bewertung setzt sich aus jeweils sieben Teilnoten zu folgenden Bereichen zusammen: Vertrag, Gagen und Entgelte – Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz – Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und Diversität – Kommunikation und Arbeitsklima – Professionalität und Qualifizierung – Nachhaltigkeit, Solidarität und Perspektiven – Umgang mit Protagonist*innen.
Paragraf 47 schreibt es vor: Filme, die für Produktion oder Digitalisierung gefördert werden, müssen bei der Kinopremiere auch in einer barrierefreien Fassung vorliegen. Bei Verleih- und Kinoförderung wird das FFG noch strenger: Die barrierefreien Fassungen müssen „in geeigneter Weise und in angemessenem Maße zugänglich gemacht werden.“ Als hätten es die Verfasser schon geahnt, wo es bei der Umsetzung ihres Gesetzes knirschen wird.
Der Paragraf habe Wirkung gezeigt, meint der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV): Es gebe mehr Filme mit Audiodeskription, und darunter nicht nur Förderprojekte. Bloß: Sie sind nicht ohne weiteres zu hören. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2019-05-26 08:18:212019-05-24 16:24:18FFG 2022 – Stellungnahmen 2: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband
Gemeinsam äußern sich zwei Initiativen, die die Kunst im deutschen Kino (und das Kino überhaupt) bewahren wollen. Die „Zukunft Deutscher Film“ hatte vor einem Jahr die „Frankfurter Positionen“ formuliert, auf die sich auch der „Hauptverband Cinephilie“ stützt, der sich während der diesjährigen Berlinale gründete.
Wer beide Male aufmerksam zugehört hatte, kennt die Forderungen. Die „Frankfurter Positionen“ wollen bekanntlich sehr vieles ganz anders machen als bisher. Und so ist auch die Stellungnahme mit zehn A4-Seiten ein Vielfaches länger als die der anderen Interessengruppen. Wir konzentrieren uns hier auf die ganz dicken Pinselstriche (was die kleineren Tupfer nicht weniger wichtig macht) – allen voran jene, die künstlerische Kriterien bei der Förderung zu stärken.
Das stehe „gerade nicht im Gegensatz zu einer wirtschaftlichen Herangehensweise“, behaupten die Verfasser, „denn künstlerisch eigenständige Filme sind nicht wirtschaftlich weniger aussichtsreich.“ Jedenfalls nicht automatisch: In der Produktionsphase wirken sich Budget und Fördermittel vielleicht auf die Qualität eines Films aus – ein Kassenerfolg muss er deshalb nicht unbedingt werden. Anders im Vertrieb: Je höher das Werbebudget, desto mehr Zuschauer. Ihre Forderung würde also die Chancengleichheit an der Kinokasse wahren, meinen die Initiativen. Weshalb „mindestens 50 Prozent der Förderung“ sich an künstlerischen Kriterien orientieren solle. Und zwar „durch alle Förderungen in Deutschland hindurch“.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2019-05-24 16:18:022019-05-24 16:18:02FFG 2022 – Stellungnahmen 1: Zukunft Deutscher Film und Hauptverband Cinephilie
Die zwei Welten des Filmfest München
out takes, Rüdiger SuchslandNicht satisfaktionsfähig für die Bonzen: Sophie Kluges Golden Twenties
Die Relativitätstheorie der Kinokrise: Das bestehende deutsche Filmsystem ist auf ganzer Linie gescheitert, aber die Großkopferten machen weiter. Doch das Ende des deutschen Kinos könnte sein Anfang werden.
Von Rüdiger Suchsland (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)
Es war alles wie immer beim Filmfest München: Genauso viel Fest wie Film – viel Feiern bei Weißwurst, Schweinsbraten und einem zünftigen Hellen schon am Morgen beim Empfang des FilmFernsehFonds Bayern, Ministerinnenreden und Ministerpräsidentenversprechen unter leuchtend blauem Sonnenhimmel, bis zum nächtlichen Absacker im Schumanns oder bei einer der vielen Premierenpartys.
Dazwischen viele Filme, auch viele gute, ein Best-Of der internationalen Werke der letzten Monate, dazu rund 20 deutsche Kinopremieren in der wichtigsten Reihe, dem Wettbewerb um den »Förderpreis Neues deutsches Kino«, wo tatsächlich ein paar außerordentlich gelungene deutsche Filme liefen.
Alles genauso wie schon vor 37 Jahren war, beim ersten Filmfest.
Es war aber auch nichts wie immer. Denn im deutschen Kino herrscht Krise. Krise so hart wie noch nie. Krise, die sich nicht mehr übertünchen lässt.
Die Zuschauer bleiben weg, Produzenten und Verleiher leben aus den Beständen, Kinos machen im Dutzend dicht, sogar große Kinoketten wie gerade das Cinestar im Herzen Berlins, am Potsdamer Platz, so wie ein paar hundert Meter weiter der große X-Verleih gerade taumelt.
Viele gute Filmemacher bekommen ihre Filme nicht gefördert oder gerade genug Geld, um nicht gleich bankrott zu sein.
Diese Krise geht so weit, dass man feststellen muss: Das bestehende deutsche Filmsystem ist auf ganzer Linie gescheitert.
Es kann und wird so nicht weitergehen.
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Aber über allem hängt von der Krise scheinbar unberührt eine fette Glocke aus Funktionären, Förderern, Redakteuren und Gremien. Sie lächeln, machen „Business as usual“, und wollen sich nicht einmal rhetorisch infrage stellen.
Sie sind eine Clique des bleiernen Weiter-so. Manche von ihnen bekommen mehr Geld, als die meisten Filmemacher, denen sie eigentlich zu dienen hätten, und ohne die es sie nicht gäbe.
Diese Funktionäre geben schon seit Jahren unter der Hand zu, was ihre Entscheidungen jeden Tag beweisen: Dass sie Kunst im Kino eigentlich nicht wollen, allen Experimenten die Luft abschnüren. Über die Jahre haben sie eine engmaschige Günstlingswirtschaft entwickelt, Verhältnisse, die manche einfach korrupt finden, von denen allenfalls zwei Handvoll Adabeis profitieren, während die meisten anderen außen vor bleiben und unterm Tisch an den Resten nagen dürfen.
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Sehr typisch für diese Verhältnisse war beim Filmfest die Vergabe des neugeschaffenen, mit 100.000 Euro dotierten Preises für internationale Co-Produktionen.
Schon vorher hatten viele Gäste gewettet, dass die üblichen Verdächtigen die Preise absahnen würden. Und gehofft, dass es doch anders kommen könnte: »Bitte nicht schon wieder Michael Weber!«, »Nur nicht Match Factory« – genau diese Sätze hatte ich von mehr als einem halben Dutzend Menschen beim Filmfest gehört.
Aber
wer gegen solche Befürchtungen noch an das Gute in der Welt glaubte, wurde am Freitag eines Schlechteren belehrt. Die Jury aus Verleihern und Produzenten, zeichnete mit dem Köln ansässigen Weltvertrieb und Co-Produktions-Händler »The Match Factory« genau die aus, die solche Preise am wenigsten nötig haben: die reichste, etablierteste, bestvernetzte Firma, einen Big Player, den schon lange auf dem hohen Ross sitzt und seine Macht genüsslich auskostet.
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Zugleich hat das Filmfest viel vor: Der Freistaat hat mehr Geld versprochen, und inmitten des Kinosterbens und der Krise spricht man in München über den Bau neuer Abspielstätten mit Kapazitäten von 1500 Zuschauern und Freilichtkinos. Der Krise setzt man Visionen entgegen, die gar nicht unrealistisch sind in Zeiten der Krise etablierter Verwertungsformen und Festivals.
Man tut beim Filmfest auch viel für die Independents, bemüht sich um die Pflege des echten Autorenfilms, darum, dem Neuen, Ungewöhnlichen, Ungesehenen einen Platz zu geben und es sichtbar zu machen.
Zum Beispiel den beiden Beiträgen im Wettbewerb um den Förderpreis: Golden Twenties von Sophie Kluge und Mein Ende. Dein Anfang von Mariko Minoguchi – für viele die beiden besten Filme des Filmfests. Aber Outsider: Ohne Besuch einer Filmhochschule. Ohne deren Geld produziert.
Ohne Fernsehsender. Mit vergleichsweise geringen Fördermitteln ausgestattet. Nicht satisfaktionsfähig für die Bonzen.
Man zeigt beim Filmfest viele solche Filme von Regisseurinnen, die kaum gefördert wurden und die oft keine Filmhochschule besucht haben. Gut so! Hoffentlich macht das Filmfest damit weiter und etabliert sich so als Entdecker der Trends der Zukunft.
Aber in den wichtigen Jury sitzen dann wieder die Repräsentanten der Vergangenheit, die Etablierten, die Großkopferten, die Funktionäre, die gar kein Interesse daran haben, das Neue, Ungefügte, Widerständige auch noch zu prämieren.
Das wurde am Abend der Preisverleihung belegt: Zwei Frauen und ein Mann in der Jury gaben drei Männern vier Preise. Jan-Ole Gersters Film Lara ist aus meiner Sicht zwar einer der besten Filme des Wettbewerbs gewesen, und ein verdienter Preisträger. Aber im Konzert der anderen Preiskandidaten dieser als Nachwuchspreises adressierten Auszeichnung, sind dieser Film und seine Macher – ungewöhnlich schnell und gut mit Förder- und Sendergeldern ausgestattet – eine Liga für sich.
Das Gesamtgefüge der Preisvergabe stimmte nicht. Denn alle echten Independents im Wettbewerb blieben unprämiert, die gut finanzierten Filme bekamen auch noch das Geld und die Zusatzaufmerksamkeit.
Und um das Geld, um die Aufmerksamkeit geht es am Ende. Beides auszubalancieren, Verzerrungen nicht noch zu verstärken, sondern abzudämpfen ist Aufgabe einer Jury.
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Das Filmfest München befindet sich mit alldem in einer schizophrenen Situation. Man steht derzeit auf allen Seiten gleichzeitig. Man will es allen recht machen.
Das wird nicht mehr lange so weitergehen. Schmusekurs und Harmoniesoße mögen vielen sympathisch sein, und manche Konflikte abdämpfen. Der deutsche Film und sein Nachwuchs aber brauchen Ecken und Kanten, und müssen das gerade auch von einem Festival erwarten können, das den Nachwuchs fördern will. Der nur allererste, aber
unvermeidliche Schritt dafür: Die Juryzusammensetzung muss im kommenden Jahr korrigiert werden. Es muss jüngere, mutigere Preisjurys geben, deren Mitglieder selbst für das Widerständige und Nicht-Etablierte stehen, statt seit Jahren und Jahrzehnten über diverse Pöstchen mit dem Bestehenden, dem auf ganzer Linie gescheiterten deutschen Filmsystem verbandelt zu sein.
Das Filmfest München muss sich entscheiden, auf welcher Seite es steht. Es darf sich nicht kaufen lassen von den Millionen des Freistaats, es darf seine Seele nicht verkaufen und nicht das Kino.
Wir brauchen eine Revolution im deutschen Film! Eine Revolution der Filme gegen die Funktionäre, der Filmemacher gegen die Amigo-Klüngel, der Filmproduzenten gegen die Allianzen der Verhinderung und des Weiter-So, des Kinos gegen die Streaming-Dienste, der neuen Ideen gegen die Krise.
Dann, nur dann könnte das Ende des deutschen Kinos sein Anfang werden.
Indiefilmtalk: Filmemachen ohne Bilder
out takes, Peter HartigSeit zwei Jahren bringt der Podcast Indiefilmtalk Filmemacher zum lockeren Gespräch zusammen. In Folge 46 sprachen Regisseur Dominik Balkow, Schauspielerin Vivien Andree und Produzent und Schauspieler Andreas Berg über die Beziehung zwischen Regie und Schauspiel. | Foto © Yugen Yah
Wenn Yugen Yah nicht selbst Filme dreht, redet er darüber – übers Filmemachen. Ganz ohne Bilder und mit Gleichgesinnten: Regiekollegen, Produzenten, Schauspielern, Filmwissenschaftlern, möglichst allen in der Filmszene. Seit zwei Jahren betreibt er den Podcast Indiefilmtalk.de mit seinem Co-Host, der Theaterwissenschaftlerin und Moderatorin Susanne Braun, über die eigene Website wie über Spotify und I-Tunes.
„Alle reden gerne über Filme. Selten über das Filme machen. Und noch seltener über das, was zwischendrin passiert“, erklärt Braun auf der Website. Fast 50 Mal haben die beiden inzwischen zum lockeren Gespräch geladen, dazwischen immer mal Sondersendungen mit Paneldiskussionen von größeren Festivals oder Filmhochschulen – fast jede Woche erscheint ein neuer Beitrag.
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FFG 2022 – Stellungnahmen 5: Münchner Filmwerkstatt
out takesDie Münchner Filmwerkstatt meldet sich in der Diskussion ums nächste Filmförderungsgesetz als Stimme der Aus- und Weiterbildung zu Wort | Foto © Münchner Filmwerkstatt
Auf der ursprünglichen Liste, wen die Staatsministerin für Kultur und Medien um Anregungen für die Gesetzesnovelle bittet, hatte die Münchner Filmwerkstatt nicht gestanden. Weil aber „der Fachkräftemangel derzeit zu den brennendsten Themen unserer Branche gehört, die Einrichtungen und Institutionen der Aus- und Weiterbildung aber keinen Verband und damit keine gemeinsame Stimme haben“, erlaube man sich dennoch einige Vorschläge.
Ganz oben: Die Weiterbildungsförderung für Filmschaffende, vor sieben Jahren gestrichen, solle wieder eingeführt werden. Das alleine werde zwar den Fachkräftemangel nicht überwinden, „aber es wird dauern, bis es zum Beispiel genügend grundständige Studiengänge an den Fachhochschulen gibt, die den Bedarf unserer Branche an qualifizierten Mitarbeitern in ,Mannschaftsdienstgraden‘ decken.“
Zudem befinde sich die Branche in einem stetigen Wandel, von der Aufnahmetechnik bis zu den Verwertungsformen – „das verlangt von allen Beteiligten laufende Aktualisierung ihres Wissens“. Gleichwohl „kann und sollte“ der berühmte Quereinstieg langfristig eine Option bleiben, auch als Bereicherung für die Teams.
Nicht die Weiterbildungsanbieter und -veranstaltungen sollen gefördert werden, sondern die Teilnahme selbst: So „entsteht Wettbewerb zwischen den Veranstaltern, der der Qualität der Weiterbildungsangebote und damit der Absolventen nur gut tun kann.“
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FFG 2022 – Stellungnahmen 4: Bundesverband kommunale Filmarbeit
out takesEs dauert zwar noch fast drei Jahre, bis sich der Vorhang öffnet, doch es wird bereits um die Neugestaltung der Filmförderung diskutiert.
Foto:?Sabine Felber
Ein düsteres Bild schickt der Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) seiner Stellungnahme voraus: Das Kino ist in der Krise! Die Kinobesuche gehen gehen zurück, vor allem beim jüngeren Publikum. Mehr Leinwände und höhere Eintrittspreise könnten den Niedergang kaum kaschieren. In vielen Städten sind Kinos gänzlich verschwunden. Es gehe daher „auch um die Kinoerfahrung selbst, die sich nicht mehr auf dem Markt behaupten kann.“ Das neue FFG müsse „im Kern die Frage beantworten, wie das Kino als Auswertungsort von Filmen aufgewertet werden kann und welchen Stellenwert das Kino im Spektrum der Auswertungszusammenhänge künftig noch einnehmen soll.“
Von Ausgrenzung und Sperrfristen hält der BkF wenig: „Die Zukunft des Kinos kann nicht prohibitiv gestaltet werden. Bestandteil eines Zukunftsszenarios könnte überdies die Frage sein, ob und wie sich die Auswertung von Filmen in Kino und Internet gegenseitig befruchten könnte.“
Dazu könnten die Kinematheken und Kommunalen Kinos einen besonderen Beitrag leisten. Der nicht-gewinnorientierte Bereich der Filmauswertung sei in Europa „durch seine erhebliche Zielgruppenbindung entweder weniger oder gar nicht von Rückgängen betroffen.“ Soll heißen: Nur das kommerzielle Kino ist in der Krise.
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FFG 2022 – Stellungnahmen 3: Crew United
Oliver Zenglein, out takes„Soziale und ökologische Nachhaltigkeit jetzt!“ fordert die Branchenplattform Crew United. Oder einfacher gesagt:? Die Agenda 2030 gilt auch für die Filmbranche. | Foto © Archiv
Das Filmförderungsgesetz (FFG) prägt die deutsche Filmkultur und Filmwirtschaft, der Gesetzgeber schafft damit den gesetzlichen Rahmen und beauftragt die Filmförderungsanstalt (FFA) mit der Umsetzung. Eine Novellierung des FFG muss mit den kultur-, gesellschafts- und umweltpolitischen Zielen der Bundesregierung übereinstimmen.
Eines der wichtigsten Zielsysteme, denen sich die Bundesregierung verpflichtet hat, sind die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die „Sustainable Development Goals“. Sie richten sich an Regierung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.
Die deutsche Filmbranche ist bei sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit leider nicht Vorreiter, sie hinkt vielmehr weit hinterher: Studien weisen auf die drohende Altersarmut vieler Filmschaffender hin; Projektarbeiter*innen (insbesondere Solo-Selbstständige) fallen durch das soziale Netz; Diesel-Generatoren sind der Standard an Filmsets; der Gender Pay Gap ist bittere Realität vieler weiblicher Filmschaffender.
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2. FairFilmAward Non-Fiction: Der Gewinner
out takes, Peter HartigDie Veranstalter, Laudator Thomas Frickel und alle Nominierten | Foto © DOK.fest München
Am 9. Mai 2019 wurde Kooperation mit dem DOK.fest München, mit Unterstützung der Pensionskasse Rundfunk und im Namen zahlreicher Branchenverbände zum zweiten Mal der FairFilmAward Non-Fiction verliehen. Er zeichnet die Produktionsfirma aus, welche die fairsten Produktions- und Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Dokumentarfilmen in den letzten zwölf Monaten ermöglichte.
Der Fair Film Award Non Fiction 2019 geht an die Ifage Filmproduktion! Herzlichen Glückwunsch!
Die Jury waren die Filmschaffenden selbst, die mit diesen Produktionsfirmen gearbeitet haben. Eine Bewertung setzt sich aus jeweils sieben Teilnoten zu folgenden Bereichen zusammen: Vertrag, Gagen und Entgelte – Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz – Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und Diversität – Kommunikation und Arbeitsklima – Professionalität und Qualifizierung – Nachhaltigkeit, Solidarität und Perspektiven – Umgang mit Protagonist*innen.
Die detaillierten Kriterien sind hier veröffentlicht: https://www.crew-united.com/downloads/fairness/FFA_Non-Fiction_2019_Kriterien.pdf
FFG 2022 – Stellungnahmen 2: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband
out takes, Peter HartigKino für alle! Zwar müssen geförderte Filme auch in einer Fassung mit Audiodeskription zur Verfügung stehen, doch nicht alle Systeme funktionieren überall. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband fordert darum eine kinounabhängige Lösung via App. | Foto © Sabine Felber
Paragraf 47 schreibt es vor: Filme, die für Produktion oder Digitalisierung gefördert werden, müssen bei der Kinopremiere auch in einer barrierefreien Fassung vorliegen. Bei Verleih- und Kinoförderung wird das FFG noch strenger: Die barrierefreien Fassungen müssen „in geeigneter Weise und in angemessenem Maße zugänglich gemacht werden.“ Als hätten es die Verfasser schon geahnt, wo es bei der Umsetzung ihres Gesetzes knirschen wird.
Der Paragraf habe Wirkung gezeigt, meint der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV): Es gebe mehr Filme mit Audiodeskription, und darunter nicht nur Förderprojekte. Bloß: Sie sind nicht ohne weiteres zu hören.
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FFG 2022 – Stellungnahmen 1: Zukunft Deutscher Film und Hauptverband Cinephilie
out takes, Peter HartigBewegte Bilder erreichen ihre Zuschauer inzwischen auf vielen Wegen. Das Kino bleibt für viele aber immer noch mehr als eine bloße Abspielstätte, sondern die Heimat der Filme und magischer Erfahrungsort. | Foto © cinearte
Gemeinsam äußern sich zwei Initiativen, die die Kunst im deutschen Kino (und das Kino überhaupt) bewahren wollen. Die „Zukunft Deutscher Film“ hatte vor einem Jahr die „Frankfurter Positionen“ formuliert, auf die sich auch der „Hauptverband Cinephilie“ stützt, der sich während der diesjährigen Berlinale gründete.
Wer beide Male aufmerksam zugehört hatte, kennt die Forderungen. Die „Frankfurter Positionen“ wollen bekanntlich sehr vieles ganz anders machen als bisher. Und so ist auch die Stellungnahme mit zehn A4-Seiten ein Vielfaches länger als die der anderen Interessengruppen. Wir konzentrieren uns hier auf die ganz dicken Pinselstriche (was die kleineren Tupfer nicht weniger wichtig macht) – allen voran jene, die künstlerische Kriterien bei der Förderung zu stärken.
Das stehe „gerade nicht im Gegensatz zu einer wirtschaftlichen Herangehensweise“, behaupten die Verfasser, „denn künstlerisch eigenständige Filme sind nicht wirtschaftlich weniger aussichtsreich.“ Jedenfalls nicht automatisch: In der Produktionsphase wirken sich Budget und Fördermittel vielleicht auf die Qualität eines Films aus – ein Kassenerfolg muss er deshalb nicht unbedingt werden. Anders im Vertrieb: Je höher das Werbebudget, desto mehr Zuschauer. Ihre Forderung würde also die Chancengleichheit an der Kinokasse wahren, meinen die Initiativen. Weshalb „mindestens 50 Prozent der Förderung“ sich an künstlerischen Kriterien orientieren solle. Und zwar „durch alle Förderungen in Deutschland hindurch“.
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