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Indiefilmtalk #55: Bildsprache – Filmtricks und die Suche nach der eigenen Handschrift

Unsere Gäste, Yugen Yah
14. September 2019/1 Kommentar/von Yugen Yah

Erik Schmitts Langfilmdebüt „Cleo“ eröffnete die diesjährige Berlinale. Der Indiefilmtalk-Podcast spricht mit ihm über das Erzählen mit Bildern. | Foto © Weltkino

Erik Schmitts Langfilmdebüt „Cleo“ eröffnete die diesjährige Berlinale. Der Indiefilmtalk-Podcast spricht mit ihm über das Erzählen mit Bildern. | Foto © Weltkino


Was haben Filme wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ von Jean-Pierre Jeunet oder „Der andalusische Hund“ von Luis Buñuel gemeinsam? Auf jeden Fall eines: Eine sehr starke visuelle Handschrift, die sich konsequent durch den ganzen Film zieht. Der präzise und ausgeklügelte Einsatz von Farben, Geometrie, Kadrierung und Effekten erzählt große und kleine Geschichten auf interessante Art und Weise. Der starke Fokus auf die Bildsprache gibt vielen Zuschauer*innen einen Grund, diese Filme tatsächlich auch im Kino zu genießen.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf haben wir uns gefragt, warum es aus Deutschland wohl so wenige Filme mit einer starken visuellen Handschrift gibt (und die sich meist auf entsättigte Bilder oder Schwarzweiß-Ästhetik begrenzt)?
Der Regisseur Erik Schmitt spielte schon in seinen Kurzfilmen mit den visuellen Mitteln, um seine Geschichten zu erzählen. Mehr als 100 Festival- und Filmpreise hat er damit gewonnen. Sein Langfilmdebüt „Cleo“ eröffnete die diesjährige Berlinale und läuft in den Kinos. Wir sprechen mit ihm über diese Arbeit und überlegen gemeinsam, was solches visuelle Storytelling dem Deutschen Kino geben könnte.

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Yugen Yah https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Yugen Yah2019-09-14 15:23:592019-09-14 15:23:59Indiefilmtalk #55: Bildsprache – Filmtricks und die Suche nach der eigenen Handschrift

Cinema Moralia – Folge 202: Ein Neustart für »Vision Kino« ist unumgänglich

Rüdiger Suchsland
12. September 2019/von Rüdiger Suchsland
Ganz so einfach ist es nicht...

Auch so ein Fall von »jugendaffinem« Mainstream: Mein Lotta-Leben - (c) Wild Bunch

Eine Revision der Film- und Medien­bil­dung für Kinder und Jugend­liche ist nötig – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­gän­gers, 202. Folge

»Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.«
John F. Kennedy

Alle reden von Film­bil­dung. In Sonn­tags­reden. In der Praxis passiert fast nichts. Dem Kino, dem deutschen vor allem stirbt sein Publikum weg. Das neue wächst nicht genug nach und wird, wo es noch existiert von ameri­ka­ni­scher B-Ware geprägt, die zum Massen­ver­brauch konzi­piert wurde. Filmkunst ist Fehl­an­zeige.

Es passiert da absolut nichts. Peter Dinges, der Geschäfts­führer der Film­för­der­an­stalt des Bundes (FFA) hat bestimmt ein paar gute Ideen und ist gutwillig, aber in der Praxis kommt nichts rum.

Was sich »Vision Kino« nennt, die einzige Filmi­nitia­tive des Bundes zur Film­bil­dung, die es überhaupt gibt, ist besten­falls eine verschla­fene Veran­stal­tung, die niemand wahrnimmt. Das wundert auch niemanden, der weiß, wer dort den Ton angibt.

+ + +

Laut Wikipedia wurde »Vision Kino« 2005 durch Initia­tive des BKM, der FFA, der Stiftung Deutsche Kine­ma­thek sowie der »Kino macht Schule« ins Leben gerufen. Vision Kino steht unter der Schirm­herr­schaft des Bundes­prä­si­denten.

+ + +

Dabei ist Film­bil­dung wichtiger als fast alles, was im Bund in Film­zu­sam­men­hängen so gefördert wird. Film­bil­dung ist unglaub­lich wichtig – denn das deutsche Kino kann nur eine Zukunft haben, wenn es ein Publikum hat. Und gute Kinos, gute Filme bilden und formen ihr Publikum, nicht umgekehrt. Kinder müssen Kino lernen.

+ + +

Jetzt ist bei »Vision Kino« eine Stelle frei, und zwar die der Geschäfts­füh­rerin. Die bisherige, Sarah Duve, ist jetzt die neue starke Frau bei der FFA, was dort keines­wegs alle freut, dafür aber manche bei »Vision Kino«.

Die anste­hende Neube­set­zung der Geschäfts­füh­rung ist jetzt Anlass für eine gemein­same Erklärung mehrerer Verbände und Insti­tu­tionen (AG Kurzfilm, Bundes­ver­band Kommunale Film­ar­beit, FILM MACHT SCHULE, HVC Haupt­ver­band Cine­philie, Produ­zen­ten­ver­band, Verband der deutschen Film­kritik) bei »Vision Kino« einen »Neustart« und eine »Revision der bishe­rigen Arbeit« zu fordern.
Film­bil­dung und -vermitt­lung sowie ein Vers­tändnis für Kino als eines attrak­tiven sozialen
Orts des Austauschs müssten »als wesent­li­cher Bestand­teil von Film­po­litik begriffen werden, denn die Förderung von Film­kultur bei Heran­wach­senden ist wichtiger denn je.«
Gesell­schafter und Aufsichtsrat werden aufge­for­dert, die bisherige Arbeit von »Vision Kino« kritisch an den ursprüng­li­chen Absichten dieser gemein­nüt­zigen Gesell­schaft zu messen. Bundes­prä­si­dent Frank-Walter Stein­meier wird als Schirm­herr von »Vision Kino« gebeten, »seine Fürsor­ge­pflicht auch
inhalt­lich wahr­zu­nehmen.«

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2019-09-12 07:54:192019-09-12 07:54:19Cinema Moralia – Folge 202: Ein Neustart für »Vision Kino« ist unumgänglich

Podcast-Tipp: ZWEIvorZWÖLF #09 Lars Jessen: Grüner Filmdreh

Oliver Zenglein, out takes
9. September 2019/von Oliver Zenglein

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Lars Jessen gehört zu den ganz wenigen Kreativen und Regisseur*innen unserer Branche, die sich nachhaltig und glaubwürdig für ökologische Nachhaltigkeit einsetzen. Sein simpler Ansatz für effektives Grünes Drehen: FLÜGE STREICHEN, WENIGER FLEISCHKONSUM. Kostet nix und bewirkt viel!

Hört rein in das wunderbare Intverview von Andrea Gerhard mit Lars Jessen in Ihrem Podcast ZWEIvorZWÖLF

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Oliver Zenglein https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Oliver Zenglein2019-09-09 09:44:252019-11-04 15:23:32Podcast-Tipp: ZWEIvorZWÖLF #09 Lars Jessen: Grüner Filmdreh

Rollenbilder in den Medien?

Tina Thiele
22. August 2019/1 Kommentar/von Tina Thiele

Die vorliegende cn-klappe zeigt einen Zusammenschnitt des BVC-Panels im Rahmen des Filmfest München.

Die anhaltenden Diskussionen um eine Frauenquote in Medien, Politik und Management sowie der Gender Wage Gap sind nach wie vor ernüchternd und machen deutlich, dass existierende strukturelle Ungleichheiten die Geschlechterdifferenz, trotz Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz, nach wie vor aufrechterhalten.

Frauen sind im deutschen Fernsehen und in den heimischen Kinoproduktionen nicht nur deutlich unterrepräsentiert, sondern verkörpern häufig auch ein sehr klischeehaftes Frauenbild. Ebenso werden Männer und Frauen mit Migrationshintergrund in deutschen Produktionen immer noch vor allem in stereotypischen Rollen gezeigt. Jedoch hat sich in den letzten ein bis zwei Jahren auch schon einiges bewegt und verändert – die Veranstalter*innen freuen uns sehr über eine spannende Diskussion.

Der Bundesverband Casting (BVC) lud ein zu einer Diskussion über bestehende Strukturen und Perspektiven. Der Verband wollte Meinungen hören, Ideen sammeln und Sensibilität schaffen, um gemeinsam etwas zu verändern.

Auf dem Podium diskutierten:
Sabine Derflinger (Regisseurin)
Maria Furtwängler (Schauspielerin, MaLisa Stiftung)
Marcus Ammon (Sky)
Claudia Simionescu (Bayerischer Rundfunk)

Von Seiten des Bundesverband Casting (BVC) waren vertreten:
Marion Haack (BVC | Hamburg)
Manolya Mutlu (BVC | Stuttgart)

Moderation: Stephen Sikder (BVC | München)

Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel:

Intro
Kapitel 1: Auftaktrunde – Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen
Kapitel 2: Im Dialog bleiben – Audiovisuelle Diversität als Selbstverständlichkeit
Kapitel 3: Den Blick schulen – Genderkompetenz an den Filmhochschulen fördern
Kapitel 4: Abschlussrunde mit Publikum – Was will der Zuschauer eigentlich?
Abspann & Dankeschön

Offizielle Website des Bundesverband Casting (BVC): www.castingverband.de

Viel Spaß beim Anschauen!

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Tina Thiele https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Tina Thiele2019-08-22 17:24:482019-08-25 05:21:21Rollenbilder in den Medien?

Orientierungslos – die FFA, die Produzenten und der Tarif

out takes, Peter Hartig
18. August 2019/von Peter Hartig

Wie hältst du’s mit dem Tarifvertrag? Die Filmförderungsanstalt (FFA) wollte es wissen, die Produzentenallianz ließ anders fragen, und antworten konnte jeder, wie er wollte. Ergebnis: 72 Prozent der Produktionsunternehmen orientieren sich „immer“ oder „überwiegend“ am Gagentarifvertrag. Die FFA druckte das anstelle einer echten statistischen Auswertung nach. | Grafik © cinearte

Seit zwei Jahren hat die Filmförderungsanstalt (FFA) des Bundes eine weitere Aufgabe erhalten, nämlich „darauf hinzuwirken, dass in der Filmwirtschaft eingesetztes Personal zu sozialverträglichen Bedingungen beschäftigt wird.“

Wie und wann das geschehen soll, wird nicht erklärt. Lediglich eine konkrete Handlungsanweisung gibt das Filmförderungsgesetz (FFG) [PDF] von 2017 der FFA: Der jährliche Förderbericht soll fortan „eine statistische Auswertung der Informationen zur Anwendbarkeit von Branchentarifverträgen oder vergleichbaren sozialen Standards“ enthalten, besagt Paragraf 169.

Doch der Geschäftsbericht 2017, der erste unter dem aktuellen Gesetz, enthielt nichts dergleichen. Die „genannten Daten werden mit der Schlussprüfung erhoben, normalerweise zwei bis drei Jahre nach der Förderzusage“, erklärte die FFA im Mai auf Nachfrage von cinearte. „Eine statistische Auswertung ist also frühestens 2019 möglich und wird dann im entsprechenden Förderbericht veröffentlicht.“  

Der Geschäftsbericht 2018 erschien am 11. Juli dieses Jahres – wieder ohne die verlangte Statistik, weil „belastbare Daten aus den seit 2017 geförderten Produktionen erst frühestens Mitte 2019 vorliegen werden“, schreibt die FFA wieder als Erklärung dazu. Um der Verpflichtung des Paragrafen 169 dennoch nachzukommen, griff sie einfach auf die „Produzentenstudie 2018“ zurück, die bereits im vorigen Herbst erschienen ist, und druckte den „entsprechenden Abschnitt“ einfach nach [PDF].

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2019-08-18 08:39:262020-12-09 14:54:37Orientierungslos – die FFA, die Produzenten und der Tarif

Indiefilmtalk #53: Das Märchen von Heldinnen und der Chancengleichheit im Film

Unsere Gäste, Yugen Yah
17. August 2019/von Yugen Yah
Was ist „emanzipatorisch wertvoll“? Und vor allem: wann? Szenenfoto aus „Das melancholische Mädchen“. | Foto © Salzgeber

Was ist „emanzipatorisch wertvoll“? Und vor allem: wann? Szenenfoto aus „Das melancholische Mädchen“. | Foto © Salzgeber

Wonder Woman kämpft sich zwischen den Fronten nach vorne, die X-Men erhalten Verstärkung von Jean Grey, das Kübelkind und „Das melancholische Mädchen“ treffen unabhängig voneinander bei der Suche nach einer Bleibe auf verschiedene Menschen. Wir setzten die feministische Filmbrille auf und reden darüber, welche Wirkung diese Filme auf uns haben. Und dürfen Filme, die starke Frauenfiguren mimen und dabei nicht immer ganz 100-prozentig gendersensibel sind, auch einfach mal nur Spaß machen? Die Antwort ist: „Ja, natürlich!“

Sophie-Charlotte Rieger steht uns mit Rat, Tat und vor allem dem genauen Blick zur Seite. Was ist „emanzipatorisch wertvoll“ und vor allem wann ist es „emanzipatorisch wertvoll“? Mit dem Blog der Filmlöwin bereichert sie seit 2014 die deutsche Filmlandschaft. Neben aktuellen Beiträgen zu großen Hollywoodfilmen, beschäftigt sich die Site auch mit Independentproduktionen. Es geht um die Darstellung der Frau im Film, um die Sichtbarmachung von Filmfrauen, darum, feministischer Filmkritik einen Weg in den Mainstream zu ebnen.

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Yugen Yah https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Yugen Yah2019-08-17 19:25:062019-08-17 19:25:06Indiefilmtalk #53: Das Märchen von Heldinnen und der Chancengleichheit im Film

Cinema Moralia – Folge 201: Vive la France, bonsoir, Allemagne

out takes, Rüdiger Suchsland
12. August 2019/von Rüdiger Suchsland
Ganz so einfach ist es nicht...

Auf 70mm nur fürs Kino gemacht: Tenet von Christopher Nolan

Warum in Frank­reich das Kino funk­tio­niert und wie in Deutsch­land die öffent­liche Hand das Sterben des Mediums Kino finan­ziert – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­gän­gers, 201. Folge

»Paris ist nicht bloß die Haupt­stadt von Frank­reich, sondern der ganzen zivi­li­sierten Welt. … Versam­melt ist hier alles, was groß ist durch Liebe und Hass, durch Fühlen und Denken, durch Wissen oder Können, durch Glück oder Unglück, durch Zukunft oder Vergan­gen­heit.«
(Heinrich Heine)

+ + +

Der Filme­ma­cher Chris­to­pher Nolan, ob man ihn nun richtig mag, oder nicht, ist ohne Frage der wich­tigste, also kulturell einfluss­reichste Regisseur unseres Zeit­al­ters. Nicht del Toro, nicht Tarantino, auch leider nicht mehr Godard und nicht mal, wer hätte es gedacht, Til Schweiger.

Jetzt wurde der erste Teaser seines neuen Films Tenet, eines Spio­na­ge­thril­lers veröf­fent­licht. Aber wir haben ihn noch nicht gesehen. Wir können ihn nicht sehen! Denn er wird bisher nur im Kino gezeigt. Ist das nun eine Frechheit gegenüber seinen Fans, zum Beispiel in München? Oder ist es nicht ganz wunderbar, dass dieser Regisseur das Kino und das Film­ma­te­rial – Nolan dreht nicht digital, sondern in diesem Fall auf 70mm und im IMAX-Format –
wirklich vertei­digt. Dass da einer ist, der es sich erlauben kann und der darum dem Kino ein Allein­stel­lungs­merkmal gibt, das diesem gebührt.

+ + +

Wir würden ja niemals der Kultur­staats­mi­nis­terin Monika Grütters abspre­chen, dass auch sie sich wirklich ums Kino bemüht. Dass sie ein veri­ta­bles und ernst gemeintes Interesse daran hat, den Standort Kino zu stärken. Viel­leicht nicht mehr in fünf Jahren, aber jetzt. Was ich aber nicht glaube, ist, dass sie immer gut beraten und umfang­reich infor­miert wird – sondern im Gegenteil ziemlich einseitig.

Das Grütters-Interview in der »Süddeut­schen«, aus dem wir vergan­gene Woche schon zitiert hatten, war in der Hinsicht sehr aufschluss­reich. Taktisch und rheto­risch war das Konzept klar: Die Dinge laufen schlecht, obwohl Grütters mehr Geld gibt, brechen die Zuschauer weg. Also »nennt« Grütters die Fehler und Probleme – dann kann sie ja nicht dran schuld sein, oder?

Viel­leicht aber doch. Viel­leicht sind die Erfolgs­kri­te­rien genau so schräg, wie die der Länder­för­derer, und viel­leicht trägt eine Förder­po­litik, die auf »Leucht­türme« und Pres­ti­ge­pro­jekte setzt und die Breite verdorren lässt, gehörig zur Misere bei. Vor allem ist auch die Förderei im BKM höchst wider­sprüch­lich.

+ + +

Ein Beispiel hierfür: Beim vom BKM hoch geför­derten Film­fes­tival von Berlin läuft der deutsche Film Ich war zuhause, aber… von Angela Schanelec im Wett­be­werb und gewinnt sogar den Silbernen Bären für Beste Regie.
Dann beantragt der Verleiher beim BKM Verleih­för­de­rung. Diese wird nicht gewährt. Natürlich redet man sich beim BKM auf die »Unab­hän­gig­keit der Jury­ent­schei­dung« heraus, und wer wollte schon etwas gegen unab­hän­gige Jurys sagen?

Aber wie kann das sein?? Wie ist das in Gottes Namen möglich??? Das BKM ist ja nicht irgend­eine von Tante Emma geführte Länder­butze, sondern angeblich die »kultu­relle Film­för­de­rung«. Ein schwie­riger Film (den ich persön­lich auch gar nicht besonders schätze, aber es geht ums Prinzip), ein schwie­riger Film, der mehr als alle Wiedemann & Bergs & X- und Y-Filme zusammen auf kultu­relle Förderung ange­wiesen ist, und der nebenbei die Behaup­tung wider­legen könnte, dass man in Deutsch­land nur mit Schrott im Kino Geld verdienen kann, und dass die Berlinale und ihre Preise eh nix wert sind, und an der Kasse nichts bringen, einem solchen Film verwehrt man das, was man allen möglichen Filmen zugesteht: Unter­s­tüt­zung bei Kinostart im schwie­rigen Gelände.

Warum pumpt man viel Geld in die Berlinale, sorgt aber nicht dafür, dass wenigs­tens die dort ausge­zeich­neten Filme auch vernünf­tige Start­chancen bekommen?

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2019-08-12 13:19:572019-08-12 13:24:19Cinema Moralia – Folge 201: Vive la France, bonsoir, Allemagne

Richtung Europa

out takes, Peter Hartig
7. August 2019/von Peter Hartig

IrenaGrucaRozbicka

Die SOFA-Workshops bringen Projekte und Experten aus Ost- und Mitteleuropa zusammen – mit beeindruckenden Ergebnissen. Ganz oben auf dem diesjährigen Programm: Crew United Polen. Es sei auch höchste Zeit dafür, meint Irena Gruca und schildert, wie es der Branche im Nachbarland geht.

Interview: Peter Hartig
Foto von Irena: Daniel Raczy?ski/fotografowie.com

Frau Gruca, Crew United Frankreich steht am Start, jetzt stellen Sie das Projekt Crew United Polen vor. Die polnische Filmbranche brauche eine solche Plattform, sagen Sie. Und irgendwie klingt das dringend.
Ich möchte es anders formulieren: ich bin davon überzeugt, dass die Zeit für die Crew-United-Erweiterung Richtung Polen sehr gut ist. Dieses Jahr, genau genommen im Februar, wurde in Polen das neue Gesetz über Steueranreize im Bereich Filmproduktion verabschiedet und eingeführt. Produzenten von Spielfilmen, Animationen, Dokumentationen und TV-Serien erhalten 30 Prozent Bargeldrabatt oder Erstattung von Kosten, die für Produktionskosten anfallen.
Zu welchem Zweck?
Zum einen, die polnische audiovisuelle Industrie weiterzuentwickeln, zum anderen, das polnische Kulturerbe in der Welt zu fördern. Unter künstlerischen Gesichtspunkten waren die letzen Jahre eine Reihe von polnischen Erfolgen. Nun gibt wieder starke wirtschaftliche Gründe, Richtung Polen zu schauen, das wieder konkurrenzfähig wurde – und zwar nicht nur im Bereich der Filmproduktion und -koproduktion, sondern auch als starke Film-Service-Landschaft mit modernster Infrastruktur und hochqualifiziertem Personal. Abgewickelt werden diese Steueranreize durch das Polnische Filminstitut, das Pendant zur deutschen Filmförderungsanstalt. Das Filminstitut lädt bereits internationale Filmproduzenten nach Polen ein, intensive Promotionsmaßnahmen erfolgen auf Festivals weltweit.
Das heißt, es kommen ohnehin gute Zeiten auf Polens Filmschaffende zu?
Die Systemlösungen sind natürlich schön und gut, aber für die Situation der einzelnen Filmschaffenden selbst wird zurzeit nicht unbedingt viel getan. Wo können sich Profis, also sowohl Crew als auch Schauspieler*innen, die an einer Zusammenarbeit mit ausländischen Produktionen interessiert sind, über aktuelle Projekte informieren, die internationale Teams suchen? Wo gibt es eine glaubwürdige Stelle, wo sie ihre Leistungen präsentieren können und wo sie sofort gefunden werden können? Da bietet sich ein professionelles Werkzeug wie Crew United eigentlich perfekt an – eine anerkannte internationale Plattform, das aktuelle, vollständige und korrekte Informationen aus dem Bereich der audiovisuellen Produktion in Deutschland, und bald in Frankreich, Luxemburg und Belgien, anbietet. In 23 Jahren hat sich Crew United nicht nur einen Ruf und Anerkennung erarbeitet – wir haben über die Zeit unzählige Rückmeldungen erhalten, wie Jobs, Aufträge und Kooperationen nur dank der Online-Präsenz zustande kamen. Weiterlesen

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2019-08-07 12:56:252019-08-07 15:06:16Richtung Europa
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