Fliegender Aufruf: Auf die Notlage der Kulturschaffenden soll am 9. August ein Protest-Marsch Berlin hinweisen. | Screenshot
Viel Geld soll jetzt in die Kulturbranche fließen – allein 50 Millionen Euro sollen Drehausfälle abfedern. Doch nicht nur hier zeigen sich weitere Löcher im Sicherungsnetz. Ein Protest-Marsch soll im August auf die Notlage der Kulturschaffenden aufmerksam machen. Und auch beim Dreh unter Corona-Bedingungen herrsche noch Verunsicherung, berichtet die Deutsche Akademie für Fernsehen.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.
Solo-Selbstständige wurden beim Corona-Konjunkturpaket komplett übergangen, klagt die Initiative „Künstler! Hilfe! Jetzt!“ und ruft zum Protest auf: Unternehmen mit mehreren Angestellten werde großzügige Konjunkturhilfe bereitgestellt, „doch wir Berliner Solo-Selbstständige werden nach ersten Soforthilfen auf Hartz IV verwiesen.“ Freischaffende wie festangestellte Kolleg*innen sind am 9. August zum Protestmarsch der Kulturschaffenden in Berlin aufgerufen. Ein Video gibt’s auch dazu.
Wieder mal Maskendebatte, der Geschichtsphilosoph der Filmmusik und die Verlierer der Krise: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 63.
„Was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank.“ Bertolt Brecht
„Snyder: ,Wäre es nicht möglich, dieses viele Vieh, wenn es eh so wertlos ist, dass man’s verbrennen kann, den vielen, die da draußen stehen und die’s so gut gebrauchen können, einfach zu schenken?‘ Mauler: ,Lieber Herr Snyder, Sie haben den Kern der Lage nicht erfasst. Die vielen, die da draußen stehen: das sind die Käufer! […] Sie mögen niedrig scheinen, überflüssig, ja lästig manchmal, doch dem tiefen Blick kann nicht entgehen, dass sie die Käufer sind!’“ Bertolt Brecht
Er war der Geschichtsphilosoph der Filmmusik: Der große italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist heute früh in Rom im Krankenhaus gestorben. Morricone wurde 91 Jahre alt und gehörte ganz ohne Zweifel zu den großen Filmmusikern.
Berühmt wurde er mit den sogenannten Spaghetti-Western von Sergio Leone, mit Horrorfilmen von Dario Argento, bevor er mit Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini, Bernardo Bertolucci, Henri Verneuil Brian De Palma und Quentin Tarantino zusammengearbeitet hat. Insgesamt hat Morricone die Musik für mehr als 500 Filme geschrieben.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-07-06 21:08:252020-07-06 20:08:53Gedanken in der Pandemie 63: Maske hier, Maske da
Kosten und Nutzen des Home-Office: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 62.
„… ich aber will nun endlich das amtlich verordnetes Schweigen in dieser Angelegenheit weichen. Die Maßnahmen, dessen bin ich sicher, waren seinerzeit so erfolgreich, dass der Öffentlichkeit kein anderer Schaden erwachsen kann, als ein durch Abscheu hervorgerufener Schock, wenn sie erfährt, was jene entsetzten Regierungsbeamten damals vorfanden.“
H. P. Lovecraft, „Schatten über Innmouth“
Es ist ein hochinteressanter Satz, mit dem der Roman „Schatten über Innsmouth“ eröffnet wird. Das Buch von H. P. Lovecraft ist eine Horrorgeschichte. Es geht dann um merkwürdige Geschehnisse und eine geheime Untersuchung der Beamten der Bundesregierung über „gewisse Zustände im alten Seehafen Innsmouth“, und dann geht es weiter: „Die Öffentlichkeit erfuhr zum ersten Mal im Februar davon, als zunächst eine Serie von Razzien und Verhaftungen stattfand und bald darauf unter entsprechenden Vorkehrungen eine sehr große Zahl morscher, wurmstichiger und offenbar leerstehender Häuser in dem verlassenen Hafenbezirk niedergebrannt oder gesprengt wurde.“ Dann ist die Rede von „Beschwerden von Seiten zahlreicher liberaler Organisationen. Sie führten zu langen vertraulichen Besprechungen, ihre Vertreter durften bestimmte Lager und Gefängnisse besichtigen. Daraufhin verhielten sich diese Gesellschaften überraschen passiv und zurückhaltend.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-07-03 23:40:402020-07-03 23:40:40Gedanken in der Pandemie 62: Wir sind soziale Wesen
Die Kulturmilliarde ist auf dem Weg, und die Kulturstaatsministerin ist stolz: „Ein Beitrag, der international seinesgleichen sucht.“ Da hat sie recht. Es sei denn, man wechselt den Blickwinkel und vergleicht nicht andere Länder, sondern eigene Branchen: Wenn die Kultur fliegen könnte, müsste sie fast 100 Milliarden kriegen.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.
Einen Pflegebonus hatte Gesundheitsminister Spahn den „Corona-Helden“ versprochen: 1.000 Euro vom Bund, die Länder können um 500 Euro aufstocken. Doch die Prämie gilt nur für die Alten- und ambulante Pflege – den Beschäftigten in der Krankenpflege bleibt nur der Applaus von den Balkonen: Sie wurden irgendwie vergessen, berichtete gestern das „Heute Journal“.
Alles Kino und noch mehr: Die Woche vom 2. Juli 2020.
Endlich. Das Känguru ist wieder da. Marc-Uwe Klings Roman über ein anarchisches Känguru im Biotop Berlin-Kreuzberg startete am 5. März 2020 in rund 700 Kinos und erreichte in knapp 10 Tagen 500.000 Zuschauer. Soweit die Pressemeldung. Dani Levy inszenierte das Drehbuch des Autors, dessen Vorlage wohl auch ein Publikum erreichte, das sonst nicht zum Buch griff. Das Alter-Ego des Autors lebt, nicht ganz freiwillig, mit ebenjenem Känguru in einer Art WG. Bei allem, was so passiert, ist ebenjenes immer klar in Aktion, währen Marc-Uwe irgendwie hinterherwurschtelt. Die Komödie machte sich dann auch ausgesprochen gut in den Autokinos, die überall auf den Parkplätzen hervorschossen. Bereits im März hatte aber der Verleih verkündet, man wäre sofort am Start, wenn die Kinos wieder öffnen. Und dann „Reloaded“. Jetzt ist es also soweit. Und ja, es gibt eine neue Fassung, leicht anders, mit einer zusätzlichen Szene, in 3D. Wie jetzt? Für eine Szene soll man jetzt auch noch an der Ausgabe von 3D-Brillen arbeiten?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Elisabeth Nagyhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgElisabeth Nagy2020-07-02 00:01:162020-07-01 19:37:07Kino in Zeiten von Corona 15
Mit kleinen, aber guten Nachrichten beginnt das zweite Halbjahr: Seit heute gibt es weitere Krisenhilfen, die BKM mahnt mit ihren Kollegen aus Italien und Frankreich die EU, beim Wiederaufbau auch an die Kultur zu denken, und Bayern lockert die Maskenpflicht im Kino.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.
18 Krimiklassiker aus Hollywoods düsterster Filmzeit in anderthalb Stunden: „Tote tragen keine Karos“ war nicht nur eine überdrehte Hommage an ein Genre, die selbst zum Klassiker wurde, sondern auch kunsthandwerklich herausragend. Für die Kostümbildnerin Edith Head und den Komponisten Miklós Rózsa war es 1982 der letzte Film. Am Dienstag ist auch der Regisseur Carl Reiner gestorben. Er wurde 98 Jahre alt, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erinnert sich.
Seit heute gilt das „Zweite Corona-Soforthilfegesetz“. Damit wird auch der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 auf 16 Prozent gesenkt (der ermäßigte Steuersatz von 7 auf 5 Prozent). Die wesentlichen Punkte dazu: Weiterlesen
Die Kulturgeschichte der Idiotievon der Antike bis Donald Trump: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 61.
Zoran Terzic wurde in Banja Luka geboren, studierte Soziologie, Jazz Piano und Kommunikations-Design in Nürnberg und Wuppertal, Bildende Kunst in New York. 2006 promovierte er mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit. Seit 2001 lebt er als Autor, Musiker und Kurator in Berlin.Jetzt hat er eine Kulturgeschichte der Idiotie verfasst, die mittels philosophischer und kultureller Referenzen von der Antike über Rousseau bis Donald Trump führt. Neulich habe ich mit Terzic ein Gespräch über sein Buch geführt:
Herr Terzic, Sie sind Literaturwissenschaftler und haben jetzt ein Buch mit dem Titel „Idiocracy. Leben und Handeln im Zeitalter des Idioten“ geschrieben. Es handelt sich um eine Kulturgeschichte der Idiotie von der Antike bis heute. Was hat sie überhaupt auf dieses Thema gebracht?
Nichts Konkretes, sondern eine grundsätzliche Stimmung. Das Thema schien mir naheliegend zu sein und ich dachte auch, es sei einfach [lacht]. Erst später habe ich herausgefunden, dass sich viele große Köpfe an dem Thema die Zähne ausgebissen haben. Mir geht es nicht um den Gegenstand des Schimpfworts und auch nicht um Kranke, die in einer Anstalt sind.
Ihr Buch funktioniert auch als Lexikon der Idiotie. Obwohl es flüssig geschrieben ist und einen stringenten Argumentationsgang hat. Schon in der Einleitung kommen seriöse Menschen wie Lavater, Georg Büchner und antike Autoren zu Wort die das Motiv des Idioten beschreiben …Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-07-01 20:11:362020-07-01 20:11:36Gedanken in der Pandemie 61: Idioten gibt’s überall
Freunde und Helfer, zurück ins Office Office: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 60.
„Angesehen werden heißt, sich als unbekanntes Objekt unerkennbarer Beurteilungen erfassen …“
Jean-Paul Sartre
Erstmals Zoomkonferenz als Host. 30 bis 40 Menschen schauen einen an, aber man kann nicht zurückschauen. Man kann sie auch nicht anschauen. Man wird angeschaut und kann nicht zurückblicken.
Dabei wusste schon Jean-Paul Sartre, dass der Blick das entscheidende Medium des Menschlichen ist. In seinem Kapitel „Reflexion sur le regard“ in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ hat der französische Existenzphilosoph eingehend beschrieben, wie wir uns den Anderen mittels des Blicks unterwerfen oder von ihm unterworfen werden.
Sich nicht ansehen zu können, ist unmenschlich. Man kann nicht mehr durch Blicke und damit verbundene kleine Gesten kommunizieren. Wie kann man eigentlich flirten per Zoom?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-06-29 21:33:162020-06-29 21:33:16Gedanken in der Pandemie 60: Wie flirtet man per Zoom?
Corona: Brancheninfo 66
out takes, Peter HartigFliegender Aufruf: Auf die Notlage der Kulturschaffenden soll am 9. August ein Protest-Marsch Berlin hinweisen. | Screenshot
Viel Geld soll jetzt in die Kulturbranche fließen – allein 50 Millionen Euro sollen Drehausfälle abfedern. Doch nicht nur hier zeigen sich weitere Löcher im Sicherungsnetz. Ein Protest-Marsch soll im August auf die Notlage der Kulturschaffenden aufmerksam machen. Und auch beim Dreh unter Corona-Bedingungen herrsche noch Verunsicherung, berichtet die Deutsche Akademie für Fernsehen.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.
Ohne Lobby: Selbstständige in der Corona-Krise – ein Blogbeitrag über eine Misere, die knapp 2,5 Millionen Menschen in Deutschland trifft.
Solo-Selbstständige wurden beim Corona-Konjunkturpaket komplett übergangen, klagt die Initiative „Künstler! Hilfe! Jetzt!“ und ruft zum Protest auf: Unternehmen mit mehreren Angestellten werde großzügige Konjunkturhilfe bereitgestellt, „doch wir Berliner Solo-Selbstständige werden nach ersten Soforthilfen auf Hartz IV verwiesen.“ Freischaffende wie festangestellte Kolleg*innen sind am 9. August zum Protestmarsch der Kulturschaffenden in Berlin aufgerufen. Ein Video gibt’s auch dazu.
50 Millionen Euro zur Übernahme von corona-bedingten Ausfallkosten stellt die Bundesregierung im Rahmen des Hilfspakets „Neustart Kultur“ bereit. Aber vorerst nur für Kinofilm- und „hochwertige“ Serienproduktionen, berichtet „DWDL“.
Die Produzentenallianz hätte eine weitergehende Abdeckung des Fonds gewünscht und sieht noch „ein großes Stück Arbeit“ vor sich, um insbesondere den Bereich der Auftragsproduktionen fürs Fernsehen abzusichern, berichtet „Blickpunkt Film“.
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Gedanken in der Pandemie 63: Maske hier, Maske da
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeEr war der Geschichtsphilosoph der Filmmusik: Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist heute gestorben. Er wurde 91 Jahre alt. | Foto © CC BY 2.0
Wieder mal Maskendebatte, der Geschichtsphilosoph der Filmmusik und die Verlierer der Krise: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 63.
„Was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank.“
Bertolt Brecht
„Snyder: ,Wäre es nicht möglich, dieses viele Vieh, wenn es eh so wertlos ist, dass man’s verbrennen kann, den vielen, die da draußen stehen und die’s so gut gebrauchen können, einfach zu schenken?‘
Mauler: ,Lieber Herr Snyder, Sie haben den Kern der Lage nicht erfasst. Die vielen, die da draußen stehen: das sind die Käufer! […] Sie mögen niedrig scheinen, überflüssig, ja lästig manchmal, doch dem tiefen Blick kann nicht entgehen, dass sie die Käufer sind!’“
Bertolt Brecht
Er war der Geschichtsphilosoph der Filmmusik: Der große italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist heute früh in Rom im Krankenhaus gestorben. Morricone wurde 91 Jahre alt und gehörte ganz ohne Zweifel zu den großen Filmmusikern.
Berühmt wurde er mit den sogenannten Spaghetti-Western von Sergio Leone, mit Horrorfilmen von Dario Argento, bevor er mit Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini, Bernardo Bertolucci, Henri Verneuil Brian De Palma und Quentin Tarantino zusammengearbeitet hat. Insgesamt hat Morricone die Musik für mehr als 500 Filme geschrieben.
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Gedanken in der Pandemie 62: Wir sind soziale Wesen
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeNew Work verspricht mehr Freiheit, mehr Sinn, mehr Verantwortung. Aber sind wir schon bereit fürs Home Office? | Foto © United Artists
Kosten und Nutzen des Home-Office: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 62.
„… ich aber will nun endlich das amtlich verordnetes Schweigen in dieser Angelegenheit weichen. Die Maßnahmen, dessen bin ich sicher, waren seinerzeit so erfolgreich, dass der Öffentlichkeit kein anderer Schaden erwachsen kann, als ein durch Abscheu hervorgerufener Schock, wenn sie erfährt, was jene entsetzten Regierungsbeamten damals vorfanden.“
H. P. Lovecraft, „Schatten über Innmouth“
Es ist ein hochinteressanter Satz, mit dem der Roman „Schatten über Innsmouth“ eröffnet wird. Das Buch von H. P. Lovecraft ist eine Horrorgeschichte. Es geht dann um merkwürdige Geschehnisse und eine geheime Untersuchung der Beamten der Bundesregierung über „gewisse Zustände im alten Seehafen Innsmouth“, und dann geht es weiter: „Die Öffentlichkeit erfuhr zum ersten Mal im Februar davon, als zunächst eine Serie von Razzien und Verhaftungen stattfand und bald darauf unter entsprechenden Vorkehrungen eine sehr große Zahl morscher, wurmstichiger und offenbar leerstehender Häuser in dem verlassenen Hafenbezirk niedergebrannt oder gesprengt wurde.“ Dann ist die Rede von „Beschwerden von Seiten zahlreicher liberaler Organisationen. Sie führten zu langen vertraulichen Besprechungen, ihre Vertreter durften bestimmte Lager und Gefängnisse besichtigen. Daraufhin verhielten sich diese Gesellschaften überraschen passiv und zurückhaltend.
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Corona: Brancheninfo 65
out takes, Peter HartigDie Kulturmilliarde ist auf dem Weg, und die Kulturstaatsministerin ist stolz: „Ein Beitrag, der international seinesgleichen sucht.“ Da hat sie recht. Es sei denn, man wechselt den Blickwinkel und vergleicht nicht andere Länder, sondern eigene Branchen: Wenn die Kultur fliegen könnte, müsste sie fast 100 Milliarden kriegen.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.
Der „Neustart Kultur“ ist auf dem Weg. Nach dem Bundestag hat jetzt auch der Bundesrat dem „Rettungs- und Zukunftspaket“ zugestimmt. Eine Milliarde Euro soll das Kulturleben in Deutschland wieder anstoßen – durch Hilfen für Kultureinrichtungen, Infrastruktur und alternative Angebote. Das sei „ein Beitrag, der international seinesgleichen sucht“, erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters dazu.
National lässt sich freilich Unvergleichlicheres finden: Sogar neun Milliarden Euro sollen die Lufthansa neu starten. Die Fluggesellschaft beschäftigte im vorigen Jahr über 138.000 Menschen und machte über 16,27 Milliarden Euro Umsatz. In der Kulturbranche arbeiten mehr als achtmal so viele Menschen und erwirtschaften einen mehr als zehnmal so hohen Umsatz, besagt der „Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft“.
Der Kultur bekommt den Neutstart, die Kulturschaffenden die Grundsicherung. Für Künstler*innen wurde der Zugang vereinfacht, erklärt die Bundesregierung. Der Antrag sei einfach und bequem zu stellen, verspricht die Arbeitsagentur. Katharina Hoffmann ist Künstlerin und verzweifelt trotzdem. Denn ganz so einfach sieht das mit dem Antrag doch nicht aus: Auf Youtube ruft sie ihre Kulturstaatsministerin um Hilfe bei den umfangreichen Formularen.
Einen Pflegebonus hatte Gesundheitsminister Spahn den „Corona-Helden“ versprochen: 1.000 Euro vom Bund, die Länder können um 500 Euro aufstocken. Doch die Prämie gilt nur für die Alten- und ambulante Pflege – den Beschäftigten in der Krankenpflege bleibt nur der Applaus von den Balkonen: Sie wurden irgendwie vergessen, berichtete gestern das „Heute Journal“.
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Kino in Zeiten von Corona 15
Elisabeth Nagy, Unsere GästeKinos im Stillstand 21 – hoffentlich die Letzte: Das „Kant“ in Berlin freut sich schon auf heute. Die Fotos dieser Reihe gibt es jetzt auch in ausgewählten Kinos zu sehen. | Foto © Elisabeth Nagy
Alles Kino und noch mehr: Die Woche vom 2. Juli 2020.
Endlich. Das Känguru ist wieder da. Marc-Uwe Klings Roman über ein anarchisches Känguru im Biotop Berlin-Kreuzberg startete am 5. März 2020 in rund 700 Kinos und erreichte in knapp 10 Tagen 500.000 Zuschauer. Soweit die Pressemeldung. Dani Levy inszenierte das Drehbuch des Autors, dessen Vorlage wohl auch ein Publikum erreichte, das sonst nicht zum Buch griff. Das Alter-Ego des Autors lebt, nicht ganz freiwillig, mit ebenjenem Känguru in einer Art WG. Bei allem, was so passiert, ist ebenjenes immer klar in Aktion, währen Marc-Uwe irgendwie hinterherwurschtelt. Die Komödie machte sich dann auch ausgesprochen gut in den Autokinos, die überall auf den Parkplätzen hervorschossen. Bereits im März hatte aber der Verleih verkündet, man wäre sofort am Start, wenn die Kinos wieder öffnen. Und dann „Reloaded“. Jetzt ist es also soweit. Und ja, es gibt eine neue Fassung, leicht anders, mit einer zusätzlichen Szene, in 3D. Wie jetzt? Für eine Szene soll man jetzt auch noch an der Ausgabe von 3D-Brillen arbeiten?
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Corona: Brancheninfo 64
out takes, Peter HartigEin Klassiker aus Klassikern. Mit „Tote tragen keine Karos“ verbeugte sich Carl Reiner 1982 spaßeshalber vor Hollywoods Film Noir und spielte auch gleich den Bösewicht (extrem rechts). Am Dienstag ist der Regisseur gestorben. | Foto © Universal
Mit kleinen, aber guten Nachrichten beginnt das zweite Halbjahr: Seit heute gibt es weitere Krisenhilfen, die BKM mahnt mit ihren Kollegen aus Italien und Frankreich die EU, beim Wiederaufbau auch an die Kultur zu denken, und Bayern lockert die Maskenpflicht im Kino.
Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.
18 Krimiklassiker aus Hollywoods düsterster Filmzeit in anderthalb Stunden: „Tote tragen keine Karos“ war nicht nur eine überdrehte Hommage an ein Genre, die selbst zum Klassiker wurde, sondern auch kunsthandwerklich herausragend. Für die Kostümbildnerin Edith Head und den Komponisten Miklós Rózsa war es 1982 der letzte Film. Am Dienstag ist auch der Regisseur Carl Reiner gestorben. Er wurde 98 Jahre alt, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erinnert sich.
Seit heute gilt das „Zweite Corona-Soforthilfegesetz“. Damit wird auch der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 auf 16 Prozent gesenkt (der ermäßigte Steuersatz von 7 auf 5 Prozent). Die wesentlichen Punkte dazu:
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Gedanken in der Pandemie 61: Idioten gibt’s überall
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeDumm ist nur, wer Dummes tut, weiß Forrest Gump. Idioten können durchaus nützlich sein, weil sie Normen in Frage stellen, meint Zoran Terzic. Schließlich hat er ein Buch über „Leben und Handeln im Zeitalter des Idioten“ geschrieben. | Foto © Paramount
Die Kulturgeschichte der Idiotie von der Antike bis Donald Trump: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 61.
Zoran Terzic wurde in Banja Luka geboren, studierte Soziologie, Jazz Piano und Kommunikations-Design in Nürnberg und Wuppertal, Bildende Kunst in New York. 2006 promovierte er mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit. Seit 2001 lebt er als Autor, Musiker und Kurator in Berlin. Jetzt hat er eine Kulturgeschichte der Idiotie verfasst, die mittels philosophischer und kultureller Referenzen von der Antike über Rousseau bis Donald Trump führt. Neulich habe ich mit Terzic ein Gespräch über sein Buch geführt:
Herr Terzic, Sie sind Literaturwissenschaftler und haben jetzt ein Buch mit dem Titel „Idiocracy. Leben und Handeln im Zeitalter des Idioten“ geschrieben. Es handelt sich um eine Kulturgeschichte der Idiotie von der Antike bis heute. Was hat sie überhaupt auf dieses Thema gebracht?
Nichts Konkretes, sondern eine grundsätzliche Stimmung. Das Thema schien mir naheliegend zu sein und ich dachte auch, es sei einfach [lacht]. Erst später habe ich herausgefunden, dass sich viele große Köpfe an dem Thema die Zähne ausgebissen haben. Mir geht es nicht um den Gegenstand des Schimpfworts und auch nicht um Kranke, die in einer Anstalt sind.
Ihr Buch funktioniert auch als Lexikon der Idiotie. Obwohl es flüssig geschrieben ist und einen stringenten Argumentationsgang hat. Schon in der Einleitung kommen seriöse Menschen wie Lavater, Georg Büchner und antike Autoren zu Wort die das Motiv des Idioten beschreiben … Weiterlesen
Gedanken in der Pandemie 60: Wie flirtet man per Zoom?
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeGar keine Frage: Es ist nicht lustig ist, in Deutschland Polizist zu sein. Im Kino aber schon ein bisschen – wir erinnern uns an „Knocking on Heaven’s Door“. | Foto © Buena Vista
Freunde und Helfer, zurück ins Office Office: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 60.
„Angesehen werden heißt, sich als unbekanntes Objekt unerkennbarer Beurteilungen erfassen …“
Jean-Paul Sartre
Erstmals Zoomkonferenz als Host. 30 bis 40 Menschen schauen einen an, aber man kann nicht zurückschauen. Man kann sie auch nicht anschauen. Man wird angeschaut und kann nicht zurückblicken.
Dabei wusste schon Jean-Paul Sartre, dass der Blick das entscheidende Medium des Menschlichen ist. In seinem Kapitel „Reflexion sur le regard“ in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ hat der französische Existenzphilosoph eingehend beschrieben, wie wir uns den Anderen mittels des Blicks unterwerfen oder von ihm unterworfen werden.
Sich nicht ansehen zu können, ist unmenschlich. Man kann nicht mehr durch Blicke und damit verbundene kleine Gesten kommunizieren. Wie kann man eigentlich flirten per Zoom?
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