Heute werden in Berlin die „Europäischen Filmpreise” verliehen. Wahrscheinlich guckt wieder keiner zu wie schon vor vier Jahren beim Jubiläum. Die Gala ist glamourös, doch wie man sich selbst inszeniert, muss Europas Filmwelt noch lernen. | Foto © Europäische Filmakademie

Wenn demnächst mal wieder einer über Hollywood lästert, könnte man entgegnen, dass sich wenigstens das Publikum dafür interessiert. Drum müssen Hollywoods Produktionen auch zuerst mal im eigenen Land ihr Budget wieder einspielen, der Rest der Welt kommt dann als Extra dazu.

Sogar eine trockene Preisverleihung wird zum Großereignis, das dann (wie man hier ab der fünften Minute sehen kann) auch wieder für die eigenen Produkte adaptiert wird. Kurz: Wenn Hollywood sich selber feiert, schaut man gerne zu – und nicht nur im eigenen Land, sondern rund um die Welt.

Auch ein deutscher Privatsender schickt sein Team zur „Oscar“-Verleihung, um live am Roten Teppich brandheiße Statements einzufangen und die schönsten Abendroben zu bewundern. Und es gibt Leute, die sich gerne mitten in der Nacht vor den Fernseher legen und vier Stunden lang zuschauen, wie bekannte Filmstars auf der Bühne Witzchen reißen, die ihnen Drehbuchautoren aufgeschrieben haben. Auf Englisch, ohne Untertitel, und wenn die Sonne aufgeht, ist es Montag. Mehr als eine halbe Million sollen das in diesem Jahr gewesen sein – doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Das gesamteuropäische Gegenstück gibt es seit 24 Jahren. Anfangs hatte er sogar einen richtigen Namen, heute heißt er weniger zauberhaft nur noch „Europäischer Filmpreis“, hat aber wenigstens eine Gala, die auch nicht so viel bescheidener ist als die in Los Angeles. Nur guckt kaum einer hin. Wieso auch, wenn die Hälfte der Filme, die auf der Auswahlliste stehen, eh keiner kennt, weil sie entweder nie zu sehen waren oder zwar filmkunstbegeisterte Kritiker auf Festivals erfreuen, aber filmkunstbegeisterte Kinobetreiber in den Ruin treiben?

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Manchmal ist es schwer den Überblick zu behalten: Wie viele Leute arbeiten wohl an diesem Set? | Illustration © cinearte

Denk ich an Deutschland – fällt mir zum Beispiel seine Automobilindustrie ein. Oder Siemens. Das deutsche Ingenieurwesen ist eine dieser Sachen, für die das Land in der Welt immer wieder bewundert wird. Eine andere ist seine Verwaltung: Sogar deutsche Gesetze sind Exportschlager. Es hilft halt, wenn alles bis ins Kleinste irgendwie genormt, geregelt und in Zahlen gefaßt wird, damit man den Überblick behält. Was für Schmähungen mußte sich dagegen noch unlängst Griechenland gefallen lassen, wo man angeblich nicht mal wußte, wie viele Beamte der Staat überhaupt beschäftigt. Sowas kann ja nicht gut gehen.

Vor acht Jahren stellte ich mir wieder mal eine Frage. Wie viele Leute arbeiten eigentlich in unserer Filmindustrie? Jetzt kann man natürlich gleich zurückfragen, warum das einer wissen wollte, und liegt damit sogar im Trend. Denn so simpel, wie die Frage klingt: Die Antwort ist es nicht.

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Independent Spirit: Bei der Produktion des Schweizer No-Budget-Films „Der böse Onkel“ soll es immer noch nicht mit rechten Dingen zugehen, klagen einige der Beteiligten. | Foto © Nordwest Film

In Hof laufen die Hofer Filmtage, und das ist für deutsche Filmemacher immer ein besonderes Ereignis, weil hier, am obersten Rand von Oberfranken, also ziemlich abgelegen, und damals sogar noch abgelegener, vor 45 Jahren ins Leben gerufen wurde, was sich heute „das bedeutendste Festival für den Deutschen Nachwuchsfilm“ nennt. Das aber nur versteckt, denn man hat’s lieber ein wenig bescheidener und gemütlicher und spricht deshalb gerne vom „Familientreffen des deutschen Films“, das aber dafür bei jeder Gelegenheit. Beides ist auch gar nicht so verkehrt, denn der Reiz des Festivals besteht gerade in der Übersichtlichkeit fernab vom üblichen Trubel, wo sich Filmemacher zum Filmegucken und darüber reden treffen. Deshalb hat Hof auch nicht den üblichen Wettbewerb und vergibt auch nicht die üblichen Preise. Das mit den Preisen machen dafür andere, doch auch deren Preise sind nicht das Übliche, sondern auf den Nachwuchs und sonst gerne übersehene Gewerke abgestellt. Filmemachen pur, könnte man sagen. Oder auch, dass die Festivalmacher mehr „für den deutschen Film getan haben als die Berlinale, Oberhausen, München und Mannheim zusammen.“

Darum ist es natürlich prima für einen Filmemacher, wenn er nach Hof eingeladen wird, nicht nur Nachwuchs- und nicht nur deutsche: „Wir freuen uns, dass ,Der böse Onkelan diesem wichtigsten Schaufenster des deutschsprachigen Independentfilms Welturaufführung feiert“, verkündete Anfang des Monats die Schweizer Produktionsfirma. Und was sollte auch besser passen zum Festival jenseits des Mainstreams als ein „abgefahrener, durchgedrehter Film, der polarisiert wie kein zweiter“, so „provokant, irritierend, clever, rasend schnell, splitternackt und gnadenlos ehrlich“?

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Wen interessiert’s? Hauptsache, große Filmkunst entsteht. Die Arbeitsbedingungen in der Branche taugen nur selten als Nachricht. Und leider ist oft die falsche Botschaft wichtiger als der Inhalt. | Foto © Archiv (Kolorierung: Alberto d’Arce)

Es fällt ja nicht allzu schwer, über die Dunkelheit zu klagen, die hinter den gleißenden Scheinwerfern herrscht. Gelegentlich richtet dann aber doch mal jemand die Kamera in die schattigeren Bereiche und zeigt, dass nicht alles nur so toll ist wie angehende Top-Models und Superstars sich das vorstellen. Das geschah bislang zwar eher selten, in diesem bereits auslaufenden Jahr aber schon mehrmals, weshalb ich versucht bin, einen Trend darin sehen zu wollen …

Falls ich da nichts übersehen habe, machte den Anfang der NDR mit seinem Dritten Programm, und das überrascht mich nicht, weil ich dort trotz mancher Ausrutscher noch die letzten Funken öffentlich-rechtlichen Selbstverständnisses vermute und eh in den Dritten gewagt wird, was man dem Publikum nicht richtig zuzumuten traut, bis es dann überraschend ein Erfolg wird und gnadenlos in der ersten Reihe zu Tode formatiert und gesendet wird, weil halt manches einfach nicht fürs Public Viewing taugt – Matthäus 7, 6.

Jedenfalls widmete sich die Arthouse-Abteilung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gleich zweimal der Lage von Filmschaffenden. Einmal den Schauspielern, die sich trotz merkbarer Bildschirmpräsenz mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen, ein anderes Mal der Frage, warum freie Mitarbeiter seit Jahren gleich schlecht bezahlt werden, während ringsumher die Preise steigen, sie also tatsächlich immer weniger verdienen. Das Schönste daran: Beide Sendungen finden ihre Beispiele im eigenen Sender! Vielleicht hat sich da einer die Recherche allzu leicht gemacht, und keiner hat’s gemerkt. Viel besser gefällt mir aber der Gedanke, dass dahinter Absicht steckt, weil das zeigen würde, wozu die Werktätigen in der Film- und Fernsehbranche fähig sind, wenn sie Hand in Hand arbeiten – bis in die Redaktionsstuben.

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Unterhaltungswert hat der »Deutsche Fersehpreis« schon: Marcel Reich-Ranitzky etwa saß 2008 gut zwei Stunden in der Gala, um sich ehren zu lassen, als er plötzlich merkte, dass er Fernsehen gar nicht mag. | Foto © ZDF, Stefan Menne

Irgendwann im vorigen Jahrhundert, kurz vor Ende der Siebziger, tauchte in den Gesprächen während der Großen Pause der Computer auf, und ich fragte, was man damit machen könne. Ein Klassenkamerad, der sich auskannte, erklärte es mir ausführlich: „Briefeschreiben, zum Beispiel. Adressen verwalten oder Rezepte.“ Blöde Idee, entgegnete ich, es gibt doch Schreibmaschine, Karteikasten und Kochbücher! „Wirst schon sehen“, kam die Antwort. „Bald steht in jedem Haushalt so ein Rechner. Und wenn erstmal jeder einen hat, gibt’s auch viele neue Möglichkeiten.“ Das dauerte zwar noch ein bisschen länger als erwartet, aber ich begegnete unterdessen dem Anrufbeantworter (blöde Idee, warum soll ich für ein Heidengeld jemanden zurückrufen, wenn der doch etwas von mir will?) und dem Händi (blöde Idee, warum soll ich für eine Mark fünfzig die Minute – Grundgebühr nicht eingerechnet – unterwegs telefonieren, wenn doch an jeder zweiten Straßenecke eine Telefonzelle steht?). Seitdem halte ich lieber meine Klappe – ich erkenne eine bahnbrechende Innovation ja nicht mal, wenn sie blinkend vor mir steht und mich antutet.

Aber man lernt ja. Zum Beispiel, dass auch blöde Ideen, die die Welt nicht braucht, schon ihren Weg finden. Man muss sie nur machen lassen – beziehungsweise sie richtig vermarkten. Dann kann man auch aus einer alternativen Liebhaberei einen weltumspannenden Konzern basteln, der Heißgetränke zu Wucherpreisen in Pappbechern verkauft (noch so eine blöde Idee – Capuccino gibt’s doch beim Italiener, sogar besser und billiger). Oder lappige Brötchen mit Wurstbelag (am besten gleich zwischen Metzger und Bäckerei). Man kann das hippe urbane Publikum sogar für frühindustrielle Produktionsbedingungen begeistern oder ihm gleich Fäkalien verkaufen. Hauptsache, man klebt ein cooles Logo drauf.

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Von wegen klein! Das kleine Fernsehspiel ist heuer auch schon 48. Da kann man sich schon so seine Gedanken machen, wieso es immer noch so gerne mit den kleinen Filmemachern abhängt. | Foto © ZDF

Der Nachwuchs liegt den öffentlich-rechtlichen Sendern besonders am Herzen. Seit 1963 hat das ZDF „Das kleine Fernsehspiel“ und ist dafür schon oft und reichlich gelobt worden. Nicht nur die kleinen Fernsehspiele selbst gewinnen regelmäßig Preise, auch die „Nachwuchsredaktion im ZDF“ ist für ihre Verdienste um die Filmkultur schon ausgezeichnet worden.

Das konnte auch die ARD irgendwann nicht mehr auf sich sitzen lassen, und dachte sich 2001, zusätzlich zum bisherigen Engagement in den Dritten Programmen, ihr „Debüt im Ersten“ aus – für „interessante und spannende Erstlingswerke junger Filmemacher“, als die zwar auch noch deren zweite Filme gelten, was aber ansonsten gar nicht übertrieben ist, wie ein Blick ins bisherige interessante und spannende Werkverzeichnis zeigt.

In der Handhabung sind sich beide Reihen ähnlich, aber doch nicht ganz: Das ZDF sendet beinahe wöchentlich übers ganze Jahr, die ARD beschränkt sich auf einen Block in den Sommermonaten, wo zuletzt elf Filme liefen. Das sind Filme, an denen ein oder mehrere Sender der ARD als Koproduzenten beteiligt waren, die Filme werden zuerst im Kino ausgewertet (sofern sich ein Verleih findet), und erst nachträglich unter der Marke zusammengefasst. Zwischen Kinostart und dem Debüt im Ersten können ein paar Jahre vergehen.

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Joachim Kosack hat den Nachwuchs fest im Blick: „Junge Talente zu fördern, ist für uns eine echte Herzensangelegenheit“, sagt der Fiction-Chef von ProSiebenSat.1. | Foto © Holger Raunet, ProSiebenSat.1

Als neulich die „First Steps“ verliehen wurden, hielt auch Joachim Kosack, eine Rede. Das darf er, schließlich ist er Mitgeschäftsführer von Sat.1, einem der vier Ausrichter des Nachwuchspreises, der sicherlich einer der wichtigsten seiner Art ist (der Preis), wenn auch bei weitem nicht der einzige. Außerdem nennt sich Kosack „Senior Vice President Deutsche Fiction der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH“, ist also verantwortlich für die deutsche Spielfilmproduktionen der Sendergruppe und kennt sich da auch praktisch aus.

In seiner Rede verteidigte Kosack das jüngste Engagement seiner Sender für den Nachwuchs: Die Gruppe hat mit der Filmakademie Baden-Württemberg eine Kooperation vereinbart. Zwei Filme sollen pro Jahr mit jungen Regisseuren entwickelt und produziert und zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr ausgestrahlt werden. Damit sie, die jungen Regisseure, die Chance haben, „sich mit ungewöhnlichen Ideen und außergewöhnlichen Plots im Fernsehmarkt zu etablieren“, hatte Kosack dazu erklärt. Denn „junge Talente zu fördern, ist für uns eine echte Herzensangelegenheit.“

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„Natürlich hätten wir die Sender gerne mit Beispielen konfrontiert, aber die Betroffenen wollten nicht konkret werden …“ endet die Moderation. Trotzdem ist es fürs Erste schon konkret genug, was vorgestern im Medienmagazin „Zapp“ über die Situation freier Fernsehmitarbeiter zu sehen war. Übrigens schon das zweite Mal in jüngster Zeit, dass der NDR auch sich selber kritisch an die Nase fasst. Hut ab!


„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ ist ein gern zitierter Spruch von Karl Valentin. Denn er gilt immer noch. | Foto © Archiv cinearte

Miniserien gibt es nicht nur im Fernsehen. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat sich im Juni mal mit der deutschen Filmförderung befasst und sechs Personen aus der weiteren Filmlandschaft nach ihren Erfahrungen befragt. Zusammengestellt sind die Zeugen als irgendwie repräsentativer oder sonstwie ausgewogener Querschnitt: Publikumsliebling, Produzent, hoffnungsvolle Jungfilmer (Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm), Festivalleiter und Förderfunktionärin.

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Neuseeland und die 13 Zwerge: Die Verfilmung des „Hobbit“ durch Peter Jackson ließen die Nation um ihr junges Filmerbe zittern. | Foto © Warner Brothers, James Fisher

Vorige Woche wurde die PR-Maschine in Gang geschmissen: Jippieh! „Der kleine Hobbit“ wird verfilmt! Für Filmfreunde natürlich keine ganz so neue Nachricht. Die Vorgeschichte vom „Herrn der Ringe“ war ja schon im Gespräch, als die Fantasy-Trilogie selbst noch tüchtig Kasse machte, und auch wir haben wiederholt von Plänen, Rückschlägen und neuen Plänen in „cinearte“ berichtet. Jetzt ist es aber offiziell, weil erstens in Neuseeland die erste Klappe geschlagen wurde und zweitens die ersten offiziellen „Filmfotos“ in alle Welt verschickt wurden. Das sind zwar keine richtigen Produktionsbilder, sondern nur ein paar hübsch fotografierte Aufnahmen von schwerbewaffneten Zwergen im Fotostudio, doch die wurden trotzdem begeistert aufgenommen und bevölkerten in kürzester Zeit webseitenweise das Internet. Zum Beispiel hier oder hier, gleich neben den Neuigkeiten wie „Hugh Hefner: So heiß sind seine Häschen“ und „Amy Winehouse: Sie hatte ihren Tod vorausgeahnt“. Na und? dachte ich bei der zweiten Meldung. Das tue ich auch! Abgesehen davon, dass die ganze Nachricht aus der wirren Anekdote eines „ehemaligen Mitbewohners“ besteht, der sich offenbar auch dann nicht blöd vorkommt, wenn er mit knallroter Sonnenbrille auf einer Beerdigung herumsteht. Aber so sieht sie wohl auch aus, die Informationsgesellschaft im grenzenlosen Internet – Hauptsache, die Sonnenbrille knallt richtig. Da kann „Der Hobbit“ doch locker mithalten, schließlich wird „kaum ein Film seit Jahren so sehnsüchtig erwartet.“

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So sieht allen Ernstes ein Exportschlager aus. Und wenn schon „Derrick“ die Massen im Fernsehen begeistert, sollte das Kino das doch besser machen können. | Foto © ZDF

Wir wollen nicht bloß meckern, haben wir zum Start unseres Blogs versprochen. Das können andere eh viel besser und vor allem kurzweilig. Dass ich die Randnotizen des Kollegen Rüdiger Suchsland erst jetzt entdeckt habe, ist eigentlich ein Grund zum Schämen, aber sie sind auch gut versteckt. Was dort bei Artechok auf starre HTML-Seiten gemeißelt steht, ist eigentlich ein prima Blog und würde auch mehr Bewegung auf die Filmseite bringen, die ich in meiner Münchner Zeit sehr geschätzt habe. Die Technik ist heute weiter, nutzt sie! möchte ich nach München rufen – aber was rede ausgerechnet ich…

Auf die kleine Perle gestoßen bin und sogleich festgelesen habe ich mich bei der Suche nach ganz was anderem, nämlich einer Antwort: Wo steckt eigentlich der deutsche Krimi? Weiterlesen

Ladendieb

Stimmt: Filme sind keine Tütensuppen. Filme kann man „im Internet herunterladen“. Die Suppe muss man schon selber klauen. | Illustration © cinearte

Ach ja: Kino.to ist wieder da. Das ist keine Überraschung. Nachdem das halb-, viertel- oder illegale oder sonstwie in der Grauzone rechtlicher und moralischer Vorstellungen blühende Filmportal und einige andere abgeschaltet wurden, dauerte es nur gefühlte zwei Mausklicks, bis die Nachfolger ausgemacht waren. Wie hilflos der Schlag der Justiz war, lässt sich in einer schönen Überschrift zusammenfassen.

Das Netz ist halt rasend schnell, die Nachfrage offenbar groß, und man kann fleißig diskutieren, ob das nun daran liegt, dass die Filmbranche in Europa kein legales Portal zustande bekommt und da den USA weit hinterherhinkt, wie das sogar die EU-Kommission bemängelt, oder weil Filmverleiher und Kinobetreiber allesamt Ausbeuter sind, die fürs Anschauen ihrer Filme auch noch Geld verlangen, oder die Leute einfach nur gerne nehmen, was sie umsonst bekommen, egal woher es kommt, was es taugt oder wem es gehört. Weiterlesen

Sein Kurzfilm „Cashback“ hätte Sean Ellis beinahe einen „Oscar“ eingebracht. Einen Highschool-Lehrer brachte der Lobgesang auf die weibliche Schönheit um den Job. | Foto © Tobis

Manchmal ist das Leben tatsächlich wie ein Film. Bear Capron erlebte das vor zwei Jahren, als er sich unversehens in den Szenarien von „Der Club der toten Dichter“ und „Mona Lisas Lächeln“ wiederfand. Der Mann mit dem kunstvollen Namen unterrichtete mehr als 20 Jahre lang Dramaturgie an der Castilleja-Schule in Palo Alto bei San Franzisko in den USA und leitete die dortige Theatergruppe. Die Castilleja liegt nahe dem Campus der renommierten Stanford-Universität und ist eine der jener privaten sogenannten Prep Schools, die den Nachwuchs derjenigen, die es sich leisten können, auf die großen Universitäten des Landes vorbereiten. Für umgerechnet rund 2.000 Euro im Monat gibt’s kleine Klassen mit mehr als 60 Lehrern für die 415 Schülerinnen und reihenweise Extrakurse – kurz: hier wird die kommende Elite der freien Welt ausgebildet. Das „Wall Street Journal“ sah die Castilleja 2007 sogar unter den 50 führenden Einrichtungen ihrer Art – weltweit (wobei sich die Welt hier bis auf zwei Ausnahmen in den USA befindet und Südkorea eine Stadt ist). Und Capron war dort offenbar einer der beliebtesten Lehrer. Bis zum Oktober 2009.

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Das waren noch gute wilde Zeiten: Tom DiCillo (links) und ein sehr junger Brad Pitt in seiner ersten Hauptrolle bei den Dreharbeiten zu „Johnny Suede“ 1991. | Foto © Filmfest München

Das Münchner Filmfest ist zu Ende und mit ihm der Independentfilm. So ist das jedes Jahr, weil sich das zweitgrößte Festival der Republik schon sehr früh dieser Spielart des US-Kinos mit einer eigenen Programmreihe verschrieben hat. Regisseure wie Steven Soderbergh, Jonathan Demme, Richard Linklater, die Coen-Brüder oder Tom DiCillo hatten sich hier erstmals einem größeren und internationalen Publikum vorgestellt.

Independentfilm – das klingt aber auch toll. Eben nach Freiheit und lauter jungen Idealisten, die einfach mal ihr Ding durchziehen. Unabhängig von großen Konzernen, Multis, Global Playern und was sonst noch den Kapitalismus verdächtig macht. Nicht fürs Geld, sondern wegen der tollen Idee. Weiterlesen

Ganz großes Kino: Oben gibt Fritz Lang seine Anweisungen, unten steht sein Team im Wasser. Die Dreharbeiten zu „Metropolis“ waren eine Strapaze. | Foto © Murnau-Stiftung

Es gibt einen neuen Preis fürs Filmschaffen, und dagegen kann man eigentlich gar nichts haben. Zwischen all den „Bambis“ und „Golden Globes“ die an die immergleichen massenmedial bekannten üblichen Verdächtigen verteilt werden, kann man sich nur freuen, wenn sich jemand mal mit der Arbeit am Set beschäftigt. „Metropolis“ heißt der neue Preis, und vergeben wurde er gestern abend vom Bundesverband Regie (BVR), einem der mitgliederstärksten Interessenverbände der Branche.

Was erklärt, warum der „Metropolis“ vom BVR als „Regie-Preis“ bezeichnet wird und an solche Leistungen in fünf Kategorien vergeben wird: Fernsehen, Kino, Serie, Nachwuchs und Lebenswerk, für das zum Auftakt Peter Lilienthal geehrt wurde, der vor zwei Jahren seinen 80. Geburtstag feierte.

Nun gehören Regisseure unter allen „unsichtbaren“ Filmschaffenden zwar zu denjenigen, die noch am ehesten mal Beachtung finden, aber warum soll ein Verband sich nicht selber einen Preis stiften, wenn er meint, dass es der „Förderung der Qualität der Arbeit seiner Mitglieder“ dient? Weiterlesen