Wie will man so eine Pandemie bekämpften? Gedanken in der Pandemie 112.
„Allein dieses Wort ,Ausgangssperre’ müsste verboten werden, denn es sogar irrt dass es draußen gefährlich ist. Dabei ist die wahre Gefahr drinnen.“ Gerhard Scheuch, Aerosol-Forscher
„Wir haben es doch an Ostern gesehen: Plötzlich waren die Werte unten. Einfach nur, weil weniger getestet wurde. Das ist hoch manipulativ.“ Ferdinand von Schirach, am Mittwoch zum Inzidenz-Wert.
Eine Impfdosis gegen Covid-19 kostet 30 Euro. Wir hatten bereits im Sommer und haben heute sechs verschiedene Unternehmen, die Impfstoff herstelllen. Wir haben 80 Millionen Bürger.
Sechsmal 30 Euro mal 80 Millionen sind 14.4 Milliarden Euro. Soviel hätte es gekostet, bei allen sechs Anbietern Impfstoff für je 80 Millionen Deutsche zu bestellen. Plus ein Aufschlag für guten Service und Schnelligkeit, plus ein paar Millionen Dosen von Sputnik und aus China macht zusammen (ohne jeden Rabatt) … sagen wir: 20 Milliarden.
Laut IFO, dem Institut der deutschen Wirtschaft, kostet jede Woche Lockdown den deutschen Staat 25 bis 54 Milliarden Euro.
Wurde hier gut gerechnet? Wurde hier gut gewirtschaftet? Gibt es Anlass, Kanzlerin Merkel zu loben, oder Anlass, wütend auf die Regierung zu sein, und die Regierungsparteien endlich abzuwählen?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-04-15 23:59:012021-04-15 23:59:01Gedanken in der Pandemie 112: Nach fest kommt ab
Die Branche verhandelt zurzeit über einen neuen Tarifvertrag. Bislang noch ohne Ergebnis. Wir nutzen den Stillstand, um die Positionen, Probleme und Folgen zu klären. Den Standpunktder Produzentenallianz erklärt Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung.
Herr Palmer, Die Verhandlungen zum TV FFS stehen still. Die Produzentenallianz habe die Forderungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) abgelehnt und will den alten Tarifvertrag um ein Jahr verlängern. Das erfahren wir von Verdi. Die Produzentenallianz hat sich noch nicht dazu geäußert. Warum? Die Verhandlungen stehen mitnichten still. Wir hatten erst vor Ostern wieder eine gute, substanzielle Verhandlungsrunde und werden diese zeitnah fortsetzen. Wir sind In der Regel zurückhaltend, was die Verlautbarung von Zwischenergebnissen von Verhandlungen betrifft, weil das häufig nichts erleichtert.
Verdi ist mit relativ zahmen Forderungen angetreten: Die Frage nach höheren Gagen stellte die Gewerkschaft bis zum Sommer zurück. „Top-Priorität“ sollten erträgliche Arbeitszeiten haben. Da ist Ihnen doch Verdi sehr entgegengekommen. Hier sollte man differenzieren. Die Forderungen im Kontext des Gagentarifvertrags halte ich für „verantwortungsvoll“, da sie die finanziell durch Corona sehr belasteten Produktionsunternehmen mit einem Gagenmoratorium etwas entlasten. Es gab in den vergangenen Jahren zudem eine Art Konsens im deutschen Filmgeschäft: Flexibilität der Arbeitszeiten werden durch insgesamt gute Verdienste für die Gewerke am Film kompensiert. Wenn nach einem ausgesprochenen Corona-Krisenjahr 2020, wo insbesondere im zweiten Quartal die Produktionen massiv beeinträchtigt waren, jetzt beim Gagentarifvertrag eine gewisse Zurückhaltung geübt wird, ist das auch der Marktsituation geschuldet. Vergleichbare corona-bedingte Zurückhaltung haben andere Gewerkschaften 2020 auch in anderen Branchen geübt. Demgegenüber sind allerdings die Forderungen im Bereich des Manteltarifvertrags sehr ambitioniert und würden, wenn man sie realisieren würde, zu Mehrkosten führen, die einer Tariferhöhung von mehr als 10 Prozent gleichkämen.
Über die Arbeitszeiten an manchen Sets wurde ja schon vor Corona diskutiert. Nun wird unter den Hygienevorschriften gedreht, die vieles langsamer und umständlicher machen. Ausreichende Ruhezeiten und die Obergrenze von zwölf Arbeitsstunden pro Tag seien da umso wichtiger, sagt Verdi. Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen. Die Hygienevorschriften verlangen den Filmschaffenden, aber auch den Produzentinnen und Produzenten viel ab. Der bisherige Tarifvertrag regelt natürlich auch Ruhezeiten, im Übrigen auch die gesetzlichen Vorschriften. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass die Produktionen unter erheblichem Kostendruck stehen. Die Auftraggeber haben sich zwar zur Übernahme der Hygienekosten verpflichtet, in der Praxis tauchen aber Abgrenzungsthemen auf.
Zusätzliche Drehtage sind in der Kalkulation schwer vermittelbar. Die erfreulicherweise erreichten Schutzschirme der Sender und die Ausfallfonds für Kino und Fernsehproduktionen sehen erhebliche Eigenbeteiligungen der Produzentinnen und Produzenten vor. Die Eigenkapitaldecke Ist jedoch traditionell sehr dünn. Wie gesagt: Produzieren in Corona-Zeiten findet unter sehr erschwerten Bedingungen statt. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-04-13 15:45:392021-04-13 15:45:39Tarifverhandlungen: „Tarifvertrag ist Goldstandard der Branche“
„No Covid“ heißt die Strategie, zu der nicht nur eine Handvoll Virologen aufrufen, sondern Wissenschaftler*innen der unterschiedlichsten Disziplinen. Etliche Länder seien damit gut durch die Pandemie gekommen. | Screenshot
Merkel gegen Virus, Söder gegen Laschet: Symbolische, kontraproduktive Maßnahmen und autoritäre Tendenzen. Rüdiger Suchslands Gedanken in der Pandemie auf „Out-takes“, Folge 111.
„April is the cruellest month, breeding Lilacs out of the dead land, mixing Memory and desire, stirring Dull roots with spring rain. … Madame Sosostris, famous clairvoyante, Had a bad cold, nevertheless Is known to be the wisest woman in Europe, With a wicked pack of cards. Here, said she, Is your card, the drowned Phoenician Sailor, (Those are pearls that were his eyes. Look!) Here is Belladonna, the Lady of the Rocks, The lady of situations. … Tell her I bring the horoscope myself: One must be so careful these days.“ T. S. Eliot, „The Waste Land; I.The Burial of the Dead“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-04-12 23:47:352021-04-12 23:47:35Gedanken in der Pandemie 111: Der Hase und der Igel
In Indien waren Ende März schon 68 Millionen Menschen geimpft – das sind fast so viele, wie in Deutschland leben. Allerdings leben in Indien fast 1,4 Milliarden Menschen. Die Impfquote ist in beiden Ländern nahezu gleich. Szenenfoto aus „Slumdog Millionär“. | Foto: Pathé Distribution
Die Regelung der Regelung – Gedanken in der Pandemie 110.
„What do you think about South America? I’m going there soon.“ „Is that so! Where’re you going?“ „Uruguay.“ „Well, you go Uruguay and I’ll go mine.“ Marx Brothers, „Animal Crackers“.
„Libertad o Muerte.“ Staatlicher Wahlspruch von Uruguay
Vor genau zwei Jahren erschien das erste Album von Billie Eilish „When we all fall asleep where do we go“, mit den großartigsten Liedern dieses letzte Prä-Pandemie-Jahres: „Ilomilo“, „You should see me in a crown“ und „Bury a friend“. Es ist ein einziger Horror – also genaugenommen ein überaus unterhaltsames und musikalisch exzellentes Spiel mit akustischen und filmischen Horror-Effekten.
Notizen während der Abschaffung des Denkens und Strategien der Konterrevolution – Gedanken in der Pandemie 109.
„Man braucht nur genau hinzusehen dann weiß man bescheid.“ Rolf Dieter Brinkmann, („ … der Berliner Polizei gewidmet“)
„Leer setzen solche Abende ein und ruhig, sie hatten beide Zeit, beschäftigten sich, ohne wirklich etwas zu tun. Ihre Arbeit, die Geld brachte, hatten sie erledigt, er hatte nicht gemerkt, wann, es spielte keine Rolle, der Tag war weg, vorbei, von sich aus hätte er nicht sagen können, wie verbracht, und das war auch unwichtig.“ Rolf Dieter Brinkmann, „Keiner weiß mehr“
Frohe Ostern! Ostern, klar jetzt liegen die Metaphern so richtig auf der Straße. Osterspaziergang, Wiederauferstehung, und so weiter … Auf die Wiederauferstehung hoffen wir seit über einem Jahr. Zur Osterspaziergang fällt mir nur ein, dass ich heute zweimal auf Facebook mit Boris Palmer durch Tübingen spaziert bin.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-04-01 23:45:462021-04-01 23:45:46Gedanken in der Pandemie 109: Ideologe und Pandemie
Der Bundestag sprach vorige Woche erstmals übers neue Filmförderungsgesetz. Es soll nur eine Übergangslösung für die nächsten zwei Jahre werden. Corona habe die Planungen zur „Makulatur“ gemacht. | Screenshot
Der Bundestag hat über die Novelle zum Filmförderungsgesetz beraten. Auch drei der vier Oppositionsparteien haben eigene Anträge vorgelegt, wie sie sich die Zukunft des Deutschen Films vorstellen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-04-01 23:18:442021-04-01 23:18:44FIlmförderungsgesetz 2022: Nur eine Übergangslösung
Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ sollte die Wirklichkeit der Prostitution zeigen. Dass die Bilder nicht echt sind, will keine*r gemerkt haben. Die Debatte um den Doku-Skandal fragt aber weiter: Welche Wirklichkeit wollen wir sehen? Und warum machen wir es Dokumentarfilme*innen so schwer?
Der Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“ beschäftigt die Feuilletons. Die Regisseurin Elke Lehrenkrauss schildert den Alltag zweier migrantischer Sexarbeiterinnen, die ihre Dienste in einem Wohnmobil anbieten. Der Film erhielt gute Kritiken, den „Deutschen Dokumentarfilmpreis“ und wurde zuletzt für den „Grimme-Preis“ nominiert. Vorige Woche distanzierte sich der NDR von dem Film, den er Sender mitproduziert hatte: Er zeige in weiten Strecken Szenen, „die nicht authentisch sind“. Das hätten Recherchen der NDR-Redaktion „STRG_F“ ergeben. „,Lovemobil‘ soll zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, aber zentrale Protagonist*innen des Films schildern nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert.“ Der Film sei zwar von der NDR-Dokumentarfilmredaktion redaktionell begleitet und abgenommen worden. „Grundlagen waren ein Exposé und eine Kalkulation über einen Dokumentarfilm. Die Redaktion war während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden.“ Der Film entspreche nicht den Standards, die der Sender „an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-03-29 22:39:502021-03-29 22:39:50Doku oder Reality Show? Die Debatte um „Lovemobil“
Angela Merkel bei „Anne Will“. Die Kanzlerin ist „nicht glücklich“ mit der Corona-Politik. Unser Kolumnist übrigens auch nicht. | Screenshot
Nach der Desaster-Woche: Es kann nicht sein was nicht sein darf – Palmström und das Stoppschild in unseren Köpfen. Gedanken in der Pandemie 108.
„Die Pandemie muss sofort bekämpft werden und nicht erst, wenn alles durchgeplant ist und man alle notwendigen Unterlagen bei allen zuständigen Behörden zusammengesammelt hat. Stattdessen verlieren wir an Tempo, weil niemand die Verantwortung übernehmen will.“ Lisa Federle, Ärztin in Tübingen
„All political lives, unless they are cut off in midstream at a happy juncture, end in failure, because that is the nature of politics and of human affairs.“ Enoch Powell
Fake News aus Deutschland! „20.000 Strahlentote“. Die Salonkommunisten berichten: Am 11. März vor 10 Jahren, einem Datum, das wir mit Fukushima gleichsetzen, starben 20.000 Menschen. Was geschah an diesem Tag? Eine Nuklearkatastrophe? Starben 20.000 Menschen in Strahlentod? Die Salonkommunisten zeigen, welche Folgen die deutsche Hysterie an genau diesen historischen Objekt hat. Zum 10-jährigen Jahrestag des Tohoku-Seebebens ist klar: dies war eine Katastrophe, aber keine Nuklearkatastrophe. Die deutschen Medien allerdings machen daraus ein Atomunglück, die Grünen twittern von Nuklearkatastrophe und zehntausenden Toten. Später korrigieren sie das, aber stillschweigend. Fukushima war nicht die größte menschengemachte Katastrophe, sondern das sind passenderweise Staudamm-Unglücke, bei denen manchmal 20, manchmal 80.000 Menschen sterben und viele mehr obdachlos werden.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-03-29 21:19:592021-03-30 23:47:47Gedanken in der Pandemie 108: Schluß mit Dienst nach Vorschrift!
Gedanken in der Pandemie 112: Nach fest kommt ab
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeSzenenfoto aus „Ring 2“. | Foto © UIP
Wie will man so eine Pandemie bekämpften? Gedanken in der Pandemie 112.
„Allein dieses Wort ,Ausgangssperre’ müsste verboten werden, denn es sogar irrt dass es draußen gefährlich ist. Dabei ist die wahre Gefahr drinnen.“
Gerhard Scheuch, Aerosol-Forscher
„Wir haben es doch an Ostern gesehen: Plötzlich waren die Werte unten. Einfach nur, weil weniger getestet wurde. Das ist hoch manipulativ.“
Ferdinand von Schirach, am Mittwoch zum Inzidenz-Wert.
Eine Impfdosis gegen Covid-19 kostet 30 Euro. Wir hatten bereits im Sommer und haben heute sechs verschiedene Unternehmen, die Impfstoff herstelllen. Wir haben 80 Millionen Bürger.
Sechsmal 30 Euro mal 80 Millionen sind 14.4 Milliarden Euro. Soviel hätte es gekostet, bei allen sechs Anbietern Impfstoff für je 80 Millionen Deutsche zu bestellen. Plus ein Aufschlag für guten Service und Schnelligkeit, plus ein paar Millionen Dosen von Sputnik und aus China macht zusammen (ohne jeden Rabatt) … sagen wir: 20 Milliarden.
Laut IFO, dem Institut der deutschen Wirtschaft, kostet jede Woche Lockdown den deutschen Staat 25 bis 54 Milliarden Euro.
Wurde hier gut gerechnet? Wurde hier gut gewirtschaftet? Gibt es Anlass, Kanzlerin Merkel zu loben, oder Anlass, wütend auf die Regierung zu sein, und die Regierungsparteien endlich abzuwählen?
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Tarifverhandlungen: „Tarifvertrag ist Goldstandard der Branche“
out takes, Peter Hartig„Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen“, sagt Christoph Palmer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen. | Foto © Produzentenallianz
Die Branche verhandelt zurzeit über einen neuen Tarifvertrag. Bislang noch ohne Ergebnis. Wir nutzen den Stillstand, um die Positionen, Probleme und Folgen zu klären. Den Standpunktder Produzentenallianz erklärt Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung.
Herr Palmer, Die Verhandlungen zum TV FFS stehen still. Die Produzentenallianz habe die Forderungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) abgelehnt und will den alten Tarifvertrag um ein Jahr verlängern. Das erfahren wir von Verdi. Die Produzentenallianz hat sich noch nicht dazu geäußert. Warum?
Die Verhandlungen stehen mitnichten still. Wir hatten erst vor Ostern wieder eine gute, substanzielle Verhandlungsrunde und werden diese zeitnah fortsetzen. Wir sind In der Regel zurückhaltend, was die Verlautbarung von Zwischenergebnissen von Verhandlungen betrifft, weil das häufig nichts erleichtert.
Verdi ist mit relativ zahmen Forderungen angetreten: Die Frage nach höheren Gagen stellte die Gewerkschaft bis zum Sommer zurück. „Top-Priorität“ sollten erträgliche Arbeitszeiten haben. Da ist Ihnen doch Verdi sehr entgegengekommen.
Hier sollte man differenzieren. Die Forderungen im Kontext des Gagentarifvertrags halte ich für „verantwortungsvoll“, da sie die finanziell durch Corona sehr belasteten Produktionsunternehmen mit einem Gagenmoratorium etwas entlasten. Es gab in den vergangenen Jahren zudem eine Art Konsens im deutschen Filmgeschäft: Flexibilität der Arbeitszeiten werden durch insgesamt gute Verdienste für die Gewerke am Film kompensiert. Wenn nach einem ausgesprochenen Corona-Krisenjahr 2020, wo insbesondere im zweiten Quartal die Produktionen massiv beeinträchtigt waren, jetzt beim Gagentarifvertrag eine gewisse Zurückhaltung geübt wird, ist das auch der Marktsituation geschuldet. Vergleichbare corona-bedingte Zurückhaltung haben andere Gewerkschaften 2020 auch in anderen Branchen geübt. Demgegenüber sind allerdings die Forderungen im Bereich des Manteltarifvertrags sehr ambitioniert und würden, wenn man sie realisieren würde, zu Mehrkosten führen, die einer Tariferhöhung von mehr als 10 Prozent gleichkämen.
Über die Arbeitszeiten an manchen Sets wurde ja schon vor Corona diskutiert. Nun wird unter den Hygienevorschriften gedreht, die vieles langsamer und umständlicher machen. Ausreichende Ruhezeiten und die Obergrenze von zwölf Arbeitsstunden pro Tag seien da umso wichtiger, sagt Verdi.
Produzieren in Corona-Zeiten ist für alle Beteiligten ein Produzieren unter erschwerten Bedingungen. Die Hygienevorschriften verlangen den Filmschaffenden, aber auch den Produzentinnen und Produzenten viel ab. Der bisherige Tarifvertrag regelt natürlich auch Ruhezeiten, im Übrigen auch die gesetzlichen Vorschriften. An dieser Stelle muss aber auch erwähnt werden, dass die Produktionen unter erheblichem Kostendruck stehen. Die Auftraggeber haben sich zwar zur Übernahme der Hygienekosten verpflichtet, in der Praxis tauchen aber Abgrenzungsthemen auf.
Zusätzliche Drehtage sind in der Kalkulation schwer vermittelbar. Die erfreulicherweise erreichten Schutzschirme der Sender und die Ausfallfonds für Kino und Fernsehproduktionen sehen erhebliche Eigenbeteiligungen der Produzentinnen und Produzenten vor. Die Eigenkapitaldecke Ist jedoch traditionell sehr dünn. Wie gesagt: Produzieren in Corona-Zeiten findet unter sehr erschwerten Bedingungen statt. Weiterlesen
Gedanken in der Pandemie 111: Der Hase und der Igel
Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste„No Covid“ heißt die Strategie, zu der nicht nur eine Handvoll Virologen aufrufen, sondern Wissenschaftler*innen der unterschiedlichsten Disziplinen. Etliche Länder seien damit gut durch die Pandemie gekommen. | Screenshot
Merkel gegen Virus, Söder gegen Laschet: Symbolische, kontraproduktive Maßnahmen und autoritäre Tendenzen. Rüdiger Suchslands Gedanken in der Pandemie auf „Out-takes“, Folge 111.
„April is the cruellest month, breeding
Lilacs out of the dead land, mixing
Memory and desire, stirring
Dull roots with spring rain.
…
Madame Sosostris, famous clairvoyante,
Had a bad cold, nevertheless
Is known to be the wisest woman in Europe,
With a wicked pack of cards. Here, said she,
Is your card, the drowned Phoenician Sailor,
(Those are pearls that were his eyes. Look!)
Here is Belladonna, the Lady of the Rocks,
The lady of situations.
…
Tell her I bring the horoscope myself:
One must be so careful these days.“
T. S. Eliot, „The Waste Land; I.The Burial of the Dead“
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Gedanken in der Pandemie 110: „Vorsichtig gesagt, verwirrend“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeIn Indien waren Ende März schon 68 Millionen Menschen geimpft – das sind fast so viele, wie in Deutschland leben. Allerdings leben in Indien fast 1,4 Milliarden Menschen. Die Impfquote ist in beiden Ländern nahezu gleich. Szenenfoto aus „Slumdog Millionär“. | Foto: Pathé Distribution
Die Regelung der Regelung – Gedanken in der Pandemie 110.
„What do you think about South America? I’m going there soon.“
„Is that so! Where’re you going?“
„Uruguay.“
„Well, you go Uruguay and I’ll go mine.“
Marx Brothers, „Animal Crackers“.
„Libertad o Muerte.“
Staatlicher Wahlspruch von Uruguay
Vor genau zwei Jahren erschien das erste Album von Billie Eilish „When we all fall asleep where do we go“, mit den großartigsten Liedern dieses letzte Prä-Pandemie-Jahres: „Ilomilo“, „You should see me in a crown“ und „Bury a friend“. Es ist ein einziger Horror – also genaugenommen ein überaus unterhaltsames und musikalisch exzellentes Spiel mit akustischen und filmischen Horror-Effekten.
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Gedanken in der Pandemie 109: Ideologe und Pandemie
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeIn Tübingen sind die Kinos wieder geöffnet. Die Branche hofft auf den Modellversuch. | Symbolfoto © Adobe Stock
Notizen während der Abschaffung des Denkens und Strategien der Konterrevolution – Gedanken in der Pandemie 109.
„Man braucht nur
genau
hinzusehen
dann weiß man bescheid.“
Rolf Dieter Brinkmann, („ … der Berliner Polizei gewidmet“)
„Leer setzen solche Abende ein und ruhig, sie hatten beide Zeit, beschäftigten sich, ohne wirklich etwas zu tun. Ihre Arbeit, die Geld brachte, hatten sie erledigt, er hatte nicht gemerkt, wann, es spielte keine Rolle, der Tag war weg, vorbei, von sich aus hätte er nicht sagen können, wie verbracht, und das war auch unwichtig.“
Rolf Dieter Brinkmann, „Keiner weiß mehr“
Frohe Ostern! Ostern, klar jetzt liegen die Metaphern so richtig auf der Straße. Osterspaziergang, Wiederauferstehung, und so weiter … Auf die Wiederauferstehung hoffen wir seit über einem Jahr. Zur Osterspaziergang fällt mir nur ein, dass ich heute zweimal auf Facebook mit Boris Palmer durch Tübingen spaziert bin.
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FIlmförderungsgesetz 2022: Nur eine Übergangslösung
out takes, Peter HartigDer Bundestag sprach vorige Woche erstmals übers neue Filmförderungsgesetz. Es soll nur eine Übergangslösung für die nächsten zwei Jahre werden. Corona habe die Planungen zur „Makulatur“ gemacht. | Screenshot
Der Bundestag hat über die Novelle zum Filmförderungsgesetz beraten. Auch drei der vier Oppositionsparteien haben eigene Anträge vorgelegt, wie sie sich die Zukunft des Deutschen Films vorstellen.
Der Bundestag hat vorigen am Freitag in erster Lesung über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Filmförderungsgesetzes beraten. Erstmals standen außerdem fünf Anträge der Opposition auf der Tagesordnung: Die AfD will „den deutschen Film erfolgreicher machen“ und hierzu das Filmfördersystem neu ausrichten. Die Linke plädiert ebenfalls für eine Reform des Filmförderungsgesetzes und für die Unterstützung von Kinos, Filmverleihen und -produktionen in der Krise. Ebenfalls zwei Anträge brachte die FDP ein. Sie will zum einen die „Deutsche Filmförderung im europäischen Kontext reformieren“ und sich zum anderen „für ein Überleben der deutschen Film- und Kinobranche“ stark machen.
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Doku oder Reality Show? Die Debatte um „Lovemobil“
out takes, Peter HartigWahrheit oder Wirklichkeit? „Lovemobil“ wurde für seine Einblicke in die Straßenprostitution gefeiert. Dass die Szenen nachgestellt sind, wurde dem Publikum nicht gesagt. | Foto © NDR
Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ sollte die Wirklichkeit der Prostitution zeigen. Dass die Bilder nicht echt sind, will keine*r gemerkt haben. Die Debatte um den Doku-Skandal fragt aber weiter: Welche Wirklichkeit wollen wir sehen? Und warum machen wir es Dokumentarfilme*innen so schwer?
Der Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“ beschäftigt die Feuilletons. Die Regisseurin Elke Lehrenkrauss schildert den Alltag zweier migrantischer Sexarbeiterinnen, die ihre Dienste in einem Wohnmobil anbieten. Der Film erhielt gute Kritiken, den „Deutschen Dokumentarfilmpreis“ und wurde zuletzt für den „Grimme-Preis“ nominiert. Vorige Woche distanzierte sich der NDR von dem Film, den er Sender mitproduziert hatte: Er zeige in weiten Strecken Szenen, „die nicht authentisch sind“. Das hätten Recherchen der NDR-Redaktion „STRG_F“ ergeben. „,Lovemobil‘ soll zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, aber zentrale Protagonist*innen des Films schildern nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert.“ Der Film sei zwar von der NDR-Dokumentarfilmredaktion redaktionell begleitet und abgenommen worden. „Grundlagen waren ein Exposé und eine Kalkulation über einen Dokumentarfilm. Die Redaktion war während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden.“ Der Film entspreche nicht den Standards, die der Sender „an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat.“
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Gedanken in der Pandemie 108: Schluß mit Dienst nach Vorschrift!
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeAngela Merkel bei „Anne Will“. Die Kanzlerin ist „nicht glücklich“ mit der Corona-Politik. Unser Kolumnist übrigens auch nicht. | Screenshot
Nach der Desaster-Woche: Es kann nicht sein was nicht sein darf – Palmström und das Stoppschild in unseren Köpfen. Gedanken in der Pandemie 108.
„Die Pandemie muss sofort bekämpft werden und nicht erst, wenn alles durchgeplant ist und man alle notwendigen Unterlagen bei allen zuständigen Behörden zusammengesammelt hat. Stattdessen verlieren wir an Tempo, weil niemand die Verantwortung übernehmen will.“
Lisa Federle, Ärztin in Tübingen
„All political lives, unless they are cut off in midstream at a happy juncture, end in failure, because that is the nature of politics and of human affairs.“
Enoch Powell
Fake News aus Deutschland! „20.000 Strahlentote“. Die Salonkommunisten berichten: Am 11. März vor 10 Jahren, einem Datum, das wir mit Fukushima gleichsetzen, starben 20.000 Menschen. Was geschah an diesem Tag? Eine Nuklearkatastrophe? Starben 20.000 Menschen in Strahlentod? Die Salonkommunisten zeigen, welche Folgen die deutsche Hysterie an genau diesen historischen Objekt hat. Zum 10-jährigen Jahrestag des Tohoku-Seebebens ist klar: dies war eine Katastrophe, aber keine Nuklearkatastrophe. Die deutschen Medien allerdings machen daraus ein Atomunglück, die Grünen twittern von Nuklearkatastrophe und zehntausenden Toten. Später korrigieren sie das, aber stillschweigend. Fukushima war nicht die größte menschengemachte Katastrophe, sondern das sind passenderweise Staudamm-Unglücke, bei denen manchmal 20, manchmal 80.000 Menschen sterben und viele mehr obdachlos werden.
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