Allmählich müssen wir uns überlegen, welche Stimme bei der kommenden Wahl das kleinste Übel bedeutet – Gedanken in der Pandemie, Folge 127.
„Es ist wirklich schwer einzusehen, wie Menschen, die der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, imstande sein könnten, diejenigen gut auszuwählen, die sie regieren sollen.“ Alexis De Tocqueville, „Über die Demokratie in Amerika“; 1840
„Ich glaube, ich würde die Freiheit in allen Zeiten geliebt haben; in der Zeit aber, in der wir leben, fühle ich mich geneigt, sie anzubeten.“ Alexis De Tocqueville, „Über die Demokratie in Amerika“; 1840
Kaum zu glauben, aber wahr: Heute in vier Wochen, also nur drei weitere Pandemie-Gedanken später, wissen wir, wer die Bundestagswahl gewonnen hat, und vermutlich wissen wir dann auch, wer der neue Bundeskanzler wird. Oder die Kanzlerin, klar: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nicht nur, weil auch die Pandemie Politik voll und ganz im Schatten des Wahlkampfes steht und man ziemlich jede Maßnahme auch daraufhin abklopfen kann welcher Partei sie nutzt, wollen wir uns auch in diesem Pandemie-Blog ein bisschen mit dem deutschen Wahlkampf beschäftigen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-08-30 22:14:482021-08-30 22:14:48Gedanken in der Pandemie 127: Wahlomat, Scholzomat und der Kanzlersimulator
Horrorzahlen und Hoffnungsschimmer: Die FFA hat ihre Kinobilanz für das erste Halbjahr vorgelegt.
Schön sind die Zahlen nicht, die die Filmförderungsanstalt (FFA) am Montag in ihrer Kinobilanz für das erste Halbjahr vorlegte. Wegen des Corona-Lockdowns, der für die meisten Kinos erst Anfang Juli endete, wurden seit Januar nur etwa 840.000 Eintrittskarten verkauft. 2020 waren es im ersten Halbjahr trotz des Lockdowns im Frühjahr noch fast 26 Millionen gewesen, im Jahr 2019 knapp 54 Millionen. Darum lässt die FFA diese Zahlen in der Anküdingung beiseite und konzentriert sich lieber auf eine frohe Botschaft: „Das vielbefürchtete Kinosterben hat bisher nicht stattgefunden.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-08-26 23:16:212021-08-26 23:16:21Noch kein Kinosterben in Deutschland
Deutsche Sicherheiten, Corona und Afghanistan – Gedanken in der Pandemie, Folge 126.
„Then the sickness really breaks out, and the less recording and reporting the better for the peace of the subscribers. But the Empires and the Kings continue to divert themselves as selfishly as before, and the foreman thinks that a daily paper really ought to come out once in twenty-four hours, and all the people at the Hill-stations in the middle of their amusements say:?„Good gracious! Why can’t the paper be sparkling? I’m sure there’s plenty going on up here.“ Rudyard Kipling, „The Man Who Would Be King“; 1888
Fast 60 Prozent aller Deutschen, 48,9 Millionen sind vollständig gegen Corona geimpft. 64 Prozent mindestens einmal.
Aber wie sieht es eigentlich im Rest der Welt aus? Besser als ich gedacht hätte: 32,5 Prozent der kompletten Weltbevölkerung, meldet „ourworldindata“, haben mindestens eine erste Impfdosis erhalten, und sind damit bereits weitgehend sicher vor schweren Erkrankungen. Ziemlich genau ein Viertel, 24.5 Prozent, ist vollständig geimpft. 4.97 Milliarden Impfdosen wurden bisher verabreicht, zurzeit 34.91 Millionen pro Tag. Dass es noch immer keine größere Zahl schwerer Erkrankungsfälle gibt, könnte den Impfverweigerern ja allmählich zu denken geben.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-08-23 22:58:042021-08-23 22:58:04Gedanken in der Pandemie 126: „… am Hindukush verteidigt“
Seit 13 Jahren klagt der DoP Jost Vacano um eine angemessene Beteiligung am Erfolg des Filmklassikers „Das Boot“. Jetzt hat er sich mit den ARD-Anstalten geeinigt. ein wirklicher Lichtblick sei das aber nicht.
Im Rechtsstreit über eine angemessene Vergütung hat sich der Chefkameramann des international erfolgreichen Filmklassikers „Das Boot“, Jost Vacano, mit den ARD-Anstalten geeinigt, berichtete auch „Der Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Beide greifen auf Texte von Deutscher Presse-Agentur und Evangelischem Pressedienst (EPD) zurück, die den jahrelangen Rechtsstreit nochmals aufrollen. „Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR), gegen den Vacano in einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht München klagt, ist dem Vergleich vorbehaltlich der Klärung von Formalitäten beigetreten. Die Einigung sieht eine Abfindung für Vacano in Höhe von insgesamt 160 000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer vor. […] Der SWR teilte auf EPD-Nachfrage mit, Vacano werde das Verfahren gegen den WDR in München nun für erledigt erklären. Die Abfindungssumme schließe ,alle Sendungen in allen Programmen der ARD einschließlich 3sat und Arte ein, die in der Vergangenheit erfolgt sind, außerdem Zinsen und einen Betrag für künftige Sendungen‘. Der ,Wert‘ der künftigen Ausstrahlungen werde dabei nicht nach dem Wiederholungsvergütungsmodell berechnet, sondern nach dem neuen Punktemodell einer Gemeinsamen Vergütungsregelung (ARD-GVR Drehbuch), das seit dem 1. Januar 2019 für Auftragsproduktionen der ARD gilt.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-08-09 22:05:522021-08-09 22:05:52„Das Boot“: Ein „Armutszeugnis“ für die ARD
Journalistische Trauerspiele, Surrealismus und Terror, Streichholz und Benzinkanister, und die lädierte Utopie – Gedanken in der Pandemie, Folge 125.
„Es geht gar nicht um die Grünen in diesem Wahlkampf. Es geht darum, dass die Gesellschaft entlang der Analysen der Wirklichkeit handlungsfähig wird. Und das sind wir nicht.“
Robert Habeck im „ZDF-Sommerinterview“
„Die Abkehr vom Politischen schlägt sich inzwischen, wenn auch unschuldig, auch dort in einer verräterischen Semantik nieder, wo Verdacht sich eigentlich nicht einstellen sollte: Beim weltläufigsten unserer Politiker.“
Karl Heinz Bohrer
Karl-Heinz Bohrer ist gestorben, leider, ein gutes Jahr vor Vollendung seines 90. Lebensjahres. Bohrer gehört für mich zusammen mit Alexander Kluge und Jürgen Habermas zu den drei spannendsten lebenden Intellektuellen deutscher Sprache. Wie Kluge war er neugierig, vor allem neugierig, mit Habermas verband ihn die Lust an Streit und an Debatte. Zugleich bewies er, zum Beispiel in seiner Freundschaft mit Habermas: Auch grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten in politischen Fragen, müssen einen nicht daran hindern, sich gut zu verstehen. Davon könnten heute fast alle etwas lernen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-08-09 21:41:162021-08-09 21:41:16Gedanken in der Pandemie 125: Die gefährdete Fantasie und das Ethos der Mainzelmännchen
Wie war’s in Cannes? Die Feuilletons begeistern sich an der „Goldenen Palme“. Am Festival selbst gibt’s manches zu mäkeln.
Die Filmfestspiele von Cannes gingen am Samstag zu Ende, und Jurypräsident Spike Lee machte 48 Sekunden Filmgeschichte, als er gleich zu Beginn der Gala den Hauptgewinn ausplauderte. Zum zweiten Mal in 74 Ausgaben hat eine Frau die „Goldene Palme“ erhalten. Die erste hatte 1993 Jane Champion mit „Das Piano“ gewonnen, aber die musste sich den Preis damals noch teilen. Julia Ducournau hat ihn alleine gewonnen: Mit „Titane“, ihrem zweiten Langfilm, war die 37-jährige Französin eine von vier Regisseur*innen im Wettbewerb mit 24 Filmen.
Verdi hat gefragt, Festivalmitarbeiter*innen haben geantwortet: Das Kinofest Lünen ist das fairste Filmfestival Deutschlands.
Die AG Festivalarbeit in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat erstmals ihren „Fair Festival Award“ verliehen (die Veranstaltung im Rahmen des Dresdner Filmfests ist hier im Stream zu sehen). Auf den folgenden Rängen erhielten das Pornfilmfestival Berlin, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, das Kurzfilm Festival Hamburg, das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund/Köln und das Filmfestival Max-Ophüls-Preis das Prädikat „Faires Festival“.
Für die erste Ausgabe wurden in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg ausführlich die Arbeitsbedingungen bei 49 deutschen Filmfestivals abgefragt; auf einer vierstufigen Skala wurden Kriterien wie Vertrag, Arbeitsbedingungen, Kommunikation, Führung, Arbeitsklima, Mitbestimmung, Chancengleichheit, Gleichbehandlung und Entlohnung bewertet. 14 Festivals, für die mindestens drei Bewertungen vorlagen, wurden in einer zweiten Runde eingehender betrachtet.
Ziel der Umfrage war nicht nur, das fairste Filmfestival zu küren, „sondern auch das nur spärlich dokumentierte Feld der Arbeitsbedingungen bei Filmfestivals zu untersuchen, das bisher wissenschaftlich kaum erschlossen ist. Das entstandene Branchenbild vermittelt eine erste anschauliche Skizze über die Arbeitsverhältnisse in der deutschen Filmfestival-Landschaft und gibt einen Einblick in die Strukturen, auch wenn es nicht repräsentativ für die gesamte Branche ist und so den Bedarf für weitere Forschung verdeutlicht.“ Deutlich sei, dass die Filmfestivalbranche zu prekären und geschlechterungerechten Arbeitsverhältnissen beiträgt: 39 Prozent der befragten Festivalarbeiter*innen können nicht allein von dieser Arbeit leben – die Karriereverläufe von Frauen und Männern weichen stark voneinander ab.
Mit knapp 200 vollständigen Antworten war der Rücklauf „überschaubar“, heißt es in der Dokumentation zur Umfrage. Dies sei zwei Faktoren geschuldet: „Zum einen hat der Beginn der Corona-Pandemie, kurz nach Start der Erhebungsphase, die Pläne vieler Festivals durchkreuzt. Zum anderen ist der ,Fair Festival Award‘ als neue Auszeichnung noch unbekannt.“ Das nächste Mal soll der Preis zur Berlinale 2022 vergeben werden.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-07-19 21:00:482021-07-19 21:00:48Lünen ist das fairste Festival in Deutschland
Freiheit der Presse, Luther als Medienphänomen und Lisa Herzog über Arbeit in Corona-Zeiten – Gedanken in der Pandemie, Folge 124.
„Die Furcht selbst, die Angst vor der eigenen Freiheit hält die Menschen gefangen.“
Lukas Baerfuss: „Luther“
Peter R. de Vries ist tot. Am Dienstag vor zwei Wochen wurde der mutige niederländische Investigativjournalist von einem Attentäter niedergeschossen, am vergangenen Donnerstag starb er an den Folgen.
De Vries hatte er zur Drogenmafia in seinem Land recherchiert, ihren internationalen Verknüpfungen, ihren Verdienstmodellen und Auftragsmorden. In der „Welt“ schreibt Dirk Schümer, der de Vries kannte, über den Fall: „Bedrohte, verfolgte, ermordete Journalisten – wir stellen uns solche Zustände eher in autokratischen Regimen vor. […] Der Mord an Peter de Vries zeigt erneut, dass wir uns nur fälschlich in Sicherheit wiegen. Die gefestigte Demokratie Niederlande wird herausgefordert von einem Mörderkartell, das Bürgermeister und Richter bedroht, ganze Branchen wie den Rotterdamer Hafen oder den Blumenexport für Schmuggel und Geldwäsche infiltriert. […] Europas Kriminelle korrumpieren Richter und Polizisten, bestechen Politiker, töten Journalisten – und fordern den Rechtsstaat zum Duell.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-07-19 20:35:062021-07-19 20:35:06Gedanken in der Pandemie 124: „Sinnvolle, würdevolle und gerecht bezahlte Arbeit ist möglich“
Gedanken in der Pandemie 127: Wahlomat, Scholzomat und der Kanzlersimulator
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeIn wenigen Wochen werden die Sitze im Bundestag neu besetzt. Zeit, sich Gedanken zu machen. | Foto © Deutscher Bundestag
Allmählich müssen wir uns überlegen, welche Stimme bei der kommenden Wahl das kleinste Übel bedeutet – Gedanken in der Pandemie, Folge 127.
„Es ist wirklich schwer einzusehen, wie Menschen, die der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, imstande sein könnten, diejenigen gut auszuwählen, die sie regieren sollen.“
Alexis De Tocqueville, „Über die Demokratie in Amerika“; 1840
„Ich glaube, ich würde die Freiheit in allen Zeiten geliebt haben; in der Zeit aber, in der wir leben, fühle ich mich geneigt, sie anzubeten.“
Alexis De Tocqueville, „Über die Demokratie in Amerika“; 1840
Kaum zu glauben, aber wahr: Heute in vier Wochen, also nur drei weitere Pandemie-Gedanken später, wissen wir, wer die Bundestagswahl gewonnen hat, und vermutlich wissen wir dann auch, wer der neue Bundeskanzler wird. Oder die Kanzlerin, klar: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Nicht nur, weil auch die Pandemie Politik voll und ganz im Schatten des Wahlkampfes steht und man ziemlich jede Maßnahme auch daraufhin abklopfen kann welcher Partei sie nutzt, wollen wir uns auch in diesem Pandemie-Blog ein bisschen mit dem deutschen Wahlkampf beschäftigen.
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Noch kein Kinosterben in Deutschland
out takes, Peter HartigIm Lockdown sind die Kinoumsätze zusammengebrochen. Die Zahl der Kinos ist von der Pandemie aber noch kaum betroffen. Das zeige, dass die Hilfsprogramme gewirkt haben, meint die Filmförderungsanstalt. | Foto © Jana Cerno
Horrorzahlen und Hoffnungsschimmer: Die FFA hat ihre Kinobilanz für das erste Halbjahr vorgelegt.
Schön sind die Zahlen nicht, die die Filmförderungsanstalt (FFA) am Montag in ihrer Kinobilanz für das erste Halbjahr vorlegte. Wegen des Corona-Lockdowns, der für die meisten Kinos erst Anfang Juli endete, wurden seit Januar nur etwa 840.000 Eintrittskarten verkauft. 2020 waren es im ersten Halbjahr trotz des Lockdowns im Frühjahr noch fast 26 Millionen gewesen, im Jahr 2019 knapp 54 Millionen. Darum lässt die FFA diese Zahlen in der Anküdingung beiseite und konzentriert sich lieber auf eine frohe Botschaft: „Das vielbefürchtete Kinosterben hat bisher nicht stattgefunden.“
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Gedanken in der Pandemie 126: „… am Hindukush verteidigt“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeShahrbanoo Sadat ist eine der bekanntesten Filmemacherinnen Afghanistans. In Cannes gewann sie vor fünf Jahren den Hauptpreis in der Sektion „Quinzaine“. Heute ist ihr die Flucht aus Kabul geglückt. Das Berliner „Wolf Kino“ ruft jetzt zu einer Spendenaktion die Filmemacherin auf. | Foto © Persian Film Festival Australia
Deutsche Sicherheiten, Corona und Afghanistan – Gedanken in der Pandemie, Folge 126.
„Then the sickness really breaks out, and the less recording and reporting the better for the peace of the subscribers. But the Empires and the Kings continue to divert themselves as selfishly as before, and the foreman thinks that a daily paper really ought to come out once in twenty-four hours, and all the people at the Hill-stations in the middle of their amusements say:?„Good gracious! Why can’t the paper be sparkling? I’m sure there’s plenty going on up here.“
Rudyard Kipling, „The Man Who Would Be King“; 1888
„Der Krieg in Afghanistan ist verloren.“
Peter Scholl-Latour, 2014
„Es gibt keine guten Taliban.“
Hasnain Kazim in der „Zeit“, 2021
Fast 60 Prozent aller Deutschen, 48,9 Millionen sind vollständig gegen Corona geimpft. 64 Prozent mindestens einmal.
Aber wie sieht es eigentlich im Rest der Welt aus? Besser als ich gedacht hätte: 32,5 Prozent der kompletten Weltbevölkerung, meldet „ourworldindata“, haben mindestens eine erste Impfdosis erhalten, und sind damit bereits weitgehend sicher vor schweren Erkrankungen. Ziemlich genau ein Viertel, 24.5 Prozent, ist vollständig geimpft. 4.97 Milliarden Impfdosen wurden bisher verabreicht, zurzeit 34.91 Millionen pro Tag. Dass es noch immer keine größere Zahl schwerer Erkrankungsfälle gibt, könnte den Impfverweigerern ja allmählich zu denken geben.
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„Das Boot“: Ein „Armutszeugnis“ für die ARD
out takes, Peter Hartig„Das Boot“ war ein internationaler Kinoerfolg mit sechs „Oscar“-Nominierungen. Jost Vacano (an der Kamera) trug dazu nicht nur durch seine Bildgestaltung bei, sondern entwickelte auch ein Stabilisierungssystem, dass die Bild im engsten Raum erst möglich machte. Seit anderthalb Jahrzehnten streitet er um eine angemessene Vergütung. | Foto © Bavaria
Seit 13 Jahren klagt der DoP Jost Vacano um eine angemessene Beteiligung am Erfolg des Filmklassikers „Das Boot“. Jetzt hat er sich mit den ARD-Anstalten geeinigt. ein wirklicher Lichtblick sei das aber nicht.
Im Rechtsstreit über eine angemessene Vergütung hat sich der Chefkameramann des international erfolgreichen Filmklassikers „Das Boot“, Jost Vacano, mit den ARD-Anstalten geeinigt, berichtete auch „Der Tagesspiegel“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Beide greifen auf Texte von Deutscher Presse-Agentur und Evangelischem Pressedienst (EPD) zurück, die den jahrelangen Rechtsstreit nochmals aufrollen. „Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR), gegen den Vacano in einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht München klagt, ist dem Vergleich vorbehaltlich der Klärung von Formalitäten beigetreten. Die Einigung sieht eine Abfindung für Vacano in Höhe von insgesamt 160 000 Euro zuzüglich Umsatzsteuer vor. […] Der SWR teilte auf EPD-Nachfrage mit, Vacano werde das Verfahren gegen den WDR in München nun für erledigt erklären. Die Abfindungssumme schließe ,alle Sendungen in allen Programmen der ARD einschließlich 3sat und Arte ein, die in der Vergangenheit erfolgt sind, außerdem Zinsen und einen Betrag für künftige Sendungen‘. Der ,Wert‘ der künftigen Ausstrahlungen werde dabei nicht nach dem Wiederholungsvergütungsmodell berechnet, sondern nach dem neuen Punktemodell einer Gemeinsamen Vergütungsregelung (ARD-GVR Drehbuch), das seit dem 1. Januar 2019 für Auftragsproduktionen der ARD gilt.“
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Gedanken in der Pandemie 125: Die gefährdete Fantasie und das Ethos der Mainzelmännchen
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeDie Erfahrungen der Deutschen mit ihrer ersten Demokratie sind bis heute nicht ganz ausgelotet. Dominik Graf nähert sich ihnen aber an. Seine Adaption von Erich Kästners Roman „Fabian“ läuft jetzt im Kino. | Foto © DCM
Journalistische Trauerspiele, Surrealismus und Terror, Streichholz und Benzinkanister, und die lädierte Utopie – Gedanken in der Pandemie, Folge 125.
„Es geht gar nicht um die Grünen in diesem Wahlkampf. Es geht darum, dass die Gesellschaft entlang der Analysen der Wirklichkeit handlungsfähig wird. Und das sind wir nicht.“
Robert Habeck im „ZDF-Sommerinterview“
„Die Abkehr vom Politischen schlägt sich inzwischen, wenn auch unschuldig, auch dort in einer verräterischen Semantik nieder, wo Verdacht sich eigentlich nicht einstellen sollte: Beim weltläufigsten unserer Politiker.“
Karl Heinz Bohrer
Karl-Heinz Bohrer ist gestorben, leider, ein gutes Jahr vor Vollendung seines 90. Lebensjahres. Bohrer gehört für mich zusammen mit Alexander Kluge und Jürgen Habermas zu den drei spannendsten lebenden Intellektuellen deutscher Sprache. Wie Kluge war er neugierig, vor allem neugierig, mit Habermas verband ihn die Lust an Streit und an Debatte. Zugleich bewies er, zum Beispiel in seiner Freundschaft mit Habermas: Auch grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten in politischen Fragen, müssen einen nicht daran hindern, sich gut zu verstehen. Davon könnten heute fast alle etwas lernen.
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Cannes 2021: Von weiblichen Blicken
out takes, Peter HartigSorry, das Bild muss so sein. Schließlich war „Titane“ der gewagteste Film des Festivals und umstritten wie kein anderer, schwärmen vor allem die Kritiker. | Foto © Carole Bethuel
Wie war’s in Cannes? Die Feuilletons begeistern sich an der „Goldenen Palme“. Am Festival selbst gibt’s manches zu mäkeln.
Die Filmfestspiele von Cannes gingen am Samstag zu Ende, und Jurypräsident Spike Lee machte 48 Sekunden Filmgeschichte, als er gleich zu Beginn der Gala den Hauptgewinn ausplauderte. Zum zweiten Mal in 74 Ausgaben hat eine Frau die „Goldene Palme“ erhalten. Die erste hatte 1993 Jane Champion mit „Das Piano“ gewonnen, aber die musste sich den Preis damals noch teilen. Julia Ducournau hat ihn alleine gewonnen: Mit „Titane“, ihrem zweiten Langfilm, war die 37-jährige Französin eine von vier Regisseur*innen im Wettbewerb mit 24 Filmen.
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Lünen ist das fairste Festival in Deutschland
out takes, Peter HartigVorletztes Jahr in Lünen. Das Kinofest gilt jetzt offiziell als fairstes Festival im Lande. | Foto © Kinofest Lünen
Verdi hat gefragt, Festivalmitarbeiter*innen haben geantwortet: Das Kinofest Lünen ist das fairste Filmfestival Deutschlands.
Die AG Festivalarbeit in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat erstmals ihren „Fair Festival Award“ verliehen (die Veranstaltung im Rahmen des Dresdner Filmfests ist hier im Stream zu sehen). Auf den folgenden Rängen erhielten das Pornfilmfestival Berlin, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, das Kurzfilm Festival Hamburg, das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund/Köln und das Filmfestival Max-Ophüls-Preis das Prädikat „Faires Festival“.
Für die erste Ausgabe wurden in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg ausführlich die Arbeitsbedingungen bei 49 deutschen Filmfestivals abgefragt; auf einer vierstufigen Skala wurden Kriterien wie Vertrag, Arbeitsbedingungen, Kommunikation, Führung, Arbeitsklima, Mitbestimmung, Chancengleichheit, Gleichbehandlung und Entlohnung bewertet. 14 Festivals, für die mindestens drei Bewertungen vorlagen, wurden in einer zweiten Runde eingehender betrachtet.
Ziel der Umfrage war nicht nur, das fairste Filmfestival zu küren, „sondern auch das nur spärlich dokumentierte Feld der Arbeitsbedingungen bei Filmfestivals zu untersuchen, das bisher wissenschaftlich kaum erschlossen ist. Das entstandene Branchenbild vermittelt eine erste anschauliche Skizze über die Arbeitsverhältnisse in der deutschen Filmfestival-Landschaft und gibt einen Einblick in die Strukturen, auch wenn es nicht repräsentativ für die gesamte Branche ist und so den Bedarf für weitere Forschung verdeutlicht.“ Deutlich sei, dass die Filmfestivalbranche zu prekären und geschlechterungerechten Arbeitsverhältnissen beiträgt: 39 Prozent der befragten Festivalarbeiter*innen können nicht allein von dieser Arbeit leben – die Karriereverläufe von Frauen und Männern weichen stark voneinander ab.
Mit knapp 200 vollständigen Antworten war der Rücklauf „überschaubar“, heißt es in der Dokumentation zur Umfrage. Dies sei zwei Faktoren geschuldet: „Zum einen hat der Beginn der Corona-Pandemie, kurz nach Start der Erhebungsphase, die Pläne vieler Festivals durchkreuzt. Zum anderen ist der ,Fair Festival Award‘ als neue Auszeichnung noch unbekannt.“ Das nächste Mal soll der Preis zur Berlinale 2022 vergeben werden.
Gedanken in der Pandemie 124: „Sinnvolle, würdevolle und gerecht bezahlte Arbeit ist möglich“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeDie Stiftung Warentest hat zum zweiten Mal FFP2-Masken untersucht. Alle 20 taugen, aber nur vier seien wirklich stark. | Foto © Stiftung Warentest/Thomas Vossbeck
Freiheit der Presse, Luther als Medienphänomen und Lisa Herzog über Arbeit in Corona-Zeiten – Gedanken in der Pandemie, Folge 124.
„Die Furcht selbst, die Angst vor der eigenen Freiheit hält die Menschen gefangen.“
Lukas Baerfuss: „Luther“
Peter R. de Vries ist tot. Am Dienstag vor zwei Wochen wurde der mutige niederländische Investigativjournalist von einem Attentäter niedergeschossen, am vergangenen Donnerstag starb er an den Folgen.
De Vries hatte er zur Drogenmafia in seinem Land recherchiert, ihren internationalen Verknüpfungen, ihren Verdienstmodellen und Auftragsmorden. In der „Welt“ schreibt Dirk Schümer, der de Vries kannte, über den Fall: „Bedrohte, verfolgte, ermordete Journalisten – wir stellen uns solche Zustände eher in autokratischen Regimen vor. […] Der Mord an Peter de Vries zeigt erneut, dass wir uns nur fälschlich in Sicherheit wiegen. Die gefestigte Demokratie Niederlande wird herausgefordert von einem Mörderkartell, das Bürgermeister und Richter bedroht, ganze Branchen wie den Rotterdamer Hafen oder den Blumenexport für Schmuggel und Geldwäsche infiltriert. […] Europas Kriminelle korrumpieren Richter und Polizisten, bestechen Politiker, töten Journalisten – und fordern den Rechtsstaat zum Duell.“
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