Öffentlich-rechtliche Sender über Kevin Kühnert und über die Brasilien-Koalition – Gedanken in der Pandemie, Folge 133.
„Wer wie der Hamburger CDU-Vorsitzende Ploß nur 15 Prozent holt, der sollte sich mit Ratschlägen zur Ausrichtung der CDU zurückhalten.“
Karl-Josef Laumann, CDU
Wenn ich irgendwann mit einem Raumschiff diese Erde verlassen müsste, dann müsste es so aussehen wie das Berliner ICC.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-10-11 22:41:412021-10-11 22:41:41Gedanken in der Pandemie 133: „Die Erzählung muss sein …“
Ingrid Koller ist die wohl erfolgreichste österreichische Filmeditorin. Beim Edimotion-Festival in Köln wird sie nächste Woche mit dem „Ehrenpreis Schnitt“ für ihr Lebenswerk gefeiert. Ein Porträt von Werner Busch, Kurator beim Edimotion.
Das Filmmontage-Festival Edimotion in Köln zeichnet in jedem Jahr mit dem „Ehrenpreis Schnitt“ das Lebenswerk herausragender Filmeditor*innen aus. Erstmals wird mit der wunderbaren Ingrid Koller eine Editorin aus Österreich geehrt. Sie ist die erfolgreichste Filmeditorin des Landes und wahrscheinlich auch die mit der größten Berufserfahrung: Über 100 Produktionen, darunter mehr als 60 Langfilme für Kino und Fernsehen und etwa 200 Serienfolgen hat sie durch ihre Montage gestaltet. Ingrid Koller hat dabei häufig mit bekannten Regisseuren wie Harald Sicheritz, Robert Dornhelm, Niki List, Reinhard Schwabenitzky, Olaf Kreinsen oder Peter Hajek zusammengearbeitet.
Gleichzeitig waren viele ihrer Filme große Publikumserfolge: Die Liste der erfolgreichsten heimischen Kinofilme in Österreich ist zu großen Teilen die Filmografie von Ingrid Koller: „Sei zärtlich, Pinguin“ (1982), „Echo Park“ (1985), „Müllers Büro“ (1986), „Hinterholz 8“ (1998) und „Die Beste aller Welten“ (2017), um nur einige zu nennen. Fast alle Filme, die sie mit Regisseur und Drehbuchautor Harald Sicheritz realisierte, wurden zu den jeweils besucherstärksten österreichischen Filmen des Jahres. Und „Hinterholz 8“ ist bis heute der publikumsstärkste Film aus Österreich überhaupt. Die schwarze Komödie um einen Häuslebauer und insbesondere auch die Noir-Krimi-Parodie „Müllers Büro“ werden bis heute als Kultfilme und nationale Kulturdenkmäler gefeiert.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Werner Buschhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgWerner Busch2021-10-08 00:03:042021-10-08 00:03:04Das richtige Timing der Ingrid Koller
Das ZDF protegiert Springer, Schnelltests sollten vielleicht kostenlos bleiben und die Vergangenheit der Gesundheitsämter – Gedanken in der Pandemie, Folge 132.
„Franzosen und Russen gehört das Land, Das Meer gehört den Briten, Wir aber besitzen im Luftreich des Traums Die Herrschaft unbestritten.“
Heinrich Heine
Zu der inzwischen überaus auffälligen Achse zwischen dem ZDF und dem Springer-Verlag, über die ich letzte Woche schrieb, hier ein Update: In der Woche nach der Wahl war Robin Alexander (stellvertretender Welt-Chefredakteur) nicht weniger als dreimal im ZDF-Talk zu sehen: Sonntags bei bei „Maybrit Illner Spezial“, dienstags bei Lanz, donnerstags wieder bei Maybrit Illner. In den letzten drei Maybrit-Illner-Runden war die „Welt“ damit jedes Mal mit dabei. Der Mann hat bestimmt eine Menge zu sagen, und ich schätze Maybrit Illner, aber das ist dann doch ein bisschen zu viel Springer (und Parteinahme für CDU/CSU und FDP).
Robin Alexanders Chefin Dagmar Rosenfeld, Ex.Frau von Christian Lindner kommentierte dafür ausnahmsweise mal bei „Maischberger Die Woche“. Wollen wir wetten, dass sie innerhalb der nächsten 14 Tage wieder irgendwo im ZDF auftaucht?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-10-04 23:22:562021-10-05 00:23:44Gedanken in der Pandemie 132: Alles, nur kein Theater!
Die politische Daily Soap: Claus Klebers allerletzter Auftritt und noch einmal das Skelett, die Seenixe, der Scholzomat und die Schlussrunde vor dem Beginn des Corona-Herbstes – Gedanken in der Pandemie, Folge 131.
„Politische Kommunikation darf sich nicht davor drücken, Probleme zu benennen und Fehler anzusprechen […] Niemand hat von vornherein die richtige Antwort auf gesellschaftliche Fragen.“
Carsten Brosda, „Die Zerstörung“
„Passive aggression is rebellion of retaliation that is sugar-coated by nonaggressive behavior.“
B. T. Goodwin „Surrounded by Idiots. How Ineffective Communication Causes Chaos“
Jetzt ist sie vorbei, die Wahl, und wie nach Weihnachten, bleibt ein leichtes Katergefühl zurück. Über die politischen Folgen der Wahl und über die Chancen der wahrscheinlichen sozialliberalen Koalition werden wir nach bei vielen Gelegenheiten debattieren. Vielleicht wird irgendwann auch im Rückblick voller Überraschung darüber gesprochen werden, das Corona eigentlich gar keine Rolle spielte. Dass die Pandemie schlichtweg kein Thema war; auch nicht das Versagen der Regierung an bestimmten Stellen, auch nicht Maskenskandale und Beschaffungsprobleme, auch nicht die rechtsstaatliche Bedenken der Verfassungsjuristen, der FDP und von Minderheiten in anderen Parteien. Alles das kam im Wahlkampf so wenig zur Sprache, wie Außenpolitik – und beides ist ein schweres Versäumnis. Sowieso stellt der zurückliegende Wahlkampf unbequeme Fragen unsere politische Kultur betreffend.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-09-27 21:39:112021-09-27 21:39:11Gedanken in der Pandemie 131: Auch Macht hat eine Ästhetik
„cinearte“ ist volljährig! Heute vor 18 Jahren erschienen die ersten „Nachrichten für Filmschaffende“. Eine Zeitschrift für alle Gewerke – wir fanden das ein weltweit einzigartiges Konzept. Ausführlicher hatte ich es vor elf Jahren dem Schauspiel-Blog „tolle-rolle.info“ im Interview erklärt. Den Blog gibt es leider nicht mehr, das Interview veröffentlichen darum zu unserem Jubiläum nochmal.
[Achtung: Dieses Interview wurde 2010 geführt. Die Angaben zu Verbreitung und Erscheinungsweise sind nicht mehr aktuell, die Druckausgabe „cinearte XL“ gibt es nicht mehr. Alles andere gilt auch heute noch.]
Herr Hartig, der Blog „tolle-rolle.info“ ist ja so ganz auf Schauspieler*innen ausgelegt. Ist „cinearte“, ein Magazin für Filmschaffende, auch für Schauspieler interessant? Das will ich doch hoffen – und liege damit offenbar gar nicht so falsch. Unter anderem haben 14 Berufsverbände der Branche unsere „Nachrichten für Filmschaffende“ abonniert, darunter auch die beiden Schauspielerverbände BFFS und IDS. Ich gebe allerdings zu, daß die Schauspieler, als ich das Konzept für „cinearte“ entwickelt habe, nicht ganz im Mittelpunkt meiner Überlegungen standen.
Sondern? Meine Beobachtung vor sieben Jahren war: Es wird zwar immer wieder über Filme geschrieben und berichtet, aber kaum übers Filmemachen. Und ich habe mich gefragt: Was lesen eigentlich Filmschaffende, wo finden Sie sich und ihre Arbeit dargestellt? Regisseure, Szenenbildner, Kameraleute, Cutter …
… und Schauspieler? Das ist der Moment, wo ich mich wahrscheinlich entschuldigen muß. Ich hielt anfangs Schauspieler gegenüber anderen Filmberufen für zu beneiden – wann immer es ums Kino geht, werden sie zuerst genannt, eigentlich sogar als einzige. Ich habe schnell dazugelernt. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-09-25 07:08:522021-11-24 14:53:26Ein Forum für die Branche
Außenpolitik Fehlanzeige, Warten aufs Laschet-Wunder und meine Wahlempfehlung(en) – Gedanken in der Pandemie, Folge 130.
„Politics is just showbusiness for ugly people.“
Jay Leno
„Das Leben ist voller Widersprüche: Wir müssen mehr Kapitalismuskritik und weniger erhobenen Zeigefinger wagen. […] Identität ist wichtig im Leben. Sie darf aber nicht dazu führen, dass nur noch Unterschiede statt Gemeinsamkeiten zwischen Menschen betont werden und sich nur noch ,woke‘ Akademiker in Innenstädten angesprochen fühlen. Eine Politik, die nur noch an das Ego und die individuelle Betroffenheit, aber nicht mehr an die Gemeinschaft appelliert, ist auch Donald Trump nicht fremd.“
Fabio die Masi; ausscheidender Abgeordneter der Linken
Die Politik ist eben doch noch für Überraschungen gut. Ab Nikolaus ist GroKo-Aus. Aber nicht nur, sondern vermutlich auch das Aus für die Union nach 16 Jahren ununterbrochener Regierung.
+++
Noch eine Woche Wahlkampf. „Aufbruch statt Weiter so!“ – das sagen jetzt alle. Aber was heißt das eigentlich?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-09-24 00:05:272021-09-24 00:05:27Gedanken in der Pandemie 130: Aufbruch statt Weiter so!
Die Antworten sind ausführlicher, eine Tabelle fasst sie zusammen: So stellen sich die Parteien die Zukunft des Films vor. | Screenshot
Sechsmal werden wir noch wach – dann wird gewählt. Ein schneller Überblick, was die Parteien mit der Filmkultur vorhaben.
Dass ohne Kultur gar nichts geht, hatte im in den vergangenen anderthalb Jahren fast jede Partei im Bundestag gepredigt. Indes gingen Hilfsprogramme an vielen Kulturschaffenden vorbei, andere mußten monatelang auf die Nothilfen warten oder wurden gleich in die „Grundsicherung“ verwiesen. Und als wieder geöffnet wurde, galten für Kulturstätten strengere Regeln – auch sie mussten länger warten.
Wer Schlimmes vermutet, wird im Wahlkampf bestätigt: Die Kultur spielt in den Diskussionen keine Rolle. Der „Wahl-O-Mat“ findet in seinen 38 Fragen keinen Platz für die Kulturpolitik – die Alternativen ebensowenig.
Auch für den Film ist die Zukunft ungewiss. Die dringend erwartete Neufassung des Filmförderungsgesetzes (FFG) wurde wegen Corona vertagt – eine Behelfsnovelle gilt für die nächsten zwei Jahre. Welche Vorstellungen die Parteien von der Zukunft des Kinos und der Filmkultur haben, wollte die Initiative Zukunft+Film wissen und stelltefür ihre Wahlprüfsteine „acht grundlegende Fragen“ zur Filmpolitik. Auf „Outtakes“ hatten wir die Antworten von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Linke, FDP und Freien Wählern veröffentlicht. Zum Abschluss und schnellen Überblick fasst eine Tabelle die Positionen zusammen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2021-09-21 00:03:392021-09-21 00:03:39Wahlprüfsteine: Wo geht’s um die Zukunft der Kultur?
Was wäre, wenn … Planspiele vor der Wahl und der Versuch, Corona mit 9/11 kurzzuschließen – Gedanken in der Pandemie, Folge 129.
„Die Nacht steigt auf, s’ist Zeit, wir müssen fort, denn alles haben wir nun gesehen.“
Dante, „Die Göttliche Komödie“
„Auch hier sah ich ein Volk von verlorenen Seelen, weit mehr, als oben waren: sie drückten ihre Brüste gegen enorme Gewichte, und mit wahnsinnigem Gebrüll rollten sie aufeinander zu. Dann in Eile rollten sie sie zurück, und die einen schrien: ,Warum hortet ihr?‘, und die anderen: ,Warum verschwendet ihr?‘“ Dante, „Die Göttliche Komödie“
Die Spannung steigt: Wird der Scholzomat, also der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der neue Bundeskanzler? Und wenn ja: Warum wird er es? Und wenn nein: Warum wird er es doch nicht?
Beginnen wir einmal mit diesen im Prinzip schlichten Fragestellungen. Falls Olaf Scholz bis zum Ende des Wahlkampfes, also noch die nächsten zwei Wochen, durchhält und neuer Bundeskanzler wird, dann wird er dies vor allem aus zwei Gründen.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2021-09-13 22:48:112021-09-13 22:48:11Gedanken in der Pandemie 129: „Ach, lass es noch mal die Angela machen.“
Gedanken in der Pandemie 133: „Die Erzählung muss sein …“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeÜber dreieinhalb Stunden, aber die lohnen sich: In einer sechsteiligen Langzeitdoku zeigt der NDR „Kevin Kühnert und die SPD“. | Foto © NDR
Öffentlich-rechtliche Sender über Kevin Kühnert und über die Brasilien-Koalition – Gedanken in der Pandemie, Folge 133.
„Wer wie der Hamburger CDU-Vorsitzende Ploß nur 15 Prozent holt, der sollte sich mit Ratschlägen zur Ausrichtung der CDU zurückhalten.“
Karl-Josef Laumann, CDU
Wenn ich irgendwann mit einem Raumschiff diese Erde verlassen müsste, dann müsste es so aussehen wie das Berliner ICC.
Eine wunderschöne Hymne auf diesen „Panzerkreuzer Charlottenburg“ hat Niklas Maak in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geschrieben. Das seit Jahren leerstehende Berliner ICC wird jetzt zehn Tage lang von Künstlern bespielt und belegt das immense Potenzial des Riesenbaus, eines „Labyrinthgarten voller Fiktionen“.
Hier, nur hier wäre zum Beispiel der Ort, wo man eine wirklich neue, also eine neu gedachte Berlinale veranstalten könnte.
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Das richtige Timing der Ingrid Koller
Unsere Gäste, Werner BuschMehr als 60 Langfilme und gut dreimal so viele Serienfolgen hat Ingrid Koller in den vergangenen 40 Jahren montiert. Die Liste der erfolgreichsten Kinofilme in Österreich ist zu großen Teilen auch ihre Filmografie. | Foto © Ritzfilm
Ingrid Koller ist die wohl erfolgreichste österreichische Filmeditorin. Beim Edimotion-Festival in Köln wird sie nächste Woche mit dem „Ehrenpreis Schnitt“ für ihr Lebenswerk gefeiert. Ein Porträt von Werner Busch, Kurator beim Edimotion.
Das Filmmontage-Festival Edimotion in Köln zeichnet in jedem Jahr mit dem „Ehrenpreis Schnitt“ das Lebenswerk herausragender Filmeditor*innen aus. Erstmals wird mit der wunderbaren Ingrid Koller eine Editorin aus Österreich geehrt. Sie ist die erfolgreichste Filmeditorin des Landes und wahrscheinlich auch die mit der größten Berufserfahrung: Über 100 Produktionen, darunter mehr als 60 Langfilme für Kino und Fernsehen und etwa 200 Serienfolgen hat sie durch ihre Montage gestaltet. Ingrid Koller hat dabei häufig mit bekannten Regisseuren wie Harald Sicheritz, Robert Dornhelm, Niki List, Reinhard Schwabenitzky, Olaf Kreinsen oder Peter Hajek zusammengearbeitet.
Gleichzeitig waren viele ihrer Filme große Publikumserfolge: Die Liste der erfolgreichsten heimischen Kinofilme in Österreich ist zu großen Teilen die Filmografie von Ingrid Koller: „Sei zärtlich, Pinguin“ (1982), „Echo Park“ (1985), „Müllers Büro“ (1986), „Hinterholz 8“ (1998) und „Die Beste aller Welten“ (2017), um nur einige zu nennen. Fast alle Filme, die sie mit Regisseur und Drehbuchautor Harald Sicheritz realisierte, wurden zu den jeweils besucherstärksten österreichischen Filmen des Jahres. Und „Hinterholz 8“ ist bis heute der publikumsstärkste Film aus Österreich überhaupt. Die schwarze Komödie um einen Häuslebauer und insbesondere auch die Noir-Krimi-Parodie „Müllers Büro“ werden bis heute als Kultfilme und nationale Kulturdenkmäler gefeiert.
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Gedanken in der Pandemie 132: Alles, nur kein Theater!
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeGestern im Ersten, hier schon gelobt: „Borowski und der gute Mensch“, letzter Teil einer ungewöhnlichen Trilogie innerhalb des Kieler „Tatorts“. | Foto © NDR/Thorsten Jander
Das ZDF protegiert Springer, Schnelltests sollten vielleicht kostenlos bleiben und die Vergangenheit der Gesundheitsämter – Gedanken in der Pandemie, Folge 132.
„Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Briten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.“
Heinrich Heine
Zu der inzwischen überaus auffälligen Achse zwischen dem ZDF und dem Springer-Verlag, über die ich letzte Woche schrieb, hier ein Update: In der Woche nach der Wahl war Robin Alexander (stellvertretender Welt-Chefredakteur) nicht weniger als dreimal im ZDF-Talk zu sehen: Sonntags bei bei „Maybrit Illner Spezial“, dienstags bei Lanz, donnerstags wieder bei Maybrit Illner. In den letzten drei Maybrit-Illner-Runden war die „Welt“ damit jedes Mal mit dabei. Der Mann hat bestimmt eine Menge zu sagen, und ich schätze Maybrit Illner, aber das ist dann doch ein bisschen zu viel Springer (und Parteinahme für CDU/CSU und FDP).
Robin Alexanders Chefin Dagmar Rosenfeld, Ex.Frau von Christian Lindner kommentierte dafür ausnahmsweise mal bei „Maischberger Die Woche“. Wollen wir wetten, dass sie innerhalb der nächsten 14 Tage wieder irgendwo im ZDF auftaucht?
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Gedanken in der Pandemie 131: Auch Macht hat eine Ästhetik
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeGestern, am Wahlabend. | Foto © ARD
Die politische Daily Soap: Claus Klebers allerletzter Auftritt und noch einmal das Skelett, die Seenixe, der Scholzomat und die Schlussrunde vor dem Beginn des Corona-Herbstes – Gedanken in der Pandemie, Folge 131.
„Politische Kommunikation darf sich nicht davor drücken, Probleme zu benennen und Fehler anzusprechen […] Niemand hat von vornherein die richtige Antwort auf gesellschaftliche Fragen.“
Carsten Brosda, „Die Zerstörung“
„Passive aggression is rebellion of retaliation that is sugar-coated by nonaggressive behavior.“
B. T. Goodwin „Surrounded by Idiots. How Ineffective Communication Causes Chaos“
Jetzt ist sie vorbei, die Wahl, und wie nach Weihnachten, bleibt ein leichtes Katergefühl zurück. Über die politischen Folgen der Wahl und über die Chancen der wahrscheinlichen sozialliberalen Koalition werden wir nach bei vielen Gelegenheiten debattieren. Vielleicht wird irgendwann auch im Rückblick voller Überraschung darüber gesprochen werden, das Corona eigentlich gar keine Rolle spielte. Dass die Pandemie schlichtweg kein Thema war; auch nicht das Versagen der Regierung an bestimmten Stellen, auch nicht Maskenskandale und Beschaffungsprobleme, auch nicht die rechtsstaatliche Bedenken der Verfassungsjuristen, der FDP und von Minderheiten in anderen Parteien. Alles das kam im Wahlkampf so wenig zur Sprache, wie Außenpolitik – und beides ist ein schweres Versäumnis. Sowieso stellt der zurückliegende Wahlkampf unbequeme Fragen unsere politische Kultur betreffend.
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Ein Forum für die Branche
out takes, Peter Hartig„cinearte“ ist 18. Zum Geburtstag machen wir uns selbst ein Geschenk und erinnern an ein vergessenes Interview. | Foto © cinearte
„cinearte“ ist volljährig! Heute vor 18 Jahren erschienen die ersten „Nachrichten für Filmschaffende“. Eine Zeitschrift für alle Gewerke – wir fanden das ein weltweit einzigartiges Konzept. Ausführlicher hatte ich es vor elf Jahren dem Schauspiel-Blog „tolle-rolle.info“ im Interview erklärt. Den Blog gibt es leider nicht mehr, das Interview veröffentlichen darum zu unserem Jubiläum nochmal.
[Achtung: Dieses Interview wurde 2010 geführt. Die Angaben zu Verbreitung und Erscheinungsweise sind nicht mehr aktuell, die Druckausgabe „cinearte XL“ gibt es nicht mehr. Alles andere gilt auch heute noch.]
Herr Hartig, der Blog „tolle-rolle.info“ ist ja so ganz auf Schauspieler*innen ausgelegt. Ist „cinearte“, ein Magazin für Filmschaffende, auch für Schauspieler interessant?
Das will ich doch hoffen – und liege damit offenbar gar nicht so falsch. Unter anderem haben 14 Berufsverbände der Branche unsere „Nachrichten für Filmschaffende“ abonniert, darunter auch die beiden Schauspielerverbände BFFS und IDS. Ich gebe allerdings zu, daß die Schauspieler, als ich das Konzept für „cinearte“ entwickelt habe, nicht ganz im Mittelpunkt meiner Überlegungen standen.
Sondern?
Meine Beobachtung vor sieben Jahren war: Es wird zwar immer wieder über Filme geschrieben und berichtet, aber kaum übers Filmemachen. Und ich habe mich gefragt: Was lesen eigentlich Filmschaffende, wo finden Sie sich und ihre Arbeit dargestellt? Regisseure, Szenenbildner, Kameraleute, Cutter …
… und Schauspieler?
Das ist der Moment, wo ich mich wahrscheinlich entschuldigen muß. Ich hielt anfangs Schauspieler gegenüber anderen Filmberufen für zu beneiden – wann immer es ums Kino geht, werden sie zuerst genannt, eigentlich sogar als einzige. Ich habe schnell dazugelernt. Weiterlesen
Gedanken in der Pandemie 130: Aufbruch statt Weiter so!
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeJamaika, Ampel oder doch lieber was anderes? Die Wahl fällt nicht leicht in diesem Jahr. | Foto © Seven One/Willi Weber
Außenpolitik Fehlanzeige, Warten aufs Laschet-Wunder und meine Wahlempfehlung(en) – Gedanken in der Pandemie, Folge 130.
„Politics is just showbusiness for ugly people.“
Jay Leno
„Das Leben ist voller Widersprüche: Wir müssen mehr Kapitalismuskritik und weniger erhobenen Zeigefinger wagen. […] Identität ist wichtig im Leben. Sie darf aber nicht dazu führen, dass nur noch Unterschiede statt Gemeinsamkeiten zwischen Menschen betont werden und sich nur noch ,woke‘ Akademiker in Innenstädten angesprochen fühlen. Eine Politik, die nur noch an das Ego und die individuelle Betroffenheit, aber nicht mehr an die Gemeinschaft appelliert, ist auch Donald Trump nicht fremd.“
Fabio die Masi; ausscheidender Abgeordneter der Linken
Die Politik ist eben doch noch für Überraschungen gut. Ab Nikolaus ist GroKo-Aus. Aber nicht nur, sondern vermutlich auch das Aus für die Union nach 16 Jahren ununterbrochener Regierung.
+++
Noch eine Woche Wahlkampf. „Aufbruch statt Weiter so!“ – das sagen jetzt alle. Aber was heißt das eigentlich?
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Wahlprüfsteine: Wo geht’s um die Zukunft der Kultur?
out takes, Peter HartigDie Antworten sind ausführlicher, eine Tabelle fasst sie zusammen: So stellen sich die Parteien die Zukunft des Films vor. | Screenshot
Sechsmal werden wir noch wach – dann wird gewählt. Ein schneller Überblick, was die Parteien mit der Filmkultur vorhaben.
Dass ohne Kultur gar nichts geht, hatte im in den vergangenen anderthalb Jahren fast jede Partei im Bundestag gepredigt. Indes gingen Hilfsprogramme an vielen Kulturschaffenden vorbei, andere mußten monatelang auf die Nothilfen warten oder wurden gleich in die „Grundsicherung“ verwiesen. Und als wieder geöffnet wurde, galten für Kulturstätten strengere Regeln – auch sie mussten länger warten.
Wer Schlimmes vermutet, wird im Wahlkampf bestätigt: Die Kultur spielt in den Diskussionen keine Rolle. Der „Wahl-O-Mat“ findet in seinen 38 Fragen keinen Platz für die Kulturpolitik – die Alternativen ebensowenig.
Auch für den Film ist die Zukunft ungewiss. Die dringend erwartete Neufassung des Filmförderungsgesetzes (FFG) wurde wegen Corona vertagt – eine Behelfsnovelle gilt für die nächsten zwei Jahre. Welche Vorstellungen die Parteien von der Zukunft des Kinos und der Filmkultur haben, wollte die Initiative Zukunft+Film wissen und stellte für ihre Wahlprüfsteine „acht grundlegende Fragen“ zur Filmpolitik. Auf „Outtakes“ hatten wir die Antworten von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Linke, FDP und Freien Wählern veröffentlicht. Zum Abschluss und schnellen Überblick fasst eine Tabelle die Positionen zusammen.
Gedanken in der Pandemie 129: „Ach, lass es noch mal die Angela machen.“
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeVor genau 700 Jahren vollendete Dante Alighieri seine „Göttliche Komödie“. Als Filmvorlage dient sie immer noch – etwa 1998 für „Hinter dem Horizont“. | Foto © Universal
Was wäre, wenn … Planspiele vor der Wahl und der Versuch, Corona mit 9/11 kurzzuschließen – Gedanken in der Pandemie, Folge 129.
„Die Nacht steigt auf, s’ist Zeit, wir müssen fort, denn alles haben wir nun gesehen.“
Dante, „Die Göttliche Komödie“
„Auch hier sah ich ein Volk von verlorenen Seelen, weit mehr, als oben waren: sie drückten ihre Brüste gegen enorme Gewichte, und mit wahnsinnigem Gebrüll rollten sie aufeinander zu. Dann in Eile rollten sie sie zurück, und die einen schrien: ,Warum hortet ihr?‘, und die anderen: ,Warum verschwendet ihr?‘“
Dante, „Die Göttliche Komödie“
Die Spannung steigt: Wird der Scholzomat, also der SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, der neue Bundeskanzler? Und wenn ja: Warum wird er es? Und wenn nein: Warum wird er es doch nicht?
Beginnen wir einmal mit diesen im Prinzip schlichten Fragestellungen. Falls Olaf Scholz bis zum Ende des Wahlkampfes, also noch die nächsten zwei Wochen, durchhält und neuer Bundeskanzler wird, dann wird er dies vor allem aus zwei Gründen.
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