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Der Künstler auf dem Schlachtfeld!

Tanja Frehse, Unsere Gäste
15. Mai 2020/von Tanja Frehse

Wenn alles wieder wie früher wird, haben’s die Künste auch nicht besser. „Asterix“ zeigt es jedesmal aufs Neue, was wirklich zählt. | Foto © Egmont Ehapa Media

Die Kunst steht ganz hinten in der Schlange stellt Tanja Frehse fest. Sie ist Schauspielerin, Agentin, Zweifach-Mutter, Hausfrau, zurzeit unbezahlter Lehrerersatz – und nicht systemrelevant.

„Eine alte Tradition – griechische und römische Armeen setzten immer schon Musiker und Militärinstrumente ein, um in allen Bereichen des Militärlebens zu spielen. Zu dieser Zeit hatte militärische Musik zwei Zwecke. Erstens war es eine einfache Möglichkeit, Befehle zu übermitteln und mit den Truppen zu kommunizieren. Zweitens konnte es eine motivierende Rolle für die Soldaten spielen, die auf dem Schlachtfeld kämpften. Griechische Armeen rezitierten Geschichten vergangener Helden zu Musik, um die Soldaten an ihre Stärke und ihren Mut zu erinnern.“ (Quelle: BBICO)

So in etwa fühle ich mich und fühle ich für alle Künstler da draußen im Kampf gegen den unsichtbaren Feind, das mutierte Virus Sars-CoV-2, im Volksmund auch Corona genannt.

Der Soldat Mensch zieht in den Krieg gegen das heimtückische Virus – der Künstler steht ungeschützt auf dem Schlachtfeld und motiviert, unterhält und stärkt das Volk via Social Media oder am Balkon – größtenteils untentgeltlich und freiwillig, dankbar angenommen von den Gebeutelten, nach dem Motto: „Die Kunst ist zwar nicht das Brot. Wohl aber der Wein des Lebens.“ (Jean Paul)

Das Schicksal unserer Zunft scheint nebensächlich. Dass die Kunst unser täglich Brot ist, wir davon leben, jaaaa: leben – essen, trinken, wohnen, schlafen, laufende Kosten bezahlen, zum Arzt gehen, Kinder versorgen, Eltern und Großeltern haben, Konsumenten sein und und und, wie jeder andere Mensch auch …

Wird vergessen.

Nicht sonderlich wichtig.

Nach hinten angestellt.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Tanja Frehse https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Tanja Frehse2020-05-15 19:34:412020-05-15 19:35:18Der Künstler auf dem Schlachtfeld!

Corona: Brancheninfo 41

out takes, Peter Hartig
14. Mai 2020/von Peter Hartig

Kinos im Stillstand 10: Das „Xenon“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Wir nähern uns dem Wochenende, begleitet von hoffnungsweckenden Nachrichten: Bayern macht ernst mit seinem dreimonatigen Grundeinkommen für die Kulturschaffenden – und hat nach Kritik sogar nachgebessert und die Zielgruppe sogar verdoppelt. Der Bundestag hat unterdessen das Sozialschutz-Paket II beschlossen, das Verbesserungen beim Kurzarbeiter- und beim Arbeitslosengeld bringt. Nun muss nur noch der Bundesrat zustimmen. Dem liegt morgen außerdem ein Antrag vor, ein bundesweites Grundeinkommen für die Kreativen in der Krise zu schaffen.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

„Negativ“ oder „sehr negativ“ wird sich die Corona-Pandemie auf das Einkommen von 92,5 Prozent der Film- und Fernsehschaffenden auswirken. Das ist das Ergebnis einer Kurzumfrage zu den Soforthilfe-Maßnahmen, die Jörg Langer im April mit Unterstützung von AG Dok, BFS, BVFK, Crew United und Fair TV führte. Die ersten Ergebnisse hatten wir vorgestellt. In in einem Artikel für die Rosa-Luxemburg-Stiftung über die Situation in der Filmwirtschaft ordnet Langer nun die Zahlen ein: „Die Angst führt Regie“.

 

Der Bundestag hat dem Sozialschutz-Paket II zugestimmt, dass die Folgen der Corona-Krise abfedern soll. Unter anderem werden das Kurzarbeitergeld erhöht und die Zahlung von Arbeitslosengeld verlängert.
„Eine herbe Enttäuschung“ nennt es der Sozialwissenschaftler Stefan Sell im Interview mit der „Taz“ und vermisst einen „Corona-Zuschlag“.
„Teuer, wenig zielgenau und ungerecht“ findet es die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände im „Handelsblatt“.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2020-05-14 22:13:162020-05-15 10:21:25Corona: Brancheninfo 41

Gedanken in der Pandemie 36: So geht das nicht!

Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste
14. Mai 2020/von Rüdiger Suchsland

Helge Schneider kann so nicht arbeiten. Am Dienstag kündigte der Künstler auf Facebook fürs erste seinen Rückzug an. | Screenshot

„Unsere Feinde sind uns weniger gefährlich durch das Schwert, aber desto mehr durch die Lüge.“
Heinrich Heine 

„Nicht mitmachen, selber urteilen … Dazu gehört, dass man nicht Wir sagt, sondern dass man Ich sagt, dass man selbst urteilt.“
Hannah Arendt

„Wenn das so weitergeht, war’s das. Tschüss!“
Helge Schneider

 

Heute kam Post von den Mitarbeitern von Yanis Varoufakis. Vor zwei Tagen hatte ich hier geschrieben, dass die zunehmend rechtsextremistisch unterwanderten Knallköpfe der sogenannten „Hygienedemos“ in ihrer vierten Wurfzeitung auch einen Text des ehemaligen griechischen Finanzministers veröffentlicht hatten. 

Tatsächlich haben seine Mitarbeiter erst durch uns von diesem Text erfahren, und Varoufakis hat ihn nie legitimiert. Genaugenommen handelt es sich auch nicht um einen Text, sondern um die Abschrift der Übersetzung eines Youtube-Statements. Ob wenigstens die Übersetzung korrekt ist, habe ich noch nicht überprüft. Aber allemal zeigt sich daran, welchen Charakter die „Hygiendemonstranten“ haben. 

Die Folge war ein sehr nettes Telefonat, und immerhin habe ich so ein bisschen mehr über die von Varoufakis gegründet paneuropäische linke Bewegung „DiEM25“ erfahren. Wenn es gut läuft, skype ich in den nächsten Tagen mit ihm. Überhaupt macht man über diesen Blog viele neue nette Bekanntschaften. 

Morgen werde ich versuchen herauszufinden, ob auch andere Texte ungenehmigt sind. Und ob Giorgio Agamben überhaupt weiß, dass er in Deutschland eine Zeitschrift herausgibt. 

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2020-05-14 21:56:092020-05-14 21:56:09Gedanken in der Pandemie 36: So geht das nicht!

Kino in Zeiten von Corona 8

Elisabeth Nagy, Unsere Gäste
14. Mai 2020/von Elisabeth Nagy

Drop-out Cinema bietet ab heute „After Midnight“ im Kinostream an. Der Arthaus-Verleih ist auf den Geschmack gekommen: Künftig will man Kino und Virtual Cinema immer parallel starten. | Foto © Drop-out Cinema

Die Streams der Woche. Von Elisabeth Nagy

Einen Tipp möchte ich heute voranschicken. Arte stellt in seiner Mediathek Rainer Werner Fassbinders 14-teilige Serie „Berlin Alexanderplatz“ zur Sichtung bereit. Statt dem Fassbinder-Biopic oder der neuen Döblin-Verfilmung kann man auf dem Portal die Serie um Franz Biberkopf in der restaurierten Fassung anschauen.

Zwei Monate steht das Hamsterrad an Pressevorführungen schon still. Wöchentlich erdrückten sich bis zu 20 Filmtitel in den Startplänen. Das war mal anders. Um den Startplan für eine Besprechungsübersicht abzudecken gab es früher, in meinem Fall waren das die 90er, täglich zwei Pressevorführungen, vielleicht auch mal einen dritten Termin. Dann waren drei Termine durchaus die Regel und inzwischen sind die Presseplanungen auf Monate hin dicht mit vier, manchmal auch fünf Vorführungen am Tag und mitunter gibt es parallel Vorführungen. Da sind die ganzen Kleinverleiher gar nicht mitgerechnet, die sich gar nicht erst eine Pressevorführung leisten, sondern der Presse von vornherein Streams anbieten. Selbst wenn man keinen Wert auf Vollständigkeit legt, ist das nicht mehr zu bewältigen gewesen. Als diese Flut an Terminen ausblieb, ja, da atmete ich auch erst einmal auf. 

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Elisabeth Nagy https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Elisabeth Nagy2020-05-14 21:34:512020-05-14 21:34:51Kino in Zeiten von Corona 8

Corona: Brancheninfo 40

out takes, Peter Hartig
13. Mai 2020/von Peter Hartig

Kinos im Stillstand 9: Das „Delphi“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Wir beginnen heute mit einem Fernsehtipp für morgen – heute schon in der Mediathek zu sehen. 

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Beim MDR bleibt „Unicato“ zuhause und zeigt „Die Filmszene in Quarantäne“. Nämlich mit „Kurzfilmen, die sich mit den verschiedenen Facetten der Ausgeh- und Kontaktbeschränkungen auseinandersetzen“ – etwa über die Tücken der neuartigen Heimarbeit in „Flaschen“ von Jannis Alexander Kiefer. Und mit Gesprächen mit Medienschaffenden wie Peter Zorn. Der Mitgründer der Werkleitz-Gesellschaft meint zur Rettung der Kunst: „Ich habe noch keinen besseren Vorschlag gehört, als den des bedingungslosen Grundeinkommens.“

 

Öffnungsperspektiven und konkrete Regelungen für die Kultur in Baden-Württemberg hatte Kunstministerin Theresia Bauer Ende voriger Woche angekündigt. Heute stellte ihr Ministerium den „Masterplan Kultur BW | Kunst trotz Abstand“ vor. Rund 45 Millionen Euro stehen zur Verfügung, es werde „weitere Aktualisierungen, Konkretisierungen und Ergänzungen abhängig von der jeweiligen Situation geben.“ Zurzeit werde „überlegt“, das Soforthilfeprogramm des Landes für Kreative verlängern.
„Kultur in kleinen Formaten“ soll ab 1. Juni wieder möglich werden – gemeint sind weniger als 100 Personen vorsehen. „Bei speziellen Formaten, wie beispielsweise Autokinos, sind auch mehr Personen zulässig“, sagte Bauer. Für notwendige Investitionen gibt es Unterstützung.

 

„Was uns nichts nutzt, ist ein Flickenteppich“: Christian Bräuer vom Verband AG Kino erklärt in der „Süddeutschen Zeitung“, warum sich der deutsche Föderalismus so schlecht mit teuren Hollywood-Filmen verträgt. Und wie sich Kinos trotz Corona wiedereröffnen lassen … Weiterlesen

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2020-05-13 20:09:232020-05-14 10:29:24Corona: Brancheninfo 40

Gedanken in der Pandemie 35: Im Zweifel für die Freiheit

Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste
13. Mai 2020/von Rüdiger Suchsland

Ein Streaming-Tipp für heute: Ruben Östlunds dritter Film „Play“ von 2011. | Foto © Fugu Filmverleih

Bullen, Bonzen, Ballermann: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 35. 

„Sehnsucht ist stärker als Angst.“
Fritz J. Raddatz

„Wenn man seine Politik nach dem Gefühl der Leute ausrichtet, dann sollte man es sein lassen.“
Robert Habeck, am 11. Mai 2020 bei „Markus Lanz“

„Apparently, we humans are so afraid of questioning the rules, that we try to push conflict–chaos–in front of us as long as possible.“
Ruben Östlund, schwedischer Regisseur

 

An der Börse gibt es bekanntlich Bullen und Bären. Bullen bezeichnen da das Bessere; ein „Bullenmarkt“ ist das, was sich alle wünschen: eine Situation, in der es mit den Kursen ständig aufwärts geht. Angeblich kommt diese Bezeichnung von der Kampfart der Bullen, die ihr Horn von unten nach oben stoßen. 

Ansonsten ist die Bezeichnung „Bulle“ nicht so eindeutig. Klar: Ganz konkret ist damit das geschlechtsreife unkastrierte männliche Hausrind gemeint. Umgangssprachlich gibt es nun viele, die dieses Wort auch für Polizisten verwenden. 

Das geht, wie ich mir heute angelesen habe, schon auf das 18. Jahrhundert zurück. Damals nannte man die Vorgänger der modernen Policey Landpuller oder Bohler genannt. Das kommt vom niederländischen bol, das „Kopf“ oder „kluger Mensch“ bedeutet. Was auch immer das nun mit der Polizei zu tun hat – aber gemeint ist, folgert Wikipedia, auch mit merklichem Zögern „also eigentlich ein intelligenter Mensch“. 

Wann dieser Ausdruck erstmals als Beleidigung verstanden wurde, ist ungeklärt, in jedem Fall aber unterliegen Beleidigungen einem zeitlichen Wandel. Nach einem Urteil des Landgerichts Regensburg vom 6. Oktober 2005, (Az.: 3 Ns 134 Js 97458/04) stellen mundartliche Bezeichnung von Polizeibeamten als „Bullen“ keine Beleidigung dar. Und gemeint ist hier, dass ich einem konkreten Polizeibeamten hier persönlich das Wort ins Gesicht sage. Nochmal Wikipedia: „Im normalen Sprachgebrauch wird das Wort ,Bulle’ in Deutschland mittlerweile als Synonym für den Polizeibeamten gebraucht, so dass man nicht in jedem Fall von einer Beleidigung ausgehen kann.“ 

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2020-05-13 19:51:412020-05-13 19:51:41Gedanken in der Pandemie 35: Im Zweifel für die Freiheit

Corona: Brancheninfo 39

out takes, Peter Hartig
12. Mai 2020/von Peter Hartig

Kinos im Stillstand 8: Das „Odeon“ in Bamberg. | Foto © Lichtspiel Bamberg

Zurück in die Zukunft! Sender und Produktionen planen den Neustart, Kinos sehen, je nach Bundesland, ein schwaches Glimmen … mal sehen, wie der Sommer wird. An den Hilfen für Filmschaffenden wird noch gearbeitet.  

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Ein Tiger ist aus dem Zoo ausgebrochen. Die Medien melden: „Die Zooleitung fordert die Bürgerinnen und Bürger auf – bitte retten Sie sich schnell nach Hause und schließen Sie sich ein!“ Weiter geht’s hier. 

 

Noch im Mai soll das „Sozialschutz-Paket II“ verabschiedet werden, das unter anderem ein höheres Kurzarbeitergeld und längere Bezugszeiten für Arbeitslosengeld 1 vorsieht. Gestern war die öffentliche Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestags. Neben Lob wurde auch Kritik an der konkreten Ausgestaltung laut.

„Die Anträge auf Arbeitslosengeld II sind seit Mitte März 2020 sprunghaft um das Fünffache angestiegen“, sagt ein Sprecher des Jobcenters Frankfurt am Main.

Corona-Soforthilfe wird nicht auf Hartz-IV angerechnet. Darauf weist das Bundesarbeitsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken hin.

 

Eine bundesweit einheitliche Regelung zur Wiedereröffnung der Filmtheater fordert die Cineplex-Gruppe in Abstimmung mit dem HDF Kino. In einem Schreiben an Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie die Ministerpräsident*innen und Kulturminister*innen der Länder wird das Vorpreschen Hessens als „gut gemeint, aber keineswegs hilfreich“ bezeichnet. Vor allem geht es aber um die Länder, die noch gar nicht entschieden haben.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2020-05-12 20:30:002020-05-12 19:30:38Corona: Brancheninfo 39

Gedanken in der Pandemie 34: Die Corona-Verschwörung

Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste
12. Mai 2020/von Rüdiger Suchsland

Wollen die wirklich nur spielen? Eine seltsame Mischung zeigt sich zur Zeit auf den sogenannten „Hygiendemos“. | Foto © Screenshot

Endlich mal erklärt: Wie wir alle belogen werden: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 34. 

„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt jedoch in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.  […] Auf allen Gebieten gibt es unter dem Vorwand, daß jeder das Recht auf eine eigene Meinung habe, eine Art Gentleman’s Agreement, dem zufolge jeder das Recht auf Unwissenheit besitzt – und dahinter verbirgt sich die stillschweigende Annahme, daß es auf Meinungen nun wirklich nicht ankommt. Dies ist in der Tat ein ernstes Problem, nicht allein, weil Auseinandersetzungen dadurch oftmals so hoffnungslos werden […], sondern vor allem, weil der Durchschnittsdeutsche ganz ernsthaft glaubt, […] dieser nihilistische Relativismus gegenüber Tatsachen sei das Wesen der Demokratie. Tatsächlich handelt es sich dabei natürlich um eine Hinterlassenschaft des Naziregimes.
Man hat es hier nicht mit Indoktrinationen zu tun, sondern mit der Unfähigkeit und dem Widerwillen, überhaupt zwischen Tatsache und Meinung zu unterscheiden.“
Hannah Arendt, Besuch in Deutschland, 1950

 

Es war einer dieser sonnigen April-Samstage, an denen der Ausnahmezustand seine herrlichsten Effekte zeigt: leere Straßen, leere Plätze, geschlossene Geschäfte, nur in Berlin die offenen Buchhandlungen, die Stadt war so schön wie sonst nie. Trotzdem fuhr ich mit der S-Bahn Richtung Westen, der Nachmittagssonne entgegen. Auf einer Bank am Bahngleis lag eine Zeitung, der Blick fuhr instinktiv über die Schlagzeilen, blieb hängen an der Zeile „Demokratischer Widerstand“ und der fettgedruckten Behauptung „Wir sind die Opposition!“ 

Nichts von allem erscheint mir auch nur seriös und bedenkenswert. Aber nichts von alldem ist umgekehrt bislang gefährlich – noch nicht mal aus gesundheitspolitischen Gründen: 3.000 Menschen, das sind nach den aktuellen Zahlen durchschnittlich sechs Infizierte. Seien wir großzügig und rechnen, es sind 12. 

Das scheint beherrschbar. 

Um so ärgerlicher, dass man ein paar Spinner derart aufbläst. 

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2020-05-12 20:14:012020-05-12 20:14:01Gedanken in der Pandemie 34: Die Corona-Verschwörung
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