»Do what you want!« – das lernt auch Marieme in Bande De Filles, Celine Sciammas diesjährigem Cannes-Film über vier starke, schwarze Girls aus Paris.
Mitten im Leben, vom Tode umgeben: Warum ich Feminist bin und für das Recht auf einen freien Tod, und was das miteinander zu tun hat – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 93. Folge
»’Where should I go?‘ said Alice.
‚That depends on where you want to end up.‘ replied The Cheshire Cat.«
Alice in Wonderland
+ + +
Es wäre sehr lustig, wenn es nicht so grotesk gewesen wäre und auch ein bisschen traurig: Pressekonferenz im Berliner Arsenal. Ich kam etwas zu spät, es hat gerade schon angefangen. Zehn Frauen sitzen vorne, wie die Hühner auf der Stange. Im Saal weitere 29, bis zum Ende der Veranstaltung kommen noch drei dazu. Dazwischen genau zwei Männer. Ich bin der dritte.
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Dienstag, 14.10., 11 Uhr vormittags. Vorgestellt wird der Aufruf »Pro Quote Regie« in Form einer Pressekonferenz. Es läuft etwas falsch, scheint mir, wenn die Redaktionen (darunter diverse Redakteurinnen) zu so einem Termin dann nur die Frauen schicken. Redakteurinnen waren übrigens gar nicht vertreten, sofern ich niemanden übersehen habe.
+ + +
Den Aufruf haben bislang rund 200 Regisseurinnen unterzeichnet, aus allen Generationen und Stilrichtungen, darunter sehr bekannte Namen des deutschen Kinos, die meisten, aber nicht alle von ihnen Deutsche. Männer dürfen übrigens nicht unterschreiben, wohl damit das Ganze weiterhin »Aufruf der Regisseurinnen« betitelt werden kann. Es gibt aber eine zweite Liste, auf der sich Unterstützer beiderlei Geschlechts finden. Gefordert wird in dem Aufruf »die Einführung verbindlicher Frauenquoten« in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, den Filmförderungen des Bundes und der Länder, sowie in alle »Institutionen … in denen öffentliche Mittel für Produktions- und Regieaufträge vergeben werden.« Man wünscht einen Anteil von 30 Prozent bis zum Jahr 2017, und 42 Prozent bis 2019 – das entspricht dem aktuellen Anteil von Frauen mit Regie-Diplom.
Gefördert wird weiterhin eine wissenschaftliche Studie »zu Werdegang und beruflicher Situation von Regisseurinnen in Deutschland sowie zur Vergabepraxis von Rundfunkanstalten und Fördergremien.« Man bietet den Verantwortlichen bei Fördergremien und Sendern einen Dialog an. Sie glauben: »Eine gerechtere Film- und Fernsehförderung kann nur gemeinsam mit der Politik und den Verantwortlichen in den Sende- und Förderanstalten erreicht werden.« Mal abwarten.
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Ich geb’s zu: Als ich zuerst davon gelesen hatte, dachte ich: Was für ein Schwachsinn! Muss das sein? Gibt es nicht wichtigere Fragen als eine Frauenquote? Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2014-10-19 11:00:022014-10-18 22:19:54Cinema Moralia – Folge 93: Das Recht auf Selbstbestimmung
„Und so etwas wird mit meinen GEZ-Gebühren finanziert?” – diese Frage haben bis vor kurzem die meisten von uns sicher schon mal gehört oder gestellt. Seit dem 1. Januar 2013 heißt es nun: „Und so etwas wird mit meinem Rundfunkbeitrag finanziert?“ oder einfach „Dürfen die Sender das überhaupt?“
Grundsätzlich gelten natürlich auch für die Macher/innen in den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit, die Freiheit für Kunst und das Verbot der Zensur (Art. 5 GG). Ihren Auftrag gibt der Rundfunkstaatsvertrag vor (§ 11 RStV):
(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, als Medium der öffentlichen Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. (Sie) haben einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.
(2) Die Rundfunkanstalten haben die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.
Darüberhinaus haben ARD und ZDF eigene Staatsverträge, so regelt beispielsweise der § 5 ZDF StV die Gestaltung der Sendungen:
(1) In den Sendungen des ZDF soll insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden. Die Sendungen sollen eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung fördern.
(2) Das Geschehen in den einzelnen Ländern und die kulturelle Vielfalt Deutschlands sind angemessen im Programm darzustellen.
(3) Die Sendungen sollen dabei vor allem die Zusammengehörigkeit im vereinten Deutschland fördern sowie der gesamtgesellschaftlichen Integration in Frieden und Freiheit und der Verstän¬digung unter den Völkern dienen und auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken.
Frauen werden zwar nicht explizit erwähnt, sind aber vermutlich in irgendeinem Punkt mitgemeint. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Belinde Ruth Stievehttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgBelinde Ruth Stieve2014-09-26 14:30:482014-09-26 14:30:48Anspruch und Wirklichkeit: Rundfunkstaatsvertrag, Fernsehrat, Sport, Mord und Show
Motiv: Walter Schumacher, Iris Gebing, Credit: casting-network
Für freie Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks existiert ein besonderes Modell der Altersabsicherung, das vielen potenziellen Nutznießern nicht bekannt ist. Ein Interview mit Iris Gebing und Walter Schumacher soll Abhilfe schaffen.
Im Gespräch mit Tina Thiele erläuterten die beiden Vertreter der Pensionskasse Rundfunk die Vorzüge der von ihnen angebotenen Altersvorsorge. Unter anderem winken den Mitgliedern dieses speziellen Anlagesystems beträchtliche Zuschüsse durch den Arbeitgeber!
Die deutsche Sozialgesetzgebung gilt als vorbildlich. Ihr Ziel ist soziale Sicherheit für die Menschen, die diese nicht aus eigener Kraft erlangen können. Die klassische Sozialversicherung folgt dem Gedanken, Menschen sozial aufzufangen, die aus dauerhaften Arbeitsverhältnissen vorübergehend oder permanent ausscheiden und deshalb kein eigenes Arbeitseinkommen erzielen können. Die Logik dieser klassischen Sozialpolitik ist jedoch, dass ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis die Grundlage der Existenz bildet und deren Ausnahmen, sofern sie aus nicht selbst verantworteten Gründen entstehen (Krankheit etwa oder Alter), eben sozialversicherungsrechtlich abgesichert werden müssen.
Nun hat sich in der Arbeitswelt seit Bismarck, aber auch seit den Zeiten der Gründung der Bundesrepublik, einiges geändert: Die Markt- und Produktionsbedingungen haben sich gewandelt, Berufsbilder, die eine lebenslange Tätigkeit in einem Unternehmen oder doch in der gleichen Branche ermöglichen, werden immer seltener. Zu schnell und allgegenwärtig ist der Wechsel der nachgefragten Produkte, deren Herstellung jeweils unterschiedliche Fähigkeiten erfordert. Aber auch die gesamtwirtschaftliche Nachfragestruktur verschiebt sich. Ein immer kleinerer Teil der Wertschöpfung findet im industriellen Bereich statt, zugleich werden immer mehr Kultur-, Kunst- und Unterhaltungsprodukte nachgefragt, Produkte der sogenannten Kreativwirtschaft“.
Bei der diesjährigen Podiumsdiskussion des Bundesverbandes Casting (BVC) im Rahmen des Filmfestes München stellten sich drei etablierte Casting Directors den Fragen von drei prominenten Schauspielern. In einer lockeren Atmosphäre gewährten die Casting-Profis tiefe Einblicke in ihren Alltag und die Entscheidungsprozesse in der Besetzungsphase. In diesem Zusammenhang wurde auch besprochen, wie Schauspieler ihre eigenen Chancen verbessern können.
Im Namen der Schauspieler wurden Fragen gestellt von:
Michael Kranz (BFFS)
Christina Hecke (BFFS)
Heio von Stetten (BFFS)
Die Casting Directors waren vertreten durch:
Iris Baumüller (BVC)
Daniela Tolkien (BVC)
Susanne Ritter (BVC)
Und sogleich regt sich Widerstand. Die Produzentenallianz, der mit rund 220 Mitgliedern der Großteil der deutschen Film- und Fernsehproduktionsfirmen angehört, verlangte eine Sonderregelung: »Filmwirtschaft braucht für Praktikanten Ausnahmen vom Mindestlohn«, hatte der Interessenverband eine Stellungnahme vom 20. Mai übertitelt. Weiterlesen
Und auch der Filmakademie würden Flugblätter gut tun – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 88. Folge
»Es gibt keine Grenzen, aber man kann welche ziehen.«
Wittgenstein
+ + +
Es gibt ein Papier, das nicht Manifest genannt werden will, sondern Flugblatt. Vielleicht hat man sich da inspirieren lassen von den Papierfliegern, die bei den diesjährigen Oberhausener Kurzfilmtagen über die Leinwand huschten. Mit Flugblättern beginnen Reformationen und Revolutionen und so wollen wir diesem Papier Glück wünschen auf seinem Flug durch die Szene.
+ + +
Man kann es hier nachlesen und sollte es auch. Denn auch wer sich an manchen Unschärfen in Ausdruck, Ansicht und Stoßrichtung stört, oder den Begriff »Aktivismus« doof findet, der wird doch zugeben müssen, dass die Zielrichtung stimmt.
Die wichtigen Probleme werden benannt: die Lüge des Pragmatismus. Das zum Stammeln heruntergekommene Reden über Film. Beklagt wird da ganz selbstkritisch der Verfall der Kritik, ihre Zurichtung auf Dienstleistungen, ihre erzwungene Anpassung an Marktgegebenheiten. Der Markt hat aber nicht recht, sondern ist der Feind, das wird hier deutlich.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2014-05-11 20:01:382014-05-16 08:55:53Cinema Moralia – Folge 88: Nur ein Aktivist bekämpft den Mist…
Während sich die inhaltliche Diskussion in Deutschland nach wie vor um die Frage dreht, wie man auch in unserer Fernsehlandschaft horizontal erzählte Serien mit nicht uneingeschränkt sympathischen Hauptfiguren erzählen könnte, geht die Entwicklung der Serien in den USA bereits einen Schritt weiter, wie Matt Zoller Seitz in einem äußerst lesenswerten Artikel auf Vulture zeigt.
Die Renaissance der Fernsehserie wurde letztlich durch das Aufbrechen der in sich geschlossenen Episodenstruktur hin zu staffelübergreifender, horizontaler Erzählweise ausgelöst, die es ermöglicht, wesentlich komplexere Geschichten und tiefere Figurenentwicklungen zu erzählen. Erst dadurch konnte das künstlerisch bis dato eher belächelte Erzählformat Fernsehserie eine erzählerische Kraft entfalten, die an die der besten Romane heranreicht.
Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass die horizontale Erzählweise im Umkehrschluss auch bedeutet, dass man eine Serie nicht mehr beliebig lang, open-end, fortsetzen kann. Denn wenn es eine horizontale Entwicklung der Figuren gibt, dann muss die auch irgendwann zu einem Ende kommen, wenn es nicht hanebüchen werden soll. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Thilo Röscheisenhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgThilo Röscheisen2014-05-05 16:47:182014-05-05 17:30:38Von der Seifenoper zur Kunstform
Cinema Moralia – Folge 93: Das Recht auf Selbstbestimmung
out takes, Rüdiger Suchsland»Do what you want!« – das lernt auch Marieme in Bande De Filles, Celine Sciammas diesjährigem Cannes-Film über vier starke, schwarze Girls aus Paris.
Mitten im Leben, vom Tode umgeben: Warum ich Feminist bin und für das Recht auf einen freien Tod, und was das miteinander zu tun hat – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 93. Folge
»’Where should I go?‘ said Alice.
‚That depends on where you want to end up.‘ replied The Cheshire Cat.«
Alice in Wonderland
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Es wäre sehr lustig, wenn es nicht so grotesk gewesen wäre und auch ein bisschen traurig: Pressekonferenz im Berliner Arsenal. Ich kam etwas zu spät, es hat gerade schon angefangen. Zehn Frauen sitzen vorne, wie die Hühner auf der Stange. Im Saal weitere 29, bis zum Ende der Veranstaltung kommen noch drei dazu. Dazwischen genau zwei Männer. Ich bin der dritte.
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Dienstag, 14.10., 11 Uhr vormittags. Vorgestellt wird der Aufruf »Pro Quote Regie« in Form einer Pressekonferenz. Es läuft etwas falsch, scheint mir, wenn die Redaktionen (darunter diverse Redakteurinnen) zu so einem Termin dann nur die Frauen schicken. Redakteurinnen waren übrigens gar nicht vertreten, sofern ich niemanden übersehen habe.
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Den Aufruf haben bislang rund 200 Regisseurinnen unterzeichnet, aus allen Generationen und Stilrichtungen, darunter sehr bekannte Namen des deutschen Kinos, die meisten, aber nicht alle von ihnen Deutsche. Männer dürfen übrigens nicht unterschreiben, wohl damit das Ganze weiterhin »Aufruf der Regisseurinnen« betitelt werden kann. Es gibt aber eine zweite Liste, auf der sich Unterstützer beiderlei Geschlechts finden. Gefordert wird in dem Aufruf »die Einführung verbindlicher Frauenquoten« in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, den Filmförderungen des Bundes und der Länder, sowie in alle »Institutionen … in denen öffentliche Mittel für Produktions- und Regieaufträge vergeben werden.« Man wünscht einen Anteil von 30 Prozent bis zum Jahr 2017, und 42 Prozent bis 2019 – das entspricht dem aktuellen Anteil von Frauen mit Regie-Diplom.
Gefördert wird weiterhin eine wissenschaftliche Studie »zu Werdegang und beruflicher Situation von Regisseurinnen in Deutschland sowie zur Vergabepraxis von Rundfunkanstalten und Fördergremien.« Man bietet den Verantwortlichen bei Fördergremien und Sendern einen Dialog an. Sie glauben: »Eine gerechtere Film- und Fernsehförderung kann nur gemeinsam mit der Politik und den Verantwortlichen in den Sende- und Förderanstalten erreicht werden.« Mal abwarten.
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Ich geb’s zu: Als ich zuerst davon gelesen hatte, dachte ich: Was für ein Schwachsinn! Muss das sein? Gibt es nicht wichtigere Fragen als eine Frauenquote? Weiterlesen
Anspruch und Wirklichkeit: Rundfunkstaatsvertrag, Fernsehrat, Sport, Mord und Show
Belinde Ruth Stieve, out takes„Und so etwas wird mit meinen GEZ-Gebühren finanziert?” – diese Frage haben bis vor kurzem die meisten von uns sicher schon mal gehört oder gestellt. Seit dem 1. Januar 2013 heißt es nun: „Und so etwas wird mit meinem Rundfunkbeitrag finanziert?“ oder einfach „Dürfen die Sender das überhaupt?“
Grundsätzlich gelten natürlich auch für die Macher/innen in den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit, die Freiheit für Kunst und das Verbot der Zensur (Art. 5 GG). Ihren Auftrag gibt der Rundfunkstaatsvertrag vor (§ 11 RStV):
(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, als Medium der öffentlichen Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. (Sie) haben einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.
(2) Die Rundfunkanstalten haben die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.
Darüberhinaus haben ARD und ZDF eigene Staatsverträge, so regelt beispielsweise der § 5 ZDF StV die Gestaltung der Sendungen:
(1) In den Sendungen des ZDF soll insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden. Die Sendungen sollen eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung fördern.
(2) Das Geschehen in den einzelnen Ländern und die kulturelle Vielfalt Deutschlands sind angemessen im Programm darzustellen.
(3) Die Sendungen sollen dabei vor allem die Zusammengehörigkeit im vereinten Deutschland fördern sowie der gesamtgesellschaftlichen Integration in Frieden und Freiheit und der Verstän¬digung unter den Völkern dienen und auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken.
Frauen werden zwar nicht explizit erwähnt, sind aber vermutlich in irgendeinem Punkt mitgemeint. Weiterlesen
cn-kolumne: Die Pensionskasse Rundfunk – Altersvorsorge in Eigenregie
Tina ThieleMotiv: Walter Schumacher, Iris Gebing, Credit: casting-network
Für freie Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks existiert ein besonderes Modell der Altersabsicherung, das vielen potenziellen Nutznießern nicht bekannt ist. Ein Interview mit Iris Gebing und Walter Schumacher soll Abhilfe schaffen.
Im Gespräch mit Tina Thiele erläuterten die beiden Vertreter der Pensionskasse Rundfunk die Vorzüge der von ihnen angebotenen Altersvorsorge. Unter anderem winken den Mitgliedern dieses speziellen Anlagesystems beträchtliche Zuschüsse durch den Arbeitgeber!
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www.casting-network.de
Status und Sozialstaat
Reinhold DienesWie steht die Kunst? Nicht nur für Kreative hat sich die Arbeitswelt in den letzten 20 Jahren radikal verändert und tut es weiter. Höchste Zeit, die Sozialsysteme der neuen Wirklichkeit anzupassen. | Illustration © cinearte
Die deutsche Sozialgesetzgebung gilt als vorbildlich. Ihr Ziel ist soziale Sicherheit für die Menschen, die diese nicht aus eigener Kraft erlangen können. Die klassische Sozialversicherung folgt dem Gedanken, Menschen sozial aufzufangen, die aus dauerhaften Arbeitsverhältnissen vorübergehend oder permanent ausscheiden und deshalb kein eigenes Arbeitseinkommen erzielen können. Die Logik dieser klassischen Sozialpolitik ist jedoch, dass ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis die Grundlage der Existenz bildet und deren Ausnahmen, sofern sie aus nicht selbst verantworteten Gründen entstehen (Krankheit etwa oder Alter), eben sozialversicherungsrechtlich abgesichert werden müssen.
Nun hat sich in der Arbeitswelt seit Bismarck, aber auch seit den Zeiten der Gründung der Bundesrepublik, einiges geändert: Die Markt- und Produktionsbedingungen haben sich gewandelt, Berufsbilder, die eine lebenslange Tätigkeit in einem Unternehmen oder doch in der gleichen Branche ermöglichen, werden immer seltener. Zu schnell und allgegenwärtig ist der Wechsel der nachgefragten Produkte, deren Herstellung jeweils unterschiedliche Fähigkeiten erfordert. Aber auch die gesamtwirtschaftliche Nachfragestruktur verschiebt sich. Ein immer kleinerer Teil der Wertschöpfung findet im industriellen Bereich statt, zugleich werden immer mehr Kultur-, Kunst- und Unterhaltungsprodukte nachgefragt, Produkte der sogenannten Kreativwirtschaft“.
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cn-klappe: BVC Panel – 3 Schauspieler fragen, 3 Casting Directors antworten
Tina Thiele© Holger Borggrefe
Bei der diesjährigen Podiumsdiskussion des Bundesverbandes Casting (BVC) im Rahmen des Filmfestes München stellten sich drei etablierte Casting Directors den Fragen von drei prominenten Schauspielern. In einer lockeren Atmosphäre gewährten die Casting-Profis tiefe Einblicke in ihren Alltag und die Entscheidungsprozesse in der Besetzungsphase. In diesem Zusammenhang wurde auch besprochen, wie Schauspieler ihre eigenen Chancen verbessern können.
Im Namen der Schauspieler wurden Fragen gestellt von:
Michael Kranz (BFFS)
Christina Hecke (BFFS)
Heio von Stetten (BFFS)
Die Casting Directors waren vertreten durch:
Iris Baumüller (BVC)
Daniela Tolkien (BVC)
Susanne Ritter (BVC)
Es moderierte Stephen Sikder (Vorstand BVC)
Link zum Video-Beitrag:
www.casting-network.de
Praktisch unbezahlbar
Peter HartigEigentlich soll ein Praktikum ja dazu dienen, die eigenen Erfahrungen auszuprobieren und die Praxis kennenzulernen. Nach Meinung der Produzentenallianz sind Praktika auch Ersatz für fehlende Ausbildungsgänge. Die dürfen deshalb auch schon mal länger dauern und ruhig weniger kosten – schließlich würden die Praktikanten ja auch nicht richtig arbeiten. | Foto © cinearte, Thomas Thieme
Wie viel ist Arbeit wert? Kaum eine Diskussion ist in den vergangenen Jahren so leidenschaftlich geführt worden wie die um eine angemessene Bezahlung. Der Mindestlohn war Thema in mehreren Wahlkämpfen und spaltet noch heute die Meinung der Großen Koalition. Gleichwohl hat die Bundesregierung nun einen Gesetzentwurf vorgelegt: Ab dem 1. Januar 2015 soll ein Mindestlohn von brutto 8,50 Euro je Zeitstunde gelten.
Und sogleich regt sich Widerstand. Die Produzentenallianz, der mit rund 220 Mitgliedern der Großteil der deutschen Film- und Fernsehproduktionsfirmen angehört, verlangte eine Sonderregelung: »Filmwirtschaft braucht für Praktikanten Ausnahmen vom Mindestlohn«, hatte der Interessenverband eine Stellungnahme vom 20. Mai übertitelt. Weiterlesen
Cinema Moralia – Folge 88: Nur ein Aktivist bekämpft den Mist…
out takes, Rüdiger SuchslandKohlhaas Oder Die Verhältnismäßigkeit Der Mittel
Und auch der Filmakademie würden Flugblätter gut tun – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 88. Folge
»Es gibt keine Grenzen, aber man kann welche ziehen.«
Wittgenstein
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Es gibt ein Papier, das nicht Manifest genannt werden will, sondern Flugblatt. Vielleicht hat man sich da inspirieren lassen von den Papierfliegern, die bei den diesjährigen Oberhausener Kurzfilmtagen über die Leinwand huschten. Mit Flugblättern beginnen Reformationen und Revolutionen und so wollen wir diesem Papier Glück wünschen auf seinem Flug durch die Szene.
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Man kann es hier nachlesen und sollte es auch. Denn auch wer sich an manchen Unschärfen in Ausdruck, Ansicht und Stoßrichtung stört, oder den Begriff »Aktivismus« doof findet, der wird doch zugeben müssen, dass die Zielrichtung stimmt.
Die wichtigen Probleme werden benannt: die Lüge des Pragmatismus. Das zum Stammeln heruntergekommene Reden über Film. Beklagt wird da ganz selbstkritisch der Verfall der Kritik, ihre Zurichtung auf Dienstleistungen, ihre erzwungene Anpassung an Marktgegebenheiten. Der Markt hat aber nicht recht, sondern ist der Feind, das wird hier deutlich.
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Von der Seifenoper zur Kunstform
Thilo RöscheisenWährend sich die inhaltliche Diskussion in Deutschland nach wie vor um die Frage dreht, wie man auch in unserer Fernsehlandschaft horizontal erzählte Serien mit nicht uneingeschränkt sympathischen Hauptfiguren erzählen könnte, geht die Entwicklung der Serien in den USA bereits einen Schritt weiter, wie Matt Zoller Seitz in einem äußerst lesenswerten Artikel auf Vulture zeigt.
Die Renaissance der Fernsehserie wurde letztlich durch das Aufbrechen der in sich geschlossenen Episodenstruktur hin zu staffelübergreifender, horizontaler Erzählweise ausgelöst, die es ermöglicht, wesentlich komplexere Geschichten und tiefere Figurenentwicklungen zu erzählen. Erst dadurch konnte das künstlerisch bis dato eher belächelte Erzählformat Fernsehserie eine erzählerische Kraft entfalten, die an die der besten Romane heranreicht.
Allerdings hat sich schnell gezeigt, dass die horizontale Erzählweise im Umkehrschluss auch bedeutet, dass man eine Serie nicht mehr beliebig lang, open-end, fortsetzen kann. Denn wenn es eine horizontale Entwicklung der Figuren gibt, dann muss die auch irgendwann zu einem Ende kommen, wenn es nicht hanebüchen werden soll. Weiterlesen