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Wenn die Leute nicht mehr ins Kino gehen, liegt’s ja vielleicht auch an den Filmen … Die Berichte zur „Lola“-Gala gehen hart mit dem Deutschen Film ins Gericht. | Foto © DFA

Am Freitag wurde der „Deutsche Filmpreis“ verliehen. Die Berichte von der Gala machen sich große Sorgen ums Deutsche Kino. 

Anscheinend muss man’s immer noch erklären: „Der ,Deutsche Filmpreis’ ist die wichtigste nationale Auszeichnung der Filmbranche“, beginnt die Deutsche Welle ihre Fotogalerie zur Preisverleihung am vorigen Wochenende. Dabei war dies nun schon das 72. Jahr. 

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte sich Peter Körte vorab Gedanken gemacht, was wohl bei der Preisverleihung zu erwarten sei. Schließlich hatte sich im vorigen Jahr gezeigt: Auch Favoriten können abstürzen. Mit seiner Prognose soll er richtig liegen. „Es ist also nicht damit zu rechnen, dass aufregende Dinge geschehen werden. Sollte jemand eine Rede halten wie Thomas Brasch 1981 beim ,Bayerischen Filmpreis’, die Franz Josef Strauß provozierte, wäre der Shitstorm in den sozialen Medien schon wieder vorbei, wenn die bräsige ARD um 22.55 Uhr ihre Aufzeichnung der Gala sendet. ,Abschied von morgen Ankunft gestern / Das ist der deutsche Traum’, heißt es in einem Gedicht von Thomas Brasch.“  

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Die Lola-Gala lief dieses Jahr im Corona-Stil. | Foto © Deutscher Filmpreis, Florian Liedel

Wolfgang Schäuble und der mittlere Realismus: Apokalyptiker & Integrierte – Gedanken in der Pandemie 24. 

„Wir alle wissen nicht, was unser Handeln für Auswirkungen hat. Aber die Politik muss trotzdem handeln. Und es gibt eben nie eine absolut richtige Entscheidung.“
Wolfgang Schäuble

„Philosophieren heißt Sterben lernen.“
Cicero

Was für ein Wochenende. So viel los, und dann musste man noch das schöne Wetter ausnutzen und zum See, wenn auch immer auf Abstand, klar. 

Dabei wollte ich eigentlich über die Chilenen schreiben, über die Österreicher, die Chinesen, endlich mal über die Italiener und, ja vielleicht auch mal wieder über die Schweden. Und dann kommt dieses Wochenende, und dann endet man … bei Wolfgang Schäuble. 

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Der Berliner „Tagesspiegel“ ist wirklich keine tolle Zeitung, eher ein ziemliches Provinz-Blatt. Aber manchmal gelingt auch dem Tagesspiegel ein Coup. Ein solcher Coup ist das Interview mit Wolfgang Schäuble am Sonntag. Schäuble spricht darin über die Dilemmata der Handelnden, und sagt wie zu erwarten viele kluge Dinge: „Wir müssen die verschiedenen Gesichtspunkte klug abwägen. […] Wir dürfen nicht allein den Virologen die Entscheidungen überlassen, sondern müssen auch die gewaltigen ökonomischen, sozialen, psychologischen und sonstigen Auswirkungen abwägen. Zwei Jahre lang einfach alles stillzulegen – auch das hätte fürchterliche Folgen.“ Es sind zum einen die kleinen bösen Bemerkungen, mit denen dieses Interview wirkt: „Wir können eben auch nicht sagen: Wir machen alles zu und lassen es dabei. Diesen Abwägungsprozess müssen wir deutlicher machen.“ 

“Müssen wir deutlicher machen.“ Da liegt die Kritik. 

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„Systemsprenger“! Das Debüt der Regisseurin Nora Fingscheidt wurde gleich achtfach mit dem „Deutschen Filmpreis“ ausgezeichnet. | Foto © Weydemann Bros.

Ziemlich sensationell, was am Freitag beim „Deutschen Filmpreis“ passierte: Ein Debütfilm räumte ab, und das gleich achtfach – das hatten in 70 Jahren nur drei Filme geschafft. Leider schaute kaum jemand zu bei der Geistergala im Livestream.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. Leider können wir nicht alle persönlich beantworten. 

 

Alles anders diesmal bei der Lola, staunt „Die Zeit“: Ein Debütfilm bekommt den Hauptpreis, eine Elfjährige den Preis als beste Schauspielerin – und das Ganze auch noch ohne Publikum.
Acht „Lolas“ für „Systemsprenger“. Das Drama von Nora Fingscheidt hat am Freitag beim „Deutschen Filmpreis“ abgeräumt. Nur zwei Filme hatten in 70 Jahren mehr Auszeichnungen.
Eine „Übung im Trockenschwimmen“ nennt die „FAZ“ die „Lola“-Gala im Corona-Stil. Gut gemeint, aber … findet auch die „Berliner Zeitung“ die „Geistergala“. Die „Süddeutsche Zeitung“ findet’s trotzdem „schön und ermutigend“ und sah auch „noch immer dieses Strahlen“: „Leidenschaft und Zusammenhalt der Szene waren spürbarer.“
Nur das Publikum selbst zeigte wenig Interesse am Deutschen Film. 

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