Eine Sensation: Zum ersten Mal in den 92 Ausgaben der „Oscars“ eine nicht-englischsprachige Produktion die höchste Auszeichnung für den besten Film gewonnen! Und nicht nur das: Die süd-koreanische Gesellschaftssatire „Parasite“ wurde auch für Regie, Drehbuch und als bester internationaler Film prämiert. Dass ein einzelner Filmemacher gleich vier Goldmännchen entgegennehmen darf, hatte bislang nur Walt Disney geschafft. Doch der hatte dafür 1954 vier verschiedene Filme gebraucht. | Foto: Koch Films
„Man ist am kreativsten, wenn man am persönlichsten ist. Das habe ich bereits auf der Filmschule gelernt.“ Also sprach der Koreaner Joon-ho Bong in einer seiner gleich vier Dankesreden gestern Abend. Diesen Satz sollte sich die ganze Filmindustrie hinter die Ohren schreiben – in einer Epoche, die von zunehmender Formatierung geprägt ist, in der die CEO und Controller die Macht über die Kreativen haben.
Danach hob Bong gleich zwei nominierte US-Regisseure heraus und bedankte sich bei ihnen: Martin Scorsese „In der Filmuni habe ich seine Filme studiert“ und Quentin Tarantino – „Als niemand in den USA meinen Namen kannte, hatte er meine Filme immer in seinen Bestenlisten.“
+ + +
Es war ein Durchmarsch für den Außenseiter: Joon-ho Bong, Jahrgang 1969, der international bekannteste Filmemacher Süd-Koreas, gewinnt für seinen Film „Parasite“ gleich vier „Oscars“, und das auch noch in den wichtigsten Kategorien: bester Film, bbeste Regie, bestes Drehbuch und bester internationaler Film.
Kaum einer hätte es vorher erwartet, aber so wurde es eine historische „Oscar“-Nacht, und eine Preisverleihung der Überraschungen. Denn diese Preisverleihung ist ein deutliches Misstrauensvotum gegen gewisse Tendenzen des Gegenwartskinos: Etwa gegen die allzu wohlfeile, allzu nostalgische Flucht weiter Teile des Kinos ins Historische, oft Geschmäcklerische. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2020-02-16 13:56:172020-02-16 13:56:17Ein „Oscar“ für die Zukunft
Immer wieder greift die AfD die Filmbranche an. Der Kampf um die Kultur tobt schon längst. | Montage: cinearte
Bei der Verleihung der „First Steps Awards“ hatte Ulrich Matthes Klartext gesprochen: Die AfD sei „eine rechtsradikale, demokratiefeindliche, parlamentarismusfeindliche, kunstfeindliche, rassistische, antisemitische Partei“, erklärte der Präsident der Deutschen Filmakademie in seiner Eröffnungsrede. Sollte sie irgendwo an die Macht kommen, „wir alle, die wie hier sitzen, wir müssten uns, um es mal etwas flapsig zu sagen, warm anziehen.“
Matthes’ Mahnung stand unter dem Eindruck dramatischer Ereignisse. Am 2. Juni 2019 war der Kasseler Regierungspräsident auf seiner Terrasse mit einem Kopfschuss getötet worden. Als dringend tatverdächtig wurde ein Rechtsextremist festgenommen. Der Mordanschlag auf den CDU-Politiker rüttelte die Parteien auf. Allein die AfD blieb mitleidslos: Schuld sei die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Asylpolitik, erklärte der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann. Ohne sie „würde Walter Lübcke noch leben.“
Und als sich im Bayerischen Landtag alle Abgeordneten zum Gedenken an Lübcke erhoben, blieb nur einer sitzen: Ralph Müller von der AfD.
Der Partei hat das nicht geschadet – im Gegenteil: Bei der Landtagswahl in Brandenburg am 1. September verdoppelte sie fast ihr vorheriges Ergebnis und wurde mit 23,5 Prozent der Stimmen zweitstärkste Fraktion. Ebenso am selben Tag in Sachsen, wo der Zulauf auf 27,5 Prozent sogar noch größer war. Acht Tage später hielt Matthes seine Rede.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2020-01-22 13:58:002020-03-02 15:12:30Aufrecht oder ängstlich? Die Filmbranche und die AfD
Die Vorjahressiegerin Bantry Bay Productions GmbH ist sogar in beiden Rubriken mit einem Projekt nominiert! Wow! Alle Mitarbeiter*innen und Firmen, die an den nominierten Projekten mitgewirkt haben und diese noch nicht bewertet haben, können dies bis einschließlich 31.1.2020 nachholen. Einfach ins Crew United Profil einloggen.
Geht es um die Zukunft des Deutschen Kinos, ist bald nur noch von einem die Rede: Geld! Berufsverbände klagen über schlechte Bezahlung, Filmemacher suchen nach Investoren, Produzenten über zu knappe Budgets, Sender über den Rotstift der Politik, die Filmförderungsanstalt bangt um ihre Finanzierung. Immer mehr Filme wollen ins Kino (153 meldet die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) für 2018). Die wenigsten erreichen sechsstellige Zuschauerzahlen (45 meldet die Filmförderungsanstalt (FFA) für 2018).
Die meisten ringen um Fördertöpfe und Senderbeteiligung. Doch da setzt man erstmal auf Sicherheit. Das Fernsehen produziert Krimiserien nach Großstädten und Reisezielen. Die FFA will lieber einen höher budgetierten „Spitzenfilm“ fördern, der „die Erwartungen des Publikums erfüllt und wirtschaftlich erfolgreich sein kann.“ Wie soll da noch Wildes, Neues, Anderes entstehen? Das die Erwartungen des Publikums überrascht, andere Perspektiven eröffnet und das Kino weiterbringt. Und vielleicht trotzdem auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Oder wenigstens finanziert wird.
Filmemacher*innen proben schon längst eigene Möglichkeiten, um ihre Vorstellungen vors Publikum zu bringen, jenseits von Sendern und Förderern. No oder Low Budget, Crowd Funding, die Hilfe von Freunden und Kollegen machen es möglich. In Nordrhein-Westfalen gibt’s dann wiederum sogar ein Förderprogramm für solche Low-Budget-Filme … das ist sicherlich gut gemeint, sollte aber zu denken geben. Und bei aller Leidenschaft für die Sache: Wie lange lässt sich so arbeiten, wenn auch noch die Miete gezahlt werden soll?
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2019-12-29 14:31:422019-12-23 14:32:28Kooperativen für die Filmproduktion
… und die Lügen, die wir Gegenwart nennen – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogängers, 209. Folge.
„Die Menschen zu zeigen ohne Maske, ohne Schminke, sie mit den Augen des Apparats zu packen im Moment des Nichtspielens.“
Dziga Vertov
Eigentlich ist Michael Klier kein Dokumentarfilmer, obwohl er von Anfang an auch dokumentarisch gearbeitet hat. Kliers Filme lohnen immer den Besuch, und den zweiten, dritten Blick. Diese Kurzfilme aber, geistreiche Reflexionen über das Kino und die Cinephilie, seinerzeit für die längst abgewickelte Filmredaktion des WDR entstanden, kennt kaum einer. Und bei manchem, was man hier sieht, zum Beispiel Casting-Aufnahmen Unbekannter, die in den 1980ern zu Stars wurden, fragt man sich eh, wo der Mann dieses großartige Material her hat. „Lohnenswert wäre eine DVD mit Kliers WDR-Filmen unter anderem über Jean-Marie Straub, Roberto Rossellini, und Godards Kameramänner“, schrieb vor ein paar Jahren Hans Helmut Prinzler.
Vorige Woche waren in der Brotfabrik in Berlin Kliers Kinoporträtfilme zu sehen. Wenn man da Truffaut zuhört, wie er über die Frauen spricht, den kleinen Schwestern der Nouvelle Vague begegnet, die Kameramänner Renato Berta und William Lubtchansky von ihrer Arbeit und den Konflikten mit Godard sprechen hört und Henri Alekan über die Arbeit mit Wim Wenders und Jean Cocteau, und Rossellini als Philosophen entdeckt, wenn man Jean-Marie Straub und Danielle Huillet im römischen Exil entdeckt, dann ersteht eine Film-Landschaft aus vergangener Zeit wieder auf.
Auch ein Diskurs übers Kino, den gerade Deutschland braucht: „Die Themen und Fragen, die von den ,Filmschaffenden‘ darin formuliert werden, sind noch – oder wieder hochaktuell.“ schreibt Klier, der die Vorführung der Porträts wie einen einzelnen langen Episoden-Film angelegt hat.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2019-12-26 14:03:142019-12-23 14:04:41Cinema Moralia – Folge 209: Die Lücke, die der Teufel lässt …
Vom Produktionsweg bis hin zu einem fertigen Film ist es in der Regel ein sehr aufwendiger und aufreibender Prozess, der mit viel Freude, aber auch einer Unmenge an Arbeit verbunden ist. Wird das Filmprojekt zusätzlich im Ausland produziert, kommen zur Aufgabenliste oft noch weitere Fallstricke in der Produktion dazu. So auch bei „1986“, dem Abschlussfilms von Regisseur Lothar Herzog und Produzentin Romana Janick an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Beim Dreh in Weißrussland mussten sie sich mit den Gegebenheiten im Land arrangieren, mit Problemen bei den Drehgenehmigungen und mit einem betrunkenen Setfahrer auseinandersetzen.
Der Stress zahlte sich aus. Nicht bloß in den Erfahrungen, die alle dabei gesammelt haben – der Film wurde zu verschiedenen Filmfestivals eingeladen und gewann auf den Hofer Filmtagen den »Goldpreis«.
In dieser Sonderfolge des Indiefilmtalks, die in Kooperation mit der DFFB entstand, sprechen Janick und Jamila Wenske, die leitende Dozentin für Produktion an der DFFB, über Romanas Weg zum Film und an eine Filmhochschule – und natürlich über ihre Arbeit „1986“.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Yugen Yahhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgYugen Yah2019-12-23 13:35:582019-12-23 13:36:24Indiefilmtalk Sondersendung: Geschichten von der Filmproduktion im Ausland.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist eine der großen Errungenschaften unserer Demokratie. Er hat die wichtigsten deutschen Spielfilme der letzten Dekaden hervorgebracht. Filme, die »Oscars« gewannen und den Cannes-Wettbewerb. Filme und Serien, die Generationen geprägt und begeistert haben. Um neue Talente zu entdecken und zum Erfolg zu führen, fahren Redakteure öffentlich-rechtlicher Sender auf Kurzfilmfestivals, und sie besuchen die Messen der Filmhochschulen. Über Jahre betreuen sie Dutzende Fassungen eines Debütspielfilms. Kein anderer Player hat solches Engagement und solche Erfolge vorzuweisen.
Schmückt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit diesen Verdiensten und Erfolgen? Manchmal könnte man meinen, er versteckt das spannende und preisträchtige Programm regelrecht zu nächtlicher Stunde, denn es passt oftmals nicht ins Programmschema und gefährden so die Quote.
Was würden wir über einen Autokonzern denken, der viel Geld in Forschung und Entwicklung von Talenten investiert, nur um diese nach ihren ersten Erfolgen an ihre Konkurrenten zu übergeben, weil ihre Ideen nicht in bestehende Formate passen, weil das Zielpublikum zu spitz sei, weil Experimente die Quote sinken lassen?
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk setzt seit 1984, als Reaktion auf die damals entstandenen Privatsender, auf die neoliberale Quote der Marktanteile. Diese drückt den Willen der Mehrheit aus, die das lineare Fernsehen nutzt. Nach dieser Quote werden weitere Entscheidungen darüber getroffen, wie das fiktionale Programm zu gestalten sei, sie ist der Maßstab aller Dinge.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Julia von Heinzhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgJulia von Heinz2019-12-10 07:11:282019-12-09 14:12:31Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört uns nicht
Assistant Director oder Regieassistent? Fast die ganze Filmwelt arbeitet nach dem ersten System, doch in Deutschland tut man sich noch schwer damit. Dabei sei es besser für die wachsenden Erfordernisse geeignet, meint Benedict Hoermann von der Assistant Directors Union.
Herr Hoermann, im Frühjahr hat sich die Assistant Directors Union (ADU) als eigenständiger Berufsverband vorgestellt. Sie vertreten die Interessen der (Assistant Directors (AD) und Regieassistent*innen. Gehören sie nicht in den Bundesverband Regie?
Das hat mit unserer Entstehungsgeschichte zu tun. Die ADU gibt es schon länger, und anfangs ging es uns nicht darum, einen Berufsverband zu gründen …
Sondern?
Die meisten von uns sind Quereinsteiger. Regieassistenz ist ja kein Ausbildungsberuf. Die Chance, von anderen zu lernen, ist kaum gegeben. Wir sind Autodidakten. Ich selbst bin 2001 in diesen Beruf „reingerutscht“, hatte aber nie die Chance, mich wirklich intensiv mit anderen Regieassistent*innen auszutauschen. oder von anderen zu lernen. So kam ich vor Jahren auf die Idee, eine Plattform zu schaffen, auf der sich Regieassistenten und AD begegnen und Erfahrungen jeglicher Art austauschen können.
Wozu ein Berufsverband ja unter anderem ebenfalls da ist.
Natürlich. Wenn der Verband einer Berufsgruppe den nötigen Stellenwert einräumt. Für mich war der BVR die Interessenvertretung der Regisseur*innen. Wie intensiv dort die Lobbyarbeit für die Berufsgruppe Regieassistenz betrieben wird, war mir nicht klar.
Nichtsdestotrotz habe ich eine andere Auffassung von meiner Arbeit als der BVR. Dort wird dIe Regieassistenz noch als die künstlerische „rechte Hand“ der Regisseur*innen verstanden. Ich hingegen habe mich schon früh mit dem angelsächsischen AD-System identifiziert, bei dem ich die Regie nicht nur kreativ, sondern überwiegend logistisch und organisatorisch unterstütze.
Ein „Oscar“ für die Zukunft
Rüdiger Suchsland, Unsere GästeEine Sensation: Zum ersten Mal in den 92 Ausgaben der „Oscars“ eine nicht-englischsprachige Produktion die höchste Auszeichnung für den besten Film gewonnen! Und nicht nur das: Die süd-koreanische Gesellschaftssatire „Parasite“ wurde auch für Regie, Drehbuch und als bester internationaler Film prämiert. Dass ein einzelner Filmemacher gleich vier Goldmännchen entgegennehmen darf, hatte bislang nur Walt Disney geschafft. Doch der hatte dafür 1954 vier verschiedene Filme gebraucht. | Foto: Koch Films
„Man ist am kreativsten, wenn man am persönlichsten ist. Das habe ich bereits auf der Filmschule gelernt.“ Also sprach der Koreaner Joon-ho Bong in einer seiner gleich vier Dankesreden gestern Abend. Diesen Satz sollte sich die ganze Filmindustrie hinter die Ohren schreiben – in einer Epoche, die von zunehmender Formatierung geprägt ist, in der die CEO und Controller die Macht über die Kreativen haben.
Danach hob Bong gleich zwei nominierte US-Regisseure heraus und bedankte sich bei ihnen: Martin Scorsese „In der Filmuni habe ich seine Filme studiert“ und Quentin Tarantino – „Als niemand in den USA meinen Namen kannte, hatte er meine Filme immer in seinen Bestenlisten.“
+ + +
Es war ein Durchmarsch für den Außenseiter: Joon-ho Bong, Jahrgang 1969, der international bekannteste Filmemacher Süd-Koreas, gewinnt für seinen Film „Parasite“ gleich vier „Oscars“, und das auch noch in den wichtigsten Kategorien: bester Film, bbeste Regie, bestes Drehbuch und bester internationaler Film.
Kaum einer hätte es vorher erwartet, aber so wurde es eine historische „Oscar“-Nacht, und eine Preisverleihung der Überraschungen. Denn diese Preisverleihung ist ein deutliches Misstrauensvotum gegen gewisse Tendenzen des Gegenwartskinos: Etwa gegen die allzu wohlfeile, allzu nostalgische Flucht weiter Teile des Kinos ins Historische, oft Geschmäcklerische.
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Aufrecht oder ängstlich? Die Filmbranche und die AfD
out takes, Peter HartigImmer wieder greift die AfD die Filmbranche an. Der Kampf um die Kultur tobt schon längst. | Montage: cinearte
Bei der Verleihung der „First Steps Awards“ hatte Ulrich Matthes Klartext gesprochen: Die AfD sei „eine rechtsradikale, demokratiefeindliche, parlamentarismusfeindliche, kunstfeindliche, rassistische, antisemitische Partei“, erklärte der Präsident der Deutschen Filmakademie in seiner Eröffnungsrede. Sollte sie irgendwo an die Macht kommen, „wir alle, die wie hier sitzen, wir müssten uns, um es mal etwas flapsig zu sagen, warm anziehen.“
Matthes’ Mahnung stand unter dem Eindruck dramatischer Ereignisse. Am 2. Juni 2019 war der Kasseler Regierungspräsident auf seiner Terrasse mit einem Kopfschuss getötet worden. Als dringend tatverdächtig wurde ein Rechtsextremist festgenommen. Der Mordanschlag auf den CDU-Politiker rüttelte die Parteien auf. Allein die AfD blieb mitleidslos: Schuld sei die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Asylpolitik, erklärte der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann. Ohne sie „würde Walter Lübcke noch leben.“
Und als sich im Bayerischen Landtag alle Abgeordneten zum Gedenken an Lübcke erhoben, blieb nur einer sitzen: Ralph Müller von der AfD.
Der Partei hat das nicht geschadet – im Gegenteil: Bei der Landtagswahl in Brandenburg am 1. September verdoppelte sie fast ihr vorheriges Ergebnis und wurde mit 23,5 Prozent der Stimmen zweitstärkste Fraktion. Ebenso am selben Tag in Sachsen, wo der Zulauf auf 27,5 Prozent sogar noch größer war. Acht Tage später hielt Matthes seine Rede.
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FairFilmAward Fiction 2020 – Die Nominierungen
Oliver ZengleinBEKANNTGABE DER NOMINIERTEN DES FILMFAIRAWARDS FICTION 2020
Herzlichen Glückwunsch an die fünf Produktionsfirmen:
Real Film Berlin GmbH
Schramm Film, Koerner & Weber GbR
Bantry Bay Productions GmbH
Fortune Cookie Film GmbH
Pantaleon Films GmbH
Die Vorjahressiegerin Bantry Bay Productions GmbH ist sogar in beiden Rubriken mit einem Projekt nominiert! Wow! Alle Mitarbeiter*innen und Firmen, die an den nominierten Projekten mitgewirkt haben und diese noch nicht bewertet haben, können dies bis einschließlich 31.1.2020 nachholen. Einfach ins Crew United Profil einloggen.
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Kooperativen für die Filmproduktion
out takes, Peter HartigJa, warum eigentlich? Vor dem Symposium hatten sich die Filmschaffenden ausführlich Gedanken gemacht, was sie sich vom Genossenschaftsmodell versprechen: Stichpunkte und Einstimmung für die Veranstaltung. | Foto © Christian Dosch.
Geht es um die Zukunft des Deutschen Kinos, ist bald nur noch von einem die Rede: Geld! Berufsverbände klagen über schlechte Bezahlung, Filmemacher suchen nach Investoren, Produzenten über zu knappe Budgets, Sender über den Rotstift der Politik, die Filmförderungsanstalt bangt um ihre Finanzierung. Immer mehr Filme wollen ins Kino (153 meldet die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) für 2018). Die wenigsten erreichen sechsstellige Zuschauerzahlen (45 meldet die Filmförderungsanstalt (FFA) für 2018).
Die meisten ringen um Fördertöpfe und Senderbeteiligung. Doch da setzt man erstmal auf Sicherheit. Das Fernsehen produziert Krimiserien nach Großstädten und Reisezielen. Die FFA will lieber einen höher budgetierten „Spitzenfilm“ fördern, der „die Erwartungen des Publikums erfüllt und wirtschaftlich erfolgreich sein kann.“ Wie soll da noch Wildes, Neues, Anderes entstehen? Das die Erwartungen des Publikums überrascht, andere Perspektiven eröffnet und das Kino weiterbringt. Und vielleicht trotzdem auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Oder wenigstens finanziert wird.
Filmemacher*innen proben schon längst eigene Möglichkeiten, um ihre Vorstellungen vors Publikum zu bringen, jenseits von Sendern und Förderern. No oder Low Budget, Crowd Funding, die Hilfe von Freunden und Kollegen machen es möglich. In Nordrhein-Westfalen gibt’s dann wiederum sogar ein Förderprogramm für solche Low-Budget-Filme … das ist sicherlich gut gemeint, sollte aber zu denken geben. Und bei aller Leidenschaft für die Sache: Wie lange lässt sich so arbeiten, wenn auch noch die Miete gezahlt werden soll?
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Cinema Moralia – Folge 209: Die Lücke, die der Teufel lässt …
out takes, Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste22 Jahre lang war Cornelia Ackers beim Bayerischen Rundfunk für den „Polizeiruf 110“ verantwortlich. Als Redakteurin hatte sie ungewöhnliche und beliebte Ermittlerfiguren mitentwickelt. Diesen Monat wurde sie abgesetzt. Die Gründe liegen im Dunkeln. | Foto © BR, Markus Kovalin
… und die Lügen, die wir Gegenwart nennen – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogängers, 209. Folge.
„Die Menschen zu zeigen ohne Maske, ohne Schminke, sie mit den Augen des Apparats zu packen im Moment des Nichtspielens.“
Dziga Vertov
Eigentlich ist Michael Klier kein Dokumentarfilmer, obwohl er von Anfang an auch dokumentarisch gearbeitet hat. Kliers Filme lohnen immer den Besuch, und den zweiten, dritten Blick. Diese Kurzfilme aber, geistreiche Reflexionen über das Kino und die Cinephilie, seinerzeit für die längst abgewickelte Filmredaktion des WDR entstanden, kennt kaum einer. Und bei manchem, was man hier sieht, zum Beispiel Casting-Aufnahmen Unbekannter, die in den 1980ern zu Stars wurden, fragt man sich eh, wo der Mann dieses großartige Material her hat. „Lohnenswert wäre eine DVD mit Kliers WDR-Filmen unter anderem über Jean-Marie Straub, Roberto Rossellini, und Godards Kameramänner“, schrieb vor ein paar Jahren Hans Helmut Prinzler.
Vorige Woche waren in der Brotfabrik in Berlin Kliers Kinoporträtfilme zu sehen. Wenn man da Truffaut zuhört, wie er über die Frauen spricht, den kleinen Schwestern der Nouvelle Vague begegnet, die Kameramänner Renato Berta und William Lubtchansky von ihrer Arbeit und den Konflikten mit Godard sprechen hört und Henri Alekan über die Arbeit mit Wim Wenders und Jean Cocteau, und Rossellini als Philosophen entdeckt, wenn man Jean-Marie Straub und Danielle Huillet im römischen Exil entdeckt, dann ersteht eine Film-Landschaft aus vergangener Zeit wieder auf.
Auch ein Diskurs übers Kino, den gerade Deutschland braucht: „Die Themen und Fragen, die von den ,Filmschaffenden‘ darin formuliert werden, sind noch – oder wieder hochaktuell.“ schreibt Klier, der die Vorführung der Porträts wie einen einzelnen langen Episoden-Film angelegt hat.
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Indiefilmtalk Sondersendung: Geschichten von der Filmproduktion im Ausland.
Unsere Gäste, Yugen YahRegisseur Lothar Herzog und Produzentin Romana Janick drehten ihren Abschlussfilm ,1986‘ in Weißrussland. Was da alles auf eine*n zukommt, ist Gesprächsthema im Indiefilmtalk. | Foto © Hofer Filmtage
Vom Produktionsweg bis hin zu einem fertigen Film ist es in der Regel ein sehr aufwendiger und aufreibender Prozess, der mit viel Freude, aber auch einer Unmenge an Arbeit verbunden ist. Wird das Filmprojekt zusätzlich im Ausland produziert, kommen zur Aufgabenliste oft noch weitere Fallstricke in der Produktion dazu. So auch bei „1986“, dem Abschlussfilms von Regisseur Lothar Herzog und Produzentin Romana Janick an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB). Beim Dreh in Weißrussland mussten sie sich mit den Gegebenheiten im Land arrangieren, mit Problemen bei den Drehgenehmigungen und mit einem betrunkenen Setfahrer auseinandersetzen.
Der Stress zahlte sich aus. Nicht bloß in den Erfahrungen, die alle dabei gesammelt haben – der Film wurde zu verschiedenen Filmfestivals eingeladen und gewann auf den Hofer Filmtagen den »Goldpreis«.
In dieser Sonderfolge des Indiefilmtalks, die in Kooperation mit der DFFB entstand, sprechen Janick und Jamila Wenske, die leitende Dozentin für Produktion an der DFFB, über Romanas Weg zum Film und an eine Filmhochschule – und natürlich über ihre Arbeit „1986“.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört uns nicht
Julia von Heinz, Unsere GästeJulia von Heinz 2013 bei den Dreharbeiten zu „Hannas Reise“. Ende November 2019 erhielt die Autorin, Regisseurin und Produzentin auf dem Fernsehfilmfestival Baden-Baden den „Hans-Abich-Preis für herausragende Verdienste um den Fernsehfilm“. | Foto © Zorro Film
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist eine der großen Errungenschaften unserer Demokratie. Er hat die wichtigsten deutschen Spielfilme der letzten Dekaden hervorgebracht. Filme, die »Oscars« gewannen und den Cannes-Wettbewerb. Filme und Serien, die Generationen geprägt und begeistert haben. Um neue Talente zu entdecken und zum Erfolg zu führen, fahren Redakteure öffentlich-rechtlicher Sender auf Kurzfilmfestivals, und sie besuchen die Messen der Filmhochschulen. Über Jahre betreuen sie Dutzende Fassungen eines Debütspielfilms. Kein anderer Player hat solches Engagement und solche Erfolge vorzuweisen.
Schmückt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit diesen Verdiensten und Erfolgen? Manchmal könnte man meinen, er versteckt das spannende und preisträchtige Programm regelrecht zu nächtlicher Stunde, denn es passt oftmals nicht ins Programmschema und gefährden so die Quote.
Was würden wir über einen Autokonzern denken, der viel Geld in Forschung und Entwicklung von Talenten investiert, nur um diese nach ihren ersten Erfolgen an ihre Konkurrenten zu übergeben, weil ihre Ideen nicht in bestehende Formate passen, weil das Zielpublikum zu spitz sei, weil Experimente die Quote sinken lassen?
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk setzt seit 1984, als Reaktion auf die damals entstandenen Privatsender, auf die neoliberale Quote der Marktanteile. Diese drückt den Willen der Mehrheit aus, die das lineare Fernsehen nutzt. Nach dieser Quote werden weitere Entscheidungen darüber getroffen, wie das fiktionale Programm zu gestalten sei, sie ist der Maßstab aller Dinge.
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Systemwechsel: Regieassistenz oder Assistant Director?
out takes, Peter HartigFür das Drama „Euphoria“ arbeiteten Produzenten aus Großbritannien, Schweden und Deutschland zusammen – da können mit dem deutschen System der Regieassistenz nur wenige etwas anfangen, meint Benedict Hoermann (hinten): „Man kann sich weltweit an jedes Set stellen, und sofort sind die Verantwortlichkeiten und Abläufe klar.“ | Foto © Jürgen Olcyk, Tatfilm
Assistant Director oder Regieassistent? Fast die ganze Filmwelt arbeitet nach dem ersten System, doch in Deutschland tut man sich noch schwer damit. Dabei sei es besser für die wachsenden Erfordernisse geeignet, meint Benedict Hoermann von der Assistant Directors Union.
Herr Hoermann, im Frühjahr hat sich die Assistant Directors Union (ADU) als eigenständiger Berufsverband vorgestellt. Sie vertreten die Interessen der (Assistant Directors (AD) und Regieassistent*innen. Gehören sie nicht in den Bundesverband Regie?
Das hat mit unserer Entstehungsgeschichte zu tun. Die ADU gibt es schon länger, und anfangs ging es uns nicht darum, einen Berufsverband zu gründen …
Sondern?
Die meisten von uns sind Quereinsteiger. Regieassistenz ist ja kein Ausbildungsberuf. Die Chance, von anderen zu lernen, ist kaum gegeben. Wir sind Autodidakten. Ich selbst bin 2001 in diesen Beruf „reingerutscht“, hatte aber nie die Chance, mich wirklich intensiv mit anderen Regieassistent*innen auszutauschen. oder von anderen zu lernen. So kam ich vor Jahren auf die Idee, eine Plattform zu schaffen, auf der sich Regieassistenten und AD begegnen und Erfahrungen jeglicher Art austauschen können.
Wozu ein Berufsverband ja unter anderem ebenfalls da ist.
Natürlich. Wenn der Verband einer Berufsgruppe den nötigen Stellenwert einräumt. Für mich war der BVR die Interessenvertretung der Regisseur*innen. Wie intensiv dort die Lobbyarbeit für die Berufsgruppe Regieassistenz betrieben wird, war mir nicht klar.
Nichtsdestotrotz habe ich eine andere Auffassung von meiner Arbeit als der BVR. Dort wird dIe Regieassistenz noch als die künstlerische „rechte Hand“ der Regisseur*innen verstanden. Ich hingegen habe mich schon früh mit dem angelsächsischen AD-System identifiziert, bei dem ich die Regie nicht nur kreativ, sondern überwiegend logistisch und organisatorisch unterstütze.
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