Gehen oder weitermachen??Irgendwann im Laufe ihrer Karriere stehen die meisten Künstler erneut vor der Grundsatzentscheidung. Die ZAV-Künstlervermittlung will ihnen dabei mit dem Projekt Transition zur Seite stehen. Die drei Berater kommen selbst aus der Praxis. | Foto © ZAV

Gehen oder weitermachen??Irgendwann im Laufe ihrer Karriere stehen die meisten Künstler erneut vor der Grundsatzentscheidung. Die ZAV-Künstlervermittlung will ihnen dabei mit dem Projekt Transition zur Seite stehen. Die drei Berater kommen selbst aus der Praxis. | Foto © ZAV

Die Eltern hatten Jonas ja gewarnt. Vor der „Schauspielerei” und überhaupt der ganzen brotlosen Kunst. Und ob er sich das auch gut überlegt habe?

Natürlich hatte er das. Oder konnte gar nicht anders. Kunst macht man ja der Kunst wegen. Nicht wegen des Geldes oder wegen des Ruhms … naja, ein bisschen Ruhm ist schon auch nicht schlecht. Aber wen interessieren mit Anfang 20 schon Rentenansprüche oder Krankenversicherung, wenn’s um echte Leidenschaft und Berufung geht?

Nochmal 20 Jahre später ist die Leidenschaft immer noch da. Bloß an der Berufung sind allmählich Zweifel gewachsen. Ums nicht falsch zu verstehen: Jonas war kein Träumer. Dass die Zahl der Absolventen, die jedes Jahr von öffentlichen und privaten Schauspielschulen ausgespuckt werden, nicht so recht mit der Zahl von Engagements und Rollen zusammenpassen will, hätte er auch ohne Mathe-Leistungskurs bemerkt. Aber wenn man nur mit der richtigen Leidenschaft der Berufung folgt, sollte es schon gehen, dachte er sich. Wie die vielen anderen auch.

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Mit ihrem Wettbewerb „Top of the Docs“ ruft die ARD nach herausragenden Dokumentarfilmen. Dabei hat sie jetzt schon keinen Platz für die Werke, die es schon gibt.|Screenshot

Mit ihrem Wettbewerb „Top of the Docs“ ruft die ARD nach herausragenden Dokumentarfilmen. Dabei hat sie jetzt schon keinen Platz für die Werke, die es schon gibt. | Screenshot

Erst neulich hatte sich Volker Herres wieder für Dokumentationen stark gemacht. „Wir waren und sind überzeugt, dass diese Filme auf einen Primetime-Platz gehören, abseits aller Quotenerwartungen“, sagte der ARD-Programmdirektor Anfang Juni dem „Hamburger Abendblatt“. Damit meinte er die  Reihe von „aktuellen und relevanten Dokumentationen“, die im Frühjahr montags um 20.15 Uhr unter dem Titel Was Deutschland bewegt gezeigt wurden.

Was den großen, eigenständigen Dokumentarfilm angeht, sieht es weniger gut aus. Zum Kongress beim Dokfest München hatte der Medienforscher Jörg Langer mal selber ins Programm geschaut: In einer Woche im Januar hatte Das Erste 22 Stunden Sport ausgestrahlt, 21,5 Stunden Soaps, 14 Stunden Krimi – aber nur 7 Stunden Dokumentationen. Dokumentarfilme waren nicht darunter.

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Einen Platz im Internet suchen alle Fernsehsender. Die RTL-Group hat aber auch im Kino noch einiges vor. | Foto © RTL II

Einen Platz im Internet suchen alle Fernsehsender. Die RTL-Group hat aber auch im Kino noch einiges vor. | Foto © RTL II

Das lineare Fernsehen ist tot. Glauben zumindest die Leute, die sich lieber ihr eigenes Programm über Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon zusammenstellen. Und das werden immer mehr. Auch die linearen Fernsehsender stellen sich auf diese Zukunft ein. Die Öffentlich-Rechtlichen vertrauen anscheinend auf die Kraft ihrer Mediatheken und die Hilfe der Politik. Am 14. Juni hatten die Ministerpräsidenten beschlossen, den Spielraum der Mediatheken zu erweitern, auf Europäischer Ebene gibt es Bestrebungen, die Ländergrenzen bei der Verbreitung niederzureißen (cinearte 396). In beiden Fällen protestieren die Branchenverbände, die das als Nachteil der Urheber sehen.

Unterdessen haben die Privatsender ihre eigenen Pläne vorgestellt. Pro Sieben Sat.1 und der US-Medienkonzern Discovery wollen mit einer gemeinsame Streaming-Plattform mitmischen, die schon in der ersten Jahreshälfte 2019 Filme, Serien und Live-Sportübertragungen zeigen und innerhalb von zwei Jahren zehn Millionen Nutzer gewinnen soll. Dazu bringen sie ihre bisherigen eigenen Internet- und Video-on-Demand-Dienste Maxdome, 7TV und Eurosport Player ein. RTL, ARD und ZDF seien eingeladen mitzumachen, sagte der neue ProSiebenSat.1-Chef Max Conze auf den Screenforce Days am 20. und 21. Juni in Köln.

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Schauspieler (wie hier David Krumholtz in der Krimiserie „Numbers“) werden oft nur für einzelne Drehtage verpflichtet. Das kostet die ­Produktionsfirmen mehr Geld für Sozialabgaben. Billiger wird’s, wenn die Einzeltage zusammengezählt werden. Doch dieser Praxis wurde jetzt höchstrichterlich ein Ende gesetzt. | Foto © Paramount

Schauspieler (wie hier David Krumholtz in der Krimiserie „Numbers“) werden oft nur für einzelne Drehtage verpflichtet. Das kostet die ­Produktionsfirmen mehr Geld für Sozialabgaben. Billiger wird’s, wenn die Einzeltage zusammengezählt werden. Doch dieser Praxis wurde jetzt höchstrichterlich ein Ende gesetzt. | Foto © Paramount

Im EU-Vergleich steht Deutschland zwar erst auf Rang 8, auf sein Sozialsystem ist das Land dennoch stolz. Rund ein Fünftel ihres Einkommens zahlen Arbeitnehmer in die Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung, die Arbeitgeber geben den selben Betrag hinzu. Dafür sind die Arbeitnehmer dann gegen jegliche vorstellbaren Widrigkeiten abgesichert. Zumindest in der Theorie. Der Haken: Das System basiert auf einem klassischen ständigen Beschäftigungsverhältnis, das nicht in allen Branchen der Standard ist. An den Sets der Film- und Fernsehproduktionen sind die nur auf Produktionsdauer oder gar „unständig” angestellten Beschäftigten in der Überzahl. Auf 25.000 wird ihre Zahl meist beziffert, zuletzt benutzte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) diese Zahl bei den aktuellen Tarifverhandlungen.

Dauert ihr Engagement eine Woche oder länger, ist alles gut, dann zahlen sie ganz normal ihre anteiligen Sozialbeiträge – das gilt in der Regel für die auf Produktionsdauer angestellten Filmarbeiter. Anders verhält es sich mit der „berufsmäßigen unständigen Beschäftigung” – vor allem Schauspieler sind davon betroffen, die nur für einzelne Drehtage engagiert werden. Für die „Unständigen” gelten klare Kriterien: Die unständige Beschäftigung darf nicht nur von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung sein, die „Unständigen” sind in der Regel nicht ständig beim selben Arbeitgeber beschäftigt und das weniger als eine Woche. Dabei zählen nur die konkreten Arbeitstage (Drehtage), egal, wie viele Stunden der Beschäftigte an einem Tag tatsächlich arbeitet.

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Die Löhne steigen!?Um 6,9 Prozent, in drei Jahresschritten, vor Abgaben und Steuern. Klingt trotzdem noch gut. Bis man die durchschnittliche Netto-Inflationsrate von 1,7 Prozent in Rot über den Brutto-Zuwachs legt. | Grafik © cinearte

Die Löhne steigen!?Um 6,9 Prozent, in drei Jahresschritten, vor Abgaben und Steuern. Klingt trotzdem noch gut. Bis man die durchschnittliche Netto-Inflationsrate von 1,7 Prozent in Rot über den Brutto-Zuwachs legt. | Grafik © cinearte

Deutschlands Film- und Fernsehproduzenten klangen auch schon mal begeisterter. Als „Kompromisspaket“ bezeichnet die Produzentenallianz den neuen Tarifvertrag für auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende, den sie am 29. Mai mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und den Berufsverbänden für Filmton (BVFT), Montage (BFS) und  Schauspiel (BFFS) ausgehandelt hat: „Die Arbeitgeberseite musste bei der Höchst-Arbeitszeit deutliche Zugeständnisse machen“, räumte die Produzentenallianz in einer ersten Pressemitteilung nach der Einigung ein. Dafür habe sie „aber im Gegenzug viel weitergehende, überzogene Tarifforderungen der Arbeitnehmerseite abwehren und eine ungewöhnlich lange Laufzeit der Tarifverträge erreichen“ können.

Das Verhandlungsergebnis ist noch nicht endgültig, sondern muss auf beiden Seiten noch intern bis Ende Juni beraten werden. Insofern ist die Vereinbarung auch nicht öffentlich, sondern nur in den Auszügen bekannt, die beide Seiten in eigenen Presseerklärungen als wichtig herausgestellt haben. Auch dieser Artikel ist davon betroffen.

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Anfang April hatten Filmemacher und andere zur Zukunft des deutschen Films getagt. Nun ist das offizielle Ergebnispapier erschienen.

Als Edgar Reitz vor zwei Jahren Schirmherr des LICHTER Filmfest Frankfurt war und grundlegende Reformen im deutschen Filmsystem forderte, machte er öffentlich, was fast allen Beteiligten schon seit längerem bekannt ist: Das System von Filmherstellung und -verbreitung in Deutschland befindet sich in einer Sackgasse. Es ist auf der Produktionsseite von verknöcherten Strukturen, langen Entscheidungswegen und faulen künstlerischen Kompromissen gekennzeichnet und auf der Distributionsseite von einem grundlegenden Wandel der Medienwelt betroffen.

Viele Menschen haben auf Aspekte dieser Herausforderungen Antworten gegeben. Dennoch wird häufig aneinander vorbeigeredet. Missverständnisse und Misstrauen verhindern eine offene Debatte. Wir haben einen anderen Ansatz gewählt. Wir haben in Frankfurt Filmschaffende aus den verschiedensten Bereichen der Branche zusammengebracht und sie darum gebeten, zu diskutieren und konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Vorschläge, die ein breites Spektrum von Themen abdecken und dabei deutlich machen, dass an vielen Stellen Grundlegendes verändert werden muss, damit in diesem Land ein Aufbruch in Film und Kino beginnen kann.

Das vorliegende Papier ist das Ergebnis dieses Prozesses. Es wurde in drei Arbeitsgruppen erstellt, die in teilweise wechselnder Zusammensetzung unabhängig voneinander gearbeitet und dabei Impulse aus dem Kongressprogramm aufgenommen haben. Es enthält zahlreiche Positionen zu verschiedenen Aspekten des Filmbetriebs, die naturgemäß nicht von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kongresses geteilt werden.

Wir sind überzeugt, dass dieses Papier einen Weg aufzeigt, in welche Richtung sich die Verhältnisse ändern können. Es versteht sich als Motor für weitere Diskussionen, vor allem aber soll es ein Aufruf zu konkreten Taten sein. In diesem Sinne wünschen wir uns, dass möglichst viele, denen das Kino am Herzen liegt – ob sie am Kongress teilgenommen haben oder nicht –, sich diesem Aufruf anschließen, auch wenn sie nicht jeden einzelnen Vorschlag des Papiers unterstützen.

Die VeranstalterInnen

Hier geht es zum Ergebnispapier:
http://www.lichter-filmfest.de/media/frankfurterpositionen_zukunftdeutscherfilm.pdf

Die Deutschen gehen zu selten ins Kino. Und wenn sei es doch tun, sehen sie die falschen Filme. Am besten sollten sie richtig erzogen werden. | Foto © cinearte

Die Deutschen gehen zu selten ins Kino. Und wenn sei es doch tun, sehen sie die falschen Filme. Am besten sollten sie richtig erzogen werden. | Foto © cinearte

Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film“ haben Filmemacher und Fachleute Vorschläge erarbeitet, was besser gemacht werden könnte. Wir stellen die Handlungsempfehlungen vorab vor. Zum Abschluss sprach Claudia Dillmann über „Distribution und Kinokultur“: Weiterlesen

Zum Abschluss des Kongresses „Zukunft Deutscher Film” in Frankfurt wurden die Verbesserungsvorschläge vor vollem Saal präsentiert. | Foto © Klaus Rebmann

Zum Abschluss des Kongresses „Zukunft Deutscher Film“ in Frankfurt wurden die Verbesserungsvorschläge vor vollem Saal präsentiert. | Foto © Klaus Rebmann

Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film” haben Filmemacher und Fachleute Vorschläge erarbeitet, was besser gemacht werden könnte. Wir stellen die Handlungsempfehlungen vorab vor. Alfred Holighaus präsentierte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Ausbildung und Nachwuchs“:

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An der großen Wand von Crew United konnten sich die Kongressgäste ihre eigenen Gedanken machen. Am Ende war sie voll. | Foto © Tom Nestler

An der großen Wand von Crew United konnten sich auch die Kongressgäste ihre eigenen Gedanken machen. Am Ende war sie voll. | Foto © Tom Nestler

Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film” haben Filmemacher und Fachleute Vorschläge erarbeitet, was besser gemacht werden könnte. Wir stellen die Handlungsempfehlungen vorab vor. Im zweiten Teil der Arbeitsgruppe „Förderung und Finanzen“ präsentierte die Regisseurin Julia von Heinz die Vorschläge zum Fernsehen:

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Auf dem Podium (von links):?Martin Hagemann, Julia von Heinz, Alfred Holighaus, Claudia Dillman. | Foto © Klaus Redmann

Auf dem Podium (von links):?Martin Hagemann, Julia von Heinz, Alfred Holighaus, Claudia Dillman. | Foto © Klaus Redmann

Schön, wenn man miteinander geredet hat. Aber was dann? Ohne einen Ausblick wollten die Organisatoren des Kongresses „Zukunft Deutscher Film“ ihre Besucher nicht gehen lassen. Deshalb ließen sie, angeregt durch die Thesen von Edgar Reitz, 26 Filmemacher und Fachleute an beiden Tagen in drei Arbeitsgruppen die drängenden Themen diskutieren. Das Ergebnis sollten Handlungsempfehlungen sein, die Zum Abschluss im Großen Saal des Zoo-Gesellschaftshauses vorgestellt wurden.

Vorgetragen wurden sie von den jeweiligen Moderatoren der Arbeitsgruppen: Martin Hagemann, Produzent und Professor an der Filmuniversität „Konrad Wolf“ Babelsberg, teilte sich die Präsentation zu „Förderung und Finanzen“ mit der Regisseurin Julia von Heinz; Alfred Holighaus, Präsident der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (Spio), schilderte die Vorstellungen zu „Ausbildung und Nachwuchs“; und Claudia Dillmann, ehemalige Direktorin des Deutschen Filmmuseums und des Deutschen Filminstituts sprach über „Distribution & Kinokultur“.

Wir veröffentlichen in den nächsten vier Tagen gekürzte Mitschriften der Vorträge. An der endgültigen Formulierung wird noch gearbeitet, sie soll voraussichtlich diese Woche auf der Kongress-Website veröffentlicht werden. Den Anfang machte Martin Hagemann mit Förderung und Finanzen – Kino:

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Lisa Jopt, Schauspielerin und Vorsitzende des ensemble-netzwerks e.V. - (c) Foto: Julia Nimke Photography

Engagiert Euch! Das sagt sich so leicht … und ist es eigentlich auch. Lisa Jopt ist Vorsitzende des Ensemble-Netzwerks, das sich vor drei Jahren gründete. In ihrer Impulsrede zur Diskussion Film but Fair erzählte sie, wie die Schauspieler an deutschen Theatern das gemacht haben.

Text Lisa Jopt.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich sage jetzt einfach mal Kolleginnen und Kollegen, denn so fühle ich es. Obschon ich vom Theater komme, tun wir, die wir alle hier heute aus den unterschiedlichsten Abteilungen beim »Fair Film Award« sind, das Gleiche: Wir arbeiten für die Darstellenden Künste. Ob Theater, Film oder Fernsehen – wir sind mit unseren vielen unterschiedlichen Berufen und Departements eine absolut wichtige und tragende Säule unserer freien, demokratischen Gesellschaft und Bedeutungsträger unserer kulturellen Vielschichtigkeit.
Aber warum stehe ausgerechnet ich heute hier? Sie kennen mich nicht aus dem Fernsehen. Ich bin keine prominente Persönlichkeit, die sich medienwirksam für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzten könnte. Ich bin auch keine Politikerin, die Entscheidungsgewalt hätte.
Nein, ich bin bloß eine Schauspielerin, die hauptsächlich am Theater beschäftigt ist und die seit sieben Jahren meist peinlichst unterbezahlt an öffentlich geförderten Theatern spielt. Am Schauspiel Essen, am Oldenburgischen Staatstheater oder eben jetzt am Schauspielhaus Bochum.
Und als ich ans Theater kam und mein großer Traum, Schauspielerin zu werden, sich endlich erfüllte, habe ich früh erkennen müssen, dass mein Traumberuf und die Arbeitsrealität unverschämt weit auseinanderliegen. Wie wohl die meisten hier, denn sonst würde es den »Fair Film Award« wohl nicht geben. Vielleicht kommt Ihnen folgende Aussage bekannt vor, selbst, wenn die meisten hier freischaffend sind: Es wird zu viel produziert. In zu kurzer Zeit. Mit zu wenig Leuten. Und zu wenig Geld. Das ist ein massives Problem an vielen Theatern, aber der Frust darüber kanalisiert sich eher in der Kantine oder der Kneipe. Viel Gemekker und Beschwerde von tollen, gestanden Künstler/innen über »die da oben«.
Und je länger man diesem Negativ-Narrativ ausgesetzt ist, dieser sich selbst wiederholenden Hilflosigkeitsbekundung, desto mehr hat man den Eindruck, man könne tatsächlich nichts verändern. Denn wenn die Kolleg/innen, die schon so viel mehr Erfahrung haben als ich, die tolle Schauspieler/innen sind, das nicht können, dann geht es wohl auch wirklich nicht. »So ist das halt am Theater.«

Eine Resignation hatte sich breit gemacht, die sich mit einem Rückzug ins Private, Einzelgängertum oder in zu vielen Feierabendbieren zeigte. Eine traditionelle Erzählung, die angeblich zur Künstler/innen-DNA gehört, sollte nun angeblich auch meine Berufsrealität sein. Meine Lebensperspektive bestimmen. Wir nennen das heute übrigens Theaterfolklore. Weiterlesen

Oliver Zenglein von Crew United - Foto: (c) Julia Nimke

Vor der Berlinale-Eröffnung ging es in der Berliner Kulturbrauerei wieder zur Sache: Wie können die Filmschaffenden am besten für ihre Interessen einstehen? Crew-United-Geschäftsführer Oliver Zenglein appellierte in seiner Begrüßung, sich stärker zu organisieren.

Text: Oliver Zenglein

Herzlich willkommen bei Film but Fair!

Ich möchte mit einem Dankeschön beginnen, bei den Menschen, die diese Veranstaltung heute möglich gemacht haben: Zuallererst bei unseren Gästen, die diese Veranstaltung als Impulsgeber, Diskussionspartner oder Laudator mitgestalten. Wir freuen uns, dass Ihr alle gekommen seid. Herzlichen Dank! Bei der großartigen Band Die höchste Eisenbahn, bei Lisa Basten und Rüdiger Suchsland, unseren wunderbaren Moderatoren, bei Christian Dosch, zuständig für Nachhaltigkeit und Fairness bei Crew United, der diese Veranstaltung so toll organisiert hat. Und natürlich bei meinem Crew United Partner Vincent Lutz und dem gesamten Team von Crew United.

Gleich geht es los mir einer hoffentlich spannenden und inspirierenden Diskussion und danach werden wir die fairsten Produktionen 2017 auszeichnen. Das macht üblicherweise die Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände DIE FILMSCHAFFENDEN, mit der wir seit vielen Jahren eine Partnerschaft pflegen und für die wir die Umfrage zu den Arbeitsbedingungen seit der zweiten Preisverleihung 2012 durchführen. In diesem Jahr ist es ihr aber aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Doch der Preis und das, wofür er steht, ist in der Branche in den letzten Jahren ins Bewusstsein vorgedrungen. Wir alle finden, dass wir nicht nachlassen sollten und der Preis gerade jetzt (und unbedingt) Kontinuität braucht. Deshalb hat Crew United auch die heutige Preisverleihung organisiert.

Das wirklich Großartige dabei: Wir können den Preis in diesem Jahr nicht nur im Namen von Die Filmschaffenden und ihren derzeit 4 Mitgliedsverbänden vergeben, sondern im Namen von über 30 Verbänden, Organisationen. Und im Namen von Verdi. Wir können uns nicht erinnern, dass diese vielen unterschiedlichen Interessenvertretungen sich jemals so einmütig und ohne Streit gemeinsam zu einer Sache bekannt haben: Heute ist die Premiere – der Einsatz für Fairness vereint uns alle! Vielleicht kann dies ein Anfang einer dauerhaften Annäherung sein!

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Weiterhin gilt aber, dass dieser Preis keine glamouröse Angelegenheit sein soll und kann. Mehr noch: Ziel dieses Preises bleibt ja ganz klar eines – sich selbst abzuschaffen! Sobald es in der Branche durch die Bank fair zu geht, braucht kein Mensch mehr diesen Preis. Weiterlesen

Ignoriert und ungeachtet: Die Filmschaffenden stehen alleine da. Und statt vereint für ihre Interessen zu kämpfen, beharken sie sich gegenseitig. | Archivfoto

Ignoriert und ungeachtet: Die Filmschaffenden stehen alleine da. Und statt vereint für ihre Interessen zu kämpfen, beharken sie sich gegenseitig. | Archivfoto

Deutschlands Filmbranche ringt wieder um einen Tarifvertrag. Alle paar Jahre wiederholt sich die Prozedur, am Ergebnis scheiden sich meist die Geister. Ein Hauptstreitpunkt sind die Arbeitszeiten. Zwar konnte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) vor zwei Jahren leicht höhere Gagen aushandeln, scheiterte aber beim Versuch, die Tagearbeitszeiten einzugrenzen. Die „pendeln sich allgemein bei 12 bis 14 Stunden pro Drehtag ein“, stellte schon vor zehn Jahren der damalige Vorstand der Bundesvereinigung der Filmberufsverbände, Hans Schlosser, fest.

Für die Produzenten ist das Thema „existentiell“, um bei Dreharbeiten „die notwendige Flexibilität zu erhalten und Beschäftigung zu sichern“, hatte nach der letzten Tarifrunde die Produzentenallianz erklärt, die auf der anderen Seite des Verhandlungstischs sitzt. Das ist ziemlich dicht an der Darstellung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die „flexible Beschäftigungsformen“ generell als Vorteil für beide Seiten sieht, die nötige Flexibilität aber ausschließlich von den Arbeitnehmern erwartet.

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Auf dem Podium (von links): der Produzent Thomas Kufus, der Regisseur Volker Schlöndorff, Moderator Philipp Weinges, die Präsidentin der HFF München, Bettina Reitz, der Regisseur Christoph Hochhäusler und Christiane Peitz („Tagesspiegel“). | Foto © Bundesregierung/Koall

Auf dem Podium (von links): der Produzent Thomas Kufus, der Regisseur Volker Schlöndorff, Moderator Philipp Weinges, die Präsidentin der HFF München, Bettina Reitz, der Regisseur Christoph Hochhäusler und Christiane Peitz („Tagesspiegel“). | Foto © Bundesregierung/Koall

Deutschlands größtes Filmfestival braucht eine neue Leitung. Noch zweimal wird Dieter Kosslick zur Berlinale laden, dann läuft sein Vertrag aus, und über 70 wird er dann ja auch schon sein. Und so ist in den jüngsten Wochen eine Diskussion in Gang gekommen, wer ihm denn wohl nachfolgen könnte oder sollte oder müsste …

Debattiert wird freilich nur in den Filmspalten im Kulturteil, denn so sehr interessieren sich dann doch nur die Wenigsten fürs Hauptstadt-Festival mit Weltrang oder die öffentliche Personalpolitik. Dafür sind die Positionen umso klarer und fest: Die Berlinale habe kein Profil, der Wettbewerb keine Inspiration, das Renommee hätten andere Festivals, lassen sich die kritischen Stimmen grob zusammenfassen.

Mitunter erinnern die Vorwürfe an die späten 1990er-Jahre, als Kosslicks Vorgänger Moritz de Hadeln vom Hof gejagt wurde. Eine neue Ära brach an, die Berlinale wurde plötzlich wieder sexy. „Ohne Dieter Kosslick wäre die Berlinale nicht das heutige herausragende Filmkunstereignis mit internationaler Strahlkraft, auf das wir in Berlin so stolz sind“, sagt Monika Grütters, die Staatsministerin für Kultur und Medien (BKM). Und die ganze Diskussion habe zudem „kampagnenhafte Züge“, kritisiert zugleich der Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB), der für die Berlinale zuständig ist. Dreihundertdreißigtausend verkaufte Karten, eine halbe Million Besucher – was soll es da zu meckern geben?

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Ein 1. AD hat alle Hände voll zu tun, eine Regieassistentin auch. Wie sich die beiden Berufsbilder unterscheiden und weshalb sie in Deutschland doch gerne vermischt werden, erörterten Julia Eplinius und Sebastian Fahr-Brix auf den Regietagen. | Foto © BVR, Christof Arnold

Amerika, du hast es besser. Nirgendwo scheint der alte Spruch noch mehr zu gelten als in der Filmbranche. Sehnsüchtig schauen manche Filmschaffende Richtung Hollywood, wo größere Budgets und bessere Strukturen vermeintlich die Filmarbeit erleichtern. Einen Einblick in der Realität versuchten auf den Regietagen am ­Wochenende in München Julia Eplinius und Sebastian Fahr-Brix für ihr Tätigkeitsfeld zu vermitteln: die Regieassistenz – im angelsächsischen Sprachraum First Assistant Director, kurz 1. AD.

Doch sind beide Systeme oder weiteres zu vergleichen? Sebastian Fahr-Brix hat als 1. AD fast alle Filme von Tom Tykwer begleitet – bis hin zur neuen Serie „Babylon Berlin“, die mit einem Rekordbudget von 40 Millionen Euro mit den Produktionen von Streamingdiensten und Abosendern konkurrieren soll. Julia Eplinius vertritt als Vorstand die Regieassistenten im Bundesverband Regie (BVR). Einem Laien ist schon der Beruf des Regieassistenten schwer begreiflich. Die meisten stellen sich darunter tatsächlich nur eine „rechte Hand“ vor, die dem Regisseur alles vom Leibe hält, was ihn von seiner kreativen Arbeit ablenkt – bis hin zum Kaffeeholen. Und irgendwann darf dieses Helferlein dann auch mal endlich selber einen Film inszenieren …

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